Niemand ist furchtlos-

Wenn du Träume hast. Träume von der Welt und von glücklichen Zeiten, von großen Taten und von tiefen Blick. Dann ist da neben dieser sagenhaften Glückseeligkeit, in welcher Gegenwart du diese Träume immer hast, auch der riesige Funken Angst. Die Angst das du deine Träume nie erfüllen wirst. Das einfach alles nur ein Traum bleibt.

-Ich habe Träume, und ich habe Angst. Eine heiden Angst, die Angst meines Lebens-

Es war einer dieser warmen Septembertage an dem du dir nichts sehnlicher wünscht, also bloß mit geschlossenen Augen und in Badeklamotten am See liegen zukönnen. Wo du weder über die Schule, noch über irgendwelche anderen lästigen Aufgaben nachdenken musst.

Heute war so ein Tag.

Ein warmer, sonniger Tag Ende September.

James Potter lief bedächtig auf den See zu. Aus einiger Entfernung erkannte er bereits seine Griffindorkollegen in ihren Badesachen am Ufer liegen. James war heute erst, zwei Wochen nach dem Anschlag in Hogsmeade aus dem Krankenflügel entlassen worden. Lily und auch Sirius hatten den selbigen schon eine Woche zuvor verlassen.

Als James nur noch zehn Meter entfernt war, hörte er schon das laute Lachen seines besten Freundes und das genervte Seufzen von Remus.

Peter schlummerte scheinbar ein wenig und ließ sich, selig lächelnd, die Sonne auf den Bauch scheinen. Remus hatte sein Gesicht hinter einem dicken Wälzer versteckt und lugte nur von Zeit zu Zeit dahinter hervor um Sirius im Auge zu behalten. Dieser machte sich einen Spaß daraus vorbeiziehende Mädchenschwärme nach verschiedenen Kategorien zu bewerten.

An Remus Füßen lagen drei weitere Handtücher. Einmal das von Frank Longbottom der, wie Peter, die Augen geschlossen hatte und schlief, sowie das seiner Freundin Alice, welche sich schnatternd mit der dritten Person, Lily, unterhielt.

„Na gut, ich will nicht so sein... vielleicht schafft ihr Hintern es noch auf 3 Punkte, aber mehr lässt sich nicht machen.", warf Sirius fachmännisch in die Runde als eine Huffelpuff ohne Namen an ihnen vorbeilief.

„Und, Padfoot, lass mich raten. Ihre Oberweite holt das alles wieder raus?", grinste James während er sein Handtuch ausbreitete und sich sein T-Shirt über den Kopf zog.

„Oh Hi Prongsie.", sagte Sirius ohne den belustigten Blick von dem Körper der Huffelpuff zunehmen. „Und ja, du hast Recht." Er kicherte leise vor sich hin und suchte das Ufer nach seinem nächsten Opfer ab.

„Hi James.", lächelte Remus und auch Alice und Lily schauten kurz auf um James zugrüßen.

Während der Zeit im Krankensaal hatte James nicht viel Zeit gehabt mit Lily zureden, denn er hat die meiste Zeit einfach nur erschöpft geschlafen, aber es schien ihm als würde sie seine Anwesenheit nicht allzu schlimm finden.

Gerade warf er sein T-Shirt neben das von Sirius als Lily scharf die Luft einzog.

„Potter, was hast du denn da gemacht?", sie deutete auf seine Brust, die mit etlichen Kratzern und Blessuren überhäuft war.

„James.", Lily sah ihn verwirrt an.

„Ich...ich meine, du kannst mich auch James nennen."

Langsam schien es bei Lily zuklicken und sie nickte leicht um ihr Einverständnis zu bekennen.

„Und nun ja, vor zwei Wochen da war so ein Anschlag auf Hogsmeade und ich habe also...", er zwinkerte ihr zu und eine zarte Röte schlich sich auf Lilys Wangen und sie nickte erneut, ehe sie sich Alice zuwand.

„James dein Hintern ist eine glatte 10 und das weißt du, also setz dich hin.", maulte Sirius, da James ihm scheinbar in der Sonne stand.

„Sag mal Prongs was trägst du da eigentlich um den Hals?", quäkte Sirius eine halbe Stunde später unbeholfen drauf los.

James Wangen färbten sich dunkelrot und mit einem großen Satz war er auf den Beinen.

„Kommt wer mit schwimmen?", Remus schüttelte den Kopf und auch Alice und Frank lehnten ab. Lily guckte peinlich berührt zu Boden nur Sirius schien gewillt zu sein in die Fluten zu springen. Auch er war in Nullkommanichts auf den Beinen, und gemeinsam trotteten die beiden Freunde nebeneinander zum Wasser.

„Padfoot, irgendwann bringe ich dich um." ,zischte James ohne die Lippen merkbar zu bewegen, Sirius jedoch lachte nur hohl auf.

„Mensch Prongsie, wenn du nicht in die Offensive gehst, tu ich das. Und Lily auf dein hübsches Kettchen hinzuweisen gehört zu Punkt 1."

„Punkt 1?"

„Punkt 1, mein Freund.", er legte einen Arm und James Schulter. „ Es geht darum Lily klar zumachen wie viel sie dir bedeutet. Darauf stehen die Mädels."

„Padfoot, Lily ist nicht ‚die Mädels'."

„Und genau an dem Punkt muss ich noch arbeiten.", damit klopfte er James auf die Schulter und hatte ihn ins Wasser geworfen.

„Sirius habe ich erwähnt das ich dich HASSE?"

„Mein liebster James, there's a fine line between love and hate."

Als Lily an diesem Abend den Gemeinschaftsraum betrat, sah sie James vor dem Kamin sitzen. Seine Silhouette warf riesige Schatten auf die Bücherregale an der Wand. Er saß über einem Pergamentstück gebeugt an das rote Sofa gelehnt und runzelte die Stirn.

Ihre Bücher fest an ihren Oberkörper gepresst, schritt Lily ein paar Meter in den erhellten Raum. Erschrocken blickte James auf. Als er Lily erkannte legte sich ein sanftmütiger Ausdruck auf sein Gesicht.

„Ja...", Lilys Stimme brach und sie räusperte sich. „James, ich... Danke."

Der junge Mann nickte mit einem seltsamen Gesichtsausdruck, den Lily nicht zudeuten vermochte. Eilends schritt sie die Treppen zu ihrem Schlafsaal hinauf. Als sie fast die oberste Stufe erreicht hatte, drehte sie sich noch einmal um.

James saß jetzt nicht mehr auf dem Sofa, sondern stand direkt hinter ihr. So nah, das sie seinen frischen, grasigen Duft in ihrer Nase spürte und seinen Atem auf ihrer Haut fühlte.

„Ich bin immer da, Lily.", seine Stimme war ein leises Flüstern, nicht lauter als ein vertrocknetes Blatt im lauen Herbstwind. „Ich war immer da."

Mit diesen Worten verschwand er und ließ eine verwirrte und aufgewühlte Lily Evans zurück.

Egal wie schnell du läufst, oder wie gemütlich du den Pfad entlang spazierst. Der Weg bleibt der Gleiche.