Scorpius Malfoy und die Höhle des Löwen – Kapitel 8
[i] Was soll ich tun? Was soll ich nur tun?
Ich traue ihr nicht. Sie ist eine Weasley. Und dazu noch ausgerechnet Rose! Und was wird Vater nur dazu sagen? Ich bin erledigt. [/i]
Scorpius lag in seinem Bett im Gryffindor-Turm. Die anderen waren alle in der Bibliothek, um die Freistunde mit Hausaufgaben zu verbringen. Er hatte alles schon fertig. Nun lag er da und dachte nach. Er hörte Schritte auf der Treppe.
[i]Bitte nicht Rose, bitte nicht Rose. [/i]
Es war einer seiner Kameraden, der nur ein Schulbuch holen wollte.
[i]Glück gehabt.
Ok, nochmal von vorne:
Ich bin mit Rose zusammen.
Rose mag mich. ...Irgendwie schwer zu glauben… Oder führt sie etwas im Schilde? …Ich weiß es nicht, ich sollte vorsichtig sein.
Warum habe ich eigentlich zugesagt? Ich hasse sie doch! Aber… irgendwie… ach ich weiß nicht.
Was soll ich Vater erzählen? Soll ich es ihm überhaupt sagen?
Er kriegt es doch eh raus…
Also was sage ich ihm? Dass ich sie nur verarsche?
Selbst wenn er mir das glaubt, erwartet er dann von mir ihr auch wirklich wehzutun. Aber will ich das?
Was spricht eigentlich dagegen? Sie hat mich immerhin vier Jahre lang gequält. [/i]
„Hey, Ian, ist Scopius oben? – Darf ich hoch?"
Der Lautstärke nach zu urteilen hatte Rose die Treppe schon halb erklommen. Er hatte einen Entschluss gefasst: Seinem Vater würde er die Geschichte so lange wie möglich verheimlichen, Rose würde er ganz genau im Auge behalten und sollte er nur den kleinsten Verdacht schöpfen, würde er sich bitterlich an ihr rächen. Er war es leid, sich ständig rumschubsen zu lassen.
Rose öffnete die Türe. „Hi~", sagte sie langgezogen und überaus freundlich. „Hey", antwortete er knapp, aber mit einem Lächeln. Rose setzte sich neben ihn aufs Bett und fragte, warum er nicht bei den anderen wäre. „Ich hab schon alles fertig", war seine Antwort, wobei er die Kissen aufschlug, sie stapelte und sich etwas aufrechter mit hinter dem Kopf gefalteten Händen daran anlehnte. „Auch den Aufsatz für Zauberkunde?", fragte Rose weiter
„Ja, daran hab ich eben noch gefeilt."
„Und Kräuterkunde?"
„Das war doch nicht viel."
„Ich habs noch nicht gemacht, was war nochmal auf?"
„Longbottoms Lieblingsthema: Dianthuskraut"
„ach ja… Ich mach das eben ok?"
„Alles klar. Hast du Zaubertränke schon fertig?"
„Jep und du?"
„Ja, nur ich hab das Gefühl mir fehlt irgendwas… ich werd mir nachher nochmal schnell das Buch ausleihen und drüber schauen."
„Was hast du außer der Wirkung und der netten Anekdote über das Trimagische Turnier noch geschrieben?"
„Die Debatte über Süß- und Salzwasser"
„Ach ja… zähl doch mal auf, was du schon hast"
„Ähm… man verwendet für den Unsichtbarkeits- bzw. Tarntrank wahlweise Billywig-Stacheln oder die Schale eines Dracheneis, wobei letztes viel besser wirkt als ersteres. Dazu kommen ein paar Tropfen Rosen-Essenz und Krötenblut, sowie die Wurzeln der Wasserpflanze Eupatorium cannabinum – allgemein alsWasserdost bekannt. Problem an diesem Trank sind die Seltenheit der Dracheneischalen, welche den Schwarzhandel von Dracheneiern ankurbelt, das Züchten von Wasserdost, da die benötigten Arten nur in Asien wachsen und nicht zum Import geeignet sind. Zudem steht noch nicht fest, ob die Rosen-Essenz echt sein muss, oder auch synthetisch hergestellt sein darf – der Trank wurde ja erst vor knapp einem Jahr „erfunden".
Verwendet wird dieser Trank kaum, da, wie schon gesagt, die Zutaten zu selten sind – mal abgesehen von den Billywig-Stacheln – und er ist noch zu aufwendig zu brauen, da die Auroren zum Beispiel, die ihn gebrauchen könnten, Meister im Umgang mit dem Desillusionierungszauber sind, und dieser im Vergleich für sie einfacher, schneller und effektiver ist.
Erfinder des Trankes war Flamel. In seinen Aufzeichnungen der letzten Jahre, in welchen er die Produktionsweise neuer Tränke beschreibt, welche er eher hobbyweise in den Jahren vor seinem Tod erfand und niederschrieb wurden mehrere Texte über den Trank gefunden. Das Zaubereiministerium veröffentlichte diese Aufzeichnungen, nachdem in Albus Dumbledores Testament die Erlaubnis von ihm und Flamel „gefunden" worden ist.
… Das ist so die grobe Zusammenfassung. Aber irgendetwas fehlt noch.", rasselte er sachlich herunter, als wüsste das jedes kleine Kind. „Das mit Flamel wusste ich gar nicht. Ich hab aber noch die Rolle der Farbe der Rosenblüten, die für die Essenz verwendet werden eingebaut.", sagte sie gelassen.
„Nein… nein das ist es nicht… Billywig… Drache… Rosen… Wasserdost… Kröten… Genau! Ich hab vergessen, dass man auf jeden Fall das Blut einer giftigen Kröte nehmen sollte. Paradoxerweise wird der Trank ungefährlicher, desto giftiger die Hautsekrete der Kröte sind…
Und du solltest vielleicht noch einbauen, dass die Art der Essenzgewinnung auch wichtig ist. Destillierte Essenzen sind schwieriger herzustellen, da die wichtigen Inhaltsstoffe für den Trank durch die Hitze leicht zerstört werden können. Andererseits ist es auch schwer gerade diese aus dem Fett der Pomade zu lösen."
„Woher weißt du das alles?"
„Was genau meinst du?", fragte er nach und lächelte. Er freute sich, dass sie ihn ein wenig bewunderte. Oder heuchelte sie das nur? „Die ganzen Details", antwortete sie und rutschte näher an ihn heran. „Das mit den Kröten ist ne lange Geschichte… Das mit den Rosen ist eigentlich eine logische Schlussfolgerung, wenn man bei der „Spezialstunde" letztes Jahr da war, wo Zaubertränke und Muggelkunde gezwungenermaßen zusammengelegt werden mussten. Da wurde halt über Essenzgewinnung in der Parfümerie und die Verwendung von Essenzen für Zaubertränke berichtet.", erzählte er und drehte sich nach langem Zögern auf die Seite. Rose zog ihre Beine aufs Bett und lehnte sich ein wenig an Scorpiu. Dieser wiederrum legte zögerlich eine Hand an ihre Wange. Rose zuckte nur kurz, rührte sich dann aber nicht mehr. Er zog sie vorsichtig zu sich hinunter und küsste sie. Sie erwiderte den Kuss, wenn auch nur sehr zaghaft. Scorpius ärgerte sich in diesem Moment, kaum Ahnung von Mädchen zu haben. Und gerade jetzt konnte er es sich nicht leisten, sich zu blamieren.
Er löste sich von ihr und sah sie an. Eine leichte Röte hatte sich über ihre Wangen geschlichen. Ihr Ausdruck ließ auf Verwirrung schließen. Er stand auf und kramte seinen Aufsatz raus. Als er seine Feder niederlegte stand Rose auf, nahm seine Hand und zog ihn vom Bett. „Was hast du vor?", fragte Scorpius. „Lass uns runter in die Küche gehen."
„Warum?"
„Weil ich Hunger habe und im Moment eh kaum einer in der Schule rumläuft. Wir sind die einzigen die jetzt eine Freistunde haben. Oder hast du Angst?"
„Wovor sollte ich Angst haben?", konterte er. Rose schien etwas sagen zu wollen, verkniff es sich aber ganz offensichtlich. Scorpius funkelte sie kurz an, sah aber darüber hinweg. [i] Was wollte sie gerade sagen? [/i]
Sie gingen die Große Treppe hinunter und schlichen in die Eingangshalle. Von hinten hörten sie Schritte, Rose blickte nervös zurück, ein wenig an Scorpius gedrängt, dessen Hand schon im Begriff war seinen Zauberstab zu zücken.
„Waaaaaaas macht ihr beide?", fragte Lily fröhlich und trat um die Ecke. „L-Lily? Das könnten wir dich auch fragen!", stotterte Scorpius verwundert. „Ich hab euch hier runter schleichen sehen, da bin ich euch gefolgt."
„Und warum bist du nicht im Unterricht?", fragte Rose. „Wir hatten mal wieder Vertretung in Verteidigung gegen die Dunklen Künste… Das dritte mal in Folge. Da hab ich ausnahmsweise mal ausgenutzt, dass unser Onkel uns des Öfteren ein Päckchen mit Scherzartikel und Kotzpastillen schickt."
„So kenn ich dich gar nicht", bemerkte Rose. „Kein Kommentar, Rose", antwortete Lily zögernd: „Was habt ihr nun vor?"
„Wir hatten vor… etwas zum Lachen zu bringen", sagte Scorpius, der den Vertrauensschüler, der gerade die Große Halle verließ bemerkt hatte. „Darf ich mit?", fragte Lily unschuldig.
„Mir ist das gleich, was sagst du Scopius?", sagte Rose und schaute ihn erwartungsvoll an. „Ähm… ich hätte nichts dagegen Lily… aber du fällst ein bisschen auf", sagte er und sah Lily entschuldigend an.
„Kein Problem, ich hab den Tarnumhang dabei.", antwortete die Jüngste lächelnd. „Wo hast du den her?", fragte Rose etwas bissig. „Albus hat ihn unerlaubterweise mitgebracht und Dad sagte, ich solle ihn bis zu den Ferien aufbewahren."
„Aufbewahren heißt nicht du sollst ihn verwenden."
„Dagegen hat niemand etwas gesagt."
„Komm schon Rose, ihr beide passt da sogar noch zu zweit drunter. Und mir traut man es nicht zu in die Küche zu schleichen.", warf er dazwischen.
„Du warst ja auch noch nie da", sagte Rose, die sich versuchte wieder einzukriegen. „Ich war schon etliche male da, meine liebe Rose, danke dass du mir so viel zutraust. Da ist doch wirklich nichts bei.", sagte er ungehalten. Nachdem Rose wieder einmal etwas zögerte, überwand sie sich: „E-Es tut… mir leid", stotterte sie, sah ihn dabei aber nicht an, nahm dafür aber seine Hand.
Lily lugte um die Ecke, um festzustellen, ob der Vertrauensschüler schon weg ist. Das war er und so gingen die Drei die Treppe hinunter und schlichen schnell links von ihnen in den Gang, der hinter der Großen Halle verlief.
Rose kitzelte die Birne auf dem Stillleben mit der Obstschale, die sich dann in eine Türklinke verwandelte. Sie betraten die Küche und kamen unter dem Umhang hervor. Ein Teil der dort anwesenden Hauselfen ließ alles stehen und liegen, um ihre Gäste zu empfangen. Ein Hauself trat hervor und verbeugte sich noch tiefer, so dass seine Nase den Boden berührte. „Guten Tag Mr. Malfoy, Miss Weasley, Miss Potter", sagte er freundlich und drückte bei jedem Namen die Nase kurz noch weiter an den Boden. „Was darf es denn sein?"
„Was möchtest du Rose?", fragte Scorpius und wandte sich seiner Freundin zu. „Mousse auf Chocolat. Eine Hälfte aber bitte mit weißer Schokolade."
„Und du, Lily?"
„Ähm… Erdbeerkuchen mit ganz viel Sahne und Vanilleeis", sagte sie etwas schüchtern aber voller Begeisterung. „Und du Scorps?", fragte Rose, die über Lilys Begeisterung nur den Kopf schüttelte. „Ein Stück Mokka-Torte bitte, falls es keine Umstände macht", sagte er freundlich zu dem Hauselfen. Er gab sich stets Mühe freundlich zu den Hauselfen zu sein. Er hatte sich immer von den alten Geschichten seiner Familie distanziert, aber Dobbys Geschichte ging ihm nahe. Er hatte sogar in den tiefen seines Koffers einen „.R"-Button vergraben, auch wenn er wusste, dass das nicht viel brachte und eigentlich totaler Schwachsinn war. Wenigstens behandelte sein Vater die Hauselfen besser, als sein Großvater es getan hatte.
Die Hauselfen schafften rasch einen Tisch und Stühle heran, und bald darauf wirkte es für die drei Schüler eher wie in einem Café, als in der Schulküche. Während ihnen der Duft der Kuchen in die Nase stieg, arbeiteten die Hauselfen unermüdlich. Sie schrubbten das Geschirr des Mittagessens und bereiteten das Abendbrot vor. Sie hatten noch ungefähr eine halbe Stunde Zeit, die sie ausgelassen unter der Großen Halle verbrachten.
Sie schlichen sich wieder hinaus, Lily eilte in den Krankenflügel, Rose und Scorpius gingen zur Flugstunde.
Rose schien wirklich mehr von ihrer Mutter geerbt zu haben, als von ihrem Vater. Ihr Bruder flog ganz passabel, hörte man im Gryffindor-Turm sagen, doch sie kämpfte echt mit dem Besen. Scorpius hingegen hatte keine Probleme, auch wenn er nicht wie ein Champion flog. Er half seiner Freundin wo er konnte, was Eindruck auf den Lehrer machte, da er sonst immer so verschlossen und in sich gekehrt war. Albus ärgerte seine Cousine sehr gerne, da sie ihn gerne trietze, wenn es um Hausaufgaben ging. Doch Scorpius verteidigte sie recht gut, was aber nicht hieß, dass er nicht das ein oder andere mal vom Besen fiel. Insgesamt verlief für Scorpius im Moment einiges besser als zuvor. Seine Noten wurden seit der ersten Stunde besser, die anderen akzeptierten seine Anwesenheit und die kleinen Kabbeleien zwischen ihm und Albus schienen nicht mehr auf Bosheit zu basieren. Viel eher schien sich eine Freundschaft zu entwickeln – auf einem recht umständlichen und teils schmerzhaften Wege.
