Verschlafen drehte sich Kim in ihrem Bett herum, raffte mit halbgeschlossenen Augen ihr Kissen zusammen, und bettete ihr Gesicht in die weiche Fülle.

„Guten Morgen!" Drang eine Frauenstimme an ihr Ohr.

Nur mühsam gelang es ihr, die Augen zu öffnen, und sie musste sich zwingen, die fremde Stimme nicht zu ignorieren. „Hi..." Murmelte das Mädchen, und musterte die dunkelhaarige Frau, die auf ihrer Bettkante saß, und ihr eine dampfende Tasse Tee entgegen hielt.

„Mein Name ist Arwen." Erklärte die Fremde mit einen Lächeln.

Mit einem herzhaften Gähnen reckte Kim die Arme über den Kopf, und streckte sich ausgiebig. „Ich bin Kim." Sagte sie müde, und ließ die Arme wieder in ihren Schoß sinken. Dankend nahm sie den Tee entgegen, und rieb sich mit der freien Hand über die Schläfe, um einen klaren Kopf zu bekommen. Sie erinnerte sich an den vergangenen Tag zurück, und an das Versprechen eines gewissen Elben, der die Nacht über sie wachen wollte, doch nun nicht vorzufinden war. Sie blickte sich ausgiebig im Zimmer um, doch da sie ihn nirgends ausmachen konnte, wandte sie sich wieder der dunkelhaarigen Frau zu.

„Ist etwas nicht in Ordnung?" Erkundigte sich Arwen, die die ausschweifenden Blicke Kims aufgefangen hatte.

„Nein… Schon okay…" Kim resignierte und nippte an ihrem Tee.

„Gut." Sagte die Elbin sanft. „Ihr solltet aufstehen, und etwas essen. Ich habe es am Tisch servieren lassen." Sie deutete auf einen großen Holztisch der in der Nähe der Fenster stand.

„Oh gut, ich hab einen Bärenhunger...!" Entfuhr es Kim erfreut.

„Hier..." Arwen drückte dem merkwürdigen Mädchen ein weißes Stück Stoff in die Hand. „Zieht das über, dann werde ich Eure Kleidung reinigen lassen..."

„Oh..." Kim sah an sich herab. „Ja, ich glaube, das ist dringend notwendig!" Erst jetzt erinnerte sie sich daran, dass sie in Jeans und Shirt eingeschlafen war, und die Sachen nun allmählich einer Wäsche bedurften.

Flink war sie aus dem Bett gesprungen, und hatte sich ihrer Kleidung entledigt. Nachdem sie Arwen ihre Jeans, sowie Socken und Shirt gegeben hatte, bestand diese noch auf ihre Unterwäsche. Nur unter Protest hatte Kim ihren Slip gegen ein paar Leinenhöschen getauscht.

„Wie unsexy..." Kommentierte das Mädchen, als sie die neue Unterwäsche im Spiegel beäugte. „Ich trage einen Omaschlüpfer... toll..."

„Einen was?" Fragte Arwen verwundert, und kicherte bei diesem komischen Wort.

„Na einen Omaschlüpfer..."

Die Elbe blickte sie verdutzt an, und musste immer noch grinsen.

Kim seufzte, als sie sich daran erinnerte, wo sie sich eigentlich befand. Offenbar kannte man in dieser fremden Welt den Begriff Omaschlüpfer nicht. „Unterhosen meiner Großmutter... das sind Omaschlüpfer..."

„Ah... Ich verstehe..." Die andere Frau grinste. „Aber das sind nicht die Unterhosen Eurer Großmutter, das sind..."

„Aaah, dä, dä, dä..." Machte Kim, hob abwehrend eine Hand, und fiel der Elbe damit ins Wort. „DAS will ich gar nicht wissen!"

„Ähm..." Arwen war sichtlich verwirrt. „Gut..."

„Meinen BH auch noch?" Fragte Kim, und blickte ihr Gegenüber an.

„Äh..."

„Das Ding hier..." Kim zeigte auf ihr Dekolletee.

„Ja, bitte." Nickte die Elbe erleichtert.

Kim öffnete den kleinen Plastikclip an ihrem Büstenhalter, und legte ihn auf den Stapel ihrer Klamotten, die auf dem Bett lagen.

„Hier, dies könnt ihr ebenfalls überziehen." Sagte Arwen und reichte ihr ein weiteres Kleidungsstück.

Kim faltete es auseinander, und zog das Hemdchen flink über. Es war aus einem weißen, weichen Stoff, hatte breite Träger anstatt Ärmel und fiel ihr locker bis über den Po. „Gar nicht mal übel..." Kim drehte sich ausgelassen vor dem Spiegel.

„Sag mal, wie macht ihr das hier eigentlich?" Kim blickte die Elbe an.

„Wie meinen?" Fragte diese, und zog eine Augenbraue in die Höhe.

„Na mit den Dingern..." Kim deutete erneut auf ihre Brüste und grinste. „Klatschen die euch beim Reiten nicht ins Gesicht?"

„Oh nein!" Arwen lächelte. „Frauen, die wirklich große Brüste haben, binden sich feste Stoffwickel um die Brust, so kommt es zu keinem Faux Pas." Sie trat an Kims Bett heran, blickte die junge Frau aber noch einmal über die Schulter her an. „Bei solch kleinen Brüsten, wie den Euren ist das aber nicht nötig." Sie lächelte.

„Danke, das hab ich jetzt auch verstanden." Sagte Kim miesmuffelig, und zog einen Schmollmund.

Arwen lachte leise, und griff nach dem Stapel schmutziger Wäsche. „Ihr solltet nun speisen. Der Tee wird sonst kalt." Sie deutete abermals auf den reich gedeckten Tisch, und wandte sich zum gehen.

„Danke, Arwen!" Sagte Kim, und ging zu dem alten Holztisch hinüber. „Wenigstens einer hier, der sich um mich sorgt..." Murmelte sie, noch immer leicht muffelig, vor sich hin.

Die elbische Frau blieb stehen, und blickte das Mädchen an. „Kim?"

„Mmmmh, ja?" Das Mädchen war bereits am kauen, und hielt einen goldgelben Teigfladen in der Hand, dessen Geschmack sie an Milchbrötchen erinnerte.

„Legolas sorgt sich um Euch."

Überrascht über diese Aussage würgte sie einen zu großen Bissen ihres Brötchens herunter, und verschluckte sich dabei. „Ja?" Brachte sie unter Husten hervor.

„Ja." Bestätigte Arwen. „Er war die ganze Nacht hier."

„Die ganze..." Kim hatte das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben, und auf einmal tat es ihr Leid, dass sie ihm Unrecht getan hatte.

„Ja, wie auch die Nacht zuvor." Arwen lächelte und wandte sich abermals zum gehen. In der Tür blieb sie jedoch noch einmal stehen, blickte Kim erneut an, und fügte hinzu: „Ich glaube, er mag Euch." Noch einmal schenkte sie dem Mädchen ein Lächeln, und öffnete die Tür zum Flur.

„Er mag mich..." Wiederholte Kim die Worte wie in Trance. „Er mag mich?" Realisierte sie, und blickte auf, doch Arwen zog in diesem Moment die Tür hinter sich zu. „Warte!" Rief sie, und sprang auf.

Schnell hatte sie die wenigen Schritte bis zur Tür überbrückt, und zog hastig an der robusten Klinke. „Arwen!" Schrie sie der Elbe leise, fast flüsternd, hinterher. „Aaaarwen!" Sie trat einen Schritt auf den Flur hinaus, und drehte sich in die Richtung, wo die Elbe gerade hinter einer Ecke verschwand. „Verdammt!" Fluchte Kim und stampfte trotzig, wie ein kleines Mädchen, mit dem Fuß auf, während sie die Arme vor der Brust verschränkte.

„Scheiße!" Dröhnte eine männliche Stimme hinter ihr.

Sie blickte sich hastig um, und starrte in die Gesichter von Gimli und König Eomer.

„Ooooh." Der König drehte sich um, und wandte ihr den Rücken zu.

„Was?" Sagte Kim schnippisch, und ärgerte sich darüber, dass Arwen sie unwissend zurück gelassen hatte.

„Es ist nur..." Stammelte der König. „Bitte zieht Euch etwas über. Ich möchte nicht, dass Schande über Euch kommt."

„Schande?" Kim kratzte sich am Kopf, ehe es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. „Junge, seid ihr hier alle verklemmt!" Sie grinste und verschwand wieder in ihren Gemächern.

„Was war das denn gerade?" Eomer blickte den Zwerg an.

„Das, mein lieber Freund, war mein Leiden die letzten Tage..." Der Zwerg lachte herzhaft und die beiden setzten ihren Spaziergang fort.

Kim donnerte die Tür hinter sich zu, und sinnierte noch immer, über das eben Gesprochene. „Toll, Sonnenbaden im Bikini kann ich schon mal vergessen... Obwohl, bei dem Wetter?" Sie blickte zum Fenster, stellte aber mit Freude fest, dass sich die Sonne seit Tagen mal wieder am Himmel zeigte, und die Welt in ein herrliches Gold tauchte.

Sie öffnete die gläserne Doppeltür, die sie auf eine kleine Terrasse führte, und genoss den warmen Regen, der noch immer beständig vom Himmel plätscherte, auf ihrer Haut. Es war einfach atemberaubend, und ausgelassen drehte sie sich tanzend herum, streckte ihre Arme weit von sich, und fuhr sich mit der Hand über Hals und Brust um die warme Feuchtigkeit auf ihrer Haut zu verteilen. Sie lachte, sie fühlte sich frei, und unendlich glücklich, in diesem einen Moment.

Legolas dachte noch immer über das Gespräch mit dem Zauberer nach, und er hatte auf einer der vielen, verwinkelten Terrassen und Balkone des Hauses Zuflucht gesucht. Er stand an der Brüstung eines Balkons, der nach Osten ausgerichtet war, und blicke in die Ferne. Unablässig bedeckte der Regen die Welt mit seinem Nass, doch der Elb hatte sich unter die Überdachung zurückgezogen, und dachte nach.

Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als er ein Frauenlachen vernahm, vielmehr das Lachen eines gewissen Mädchens, dass ihn in letzter Zeit nicht mehr aus dem Kopf ging. Er trat an die nördliche Seite des Geländers und blickte auf eine Terrasse hinab, die an Kims Räumlichkeiten grenzte. Erst jetzt fiel ihm auf, wie nah er ihr die ganze Zeit gewesen war.

Interessiert stützte er die rechte Handfläche gegen eine Säule, und blickte auf die Tanzende hinab. Sie war nur knapp mit einem Hemd bekleidet, und er tadelte sich in Gedanken selbst, wie er sie nur dabei beobachten konnte. Doch er schaffte es einfach nicht, seinen Blick von ihr loszureißen. Sie war so wundervoll, wie sie dort ausgelassen im Regen tanzte, und lachte. Diese Kim war eine ganz andere, als die, die ihn auf ihrer langen Reise wahnsinnig gemacht hatte. Er schmunzelte bei den Gedanken an ihre erste, gemeinsame Nacht unter freiem Himmel.

Erneut überkam ihn das Gefühl, dass er sie beschützen wollte, dass er wollte, dass es ihr gut ging. Fasziniert sah er ihr zu, wie sie sich um die eigene Achse drehte, mit ihren Armen wild durch ihre langen, offenen Haare fuhr, und den Regen auf der nackten Haut genoss.

„Lady Kim!" Ertönte eine weibliche Stimme, und riss ihn von dem herrlichen Anblick los. Er selbst fühlte sich bei etwas ertappt, als er Eowyn die Terrasse betreten sah, die mit einer Decke in den Händen auf die junge Frau zuging. Insgeheim war er froh über diese Ablenkung, denn der Regen begann langsam den weißen Stoff, der sich eh schon über ihre weiblichen Rundungen gelegt hatte, durchsichtig zu färben. In Gedanken tadelte er sich selbst für seine Untat, schließlich war er mit Anstand und Sitte aufgewachsen, und nicht wie ein Barbar. Er verließ den Balkon, und zog sich in seine Gemächer zurück.

Eowyn eilte auf die Terrasse, und legte dem Mädchen eine Decke um, um sie herein zu führen.

„Himmel, ihr könnt doch nicht bei diesem Wetter rausgehen, dazu noch unbekleidet!" Die blonde Frau hatte die Terrassentür hinter ihnen geschlossen, und schob Kim nun Richtung Kamin.

„Unbekleidet... tz." Lachte Kim, und ließ sich auf das grüne Polster plumpsen.

„Ihr hättet Euch den Tod holen können!" Die junge Herrscherin wirkte besorgt. „Oder noch schlimmer… es hätte Euch jemand sehen können…"

„Ihr seid so verklemmt hier, oder?" Kim grinste.

„Verklemmt?" Wiederholte Eowyn die Worte.

„Ja… der König war vorhin auch schon so komisch…"

„Komisch?... Welcher?"

„Was welcher?"

„Welcher König?" Fragte Eowyn.

„Gibt es hier denn so viele?" Kim zog überrascht eine Augenbraue in die Höhe.

„Ja. Es gibt König Aragorn und meinen Bruder, König Eomer…"

„Nein!" Grinste Kim ungläubig und lachte. „Eomer ist dein Bruder? Das erklärt natürlich einiges…"

„Bitte?"

„Ach schon gut…" Das Mädchen winkte ab.

Es trat ein verlegenes Schweigen ein, dass schließlich durch die andere Frau unterbrochen wurde. „Mein Name ist Eowyn." Sie lächelte.

„Ah, ihr heiratet doch diesen Fomir? Femir? Aaargh..." Kim grübelte über den Namen nach, den sie zwar schon oft gehört, aber nie wirklich wahrgenommen hatte.

„Faramir." Korrigierte Eowyn sie.

„Ja, genau. So hieß der Typ. Glückwunsch!" Kim grinste.

„Danke!" Sagte die blonde Frau freundlich, und griff nach einem großen Tuch. „Bitte, für Euer Haar."

„Jo, Danke!" Kim ergriff das Tuch, und wickelte ihre Haare darin ein.

„Ihr solltet in Zukunft trotzdem besser aufpassen. Krankheit ist kein Vergnügen." Eowyn lächelte. „Außerdem wäre es schade, wenn Ihr an den Feierlichkeiten zu Ehren von Faramirs und meiner Verbindung nicht teilnehmen könntet."

„Ja, stimmt." Pflichtete Kim ihr bei. „Aber das ist halb so wild, im Notfall hab ich noch Schnupfentabletten in der Handtasche!" Sagte Kim entschuldigend.

„Was sind..." Begann Eowyn, verstummte aber, als Kim abermals abwinkte.

„Ich meinte… Arznei?" Fragte das Mädchen etwas unsicher, aber als ihr Gegenüber verstehend nickte, atmete sie erleichtert aus.

„Nun denn, ich werde jetzt erst einmal dafür sorgen, dass Ihr wieder trocken werdet, und dann habe ich ein paar Kleider für Euch, die Ihr anprobieren solltet. Sie sollten Euch passen, und es werden sicher nur wenige Änderungen von Nöten sein."

„Okay." Sagte Kim skeptisch, und erhob sich, um sich mit der Decke, die Eowyn ihr umgelegt hatte, abzutrocknen.

„Das ist ein Kleid von mir, ich schenke es Euch, wenn ihr mögt." Sagte die blonde Frau nur wenig später und warf einen Blick auf Kim, die nun in einem waldgrünen Kleid vor dem Spiegel stand.

„Oh man, ich im Kleid..." Sie lachte, konnte sich aber trotz allem so langsam mit dem Gedanken anfreunden. Das grüne Kleid schmeichelte ihr wirklich sehr, und es passte gut zu ihren braunroten Haaren, und der hellen Haut. Als nächstes Kleid reichte Eowyn ihr ein cremefarbenes, aber dafür einfach gearbeitetes Stück, das keine Unnötigen Stickereien oder Verschnörkelungen enthielt.

„Das sieht auch toll aus…" Bestätigte Kim, und drehte sich vor dem Spiegel. „Aber weiß wird so schnell dreckig… Was haben wir noch?" Sie begann das Kleid auszuziehen, und blickte die junge Herrscherin fragend an.

„Dies hier ist von Arwen..." Sagte Eowyn, und reichte ihr ein dunkelblaues, fast schwarzes Kleid, das aus schwerem Samt gearbeitet war.

„Das ist auch sehr schön..." Kim betrachtete sich fasziniert im Spiegel, und sah zu, wie Eowyn und eine Zofe, die sich Kim nicht vorgestellt hatte, hier und da ein paar Änderungen absteckten.

Es klopfte an der Tür, und Eowyn stand auf, um nachzusehen, wer dort einlass begehrte. Gemeinsam mit Arwen kehrte sie zurück, und half der Zofe weiter, die Änderungen an den Kleidern vorzunehmen.

„Ich bringe deine Kleidung…" Sagte Arwen und lächelte.

„Oh, das ging aber schnell!" Freudig fixierte Kim den Stapel, den die Elbin auf den Holztisch neben der Terrassentür abgelegt hatte.

„Selbstverständlich. Wir können Euch ja nicht nackt herum laufen lassen!" Die Elbe lächelte.

„Selbstverständlich nicht!" Grinste Kim sarkastisch, und dachte an den König, der ihr, peinlich berührt, den Rücken zugewandt hatte. „Ohje, wenn ihr wüsstet, wie es in meiner Welt zugeht..." Führte das Mädchen ihren Gedanken laut aus, und drehte sich ein wenig nach links, damit die Zofe etwas am Rock markieren konnte.

„Du lieber Himmel!" Arwen war peinlich berührt, und auch Eowyn machte den Eindruck, als wäre sie schockiert.

„Oh keine Bange Mädels, so meinte ich das nun auch wieder nicht!" Kim lachte. „Wir tragen nur sehr viel weniger Stoff, als ihr hier. Ihr habt alle so schöne Kleider an, und bei mir tragen die meisten Frauen Hosen, und einfache T-Shirts."

„Was sind T-Shirts?" Erkundigte sich Arwen.

„Das da!" Kim deutete auf den Stapel Klamotten, der auf dem Tisch lag. „Manche Frauen tragen auch Röcke, ganz kurz, bis knapp über den Po. Und wir tragen auch viele bunte Farben, grelles Pink oder knalliges Blau..."

Gespannt lauschten die Frauen Kims Erzählungen, und sie saßen noch, nachdem die Änderungen an den Kleidern abgesteckt waren, lange beisammen, und erzählten miteinander.

Sie berichtete den beiden, wie die Frauen in ihrer Welt lebten, wie sie sich kleideten, welche Interessen sie verfolgten, und in welche Klischees sie gedrängt wurden. Kim erzählte ihnen alles vom Thema Kleidung, über Accessoires, bis hin zu Make Up und Parfum. Um den beiden zu veranschaulichen, was sie mit einigen Dingen meinte, holte sie ihre Handtasche - oder vielmehr den Beutel von Gimli, der ihr seit dem Zwischenfall mit der Axt als Handtasche diente - hervor.

Tastend angelte sie neben ein paar Tampons und ihrem Handy ein kleines Täschchen mit Schminke hervor.

„Was ist denn das?" Fragte Arwen, und ergriff einen der weißen, in Plastik verpackten Wattebäusche. „Sieht aus wie ein Geschoss!"

Kim lachte. „Iiiih... Da können einem die Gegner ja schon fast Leid tun!"

„Wieso?" Fragte Arwen ahnungslos.

„Das sind die Dinger, mit denen man... naja... du weißt schon..." Kim gestikulierte wild, um Arwen verständlich zu machen, was sie meinte.

Als die Elbin begriff, was das Mädchen meinte, legte sie peinlich berührt den Tampon zur Seite.

„Keine Angst." Sagte Kim aufmunternd. „Die hier sind noch unbenutzt. Man packt sie aus, wenn man hier an der kleinen Lasche zieht, siehst du?" Sie hielt Arwen das kleine Wattestück vor die Nase und deutete auf eine rote Markierung am Plastik.

„Ich verstehe..." Sagte diese, und betrachtete den Gegenstand fasziniert, ohne ihn jedoch zu berühren.

„Was ist das?" Mischte sich Eowyn nun in das Gespräch ein, und hielt einen silbernen Gegenstand in der Hand.

„Oh das ist mein Handy." Sagte Kim mit einem kurzen Blick auf das kleine Gerät.

„Was ist das, ein Handy?" Erkundigte sich die junge Herrscherin.

„Damit kannst du mit anderen Menschen sprechen." Erklärte Kim.

„Aber das kann ich doch auch so..." Sagte Eowyn stutzig. „Hallo Arwen!" Sagte sie, wie zur Bestätigung, und blickte die Elbe an.

„Hallo Eowyn." Lächelte diese zurück.

„Nein, so meine ich das nicht." Winkte Kim ab. „Du nimmst das Ding hier..." Sie ergriff das Handy, und deutete mit dem Finger darauf. „Dann drückst du ein paar verschiedene Zahlen, hältst dir das Gerät ans Ohr, wartest kurz, und kannst dann sprechen."

„Aber Arwen sitzt doch neben mir..." Stutzte Eowyn.

„Du kannst so mit Leuten sprechen, die gar nicht hier sind."

„Nicht hier?"

„Ja. Du kannst mit jemanden sprechen, der ganz weit weg ist..." Kim suchte krampfhaft nach einem Beispiel.

„Wie weit denn?" Fragte Eowyn neugierig.

„Das ist eigentlich egal. Im Prinzip kannst du die ganze Welt damit anrufen..." Kim lächelte, und in Eowyns Gesicht spiegelte sich helles Erstaunen.

„Was ist das hier?" Fragte Arwen, und lenkte das Thema nun auf das Make Up-Täschchen.

„Aaaah, das ist mein wertvollster Schatz!" Grinste Kim. „Ohne das Zeug gehe ich nirgendwo hin!" Sie holte ein Döschen mit Puder heraus, ein kleines Fläschchen mit flüssigem Make Up und noch ein paar andere Utensilien. „Gib mir mal deine Hand..." Forderte sie die Elbenfrau auf.

„Was macht Ihr da?" Fragte Arwen, ließ Kim aber gewähren.

„Och könnt ihr nicht mal mit dem IHR aufhören? Ich bin doch hier alleine!" Kim lachte.

„Nun..." Setzte die Elbe an, verstummte aber, sichtlich verwirrt.

Kim seufzte, und erklärte Arwen den Wortwitz. „Ich weiß doch, dass es hier eine höfliche Umgangsform ist, aber könnt ihr beide nicht einfach DU zu mir sagen? Das mag ich lieber..."

„Du?" Fragte Arwen.

„Genau." Kim lächelte und blickte Eowyn an.

„Kein Problem, denke ich." Sagte diese. „Ich muss mich aber nun erst einmal verabschieden, ich habe noch einiges vorzubereiten..." Die blonde Frau erhob sich, und verließ hastig das Zimmer.

„Was ist denn mit der plötzlich los?" Fragte Kim stutzig.

Arwen zuckte nur mit den Schultern, und betrachtete ihre Hand, die Kim nun mit ein wenig der hellbraunen Flüssigkeit bestrich. „Die Frauen in meiner Welt benutzen das Zeug, um ihre Schönheit hervor zu heben."

Kim holte den Lippenstift hervor, den sie so gern benutzte, und erklärte Arwen was Eyeliner und Kajal bewirkten. Die Elbenfrau verfolgte alles mit großer Neugier, und beobachtete Kim dabei, als sie sich einen Lidstrich zog.

„Könnt Ihr…" Arwen räusperte sich. „Ähm, kannst DU das bei mir auch machen?"

„Oh nein." Kim blickte ihr ins Gesicht. „Du bist so hübsch, ich denke Make Up würde deine natürliche Schönheit nur verdecken…" Einen Moment lang beobachtete sie, fast schon ein wenig neidisch, die Elbenfrau, und begann sich zu fragen, ob eigentlich alle Elben so gut aussahen, oder ob es Zufall war, dass Arwen und Legolas außergewöhnlich hübsch waren. Legolas… sie erinnerte sich an die Frage, die sie Arwen schon zu Beginn des Tages hatte stellen wollen, und suchte nach den richtigen Worten.

„Du, Arwen?" Sie hatte den Kajalstift aus der Hand gelegt, und blickte die Elbin an.

„Ja?"

„Du hast da heute Morgen so was Komisches gesagt..." Begann Kim, und wusste nicht recht, was sie weiter sagen sollte.

„Komisches?" Unwissenheit spiegelte sich in den Zügen der Elbin.

„Naja, du weißt schon..." Kim versuchte um den heißen Brei herum zu reden.

„Nein..."

Das Mädchen seufzte. „Na du hast gesagt, dass er mich mag..." Murmelte sie kleinlaut vor sich hin, wurde aber sogleich von der Verlegenheit eingeholt, denn ein leichter Anflug von Röte legte sich über ihre Wangen.

„Achso... Legolas?" Arwen lächelte.

„Ja..." Kim rang innerlich mit sich, die Frage nach der Bedeutung des „Mögens" nun endlich zu stellen. „Wie meinst du das, er mag mich? Mag er mich, oder maaaag er mich?"

„Nun, er..." Setzte sie an, verstummte aber, als es an der Tür klopfte.

„Herr Gott! Wer ist denn das nun?" Fluchte Kim, als sie erneut um eine Antwort gebracht wurde. „Ja?" Rief sie der Höflichkeit halber, und blickte zu dem hölzernen Durchgang.

Die Tür öffnete sich, und Legolas betrat ihr Zimmer. „Seid gegrüßt, Ihr edlen Damen." Der Elb verneigte sich kurz.

Kim war plötzlich wie ausgewechselt, und hatte ihren Groll schnell herunter geschluckt. Ein hohes Lachen entfuhr ihr - es war der verzweifelte Versuch, ihre Verlegenheit zu überspielen. „Naja, sie vielleicht..." Sie deutete auf Arwen, ehe sie hinzufügte: „Ich eher nicht..."

„So viel Bescheidenheit hätte ich Euch gar nicht zugetraut, Lady Kim." Warf Legolas ihr neckisch an den Kopf, und beobachtete das Mädchen, wie es einige Tinkturen und Döschen in einer kleinen, silbernen Tasche verstaute.

„Ich dachte eigentlich, das doofe Euch hätten wir hinter uns gelassen, und wären beim Du angekommen. Wolltest DU überhaupt irgendwas bestimmtes, Leggy?" Stichelte Kim zurück.

„Nun..." Begann er, wurde jedoch von Arwen unterbrochen.

„Oh ich glaube, mein Gemahl vermisst mich schon... ich sollte besser gehen..." Arwen lächelte und drückte Kim sanft die Hand.

„Ich wollte DIR eigentlich etwas zeigen..." Das Dir betonte der Elb dabei absichtlich besonders stark.

„Cool." Sagte Kim und stopfte ihr Schminktäschchen in den Lederbeutel zurück.

Arwen wandte sich im Laufen zu dem Mädchen um. „Dann wünsche ich dir viel Spaß, Kim!" Sie lächelte, und blickte dann zu Legolas hinüber, der noch immer in der Nähe der Tür stand. „Und dir auch, Leggy!" Sie grinste.

Der Elb wurde das Gefühl nicht los, dass Arwen sich über seinen neuen Spitznamen lustig machte - aber das machte wohl mittlerweile jeder, der Kim bereits am ersten Tag erlebt hatte.