Ein bedrängender Nachmittag

Der Bedienstete führte Anne über mehrere Gänge hinaus auf eine Große Treppe, an dessen Fuße standen schon drei Bodyguards. Diese diskutierten gerade mit dem LKW-Fahrer. Dabei erblickte sie auch einen doch recht großen LKW. Sie dankte dem Diener und ging auf die Disktierenden zu um zu helfen. Aramis sah sie zuerst. „Ah da ist sie schon. Madame, vielleicht können sie uns bei der Aufklärung helfen." Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Mit einer Anmut, die einer Königin glich, ging sie die lange halbrunde Steintreppe hinunter und schloss zu der kleinen Gruppe auf, dabei machte ihr Aramis selbstverständlich Platz.

„Ich hoffe ich kann helfen, was gibt es denn, der Diener konnte mir nicht so viel sagen." Sie blickte fragend den Fahrer an. Wenn einer etwas wusste dann er. „Ah sie sind die Herrin des Hauses?" Es war mehr eine Einschätzung als eine Frage. „Ich denke etwas mehr Respekt vor der Familie des Kings wäre hier passend." wies Athos ihn zurecht. Sie alle mussten ihre Stellung einhalten, auch der Fahrer, der anscheinend im Dienste des Königs stand.

D'artagnan und Aramis richteten sich leicht auf und wirkten so bedrohlicher und dies unterstrich nur noch Athos Aussage. „Die Herrin bin ich nicht. Aber sie wollten zur mir, schließlich haben sie meinen Namen am Tor erwähnt." „Ja Madame, Monsieur Rochefort hat mich geschickt. In dem Anhänger sind alle Unterlagen, die sie gewünscht haben." Bei dem Namen Rochefort schnaubte Aramis leicht verächtlich. „Die Unterlagen…von Rochefort…aber in einem LKW?" Anne war mehr als verwirrt. „Ich denke wir sollten die Ladung checken." D'artagnan lief schon Richtung der großen Türen des Transporters.

Athos folgte ihm. „Kommen sie mit, wir decken das Missverständnis gleich auf." Aramis nahm leicht ihren angewinkelten Arm in die Hand. Durch die Berührung wachte Anne aus ihren Gedanken auf und schaute ihn kurz an. „Ja das wird wohl das Beste sein." hauchte sie leicht. Dieser Kontakt brachte sie aus der Bahn und sie konnte nichts dagegen tun. Aramis, der langsam seiner Wirkung auf ihr bewusst wurde, grinste leicht und führte sie wieder zu den anderen.

„Eure Kollegen haben am Tor schon die Fracht ausgiebig untersucht. Was erwartet ihr denn, wir sind doch alle auf der gleichen Seite, Mann." Er versuchte kumpelhaft Athos zu boxen, dieser hatte für den Fremden nur einen grimmigen Blick übrig. D'artagnan öffnete in dem Moment den LKW und mit Athos zusammen wurde dann die Ladung für alle sichtbar. „Um Gottes Willen." Anne schlug die Hand vor dem Mund und war sichtlich geschockt. „Was ist das denn alles."

Constance kam gerade von ihrem Rundgang durch das Schloss wieder und wollte sich nur eine Sonnenbrille holen. Sie hatte vor ihrer Freundin im Garten Gesellschaft leisten. Seit ihrer Ankunft gab es kaum Zeit zu reden. Ja natürlich, waren sie oft zusammen, aber so richtig reden, tratschen oder einfach zusammen lachen, dazu war noch keine Zeit. Endlich hatte sie ihre Brille in der viel zu großen Tasche gefunden als es an ihrer Tür klopfte. Ein Diener stand in der Tür. „Madame Bonancieux, Anne ruft nach ihnen." „Ist sie noch im Garten?" Constance wollte schon loslaufen. „Nein sie befindet sich am nördlichen Eingang." „Gut, danke ich gehe sofort zu ihr." Sie ging los, neugierig was Anne am Eingang machte, wo sie doch eigentlich heute etwas entspannen wollte.

Schon von weitem sah sie viele Bedienstete, die an einem LKW herumliefen. In der Mitte die vier Bodyguards und eine leicht verzweifelte Anne. Constance lief mit eiligen Schritten zu ihr. „Ah Constance gut das du hier bist. Schau dir diese Katastrophe an." Damit zeigte sie auf den Inhalt des Gefährts. Als sie ihre Augen von Anne in Richtung des LKWs richtete, wurden diese immer größer. „Oh mein Gott was ist denn das?" Die vermeintlichen Unterlagen, die Rochefort Anne schicken wollte, türmten sich innerhalb von Kartons im LKW Es sind mindestens 60 große und vereinzelt kleinere Kartons.

„Ich dachte es sind nur Unterlagen, nicht sein gesamtes Aktenlager." Bei dieser Bemerkung mussten die Männer, allen voran D'artagnan, leicht schmunzeln. „Ich weiß auch nicht was er damit sagen wollte. Hier bitte, hier habt ihr alles, findet den Fehler." Anne, die den ersten leichten Schock überwunden hatte, wurde nun zunehmend wütend auf den Buchhalter ihres Cousins. Constance kannte sie schon lange und wusste, dass es nicht viel helfen wird, sich mit ihr da rein zu steigern. Sie wollte eher schnell eine Lösung für das Dilemma finden.

„Was haben wir denn alles, ich hoffe er hat es wenigstens beschriftet." Die Assistentin versuchte auf die Ladefläche zu steigen um den Inhalt einzelner Kartons zu überprüfen „Lasst mich euch helfen." D'artagnan schwang sich leichtfüßig auf die Fläche und bot ihr seine Hand an. Dankend nahm sie diese und er zog sie mühelos in das Gefährt. „Vielen Dank." Sie wandte sich sogleich den Kisten zu. Dennoch war sie von seiner Anmut, als in den LKW kletterte, und der Stärke, wie er sie in dessen gezogen hatte, beeindruckt.

Sie öffnete einige Kisten und blätterte schnell die Akten durch. „Anne, etwas Gutes hat es. Die Kisten sind mit Datum beschriftet und diese Beschriftung stimmt mit dem Inhalt überein, soweit ich es beurteilen kann." „Nun das ist schon mal etwas." Anne hatte noch nicht ihren Mut verloren, dass stimmte auch Aramis wieder fröhlicher. „Möchten sie die Unterlagen behalten oder sollen wir sie mit freundlichen Grüßen wieder zurückschicken?" „Nein, wir werden Rochefort seinen Betrug nachweisen, auch wenn er uns Steine in den Weg legt. Können wir irgendeinen Raum belegen, der groß genug für die Kisten und einem Arbeitsbereich ist?"

„Da wäre der Council Raum wohl geeignet" Porthos hatte den rettenden Einfall. „Dürfen wir diesen einfach so benutzen.?" Constance blickte Anne an. „Ich denke ja, Louis wollte eh für ein paar Tage verreisen, somit wird er den Raum in dem großen Anwesen nicht missen." Anne wies die einzelnen Bediensteten an und alles wurde in diesen Raum getragen. Die Bodyguards, nun sichtlich fehl am Platz, verabschiedeten sich von den Damen und gingen wieder in Richtung des Guardraums.

Anne packte ihre Sachen im Garten zusammen und Constance holte für sich beide einige Snacks aus der Küche sowie Getränke. Dann trafen sich beide im Council Zimmer. „Puh, das wird eine ganze Menge an Arbeit. Hast du schon eine Idee?" Constance hoffte auf einen der genialen Pläne, wofür Anne so berühmt war. „Mhm ich würde sagen, wir schauen wie weit die Akten zurückgehen. Dann fangen wir mit den ältesten Dokumenten an. Von dem Besuch haben wir ja gesehen, dass vor allem bei den Wäschereien und den Restaurants die Zahlen vollkommen falsch waren. Ich denke darauf sollten wir uns konzentrieren." Damit machten sich bei ans Werk.

Die vier Bodyguards hatten sich unterdes wieder im Guard Zimmer um einen großen Tisch versammelt. Dieser Tisch war ein Holotisch mit eingebauten Computer. Gerade zeigte die Oberfläche den gesamten Lageplan des Schlosses. „Ich habe Athos genau hier verloren." Dabei zeichnete D'artagnan eine Stelle nahe dem Wald ein. „Dort haben wir also unser Loch im äußeren Ring. Das erklärt jedoch nicht die Sichtungen innerhalb des Schlosses." Athos blickte Aramis fragend an. „Bei den Kameras habe ich keine Lücke erkennen können. Überall war Porthos ersichtlich. Jedoch gibt es dennoch eine kräftige Lücke innerhalb der Gemäuer."

„Aramis, bitte drücke dich nicht in Rätsel auf, wir sind alle sehr fertig vom heutigen Tag." Athos hatte nach der langen Lauferei, Kletterei und der Hitze keine Lust auf Aramis' Spielchen. „Jaja lass mir meinen Spaß." Er tippte etwas auf den Tisch ein und es öffnete sich ein Fenster das ein Kamerabild zeigte. „Wir haben in der Galerie von Diana ein Riss gefunden. Dieser war von einem Gemälde zwar nicht wirklich gut abgedeckt, aber man konnte ihn auch nur als Riss der Tapete sehen." „Als wir aber das Bild abnahmen wurde ein ganzer Spalt ersichtlich, so als könnte man einen Teil der Wand in das Gemäuer drücken." Porthos blickte in die Runde.

„Wir haben erstmal eine Kamera aufgestellt, damit Jonson diesen neuen Eingang im Auge hat. Wir müssen ihn aber unbedingt untersuchen und wieder verschließen." „Vor allem müssen wir wissen, wie er da hin gekommen ist ohne, dass jemand etwas mitbekommen hat." Athos hatte wieder einmal das größere Ganze im Auge. Er markierte dabei beide gefundenen Stellen auf der Karte und speicherte diese ab. „Ich werde das alles mit Treville besprechen. Für heute ist erstmal genug. Ich denke wir können uns erstmal entspannen."

Der Assistent von Louis kam in das Council Zimmer. „Madame Bonancieux, das Dokument für die Bank." Er übergab ihren einen Briefumschlag. „Jetzt haben sie den Zugriff auf die Konten und dessen Unterlagen." Constance sah von der Akte, die sie gerade studierte, auf. „Ah vielen Dank. Anne wir können jetzt zur Bank, wir haben alles nötige." Der Assistent zog sich zurück. „Sehr gut. Ich würde sagen, wir gehen gleich morgen zur Bank und holen uns die Ein- und Abzüge der Konten aus erster Hand. Ich traue den Niederschriften Rocheforts nicht." „Ja das ist eine gute Idee. Ich sage noch schnell den Bodyguards Bescheid." Sie wollte sich schon erheben. „Nein lass nur, dass kann ich auch machen. Du bist gerade so vertieft und ich muss etwas herumlaufen. Ich sitze heute schon viel zu lange."

Anne erhob sich und lief in Richtung des Guardraums. Sie klopfte kurz. Als keine Antwort kam, drückte sie die Türklinke herunter und lugte in den Raum. Als sie niemanden sah, ging sie ganz in das doch eher größere Zimmer. Es war mit vielen Metallschränken ausgestattet. An den Wänden standen vereinzelt Tische und Stühle. Das große Fenster gegenüber der Tür gab eine gute Aussicht auf den Grand Paterre. In der Mitte war ein großer gläserner Tisch. „Hallo, ist hier jemand?" Sie suchte nach einem der Bodyguards.

Eine Tür rechts von ihr öffnete sich und Aramis kam nur mit einem Handtuch um die Hüfte und einem um seinen Schulter gelegt hinaus. „Ah Anne, was darf ich für sie tun." Aramis, völlig schamlos, sah Anne fragend an. Diese war jedoch noch von seinem doch sehr gutaussehenden Körper gefangen und konnte nur auf sein dezent, jedoch ersichtliches Sixpack sehen. Aramis gefiel sichtlich die Bewunderung und rieb sich mit dem Handtuch leicht das Wasser aus den Haaren. Nach einigen Sekunden löste er jedoch die Situation. „Anne?" „Eh ja, Entschuldigung. Ich wusste nicht, dass man hier duscht. Also das man allgemein hier duscht. Also nicht das man hier nicht duscht, oder dass sie sich duschen. Ich..."

Sie nahm einen kräftigen Atemzug und fand nun seine Augen. „Ich wollte sie nur informieren, dass wir morgen früh wieder zur Bank fahren. Wir haben jetzt die benötigten Papiere und benötigen für die Ladung von heute Nachmittag noch einige Informationen von einer dritten Partei." „Gut, ich werde eine Nachricht für Athos und Treville hinterlegen. Vielen Dank. Dann sehen wir uns ja Morgen früh." Dabei ging er einen Schritt auf sie zu. „Ehm ja dann bis morgen früh." Sie ging schnell aus dem Zimmer um der Versuchung zu widerstehen. Wie kann ein Mann auch nur so gut aussehen.

Aramis grinste nur, trocknete sich fertig ab und verließ frisch angezogen das Gebäude. Zuvor hinterließ er aber wie angesprochen eine Nachricht für Treville und Athos. Anne hingegen war auf dem Weg zurück zu Constance, ging dann aber in Richtung der Küche. Sie wollte für ihre Freundin und sich gleich noch ein Abendessen bestellen.

D'artagnan hatte seinen Bericht vollendet und wollte nun endlich in den wohlverdienten Feierabend gehen, als er ein Poltern aus dem Councilraum hörte. Da wird doch nichts passiert sein, dachte er. Was soll bei so vielen Akten schon passieren. Dennoch hatte er ein ungutes Gefühl und ging in Richtung der Tür. Seine Hand war kurz vor der Klinke als er nun ein deutliches Klirren hörte. Sofort öffnete er beide Flügeltüren und ging schnellen Schrittes in den Raum hinein. Was er da sah, verschlug ihm die Sprache.