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9. Vergessen

„Oh ja, diese Nacht ist wirklich einer meiner schönsten und kostbarsten Erinnerungen", flüsterte Hermine leise und streichelte Severus über dessen nackte Brust.

„Ja, wohl wahr, aber was Deine Verruchtheit angeht, hätte ich da noch ein weiteres Beispiel", merkte Severus brummend an und konnte gar nicht genug davon bekommen, sie in seinen Armen zu halten.

„So?", hob Hermine aber leider den Kopf und hielt inne, „und das wäre?"

„Ich sage nur „Jahrestagsfeier", antwortete er mit einem sehr bezeichnenden Blick und freute sich, als sich seine Frau wieder an seine Seite schmiegte und ihre kleinen Zärtlichkeiten erneut aufnahm.

„Oh, das!", nickte Hermine mit einem leisen Kichern, „Ja, daran erinnere ich mich ebenfalls noch sehr gut."

Ein weiterer Jahrestag der Gründung der magischen Gemeinschaft in England stand an und wieder konnte es sich der Zaubereiminister nicht verkneifen, zu einem prächtigen und opulenten Bankett mit anschließendem Ball zu laden.

Wer wollte da schon hin, fragte er sich zum wiederholten Male. Er in jedem Fall nicht und daher hatte er bisher auch jede dieser Einladungen mit Missachtung gestraft und war einfach zuhause geblieben.

Nun, scheinbar war seine Frau aber was das betraf, völlig anderer Meinung, denn es bestand verdammt noch mal überhaupt kein Zweifel daran, dass sie die Einladung annehmen würde und er würde sie unter gar keinen Umständen alleine da hingehen lassen, schließlich war sie eine berühmte Kriegsheldin, die jüngste Professorin an Edinburghs hochangesehener Tränkeuniversität und grundsätzlich sehr, sehr begehrenswert.

Er seufzte und fragte sich immer mal wieder, wie er es überhaupt geschafft hatte, dass sich diese bemerkenswerte Frau in ihn hatte verlieben können und gegen viele ungläubige und mehr als irritierte Stimmen der Zaubererwelt „Ja" zu einer offiziellen und dauerhaften Beziehung mit ihm gesagt hatte.

Sie hätte wohl jeden jungen, aussichtsreichen und begabten Zauberer haben können, aber sie hatte keinen von denen gewollt. Sie hatte sich für ihn entschieden. Ein Rätsel fürwahr! Ein Glück für ihn, ohne Zweifel! Daher tat er ihr natürlich auch den Gefallen und begleitete sie zu diesem verdammten Empfang. Zwar unter stetigem Protest, aber letztlich ohne reelle Chance von diesem Szenario verschont zu werden.

Am Abend des Festes gingen sie gemeinsam zum Apparierpunkt von Hogwarts. Sie sah bezaubernd aus, wie er fand. Das Haar hatte sie elegant hochgesteckt, was ihren schlanken Hals betonte, und sie trug ein dunkelblaues, tief dekolletiertes Kleid aus Seide und Chiffon mit passendem Umhang, das die vielen Vorzüge ihres hinreißenden Körpers sehr vorteilhaft zur Geltung brachte und ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ.

Ach, bei Merlin! Könnten sie doch nur hier bleiben, er wüsste genau, was er mit diesem Abend anfangen würde.

Natürlich konnte er es sich nicht verkneifen, ihr seinen Unwillen über den Besuch im Ministerium nicht nur in den letzten Tagen, sondern auch jetzt auf dem gesamten Weg hinab zu den Schlossgrenzen nochmals eindringlich in Erinnerung zu rufen. Auch vergaß er nicht, ihr die wundervollen Alternativen für den Abend sehr plastisch vor Augen zu führen, besonders den amourösen Varianten widmete er sich ausgiebig und detailreich.

Hermine sagte zu all dem gar nichts, genau so, wie sie es bereits in den vergangenen Tagen gehalten hatte, stattdessen hakte sie sich bei ihrem nörgelnden Ehemann ein und lächelte nur still vor sich hin.

Als sie aber am Apparierpunkt angelangt waren, fasste sie ihn dann sanft am Arm und zog ihn zu sich herunter.

„Weißt Du Severus", sie lächelte ihn warm an und sie war ihm so nahe, dass er ihr Parfüm tief einatmen konnte, „das Schicksal bietet einem immer viele Wege an und als erwachsener Zauberer kann man frei wählen, welchen Weg man einschlagen will. Du zum Beispiel", ihre Augen blitzten ihn an, „könntest wohl heute zu Haus bleiben und einen netten, ruhigen Abend verbringen, einen neuen Trank brauen oder Aufsätze korrigieren."

Als sie sah, dass er von diesen Ideen doch recht angetan schien, ergänzte sie verschmitzt: „Du kannst natürlich auch mit mir zu dem Empfang gehen, gut essen, Dich amüsieren, mit Deiner Frau tanzen, einige nette Menschen treffen und Dich gut unterhalten."

Sein Blick wurde ungläubig. Er überlegte gerade zweifelnd, wo er dort nette Menschen her bekommen könnte mit denen er sich dann auch noch gut unterhalten könnte.

Ungerührt eröffnete sie ihm weitere Möglichkeiten: „Selbstverständlich kannst Du auch zu Hause bleiben, Dich eifersüchtig grämen und Dich den schlimmsten Gedanken über deine Frau im Zusammenhang mit gut aussehenden Männern auf dem Ball hingeben", ach Du je, das war natürlich gar nicht in seinem Sinne! Er legte seine Stirn in besorgte Falten.

„Oder als weitere Alternative", fuhr sie fort, „Dich auch auf dem Ball elendig weiter grämen, weil Du dort hin musstest und partout nicht wolltest."

Sie machte eine kleine Pause, stellte sich kurz auf die Zehenspitzen und küsste ihn flüchtig auf die Lippen. Der Tränkemeister betrachtete sie skeptisch, das konnte ja noch nicht alles gewesen sein.

„Selbstverständlich möchte ich, dass Du … den richtigen … Weg einschlägst, und gebe Dir eine kleine Entscheidungshilfe", wieder hauchte sie ihm einen Kuss auf die Lippen. „Solltest Du die übermenschliche Kraft aufbringen, mein Lieber, und Gefallen an dem gesellschaftlichen Parkett heute Abend finden, wenn Du Dich dort nach Kräften bemühst ein Mindestmaß an Höflichkeit und Freundlichkeit gegenüber jedermann und jederfrau aufzubieten und wenn Du augenblicklich mit dieser nervigen, infantilen Quengelei aufhörst", die letzten Worte wurden von einem mit jedem Wort auf seiner Brust niedergehender Zeigefinger unterstrichen, „dann, ja, dann", ihre Stimme wurde sehr seidig und so verführerisch, dass der Tränkemeister schon ziemlich eingeschüchtert von dem Anpfiff seiner Frau, hart schlucken musste, „kann ich Dir eine Nacht versprechen, die Du so schnell nicht vergessen wirst." Dabei rutschte ihre rechte Hand, die nach den Zeigefingerattacken auf seiner Brust liegen geblieben war, unmissverständlich in tiefere Regionen und ließ ihren Ehemann noch ein weiteres Mal schlucken.

Zufrieden mit dem Ergebnis streckte sie den Rücken durch, fegte einen nicht vorhandenen Fussel von ihrem Umgang und zückte ihren Zauberstab, um zu apparieren.

Doch kurz bevor sie die letzten Bewegungen ausführte und sich auf ihr Ziel konzentrierte, bemerkte sie noch wie nebenbei: „Ach, ich glaube doch glatt, dass ich bei all Deinem Rumgemurre vergessen habe, Unterwäsche anzuziehen. Hoffentlich bemerkt das keiner…." Ihre linke Augenbraue zuckte anzüglich in die Höhe, dann hörte man ein lautes „Plopp" und die junge Professorin für Tränkekunde an der Universität in Edinburgh war verschwunden.

Ihr verblüffter Ehemann stand derweil wie angewurzelt auf dem Apparierpunkt und musste erst einmal all die verwirrenden Informationen verdauen.

Allerdings hätte er ja wohl kaum 20 Jahre als Todesserspion überlebt, wenn er nicht entscheidende Zusammenhänge schnell hätte kombinieren können und so hatte er rasch einen einfachen Entschluss gefasst: Es könnte unter Umständen doch lohnenswert sein, an diesem Ministeriumsempfang teilzunehmen.

Und bei Merlin! Er sollte recht behalten.

Nachdem er sich etliche Stunden sehr zusammengerissen hatte, eine latente sexuelle Erregung bei dem Gedanken an seine nicht korrekt gekleidete Gemahlin tapfer niedergekämpft und brav viele Tänze mit dieser nimmermüden Frau getanzt hatte – was ihm im Grunde tatsächlich sehr viel Freude gemacht hatte – er sogar einige freundliche – nun ja – wenigsten nicht beleidigende - Worte mit dem Superhelden Potter gewechselt hatte, nahm er gerade an der Bar eine Erfrischung zu sich. Da bekam er von einem sehr jungen Diener einen kleinen Zettel und ein winziges Päckchen zugesteckt.

Sein fragender Blick wurde mit der lakonischen Antwort bestätigt: „Von einer sehr schönen Lady!"

Er faltete den kleinen Zettel auseinander, darauf standen nur wenige Worte in Hermines sorgfältiger Schrift: „Ich erwarte Dich im kleinen Separee am Ende des Ganges. Zweiter Stock links."

Als er das verkleinerte Päckchen wieder vergrößert und in einer uneinsehbaren Nische öffnete, wurde er doch tatsächlich ein klein wenig rot. In ihm lag ein schwarzer Stringtanga aus zarter Seide, wiederum mit einem kleinen Zettel versehen. Seine Hände zitterten ein bisschen als er diesen entfaltete: „Hatte ihn doch nicht vergessen…"

Sehr schnell steckte der Tränkemeister den Slip in seine Jacketttasche, allerdings nicht, ohne vorher kurz seine lange Nase hineinzustecken.

„Hmm" entfuhr es ihm. Er liebte diesen Duft: Er roch nach seiner Frau, nach Erregung und Verheißung.

Seine Fähigkeiten als Spion aktivierend, verschwand Severus ganz unauffällig und völlig unbemerkt aus dem Saal, um das besagte Separee zu finden. Vor der Türe sprach er noch einen kleinen speziellen Durchleuchtungszauber, um sicher zu gehen, dass dies keine Falle und dass nur seine Frau in diesem Raum war, dann öffnete er die Türe und verschloss sie mit einem Sicherungs- und Alarmzauber von innen fest.

Als er sich umdrehte, stand Hermine vor einem Kanapee und schaute ihn mit einem eindeutig lüsternen Blick an. „Na endlich!"

Er machte einen kleinen Schritt auf sie zu, da bedeutete sie ihm wortlos stehen zu bleiben. Ihre

Hände wanderten zu ihrem Rücken und mit einem sanften Rascheln, fiel kurz darauf das Kleid zu Boden und tauchte ihre Füße in einen tiefblauen See.

Zurück blieb eine vollkommen nackte Frau, die lasziv auf ihn zukam. Als ihre aufgerichteten Brustspitzen fast schon seine Brust berührten, blieb sie stehen und schaute ihn von unten herauf an.

„Haben sie vielleicht etwas, das mir gehört, Professor?" Ihre Stimme war dunkel und sinnlich.

Er musste schon wieder schlucken, „Alles, was Sie hier vor sich stehen sehen, Mylady, ist auf ewig das Ihrige" antwortete er atemlos und deutete eine kleine Verbeugung an, dabei streiften seine Lippen ihre Brüste.

„Schön zu wissen", flüsterte seine Frau verführerisch, hob seinen Kopf wieder nach oben und küsste ihn lockend.

Seine Hände fanden den Weg über ihren Rücken zu ihren Pobacken und streichelten über die festen Rundungen. Sie seufzte zufrieden.

„Sollten Sie allerdings im Speziellen etwas kleines Schwarzes suchen…", er schaffte es seiner Stimme einen sehr tiefen und sehr verführerischen Klang zu geben.

„Ja", ihre Ermunterung war nur noch ein Hauchen.

„ … dann werden Sie es sich wohl holen müssen", beendete er den Satz listig. Dies ließ sich die junge Hexe natürlich nicht zweimal sagen. Ein geöffneter Knopf folgte dem anderen und bald fanden sich zwei sehr erregte Körper und Seelen auf dem kleinen Sofa wieder, in einer mehr als leidenschaftlichen Umarmung gefangen.

Erst 1 ½ Stunden später sah man das junge Paar wieder auf der Tanzfläche, in einen engen Tanz versunken. Sie sahen sehr glücklich aus, aber doch auch etwas erhitzt und erschöpft, daher verließen sie wohl auch die Veranstaltung relativ früh, um sich zu Hause von dem anstrengenden Abend zu erholen.

Als sie in dieser Nacht entkräftet in ihr Bett fielen – Severus musste auf dem Weg in die Kerker noch ein oder zweimal kontrollieren, ob seine Frau auch alle Kleidungsstücke ordnungsgemäß angelegt hatte – verlangte Hermine: „Na, sag schon, der Abend war doch gar nicht so schlimm, wie Du die ganze Woche über geunkt hast!"

„Mag sein, dass er nicht so schlecht war…", einen kleinen Kuss stahl er sich noch von der leise protestierenden Hexe, bevor er sich genüsslich an ihren Rücken kuschelte.

„Ich für meinen Teil fand ihn sehr anregend", meinte diese zufrieden und setzte verheißungsvoll hinzu, „und ich hätte Lust, das bei der nächstbesten Veranstaltung zu wiederholen, was meinst Du?"

„Ja, das wäre wirklich aussichtsreich", murmelte er und umfasste ihren schlanken Körper zärtlich mit seiner rechten Hand.

Tatsächlich versüßte Hermine ihrem Mann noch viele dieser langweiligen Pflichttermine mit solchen oder ähnlichen Abenteuern. Etwas, das sein Interesse an solchen Terminen sprunghaft steigerte.

Silvia M. Groß Erinnerungen Seite 5 von 5