Die erste Hälfte dieses Kapitels widme ich , da das Review dazu geführt hat, dass ich auf diese Thematik/Problematik näher eingehe.
Kapitel 7
Nachdem auch die meisten der Elben sich aus dem großen Saal verabschiedet hatten, wechselte eine kleine Gruppe bestehend aus Elrond, seinen Söhnen, Gandalf, Glorfindel und Erestor in ein kleines Arbeitszimmer, das neben dem großen, den Raum dominierenden Schreibtisch aber auch eine Ansammlung gemütlicher Sessel aufzuweisen hatte.
Als jeder Platz genommen hatte und mit einem Glas elbischen Weins ausgestattet war - das Thema war nicht zu ernst, als dass sie es sich nicht gemütlich machen konnten - eröffnete Elrond die kleine Ratssitzung.
"Dieses junge Frau.."
"Hermine", steuerten die Zwillinge bei, noch ehe Elrond den ersten Satz beenden konnte.
"Nun gut, Hermine. Wer ist sie, Gandalf? Warum hast du sie hierher gebracht, sie trägt das Böse mit sich - du weißt, wie wenig ich es befürworte, verdorbene Dinge in das Tal zu führen." Elronds Stimme war ernst und er sah Gandalf mit einem starren Blick an, in dem der Vorwurf deutlich zu erkennen war. Nur deswegen beschlossen die Zwillinge zu schweigen, bis es an ihnen war, zum Sprechen aufgefordert zu werden.
"Wir sind geradezu über sie gestolpert, nachdem wir aufgebrochen waren. Allem Anschein nach ist sie einfach aus der Luft entstanden und sie sagte etwas von einem Angriff durch Esser des Todes, viel genauer ist sie jedoch nicht geworden. Hin und wieder hat sie bösartige Ausbrüche, die sie der dunklen Macht ihres Medaillons zuspricht, jenes ist es, von dem die Boshaftigkeit ausgeht, soviel konnte ich bestätigen. Als wir sie getroffen haben, wollte ich sie nicht unbeaufsichtigt zurück lassen, nicht auszumalen, was das Böse mit den Halblingen hätte machen können, daher musste sie mit uns kommen. Sie hat sich sehr zurück gehalten und nur mit Bilbo gesprochen; abgesehen von den Momenten, in denen sie wüste Drohungen ausstieß, war es fast so, als wäre sie gar nicht da, so wenig auffällig hat sie sich verhalten. Mehr über sie erfahren sollte ich erst, nachdem ich die Gruppe nach einer Meinungsverschiedenheit verließ, um in Erwartung von Problemen nach Reitern Bruchtals Ausschau zu halten. Als ich zurück kehrte, wurde mir eine wundersame Geschichte erzählt. Es war zu einem Konflikt mit drei Trollen gekommen und nur Hermine war es zu verdanken, dass sie dieses Abenteuer überlebt hatten, da sie die Trolle mitten in der Nacht in Stein verwandelt hatte, indem sie die Sonne imitierte. So zumindest beschrieben die Zwerge es. Danach hatte sie ihnen mehr über sich erzählt, dass sie eine Hexe sei und viele verschiedene Zauber beherrsche und nicht aus Mittelerde stammt. Meiner Einschätzung nach sind die Zwerge davon überzeugt, dass sie ihnen die Wahrheit gesagt hat, auch wenn sie ihr vielleicht nicht auf jeder Ebene glauben - sie hat ihnen allen das Leben gerettet und sie stehen damit in ihrer Schuld, so jemanden zweifelt man nicht an.
Ich weiß nicht, was ich von der Geschichte denken soll. Es gäbe keinen Grund dafür, solche Behauptungen aufzustellen, wenn sie die Zwerge auch mit einer einfacheren, glaubhafteren Geschichte zufrieden stellen könnte. Allerdings habe ich noch nie von der Existenz anderer Welten gehört oder gar von jemandem, der aus einer anderen Welt gekommen wäre. Aber...", er schüttelte leicht den Kopf und seine Augenbrauen zogen sich zusammen, während er ins nichts starrte und nachdachte. "Die Valar haben unsere Welt erschaffen. Es liegt daher nicht im Bereich des Unmöglichen, dass sie, oder einzelne von ihnen, eine oder gar mehrere andere Welten geschaffen haben, die sich von der unseren unterscheiden."
Ohne Gandalfs Bericht zu kommentieren, wandte Elrond den Blick nun seinen Söhnen zu. "Ihr scheint davon überzeugt, dass sie die Wahrheit spricht, ansonsten hättet ihr mir ihr Anliegen nicht vorgetragen. Was habt ihr über sie erfahren können?"
Die Zwillinge wiederholten die Geschichte, die Hermine ihnen erzählt hatte, wobei sie unwichtige Details ausließen und nur in groben Zügen vom Krieg berichteten, hingegen bei der Beschreibung des Horkruxes sehr genau waren. Sie blickten dabei nur einander an und ergänzten die Worte des jeweils anderen, wie nur Zwillinge es konnten. Dadurch blieben ihnen die entsetzen, zweifelnden und betrübten Gesichter ihrer Zuhörer verborgen. Als sie ihre Geschichte beendet hatten, waren die Blicke der Elben finster, während Gandalf doch stärker zu zweifeln schien, als seine vorherigen Worte es hatten Glauben machen. Er wollte gerade den Mund öffnen, vermutlich um zu fragen, was sie dazu bewog eine solche Geschichte zu glauben - denn abgesehen von der Frage, warum sie sich eine solche Geschichte ausdenken würde, kam sie ihm doch unglaublich vor - als Erestor zum ersten Mal das Wort ergriff.
"Ihr glaubt ihr?" Seine Frage war simpel, enthielt keinerlei Wertung oder gar Anklage, als würde er sie anzweifeln. Es ging ihm tatsächlich nur darum, von Elladan und Elrohir zu hören, was sie dachten, denn bisher hatten sie nur wiederholt, was ihnen gesagt worden war. Die Antwort fiel ebenso knapp aus, wurde jedoch um kurze Erklärungen ergänzt, bevor jemand unterbrechen konnte.
"Ja. Alles, was sie uns gesagt hat, entspricht ihrem Wissen nach der Wahrheit. Sie hat uns nicht wissentlich belogen", war die Antwort, die Elladan gab, und die durch Elrohir ergänzt wurde, "und ihr Geist ist klar, der Horkrux kann zwar ihre Stimmung beeinflussen, aber ihre Gedanken und Erinnerungen gehören ihr."
Die Elben sahen einander für einen Moment an, ehe Elrond mit einem tiefen Seufzen sprach, das zu seinem Alter, nicht jedoch zu seinem Aussehen passte. "Natürlich seid ihr euch sicher, aber es wäre leichter gewesen.." Er führte den Gedankengang nicht aus, beschloss stattdessen, Gandalf einzuweihen, der so verloren aussah, wie ein mächtiger Istari es konnte, was nicht sehr viel, aber doch merklich im Gegensatz zu seinem normalen Auftreten war. "Meinen Söhnen sind zwei Gaben geschenkt worden, deren Existenz nur uns sowie Galadriel und Celeborn bekannt ist. Ihr Erbe ist es, dass sich in ihnen manifestiert hat, auch wenn es zwischen ihnen aufgeteilt wurde. Elladan spürt, wenn jemand ihn belügt, ganz gleich wie klein die Lüge ist, und Elrohir ist in der Lage unterschiedliche Arten von Besessenheit zu erkennen. Wenn sie sagen, dass die junge Frau das ist, was sie behauptet, müssen wir uns dieser Einschätzung beugen und akzeptieren, dass wir nicht annähernd so viel über die Welt wissen, wie wir angenommen haben." Es war eine Feststellung, die auch ihm nicht leicht viel. Die Elben gingen stets davon aus, sie würden sich besser in der Welt auskennen, als jeder andere und zu erfahren, dass es noch viel mehr dort draußen gab, war nicht leicht zu verkraften.
Die folgenden Stunden verbrachten die Elben und der Zauberer damit, über die Ähnlichkeit des Horkruxes zu dem, was sie über den einen Ring wussten, zu reden und Vergleiche anzustellen und mit Überlegungen, wie und ob sie Hermine helfen könnten, den Dunklen Lord ihrer Welt zu vernichten und in diese Welt zurück zu kehren.
Am nächsten Morgen wurden Hermine und Bilbo von den Zwillingen geweckt, für ihre erste Trainingsstunde, die zum Entsetzen des Hobbits noch vor dem Frühstück stattfinden würde. Hermine war es nur recht, denn sie hoffte, dass die Zwerge weit in den Tag hinein schlafen würden und sie ihnen, oder besser gesagt ihm, auf diese Weise länger aus dem Weg gehen könnte. Sie hätte zwar gerne länger geschlafen, da sie am vorigen Abend nicht hatte einschlafen können, aber da die Gedanken sie auch jetzt nicht in Ruhe ließen, war sie über jede Ablenkung dankbar.
Sie hatte lange wachgelegen, nachdem sie sich von ihrer Starre gelöst und ins Bett gegangen war. Sie konnte nicht begreifen, was in dem Zwerg vorgegangen war und noch viel weniger, was es in ihr verursacht hatte.
Wut, weil er sie seit Beginn ihrer Reise abfällig behandelt hatte. Verwirrung, weil sie nicht verstand, warum er sie geküsst hatte, ihn aber ganz bestimmt nicht zur Rede stellen würde. Und nachdem sie über die Begegnung nachgedacht hatte auch ein wenig Freude und Stolz, weil sie ihn anscheinend davon überzeugen konnte, dass sie eine gute Ergänzung der Gemeinschaft sein würde 'oder hing es mit dem Kuss zusammen, dass er sie nicht zurück lassen wollte?', wagte es eine leise Stimme zu fragen.
Der Kuss. Beim Gedanken daran hob sie unwillkürlich die Hand an die Lippen, zog sie jedoch sofort zurück und ballte sie zusammen, als sie sich dabei erwischte. Seine rauen Hände zeugten von seinem Leben als Krieger, sie waren kräftig und doch hatte er sie so vorsichtig berührt, wie sie es ihm nicht zugetraut hätte. Sein Bart war nicht kratzend oder pieksig gewesen sondern weich, vermutlich, weil es nicht nur kurze Stoppeln waren wie bei den Jungen, über die Parvati und Lavender im Schlafsaal gesprochen hatten. Auf der einen Seite war sie aufgebracht, dass er sie ohne jegliches Einverständnis geküsst hatte, aber auf der anderen Seite war dieser kurze Kuss, den erfahrenere Frauen vielleicht nicht einmal als Kuss anerkennen würden, so viel aufregender gewesen als jene, die sie in den Sommerferien mit Ron erlebt hatte. Unwirsch schüttelte sie den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben.
Sie dachte selten an ihren rothaarigen Freund. Die Gedanken an England und den Krieg wichen mit jedem Tag in den Hintergrund, an dem sie in dieser Welt um ihr Überleben fürchten musste, und wann immer sie die Ruhe fand, galten ihre Gedanken und Sorgen Harry. Sie konnte sich nicht erinnern, was genau sie Elladan und Elrohir am vorigen Abend erzählt hatte. Nachdem sie begonnen hatte, waren die Worte einfach hervor gesprudelt, ohne dass sie wirkliche Kontrolle darüber gehabt hätte. Von der Enttäuschung und dem moralischen Tiefschlag, den sein Verlassen ihnen beigebracht hatte, abgesehen war es so belanglos im größeren Bild der Dinge. Sie wollte nach Hause und sie wollte Harry helfen und sie konnte nur hoffen, dass nicht alles verloren war, wenn ihr der Rückweg gelänge.
So aufgewühlt wie sie war, wurde die erste Trainingsstunde ein ziemliches Desaster. Dem murrenden Bilbo gelang es deutlich besser, die Anweisungen Elladans umzusetzen und zu lernen, sein Schwert - er bestand darauf, den Dolch als Schwert zu bezeichnen - durch die Luft zu schlagen und zu drehen, ohne es versehentlich fallen zu lassen oder sich selbst zu verletzen. Hermine aber war viel zu angespannt, sodass Elrohir sie schließlich beiseite zog.
"Was auch gerade für deine Stimmung verantwortlich ist, es steht dir im Weg. Können wir dir irgendwie helfen?" Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass Hermine sie daraufhin vom Trainingsplatz scheuchen und beginnen würde, den aufgestellten Dummy mit Zaubersprüchen zu traktieren, bis sie außer Atem und der Dummy vollkommen zerstört war. Niemand wagte es einzuschreiten und es hatte sich sogar eine kleine Gruppe von Elbenkriegern eingefunden, die von den Lichtblitzen angelockt worden war. Erst als Hermine mit einem "reparo" den Dummy reparierte und sich umdrehte, traten die Elben wieder auf den Platz. Sie sah erschöpft, aber auch deutlich ausgeglichener aus und hob das Schwert wieder auf, dass sie niedergelegt hatte, um ihren Zauberstab greifen zu können. Bei dieser Handlung verzog Elrohir unzufrieden das Gesicht. Ihre magischen Kräfte waren ganz offensichtlich die beste Waffe, die Hermine hatte, aber wenn sie ihnen das Kämpfen beibringen würden, würde es sie behindern, da sie nicht beide Waffen zur gleichen Zeit führen könnte.
Wenn sie Zeit hätten.. "Wie gut kannst du mit deiner linken Hand arbeiten?" Sie mussten hoffen, dass es ausreichend wäre, denn keiner von ihnen machte sich Illusionen darüber, dass Hermine vor der Abreise der Zwerge nach Hause gebracht werden könnte - und sie hatte deutlich gemacht, dass sie die Gruppe begleiten würde, ganz gleich was geschah. Elladan und Elrohir verstanden ihre Beweggründe nicht, da die Tatsache, dass diese Reise in ihrer Welt in einem Buch niedergeschrieben stand, das einzige war, bei dem sie sicher gestellt hatte, es nicht zu verraten. Bilbo war es hingegen egal, weshalb sie weiterhin an der Reise teilnehmen wollte. Er war einfach nur froh, dass sie ihn nicht mit den Zwergen allein lassen würde. Bestimmt würden sie ihm die Schuld geben, wenn Hermine verschwand, oder zumindest wieder genauso unfreundlich zu ihm sein wie zuvor, ohne dass er jemanden hatte, der ihn verstand. Und die Blicke, die die Zwerge Hermine beim Abendessen zugeworfen hatten, ließen ihn glauben, dass sie ganz und gar nicht begeistert wären, wenn Hermine sie für die Elben verließ. Dieser Hass auf die Elben war schon seltsam, hätten sie doch vor dem Troll-Vorfall sicher nichts dagegen gehabt, Hermine in Bruchtal zurück zu lassen. Jetzt aber war sie wichtig und die Zwerge wollten sie nicht wieder hergeben. Es war für den Hobbit eine traurige Erkenntnis, dass die Zwerge sie wohl nur als Mittel zum Zweck betrachteten.
-
AN: So, als nächstes dann aber wieder etwas über Harry, auch wenn das nicht das ist, wofür wir alle hier sind :D Aber ich möchte Harry nicht in England versauern lassen und bei einer eventuellen Rückkehr Hermines (darüber habe ich noch nicht entschieden) alles erklären müssen, was passiert ist.
