9. Kapitel

Immer noch auf ihren Knien sitzend wusste Sam, jetzt oder nie. Sie war immer noch sehr erschöpft, schaffte es aber sich aus eigener Kraft aufrecht hinzustellen. Mit dem Fuß tippte sie ihren Peiniger an um zu sehen ob er wirklich bewusstlos ist. Da er nicht reagierte schien er außer Gefecht zu sein.
Sam zerrte nun an den Ketten. Sie wusste einfach nicht wie sie diese Dinger los werden sollte. Sie zog und zog, doch sie schaffte es nicht die Ketten aus der Decke zu reißen.
"Verdammt!" schrie Sam.
Nun hatte sie Phil schon nieder gestreckt, da kommt sie von ihren Fesseln nicht los.
Tränen der Verzweiflung schossen ihr ins Gesicht.
Ihr Ziehen an den Ketten wurde immer panischer. Als sie gerade die Decke anschreien wollte kam Hoffnung in ihr hoch.
Die Schrauben mit dem die Ketten an der Decke befestigt wurden hatten sich ein wenig gelöst und Deckenputz bröselte auf Sam nieder.
Nachdem sie diese Entdeckung machte zog sie nun mit allen Kräften ruckartig an den Ketten. Sie schaute dabei immer wieder nach oben ob die Schrauben sich weiter raus bewegten.
"Komm schon." schrie sie die Schrauben förmlich an.
Ein leichtes Stöhnen unterbrach Sam bei ihrem Kampf gegen die Schrauben.
"Shit." war das einzige was Sam raus bekam als sie bemerkte wie Phil langsam wieder zu Bewusstsein kam.
Ihr Geziehe und Gezerre wurde immer hektischer. Anstatt wie vorher zu den Schrauben zu schauen, sah sie nun zu Phil.
Sam sprang ein wenig in die Luft und hängte sich an die Ketten und landete mit ihnen auf den Boden.
Als sie wieder aufstehen wollte um weiter an den Ketten zu ziehen merkte sie erst, dass sie es geschafft hatte sie von der Decke zu lösen. Sam fand keine Zeit zur Freude. Sie wusste Phil würde gleich wach sein und das würde ihr Ende bedeuten.
Ihre Schmerzen meldeten sich zum rechten Zeitpunkt zurück.
Sie nahm die Ketten so gut es ging in ihre Arme und wollte Richtung Tür laufen.
Eine Hand packte sie am Bein und sie knallte auf den harten Betonboden.
Sam hörte wie die Knochen in ihrem Handgelenk brachen. Einen Schmerzschrei konnte sie nicht unterdrücken.
Immer noch spürte sie die Hand an ihrem Bein.
"Glaub nicht dass du mir davon kommst."
Phil versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Was er auch noch etwas schwankend schaffte.
Er zog Sam zu sich hoch und beförderte sie mit einem Faustschlag ins Gesicht wieder auf den kalten Boden der Waldhütte.

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Grissom und die Anderen waren noch immer unterwegs. An "Jimmy's Pizza & Beer" waren sie schon vorbei, doch von einer Hütte noch weit und breit keine Spur.
Die Stille wurde von der Vibration eines Handys unterbrochen. Sara starrte auf ihre Hände wo sie ihr Handy krampfhaft festhielt.
Auf dem Display war "Greg Sanders" zu lesen.
Angst kam in Sara hoch. Sie hatte die Befürchtung Greg würde ihr nun sagen, dass Phil aufgewacht ist und ihre Schwester umgebracht hatte. Sie erschrak noch einmal als das Handy nun anfing zu läuten.
Sara versuchte die Angst runter zu schlucken.
"Greg was gibt es?" Sara's Stimme klang zittrig
Sie stellte ihr Handy wieder auf Lautsprecher damit die andere mithören konnten.
"Sara ihr müsst euch beeilen.
Sam konnte sich zwar befreien, aber Phil ist im selben Moment wieder aufgewacht."
Das wars, dachte Sara. Sie wird ihre Schwester nie wieder sehen. Ihr Onkel wird Sam umbringen so wie es ihre Mutetr mit seinem Bruder tat.
Sara konnte nichts sagen.
"Was passiert gerade Greg?" wollte Grissom wissen.
Mittlerweile waren sie schon im Waldgebiet angekommen. Die Asphaltstraße lag nun hinter ihnen.
"Sam liegt gerade benommen am Boden.
Jetzt hat sie ihn getreten...
..er liegt nun auch am Boden....
... sie würgt ihn...
mit ihren Ketten würgt sie ihn noch immer.
Er scheint bewusstlos zu sein. ..
Sie sucht etwas in seinen Taschen..
ah ein Schlüssel...
.. sie ist nun ihre Ketten los...
Sam ist gerade aus der Tür raus...
Beeilt euch.
Es sieht so aus als ob er wieder zu sich kommt."
Sara starrte apathisch auf ihr Handy bis Catherine es ihr aus der Hand nahm.
"Greg wir melden uns wieder." und legte auf.
Catherine gab Sara ihr Handy wieder und legte ihre Hand auf Saras Schulter.
"Sie wird es schaffen Sara." bei Catherine's Worten drehte sich Sara nach hinten zu ihrer blonden Kollegin und zwang sich ein Lächeln auf.
"Danke Catherine." Ihre Stimme war immer noch zittrig.
Grissom sah im Rückspiegel, wie Brass, Sofia und die Spezialeinheit zu ihnen aufschließen.
Kaum eine Meile später stoppte Grissom den Wagen.
"Hab hier müssen wir zu Fuß. Die Straße geht nicht weiter." er hatte noch nicht ganz ausgesprochen da sprangen schon alle aus dem Wagen.
Es sammelten sich alle um Grissom SUV wo er auf der Motorhaube eine Landkarte ausgebreitet hatte.
Zuerst teilte Grissom Brass und seinen Leuten den Stand der Dinge mit.
"OK. Wir bilden 2er Teams. So werden wir Sam sicher schneller finden. Jeder bleibt bei seinem Partner und sowie ihr etwas habt meldet ihr euch bei Brass und mir."
Die Teams bildeten sich und verschwanden in dem Wald.
Grissom klappte gerade die Landkarte wieder zusammen, als er im Augenwinkel sah wie Sara sich Richtung Wald bewegte.
Er lief ihr hinterher und hielt sie fest.
"Warte Sara. Hast du nicht gehört was ich eben gesagt habe?"
Sara schaute ihn ärgerlich an.
"Dann komm endlich. Meine Schwester hat keine Zeit."
Ohne groß über ihre Reaktion nachzudenken verschwanden beide im Wald.
Er konnte ihr nicht böse sein. Nicht jetzt.

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Sam lief so schnell es ihre Beine zuließen. Trotz ihrer Verletzungen spürte sie im Moment kaum Schmerz. Durch ihren Körper schoss Adrenalin, was für 3 Personen ausreichen würde.
Was sie spürte war Phil in ihrem Nacken. Er holte immer mehr zu ihr auf.
"Ich krieg dich schon du Miststück." hörte Sam ihn von weitem rufen.
Sie blickte hinter sich, aber konnte ihn noch nicht sehen.
Genauso wenig sah sie die große Baumwurzel die aus der Erde ragte. Sam blieb an ihr hängen und landete unsanft auf dem Boden. Der Aufprall machte ihre ganzen Reserven zunichte. Sie spürte wieder jeden einzelnen Knochen.
Sam tastete sich an ihrem Bauch lang, was ihr einen erneuten Schmerzschwall bescherte und sie aufstöhnen ließ.
Der Geschmack von Blut in ihrem Mund wurde immer dominanter.
Plötzlich musste sie stark husten. Vor Schmerz hielt sie sich wieder ihre gebrochenen Rippen. Mit der anderen Hand hatte sie sich die Hand vor dem Mund gehalten die nun voller Blut war.
"Oh Gott." Sam wusste auch ohne Medizin studiert zu haben, dass ihre Lunge durch eine der gebrochenen Rippen verletzt worden ist.
Sie wischte sich erst die Hand an ihrem Shirt ab und säuberte dann ihren Mund.
Trotz der starken Schmerzen versuchte Sam wieder auf die Beine zu kommen. Bei jeder Bewegung hatte sie das Gefühl jemand würde mit einem Messer auf sie einstechen.
Doch an aufgeben dachte sei niemals. Nicht wo sie schon soweit gekommen ist. Das konnte und wollte sie auch Sara nicht antun.
Nach einer Weile konnte Sam eine Lichtung erkennen. Sie spürte wieder Hoffnung in sich aufkommen. Vielleicht würde sie von da aus eine Straße sehen oder gar ein Haus finden.

"Grissom hast du das gerade gehört?" hörte Grissom durch sein Walkie.
Sara sah Grissom fragend an.
"Was Brass?"
"Ich habe eine männliche Stimme rufen hören und es war keiner von uns. Es kann nur Phil sein.
Er muss ihr dicht auf den Fersen sein."
Brass gab Grissom seinen Standort durch. Danach blickte Grissom mit einem gequälten Lächeln an.
"Hast du gehört Sara? Sie ist nicht in Phil's Gewalt. Und wir werden sie vorher finden."
Auch Sara konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Beide machten sich auf dem Weg zu Brass.

Er rannte wie eine Bestie hinter seiner Beute her. Mit einem Baseballschläger bewaffnet folgte er Sam's Spur.
Ihre immer langsamer werdenden Schritte konnte er nun schon durch das Laub hören.
"Ich krieg dich." schrie er in die Dunkelheit.

Diesmal hörten es auch Grissom und Sara.
"Wir müssen uns beeilen Griss. Er wird sie umbringen."
Sara schaute bei ihren Worten gar nicht erst zu Grissom, sondern rannte einfach schnelle weiter.
"Warte Sara!" Grissom stoppte plötzlich.
"Gil komm schon. Wir müssen weiter." Sara konnte nicht verstehen warum er stehen blieb.
Doch er gab ihr keine Begründung und kniete sich in den Dreck.
"Sie muss hier gewesen sein." flüsterte er Richtung Boden.
Er hatte einige Blutspritzer im Laub entdecken können.
Als er sich umdrehen wollte um Sara zu zeigen was er fand schrak er zusammen.
Alles was er sah war die Dunkelheit des Waldes.
"Sara!!!"

An der Lichtung angekommen schaute sich Sam um. Sie konnte zwar die vielen Lichter von Las Vegas erkennen, aber eine Straße sah sie nicht. Eine Leuchtreklame fiel ihr sofort ins Auge. "Jimmy's Pizza & Beer".
"Das kann doch alles nicht wahr sein." stöhnte sie leicht.
Die Erinnerungen an die Erzählungen ihres Onkels kamen wieder hoch. Diese blöde Bar oder Pizzeria war der einzige Grund warum er sie hätte damals als kleines Kind nach Vegas locken können.
Hier wollte er also mit mir und Sara hin. Was er dann wohl mit uns gemacht hätte? ging es Sam durch den Kopf.
Hätte er das Gleiche wie sein Bruder getan?
Sam versuchte wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie sah sich nach einem Weg runter in die Stadt um.
Als sie sich gerade auf dem Weg machen wollte bekam sie ein Schlag in den Rücken und ging abermals zu Boden.
Unter Schmerzen drehte sich Sam auf den Rücken und sah was sie niederstreckte.
Phil stand mit Baseballschläger über ihr.
"Ich hab doch gesagt ich kriege dich." Da war es wieder. Dieses Grinsen was nur er in seinem Gesicht hervorbrachte.
An seinem Hals konnte man noch die Kettenabdrücke sehen die sie ihm beim Würgen zufügte.
"Ich wusste gar nicht, dass du so eine Kämpferin bist. Mal sehen ob du das auch noch ab kannst."
Mit allem was er hatte trat er ihr wieder in die schon gebrochenen Rippen.
Sam schrie laut vor Schmerz auf. Sie krümmte sich auf dem Boden. Solche Schmerzen hatte selbst ihr Vater damals nicht zugeführt.
"Komm schon. Stell dich nicht so an.
Steh auf." schrie er sie an.
Doch Sam konnte nicht mehr. Sie war am Ende ihrer Kräfte, da würde auch kein Adrenalin mehr helfen.
Das Atmen bereitete ihr immer mehr Probleme und sie spürte wie ihr das Blut am Kinn runter lief.
Und das Schwindelgefühl nahm auch immer mehr zu.
Phil zog Sam zu sich hoch, doch sie sank wieder in die Knie.
"Schade. Ich hätte mich gerne noch mit dir vergnügt, aber nun bleibt mir wohl nur noch eins übrig."

Sam konnte sich auf ihren Knien kaum aufrecht halten. Alles schwamm vor ihren Augen. Trotzdem fand sie die Augen ihres Onkels und blickte tief in sie hinein.
Sie wurde traurig. Phil wird der letzte aus ihrer Familie sein den sie vor ihrem Tod sieht. Sie würde Sara nie wieder sehen.
Das machte sie wütend über sich selber. Wegen ihrer Angst hat sie 2 Jahre mit ihrer Schwester verloren und kann ihr nicht mehr sagen wie Leid es ihr tut. Sie hatte es ja noch nicht mal geschafft den Brief abzuschicken.
Sara wird nie erfahren warum sie sich von ihr abgewendet hat.
Doch Sam versuchte die letzten Sekunden in ihrem Leben nicht damit zu verschwenden an die schlechten Sachen zu denken.
Sie wollte an schöne Dinge denken. Wie sie zum Beispiel noch als Kind mit Sara zusammen im Heim im Bett lagen und Sara ihr Geschichten vorgelesen hatte.
Oder als sie nach ihrem Zusammentreffen nach fast 20 Jahren im Pacific Park in Santa Monica waren und den ganzen Tag über lachten und abends davon Bauchschmerzen hatten.
Sam hatte mit ihrem Leben abgeschlossen.
Sie wusste selber, dass ihre Verletzungen jetzt schon zu groß waren um es lebend in eine Krankenhaus zu schaffen. Doch Phil wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass sie erst gar nicht ins Krankenhaus kommt, sondern gleich ins Leichenschauhaus.
Sam schloss die Augen und es war so als würde sie noch einmal ein Schnelldurchlauf ihres Lebens sehen.
Und am Ende blieb ihr ein Bild von Sara hängen.
"Ich liebe dich Sara." flüsterte sie in die Nacht.
Sie öffnete wieder ihre Augen und sah Phil fordernd an.
Bring es endlich hinter dich sagte sie zu sich selbst.
Phil schwang seinen Baseballschläger nun so wie ein Batter beim Baseball, kurz es bevor der Pitcher den Ball wirft.
"Sag Gute Nacht Sam."
"Gute Nacht Phil."

TBC