Sooo, nach einer sehr anstrengenden Woche heute endlich das Update. Tut mir Leid, Aninchen, dass es doch so lange gedauert hat, aber ich hab die ganze Woche gearbeitet und hatte nur einen Tag frei. *schäm* Hoffe, dir gefällt das neue Kap. LG Dany :-)
8.
Beleidigungen
„Warum tust du mir das an?", brüllte Candice plötzlich los und sah aus, als wolle sie sofort in Tränen ausbrechen. Mit einem Mal war jegliche Unterhaltung verstummt, die allgemeine eben noch zweigeteilte Aufmerksamkeit legte sich auf die dunkelhaarige Diva und den Mann, der jetzt leider nicht mehr um eine Reaktion herumkam. Am dümmsten schaute jedoch Randys Groupie drein, das anscheinend nicht damit gerechnet hatte, dass Candice sich tatsächlich zu Wort melden würde. Gut, damit hatte auch Randy nicht gerechnet. Sogar er schaute für einen Moment ziemlich ungläubig auf Candice, dann brach er in Gelächter aus und schüttelte den Kopf. Er konnte nicht fassen, wie dumm die Frau war. Warum zum Teufel kapierte sie das nicht? Immerhin hatte er ihr oft genug mit sehr deutlichen Worten zu verstehen gegeben, dass sich zwischen ihnen niemals etwas entwickeln würde.
Wieder tauschten Miz und Morri einen Blick. Die Situationen waren ja ganz amüsant, aber momentan häuften sie sich etwas. Manchmal blickte man beinahe nicht mehr durch. Christy ließ sich nicht von ihrer Mission abbringen, legte ihre Hand auf Chris' Arm und begann, aufreizend über dieses Körperteil zu streicheln. Chris' Blick war stur auf seinen Ehering gerichtet, es war zu sehen, wie schwer er schluckte. Dann griff er nach seinem Cocktailglas und nahm einen großen Schluck, sodass das Behältnis danach beinahe leer war. Nur eine Sekunde später knallte er das Glas auf den Tisch, drehte sich zu Christy um und legte seine Hand an ihre Wange, blickte der Rothaarigen intensiv in die Augen. Und im nächsten Moment lag Christina Lee Hemme in Christopher Keith Irvines Armen und wurde leidenschaftlich von ihm geküsst. In aller Öffentlichkeit.
Brüllendes Gelächter setzte rundherum ein, doch die Beiden, die jetzt so plötzlich zueinander gefunden hatten, störten sich nicht daran. Christy gratulierte sich im Stillen. Lange Zeit hatte sie ihn gewollt, war verdammt enttäuscht gewesen, als er damals seinen Rücktritt erklärt hatte, bevor sie auch nur hatte versuchen können, ihn zu umgarnen. Es wunderte sie doch, wie schnell er ihr jetzt nachgegeben hatte, aber sie genoss ihren Triumph in vollen Zügen. Sie vernahm Pauls kehliges, amüsiertes Lachen, wandte ihm ihr gerötetes Gesicht zu und grinste ihn aufreizend an, während sie Chris' beinahe anbetende Augen auf sich spüren konnte. „Scheint, als wärst du heute Nacht beschäftigt, Baby!", rief ihr der WWE-Champion gutgelaunt zu - nein, er fand nichts dabei, seine Frau mit anderen zu teilen, solange sie ihn im Vorfeld informierte, was sie getan hatte - und konnte im selben Moment ein Zucken an dem Mann wahrnehmen, den er noch immer berührte. Er genoss beides: Seine begehrte Freundin, der er manchmal auch gern zusah, wenn sie mit anderen Männern zugange war, und die immer größer werdende Angst Johns.
„Da Christy ja anscheinend etwas zu tun hat, werde ich mir mit dir eine schöne Zeit machen." Deutlich nahm John die Ironie in Pauls Stimme wahr und schloss gequält die Augen. Pauls Pläne schockierten ihn, und vor allem die Tatsache, dass der Mann bereits voraussetzte, dass er bereit sein würde. Er hatte Ironie in seinen Tonfall gelegt, doch John wusste, dass er jedes einzelne Wort bitterernst gemeint hatte. „Oh, freust du dich schon so auf mich, Johnny, dass du kein Wort mehr herausbringst?", hauchte er seinem Opfer in der nächsten Sekunde ins Ohr, leckte bezeichnend mit der Zunge über die Ohrmuschel, musste sich zurückhalten, um ihn nicht zu beißen. Er fügte einfach gern Schmerzen zu, und den größten Spaß hatte er, wenn ihm seine Opfer es nicht ganz so leicht machten. Heftig und wie erwartet riss John den Kopf zurück, hätte am liebsten aufgeschrien, als der Schmerz im Nacken trotz Schmerztabletten beinahe unerträglich wurde.
John wusste, dass Paul seine Worte ernst meinte. Mit solchen Dingen scherzte der Mann nicht. Er würde ihn im Zimmer aufsuchen, und ihm würde eine schlimmere Behandlung drohen, wenn er den Raum zusperrte, um die Qual zu verhindern. Dann würde sie ihm nicht heute blühen, aber in Zukunft würde es irgendwann passieren, und zwar noch schlimmer. Verdammt, er musste eine Show bestreiten! Aber gut, das hatte Paul ja noch nie gestört. Er hätte es gestern vor Johns Auftritt auch beinahe geschafft, ihm diese schreckliche Sache anzutun. Und jetzt verlangte er allen Ernstes, dass John in der Nacht auf ihn warten und ihn einfach gewähren lassen sollte? Meinte er das tatsächlich ernst? John konnte nicht anders, als sich zum RAW-Superstar umzudrehen und ihn anzustarren, auch wenn es ihm extrem schwer fiel. Ihm war klar, dass er eingeschüchtert aussah, aber er konnte es nicht verhindern.
Wieder erschallte Candice' schrille Stimme, während die Diva Randy immer noch anschaute, als hätte er einen Fehler gemacht. Dieser war sich natürlich keiner Schuld bewusst. Chris und Christy konnten nicht mehr voneinander ablassen, es schien, als hätte sich dieses Begehren während der letzten drei Jahre aufgebaut und hätte sich jetzt dank Christys Initiative wie ein Vulkan entladen. Seine Hände waren überall, anscheinend wollte er die Frau, die sich ihm an den Hals geworfen hatte, so nahe wie möglich bei sich spüren. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Randy?", erkundigte sich Candice bei ihrer Affäre und stemmte die Hände in die Hüften. Diese lehnte sich ungerührt zurück, zog die neue Flamme an sich und hielt es erst nach einigen Sekunden für nötig, den Blick auf die dunkelhaarige Diva zu richten.
Eigentlich hätte seine Stalkerin gar keine Reaktion verdient, aber wenn er sie weiterhin ignorierte, würde er sicher den ganzen Abend keine Ruhe haben. Immerhin hatte er ja noch eine andere Begleitung, und mit der musste er sich etwas beschäftigen, damit man die Nacht später doch noch auf seine Art würde beschließen können. Natürlich ließ Randy es sich nicht nehmen, Candice mitleidig anzugrinsen und seine Neue noch enger zu sich zu ziehen, ihr einen leidenschaftlichen Kuss zu verpassen. „Ich brauche mich nicht zu verteidigen, Candice", meinte er ungerührt. „Sieh es ein, du hast verloren." Es war ziemlich gut zu beobachten, wie der Diva aus Wisconsin die Gesichtszüge entglitten. Ihre Augen wurden groß vor Unglauben, ihr Mund öffnete und schloss sich, weil sie absolut nicht wusste, was sie sagen sollte. Candice Michelle war um Worte verlegen - das war etwas, das nur äußerst selten geschah.
Randys derzeitige Begleitung begann zu lachen und winkte der Diva sarkastisch zu. Einige Wrestler verdrehten die Augen. Ja, Candice' Stalking war für Randy sicher nicht lustig, aber so erniedrigen brauchte er die Frau auch nicht. Immerhin mussten sie miteinander arbeiten. Solche Dinge waren für das Betriebsklima alles andere als förderlich. Candice verzog das Gesicht und schickte ihrer Nachfolgerin einen ausgesprochen bösen Blick, den diese aber nicht einmal zu bemerken schien. Wieder fuhr ihre Hand durch ihr Haar, dann wandte sie sich noch einmal an Randy. „Hast du mir denn gar nichts zu sagen?" Auf Randys Lippen tat sich ein böses Grinsen auf. „Nein, eigentlich nicht", verkündete er, „du warst ein schöner Zeitvertreib, aber mehr brauche ich nicht von dir. Du bist zu anhänglich."
Candice sah ihre Chance und nahm den Faden auf. „Und wenn ich nicht anhänglich bin, was dann?", fragte sie herausfordernd und warf sich noch einmal in Pose. Randy verdrehte die Augen, musste sich zurückhalten, um nicht wirklich unfreundlich zu ihr zu werden. „Vergiss es, Baby", sagte er jedoch und hätte gern mit den Schultern gezuckt, aber der Arm in der Schlinge verhinderte das natürlich, „es war eine kurze Sache und mehr bekommst du von mir nicht." Candice' Lippen fingen an zu zittern - vermutlich würde sie gleich einen Nervenzusammenbruch erleiden. Sie überlegte, ob sie noch etwas erwidern sollte, doch sie unterließ es. Statt dessen drehte sie sich um und hetzte aus dem Club, ohne zu irgendjemandem ein Wort zu sagen. Draußen würde sie vermutlich in Tränen ausbrechen, doch bevor sie nicht allein sein würde, konnte sie sich das nicht erlauben. Immerhin war man nirgends vor Fotografen sicher.
Sofort sprang Maria auf und winkte Mickie und Melina, damit sie mit ihr gingen. Vor allem Mickie war darüber nicht wirklich erfreut. Erstens hatte sie nicht wirklich Lust, Candice wegen ihrer unmöglichen Liebe zu Randy zu trösten, die ihr alle schon versucht hatten auszureden, und zweitens hatte ihr bester Freund viel größere Probleme. Mickie Laree James wusste, was John geschehen war. Er hatte es ihr nicht gesagt, doch sie hatte ihm von Anfang an angemerkt, dass da irgendetwas war. John war manchmal wirklich sehr nachdenklich, und vor allem hatte er es immer so gut es ging vermieden, mit Paul allein zu sein. Er und Randy waren die einzigen Personen, die John schnitt, wann immer es ihm möglich war. Gut, mittlerweile geschah dasselbe mit Adam, aber da war es ihrer unterschiedlichen Kaderangehörigkeit zuzuschreiben.
Doch dass mit Paul irgendetwas vorgefallen war, war offensichtlich, auch wenn John versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Mickie wusste nicht, wie es früher gewesen war, sie war erst seit 2005 im Unternehmen, aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass es immer so extrem gewesen war. Und Johns Körpersprache sprach Bände, wenn man genau darauf achtete. Sein Verhalten drückte sehr viel aus, über das er nicht sprach. Ja, sie kannte das Benehmen ziemlich gut, auch wenn sie, nachdem ihr dasselbe passiert war, in die Offensive gegangen war und sich weiterhin ihre gute Laune nicht verderben ließ, mit den Geschehnissen abgeschlossen hatte und Paul sogar grüßen konnte, wenn es sein musste. Jeder reagierte anders auf eine solche Sache. Nein, John war nicht allein, das wussten sie alle. Die Diven waren wahrscheinlich samt und sonders in den Genuss von Pauls Behandlung gekommen, doch natürlich sprachen auch sie nicht darüber. Anscheinend gab es in der WWE an Paul Levesque keinen Weg vorbei.
Unschlüssig blickte Mickie John an, der noch immer sein Bierglas umklammert hielt und den Blick auf den Tisch gesenkt hatte. Erst jetzt erkannte sie, dass Paul ihn in aller Öffentlichkeit anfasste. Gott, der Mann hatte wohl gar keine Skrupel! Er wusste, dass John sich nicht wehren würde. Ihm war seine Karriere zu wichtig, und dem Schwiegersohn des Chefs hatte man zu gehorchen. Es hieß immer, Triple H wäre ein Wrestler wie jeder andere, aber natürlich wussten alle, dass das nicht stimmte. Der Mann war viel zu sehr in der McMahon-Dynastie verankert als dass er als normaler Angestellter galt. Immerhin war er ja dazu auserkoren worden, Führungstraining zu erhalten und das Unternehmen vermutlich später einmal zu führen. Vince war dafür bekannt, Privat- und Berufsleben strikt zu trennen, sprich, er akzeptierte deshalb auch, dass Paul ziemlich offen mit Christy umging.
„Geh nur", meinte John zu seiner besten Freundin, „Candice braucht euch. Sie soll nicht noch unglücklicher werden." Mickie schloss kurz die Augen und erhob sich dann. „Ich lass dich nicht gern mit ihm allein", flüsterte sie ihm ins Ohr, damit Paul es nicht hörte. „Es geht schon", entgegnete John und schickte ihr ein unechtes Lächeln, bevor er ihr einen Kuss auf die Wange drückte, sich dazu nach links beugen musste, was ihm die Möglichkeit gab, Pauls Berührungen wenigstens für einen kurzen Moment zu entfliehen. Mickie griff nach seiner Hand und hielt sie fest, während sie ihm in die Augen blickte. „Ich bin gleich wieder da." John hob kurz die andere Hand. „Ich kann schon auf mich selbst aufpassen, Süße." Mickie warf einen kurzen Blick auf Paul, doch sie verkniff sich eine Anmerkung in der Richtung Da bin ich nicht ganz sicher. Sie gab Punkie einen Kuss und stieg über John und Paul hinweg, um Melina und Maria nach draußen zu folgen. Zwar interessierten sie Candice' Probleme überhaupt nicht, aber Frauen mussten eben zusammenhalten.
Chris und Christy waren immer noch miteinander beschäftigt, doch nun stand Chris auf und stieg über die Leute auf der Couch hinweg. Seine rothaarige Gespielin blickte ihn für einen Moment ziemlich konfus an, doch als er die Hand breit grinsend nach ihr ausstreckte, wusste sie, was er wollte. Sofort sprang sie auf und kam zu ihm. Sie hatte gewonnen. Christopher Keith Irvine würde heute Nacht in ihrem Bett liegen. Eigentlich war das ja für Paul reserviert, doch als sie einen Blick auf ihn warf, sah sie, dass er sich sehr gut amüsierte über den Anblick seiner Freundin mit einem anderen Mann. Ihn störte es nicht. Immerhin hatte er für die Nacht ohnehin eine Beschäftigung gefunden. Christy kam zu ihm und verpasste ihm einen leidenschaftlichen Kuss. „Ich wünsche dir viel Spaß, Baby", grinste Paul und kniff seiner Freundin kurz in den Hintern, sodass diese spielerisch seine Hand wegschlug. „Den werde ich haben", lachte sie. „Wir sehen uns dann später."
Natürlich konnte sie es nicht lassen, beugte sich zu John - wobei Paul einen einzigartigen Blick in ihren Ausschnitt bekam, der ihm außerordentlich gut gefiel - und drückte ihm einen weiteren dicken Kuss auf die Wange. „Viel Spaß mit Paul, Kleiner", kicherte sie ihm ins Ohr und leckte wie schon Paul zuvor über die Muschel, genoss es irgendwie, John zu erniedrigen. Sie wusste genau, wie wichtig dem Mann seine Karriere war und dass er nichts tun würde, um Pauls Geliebte auf die Palme zu bringen. Also brachte sie noch ein paar Worte an. „Ich hoffe, er ist zufrieden. Ich will ihn nicht schon wieder trösten müssen. Er war am Abend ziemlich geladen. Freu dich, das wird er später sicher auch sein." Hochzufrieden nahm sie den Schreck wahr, der den Mann durchfuhr. Auch wenn John so tat, als würde ihn das alles nicht groß schocken, so wusste Christy genau, was in ihm vorging. Der Mann war einfach nur starr vor Angst. Und Christy konnte nicht umhin, sich darüber ziemlich zu amüsieren.
Ja, ja, der harte John Cena, der im Ring immer so selbstsicher, so unbesiegbar war, den die Massen so sehr verehrten, war eigentlich ein kompletter Feigling, der immer versuchte, sich aus allem herauszuhalten. Der John Cena, den andere Leute immer wieder als Vorbild vorgehalten bekamen, war ein Feigling, der anscheinend kein anderes Leben als das Wrestling hatte. Der John Cena, den Vince zum Repräsentant seiner Firma gemacht hatte, hatte Angst vor Paul. Vor Paul, der bei ihr - Christy - eigentlich immer sehr freundlich war. Dass er im Bett manchmal etwas grober war, störte Christy nicht - immerhin mochte sie es genauso.
Nachdem von John keine Reaktion kam, richtete die Diva sich wieder auf, nahm Chris' Hand und stolzierte mit ihm aus dem Club, zog ihn beinahe hinter sich her. Nach einem breiten, beinahe gratulierenden Grinsen an seine Freundin und einem folgenden Augenzwinkern wandte Paul sich wieder John zu, schob die Hand, die in dessen Hose war, noch tiefer, ließ die Finger in die Spalte tauchen, so weit es ihm möglich war. Und nun rückte John endlich ab, nachdem er dank Mickies Verschwinden etwas mehr Platz hatte. Die Hand glitt davon, und er ertappte sich bei einem leichten Aufatmen. „Hey", vernahm er im nächsten Moment Pauls Stimme, die wieder lauter geworden war - anscheinend würde nun wieder eine Beleidigung folgen, die der ganze Tisch hören durfte -, „wie ist es eigentlich, zu wissen, dass man jeden Tag auf verdammt dünnem Eis wandelt? Dass eine falsche Bewegung in der Öffentlichkeit reicht, um die ganze Karriere zu vernichten?"
Der gesamte Tisch verdrehte die Augen, Randys Groupie prustete wieder los. Paul war es natürlich egal, wenn die Frau da das größte WWE-Geheimnis erfuhr. Beweise hatte sie ohnehin keine. Wer hätte ihr glauben sollen, dass sie mit fast dem gesamten aktuellen Kader der WWE in einem Club gewesen war und Triple H das ausgesprochen hatte? Außerdem war die Frau ja sowieso dumm wie Stroh und würde sich nach der eigentlichen Nacht mit Randy garantiert nicht mehr an gewisse Äußerungen erinnern. John konnte darauf nur vertrauen, auch wenn es ihm alles andere als Recht war, dass Paul da sein Privatleben breittrat, das ihn eigentlich überhaupt nichts anging. Aber gut, von solchen Dingen hatte sich Paul Levesque noch nie abhalten lassen.
Im Augenwinkel bekam John mit, wie selbst Shawn den Kopf zu schütteln begann. Anscheinend ging Paul sogar ihm jetzt zu weit. Denn wenn nicht einmal Shawn mehr die Äußerungen Pauls akzeptieren konnte, war es wirklich schon sehr nahe daran, dass der Heartbreak Kid explodierte. Shawn mischte sich normalerweise nicht ein; wenn er knapp daran war, die Beherrschung zu verlieren, testete Paul seine Grenzen wirklich extrem aus. Shawn war wirklich kurz vor einem Ausbruch, das war zu erkennen, weil auch er plötzlich den Blick gesenkt hatte und versuchte, das Ganze nicht an sich dringen zu lassen.
Doch alle wussten, dass ein Ausraster nicht in Frage kam. Shawn war durch und durch ein Profi, sprich, er würde seine Streitigkeiten nicht in der Öffentlichkeit austragen. Ja, Paul war sein bester Freund, doch mit einigen seiner Verhaltensweisen hatte er doch ziemliche Probleme. Vor allem mit Pauls Willkommensbehandlung, die er als gläubiger Christ strikt ablehnte. Paul verteidigte sich immer damit, dass die Leute, wenn sie eine solche kleine Behandlung nicht überstanden, keine Chance im Unternehmen hätten und er ihnen nur zeigen würde, wo es langging. Über solch eine verdrehte Logik konnte Shawn nur den Kopf schütteln. Wann immer er eine Diskussion begann, endete sie damit, dass er keine Antworten mehr hatte, weil Paul auf jeden einzelnen Gesprächspunkt eine Erwiderung parat hatte. Ja, die WWE war ein hartes Business, doch Pauls Umtriebe fand Shawn extrem unnötig. Aber dem Mann würde später mal die Firma gehören, sprich, nicht einmal Michael Shawn Hickenbottom traute sich, wirklich etwas zu sagen. Man konnte schließlich nie wissen, und in der Company war eigentlich ohnehin jeder auf sich allein gestellt.
„Wie wäre es mit einer Antwort?", fragte Paul, fasste John am Kinn, nachdem dieser ihn noch immer nicht ansah, und riss seinen Kopf auf die rechte Seite, damit sie Blickkontakt hatten, wodurch der Schmerz in Johns Genick so schlimm wurde, dass er sich im ganzen Körper auszubreiten begann. „Das ist sehr unhöflich, was du da machst, Cena." Und was ist mit dir? Bist du etwa nicht unhöflich? Das war das, was alle dachten, doch niemand sprach es aus. „Du bist doch sonst immer so freundlich zu allen", machte Paul natürlich weiter, nachdem John noch immer schwieg, „warum nicht zu mir? Was hab ich dir denn getan, Johnny? Ich war doch immer nett zu dir." Ein sarkastisches Lachen drang Johns Kehle nach oben, doch zu seiner eigenen Überraschung schaffte er es, es noch zu unterdrücken. Er wusste, dass Paul ihm den Drang zu lachen ansah, doch diesen kleinen Zuckungen in seinem Gesicht konnte er nicht beikommen.
„Aber jetzt sag mal ehrlich", machte der WWE-Champion weiter, „wie oft hast du dich von Vince ficken lassen? Immerhin … ist dein Aufstieg ja ziemlich schnell vonstatten gegangen." „Ach komm, Paul, es reicht langsam", merkte Glen an, und sofort schoss Pauls aufgebrachter Blick auf ihn. „Klappe!", befahl er. „Warum springst du für ihn in die Bresche? Bist du in ihn verknallt, oder was?" Pauls typische Meldungen, die unter die Gürtellinie gingen, kannten sie alle, und so schüttelte auch Glen nur den Kopf. Er kannte den Mann immerhin schon lange, und er war schon immer so gewesen. Nur war er, seit Christy an seiner Seite war, doch noch ein ziemlich großes Stück schlimmer geworden. „Anscheinend bist du es", grinste Paul, nachdem Glen seine Frage als nicht einer Antwort wert befand. „Wie süß!"
Er drehte sich wieder zu John. „Zurück zu dir", beschloss er, „wie wäre es, wenn du mir meine sehr interessante Frage beantwortest? Mich würde es schon interessieren, wie oft mein Schwiegervater dich gefickt hat." Er wandte sich an die Kollegen. „Sonst noch jemand, der das wissen will?" Schweigen empfing ihn und zeigte ihm an, dass es anscheinend wirklich nur ihn interessierte. Aber das war Paul natürlich egal. „Du kannst mir nicht erzählen, dass ein Kerl wie du, ohne jegliches Talent, jegliche Ausstrahlung, der absolut gar nichts kann und zudem noch mit Männern fickt, ohne Gegenleistungen nach oben kommt und von Vince als wichtiger angesehen wird als sein eigener Schwiegersohn, verdammt noch mal!" Die letzten Worte hatte Paul mit solch blankem Hass ausgestoßen, dass niemandem mehr verborgen blieb, warum der Mann John so dermaßen ablehnte.
Adam meldete sich zu Wort. Eigentlich mischte er sich nicht gern in Pauls Angelegenheiten ein - immerhin hatte er selbst ohnehin schon einen schlechten Stand in der Firma, da war es nicht gut, sich noch mit dem zukünftigen Chef anzulegen -, aber irgendetwas in ihm schrie danach, John zu helfen. Er hatte keine Ahnung, was, aber es war einfach da. Er hatte schon das Bedürfnis, ihre Freundschaft wieder aufzunehmen, auch wenn er nicht wusste, wie er sich John gegenüber verhalten sollte. „Wäre es möglich, dass du uns nicht weiter den Abend ruinierst, Paul?", fragte er. „Langsam wird's langweilig." Wieder erschallte prustendes Gelächter vom WWE-Champion, während seine Hand sich nun wirklich in Johns Hose schob und bis zum Eingang vordrang. Er schaffte es nicht, einzudringen, aber allein das Gefühl, ihn so nahe zu spüren, war beinahe zu viel für John.
„Mir nicht", entgegnete Paul schulterzuckend, „außerdem ist mein Abend nicht ruiniert." Er wandte sich an John und grinste ihn an. „Deiner auch nicht, oder, Johnny?" John spürte, wie Pauls Fingerspitze versuchte, sich Einlass zu verschaffen, und hätte am liebsten aufgeschrien. Er zuckte zusammen, als der Finger wirklich in ihn drang, musste die Zähne zusammenbeißen. „Antworte, Johnny!", forderte Paul höchst amüsiert, bevor er sein Glas an die Lippen setzte und einen großen Schluck trank. Der Finger bohrte sich in John, verursachte schreckliche Schmerzen, doch der Ex-Champion hatte keine Wahl. Er durfte sie sich nicht anmerken lassen. „Nein, Paul", brachte er schließlich heraus, und sofort zog Paul den Finger zurück. John fühlte Erleichterung durch sich fluten, doch gleich darauf fühlte er, wie sich die Fingernägel in seine Hinterbacke gruben. Ja, Paul wollte ihm zeigen, was er später mit ihm zu tun gedachte.
„Gott, anscheinend seid ihr ja alle Weicheier!", machte Paul mit seinen Beleidigungen weiter, und warf einen bösen Blick in die gesamte Runde an Athleten. „Randy, du bist natürlich ausgenommen." Nicht einmal Shawn wurde dieses Privileg anscheinend zuteil. Doch er scherte sich gar nicht darum. Randy auch nicht - er war dabei, seine Flamme weiter einzuwickeln und knutschte hemmungslos mit ihr. Candice war noch immer nicht wieder aufgetaucht. Pauls Blick nahm jeden einzelnen WWE-Angehörigen genau unter die Lupe, genoss es, wenn jemand den Blick abwandte, weil ihm Pauls Starren unangenehm wurde. „Habt ihr ihn eigentlich schon alle gefickt? Haben wir eine neue Lockerroom-Matratze?" Dass eigentlich seine Freundin den Titel Lockerroom-Matratze innehatte und ihn sicher nicht ohne weiteres abgeben würde, störte Paul natürlich nicht, und es wies ihn auch keiner darauf hin.
„Nein, wir haben ihn nicht gefickt, Paul", meinte Shelton, „du weißt doch sonst immer alles. Wie kommt es, dass dir das entgangen ist?" Der einzige WWE-Angehörige, mit dem John willentlich geschlafen hatte, war Adam gewesen, und Paul wusste es. Trotzdem liebte er es, die Leute aufzuziehen. Er hatte nichts zu befürchten. Immerhin war er der Vater von VinnieMacs Enkelkindern, sprich, er hatte einen Freibrief im Unternehmen. „Aber warum eigentlich nicht?", fragte der Mann ungerührt weiter. „Da ist dieser Arsch, der euch allen zur Verfügung steht. Ihr müsst ihn euch nur holen! Gott, nur weil er ein Kerl ist? Hauptsache, man hat etwas zum Ficken. Es sind doch viele von euch neugierig, wie es ist, einen Mann unter sich zu haben, oder?" Keiner gab eine Antwort, der Schock über diese Worte hatte um sich gegriffen. Noch nie zuvor war Paul, was John betraf, so beleidigend geworden. Anscheinend nahm er ihm die Geschehnisse bei der RAW-Show wirklich extrem übel.
„Ich weiß ja nicht, wie viel du getrunken hast oder warum du heute so bist, aber ich höre mir das sicher nicht weiter an", verkündete Glen und erhob sich. „Ich verschwinde." Endlich wagte es jemand, seine Meinung zu sagen, und die Anderen schauten ihn beeindruckt an. Viele schienen zu überlegen, ob sie ihm folgen sollten, doch er blieb der Einzige, der aufgestanden war. „Gut, dann geh doch!", kicherte Paul kopfschüttelnd und zuckte mit den Schultern. „Wenn du nicht mal ein paar kleine Witze, die nicht mal dich allein betreffen, aushältst, Jacobs, dann verschwinde. Du bist ohnehin ein Spielverderber und verdirbst mir die Laune." Glen wandte sich um, winkte den restlichen Leuten zu und ging. Er würde im Taxi zum Hotel zurückfahren. Pauls idiotische Kommentare konnte er wirklich nicht mehr hören.
Der Mann, dem anscheinend daran gelegen war, es sich mit allen zu verscherzen, stieß einen abfälligen Laut aus, als Glen wirklich den Club verlassen hatte. Damit hatte er nicht wirklich gerechnet, aber es störte ihn auch nicht. Er legte den Arm um Johns Taille, als wäre er sein Lebensgefährte, und wandte sich an Adam. „Hey, Blondie, wie war er eigentlich?", erkundigte er sich lautstark, damit Adam ihn auch ja verstand. „Wie lange hat er dir den Schwanz gelutscht? Hat er dich ohne Kondom rangelassen? Hat er gestöhnt wie die kleine Nutte, die er eigentlich ist?" John fühlte, wie sich eine starke Röte auf seinem Gesicht ausbreitete, konnte erkennen, wie erschrocken Adam über die Offenlegung ihres One Night Stands war. John selbst ging es nicht anders. Es war ihm nicht Recht, dass jetzt alle von der Sache mit Adam wussten, aber was hätte er tun sollen? Er konnte nicht gehen, ohne sich Pauls grenzenlose Wut zuzuziehen, das wusste er. Gern hätte er sich bei Adam für Pauls Verhalten entschuldigt, aber er konnte es nicht tun, ohne mit neuen bösen Kommentaren von Paul zu rechnen - schon allein, weil er sich für ihn entschuldigte.
Mickie kehrte mit Maria und Melina von draußen zurück - ohne Candice, wie Randy zufrieden registrierte. Entweder war die Frau ins Hotel gefahren und heulte sich wegen ihm die Augen aus dem Kopf oder sie brachte ihr mit Sicherheit verlaufenes Make-up wieder in Ordnung. So lange sie ihn jetzt endlich in Ruhe ließ … Er hatte ihr ja nur gezeigt, wo es lang ging. Jetzt hatte er endlich Ruhe vor dieser Irren und konnte sich darauf konzentrieren, seine neue Flamme ins Bett zu bekommen. Er würde Chris und Christy bald ins Hotel folgen, da war er sicher. Die Blondine, die er abgeschleppt hatte, lag in seinen Armen und war reif. Er musste sich nur noch ein bisschen mehr anstrengen, dann war seine Beschäftigung für die nächsten Stunden gesichert.
