Kapitel 9: Vom Kämpfen und Heilen

Ein paar Tage später saßen die vier wieder einmal in Severus` Räumen, als sich Ron an Svearals Angebot erinnerte. „Wollte unsere kleine Hausschlange nicht für uns spionieren?"

Hermine sah ihn vorwurfsvoll an. „Wir können doch Professor Dumbledore nicht so einfach hintergehen."

„Warum nicht? Du hast doch selbst gesehen, wie er mit Severus und auch mit mir umgegangen ist. Er gibt nie Informationen weiter, auch wenn wir sie dringend brauchen. Wenn er mir früher von der Prophezeiung erzählt hätte, würde Sirius vielleicht noch leben." Harrys Tonfall machte deutlich wie sehr sein Bild von Dumbledore während der letzten Wochen gelitten hatte.

„Ganz genau. Wenn er uns nicht hilft, müssen wir uns eben selber helfen." Ron nickte zustimmend.

Nun mischte sich Severus ein: „Leider gibt es noch ein anderes Problem. Svearal versteht und spricht nur die Schlangensprache. Selbst wenn er für uns die Gespräche des Direktors belauscht, kann er sie nicht an uns weitergeben."

„Naja, da gibt es vielleicht einen Weg", erklärte Hermine ein wenig kleinlaut.

Die Jungs grinsten sich an. „Erst einen auf Moralapostel machen und dann mit so was kommen."

Die Gryffindor blitzte die beiden an: „Wollt ihr es jetzt hören oder nicht?"

„Schon gut, schon gut. Lass uns an deinem genialen Plan teilhaben."

Gemächlich ging sie zu einem der Bücherregale und holte zielstrebig eines der alten Bücher aus der geheimen Kammer hervor, das sie an Severus weitergab. „Es ist eigentlich eine Kombination aus mehreren Zaubern. Wenn es funktioniert, kann man eine leere Erinnerungsblase schaffen, die wir einfach in Svearal einpflanzen. Er selber versteht die belauschten Gespräche zwar immer noch nicht, aber wir können sie dann in einem Denkarium anschauen. Es ist wie bei einem Aufnahmegerät."

Der Slytherin konzentrierte sich kurz auf die betreffenden Seiten und nickte nach ein paar Minuten. „Das müsste eigentlich funktionieren."

Keine viertel Stunde später war Svearal mit seiner ersten Erinnerungsblase ausgestattet und verschwand zielstrebig in der Wand. Nun hieß es warten und die drei Gryffindor vertrieben sich die Zeit mit ein wenig Zaubertränkeunterricht.

Der war sofort vergessen, als Svearal etwa eine Stunde später wieder erschien. Severus extrahierte die Erinnerung sorgfältig und gab sie in sein Denkarium. Neugierig tauchten die vier in die leuchtenden Fäden ein.

Sie fanden sich in Dumbledores Büro wieder. Moody und McGonagall lieferten sich gerade ein hitziges Wortgefecht, während der Direktor ruhig zuschaute.

Gerade beendete ihre Hauslehrerin einen Satz: „ … nicht dein Ernst sein. Wenn Mr. Potter wirklich recht hat, dann hat Severus weit mehr für uns riskiert und uns geholfen, als wir überhaupt ahnen."

„Du hast ihm die ganzen Jahre nicht besser behandelt als wir anderen. Für dein Mitgefühl ist es wohl ein bisschen zu spät. Findest du nicht auch?", antwortete Moody.

„Du musst mich nicht an meine Fehler erinnern. Ich weiß selbst genau, wie sehr ich Severus unrecht getan habe. Gerade deshalb hat er auch ein Recht auf diese Informationen."

„Und was sollte es ihm nützen. Hier im Schloss ist er doch sicher und kann eh nichts tun."

„So sicher wie auf Slughorns Weihnachtsparty? Auch da ist es nur Severus zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist."

„Das war doch etwas ganz anderes. Niemand konnte ahnen, dass dieser Godfrey ein Spion von Du-weißt-schon-wem war. Hier schleichen die Todesser jetzt offen, um die Schutzmauern von Hogwarts. Einige wurden sogar bei Hogsmead gesehen. Was für einen Unterschied macht es, ob der Slytherin eingeweiht ist, oder nicht. Er kann wohl kaum zwanzig Todesser im Alleingang besiegen."

„Aber er kann helfen, Mr. Potter und die anderen Schüler zu verteidigen. Du weißt, was für ein guter Duellant er ist."

Moody schaute wütend zu McGonagall: „Und was machen wir, wenn er mitten im Kampfgetümmel unverhofft die Seiten wechselt? Dann …"

„Alastor! Hat Severus nicht langsam aber sicher bewiesen, auf welcher Seite er steht? Ich finde diese ganze Diskussion unmöglich und unfair. Albus, sag doch auch einmal etwas dazu."

Dumbledore seufzte kurz auf. „Die Schutzwälle der Schule halten und es besteht keine Notwendigkeit die Schüler unnötig zu beunruhigen. Ordensmitglieder patrouillieren ununterbrochen auf dem Gelände. Es tut mir leid Minerva, aber ich sehe auch keinen Grund Harry und seine Freunde von ihren Prüfungsvorbereitungen anzulenken."

McGonagalls Mund wurde zu einer dünnen Linie. „Schön Albus, wenn du meinst." Aber ihre Missbilligung war ihr deutlich anzusehen. Sie wollte gerade aus dem Büro stürmen, als Tonks plötzlich durch die Tür platzte. Keuchend brachte sie hervor: „Todesser … in Hogsmead … sie haben … haben Remus."

Zuerst herrschte eine Totenstille im Büro. McGonagall nahm die zitternde junge Frau in den Arm und warf Moody und Dumbledore einen zornigen Blick zu. „Sicher nennt ihr das? Wir brauchen Severus` Hilfe. Keiner kennt die Schwächen der Todesser so gut wie er. Es ist verantwortungslos noch mehr Leben zu riskieren, nur weil ihr zwei sture alte Männer seit, die nicht über ihren Schatten springen wollen."

„Remus wusste worauf er sich einließ, als er in den Orden kam. Es kann jedem von uns passieren", knurrte Moody mürrisch.

Tonks starrte ihn entgeistert an: „Nein! Ihr könnt ihn nicht einfach im Stich lassen. Sie haben ihn nicht getötet, dass weiß ich. Bitte wir müssen …"

In dem Moment verschwamm das Bild und die vier standen wieder in Severus Räumen. Harry schaute entsetzt auf das Denkarium und schüttelte den Kopf. „Nicht auch noch Remus. Er darf nicht …"

Plötzlich wurde sein Blick hart. „Ich werde nicht zulassen, dass er Remus auch noch bekommt. Er ist der letzte Freund meiner Eltern. Ich werde diesem verdammten Monster nicht noch einen meiner Freunde überlassen."

Severus legte ihm beruhigend einen Arm auf die Schulter. „Überstürzt jetzt nichts, Meister. Sonst lauft ihr in die gleiche Falle, wie in Eurem fünften Jahr. Wenn wir Mr. Lupin retten wollen, müssen wir zwar schnell, aber auch vorbereitet sein. Als erstes brauchen wir mehr Informationen."

Hermine nickte: „Wir brauchen Tonks. Nur sie weiß, was in Hogsmead passiert ist. Sie wird jetzt sicherlich auf dem Krankenflügel sein. Harry, leihst du mir deinen Tarnumhang? Ich werde sie irgendwie hierher schmuggeln."

Harry nickte und schon war die Gryffindor unsichtbar auf den Weg zum Krankenflügel.

Es dauerte nur zwanzig Minuten bis sie wieder zusammen mit Tonks und zu aller Überraschung auch mit McGonagall wieder im Zimmer stand.

Ihre Lehrerin warf einen entschuldigenden Blick zu Severus: „Es tut mir leid, wie ich mich in der Vergangenheit verhalten habe. Die meisten von uns wollten wohl einfach nicht wahrhaben, wie es um dich stand."

Severus senkte leicht den Kopf. „Es war zum Teil meine eigene Schuld. Selbst wenn mir die anderen Ordensmitglieder ihre Hilfe angeboten hätten, wäre ich wohl zu stolz gewesen, sie anzunehmen, Ma`am."

„Können wir nun bitte endlich anfangen?" Tonks wirkte wie ein gehetztes Tier und konnte sich kaum beruhigen.

Severus holte ohne ein weiteres Wort einen Trank und reichte ihn ihr.

Die junge Aurorin schüttelte energisch den Kopf: „Ich werde jetzt bestimmt keinen Beruhigungstrank nehmen. Mit dem Zeug könnt ihr mich total vergessen."

Erst als der Slytherin ihr lächelnd versicherte, dass es sich um keinen normalen Trank handelte, schluckte sie den Inhalt der kleinen Flasche.

„Wow, das Zeug ist ja super."

„Das freut mich. Könnten wir dann jetzt den Vorfall genau durchgehen, Ma`am?"

Sofort erzählte Tonks alles, woran sie sich erinnern konnte. Severus fragte vor allem nach den einzelnen Todesser. Welche Größe und Statur? Nach besonderen Bewegungen oder den Zauberstäben? Einfach nach allem was ihnen in irgendeiner Form nützlich sein konnte. Zum Schluss hatten sie die meisten ihrer Gegner identifiziert und ihre Schwächen besprochen.

McGonagall berichtete danach noch wann und wo rund um die Schule in den letzten Wochen Todesser gesehen worden waren. Sie konnte sich dieses plötzliche Interesse an der Schule jedoch nicht erklären.

Harry runzelte die Stirn. „Slughorns Party. Seit Weihnachten beobachtet der Orden das Ganze schon."

Tonks schaute ihn verwirrt an. „Warum sollte eine Weihnachtsparty der Grund sein."

„Der dunkle Lord wird unruhig. Godfrey hat mit seiner Überheblichkeit seine Pläne gestört. Außerdem weiß er nicht, was ich meinem Meister alles beibringe. Seine Chancen einen relativ leichten Sieg davonzutragen, verringern sich mit jedem Tag. Der dunkle Lord weiß um meine Fähigkeiten, deswegen wollte er ja auch dieses Ritual durchführen. Er will die ganze Sache schnell und endgültig abschließen."

„Meinst du, er hält sich hier irgendwo auf?", fragte Harry.

„Wahrscheinlich. Wenn dem so ist, werden sie Mr. Lupin zu ihm bringen."

In dem Moment stieß Tonks einen spitzen Schrei aus: „Nein! Dann dürfen wir keine Zeit verlieren. Wir müssen …"

„Tonks, bleib ruhig. Es bringt niemandem etwas, wenn du jetzt losstürmst. Remus bedeutet uns allen sehr viel, aber wir brauchen einen Plan, sonst funktioniert das alles nicht." Hermine hielt sie fest und sah ihr fest in die Augen. Erst als sich Tonks wieder im Griff hatte, ließ sie los.

„Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass der dunkle Lord Mr. Lupin sofort tötet. Er wird erst Informationen wollen und außerdem wird er versuchen meinen Meister mit ihm zu ködern."

Die sechs diskutierten noch über zwei Stunden und schmiedeten Pläne. Sie wollten in der Nacht versuchen, Remus zu befreien.

ooooo

Kurz nach Mitternacht schlichen sich die drei Gryffindor unter dem Tarnmantel aus ihrem Gemeinschaftsraum. Sie trafen McGonalgall, Severus und Tonks beim Eingangstor und gemeinsam huschten sie hinaus in die Nacht. Ihre Hauslehrerin runzelte kurz die Stirn, als sie zwischen den Schwertern ihrer Schüler und dem von Severus hin und her schaute. „Du hast ihnen in der kurzen Zeit wohl einiges beigebracht, was nicht unbedingt auf dem Schulplan steht, oder?"

Harry grinste: „Voldemort macht sich zu recht Sorgen."

Sofort wurde er von seinem Lehrer zurechtgewiesen. „Unterschätzt den dunklen Lord nicht, Meister. Er ist trotz allem ein mächtiger Zauberer."

Leise gingen sie weiter in Richtung des Verbotenen Waldes, wo Severus das Lager der Todesser vermutete. Sie waren noch nicht weit gekommen, als sie plötzlich Pferdegetrappel hörten. Etwa zehn Zentauren brachen durch das Unterholz und kreisten sie ein, ihre Bögen im Anschlag. „Wer seid ihr und was wollt ihr?"

McGonagall trat vor. „Wir kommen von Hogwarts, Bane. Wir wollen nichts Böses. Wir vermuten, dass einer unserer Freunde im Wald von Todessern festgehalten wird. Wir wollen ihn befreien und erbitten freies Geleit durch euer Gebiet."

„Woher wissen wir, dass ihr nicht zu denen gehören, die uns fangen und töten, wann immer sie es können. Seit einem Mond durchstreifen Zauberer unsere Wälder und verpesten ihn mit ihrer Anwesenheit. Der Himmel verdunkelt sich jede Nacht und die Sterne entziehen sich unseren Blicken."

Zustimmendes Gemurmel kam von einigen Mitgliedern der Herde, als Severus vortrat und einen merkwürdigen Reim in einer fremden Sprache vortrug.

Bane und die anderen starrten ihn an, bis er in der gleichen Sprache antwortete.

Der Slytherin machte darauf hin einige Handbewegungen und sprach erneut einen Reim.

„Seit fünf Generationen haben wir diese Worte nicht aus dem Mund eines Zauberers gehört. Die alten Weisen wurden vergessen und begraben. Woher kennst du sie, Mensch?"

„Ist das wichtig? Entscheidend ist, dass ich sie kenne und auch ihre Bedeutung. Wir suchen keinen Streit mit euch, sondern nur freies Geleit."

Ein junger, schwarzer Zentaur hielt es nicht mehr aus. „Sie lügen. Sie gehören bestimmt zu den Dunklen. Ihretwegen ist mein Bruder gestorben und meine Schwester verschleppt worden."

„Halte dich zurück Taris. Kein Zauberer würde leichtfertig diese Worte sagen. Wenn sie die Dunklen ebenfalls bekämpfen wollen, könnten sie uns vielleicht sogar helfen." Bane warf einen strengen Blick in die Runde. Die Zentauren nickten einer nach dem anderen oder murmelten zustimmende Worte. Endlich senkte auch Taris den Blick.

McGonagall hatte das Ganze angespannt beobachtet und wandte sich wieder an den Anführer. „Wir würden uns geehrt fühlen. Wir haben nichts mit Todessern gemein und bekämpfen sie, wo immer wir können."

„Gut. Folgt uns. Wir wissen, wo sich das Lager der Dunklen befindet. Sie haben zwei von uns gefangen genommen und wir werden sie heute Nacht befreien. Aber seid vorsichtig. Serpens fiel vom Sommerhimmel und hat schon manches Opfer gefodert."

Harry und Ron schauten fragend zu Severus, als ihnen Hermine „Nagini" zuraunte.

Bane drehte sich zu ihr um: „Ihr kennt diesen Dämon? Dann wisst Ihr ja worauf Ihr achten müsst."

Ohne ein weiteres Wort setzen sich die Zentauren wieder in Bewegung, wobei sie einen Ring um ihre menschlichen Begleiter bildeten. Sie gingen immer tiefer in den Wald und Harry war heilfroh, dass die Pferdemenschen sie durch dieses Labyrinth aus Bäumen führten. Alleine hätten sie den Weg nie gefunden.

Nach einer kleinen Ewigkeit gab Bane das Zeichen zum Ausschwärmen und seine Gruppe bewegte sich erstaunlich leise durch das Unterholz. „Dort vorne auf der Lichtung befindet sich das Lager der Dunklen. Achtet auf unseren Ruf und seid bereit zum Angriff."

Damit verschwand er auch im Schatten des Waldes. Vorsichtig schlichen Harry und die anderen weiter. Zwischen den Bäumen sahen sie die Lichter des Todesserlagers. Sie verbargen sich hinter einer Gruppe von Sträuchern. Von dort konnten sie das gesamte Lager gut einsehen, ohne selbst entdeckt zu werden.

Auf der Lichtung standen zwei Zelte. Etwa fünfzehn Todesser hatten sich in kleineren Gruppen um einige Lagerfeuer platziert. Der Rest hielt sich wahrscheinlich in der Nähe von Hogwarts und Hogsmead auf. Immer noch im Blickfeld, aber außer Reichweite der wärmenden Feuer lagen zwei gefesselte Zentauren. Remus hing mit einem Strick um beide Hände an einem Ast, seine Füße berührten kaum den Boden. Blutige Striemen zogen sich über seinen Oberkörper. Er zitterte vor Kälte und Schmerzen.

Alle Blicke richteten sich automatisch auf Severus, der konzentriert die Todesser musterte. Flüsternd und mit Handzeichen wies er jedem eine Aufgabe zu. Harry, Ron und er selber würden die Todesser ins Kreuzfeuer nehmen und ablenken, während Hermine und Tonks Remus und eventuell auch die beiden Zentauren befreien sollten. McGonagall würde als Katze die nähere Umgebung im Auge behalten und dortige Gefahren ausschalten. Sie sollte vor allem auf Nagini achten.

Leise begaben sie sich auf ihre Plätze und warteten auf das Zeichen der Zentauren. Nach nur fünf Minuten hörten sie einen durchdringenden Schrei und die ersten Pfeile flogen auf die Todesser herab. Sofort griffen Harry, Ron und Severus die aufgescheuchten Zauberer mit Flüchen an. In der ganzen Aufregung bemerkte keiner die beiden Hexen. Hermine lief versteckt unter dem Tarnumhang zu den beiden Zentauren und löste ihre Fesseln, während Tonks, durch einen Zauber getarnt, Remus befreite.

Anfangs sah es gar nicht so schlecht für die Angreifer aus, aber plötzlich apparierten weitere Todesser mit lautem Knall. Die Zentauren hatten den Flüchen nichts entgegenzustellen und versuchten sich verzweifelt durch Pfeil und Bogen und ihre überlegene Körperkraft zu wehren.

Severus gab den beiden Jungs ein Zeichen, aktiver am Kampf teilzunehmen. Sie stürmten mit gezückten Schwertern aus ihrer Deckung. Das harte Training hatte sich gelohnt. Im Nahkampf waren sie den maskierten Gestalten bei Weitem überlegen. Ihre Schildzauber schützten sowohl sie selber, als auch die Zentauren, während sie mit ihren Schwerter angriffen.

McGonagall bewegte sich die ganze Zeit als Katze in den Bäumen und erspähte die Todesser in ihren Deckungen. Dann verwandelte sie sich kurz in einen Menschen, um sie auszuschalten. Sobald sie unter Beschuss geriet, huschte sie wieder als Katze davon. Hermine und Tonks hatten es in der Zwischenzeit geschafft, Remus und einen der gefangenen Zentauren hinter ein paar Büschen in Sicherheit zu bringen.

Hermine half gerade der zweiten Pferdefrau als ein Schatten sie zu Fall brachte. Sie verlor ihren Zauberstab und schrie erschrocken auf, als sich Nagini blitzschnell um sie und die geschwächte Zentaurin schlängelte. Severus reagierte als Erster. Er zischelte der Schlange eine Beleidigung zu und versetzte ihr einen harten Schlag mit dem Schwert. Wütend ließ sie von ihren Opfern ab und griff den Slytherin an. Der hatte ihre Reaktion vorhergesehen, wich geschickt aus und holte aus. Sein Schwert traf den Hals und ihr Kopf rollte auf den Boden.

Die Todesser merkten schnell, dass sie trotz der Verstärkung nicht die Oberhand gewannen. Diejenigen, die noch dazu in der Lage waren disapparierten und ließen ihre Verwundeten und die Bewusstlosen auf dem Schlachtfeld zurück.

Die Zentauren, Harry und die anderen nutzen die Gelegenheit und zogen sich eilig in den Wald zurück. Erst als sie das Licht der Feuer nicht mehr durch die Bäume schimmern sahen, verschnauften sie. Besonders den Befreiten tat die Pause gut.

Severus ging langsam zu Bane. „Danke für Eure Hilfe. Alleine hätten wir es sicher nicht geschafft. Wir müssen nun so schnell wie möglich zum Schloss zurück und wären Euch sehr verbunden, wenn uns einer von deinen Kriegern führen könnte."

„Wir sind Euch ebenso zu Dank verpflichtet. Ihr habt tapfer gekämpft und es wird sich sicher ein Führer für euch finden."

Hier mischte sich Taris ein: „Das übernehme ich. Ihr habt meine Schwester vor der Serpens gerettet. Es ist das Mindeste, was ich tun kann, zumal ich am Anfang an Euch gezweifelt habe."

Nachdem die Zentauren zwischen den Bäumen verschwunden waren, führte sie Taris sicher aus dem Wald und sie begegneten keinen weiteren Todessern. Kurz vor der Waldgrenze verabschiedete sich der Zentaur und Severus antwortete wieder mit einem der alten Reime.

Sie betraten gerade die freie Grasebene, als plötzlich etwa zwanzig dunkle Gestalten um sie herum apparierten. In ihrer Mitte stand Voldemort mit stolz erhobenem Kopf. „Hast du dich endlich aus Hogwarts herausgetraut, Harry Potter? Du musst nur leider an mir vorbei, wenn du dich wieder hinter Dumbledore verkriechen willst. Ergib dich, dann werde ich deinen kleinen Freunden nichts tun."

Harry tauschte einen kurzen Blick mit Severus. Der Slytherin nickte kurz und vollführte einen leichten Schlenker mit seinem Zauberstab. Die Todesser, die in seiner Nähe standen schrien schrill auf und hielten sich die Hände vor ihre Gesichter. Remus reagierte als erster und schnappte sich einen der auf dem Boden liegenden Zauberstäbe und setzte damit drei weitere maskierte Gestalten außer Gefecht. Sofort entbrannte ein zweiter heftiger Kampf in dieser Nacht.

Severus wich dabei nicht von Harrys Seite und blockierte alle schädlichen Zauber, damit dieser sich voll und ganz auf Voldemort konzentrieren konnte. Als der dunkle Lord merkte, dass keiner seiner Zauber zu dem Gryffindor durchdrang, zischte er wütend: „Ich hätte dich töten sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte, Verräter."

Severus lächelte nur kalt und antwortete: „Aber du hast es nicht getan. Und genau das wird dir jetzt zum Verhängnis, Tom."

Voldemort schrie voller Zorn auf und der Boden zwischen Harry und Severus explodierte. Die beiden blieben benommen liegen, Schwerter und Zauberstäbe lagen verstreut im Gras und der dunkle Lord beugte sich triumphierend über den Gryffindor. „Es ist Zeit für dich zu Sterben. Avada ..."

In dem Moment rief ihm Severus auf Parsel zu: „Du besudelst das Andenken an Salazar Slytherin, mein Andenken. Mein Vermächtnis sollte aus mehr als nur Hass und Tod bestehen."

Voldemorts Augen verengten sich zu Schlitzen bevor er schrill auflachte: „Dein Andenken? Du glaubst nur weil dir Potter ein bisschen Parsel beibringt bist du Salazar Slytherin?"

Plötzlich durchfuhr ihn ein stechender Schmerz und er schaute entsetzt auf seine Brust. Harry hatte die kurze Ablenkung genutzt und nach dem erstbesten in seiner Reichweite gegriffen. Nun hielt er mit zitternden Händen Severus` Schwert, dass er bis zur Hälfte im Körper seines Feindes steckte. Der Name „Salazar Slytherin" blitzte im hellen Licht der abgefeuerten Flüche und Zauber auf.

Röchelnd spuckte Voldemort Blut. „Das ... das ist ... nicht möglich. Woher ..."

„Ich fürchte, du wurdest von deiner eigenen Vergangenheit eingeholt und besiegt." Harry blickte starr in die roten Augen, bis der dunkle Lord leblos zusammenbrach.

ooooo

Harry wusste nicht wieviel Zeit seit dem Tod Voldemorts vergangen war. Sie saßen alle in der Krankenstation und Madame Pompfrey eilte geschäftig zwischen ihnen hin und her. Dabei widmete sie sich vor allem Remus, der ziemlich ramponiert in einem Bett lag. Tonks wich nicht von seiner Seite und hielt zärtlich seine Hand.

Wie durch ein Wunder hatten sie die Kämpfe weitestgehend unbeschadet überstanden. Die meisten Todesser waren sofort disappariert, nachdem sie gesehen hatten, dass ihr Anführer besiegt war.

Harry konnte es immer noch nicht glauben. Er starrte die ganze Zeit auf seine Hände und merkte kaum, dass Severus vor ihm stand.

„Ist alles in Ordnung, Meister."

„Was? Oh, Severus. ... Ähm, ja alles super. Es ist nur so ... komisch. Ich meine, irgendwie ging alles so schnell und ich habs mir ehrlich gesagt schwieriger vorgestellt. Voldemort kommt doch nicht wieder, oder?" Harry blickte unsicher zu seinem Mentor.

Der Slytherin lächelte. „Der Leichnam ist verbrannt. Der dunkle Lord ist für immer verschwunden."

„Warum fühl ich mich dann so leer? Ich müsste mich doch eigentlich freuen." Plötzlich fiel die ganze Anspannung von Harry ab und er begann leise zu weinen. Severus nahm ihn vorsichtig in den Arm. Während er seinen Meister hielt, schmunzelte er innerlich. Vor ein paar Monaten hätte er eher lebendige Spinnen gegessen, als so engen Körperkontakt zuzulassen.

„Ihr seid erschöpft, Meister. Ihr habt Euer halbes Leben gegen den dunklen Lord gekämpft. Das hat Euch angetrieben. Ihr werdet bald eine neue Aufgabe finden. Wolltet Ihr nicht Auror werden?"

Er spürte, wie der Gryffindor mit dem Kopf schüttelte und etwas Unverständliches murmelte. „Meister?"

Langsam drehte harry seinen Kopf, ohne sich jedoch von seinem Lehrer zu lösen. „Ich möchte nicht mehr kämpfen. Ich möchte anderen helfen." Er sah hinüber zu Hermine, deren Handgelenk gerade von Madame Pompfrey behandelt wurde. Die Schülerin lächelte dankbar.

Mit einem Mal wusste er, was er mit seinem restlichen Leben anfangen wollte: „Ich werde Heiler." Gähnend kuschelte er sich wieder tiefer in Severus` Arme.

„Ihr seid müde, Meister. Schlaft. Morgen wird sicher ein anstrengender Tag."

Harry merkte wie seine Augen schwer wurden. „Bleib, bitte. ... Nicht weggehen."

„Keine Angst, Meister. Ich bin die ganze Zeit hier." Der Slytherin lehnte sich gegen das weiche Kissen und zog den Jungen behutsam mit, so dass er bequem auf seiner Brust lag. Lächelnd schloss Harry die Augen und schlief augenblicklich ein.