Kapitel 9
Herbert und Alfred irrten durch den Wald, auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für den Tag. Die ersten Sonnenstrahlen schienen bereits durch die Bäume, und ließen den Schnee glitzern. Sie hatten nur noch wenige Minuten Zeit, um einen Schlafplatz zu finden.
Alfred war verzweifelt, er kannte sich in dieser Gegend nicht aus. Wie sollte er nur den Tag überleben? Andererseits, da war noch Herbert und er sah so aus, al ob er wüsste, wohin er wollte. Er führte Alfred schnell durch den Wald und hielt Ausschau nach etwas bestimmten. So schien es jedenfalls.
Herbert hatte in Wirklichkeit keine leiseste Ahnung, wo sie den Tag verbringen sollten. Er kannte sich zwar recht gut in der Umgebung aus, er war ja schließlich hier aufgewachsen, doch ihm fiel nichts ein, wo sie sich verstecken konnten.
Zwar war Herbert immer noch wütend auf seinen Vater, doch es war töricht gewesen, von ihm wegzugehen, wenn es schon zum Tag dämmerte.
Wäre er doch bloß bei seinem Vater geblieben… Bei seinem Vater, wo er immer sicher gewesen war. Es hatte zwar die einen oder anderen Ausnahmen gegeben, doch er war, soweit er sich erinnern konnte, nie der Gefahr der Sonne ausgesetzt wurde. Damals, als er noch ein Kind gewesen war, da hatte er die Sonne geliebt. Die Nacht hatte er damals viel zu düster gefunden. Seine Freunde hatten immer bei schönem Wetter draußen verstecken oder fangen gespielt, nahe der….
Plötzlich blieb er stehen, und da dies Alfred merkte, wandte er sich verwundert um. Warum verplemperte Herbert Zeit, wo doch ihr Ende so nahe war?
Herbert konnte es immer noch nicht fassen. Wie konnte er nur das vergessen haben?
„Schnell Alfi, wir müssen umkehren, ich weiß einen Platz, wo wir den Tag über bleiben können…"
Herbert wusste zwar nicht genau, ob die Ruine, an die er dachte, immer noch dort stand in ihrer vollen Schönheit (sie war damals schon ziemlich löchrig gewesen, eine Ruine halt), aber er hoffe einfach das Beste. Diese Ruine war ihre letzte Hoffnung, denn zum Schloss würden sie es nicht mehr zurück schaffen, dazu war der Tag nun viel zu Nahe. Aber die Ruine lag gar nicht allzu weit entfernt, und wenn sie sich ein wenig beeilten, müssten Alfred und er die Ruine eigentlich erreichen. Herbert dachte sehr positiv, er wusste es auch, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Wenn er hier den Pessimisten mimte, würde das auch zu nichts führen.
„Wo willst du denn hin?", rief ihm Alfred hinterher, denn Herbert war bereits wieder dabei in die Richtung zurück zu rennen, aus der sie gekommen waren.
„Komm einfach mit, du wirst es ja dann sehen… Jetzt beeil dich doch, sonst schaffen wir es nicht mehr, vor Sonnenaufgang dort anzukommen!"
Dies ließ sich Alfred nicht zweimal sagen und musste sich nun beeilen um Herbert ein zuholen, da dieser bereits wieder in Bewegung war, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ‚sein' Alfi ihm auch folgte.
Als sie schließlich die Ruine erreichten, was die Sonne fast aufgegangen. Sie waren im allerletzten Moment noch dort angekommen und Herbert musste sich nun beeilen, um sich einen Eingang zu der Ruine zu bahnen. Es war anscheinend schon lange niemand mehr hier gewesen, und da sie auf einer Lichtung stand und es den ganzen vorherigen Tag und die ganze Nacht über geschneit hatte, versanken sie bis zu den Knien im Schnee. Die alles nahmen sie allerdings nun nebenbei wahr, denn sie hatten viel zu viel Angst, in der Sonne verbrennen zu müssen, wenn sie sich nicht beeilen würden.
„Herbert, wie kommen wir denn da rein? Mach schnell, die Sonne geht bereits auf!" Alfred war der Verzweiflung der Nahe.
Herbert wusste zum Glück, wo sich einer der Eingänge befand und bewegte sich zielstrebig darauf hinzu. Er erwiderte absichtlich nichts, denn er wollte keine kostbare Zeit verlieren. Schließlich hatte Herbert den von Schneeüberdeckten Eingang freigelegt und stiegen die Ruine ein. Alfred folgte augenblicklich. Es war recht dunkel in der Ruine, allerdings wies sie einige Löcher in der Decke auf, wodurch das Tageslicht herein fiel.
Herbert sah sich schnell in der Ruine um, und beschloss dann, dass eine Ecke geeignet war, um dort den Tag zu verbringen. Tatsächlich war in der Nähe kein Loch in der Decke, und selbst wenn die Sonne wandern würde, wären sie immer noch im Schatten.
Alfred atmete erleichtert aus, als er in der rettenden Dunkelheit war.
Herbert war bereits damit beschäftigt, sich sein ‚Bett' herzurichten. Allerdings gab es da nicht viel herzurichten, es gab nur ein Fleckchen Moos, auf das sie sich legen konnten.
Es war besser als nichts. Herbert- ganz der Gentleman- bedeutete Alfred sich auf das noch etwas bequemere Fleckchen Stein zu legen, was dieser auch tat und Herbert ließ sich dann neben ihm nieder und versuchte einzuschlafen. Alfred gelang es fast, er zitterte nur am ganzen Körper vor Kälte. Hoffentlich würde es über Tag etwas wärmer werden. Die Kälte stellte zwar keine allzu große Gefahr für Vampire dar, allerdings konnte sie auch erfrieren, es musste nur kalt genug dafür sein. Herbert blickte erneut Alfred an. Dieser war bereits schon eingeschlafen.
Was für ein Glück hat er, jetzt schon eingeschlafen zu sein. Die Nacht war wohl sehr anstrengend für ihn gewesen. Herbert schloss die Augen und dachte nach.
Ich würde bestimmt noch lange wach liegen und nicht einschlafen können, dachte Herbert.
Ihm plagten einfach zu viele Schuld Gefühle, gegenüber seinem Vater. Wie hatte er einfach weggehen können? Sein Vater war bestimmt halb krank vor Sorge um ihn, dass wusste Herbert. Er war schon immer so gewesen. Äußerlich war er stets der harte, Pflicht bewusste Graf, aber er konnte es nicht mit ansehen, wenn ein Familienmitglied litt oder wenn ihm sonst wie schlecht ging.
Es tat seinem Vater bestimmt schon leid, seinen Sohn so behandelt zu haben. In der nächsten Nacht würde Herber versuchen wieder zum Schloss zurück-
Was war das? Er riss die Augen auf, und die Sonne blendete ihn. Sofort kniff er sie zusammen und sah an sich herab. Beinahe glaubte er, seine Augen würden ihn täuschen. Alfred hielt ihn tatsächlich im Arm und drückte ihn an sich. Alfred umarmte ihn!
Auch wenn er schon sichtlich schlief, was hatte ihn dazu getrieben? Sicher, es war kalt und nur zu verständlich, dass er seine Nähe suchte. Doch die Haut von allen Vampiren war kalt und es nütze nichts, sich an ihn zu klammern, er konnte Alfred auch nicht wärmen. Jedoch machte es Herbert natürlich nichts aus, Alfred nahe bei sich zu haben, dass hatte er die ganze Zeit schon immer gewollt. Alfred war immer der jenige gewesen, der seine Nähe nicht wollte.
Wenn Alfred ihn nicht mögen oder leiden könnte, würde er ihn dann auch im Schlaf umarmen? Wohl kaum.
Vielleicht bestand ja doch noch Hoffnung, Alfred für sich zu gewinnen.
Mit diesem Gedanken schloss er die Augen wieder und genoss einfach die Tatsache, dass Alfred sich an ihn klammerte.
Es dauerte noch eine ganze Weile, eh auch Herbert eingeschlafen war, denn er grübelte über seine jetzige Situation nach.
Schließlich schlief er dann doch ein und er träumte von vielen ihn umklammernden Alfred's und vielen Bredas, die ihn und Alfred schlugen.
