Draco dormiens nunquam titillandus

''Was habt ihr erwartet?'', sagte Ginny mit einem Achselzucken, als Hermine ihren Bericht vom Prozess beendet hatte. ''Reue oder nicht, es ist immer noch Malfoy, von dem wir hier reden. Habt ihr ernsthaft geglaubt, er würde euch auf Knien danken?''

- ''Bedankt hat er sich jedenfalls'', sagte Harry. Das war schon mehr, als er sich erhofft hatte.

Sie saßen beim Essen im Fuchsbau, es war der Abend nach dem Prozess, ein sonniger Freitag. George und Ginny waren gerade aus dem Laden zurückgekommen, den sie in den letzten Wochen Stück für Stück wiederhergerichtet hatten und verschlangen jetzt gierig Mollys Hähnchen. Im Radio lief das erste Gruppenspiel der Quidditch-Weltmeisterschaft: England spielte gegen Transsilvanien.

''Ich weiß auch nicht'', sagte Hermine frustriert. ''Hat er ernsthaft erwartet, dass du ihm den Zauberstab einfach so zurückgibst?''

Harry zuckte mit den Schultern. Der Schwarzdornstab dämmerte in der obersten Schublade seines Nachttischs am Grimmauldplatz vor sich hin, denn seit er seinen eigenen Zauberstab repariert hatte, hatte er ihn nicht mehr benutzt.

''Eigentlich brauche ich ihn nicht'', meinte er. ''Aber ich will verdammt sein, wenn ich ihn Malfoy zurückgebe.''

- ''Mist'', fluchte Ron dazwischen, denn England hatte gerade ein Tor kassiert. ''Dieser Hüter ist einfach die letzte Flasche.''

George brummte leise 'Weasley ist unser King' vor sich hin. Harry lächelte müde. In den letzten Wochen ging es George zunehmend besser. Die Arbeit im Laden schien ihn abzulenken, meinte Ginny. Zwar war er immer noch oft trübselig und schweigsam, wie sie alle, aber hin und wieder machte er wieder zaghafte Witze.

''Nicht jeder kann so glänzen wie du, Ron'', sagte Ginny zwischen zwei Bissen. ''Außerdem führen wir mit fünfzig Punkten, entspann dich.''

- ''Frasier fängt den Schnatz sowieso nicht'', brummte George. ''Harry hat mehr Talent in seiner linken Pobacke als dieser Versager.''

- ''Ähm, danke'', sagte Harry.

''Schon mal drüber nachgedacht, Profi zu werden, Harry?'', fragte George. ''Die Cannons könnten dich gut gebrauchen - Olsson hat letztes Jahr gerade mal einen Schnatz gefangen.''

Harry kratzte sich an seiner Narbe. Über derartiges hatte er noch nie nachgedacht- es hätte einfach keinen Sinn gemacht, als Voldemort sein Leben noch bestimmt hatte.

''Ähm, nein.''

- ''Solltest du vielleicht'', sagte George. ''Fred und ich waren letztes Jahr bei ein paar Spielen -''

Er brach ab und sie alle verstummten, wie immer, wenn Freds Name fiel.

''Die beiden haben erstmal genug im Ministerium zu tun'', sagte Hermine schließlich. ''Außerdem hat Harry schon genug Publicity.''

- ''Vielleicht solltest du-''

Ron brach ab, denn der Kommentator fing laut an zu schreien und ächzte dann auf, was alle außer Hermine stöhnen ließ, denn das konnte nur eins bedeuten: Transsilvaniens Sucher hatte den Schnatz gefangen.

''Munteanu fängt den Schnatz, Transsilvanien gewinnt mit 210 zu 90-''

- ''Mist'', brummte Ron und schaltete das Radio aus. ''Dieser verfluchte-''

- ''Wie bitte?'', fragte sein Vater, der gerade von der Arbeit zurückkam.

''Ähm, nichts, Dad.''

- ''Was hat dich so lange aufgehalten, Arthur?'', fragte Molly.

''Malfoy'', stöhnte Arthur und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. ''Wir haben ihn noch stundenlang befragt.''

- ''Wann fangen die Prozesse an?'', fragte George.

''Frühestens in zwei Wochen'', sagte Arthur. ''Wir wollen erst noch weitere Beweise sammeln.''

- ''Überrascht mich kein bisschen, dass Flint ein Todesser ist'', brummte George. ''Wenn ich nur an den Typ denke, läuft es mir kalt den Rücken runter.''

Arthur begann seine Suppe zu essen und stutzte plötzlich.

''Wieso hört ihr das Spiel nicht?- Oh.''

- ''Oh'', sagte Ginny. ''Wir haben verloren. 90 zu 210.''

- ''Naja, außer Frasier scheinen sie sich ja gut geschlagen zu haben.''

- ''Das ist das dümmste am Quidditch'', sagte Hermine gedankenverloren. ''Jedes Team hat sieben Spieler, aber ein guter Sucher reicht aus, um zu gewinnen.''

Die anderen starrten sie an.

''Was?!'', keuchte Ron entsetzt.

''Stimmt doch'', sagte sie. ''Alle Jäger, Hüter und Treiber sind doch im Grunde genommen überflüssig. Am Ende gewinnt fast immer das Team, das den Schnatz fängt.''

Sie wurde sofort niedergebrüllt.

''Die Treiber beschützen aber auch den Sucher!'', rief George.

''Bulgarien hat das letzte Finale trotzdem verloren!'', sagte Harry.

''Nur den Suchern zuzusehen wäre langweilig!'', meinte Ginny.

Hermine errötete, aber gab nicht auf. ''Die Treiber sind nur wegen den Klatschern da, und ohne die müssten die Sucher nicht beschützt werden. Was Bulgarien angeht, das ist das beste Beispiel! Sie hatten nur Viktor und hätten trotzdem fast gewonnen, obwohl Irland das bessere Team hatte! Und was das mit der Langeweile angeht-''

- ''Quidditch ist heilig'', sagte Ron aufgebracht. Dass sie Krum erwähnt hatte, schien seine Laune nicht unbedingt gebessert zu haben.

Hermine zuckte mit den Schultern. ''Ich sag ja nur-''

- ''Hermine'', sagte Ginny bestimmt. ''Hör auf. Quidditch verstehst du einfach nicht, okay?''

- ''Aber-''

- ''Ich denke, ihr solltet alle zu Bett gehen und euch beruhigen, bevor das ganze eskaliert'', sagte Molly bestimmt. ''Harry, Hermine, es ist spät, wollt ihr nicht hierbleiben?''

- ''Nein, ich muss nach Hause, sonst machen Mum und Dad sich Sorgen'', sagte Hermine.

''Quidditch-Hasser sind in meinem Zimmer sowieso nicht willkommen'', sagte Ginny finster, aber sie zwinkerte Hermine zu.

''Ich bleibe gern'', sagte Harry kurzentschlossen.


Als Ron und er am nächsten Morgen nach einer erstaunlicherweise albtraumlosen Nacht in die Küche kamen, saßen Ginny und ihre Mutter schon beim Frühstück.

''Wo ist Dad?'', fragte Ron, bevor er sich auf seine Spiegeleier stürzte.

''Im Schuppen'', sagte Molly, während sie Harry Teller füllte. ''Merlin allein weiß, was er da drinnen schon wieder treibt.''

- ''Soll ich nachsehen, Mum?'', fragte Ginny. ''Nur, um sicherzugehen, dass er sich demnächst nicht selbst verhaften muss?''

- ''Schon gut, Liebes. Es ist sein erster freier Samstag seit Wochen, lass ihn ein bisschen Spaß haben. Ich seh's mir am Montag an, wenn ihr alle arbeiten seid.''

Sie ging raus in den Garten.

Harry küsste Ginny, was Ron fast an seinem Spiegelei ersticken ließ. Sie kicherte. ''Gut geschlafen?''

- ''Ja, obwohl Ron dauernd Hermines Namen im Schlaf gemurmelt hat.''

- ''Das glaub ich sofort. Unser Ghul wird schon ganz eifersüchtig.''

Ron funkelte sie an. ''Solltest du nicht George im Laden helfen?''

- ''Angelina und Lee sind heute da, also hat er mir gnädigerweise Urlaub gegeben'', sagte sie.

Harry bemerkte, dass sie auf dem Tagespropheten saß und stöhnte auf.

''So schlimm?''

- ''Was soll da hinten so schlimm sein, Potter?''

- ''Ich bin noch hier, Leute'', protestierte Ron.

''Äh nein, das ist alles...okay. Ich meine die Zeitung, auf der du sitzt.''

- ''Okay?'', hakte Ginny erbost nach. ''Ich muss doch sehr bitten-''

- ''Ginny'', seufzte Harry. ''Wie schlimm ist es?''

Ginnys Grinsen verschwand. ''Sehr. Echt nicht schön. Am besten, ähm, liest du es erst gar nicht-''

- ''Alle anderen lesen es auch.''

Sie seufzte und klatschte die Zeitung auf den Tisch. Auf der Titelseite prangte groß das Bild, auf dem Malfoy und er sich die Hand gaben. Harry war sich allerdings ziemlich sicher, dass er dabei weniger verschlagen ausgesehen hatte.

''Potter verhinderte, dass die bekannten Todesser ihrer Strafe zugeführt wurden...Schulkameraden...Potters Wort scheint ein Freifahrtschein für Mord und Erpressung zu sein...''

Harry stockte. ''Aber steckt vielleicht mehr hinter der plötzlichen Allianz zwischen Potter und den Malfoys als es es scheint?

''Mr. Potter und Mrs. Malfoy sind beide Erben des beträchtlichen Vermögens der Familie Lestrange'', sagt Gurtuk, Sprecher der Gringott's Bank. ''Es wäre also durchaus möglich, dass Mrs. Malfoy ihm ihren Anspruch auf diese Mittel für eine Gegenleistung angeboten hat.''

Obwohl dies natürlich nur Spekulationen sind, wirft es doch einen Schatten auf das Urteil des Zaubergamots, und Minister Shacklebolt würde gut daran tun, diesen nachzugehen.''

- ''Dieses Miststück'', sagte Ron verblüfft.

''Ich wusste nicht mal, dass ich irgendwas von den Lestranges erben würde'', sagte Harry zornig.

''Keiner wird diesen Mist glauben'', sagte Ginny beruhigend.

''Darum geht es jetzt nicht mehr'', sagte Harry. ''Jetzt ist sie zu weit gegangen. Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie sie Lügen über mich verbreitet. Diese verfluchte Presse- Verzeihung, Molly.''

Molly war gerade aus dem Garten zurückgekommen. ''Du hast den Propheten also gelesen'', stellte sie fest und ging hinüber zu dem Regal, in dem sie ihre Kochbücher aufbewahrte.

''Wieso darf sie ungestraft sowas schreiben?'', fragte er erbost.

''Es gibt genug Reporter, die auch gutes über dich schreiben, Harry'', sagte Molly ruhig, während sie zwischen den Büchern wühlte.

''Ach ja? Seltsam, dass ich das nie zu sehen bekomme'', brummte Harry.

Molly fand, wonach sie gesucht hatte und legte es vor ihm auf den Tisch. Es war die letzte Ausgabe der Hexenwoche. Sein Gesicht prangte breit grinsend auf der Titelseite, über dem Schriftzug 'Charmantestes Lächeln des Jahres'. Harry spürte, wie er rot anlief.

''Du trittst in Lockharts Fußstapfen!'', lachte Ron.

''Dieses Lächeln ist bereits vergeben!'', verkündete Ginny stolz.

Harry sparte sich den Kommentar, dass es im Propheten um wesentlich wichtigere Themen ging als in diesem Käseblatt.


In der nächsten Woche begannen die Prozesse gegen die Kollaborateure. Harry sah zu, wie Thicknesse entlastet wurde (Yaxley hatte längst gestanden, dass er ihn mit dem Imperius-Fluch belegt hatte) und sagte selbst gegen Runcorn und Umbridge aus. Die ehemalige Großinquisitorin wurde wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, denn viele der Muggelstämmigen, die sie nach Askaban geschickt hatte, hatten ihre Haft nicht überlebt. Während seiner Aussage gegen Umbridge fühlte er eine Mischung aus Zorn und Freude darüber, dass diese Frau endlich für ihre Verbrechen büßen musste.

''Sie genoss es, Minister'', sagte er, während alle Anwesenden im Gerichtsraum zehn gebannt zuhörten. ''Sie genoss es, diese Leute zu demütigen und nach Askaban zu schicken.''

- ''Berichten Sie von dem Prozess gegen Mrs. Mary Cattermole, bei dem Sie zugegen waren, Mr. Potter.''

- ''Umbridge hat sie ausgelacht'', sagte Harry. ''Weil Mrs. Cattermoles Eltern Gärtner sind. Sie hatte eine unglaubliche Freude daran, ihr Angst einzuflößen.''

- ''Glauben Sie, dass Madam Umbridge unter dem Einfluss des Imperius-Fluchs war, Mr. Potter?''

Harry warf dem Krötengesicht einen kalten Seitenblick zu.

''Nein, Minister. Sie hielt die Dementoren mit ihrem Patronus auf Abstand. Soweit ich weiß, kann man keinen Patronus erzeugen, wenn man mit dem Imperius-Fluch belegt ist.''

Barty Crouch Jr. hatte ihnen das beigebracht, als er sich als Moody ausgegeben hatte.

''Umbridge genoss es außerdem, ihre Untergebenen zu überwachen. Dazu benutzte sie die Hilfe von Mad-Eye Moodys magischem Auge'', sagte er in kaltem Zorn. ''Wie ist sie an dieses Auge gelangt, frage ich mich? Moodys Leiche ist nie gefunden worden. Die Todesser haben sie sich geholt. Wie konnte also dieses Auge in Umbridges Tür landen?''

Er räusperte sich. ''Sie hat es immer schon genossen, ihre Macht auszunutzen. Als sie Großinquisitorin in Hogwarts war, ließ sie uns bei Strafarbeiten statt Tinte mit unserem eigenen Blut schreiben.''

Harry hielt seine Hand hoch und sah, wie die Narben auf seinem Handrücken von einem Lichtblitz erhellt wurden. Ritas Fotograf schoss ein Foto nach dem anderen, aber die Reporterin war nirgends zu sehen.

Tudgeberry lehnte sich mit angewidertem Gesicht vor.

''Was mussten Sie schreiben, Mr. Potter?''

- ''Ich soll keine Lügen erzählen.'' Er senkte seinen Arm wieder. ''Niemand traute sich, etwas dagegen zu unternehmen, weil Fudge sie unterstützte.''

- ''Danke, Mr. Potter'', sagte Kingsley. ''Madam Umbridge, wollen Sie dem Zeugen eine Frage stellen?''

- ''Nein, Minister.''

Harry setzte sich wieder.

''Wollen Sie etwas zu Mr. Potters Anschuldigungen sagen?'', fragte Tudgeberry kalt.

''Ich habe stets nur die Anweisungen meiner Vorgesetzten ausgeführt, Minister'', sagte Umbridge mit ihrer schrecklichen Piepsstimme. ''Sowohl in den Prozessen, als auch in meiner Zeit in Hogwarts.''

- ''Cornelius Fudge forderte sie auf, Kinder zu foltern?'', fragte Tudgeberry scharf.

''Der Minister trug mir auf, für Ordung in Hogwarts zu sorgen, egal wie'', quietschte Umbridge.

''Und wenn Mr. Fudge Ihnen aufgetragen hätte, jeden zu töten, der Voldemorts Rückkehr verkündete'', sagte Kingsley ruhig, ''hätten Sie das dann auch getan?''

Umbridge schloss ihren Krötenmund und sagte nichts mehr.

''Im Namen der Magie ergeht folgendes Urteil'', sagte Kingsley, nachdem die Richter ihre kurze Beratung beendet hatten. ''Dolores Jane Umbridge, dieses Gericht befindet sie einstimmig für schuldig in allen Anklagepunkten.''

Die Menge raunte und viele brachen tatsächlich in Applaus aus. Umbridge stieß einen kleinen Entsetztensschrei aus.

''Für Beihilfe zum Mord in 31 Fällen verurteilen wir Sie zu einer lebenslangen Haftstrafe in Askaban. Diese Verhandlung ist geschlossen.''

Die Auroren führten sie heraus und Harry atmete langsam aus. Kingsley kam zu ihm herüber.

''Das hätten wir hinter uns'', sagte Minister leise.

''Ja.'' Harry nickte erleichtert. ''Weißt du, was mich beunruhigt?''

- ''Was?''

Harry sah sich nochmal kritisch um. ''Rita Kimmkorn ist nicht hier. Ist irgendwas passiert?''

Kingsley zeigte ein seltenes Grinsen. ''So kann man es ausdrücken. Sie ist heute morgen gefeuert worden.''

- ''Was?!''

Kingsley nickte. ''Der Prophet ist wegen ihres Artikels zu den Malfoys mit wütenden Leserbriefen überschwemmt worden. Von ihr werden wir erstmal längere Zeit nichts lesen.''

- ''Wahrscheinlich'', sagte Harry nachdenklich. ''Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass sie das einfach so auf sich sitzen lassen wird.''


''Klingt nach einem ziemlich guten Tag für uns'', stellte Ron fest, nachdem Harry seinen Bericht über die Ereignisse des Nachmittags beendet hatte. ''Kimmkorn und die alte Sabberhexe- beide an einem Tag losgeworden!''

Sie saßen mit Hermine und Ginny im Salon am Grimmauldplatz und tranken Butterbier, während im Kamin ein behagliches Feuer knisterte. Es fühlte sich beinahe so an, als säßen sie wieder im Gemeinschaftsraum im Gryffindor-Turm. Zu verdanken hatten sie das Kreacher, der den Salon in dieser Woche grundlegend umgestaltet hatte. Mit Hilfe von einer Menge Gold aus Harrys Verlies in Gringotts, das er persönlich abgeholt hatte (Harry selbst war Rons Beispiel gefolgt und hatte ein Aufeinandertreffen mit den Kobolden vermieden), hatte der Hauself die verrottenden alten Möbel herausgeschafft und durch neue ersetzt, sodass der Raum jetzt einen anheimelnde Atmosphäre bot. Nur der alte Wandteppich mit dem Stammbaum der Familie Black war geblieben, teils, weil er immer noch an der Wand klebte und nicht entfernt werden konnte, und teils, weil Kreacher sich niemals von ihm getrennt hätte und seinen Meister davon überzeugt hatte, dass er einen wichtigen Teil der Geschichte des Hauses repräsentierte und daher bleiben musste. Harry hatte nachgegeben, obwohl er das selbe Argument bei den Köpfen von Kreachers Vorfahren nicht hatte gelten lassen- diese befanden sich nun in Gräbern im Hinterhof. Außerdem hatte Harry auf einer Reinigung des Teppichs bestanden und die herausgesprengten Namen wieder eingefügt, sodass sich Sirius, Tonks und Andromeda wieder dort befanden.

''Ein guter Tag'', stimmte Hermine zu. ''Gut, dass diese Frau nicht davongekommen ist. Aber was Rita angeht, bin ich mir nicht so sicher.''

Ron zuckte mit den Schultern. ''Sie ist raus aus dem Propheten, was kann sie schon anrichten?''

- ''Es wird immer jemanden geben, der bereit ist, ihren Schund zu drucken'', meinte Hermine.

''Für's erste sind wir sie jedenfalls los'', sagte Ginny und gähnte. Sie war offensichtlich kurz vorm Einschlafen und hatte sich an Harry Schulter gekuschelt.

''Harter Tag?'', fragte er leise.

''Hmm. Aber wir sind jetzt fertig. Alles ist bereit für die Wiedereröffnung. Ihr kommt doch?''

Sie nickten. George wollte den Laden unbedingt noch vorm Start des neuen Schuljahrs wieder öffnen und dank Ginnys Hilfe hatte er es früher als erwartet geschafft. Zwar durfte sie immer noch nicht außerhalb der Schule zaubern- sie wurde erst im August siebzehn- aber sie hatte es geschafft, George immer wieder anzuspornen, so dass Weasleys Zauberhafte Zauberscherze am Samstag wieder öffnen würde. Harry, Ron und Hermine hatten versprochen, zu helfen, denn George rechnete mit einem Ansturm aus Besuchern.

''Die Leute wollen unbedingt wieder was zum Lachen, denke ich'', hatte er gestern beim Abendessen im Fuchsbau gesagt, und Harry stimmte ihm im Stillen zu, denn etwas Ablenkung konnte ihnen allen nur gut tun.

''Immer noch nichts Neues von Avery?'', fragte Hermine.

Harry schüttelte den Kopf. ''Jugson ist heute Morgen in Manchester gesehen worden, aber als wir hinkamen, war er schon weg. Keine Spur von den anderen.''

- ''Irgendwas hecken sie aus'', sagte Ron finster.

''Dann solltet ihr sie besser fangen, bevor sie zur Tat schreiten'', sagte Hermine weise.


Als sie am Samstag Morgen in den Laden kamen, sah George aus, als müsse er sich übergeben. Er trug zum ersten Mal wieder seine magentafarbenen Mitarbeiterroben aber das charakteristische, manische Grinsen, das die Zwillinge immer passend dazu gezeigt hatten, brachte er nicht zustande. Ron klopfte ihm kräftig auf die Schulter.

''Das habt ihr gut hinbekommen.''

Er hatte Recht: der Laden war wieder das übliche grellbunte Mischmasch aus Weasley-Produkten. Nur die Minimuffs fehlten, vertraute Ginny Harry leise an, sie waren noch zu klein, um verkauft zu werden.

Erwas später war es halb zehn, der Laden war seit einer halben Stunde wieder geöffnet, und kein einziger Kunde war gekommen. Ginny und Verity standen nervös mit verschränten Armen hinter der Verkaufstheke, während George auf das Bild von Fred und ihm starrte, das an der Wand hing. Hermine und Angelina warfen ihm nervöse Seitenblicke zu.

''Wo sind die verdammten Leute?'', fluchte Lee leise.

Harry zuckte mit den Schultern. Draußen gingen immer wieder Passanten vorbei, aber keiner blieb stehen oder warf den bunt geschmückten Schaufestern auch nur einen zweiten Blick zu.

''Mir reicht's'', sagte Ron finster, zog ein buntes Paket aus einem der Regale und marschierte hinaus.

''Verity, hat mein Bruder uns gerade bestohlen?'', fragte George abwesend.

''Ähm, ja, Mr. Weasley.''

- ''Wieso haben Sie ihn nicht aufgehalten?''

Verity zögerte kurz, dann lief sie Ron hinterher. Einen Herzschlag später bimmelte das Türglöckchen und zwei Jungen im Hogwarts-Alter kamen herein, die Harry vage als Gryffindors einordnete. Alle erstarrten. Die Jungen schenkten ihnen überhaupt keine Beachtung und gingen hinüber zu dem Regal mit den Nasch-und-Schwänz-Leckereien. Nach einer kurzen Diskussion kamen sie beladen mit Nasblut-Nugat zurück.

''Das macht zwei Galleonen und fünf Sickel pro Nase, meine Herren'', sagte Ginny grinsend.

''Sie zahlen nichts, Ginny'', sagte George, der den Blick endlich vom Bild an der Wand abwandte. ''Dieses Etablissement nimmt kein Geld von Testpersonen der ersten Stunde an. Jimmy, Nigel, ihr zahlt hier nichts.''

- ''Danke, George'', grinsten die beiden Jungen, winkten allen und gingen hinaus.

''Das waren...'', begann Hermine verblüfft.

''Jimmy Johnson und Nigel Abercrombie'', sagte George gelassen.

''Zwei der Erstklässler, an denen ihr das Zeug getestet habt'', schloss sie.

George nickte langsam. ''Und die beiden ersten Kunden, die nicht von Fred bedient wurden.''

Alle schwiegen betroffen- und dann hörten sie es.

Zuerst war da ein lauter Knall und dann klang es, als wäre in der Winkelgasse die Apokalypse ausgebrochen. Leute fingen an, zu schreien. Harry riss seinen Zauberstab aus dem Ärmel und stürzte zur Tür, aber George packte ihn an der Schulter.

''Kein Grund zur Eile, Herr Auror.''

- ''Ron ist da draußen'', keuchte Hermine, die ebenfalls ihren Zauberstab in der Hand hielt.

''Ich denke, was wir hier hören, ist Ron, also besteht kein Grund für dieses Benehmen'', sagte George trocken. ''Es sei denn, du willst ihn wegen Ruhestörung verhaften. In dem Fall will ich dich natürlich nicht aufhalten.''

- ''Das Paket, das er mitgenommen hat...''

- ''Inferno Deluxe'', sagte Ginny ungläubig. ''Er hat es draußen losgelassen!''

Die Tür wurde geöffnet und Ron kam grinsend hereinmarschiert, gefolgt von einer keuchenden, knallroten Verity.

''Ich wollte ihn aufhalten, Mr. Weasley, aber er-''

- ''Schon gut, Verity'', sagte George. ''Ich hätte selbst darauf kommen sollen, etwas Werbung zu machen.''

- ''Werbung?'', ächzte Hermine. ''Du hast die Leute zu Tode erschreckt, Ron!''

Er zuckte mit den Schultern. ''Keiner hat mich gesehen.''

- ''Du bist ein Auror!''

- ''Keiner hat mich gesehen, und Harry wird mich sicher nicht verhaften- oder?''

Harry zuckte mit den Schultern. ''Das kommt darauf an, ob es geklappt hat, schätze ich.''

- ''Wie auch immer'', sagte George ruhig. ''Du schuldest uns dreizehn Galleonen für das Inferno Deluxe.''

- ''Was?'', keuchte Ron.

''Die Wirtschaft, Ron, weißt du'', sagte Ginny grinsend. ''Die Preise schießen in die Höhe wie verrückt.''

- ''Ich soll dafür bezahlen?''

George wollte antworten, aber in diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen und eine Horde Kunden strömte in den Laden.

Und so ging es den ganzen Tag weiter. Der Laden war proppevoll und sie schafften es fast nicht, die Regale schnell genug wieder zu füllen, so groß war der Andrang.

''Weißt du, Harry'', sagte George als sie am späten Nachmittag zum dreizehnten Mal zusammen eine neue Kiste mit Liebestränken aus dem Lager holten, ''ich hatte mir schon überlegt, dich vor die Tür zu schicken, um Leute anzulocken.''

Harry grinste. ''Rons Idee war besser, denke ich.''

- ''Das werden wir wohl nie herausfinden.''

Um sechs scheuchten sie die letzten Bummler aus dem Laden und schlossen. Die Wiedereröffnung war ein voller Erfolg gewesen und so waren sie alle zwar müde und ausgelaugt, aber glücklich.

''Ab in den Tropfenden Kessel!'', verkündete George laut. '''Die erste Runde geht auf mich!''

Die anderen jubelten und gingen hinaus, aber als Harry ihnen folgen wollte, hielt George ihn fest.

''Harry? Hast du einen Moment?''

Harry nickte verblüfft und folgte George ins Hinterzimmer. Als sie dort angekommen waren, räusperte George sich verlegen und drückte ihm dann einen schweren, klimpernden Beutel in die Hand.

''Hier. Das ist deins.''

Harry sah ihn verwirrt an. ''Ähm, wofür?''

George verdrehte die Augen. ''Deine tausend Galleonen. Unser Startkredit. Es ist höchste Zeit, dass wir- ich es dir zurückzahle.''

Harry zögerte. ''George-''

- ''Lass es'', sagte George bestimmt. ''Harry, du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass du dein Geld nicht zurückbekommst! Es ist deins!''

- ''Ich hab dieses Geld nie gewollt'', sagte Harry leise. ''Ich weiß nicht mal, was ich damit anfangen soll.''

Er musste unwillkürlich an den gewaltigen Haufen Galleonen denken, der sich bereits in seinem Verlies in Gringotts befand.

''Das ist dein Bier'', sagte George ruhig. ''Tu mir nur einen Gefallen und gründe keinen Scherzladen damit, ja?''

- ''Gegen dich hätte ich eh keine Chance'', sagte Harry matt.

''Wenn du meinst. Komm jetzt, lass uns was trinken.''

Im Tropfenden Kessel schoben sie zwei Tische zusammen, damit sie genug Platz für alle hatten, und erhoben dann ihre Gläser mit Feuerwhisky- ausgenommen Ginny, der George Butterbier aufgezwungen hatte.

''Auf Fred'', sagte George bemerkenswert ruhig. ''Und auf Weasleys Zauberhafte Zauberscherze.''

- ''Fred und Weasleys Zauberhafte Zauberscherze'', sagten die anderen und leerten ihre Gläser.

''Also, Jungs'', sagte Ginny. ''Wie fühlt ihr euch nach eurem ersten echten Arbeitstag?''

- ''Weniger ausgelaugt, als wenn wir im Büro gewesen wären'', sagte Harry

''Grandios unterbezahlt'', sagte Ron.

Harry, der tausend Galleonen in dem Beutel in seinem Umhang hatte, tauschte ein mattes Lächeln mit George.

''Apropos bezahlen'', sagte George. ''Du schuldest mir immer noch dreizehn Galleonen.''

- ''Ist das dein Ernst?''

- ''Ich scherze nie, wenn es um Geld geht.''

- ''Sieh es als Wiedergutmachung für die Ruhestörung an'', warf Hermine ein.

Ron blickte sie finster an. ''Du fällst mir in den Rücken?''

''Oh, das Traumpaar bricht auseinander'', sagte George theatralisch.

Ron schüttelte den Kopf. ''Kann ich dich auch in Feuerwhisky bezahlen?''

- ''Jederzeit'', grinste George. ''Ginnys Anteil übergibst du ihr aber bitte erst zum Geburtstag. Oder nachdem sie mit Hogwarts fertig ist, nicht dass sie auf den Geschmack kommt und der Gryffindor-Turm als Schnapsladen endet.''

Ginny leerte ihr Butterbier. ''Haha. Wo wir gerade von Hogwarts reden, Hermine, hast du schon Bescheid gegeben, dass du zurückbekommst?''

Hermine nickte, während Hannah die nächste Runde Feuerwhisky brachte.

''Oh, Ron, ich weiss nicht, ob das eine gute Idee-''

- ''Trink'', sagte Ron bestimmt.

''Worauf?''

- ''Darauf, dass ich mit dir zurückgehe'', sagte Ron knapp.

Hermine starrte ihn ungläubig an. ''Wirklich?''

- ''Wirklich.''

Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

''Was ist mit dir, Harry?'', fragte George.

Harry spürte Ginnys bangen Blick. Sie wollte unbedingt, dass er zurückkam, das wusste er, aber trotzdem hatte sie ihn in den letzten Wochen nicht gedrängt. Er wusste nicht, ob es der Feuerwhisky war, aber plötzlich spürte Harry, wie sehr er Hogwarts vermisste: Peeves, der aus Rüstungen Weihnachtslieder sang, Besuche bei Hagrid, Quidditch und die Abende mit Ron und Hermine im Gemeinschaftsraum. Und er würde Ginny jeden Tag sehen können.

''Harry?'', fragte Hermine behutsam.

Er nippte an seinem Glas und machte eine Kunstpause.

''Er kommt mit'', sagte Ginny.

Harry blickte sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und musste lächeln, weil sie so sehr strahlte.

''Ja, ich komme mit'', sagte er.

Die anderen brachen in lauten Jubel aus. Ron hob grinsend sein Glas.

''Auf die Segnungen des Schulalltags!''


Am nächsten Montag schickten Ron und Harry Pigwidgeon mit ihren Zusagen nach Hogwarts- Harry hatte sich noch nicht überwinden können, eine neue Eule zu kaufen- und schickten im Ministerium ein Memo zu Kingsley, um ihm von ihrer Entscheidung zu berichten. Er bereute seine Entscheidung nicht. Während er wie so häufig auf Averys Foto starrte und auf eine Eingebung hoffte, wurde ihm klar, dass es der einzig richtige Weg gewesen war. Ja, die ersten Wochen zurück im Schloss würden schlimm sein- aber dann würde es besser werden. Harry wollte Hogwarts nicht so in Erinnerung behalten, wie er es im Mai erlebt hatte. Hogwarts war seine Zuflucht, sein Zuhause, der Ort, der ihn zu dem gemacht hatte, der er war, und weder war er fertig damit, noch wollte er eines Tages aufwachen und bereuen, seine Ausbildung nicht zu Ende gebracht zu haben. Nicht wegen seiner Perspektive, denn die war glänzend, und er hatte ohnehin genug Geld, um nie mehr arbeiten zu müssen. Nein, er wollte die selbe Ausbildung hinter sich bringen, die jeder Auror absolviert hatte, was er Kingsley auch sagte, als der kurz vorm Mittagessen vorbeikam.

''Ihr kommt also zurück?'', fragte der Minister.

''Ich wüsste nicht, was mich abhalten sollte'', sagte Harry.

Ron nickte bekräftigend.

''Percy wird sich freuen'', sagte Kingsley mit seinem halben Lächeln.

''Irgendwas Neues zu Avery?''

Sie schüttelten die Köpfe. ''Wie vom Erdboden verschluckt'', sagte Savage.

''Wie die anderen auch'', sagte Williamson. ''Das einzige Lebenszeichen war, als Jugson in Manchester aufgetaucht ist. Danach nichts mehr. Zeas raucht immer noch vor Wut, weil er ihr durch die Lappen gegangen ist.''

Kingsley seufzte. ''Immer dranbleiben, Jungs.''

Auch in den nächsten Juliwochen stellte sich keine Besserung ein. Währenddessen liefen die Prozesse gegen die Kollaborateure und Todesser weiter, was dazu führte, dass Askaban fast aus allen Nähten platzte und weitere fünfzig Mitglieder für den Magischen Strafvollzug rekrutiert wurden. Bezahlt wurden sie unter anderem ausgerechnet mit dem beschlagnahmten Gold aus Voldemorts Verlies in Askaban, wie Percy ihnen bei einem Abendessen im Fuchsbau anvertraute.

''Ich wüsste nicht, wie wir das sonst stemmen könnten'', sagte er müde. ''Man kann über Dementoren sagen, was man will, aber billig waren sie allemal.''

- ''Wo sind sie eigentlich hin?'', fragte Harry.

Diese Frage hatte schon länger in seinem Kopf umhergespukt. Wohin waren die ganzen Dementoren verschwunden, die vorher Askaban bewacht hatten?

Percy zuckte mit den Schultern. ''Um ehrlich zu sein, wissen wir es nicht genau. Manche sind zu anderen Gefängnissen abgewandert- Nurmengard, zum Beispiel- aber nicht alle. Bisher haben wir aber noch keine Berichte von Dementorenangriffen erhalten, also scheinen sie für den Moment keine Bedrohung darzustellen.''


Am Freitag in der Woche darauf verließ Harry das Ministerium schon mittags, denn es war sein Geburtstag und er hatte sich nach vielen Diskussionen mit Hermine und Ginny überreden lassen, das zu feiern. Molly hatte darauf bestanden, dass das ganze im Fuchsbau stattfand, und Harry hatte sich nicht groß dagegen gewehrt, denn obwohl Grimmauldplatz Nummer 12 mittlerweile eine deutlich anheimelndere Atmosphäre verströmte, hatte das Haus doch keinen Garten und eine Feier drinnen machte Ende Juli einfach keinen Sinn.

Harry zog sich am Grimmauldplatz um und genoss ein ausgezeichnetes Mittagessen, das Kreacher zubereitet hatte, bevor er zum Fuchsbau aufbrechen wollte, aber Kreacher räusperte sich ungewohnt verlegen und bat ihn, mit in den Salon zu kommen. Dort angekommen, ließ Kreacher ihn kurz warten und kam dann zurück in den Salon, wobei er einen zusammengerollten Teppich vor sich herschweben ließ, den er mit einem Schnipsen auf dem Boden entrollte.

''Kreachers Geschenk, Meister'', krächte der Hauself und Harry konnte nicht anders, als sprachlos auf den Teppich zu starren, der die gesamte Familie Potter zeigte, von Linfred von Stinchcombe oben unter dem Familienwappen bis zu ihm selbst. Neben manchen der Namen standen außer ihren Geburts- und Todesdaten kleine Anmerkungen, wie bei Hardwin Potter, Linfreds Sohn, der die Familie nach Godric's Hollow gebracht hatte, Iolanthe Potter, seiner Frau, die den Tarnumhang in die Familie gebracht hatte, oder Abraham Potter, der den amerikanischen Zweig der Familie begründet hatte. Name um Name arbeitete Harry sich nach unten durch, bis zu seinen Großeltern und seinen Eltern und starrte dann einen langen Augenblick auf seinen eigenen Namen. Er hatte nie groß über die Familie seines Vaters nachgedacht, aber jetzt wurde ihm klar, welch großes Vermächtnis er angetreten hatte und er glaubte ein Stück weit besser zu verstehen, warum Kreacher den Black-Wandteppich nicht entfernen wollte. Die Dursleys, fiel ihm auf, hatte der Hauself als nicht würdig erachtet, auf dem Teppich zu erscheinen, aber die Eltern seiner Mutter hatte er einbezogen.

''Gefällt Meister Kreachers Geschenk?'', fragte der Elf schüchtern.

Harry räusperte sich verlegen. ''Es ist...überwältigend. Danke, Kreacher. Vielen Dank.''

- ''Kreacher würde ihn gern hier aufhängen, wenn Meister keine Einwände hat.''

Harry schüttelte stumm den Kopf und sah zu, wie der Hauself den Teppich stolz neben den der Blacks hängte.

Als Harry im Fuchsbau ankam, war Molly schon mit dem Aufbauen beschäftigt. Seine Einwände wischte sie knapp beiseite, bevor sie ihn kräftig umarmte.

''Alles Gute, Harry.''

- ''Danke, Molly'', sagte er, wie immer etwas verlegen.

''Also dann'', fuhr sie in geschäftsmäßigerem Ton fort, ''die Tische und Bänke habe ich schon in Position, aber das Zelt kann ich nicht alleine vernünftig ausrichten, und für Hagrid müssen wir uns wieder etwas besonders zusammenbasteln.''

So verbrachten sie die nächste halbe Stunde damit, das Zelt aufzustellen, obwohl Harry im Stillen bezweifelte, dass irgendjemand drinnen essen würde, und ließen dann einen der Stühle hagridgerecht anschwellen, bevor Molly zurück in die Küche ging, um mit dem Kochen anzufangen. Harry ließ sich auf eine der Bänke fallen, schloss die Augen und genoss die warme Sonne auf seinem Gesicht. Er musste unwillkürlich daran denken, wie sein letzter Geburtstag verlaufen war: die gedrückte Atmosphäre und dann Scrimgeours Besuch...ein blumiger Duft und leise Schritte auf dem Rasen. Er grinste und Ginny atmete frustriert aus.

''Du hast mich gehört.''

- ''Natürlich'', sagte er lächelnd und öffnete die Augen. ''Einen Auror kann nichts überraschen.''

Sie schnaubte. ''Warum ist Ron dann gestern beinahe die Treppe runtergefallen, als ich aus dem Bad kam?''

Ginny küsste ihn sanft. ''Alles Gute zum Geburtstag.''

- ''Danke, Ginny.''

Sie hüpfte auf seinen Schoß und drückte ihm ein bunt verpacktes Geschenk in die Hand.

''Deine Mutter-''

- ''-halt die Klappe und mach es auf'', sagte sie gelassen.

Harry fügte sich in sein Schicksal und riss das Geschenkpapier unzeremoniell auseinander. Ginnys Geschenk stellte sich als eine Konstruktion heraus, die ihn entfernt an die Schoner erinnerte, die Muggelkinder beim Inlineskating an den Armen trugen.

''Ein Zauberstabholster'', sagte sie. ''Ich wollte dir was nützliches schenken, und, na ja...''

- ''Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt'', sagte Harry verblüfft und begriff reichlich verspätet, warum die anderen Auroren ihre Zauberstäbe immer aus den Ärmeln zogen. ''Danke, Ginny.''

Sie half ihm, das Holster richtig anzulegen.

''Nur der Besitzer kann den Zauberstab hier rausziehen'', erklärte sie.

''Wie bitte?!''

Sie zuckten zusammen und bemerkten jetzt erst, dass Bill und Fleur hinter ihnen standen. Fleur lachte, während Bill sie entsetzt anstarrte, bis er endlich begriff, worum es gegangen war. Ginny rutschte betont langsam von Harrys Schoß.

''Ähm...ja. Herzlichen Glückwunsch'', sagte Bill schließlich und schüttelte Harrys Hand.

Nach und nach trafen die anderen Gäste ein: alle Weasleys, Andromeda und Teddy, Hagrid, Hermine, Luna, Neville, Williamson und Savage. Harry sah sich mit einer Unmenge an Geschenken konfrontiert: Ron und George schenkten ihm eine Auswahl der neuesten Weasley-Artikel und außerdem das eingerahmte Cover der Hexenwoche mit seinem grinsenden Gesicht, Mr. und Mrs. Weasley einen neuen Festumhang, Andromeda ein Buch über nützliche Haushaltszauber, in das Hermine sich sofort vertiefte, nachdem sie ihm ihr eigenes Geschenk übergeben hatte, dass sich als die illustrierte Neuausgabe von Quidditch im Wandel der Zeiten herausstellte. Von Hagrid bekam er ein handgeschnitztes Modell von Hogwarts, das allgemeine Bewunderung hervorrief, von Neville einen neuen Gryffindor-Schal, von Luna ein Jahresabo des Klitterers und von Williamson und Savage- ein Zauberstabholster. Die beiden lächelten gequält, als der Rest der Gesellschaft in lautes Lachen ausbrach, aber Harry befestigte das Holster ohne zu Zögern an seinem anderen Arm- er hatte schließlich zwei Zauberstäbe und einer in Reserve konnte wohl kaum schaden. Es war ein schöner Sommerabend, die Stimmung war gut, und im Radio lief das Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft, Bulgarien gegen Japan, das im Halbfinale sensationell die favorisierten Iren geschlagen hatte. Die meisten von ihnen waren für Bulgarien, Ron natürlich ausgenommen, und als Krum nach etwas mehr als einer Stunde den Schnatz fing und einen knappen Sieg für Bulgarien klarmachte, sah er aus, als hätte er Bauchschmerzen.

Während der Diskussionen nach dem Ende des Spiels tauchte Kingsley auf, der wie immer in den letzten Wochen etwas übermüdet aussah, aber Harry mit einem Lächeln die Hand schüttelte und ihm dann abseits von den anderen einen Zweiwegespiegel gab.

''Für Notfälle'', sagte er ruhig. ''Machen wir uns nichts vor, Harry, du wirst immer in irgendwelchen Schwierigkeiten stecken- apropos Schwierigkeiten.''

Harry sah auf und stellte verwirrt fest, dass Paula Zeas gerade über den Zaun kletterte und dann eilig zu ihnen marschiert kam. Williamson und Savage hasteten zu ihnen.

''Ich hoffe, das ist ein absoluter Notfall'', sagte Kingsley.

''Draco Malfoy ist im Ministerium'', sagte die kleine Aurorin. ''Er sagt, dass Avery sich im Hinterzimmer von Borgin & Burkes versteckt.''

- ''Glauben Sie ihm?'', fragte Ron, der mit Mr. Weasley ebenfalls herübergekommen war.

''Ja. Malfoy sagt, er wollte Borgin ein paar Artefakte verkaufen- illegal, will ich meinen- und er hat Avery im Hinterzimmer getroffen. Avery hat ihn gebeten, mit Selwyn Kontakt aufzunehmen.''

- ''Alles klar'', sagte Kingsley. ''Die Party muss warten. Holen wir ihn uns. Zeas, riegeln Sie die Nokturngasse ab. Kein Flohnetzwerk, kein Apparieren, sobald wir da sind.''

- ''Das habe ich schon veranlasst, Sir. Niemand kann mehr da raus.''

- ''Gut'', sagte Kingsley.

''Wie sollen wir vorgehen, Sir?'', fragte Zeas.

''Auf die gute, alte Art und Weise'', sagte Kingsley. ''Keine Finesse.''

- ''Dann los'', sagte Ron begeistert.

Sie apparierten direkt in die Nokturngasse. Während sie auf die Ladentür von Borgin & Burkes zuliefen, apparierten um sie herum weitere Auroren. Savage sprengte die Tür aus dem Weg und Harry stürmte hinter ihm herein.

Borgin stand hinter seiner Theke und starrte sie kreidebleich an.

''Er ist im Hinterzimmer'', jammerte er. ''Er hat mein Leben bedroht, Sir-''

Williamson packte den jammernden Ladenbesitzer und zerrte ihn aus dem Weg.

''Avery!'', rief Kingsley. ''Werfen Sie Ihren Zauberstab weg und kommen Sie mit erhobenen Händen raus!''

Für einen Moment geschah nichts, dann flog Averys Zauberstab aus dem Hinterzimmer und fiel klappernd zu Boden. Savage und Zeas packten Avery, sobald er herauskam. Der alte Todesser sah schrecklich aus: ausgemergelt und dürr, eines seiner Augen fehlte.

''James Avery, Sie sind verhaftet'', sagte Savage zufrieden.