Amnesie IX

Eileen war tatsächlich kurze Zeit später aufgewacht und hatte lautstark nach ihrem Abendbrot verlangt. Natürlich hatte sie es bekommen, genau wie Severus und Hermine. Während des Essens unterhielten sie sich noch weiter über den Trank und die Versuchsreihen, die vorzubereiten wären.

Als alle satt waren, schlug Hermine vor: „Wenn es Dir recht ist, spiele ich mich noch etwas mit Eileen. Sie geht immer so gegen 20.00 Uhr zu Bett, danach muss ich mich endlich mal den Aufsätzen widmen, die liegen mir auf der Seele."

„Das wird nicht nötig sein", Severus zückte seinen Zauberstab und räumte den Tisch ab, „die Hälfte habe ich bereits heute Morgen korrigiert und den Rest wollte ich heute oder morgen abarbeiten."

„Oh, wunderbar!" Hermine lächelte ihn dankbar an, stand auf und streichelte ihm im Vorbeigehen über die Schulter. Severus durchrieselte ein warmer Schauer. Er blieb noch eine Weile auf seinem Stuhl sitzen, während Hermine und Eileen in das Kinderzimmer gingen.

Schließlich ließ das Pochen seines Herzens wieder nach und er erhob sich und begab sich in sein Arbeitszimmer um auch die letzten Aufsätze mit roter Tinte zu verzieren.

Kurz vor Acht steckte Hermine ihren Kopf durch die Türe. „Severus, Eileen möchte Dir noch „Gute Nacht" sagen."

Er schaute etwas abwesend auf. Gerade hatte er sich mit dem Aufsatz einer Emmely Watson beschäftig, der doch vielversprechend begonnen, dann aber deutlich abgefallen war.

„Wie? Ach ja, ich komme sofort."

Eileen lag schon in ihrem Bett. Die Ente in die Halsbeuge gekuschelt und ihre Schlange griffbereit.

Er lächelte sie zärtlich an und setzte sich neben sie aufs Bett. Darauf hatte sie wohl nur gewartet, denn sie berichtete ihm in aller Ausführlichkeit von den Erlebnissen und Abenteuern des Tages. Jedenfalls hielt er das dafür, denn er verstand nur ein Bruchteil von all dem, was sie ihm erzählte, Eileen schien es nicht groß zu stören.

Schließlich wurden ihre Augen schwer und schwerer und die Schlange wanderte näher und näher an ihren Mund, dann verstummte sie ganz und das angekaute Ende des Stofftiers verschwand zwischen ihren Lippen.

Sorgsam schaute er sich um, ob Hermine nicht wieder irgendwo zu sehen war und beugte sich zu seiner Tochter herunter um sie ganz leicht auf die Stirn zu küssen, dann wanderten seine Lippen zu ihrem Ohr und er flüsterte zärtlich, „Schlaf gut, und träume was Schönes!"

Er erhob sich schnell und rückte seine Kleidung energisch zurecht. Mit diesen beiden Frauen um ihn herum wurde er noch zu einem richtigen Softie.

Hermine saß schon am Kamin als er zurückkam. Auf dem Tisch stand wieder eine kleine Gruppe Phiolen mit seiner Medizin und sie hatte ihnen einen Tee gezaubert.

„Woher hat sie eigentlich diese Ente?" wollte er wissen, als er sich neben sie setzte und sich auch eine Tasse einschenkte.

„Ich weiß nicht", unkte Hermine schmunzelnd, „ob Du das wirklich wissen willst."

„Sie wird doch nicht vom Weltenretter-Potter sein?"

„Nein, von dem sind ein paar von den Bilderbüchern", Hermine schüttelte bedauernd den Kopf, „Die Ente ist von Sibyll Trelawney", sie gluckste, „sie meinte, unsere Tochter bräuchte was Neutrales. Außerdem hätte sie in ihrem inneren Auge gesehen, dass Eileen in einem früheren Leben mal ein Wasservogel war."

„Meine Tochter war niemals ein Wasservogel!" entrüstete sich Severus entsetzt.

„Ja, das hast Du ihr damals auch – ähm - gesagt, aber Eileen liebt diese Ente heiß und innig." Hermine zuckte mit den Schultern.

„Und die Schlange, von wem ist die?" Severus befürchtete schon das Schlimmste!

„Die ist von den Schülerinnen und Schülern Deines Hauses. Ich weiß gar nicht, was sie uns damit sagen wollten." Hermine hob grinsend eine Augenbraue in die Höhe, „aber wir haben mit der Schlange – ich nenne sie immer Zischi, die Anschaffung eines Schnullers gespart."

„Zischi??" Severus machte ein Gesicht, als wenn er in eine Zitrone gebissen hätte.

„Ja, süß nicht", Hermines Grinsen wurde noch breiter und sie ignorierte Severus Grunzen, „immer noch besser als Nangini, oder?"

Seine Hand fuhr reflexartig zu seinem Hals. „Ja, ich glaube schon", seufzte er dann.

Hermine kuschelte sich in ihre Decke, „Na, wie fandest Du denn Deinen ersten Tag im Leben eines Familienvaters?" frage sie schmunzelnd.

„Wenn ich es mir recht überlege", Severus Blick wurde scheinbar verdrießlich und er machte eine kleine Pause, als wenn er sich den gesamten Tag nochmals vergegenwärtigen müsste, „es hätte schlimmer kommen können."

„Severus", Hermine verschränkte erbost die Arme vor der Brust.

„Was?" wollte er darauf hin unschuldig schauend, von ihr wissen.

„Was könnte denn noch schlimmer sein, Deiner Meinung nach?" Hermines Blick hatte sich missbilligend auf ihn gerichtet.

„Also Todessertreffen zum Beispiel, die waren eindeutig schlimmer, oder eine Wohngemeinschaft mit Potter und Weasley, oder eine Woche Urlaub mit Sibyll Trelawney, oder…" zählte er grinsend auf.

„Schon gut!" fiel ihm Hermine ins Wort, „ich hätte nicht fragen sollen!"

Er musste lachen, sie sah so hübsch aus, wenn sie sich ärgerte.

„Ehrlich gesagt", brummte er einlenkend, „es war ganz gut. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber ich habe mich wohlgefühlt und es hat mir Spaß gemacht."

„So", sie war noch nicht ganz versöhnt, „auch das Windelwechseln?"

„Nachdem ich Deinen Spruch gefunden hatte, schon", gab er zu.

„Dann darfst Du das in Zukunft gerne immer machen!"

„Ach, weißt Du, ich teile meine Freude doch gerne mit anderen!"

„Alter Slytherin!" schmunzelte Hermine liebevoll.

Er sah sie lächelnd an.

„Machen wir das oft so?" fragte er dann unvermittelt.

„Was meinst Du?"

„Uns solche Wortgefechte liefern", versuchte er zu erklären.

Hermine nickte lächelnd, „Ja, wir sind bekannt dafür. Ich liebe Deinen messerscharfen Verstand und Deinen Humor und der kommt bei solchen Schlagabtauschen am Besten zur Geltung."

„Gut!", auch Severus schien damit zufrieden, „mir macht es auch Spaß, glaube ich."

Sein Blick fiel auf die Medizin vor ihm und er entkorkte eine nach der anderen und schluckte sie folgsam. Dann sah man ihn wieder überlegen, immerhin waren die 1000 Fragen von gestern noch lange nicht abgearbeitet.

„Wie war die erste Schwangerschaft, Poppy deutete an, dass Du unter Übelkeit gelitten hast?"

„Oh, ja!" Hermine stöhnte erschaudernd auf, „Das war wirklich schlimm. Über vier Monate wurde mir jeden Morgen schlecht und meistens auch noch nach den Mahlzeiten. Ich habe ziemlich Gewicht verloren und ich glaube, ich war unausstehlich."

„Daran kann ich mich gar nicht erinnern, meine Liebe", Severus Stimme hatte eine galante Note angenommen.

„Ich mich dafür umso besser!" Hermine schnaubte belustigt, dann wurde ihr Gesichtsausdruck sehr zufrieden „jedenfalls war das der Grund, warum wir jetzt eine Menge Galeonen mehr in unserem Verlies haben."

Als sie Severus fragendes Gesicht sah, erklärte sie weiter: „Ich habe mich zusammen mit meinem Ehemann hingesetzt und einen Trank gegen diese blöde Übelkeit entwickelt. Und zwar einen Trank, der sehr viel besser wirkt und bekömmlicher ist, als alle Tränke, die bisher auf dem Markt zu bekommen waren. Leider dauerte diese Entwicklung über einen Monat, was nicht sehr angenehm war. Weder für mich, noch für den Ehemann! Dafür verkauft er sich aber umso besser!"

„Wir verkaufen Tränke?" Severus war erstaunt.

„Nein, wir lassen verkaufen.", stellte Hermine richtig, „Ernie McMillans Vater hat eine Apotheke und einen Eulenvertrieb für Heiltränke. Wir haben ihm die Lizenz zum Brauen des Trankes gegen einen prozentualen Anteil am Gewinn überlassen."

Severus war beeindruckt. Er hatte sich zwar noch nie viel aus Geld gemacht, aber immerhin hatte er jetzt eine Familie für die er Sorgen musste.

„Zusammen mit den Lizenzen für die anderen Tränke, kommt da schon eine ziemliche Summe zusammen", überlegte Hermine, „ich muss Mum noch mal fragen, wie viel es jetzt genau ist."

„Deine Mutter weiß, wie viel wir in unserem Verlies in Gringotts haben?" Severus war ehrlich erstaunt.

„Das hoffe ich doch sehr, denn sie kümmert sich um unsere gesamten Finanzen. Das macht sie übrigens sehr gut, wie ich finde."

Es taten sich immer neue Wunder auf. Eine Muggel-Zahnärztin verwaltete sein Gold.

„Ich glaube, sie hat mal gesagt, dass sie nicht wüsste, warum wir überhaupt noch unterrichten würden", erinnerte sich Hermine weiter.

„Und was machen wir mit dem Geld?"

„Mum sagt, wir lassen es arbeiten. Wie das genau geht, musst Du sie fragen, aber es arbeitet sehr erfolgreich."

„Aha…" Er würde auf alle Fälle mal nachfragen, nahm sich Severus vor.

„Dann haben wir in diesem Frühjahr ein Sommerhaus gekauft.", erläuterte Hermine weiter, „Es liegt in Cornwall, direkt am Meer. Dort hinten hängt ein Bild davon", sie wies mit dem Daumen auf die Wand hinter dem Esstisch, „das ist auch gleichzeitig ein Zweiwegeportschlüssel. Das Aktivierungswort ist etwas klischeehaft, aber naja, es lautet „Creamtea"."

Severus stand auf und betrachtete sich das Bild genau „Sind wir oft dort?"

„Wir waren im Mai an den Wochenenden dort und haben alles gerichtet und erneuert. Es ist geplant, dass wir diesen Sommer dort verbringen, außer den zwei Wochen Zutatenexpedition natürlich", sie lächelte ihn liebevoll an.

Als sie aber das Unverständnis in seinen Augen lesen konnte, schlug sie sich auf die Stirn, „Entschuldige, das weißt Du ja auch nicht mehr. Wir gehen jedes Jahr für zwei Wochen auf eine weltweite Zutatenexkursion. Das war eine Aufgabe in meiner Meisterzeit bei Dir und wir haben es – sehr zu schätzen gelernt.", ihr Blick wurde träumerisch, „Du hast mich auf der zweiten Reise gefragt, ob ich Dich heiraten würde." Sie drehte versonnen ihren Ehering, der ihm schon im Krankenhaus aufgefallen war.

Er schloss die Augen und dachte an die schlafende Frau auf dem Sessel neben seinem Krankenbett, an die Frau, die ihm voller Begeisterung von ihren Forschungen erzählte, an die Frau, die ihn gebeten hatte, sie nicht loszulassen in dieser Nacht. Sie war jung, sehr schön und äußert klug. Wie hatte er sie nur für sich gewinnen können?

Eine kleine Weile war es still, nur das sonore Ticken der großen Standuhr war zu hören, als er die Augen wieder aufschlug war sein Blick auf den Kamin gerichtet und er fragte ganz leise: „Warum hast Du Dich für mich entschieden Hermine?"

Sie hatte wohl auch ein wenig ihren Gedanken nachgehangen, denn im ersten Augenblick schaute sie etwas verwirrt, dann lächelte sie ihn an: „Es gab keine Alternativen, Severus."

„Ich meine es Ernst, warum ich?"

„Ich meine es auch Ernst, Severus! Es gab keine Alternativen." Ihr Lächeln war einem sehr intensiven Blick gewichen, der seine Härchen aufrichtete und seinen Puls beschleunigte, als sie erklärte: „Kein Mann hat mich je so angeregt und geistig gefordert wie Du es tust. Ich liebe die Diskussionen, Dispute und Debatten, ich liebe die Experimente, Forschungen und das wissenschaftliche Arbeiten mit Dir. Es macht mich glücklich", ihre Wangen hatten sich gerötet, und ihre Augen begannen zu glitzern, „Auch hat mich bisher kein Mann so verstanden wie Du es zuweilen tust, bei Dir brauche ich mich nicht zu entschuldigen oder zu erklären, wenn ich übers forschen und lernen die Zeit vergesse oder mich lieber in einer Bibliothek als bei einem Quidditschspiel amüsiere."

Er musste schlucken, verringerte aber instinktiv den Abstand zu ihr.

„Dafür hättest Du mich aber nicht heiraten brauchen, Hermine, eine Geschäftspartnerschaft oder Freundschaft wäre ausreichend gewesen."

„Das habe ich auch ungefähr ein halbes Jahr lang in Erwägung gezogen, aber dann", sie errötete noch etwas mehr, „dann konnte ich vor mir selbst nicht mehr verleugnen, dass ich in Deiner Gegenwart etwas fühle, was ich noch nie für einem Mann empfunden habe."

„Ja?" seine Stimme war ganz belegt.

Sie rückte nun ihrerseits näher an ihn heran.

„Verlangen und Begehren", noch ein Stück näher, „Erregung und Sinnlichkeit", jetzt trennte sie nur noch wenige Zentimeter, „Glückseligkeit und Liebe." Sie atmete seinen Duft durch die Nase genussvoll und tief ein und öffnete leicht ihre Lippen.

Severus Herz schlug ihm bis zum Hals. Er konnte seinen Blick nicht von ihren Augen lösen, trotzdem zog ihn ihr Mund magisch an, er musste ihn kosten, sie würde sich bestimmt wehren, wenn es nicht in ihrem Sinne wäre, da war er sich sicher.

Vorsichtig und zärtlich legte er seine Lippen auf ihre und umschmeichelte sie mit seiner Zunge, dann drang er vorsichtig in ihn ein und verwickelte ihre Zunge in einen kleinen Disput, - vielleicht liebte sie diese Art der Auseinandersetzung ja auch. Als sie den Kuss vertiefte, wusste er, dass er recht hatte, es gefiel ihr.

Ihre Arme legten sich Halt suchend um seinen Hals und ihre Hände vergruben sich in seinen Haaren. Deutlich spürte er ihre Brüste, die sich eng an seine Brust pressen. Er ließ seine zitternden Hände in sanften Kreisen ihren Rücken hinab gleiten, bis dass sie auf ihrer Taille zu liegen kamen. Von hier aus wanderten sie ihr Seiten hinauf, bis seine Daumen die Ansätze ihrer Brüste erreichten, die er sanft streichelte.

Sie seufzte in seinen Kuss hinein. „Oh, Severus".

Er löste sich widerwillig von ihrem Mund und fragte atemlos: „Machen wir das hier auch öfters?"

„Was? Rumknutschen?" auch Hermines Brust hob und senkte sich schnell, ihre Augen glänzten und ihre Lippen waren schon etwas geschwollen.

„Hm", nickte Severus, ihm fielen zwar einige andere Begriffe ein, aber rumknutschen brachte es auch ziemlich genau auf den Punkt.

„Ja, Du bist ein wirklich guter Küsser, Severus Snape", sie leckte sich über ihre Lippen, „leider dürfen wir solche Zärtlichkeiten nur austauschen, wenn wir alleine sind."

„Warum?"

„Weil es wahrscheinlich Deinem Image schadet", mutmaßte Hermine, ihr Blick war aber schon wieder verlangend auf seinen Mund gerichtet. „Du magst leider keine Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit."

Ja, das wäre ihm bestimmt peinlich, überlegte er halbherzig.

„Und wenn wir alleine sind, küssen wir dann nur?" Er rutschte unruhig auf seinem Platz herum.

„Nein", mehr sagte sie nicht. Aber ihr Blick sprach Bände. Wundervoll verheißungsvolle Bände!

Wieder senkte er seine Lippen auf ihre und diesmal war sein Kuss fordernd und brennend. Doch bevor Hermine ihre Hand an die Knöpfe seines Gehrockes legen konnte, schob er sie von sich fort und stand auf.

Hermines Blick folgte irritiert seinem unsteten Auf und Ab. „Severus?" fragte sie schließlich zaghaft.

Er fuhr sich mit den Händen durch das schwarze Haar und zerrte mit Gewalt an seinem schwarzen Binder, ihm war heiß und er bekam keine Luft. Dann hielt er direkt vor ihr inne und sah zu der verunsicherten Frau hinunter, die ihn so aus dem Gleichgewicht brachte.

„Ich habe Deinem Vater heute gesagt, dass ich mich in Dich verliebt habe!" flüsterte er schließlich sehr leise und er schaute dabei fest seine Schuhspitzen an.

Hermine zog hörbar die Luft ein, „Ist das wahr?" fragte sie schließlich, ihre Stimme war dünn und brüchig.

Er schluckte vernehmlich und nickte, „ich habe ihm aber nicht gesagt, dass ich Dich so sehr begehre, dass ich nicht weiß, wie ich es noch länger vor Dir verbergen kann."

Dann spürte er, wie sie ihn sanft aber energisch zu sich herunter auf die Couch zog. „Wenn das so ist Severus Snape", hauchte sie zärtlich, „dann zeig es mir doch einfach!"