Ruby hatte sich ihre Suspendierung ganz anders vorgestellt. Sie hatte nach dem recht ruhigen Gespräch mit Snape, welches nur recht ruhig verlaufen war, weil McGonagall buchstäblich Wache gehalten hatte, an das Ausschlafen, langes Mittagsessen oder Freizeit gedacht. An die Dinge eben, die nichts mit schulischen Verpflichtungen zu tun hatten.
Aber nein.
Bereits am Mittwochmorgen hatte sie jede Lehrkraft aufsuchen müssen, bei der sie im Normalfall den Unterricht besucht hätte, um sich einen Große-Halle-deckenhohen Berg an Aufgaben abholen zu dürfen. Diese waren bis zum Abend gewissenhaft zu erledigen, wobei nicht vergessen werden durfte, dass sie darüber hinaus nicht von ihrer Hausaufgabenpflicht entbunden wurde. Sie war bereits an der ersten Aufgabe in Zaubertränke gescheitert, obwohl sie bislang mit der Theorie in diesem Fach gut klargekommen war, weshalb sie sich gezwungen sah, in die Bibliothek zu gehen. Das hatte sie noch nie alleine gemacht. Sie hatte kein einziges Buch finden können. Ob es ihr jemand glaubte oder nicht. Die Bücher waren weder nach den thematischen Schwerpunkten noch nach Autorennamen alphabetisch geordnet. Die Bücherrücken waren stattdessen mit undefinierbaren Buchstabenkombinationen und komplett wahllos ausgesuchten Ziffern versehen, die danach geordnet wurden. Ruby schwor, dass das ein völlig neues Konzept war, weil es ihr noch nie zuvor aufgefallen war. Sie hätte sich auch nicht gewundert, wenn Snape über Nacht die ganze Bibliothek umgestellt hätte, weil er mit Bestimmtheit geahnt hatte, dass sich Ruby Zusatzliteratur anschaffen musste, um die Aufgaben zu lösen.
Und woher sollte sie bloß wissen, in welchem Themenbereich, unter welchem Buchstabenkürzel und unter welcher Zahlenreihe sie nach einem einzigen lausigen Buch, in dem zwei Sätze zum Anschwelltrank erwähnt wurden, zu suchen hatte?
Madam Pince war ihr selbstverständlich keine große Hilfe gewesen. Tatsächlich war die vergnomte Frau sofort auf die Idee gekommen, dass Ruby den Unterricht schwänzen könnte. Hermine war dort noch nie auf diese Weise behandelt worden, obwohl ihre Freundin schwor, dass die Bibliothekarin sie diskriminierte.
Ruby hatte das siebte Buch auf den „Nicht-zu-gebrauchen-" Stapel gelegt und lehnte sich frustriert zurück.
Sie wollte sich ja nicht beschweren. Wirklich nicht. Es hätte sie schließlich viel schlimmer treffen können, indem man sie rausgeschmissen hätte. Ruby hatte jedoch erfahren, dass ein Rauswurf alles andere als einfach durchzusetzen war. Dean Thomas hatte sie am Vorabend aufgeklärt, mit welchen Missetaten frühere Schüler von Hogwarts verwiesen worden sind. Ruby hatte bislang angenommen, dass sie bereits mehrmals am Rande des Rauswurfs gestanden hatte, was schlussendlich nicht einmal ansatzweise gestimmt hatte. Sie war wirklich nicht eine solcher Tunichtgut, wie ihr vorgeworfen wurde.
Dennoch wollte sie ihr Verhalten nicht mit solchen lahmen Ausreden entschuldigen.
Auch wenn Snape eine feuchte Ohrfeige verdient hatte.
Das Einzige, was Ruby bei der unglücklichen Angelegenheit am meisten störte, war zum einen das bevorstehende Gespräch mit Dumbledore und zum anderen das Nachsitzen mit Malfoy. Wenn es nach Ruby ginge, würde sie sogar lieber einen Monat lang mit Malfoy nachsitzen als ein zehnminütiges Gespräch mit dem Schulleiter zu führen. Ihre letzte Unterhaltung hatte kurz nach den Ereignissen in der Mysteriumsabteilung stattgefunden. Zu dieser Zeit war Ruby wirklich nicht unterhaltsam gewesen. Sie hatte bis dahin nicht realisieren können, was vorgefallen war.
Sie hatte wirklich geglaubt, dass er zurückkommen würde.
Manchmal erwischte sie sich dabei, wie sie immer noch fest daran glaubte.
Ruby schüttelte mit dem Kopf und stand auf. Sie sammelte die Bücher ein, um sie wieder in die Regale einzuräumen. Zaubertränke konnte sie vergessen. Sie nahm sich vor, Ron oder Harry nach den wichtigsten Informationen zu fragen. Auch wenn sie sich dabei keine allzu großen Hoffnungen machte. Sie wollte aber Hermine nicht darin bestätigen, dass sie einfach nur unfähig war. Vielleicht könnte ihr das Prinzenbuch helfen. Bis dahin wollte sie ihren Aufsatz für McGonagall fertig geschrieben haben. Sie hatte im Grunde noch viel Zeit bis zu ihrer Abgabe. Quidditch fiel ebenfalls für sie aus, da ihr wegen der Suspendierung nicht erlaubt war, an außerunterrichtlichen Aktivitäten der Schule teilzunehmen.
Während Ruby die Bibliothek verließ, erinnerte sie sich bitterlich an Harrys Reaktion, nachdem sie ihm eröffnet hatte, vorerst kein Quidditch spielen zu dürfen. Sie hatte sich ursprünglich ein wenig Sorgen gemacht, wie er es als frischgewordener Kapitän mit einer neuen Mannschaft aufnehmen würde, dass eine weitere seiner Jägerinnen ausfallen könnte. Aber letztlich hatte es ihn kaum berührt. Ruby fragte sich, ob er nicht insgeheim erleichtert war, dass er sie zunächst abschreiben konnte. Ihre katastrophale sportliche Leistung in der ersten Trainingsstunde hatte selbst sie nicht vergessen können. Falls Dumbledore ihren Quidditch-Verbot auflösen sollte, könnte sie in der darauffolgenden Woche ebenfalls nicht zum Training erscheinen, weil ihr das Nachsitzen bevorstand. Sie war sich jedoch nicht sicher, ob diese Nachsitz-Geschichte mit Malfoy überhaupt der Wahrheit entsprach. Ron hatte ihr nämlich erzählt, dass Malfoy im Verlauf der Schulstunde mit Snape ein einwöchiges Nachsitzen aufgebrummt wurde und die Fledermaus nebenbei erwähnt hatte, dass Malfoy ihr dabei Gesellschaft leisten würde.
Also, wenn sie ehrlich war, konnte sie sich das wirklich nicht vorstellen, dass Snape ausgerechnet Malfoy auf diese Weise bestrafen würde. Das musste ein Witz sein. Snape verteilte Nachsitzen an die Slytherins? An Malfoy? Eine Woche lang? Wegen nicht gemachter Hausaufgaben? Das war ein Witz.
Oder ein perfider Plan, der Ruby zusätzlich schaden sollte. Malfoy konnte es wahrscheinlich gar nicht erst erwarten, in seiner Freizeit weitere ihrer Gliedmaßen massakrieren zu wollen. Ruby erinnerte sich noch lebhaft an das Ereignis im Duellierclub im zweiten Schuljahr, als Snape Malfoy voller Hoffnung vorgeschickt hatte, um Harry ordentlich verhexen zu können.
Im Korridor war sie einer Gruppe von Ravenclaws aus der Oberstufe begegnet, die ihre Köpfe sofort nach ihr umwandten, als sie an ihnen vorbeigegangen war. Als sie am Morgen den Weg zur Bibliothek angesteuert hatte, war es ihr nicht entfallen, dass man über sie gesprochen hatte, nachdem sie von dem ein oder anderen Schüler gesichtet worden war.
Sie hatte die Rolle der Aussätzigen im Exil wahrscheinlich im Blut.
Was wohl Sirius zu alldem gesagt hätte? Ob er sie zurechtgewiesen hätte?
Ruby blieb stehen und schüttelte erneut mit dem Kopf. Nochmal. Und nochmal.
„Muss man sich Sorgen machen, junges Fräulein?"
Schnaubend setzte sie ihren Weg fort und warf dem verwirrten Mann im Porträt einen wütenden Blick zu.
Durfte sie nicht einmal mehr mit dem Kopf schütteln?
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Draco wandte sich verärgert von dem Buch ab, als er aus dem Augenwinkel sah, dass sich Slughorn von der Slytherin-Reihe entfernt hatte. Blaise gähnte herzhaft.
„Kannst du wenigstens so tun, als würdest du was machen?", zischte ihm Draco zu.
„Bitte?", kam es amüsiert von seinem Klassenkameraden.
Er konnte seine Ungeduld nur mit Mühe kontrollieren. „Du siehst doch, dass der Wicht die ganze Zeit bei uns herumschleicht."
Blaise rollte bloß mit den Augen. „Du reagierst nur über, weil du selbst nichts machst. Ich warte noch ein wenig, bis Theo seine Seite voll hat. Dann lege ich erst richtig los." Er nickte in die Richtung des leeren Stuhls zur Dracos Rechten. „Schreib du von Black ab."
Blaise Zabini war wohl mit Abstand der humorloseste Schüler von Hogwarts. Kopfschüttelnd wandte sich Draco seinem Buch zu. Er hasste theoretische Stunden in Zaubertränke. Allmählich dämmerte es ihm jedoch, dass er sich ein wenig beeilen musste, um die Aufgaben zu lösen. Er wollte nicht auch noch weitere Lehrer gegen sich aufziehen.
Obwohl … Slughorn war sowieso kein bisschen angetan von seinem Vater und ihm. Warum sollte er sich also die Mühe geben? Vielleicht sollte er sich ein Beispiel von der Blutsverräterin nehmen und in der Unterrichtsstunde verkünden, welchen Todessern Slughorn jahrelang in den Allerwertesten gekrochen war, bevor er auf mysteriöse Weise als verschollen galt.
Plötzlich wurde ihm Blacks Abwesenheit mehr als bewusst. Natürlich fühlte er sich ohne diese Blutsverräterin deutlich wohler an seinem Platz, aber aus unerklärlichen Gründen fand er diesen unbesetzten Stuhl neben ihm befremdlich.
Snape hatte es geschafft, Black vom Unterricht fernzuhalten und McGonagall, die wandelnde obergerechte Ordnungsrichterin, hatte wohl abgelehnt, die Schülerin ihres Hauses vor diesem Urteil zu bewahren. Das Einzige, was Black in diesem Fall in die Hände gespielt hatte, war die lahme Schulordnung gewesen, die in den Fällen von Unterrichtsstörungen oder offenbar der Verleumdung von Lehrern keinen Schulverweis auferlegte. Dennoch hatte er am Vortag über die Gerüchte, dass Black vom Unterricht suspendiert worden war, herzlichst gelacht. Eines hatte er während seiner Schullaufbahn gelernt. Black war unantastbar. Weil die politisch korrekten Trantüten behaupteten, sie sei charmant und witzig, weil sie angeblich mutig und clever war. Oder sonst noch was, was ihm einen Brechreiz verursachte.
Black würde früher oder später erneut neben ihm in Zaubertränke auftauchen. Die brennende Frage stand jedoch für ihn in dem Raum, welche Konsequenzen Blacks Verhalten nach sich gezogen hatte. Die Suspendierung war schon eine harte Nuss gewesen, aber diese war von Snape, dem vermeintlich Beschädigten, vorgeschlagen und mithilfe von McGonagall durchgesetzt worden. Wie stand es nun um Dumbledore? Draco war sich sicher, dass der alte Greis immer noch ein großer Fan dieses Potterpacks war und ihr somit keine weiteren Unannehmlichkeiten bevorstanden.
Für Draco dagegen sah alles Weitere mehr schlecht als recht aus. Snape, der seine eigenen glorreichen Pläne verfolgte, war bereits damit beschäftigt, ihn für etwas Lächerliches zu bestrafen. Er würde eine ganze Woche lang wegen nicht gemachter Hausaufgaben nachsitzen müssen, wohingegen Black ein deutlich schlimmeres Vergehen vorzuweisen und genau wie er eine Woche lang nachzusitzen hatte. Ihre vorübergehende Suspendierung, die sie gemütlich in ihrem Gryffindorturm absitzen konnte, war doch nur ein Witz.
Das war doch nicht gerecht. Oder?
Wie würde wohl das Urteil gegen ihn lauten, wenn seine Taten ans Tageslicht kämen, bevor er seinen Plan durchsetzen konnte?
Er trug das Dunkle Mal auf seinem Unterarm. Er versuchte ein schwarzmagisches Objekt zu reparieren, damit Todesser das Schloss betreten konnten. Er hatte bereits ein schwarzmagisches Objekt in die Schule schmuggeln können. Er hatte schon mehrmals den Imperius-Fluch benutzen müssen. Er plante einen Mord. Er hatte eine Schülerin beinahe tödlich verletzt.
Dracos Hand wanderte unwillkürlich zu seinem Hals. Er hatte plötzlich mit einem drastisch beengenden Gefühl in seiner Kehle zu kämpfen. Mehrmals holte er tief Luft, um sich zu beruhigen. Eine Panikattacke konnte er sich in dem versifften Klassenraum voller feindseliger Gesichter nicht erlauben.
Blaise' Flüstern befreite ihn aus seiner eigenen Umklammerung.
„Wie bitte?", fragte Draco nach, der seinen Klassenkameraden nicht verstanden hatte.
Dem amüsierten Blick nach zu urteilen, hatte Blaise gar nicht gemerkt, dass Draco gegen diese Ungeziefer, wie er es nannte, wenn sich diese angstvollen Gedanken in ihm breit machten und ihn lähmten, anzukämpfen versuchte.
„Warst du gestern Nacht bei Pansy?", fragte er nochmals nach.
Es war nicht das erste Mal, dass er sich bezüglich seiner nächtlichen Wanderungen rechtfertigen musste. Was völlig absurd war, weil es niemanden etwas anging, was er in seiner Freizeit trieb. Merkwürdigerweise fühlte er sich dazu verpflichtet, diese Frage nicht unbeantwortet stehen zu lassen. Blaise war inzwischen direkt zu der Schlussfolgerung übergegangen, dass er die Nächte irgendwo in stickigen Besenkammern mit Pansy verbrachte. Draco hatte in der Vergangenheit noch nie verbal damit geprahlt, mit Pansy Sex gehabt zu haben, aber seine knapp formulierten Zustimmungen in Bezug auf Blaise' Vermutungen schienen bei seinem Klassenkameraden eben diesen Eindruck zu erwecken. Draco machte sich allmählich Sorgen, dass Blaise Pansy gegenüber unanständige Kommentare fallen lassen könnte, die ihn letztendlich in eine katastrophale Rechtfertigungsnot befördern könnten.
„Ja", sagte er langsam, was diesmal im Grunde nicht ganz gelogen war. Er war wegen Snapes Strafe wütend und frustriert gewesen. Am Ende seines Zusammentreffens mit Pansy war siediejenige gewesen, die wütend und frustriert zurückgelassen worden war.
Nur mit äußerster Mühe versuchte er sich an etwas Angenehmeres zu konzentrieren, um sich seinen Ärger nicht anmerken zu lassen.
„Ihr wart ja richtig lange beschäftigt", konnte es Blaise nicht lassen.
Nun, das entsprach eben nicht der Wahrheit. Ganz im Gegenteil.
„So lange, wie du weg warst, konnte ich gar nicht wach bleiben", fuhr er zufrieden fort und Draco schwor sich, dass er ihn mitten im Unterricht verhexen würde, falls er auf die Idee käme, nach irgendwelchen schmutzigen Details zu fragen, die Pansy in Verruf bringen würden.
„Fertig", kam es nüchtern von Theo, was Draco kurz auffahren ließ. Dann sah er, wie er Blaise auf dem Tisch seinen Aufsatz zuschob.
„Ah, darauf habe ich schon die ganze Zeit gewartet", freute sich Blaise, wobei sich Draco ganz sicher war, dass sein Klassenkamerad die Aufmerksamkeitsspanne eines Madenwurms besaß, wenn er sich so rasch von seiner Umgebung ablenken ließ.
Daran wollte sich Draco gar nicht stören. Blaise schien ihn glücklicherweise vergessen zu haben, sodass er sich erneut mit seinem eigenen Aufsatz beschäftigen konnte.
Was wiederum ihm sichtlich schwerer fiel, nachdem er an Pansy hatte denken müssen.
Ihr verzerrtes Gesicht ging ihm nicht aus dem Kopf.
Und das Problem war, dass er allmählich begriff, dass es nicht die Wut war, die sich auf ihrem Gesicht widergespiegelt hatte.
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„Wo in Merlins Namen hast du gesteckt?"
Hermines anklagende Stimme hallte in dem Raum, nachdem Ruby am späten Abend betont gleichgültig in dem Mädchenschlafsaal der Gryffindors aufgekreuzt war. Hinter der Tür, die zu dem kleinen Gemeinschaftsbad führte, nahm sie die kichernden Stimmen von Lavender und Parvati wahr. Noch nie hatte sich Ruby ihre Gesellschaft sehnlicher gewünscht als in jenem Augenblick. Die Anwesenheit der beiden hätte Hermine sofort stumm gestellt.
„Ich war spazieren", sagte sie schließlich, wobei sie sofort feststellte, wie provozierend ihre Antwort tatsächlich war.
„Du warst also den ganzen Tag spazieren, ja?", hakte sie nach und ihre Stimme nahm merkwürdigerweise eine ihr unbekannte Strenge an.
„Nein, also -" Sie holte tief Luft. „Ich war nur vorhin -"
„Ruby, du warst den ganzen Tag lang unauffindbar", brach ihr Hermine das Wort ab, während sie ihre Stimme leicht senkte, um nicht doch noch von ihren Klassenkameradinnen belauscht zu werden. „Auf der Karte warst du nicht zu sehen und wir -"
Hatten sie alle etwa eine Suchaktion zu planen angefangen oder wie?
„Und jetzt?", giftete sie zurück. „Dachtet ihr, dass ich für immer verschwunden bin? Warum wird jetzt deswegen ein solcher Aufriss gemacht? Ich wollte einfach ungestört bleiben."
Ruby konnte sich nicht erklären, weshalb sich ihre Stimmung auf diese Weise verändern konnte. Sie hatte sich nicht verstehen können, als sie nicht zum gemeinsamen Mittagessen, welches sie miteinander vereinbart hatten, aufgetaucht war und erst recht nicht, als sie ihren Freunden den ganzen Tag aus dem Weg gegangen war.
Es musste aber nicht heißen, dass sie dabei eine Grenze überschritten hatte.
Hermine sah sie sichtbar überrascht an. Dennoch konnte ihr angesehen werden, wie angestrengt sie sich darüber Gedanken machte, wie sie mit Ruby am besten reden sollte. Ihre Wangen schienen gerötet und ihr Blick glitt wachsam über ihr Gesicht, als erhoffte sie sich dadurch, darin etwas ablesen zu können.
Nun war es soweit. Ihre Freunde würden bald gemeinsame Strategiesitzungen führen, um sich mit ihr angemessen unterhalten zu können. Sie konnte es sich lebhaft vorstellen.
Lavender wieherte hinter der Tür auf, während die lachende Parvati ein „Hör auf" kreischte.
Hermine räusperte sich. „Wo bist du gewesen?"
„Im Raum der Wünsche", antwortete sie wahrheitsgemäß.
„Warum?"
„Können wir das Gespräch sein lassen?", kam es schnippisch von ihr zurück.
„Nein", kam es entschieden von Hermine. „Das höre ich mir schon die ganze Zeit an und es bringt wirklich nichts, dieses Verhalten zu ignorieren."
Sie knurrte nur auf. „Welches Verhalten konkret?"
„Hast du deine Aufgaben gemacht?", wollte ihre Freundin wissen.
„Natürlich!"
„Hast du sie auch bei den Lehrern abgegeben?"
„Weshalb habe ich sie gemacht, Hermine?", konnte sich Ruby den sarkastischen Unterton nicht verkneifen. „Zum Spaß? Ich habe einfach nur meine verdammten Aufgaben im Raum der Wünsche gemacht. Ohne Ablenkung, ohne Kritik und Druck. "
„Ich setze dich nicht unter Druck, Ruby", erwiderte sie sofort, da sie diesen versteckten Hinweis sofort aufnahm. „Du stellst einfach im Augenblick fest, welchen Ärger du dir mal wieder selbsteingehandelt hast. Aber du würdest nicht auf die Idee kommen, dein Verhalten zu reflektieren, weil es sonst bedeuten müsste, dass du etwas zu ändern hast."
„Danke für die Analyse, Merlin."
„Ich habe mir Sorgen gemacht", sagte Hermine schließlich. „Du hättest mir wenigstens Bescheid geben können. Am Ende des Schuljahres habe ich das noch verstanden. Wirklich." Sie schloss die Augen, nachdem sie wohl selbst bemerkt hatte, wie anklagend sie geklungen hatte. „Beim letzten Mal -"
„Komm runter, Hermine. Das brauchst du gar nicht jetzt wieder zu erwähnen", erwiderte sie ungeduldig und wunderte sich erneut über die Ungeduld in ihrer Stimme.
In den letzten Wochen des letzten Schuljahres war Ruby mehrmals „untergetaucht", ohne ihre Freunde davon zu unterrichten, wo sie sich aufhielt. Dabei ging Hermine bei ihrem letzten Vorwurf auf ein bestimmtes Ereignis ein, mit welchem sie bis dato zum ersten Mal konfrontiert wurde. Damals hatte sich Ruby ganze drei Tage im Raum der Wünsche aufgehalten, ohne dass ihr das wirklich bewusst gewesen war, weil ihr jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen war. Hermine hatte sich nach ihrem "Verschwinden" wie eine Wahnsinnige auf sie gestürzt, als sie ebenfalls wie am gegenwärtigen Tag im Schlafsaal aufgetaucht war, als wäre nichts passiert.
Es war aber wirklich nichts passiert. Es war kaum der Rede wert.
Hermine wartete geduldig, bis sie etwas sagen oder tun würde. Aber inzwischen war es Ruby einfach nur noch leid, beobachtet zu werden, damit eine angemessene Diagnose gestellt werden konnte. Hermine gab ihr immer das Gefühl, dass sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, obwohl sich Ruby mit wenigen Ausnahmen nicht anders verhielt als es sonst von ihr üblich gewesen wäre. Sie hatte schon immer ihre Schwierigkeiten mit dem rechtzeitigen Erledigen der Hausaufgaben gehabt; Sie hatte schon immer sofort gestreikt, wenn etwas anders verlief, als sie es wollte; Sie hatte schon immer ein lockeres Mundwerk gehabt, wenn es um Snape ging. Nun wurde ihr rubytypisches Verhalten anders bewertet. Unnatürlich. Schändlich. Selbstdestruktiv.
Selbstverständlich konnte Ruby nicht behaupten, klug gehandelt zu haben, als sie einen Lehrer beleidigt hatte. Hermine schien jedoch gar nicht in Betracht gezogen zu haben, dass es wohl verständlich war, dass einem der Zauberstab durchdrehen konnte, wenn der Tod des eigenen Vaters verhöhnt wurde.
So war es gewesen. Und nicht anders.
Für Hermine war es unvorstellbar, dass Ruby in einer solchen Situation nicht sorgsam auf die beispielhafte Etikette einer Musterschülerin zurückgriff, sondern sich lieber gegen Snape wehren wollte.
Bevor ihr Ruby diese Vorwürfe entgegen schleudern konnte, wurde die Klinke der Badezimmertür herunter gedrückt und die bestens gelaunten Lavender und Parvati waren in den Schlafsaal hineinspaziert. Es war wohl offensichtlich, dass Hermine und Ruby mit weniger harmonischen Dingen beschäftigt gewesen waren, weshalb sich die beiden Klatschtanten sofort mit großen Augen ansahen. Wahrscheinlich bereuten sie es, im Badezimmer wie betrunkene Hühner gelacht und damit den Streit zwischen ihren Klassenkameradinnen übertönt zu haben.
Schließlich wandte sich Ruby von dem Blickfeld ab und griff nach ihren Schlafsachen. In wenigen Sekunden befand sie sich selbst im Badezimmer. Während sie sich die Zähne putzte, ging sie in ihrem Kopf voller Genugtuung diverse Vorwürfe, Argumente und gar Beleidigungen durch, mit welchen sie Hermine konfrontieren wollte und sie sich sicher war, diese bereitwillig und unverblümt beim nächsten ungestörten „Gespräch" fallen zu lassen.
In jener Nacht war Ruby zum ersten Mal mitten in der Nacht in den Jungenschlafsaal der Gryffindors geschlichen. Sie hatte nicht einschlafen können und sehnte sich nach Harrys Nähe. Auf der anderen Seite war ihr in der Nacht kalt gewesen, ihr Körper hatte sich unter der Decke nicht aufwärmen können und die Vorstellung, sich in ein warmes Bett hineinlegen zu können, war dabei tatsächlich ihr hauptsächlicher Motor gewesen.
Leise schloss sie die Tür des Schlafsaals und begab sich auf den Zehenspitzen zu Harrys Bett. Er befand sich bereits in seiner tiefsten Traumwelt und atmete dabei wie in einem Takt hörbar regelmäßig. Harry war nicht aufgewacht, als sie die Vorhänge aufgezogen hatte. Erst nachdem sie sich am Rande des Bettes gelegt hatte, schreckte er japsend auf und sie bereute es, dass sie ihn auf diese unangenehme Weise beim Schlafen gestört hatte.
„Tut mir leid", flüsterte sie beschämt. „Ich bin eben erst gekommen."
„Was tust du hier?", fragte er verwirrt vom Schlaf, während er sich seine Augen rieb, und er rutschte daraufhin unbeholfen von ihr weg, damit sie mehr Platz hatte.
„Darf ich hier schlafen?"
Er gab ein unverständliches Murmeln von sich, was sie jedoch wenigstens als ein 'Ja' identifizieren konnte.
„Danke", sagte sie erleichtert, obwohl sie gewusst hatte, dass er sie nicht wegstoßen würde.
Augenblicklich bereitete sich die Wärme aus, die der Platz, auf dem er gelegen hatte, ausstrahlte. Im Zimmer war vereinzelt das Schnarchen und das tiefe Luftholen ihrer Klassenkameraden zu vernehmen. Sie musste mehrmals blinzeln, nachdem ihre Lider spürbar schwerer wurden.
Harry legte sich auf die Seite, um sich ihr zuwenden zu können und stützte sich auf seinem Ellenbogen. Er machte kurz einen unzufriedenen Eindruck und wiegte sein Gesicht schließlich in seiner Hand, um in einer bequemeren Liegeposition verweilen zu können. Ruby sah zu ihm auf. Ihr Herz hämmerte gegen ihren Brustkorb und sie konnte sich nicht erklären, weshalb sie plötzlich diese Ungeduld empfand. Sie versuchte sich zu entspannen.
„Warst du im Raum der Wünsche?", fragte er immer noch verschlafen.
„Ja", antwortete sie bloß und er schien dem Ganzen nichts hinzufügen zu wollen. Stattdessen gähnte er und verharrte mit geschlossenen Augen in seiner Liegeposition.
Allem Anschein nach war er sofort wieder eingenickt. Just in dem Augenblick, in dem sich Ruby sicher war, dass er nichts mehr sagen würde, öffnete er seine Augen.
„Es wäre nett gewesen, wenn du uns wenigstens irgendwie Bescheid gegeben hättest", sagte er leise und ohne eine Spur eines Vorwurfs in seiner Stimme.
„Es tut mir leid."
Sie holte tief Luft und versuchte damit, ihren Herzschlag zu beruhigen. Als sie bereits den Mädchenschlafsaal betreten hatte, war sie angespannt gewesen. Kurzweilig wurde ihr bewusst, dass sie sich unter anderen Umständen für ihr merkwürdig trotziges und geheimnistuerisches Verhalten geschämt hätte, aber sie derzeitig nichts dergleichen empfand. Stattdessen kam ihr das erste Mal in den Sinn, welches Gefühl sie seit einigen Wochen verfolgte, wenn sie mit ihren Freunden sprach.
Sie war wütend gewesen.
Obwohl ihr Hermine nichts getan hatten, was dieses Gefühl gerechtfertigt hätte. Sie war wütend gewesen, als sie sich auf dem Weg zur Großen Halle gemacht hatte, um mit ihren Freunden essen zu können, wie sie es vereinbart hatten. Sie war wütend gewesen, als sie im Raum der Wünsche ihre Aufgaben gemacht und sich dabei vorgestellte hatte, wie Hermine vorschlug, ihr helfen zu wollen. Sie hatte ihren Schlafsaal aufgesucht und war bereits wütend gewesen. Hermines Vorwürfe und Fragen hatten Ruby in dem Augenblick der Wut zusätzlich bestätigt.
Allmählich schwand das tobende Untier in ihrer Brust und hinterließ eine schwere Last bestehend aus Selbstvorwürfen, Scham und Verwirrung. Sie wurde nun das Gefühl nicht los, dass etwas gründlich schief ging.
Sie blickte erneut zu Harry auf und stellte fest, dass er sie stumm beobachtet hatte. Die beiden sahen sich kurzzeitig einfach nur an. Plötzlich wirkte ihr langjähriger Freund zu erschöpft, was nicht nur auf den unterbrochenen Schlaf zurückzuführen war, und sie fragte sich unwillkürlich, ob er seit Sirius' Tod ebenfalls schlecht schlief. Ob ihm wirklich bewusst war, was geschehen und dass dieser Umstand wirklich endgültig war. Ob er überhaupt noch ausreichend Energie dafür fand, sich damit auseinander zu setzen, wenn doch Voldemorts Gier nach Vergeltung und Macht in Großbritannien herumspukte.
Irgendwann hatte sie sich von ihm abgewandt und sie kehrte ihm den Rücken zu.
Bevor sie eingeschlafen war, hatte Harry versucht herauszufinden, ob sie sich mit Hermine gestritten hatte. Vor einigen Minuten hätte sie dafür gebrannt, sich ausgiebig über das vermeintliche Vergehen ihrer gemeinsamen Freundin zu beschweren. Aber inzwischen war ihre selbsterkannte Wut abgekühlt, sodass sich Ruby gezwungen sah, zusammenhanglose Ausreden zu erfinden, warum sie zu ihm ins Bett geschlichen war.
In Wahrheit wusste sie nicht, wie sie ihm hätte erklären können, dass sie es Hermine übel nahm, dass sie sich von ihrer Freundin nicht genügend unterstützt fühlte. Obwohl sie eigentlich von ihnen unterstützt wurde. Sie hatte sich nicht verstanden gefühlt, obwohl Hermine alles daran setzte, Ruby gegenüber Verständnis entgegen zu bringen.
Sie konnte nicht glauben, dass sie zu einem schlechten Menschen geworden war. Oder schon immer gewesen ist.
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Als Draco zusammen mit Theo nichtsahnend das Gewächshaus verließ, blieb er wie angewurzelt stehen, nachdem er Pansy vor dem Schlosseingang warten sah. Sie trug einen viel zu dünnen Umhang für die gegenwärtigen Wetterverhältnisse und fror offenkundig, da sie die Arme um ihren Oberkörper geschlungen hatte.
Theo sah ihn stirnrunzelnd an.
„Was will sie denn hier?", konnte es sich Draco nicht verkneifen.
„Pansy?", fragte Theo nach, während die übrigen Schüler einen Bogen um sie machen mussten, weil sie mitten im Gang standen. „Ich will mich nicht mit meiner Vermutung zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich gehe stark davon aus, dass sie auf dich wartet."
„Ja, ach", knurrte er bloß.
„Sie hat dich schon gesehen", merkte Theo schulterzuckend an. „Vielleicht gehst du mal zu ihr rüber und fragst einfach mal?"
Draco holte ungeduldig Luft und bewegte sich vorwärts, wobei ihm sein Klassenkamerad schweigend folgte. Während sie ihr immer näher kamen, konnte er bereits anhand von Pansys Gesichtsausdruck erahnen, dass sie nicht mit friedlichen Absichten hergekommen war. Er hatte aber im Grunde gewusst, dass sie ihn für sein jüngstes Missverhalten bestrafen wollen würde. Pansy würde niemals grundlos im Schloss herumwandern. Niemals ohne Begleitung. Das war ihr in ihrer einfach gestrickten Welt zu peinlich.
„Hallo", war tatsächlich Theo derjenige, der sie zuerst begrüßte, obwohl Draco bislang beobachten konnte, dass er einen großen Bogen um Pansy zu machen versuchte.
„Ja, hi", entgegnete sie kühl und sie wandte sich sofort von ihm ab.
„Na gut, ich gehe dann weiter", erwähnte Theo Draco gegenüber, der ihm bloß zunickte. Im Unterricht hatte er bereits angekündigt, dass er in die Bibliothek gehen wollte, weshalb sich Draco ursprünglich geärgert hatte. Er hatte ebenfalls vorgehabt, dort nach ein paar weniger wohlgesinnten Bücherinhalten Ausschau zu halten, was er unter gar keinen Umständen Theo wissen lassen wollte.
Pansy sah ausgerechnet ihn erwartungsvoll an.
„Was machst du denn hier?", fragte er, nachdem Theo gegangen war.
„Ich habe auf dich gewartet. Ich wusste, dass du noch Unterricht hast", antwortete sie mit einem selbstzufriedenen Lächeln.
„Und warum?", erwiderte er bloß und sein Atem verwandelte sich in der eisigen Luft in eine weiße Nebelwolke.
Sie sah ihn einen Tick zu ungläubig an. „Warum soll es so unrealistisch sein, dass ich dich vom Unterricht abholen möchte, um etwas Zeit mit dir zu verbringen? Ist daran etwas verkehrt?"
Ihre hinzugefügte Frage verunsicherte ihn ein wenig. Diesmal, da war er sich sicher, würde sie ihn nicht einfach so davonkommen lassen. Ihre deutlich ruhige Präsenz verriet ihm, dass dieses Gespräch ein unangenehmes Thema annehmen würde. Ihm war noch nie bewusst geworden, wie selten seine herrschsüchtige Freundin diese Ruhe und Gefasstheit ausstrahlte.
„Du schweigst", sprach sie ihre Beobachtung aus. „Heißt das, dass du keine Zeit mit mir verbringen möchtest?"
„Doch. Doch, natürlich", setzte er sich dazu herab, ihr auf diese, seiner Meinung nach, unverschämte Frage zu antworten, wobei es ihn überraschte, wie unbehaglich er sich dabei tatsächlich fühlte.
Seine Erkenntnis am Vorabend erleichterte den Gesprächsverlauf kein bisschen. Ganz im Gegenteil. Er konnte ihr nicht wirklich in die Augen sehen.
„Sollen wir lieber reingehen?", fragte er deshalb. „Ich sehe, dass du frierst."
„Was macht das schon?", stellte sie die Gegenfrage und rührte sich nicht. „Es wäre befriedigender, wenn du ausnahmsweise mal in Bezug auf meine Gefühle Rücksicht nehmen würdest, Draco. "
Sie lächelte wieder, was deutlich erzwungen war. Das wusste Draco. Pansy lächelte nicht oft. Erst recht nicht, wenn sie ein solches Gespräch führten.
„Willst du jetzt rein oder ni-", kam es knurrend von ihm, weil er selbst zu zittern anfing, doch sie brach ihm das Wort ab.
„Du machst alles nur noch komplizierter, Draco", warf sie ihm ohne Weiteres vor. „Warum kannst du mir gegenüber einfach nicht ehrlich sein?"
Er merkte, wie er seine Augen voller Unglauben aufriss. Das Gespräch jagte ihm Angst ein. Um Zeit zu schinden, leckte er sich über seine eiskalten Lippen.
„Warum sagst du mir nicht, was du willst und dann hat sich die Sache erledigt", schlug er stattdessen vor, weil er sich nicht auf das einlassen wollte, was sie anzudeuten versuchte.
Pansy glättete sich mit den zitterten Händen das Haar und räusperte sich. Wahrscheinlich hatte er sie mit seiner Aussage verletzt.
„Gut, ich mache es kurz und schmerzlos", kam es distanziert von ihr und plötzlich ging sie erneut zu ihrem pansyhaften Tonfall über, mit dem Draco besser umgehen konnte. Er sah sie an. „Die Leute reden schon, Draco. Ich dachte, dass ich diejenige sein sollte, die es dir sagt."
Er schüttelte überrascht mit dem Kopf. Bei dem Gesagten handelte es sich unbeirrbar um einen Themenwechsel, wobei das Eine mit dem Anderen nicht miteinander zu passen schien.
„Aha", sagte er deshalb langsam. „Und was meinst du speziell damit?"
„Sie reden über dich", sagte sie und kniff angestrengt ihre Augen zusammen, „und über deinen Vater."
„Was sagen sie?", fragte er und wunderte sich selbst darüber, dass es ihm gleichgültig war. Er konnte sich lebhaft vorstellen, was hinter seinem Rücken über ihn gesagt wurde.
„Naja, dass – Sie sagen eben solche Sachen wie -" Sie suchte nach geeigneten Worten. Dann holte sie tief Luft und schien sich damit mobilisieren zu wollen. „Sie zweifeln die Ehre deiner Familie an."
„Wer genau?", versuchte er sich so kurz wie möglich zu fassen, weil er ihr ansehen konnte, dass es ihr unangenehm war.
„Mulciber und – naja, praktisch die ganze siebte Jahrgangsstufe. Crabbe und Goyle sollen wohl dabei gewesen sein, als das Gespräch über dich stattgefunden hat. Es war gestern in irgendeiner Freistunde. Daphne hat es mitbekommen. Sie haben … Draco, sie haben gelacht."
Die Information, dass jemand über ihn gelacht hatte, kostete sie die größte Überwindung. Er öffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass sie sich deshalb keine Sorgen zu machen hatte, doch sie kam ihm abermals zuvor.
„Warum regst du dich nicht darüber auf?", kam es vorwurfsvoll von ihr. „Das ist doch schrecklich. Hörst du mir mal wieder nicht zu?"
Draco ballte seine Hände zu Fäusten. „Doch, das tue ich. Es überrascht mich nur, wie sehr es dich beschäftigt. Was hast du denn erwartet, Pansy? Mein Vater wurde verhaftet. Was genaudachtest du, werden die anderen Leute über mich denken?"
„Ich habe nicht angenommen, dass die Slytherins diejenigen sein werden -"
„Oh doch, Pansy", lachte er freudlos auf. „Genau die haben den größten Spaß dabei. Was hätten wir gemacht, wenn es jemand anderes gewesen wäre? Wir beide wären die Ersten gewesen, die sich darüber lustig gemacht hätten. Oder etwa nicht?"
„Aber – aber sie stellen das völlig anders dar, als es wirklich ist!", brach es verständnislos aus ihr heraus. „Dein Vater hat seine Pflicht getan. Als die Lestranges verhaftet wurden -"
„- haben sie dabei gewusst, was bei ihnen auf dem Spiel stand. Für die Lestranges war es in Wahrheit eine Wahl gewesen. Sie sind voller Stolz gewesen, als sie verurteilt worden sind. Das sieht jemand wie Mulciber anders."
„Wie kann es Mulciber anders sehen?", schleuderte sie ihm vorwurfsvoll entgegen, als sei er derjenige gewesen, der die schändlichen Verleumdungen auf die Welt gesetzt hatte. „Sein Vater hat im Ministerium gearbeitet. Als ehemaliger Todesser! Wie kann er es also wagen, deinen Vater zu diskreditieren? Wie kann er dir unterstellen, das nächste potenzielle Schoßhündchen Dumbledores zu werden? Wie kommt er bloß drauf?"
Das war tatsächlich auch für ihn überraschend. Dumbledores Schoßhündchen?
„Das ist schrecklich", sagte sie erneut, um die unglücklichen Umstände hervorzuheben.
„Das hättest du doch kommen sehen müssen", erwiderte er angespannt. „Deine Eltern waren auch nicht damit zufrieden gewesen, als sie davon gehört haben, was mit meinem Vater passiert ist."
„Meine Eltern haben ein Recht darauf, sich Sorgen zu machen!", warf sie spitz zurück.
„Ich habe auch nicht gesagt -"
„Ich habe ihnen versichert, dass dein Vater bald zurückkommen würde. Dass es nichts ändern würde", sprach sie wie im Fieber auf ihn ein. „Ich habe ja gewusst, welche Verantwortung ich mir dabei auftrage. Ich habe mir ihnen gegenüber verdammt viel erlaubt, Draco. Ich habe im Gegensatz zu dir deutlich mehr riskiert, um mit dir zusammen sein zu dürfen!"
Sie war dazu übergegangen, ihn anzuschreien. Er konnte es sich nicht verkneifen, mit den Augen zu rollen. „Ich habe dich nicht darum gebeten, oder?"
Ihre Augen weiteten sich vor Entrüstung. „Darum brauchst du mich auch gar nicht zu bitten! Das war selbstverständlich für mich! Für mich, Draco. Niemand versteht, warum ich zu dir stehe. Kein Mädchen wäre bereit gewesen, sich diese Bürde aufzuerlegen."
„Was soll das jetzt? Willst du, dass ich auf die Knie gehe? Oder -" Er zuckte mit der Schulter. „- willst du nur ein 'Danke' hören? Ich wusste, dass die ein oder andere Ratte reden würde. Dukommst damit nicht zurecht. Du denkst nicht daran, dass es sich manchmal vielleicht lohnen könnte – wie sagtest du das nochmal? - diese Bürde zu tragen. Ich versichere dir, dass es sich für mich lohnen wird, Pansy. Eines Tages wird alles an seinem rechten Platz zurückkehren. Und ich werde davon profitieren."
Ihre Augen funkelten, als sie einen geeigneten Ballpass gewittert hatte. „Du wirst davon profitieren. Mich nimmst du dabei gar nicht erst in Betracht?"
Draco nahm einen tiefen kalten Atemzug. Er ließ seine Fäuste in seinen Hosentaschen verschwinden. „Pansy, ich weiß, dass ich zurzeit wirklich in einer dummen Situation stecke."
„Nicht nur du, Draco. Nicht nur du", versicherte sie ihm verbittert.
Die beiden schwiegen eine Weile, während sie sich nicht in die Augen sehen konnten. Er wusste, was sie von ihm erwartete. Er war sich aber sicher, dass er dem nicht gewachsen war. Nicht in der derzeitigen Situation jedenfalls. Vielleicht niemals mit ihr.
Irgendwann hob sie ihr Kinn an und ihre vor Kälte gerötete Nase erinnerte ihn an das eine Mal, als sie wegen ihm geweint hatte. Ihr Verhalten hatte ihn damals zutiefst überfordert und er war auch am Ende mehr als genervt von ihrer schluchzenden Stimme gewesen. Und ja, sie hatte ihm auch ein wenig leid getan. Er hatte sich damals auf alles eingelassen, was sie von ihm gefordert hatte. Was auch richtig gewesen war. Damals.
„Gestern -", fing sie angestrengt an und sein Magen zog sich vor Scham zusammen. „- hast du dich mir gegenüber widerwärtig verhalten."
„Ich weiß", sagte er bloß und für seine Verhältnisse kleinlaut.
„Ich habe mich sowieso schon so bemitleidenswert gefühlt und du bist dann einfach gegangen. Das tust du immer so. Ich mag das nicht, wenn du immer abhaust. Ich werde es mir auch nicht mehr gefallen lassen. Nicht nach so vielen Jahren der treuen Freundschaft. Nicht, nachdem ich mich dazu bereit erklärt habe, zu dir zu stehen. Ich habe mich nicht grundlos für dich entschieden. Weder heute noch damals." Sie sah ihn für seinen Geschmack zu eindringlich an. „Ich will dich. Das habe ich schon immer."
Er spürte, dass er dazu etwas erwidern sollte. Dass er ihr das Gefühl geben musste, dass ihre Worte nicht unbedeutend waren. Aber er konnte sich nicht dazu überwinden, auch nur eine einzige Silbe herauszubekommen.
„Ich habe gelesen, dass Jungs nun mal nach einer Zeit das sexuelle Interesse verlieren könnten -"
„Pansy!"
„- und Probleme haben könnten, wenn sie – wenn sie, naja, du weißt schon. Wegen gestern."
„Hör auf!", fuhr er sie an.
„Ich habe nur nicht gedacht, dass es bei uns so früh passieren könnte."
„Das hatte rein gar nichts mit dir zu tun. Verstanden?", musste er klarstellen. „Das kann einem Jungen immer passieren. Ich habe Stress. Da kann es nun mal vorkommen -"
„Die anderen sagen, dass sie dich ein paar Mal im Raum der Wünsche gesehen haben", sagte sie schließlich wie in einer Trance.
Auch wenn es ihn beunruhigte, dass ihn jemand beobachtet haben könnte, ärgerte es ihn am meisten, was sie ihm unterstellen wollte.
„Dann hat Crabbe wohl den Witz gemacht, dass du dir eine Blutsverräterin angelacht hättest."
„Entschuldige, Pansy. Aber das glaubst du ihm?", brach es verwirrt aus ihm heraus.
„Nein", kam es mit einem deutlichen Nachdruck von ihr. „Aber dann ist mir aufgefallen, dass du kaum noch in den Kerkern vorzufinden bist. Dass du ständig unterwegs bist. Ich frage mich nur -"
„Was?"
„- was du vorhast."
„Ich halte mich von den verräterischen Laberbacken fern und versuche, das Schuljahr zu überstehen. Das habe ich vor."
Pansy wirkte plötzlich wie ausgewechselt. „Und das ist vielleicht der Fehler", plapperte sie drauf los. „Wenn du wieder präsenter wärst und an unseren Aktivitäten teilnehmen würdest, dann würden die anderen schnell wieder merken, dass sich nichts verändert hat. So sehr ich Blaise auch gerne habe, Draco, so muss ich aber leider auch sagen, dass er dir angesichts der Vorwürfe mehr schaden kann als du glaubst. Und Theo – na, sieh ihn dir doch einfach mal an. Ich erwarte ja nicht viel von ihm, weil er seinen Vater verlassen hat -"
„Gut, das reicht", brach er ihr ausdruckslos das Wort ab. „Ich brauche keine Ratschläge, wie ich meinen Ruf aufzupolieren habe. Die Eule ist schon losgeflogen. Und im Übrigen sind Blaise und Theo zurzeit die einzigen Leute, mit denen ich mich anständig unterhalten kann, ohne dabei schief angeguckt zu werden."
„Du hast noch mich!", erinnerte sie ihn wütend daran.
„Toll", sagte er sarkastisch. „Wir unterhalten uns seit mehreren Minuten über deinen Ärger darüber, dass ich nicht mehr der ehrenwerte Draco Malfoy bin, mit dem du zusammengekommen bist. Auf diese Gesellschaft kann ich verzichten."
„Ich bin fassungslos, wie undankbar du bist", schnaubte sie wütend, während ihre Nasenflügeln dabei kurz aufflackerten und Draco fand, dass sie plötzlich nicht mehr die hübsche und kontrollierte Pansy war, die sie zu sein pflegte. Ihre Stimme schien aus dem tiefsten Innern ihrer aufgestauten Wut herausgebrochen zu sein. „Undankbar, das sage ich dir. Niemand hätte dir noch die Treue geschworen. Das musst du doch auch langsam mal erkennen, oder? Es reicht mir langsam. Es reicht!"
„Beruhige dich mal", murmelte er erneut verunsichert.
„Nein, ich habe dir zu viel durchgehen lassen -"
„Wie bitte?"
„- und ich muss endlich eine Grenze setzen. Dein unsoziales Verhalten muss sich ändern. Das habe ich nicht verdient."
Er hätte beinahe gelacht. Sie dachte wahrscheinlich, dass er mit einem netten Pläuschen im Gemeinschaftsraum wieder gesellschaftsfähig werden könnte. Das wollte sie lediglich. Dass sie mit einem beliebten Slytherin zusammenbleiben konnte. Das liebte sie.
„Du hast ein merkwürdiges Bild von einer Beziehung, Pansy", sagte er schließlich und klang dabei verbitterter denn je. Allmählich fühlte er sich jedoch darin bestätigt, das durchzuziehen, was ihm seit Tagen durch den Kopf ging. Obwohl er sich vor den Konsequenzen fürchtete.
„Ich habe kein merkwürdiges und auch kein falsches Bild von einer Beziehung. Es geht darum, dass man sich überhaupt die Mühe gibt und dass man auf eine Zukunft hinarbeitet. Und ich fühle zurzeit nicht, dass ich dir damit wichtig genug bin", erwiderte sie und ihre Stimme zitterte dabei leicht. „Es ist ganz einfach, Draco. Vergiss deinen falschen Stolz und sei präsenter. Mehr erwarte ich nicht. Du erhoffst dir dadurch ein Wunder, wenn du glaubst, dass sich dein jetziges Verhalten für dich auszahlen würde. Das wird nicht passieren. Das lohnt sich weder für dich noch für mich. Vergiss es also einfach. Beweis stattdessen mir, dass es sich lohnt, dass wir zusammenbleiben. Alles andere kann warten. Ich kann mit allen anderen Wünschen warten." Sie holte tief Luft und schüttelte mit dem Kopf. „Ich will, dass wir beide einfach glücklich sind. Ich will aber nicht warten und hoffen, um dann am Ende festzustellen, dass du die ganze Zeit sowieso gedacht hast, dass sich die Mühe nicht gelohnt hat. Ich will einfach nur einen Beweis deiner Bemühungen."
Für Dracos Geschmack dauerte das Gespräch deutlich zu lange. Er hätte es bereits abbrechen müssen, nachdem sie beim ersten Mal treffend festgestellt hatte, dass er sie in seiner Zukunftsplanung nicht berücksichtigte. Er hätte ihr deutlicher machen sollen, dass sie ihn nicht missverstanden hatte. Sie hatte nun die Möglichkeit gehabt, ihre Erwartungen freiheraus auszuformulieren, ohne Draco klar machen zu können, worum es ihr letztendlich ging. Er holte tief Luft und stellte fest, dass es auch ihm dabei half, sich für das Folgende zu mobilisieren. Und die Lösung war ganz einfach.
Einfach. Sie benutzte das Wort so häufig.
„Du solltest mit jemandem zusammen sein, der dich liebt", sagte er endlich.
Die nächsten Sekunden waren für ihn qualvoll. Sie begriff es nicht.
Pansy wich dennoch seinem Blick aus. Es war kein Geheimnis für sie, dass er sie nicht auf diese Weise liebte, wie sie es gerne hätte. „Ich rede ja nicht davon, dass du mir jetzt schon einen Heiratsantrag machen sollst."
„Ein Heiratsantrag wäre auch für meine Verhältnisse zu grausam gewesen", sagte er schulterzuckend. „Der Zeitpunkt spielt dabei keine Rolle, Pansy. Das wäre dir gegenüber nicht fair."
Sie sah erschrocken zu ihm auf. „Wie soll ich das denn jetzt verstehen?"
„Du willst, dass sich etwas ändert? Dass wir einen Schlussstrich ziehen?", kam es ruhig von ihm und er sah ihr an, dass sie sich gegen diese Worte zu wappnen versuchte. „Du bist nicht nur hergekommen, um mich zu belehren. Nein. Du hast gewusst, worauf das hätte hinauslaufen können. Ich habe nicht vor, mein jetziges Verhalten zu ändern. Es wäre vielleicht anders, wenn es diese bestimmte Motivation dazu gäbe. Aber ich kann leider auch nichts daran ändern, dass ich deine Liebe nicht erwidern kann. Ist das wirklich für dich in Ordnung, Pansy? Vor allem jetzt, nachdem meine Familie eine Ehrverletzung erlitten hat? Ich glaube eher nicht."
„Aber es kann sich doch noch so vieles ändern", sagte sie wieder zuversichtlich.
„Eher nicht."
„Das kannst du doch jetzt nicht wissen, o-"
„Dann muss ich mich korrigieren", brach er ihr das Wort ab und er verfluchte sich dafür, dass er es beim ersten Anlauf nicht hinbekam, klare Worte zu finden. „Du sollst nicht nur mit jemandem zusammen sein, der dich liebt, sondern auch lieben wird."
„Draco -"
„Darauf läuft es jetzt hinaus, Pansy. Ich kann dir nicht das versprechen, was du dir wünschst und du bist auf dieses Versprechen angewiesen, um deinen möglichen Ehrverlust ertragen zu können. Du willst eine Gegenleistung, die ich dir nicht erbringen kann und, es tut mir leid, will." Er schüttelte mit dem Kopf. „Was ist also deiner Meinung nach jetzt die richtige Vorgehensweise? Du hast es in Betracht gezogen. Richtig? Sonst wärst du nicht gekommen."
Sie konnte ihn abermals nicht ansehen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Draco wusste, dass sie nicht vor ihm weinen würde und doch war ihm die Vorstellung unangenehm, dass sie es tun würde, wenn sie erstmal alleine sein konnte.
„So habe ich mir das nicht vorgestellt", sagte sie leise und blickte in die Ferne.
Draco auch nicht. „Es tut mir -"
„Hör auf", brach sie ihm knurrend das Wort ab.
Er stand vor ihr und konnte sich nicht rühren. Aus unerklärlichen Gründen schien er hauptsächlich erleichtert darüber zu sein, dass sie nicht weinte oder schrie, obwohl er besorgt darüber sein sollte, welche weiteren Verleumdungen auf ihn warteten, wenn er sich von Pansy trennte. Oder wie seine Mutter darauf reagieren würde. Oder wie es wenigstens um die Freundschaft zwischen Pansy und ihm stand und ob das überhaupt noch möglich war. Auf der anderen Seite befürchtete er, dass er sich nicht klar genug ausgedrückt hatte und sie möglicherweise nicht verstanden haben könnte, dass es vorbei war.
Dann schluchzte Pansy kurz auf und sie wischte hastig eine Träne weg. „Merlin, was sage ich bloß den anderen."
Offenbar ihr größtes Problem.
„Wir müssen es ja nicht sofort in die Welt setzen, oder?", schlug er schulterzuckend vor.
„Und Daphne?", fragte sie erschrocken.
„Sag ihr doch, was du willst", kam es doch noch ungeduldig von ihm.
Sie holte tief Luft. „So habe ich mir das nicht vorgestellt", sagte sie abermals.
Draco konnte seine Füße inzwischen nicht mehr spüren. „Sollen wir vielleicht zum Gemeinschaftsraum -"
„Nein", lehnte sie verbittert ab. „Geh du mal. Ich bleibe noch ein wenig hier."
Er sah, dass sie zitterte. „Sicher?"
Sie schloss wütend die Augen. „Ich wäre jetzt wirklich froh, wenn du gehen würdest. Auf deine Gesellschaft kann ich ab jetzt wohl verzichten."
„Gut", sagte er bloß und ging unbeirrt an ihr vorbei, um endlich ins Warme zu gelangen. Er hatte das Gefühl, dass er humpelte, weil ihn seine vor Kälte schweren Füße nicht tragen konnten. Als sich die massive Tür hinter ihm schloss, empfand er keine Erleichterung. Im Schloss war es keineswegs wärmer. Seine Flucht kam ihm mehr als surreal vor. Es waren nicht seine Füße, die ihn von ihr wegtrugen. Er konnte sie ja nicht spüren. Er spürte nichts.
Pansy wäre vielleicht seine Chance gewesen. Aber er hatte sie vor dem Schlosseingang in der Eiskälte stehen gelassen.
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Sie konnte das nicht wahrhaben. Ihre Hand zitterte vor Fassungslosigkeit und bevor sie sich selbst ermahnen konnte, holte sie aus und der Raum wurde mit dem Klang einer Ohrfeige erfüllt.
Es folgte eine kaum überhörbare Stille, die den Rahmen jeglicher Form der Anspannung sprengte. Langsam bewegte sich Malfoys Gesicht in ihre Richtung.
