A/N: Sorry für die lange Wartezeit. Zum einen war ich viel mit anderen Dingen beschäftigt, und zum anderen hat sich Professor Snape mit Händen und Füßen dagegen gewehrt geschrieben zu werden ;-) Allein die Frage, ob sich McGonagall und er nun duzen oder siezen hat mich Stunden gekostet! Und im Grunde weiß ich es noch immer nicht...

Wie immer vielen Dank an alle Reviewschreiber!

Baba: Freut mich das es dir gefällt :-) Sorry, dass mit dem 'schnell weiterschreiben' hat leider nicht so geklappt...

Disclaimer: siehe Prolog


8. Kapitel:

Der Halbwahrheit Krux


Der Klang energischer Schritte hallte durch den Krankenflügel und mit lauten Krachen flogen die großen Flügeltüren auf.

„Severus Snape ich weiß das du wach bist! Also öffne endlich die Augen und rede mit mir!" Tief ein und ausatmend, die Hände zu Fäusten geballt, versuchte Minerva McGonagall sich zu beruhigen.

Ein funkelnder Blick aus schwarzen Augen und spöttisch verzogene Mundwinkel zeigten ihr, dass ihr Ausbruch genau die Reaktion gewesen war, die von ihr erwartet worden war.

Slytherins ehemaliger Hauslehrer gab, umgeben von weißer Bettwäsche und gekleidet in ein weißes Krankenflügel-Nachthemd, ein höchst ungewöhnliches Bild ab.

Wie er es schaffte selbst in dieser Situation und immer noch bleich wie ein Gespenst, wie Minerva besorgt feststellte, einschüchternd zu wirken war ihr ein Rätsel.

Minerva starrte finster zurück: „Seit Tagen gehst du uns nun mit deiner düsteren Apathie auf den Geist! Kein Wunder das Poppy mehr Zeit in St. Mungos als hier oben verbringt!" Entschlossen verschränkte sie die Arme. Sie kannte ihn seit er ein kleiner Junge war, und bei Godric Gryffindors Spitzenunterhosen, sie wollte verdammt sein, wenn sie ihn nicht zum Reden brachte!

„Severus! Ich warte!"

Es fühlte sich an, als würde sie gegen eine Mauer anrennen.

Seit er von jung Mr. Potters Überleben und Triumph über Du-weißt-schon-wem gehört hatte verbarrikadierte er sich hinter gleichgültigem und mehr als unhöflichem Benehmen. Nicht das dies etwas neues wäre, dachte sie, missbilligend die Lippen schürzend. Doch zu alledem lies er nun niemanden mehr an sich heran und schien sich immer mehr abzuschotten.

Wenn er doch nur seine Sorgen mit irgendjemandem teilen würde! Aus was für Gründen auch immer, schien er zu befürchten, dass die Gefahr von Du-weißt-schon-wem noch nicht vorbei war. So weit sie seine kryptischen Äußerungen verstanden hatte hing alles mit etwas zusammen das Albus Severus kurz vor seinem Tod mitgeteilt hatte. Was für eine Rolle Mr. Potter dabei spielte war ihr allerdings immer noch unklar.

Das einzige das Severus zu enthüllen bereit gewesen war, war dass er glaubte, dass ein Teil des Unnennbaren mit Mr. Potters Hilfe weiterlebte. Minerva hatte es weit von sich gewiesen, dass Harry irgendetwas in der Art tun würde, doch Severus hatte darauf bestanden, dass 'dieser törichter Dummkopf' sich der Gefahr bewusst sein musste und hatte sich geweigert über Potter auch nur zu reden, geschweige denn ihn zu sehen.

Auch wenn sie es nicht hatte glauben wollen, kannte sie Severus doch lange genug um seine Warnung ernst genug zu nehmen und umgehend Kingsley zu informieren. Nun hatte dieser sich soeben für heute Nachmittag angekündigt und sie war sich fast sicher, dass er mehr wissen wollte.

Bisher hatte sie ihm, auf Severus Bitten hin, verschwiegen von woher ihre Informationen kamen. Doch sie würde nicht lügen, nur um Severus unberechenbare Launen zu befriedigen!

Sie sah ihn scharf über den Rand ihrer Brillengläser an: „Kingsley ist auf dem Weg hierher - "

Ein kurzes Blinzeln war das einzige Zeichen, dass er sie gehört hatte. Es brachte sie zur Weißglut! Dieser unverbesserliche Mann! Mit einem Mal konnte sie sich nicht mehr zurückhalten: „ - und ich erwarte ein Benehmen das eines erwachsenen Mannes würdig ist! Jeder dahergekommene Troll ist zivilisierter!"

Ein sardonisches Lächeln spielte um Severus Mundwinkel und sie hielt für einen Moment die Luft an. Hatte sie es geschafft? Würde er...

„Was? Kein gelangweiltes Nasenbohren, rülpsen oder pupsen während des Gesprächs?" Das raue Krächzen war weit entfernt von der gewohnt geschmeidigen Stimme.

„Severus!", Minerva gab sich Mühe ungehalten zu wirken, doch gedanklich quietschte sie in Frohlocken. Sie hatte es geschafft!

Er ignorierte sie: „Und wenn ich mich im Schritt kratzen möchte muss ich das heimlich unter der Bettdecke tun? Wie lästig!"

„Ich meine es ernst, Severus!" Wie gut das sie kein junges Mädchen mehr wahr, oder sie wäre mit Sicherheit errötet!

Ein scheinbar argloser Blick traf sie: „Ich auch!" Seine Augen glitzerten in unmissverständlicher Herausforderung.

Mit Mühe zwang sie sich zur Ruhe: „Bitte! Tu es einfach!"

Eine Augenbraue hob sich: „Ich soll mich unter der Bettdecke kratzen? Mir war gar nicht bewusst das unser neuer Minister in diese Richtung schwingt!"

Sie schaffte es gerade noch ein höchst würdeloses Geräusch zu unterdrücken. Merlin! Dieser Mann würde sie noch einmal ins Grab bringen!

Erschöpft schloss sie für einen Moment die Augen: „Du weißt genau was ich meine! Alles was ich von dir verlange ist, dass du ein Minimal an gutem Benehmen zusammenkratzt und dich mit mehr als finsteren Blicken an unserem Gespräch beteiligst!"

Severus konnte gerade noch ein, mehr und mehr chronisch werdendes, Augenrollen unterdrücken. Für wie alt hielt sie ihn?

„Ich bin durchaus in der Lage mich, in einer der Situation angemessenen Form, zu verhalten."

„Die letzten Tage hätten mich täuschen können!" Ihr süffisanter Tonfall irritierte ihn und veranlasste ihn erneut zu kontern:

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst! Bitte kläre mich auf: Welche meiner geselligen Gewohnheiten hat dich zu der irrigen Annahme verleitet, dass ich ich mit Freuden rund um die Uhr von einem Paar alter Jungfern bemuttert werde?"

Mit Genugtuung beobachtete Severus wie seine alte Professorin und langjährige Kollegin bei dem Wort 'Jungfer' entrüstet aufschnaubte. Zum ersten mal seitdem er im Krankenflügel aufgewacht war fühlte er sich wahrhaft lebendig und erfrischt. Gryffindors durch kleine Sticheleien zu reizen hatte schon immer diesen Effekt auf ihn gehabt! Die Bewohner des Löwenhauses waren so leicht zu manipulieren. Es war eine ihrer wenigen wirklich nützlichen Eigenschaften, und Severus liebster Zeitvertreib...

„Hüte deine Zunge, junger Mann!" Minervas Augen verengten sich zu Schlitzen: „Ich mag zwar alt genug sein um deine Großmutter zu sein, aber dennoch bin ich durchaus noch in der Lage es mit dir aufzunehmen!"

Sieh an, die Katze reckt und streckt sich und schärft ihre Krallen...Severus feixte innerlich

„Ich zittere in Angst und Schrecken", ein flehender Blick an die gewölbte Decke gerichtet: „Oh helfet mir! Meine Tage sind gezählt."

Der trockene Tonfall verfehlte nicht seine Wirkung.

„Sehr witzig, Severus!"

Mit zusammengepressten Lippen beobachtete Minerva wie der Zaubertränkemeister sich zufrieden zurücklehnte. Seine Stimme troff geradezu vor Ironie und sie hätte schwören können, dass für einen Moment ein selbstgefälliges Lächeln um seine Lippen spielte. Sie würde diese verbalen Machtspielchen nie ganz verstehen. Slytherins! Warum noch einmal hatte sie ihn eigentlich am Leben halten wollen?

Wie waren sie überhaupt zu diesem Thema gekommen? Alles was sie hatte tun wollen, war ihn über Kingsleys bevorstehenden Besuch zu informieren und ihn zum re... oh! Das war es also!

Sie stemmte die Hände in die Hüften: „Glaube ja nicht das du mich mit ein paar Beleidigungen ablenken kannst! Ich weiß genau was du vor hast, Severus, und ich werde es nicht zulassen! Du kannst dich nicht ewig vor der Welt verkriechen!"

Eine unangenehme Stille trat ein.

„Sie wollten mit mir sprechen, Schulleiterin?", ein kühler Blick traf sie und Minerva konnte geradezu spüren wie er sich innerlich von ihr zurückzog. Dieser Sturkopf! Genau das hatte sie verhindern wollen!

Seufzend ließ sie sich auf seiner Bettkante nieder, was ihr einen weiteren finsteren Blick einbrachte.

„Severus! Bitte. Du bist hier zu Hause! Wir sind deine Freunde!" Aus Erfahrung wusste sie, dass es sinnlos war im Moment auf einer informellen Anrede zu bestehen. Selbst ein Granitblock war leichter zu bearbeiten!

Freunde! Nur mit Mühe konnte Severus die aufsteigende Bitterkeit unterdrücken, der Anflug guter Laune augenblicklich verflogen: „Und doch war mein Willkommen in diesen Hallen alles andere als freundlich!"

„Severus - "

„In der Tat wurde ich vor wenigen Tagen geradezu hinausGEJAGT!" Das laute Krächzen seiner Stimme ließ selbst Severus zusammenzucken. Nicht zum ersten Mal verfluchte er den Dunklen Lord. Warum hatte ER es nicht mit einem sauberen Todesfluch zu Ende bringen können? Poppy war zwar zuversichtlich, dass seine angegriffenen Stimmbänder sich nach einiger Zeit wieder von dem Schlangengift erholen würden, doch was dann?

„Und hätte ich gewusst wie schlecht gelaunt du die meiste Zeit sein würdest, dann hätte ich sichergestellt das es für immer gewesen wäre!", fauchte Minerva zurück.

Wütend funkelte er sie an: „Ich habe nicht darum gebeten für die Dementoren wieder aufgepäppelt zu werden! … Hier, noch ein Todesser-Leckerbissen! Nicht so hastig, nicht so hastig! Es sind genug Seelen für alle da!" Der Sarkasmus war genug um Minerva zum Zusammenzucken zu bringen.

„Wann wird es endlich in deinen unendlich großen Dickschädel hineingehen, dass wir auf deiner Seite sind? Kingsley wird dich nicht nach Askaban bringen lassen! Wie oft soll ich dir das noch versichern?"

Musste er es ihr buchstabieren? Verdammte Hexe!

„ICH HABE DUMBLEDORE GETÖTET!" Die gekrächzten Worte hallten unnatürlich laut in seinen Gedanken wieder. Immer wieder und wieder. Selbst nach so langer Zeit war es fast unerträglich sie zu denken, geschweige denn laut auszusprechen.

„Du meine Güte, Severus, das wissen wir doch längst!" Minerva klang erschöpft: „Ebenso wie den Grund dafür! Wir haben Albus Denkarium und Mr. Potter wird für dich aussagen falls nötig."

Minerva unterdrückte einen weiteren Seufzer. Seit Tagen diskutierten sie nun schon über dieses Thema. Manchmal fragte sie sich ob er überhaupt frei sein wollte!

Verdammter Sturkopf!

#################

Im Grimmauldplatz Nr. 9, London, wurde Mrs. Black unsanft aus ihrem Schlummer gerissen. Laute Stimmen wehten in die Eingangshalle. Wer immer es war schien nicht nur wütend, sondern auch entschlossen zu sein, dies auf vulgäre Art in die Welt hinauszuschreien! Missbilligend rümpfte sie die Nase. Wie unzivilisiert! Diese Halbblüter und Blutsverräter hatten aber auch gar kein Benehmen! Stirnrunzelnd lauschte sie wieder in die Dunkelheit.

„Ich hasse diese Frau!", wütend schmiss Harry den Tagespropheten in das auflodernde Kaminfeuer und beobachtete wie die Flammen Dumbledores Antlitz für kurze Zeit in eine verzerrte Maske verwandelten, bevor es gänzlich zu Asche zerfiel.

In einer groß angelegten Werbeaktion für ihr Buch „Leben und Lügen des Albus Dumbledore" hatte Rita Kimmkorn nun Harrys Aussagen über seinen früheren Schulleiter aufs Korn genommen. Verdrehterweise nicht um Lügen zu erfinden, sondern um zu beweisen das die Fakten in ihrem Buch stimmten.

So sehr Harry im Moment auch über Professor Dumbledores Handlungen wütend war, störte es ihn doch, dass er selbst nun dazu benutzt wurde um über ihn herzuziehen!

Und das Schlimmste war, dass er Rita noch nicht einmal zur Rechenschaft ziehen konnte. Alles was sie geschrieben hatte entsprach der Wahrheit. Es war eindeutig, dass sie sich penibel an das gehalten hatte, was Harry selbst Professor McGonagall und den anderen Ordensmitgliedern erzählt hatte. Vermutlich hatte sie als Käfer mitgehört, aber selbst das konnte ihr Harry nicht beweisen. Jeder hätte ihr davon erzählen können! Es waren einfach zu viele verschiedene Personen da gewesen, und das Gespräch hatte schließlich in der Öffentlichkeit stattgefunden.

Und selbst wenn, er konnte ihr nicht verbieten die Wahrheit zu schreiben. Schon gar nicht wenn er selbst das Ganze öffentlich ansprach!

Warum im Namen von Merlins linkem Hänge... !

Spätestens nach diesem Artikel würde er Professor McGonagalls skeptische Blicke wohl noch länger ertragen müssen.

„Naja, ich versteh nicht ganz warum du dich so aufregst!", Ginny zuckte mit den Schultern: „Sie sagt praktisch das Gleiche wie du."

„EBEN! Verflucht noch mal!", Harry verstand selbst nicht ganz warum er so wütend war.

„Verflucht! Verflixt! Verdammt noch mal!" Worte reichten mit einem Mal nicht mehr aus um seine Wut einzudämmen. Am liebsten hätte er einen Teller an die Wand geschmissen. Nur Ginnys, bereits jetzt schon, besorgtes Gesicht hielt ihn davon ab. Stattdessen schnappte er sich einen von Mrs. Weasleys selbst gebackenen Keksen und stopfte ihn sich wütend in den Mund.

Hin und herwandernd versuchte er sich selbst zu beruhigen. Es gab keinen Grund sich so aufzuregen. Ginny hatte recht.

Aber irgendwie konnte er einfach nicht anders.

Alle wollten etwas von ihm. Zerrten an ihm, stellten ihn ins Rampenlicht.

Seit Voldemorts Tod hatte er keinen Moment richtig Ruhe gehabt. Manchmal wünschte er sich beinahe in das kleine Zelt irgendwo in die Wildnis zurück!

Kein Orden, der von ihm wollte dass er Dumbledore in den Augen der Öffentlichkeit rehabilitierte. Kein Ministerium, das seine Kooperation wollte. Keine Zeitungsreporter. Keine Anschuldigungen von Hinterbliebenen. Keine politischen Entscheidungen.

Damals hatte er sich nur um ein paar Greifer sorgen müssen.

Und jetzt? Eigentlich hatte mit Voldemorts Tod alles vorbei sein sollen! Doch es gab so viel, was er noch tun musste! So viel das noch bevorstand! Malfoys Verhandlung, das Problem mit dem Elderwand, Voldemorts Sezierung und der Wunsch seine Narbe zu untersuchen, und und und. Vermutlich hatte er sogar ein paar Sachen vergessen! Oh ja, und irgendwann sollte er wohl auch mit Mr. Lovegood und Gringots reden.

Wunderbar! Wirklich wunderbar!

Ginny wollte einen Freund der Zeit mit ihr verbrachte. Teddy brauchte einen Patenonkel - und die Tatsache, das seine Großmutter ihrer Schwester Bellatrix erschreckend ähnlich sah, machte die Besuche auch nicht gerade leichter! Und wenn Ron und Hermine zurückkamen würden sie mit Sicherheit erfahren wollen was er verbarg! Vorausgesetzt Hermines Eltern ging es gut und sie hatten ihr Gedächtnis wieder. Falls nicht wäre dies eine weitere Schuld die Harry auf seine Schultern laden musste.

Fantastisch! Wirklich einfach fantastisch! Großartig!

„Harry? … Harry, ich glaube du solltest dich einfach ein bisschen hinlegen und ausruhen!", zögernd kam Ginny auf ihn zu.

„ICH BIN ABER NICHT MÜDE! Ich - Mir geht es fantastisch!" Für einen Moment herrschte Stille, nur durchbrochen durch das leise Ticken der alten großen Wanduhr. Er starrte den schmalen schwarzen Zeiger an, der unbekümmert seine Runden drehte. Immer weiter wandernd, immer arbeitend, nur um doch wieder an der selben Stelle zu enden.

Unbehaglich vermied er es Ginny anzusehen. Er hatte es schon wieder getan! Er konnte seine Wut, woher auch immer sie kam, nicht einfach an ihr auslassen! Es war nur - irgendwie - einfach ein bisschen … viel. Im Moment … Mist!

Ginny stemmte die Hände in die Hüften: „Selbst in diesem Dämmerlicht kann ich deine dunklen Augenringe sehen! Und seit Stunden schon bist du absolut unleidlich! Also erzähl mir nicht das alles fantastisch ist!"

„Ginny … Es – es tut mir leid! Ich -"

„Geh eine Runde fliegen! Ruh dich aus. Mach was immer dir hilft dich zu entspannen ...", sie schnappte sich ihren Rucksack vom Sofa: „Wir treffen uns morgen wieder. Zehn Uhr? Frühstück in den Drei Besen?"

Ohne auf seine verbale Antwort zu warten wandte sie sich zur Tür und warf ihm noch einen kurzen Blick über die Schulter zu: „Und ich warne dich Potter! Falls du morgen immer noch so eine unmögliche Laune hast zeig ich dir wie sehr ich meinen Flederwichtfluch im letzten Jahr verbessert habe!"

#################

Einen Tag später und viele Meilen entfernt starrte Severus Snape, seines Zeichens Ex-Zaubertränkelehrer, Ex-Verteidungslehrer, Ex-Schulleiter und Ex-Todesser, grimmig auf auf die gewölbte Decke des Krankenflügels.

Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich alt. Er schnaubte. Genaugenommen hatte er nie damit gerechnet überhaupt so alt zu werden! Und auf perverse Art und Weise fühlte er sich vom Schicksal um seinen Frieden betrogen.

Lily!

Albus!

Sie alle waren gegangen.

Selbst Lupin.

Vor langer Zeit hatte er in den glühenden Augen des Wolfes für einen Moment seinen Tod gesehen. Manchmal bedauerte er es damals nicht gestorben zu sein, als das Leben noch so einfach schien!

Stattdessen war er nun hier. Ein nutzloses Überbleibsel der Vergangenheit... ein Diener ohne Herr, ein Mann ohne Zukunft...

Severus ballte die Hände. Er hatte es verdammt noch mal verdient sterben zu dürfen! Aber nein, Potter mit seinem Heldenkomplex konnte das ja nicht zulassen!

Mit verengten Augen und all seiner Willenskraft versuchte er das Deckengewölbe dazu zu bringen über ihm einzustürzen.

Selbstverständlich weigerte es sich.

Dabei blätterte an einigen Stellen bereits die Farbe ab und in den Ecken hingen alte Spinnweben.

Spöttisch verzog er das Gesicht. Jemand sollte Poppy wirklich auf bestehende Hygienevorschriften und allgemeine hauswirtschaftliche Fähigkeiten hinweisen! Rein unter Kollegen und auf dezente Art und Weise. Das verstand sich von selbst! Je länger er darüber nachdachte... Die vernachlässigten Krankenzimmer, die eine klare Überforderung indizierten... Und dann auch noch in Hinblick auf ihr fortgeschrittenes Alter! In der Tat war es sogar seine Pflicht! – Vielleicht sollte er ihr anraten sich einen Assistenten zu suchen!

Seine Stimmung hob sich kaum merklich, als er sich Poppys entrüstetes Gesicht vorstellte. Mit etwas Glück würde sie sich daraufhin sogar entschließen weiterhin ihre Patienten in St. Mungos zu verhätscheln und ihm seine Ruhe lassen!

Manchmal hatte er das Gefühl, dass sie und Minerva sich zu einem beunruhigend hinterhältigem Rachefeldzug gegen ihn verschworen hatten, der hauptsächlich daraus bestand ihn mit ständiger Zuwendung zu erschlagen. Abscheulich! Und höchst nervig!

Es war alles Potters Schuld!

Der-Junge-der-immer-noch-lebte-und-verdammt-noch-mal-sterben-musste! Und darin lag die Krux der ganzen Sache.

So sehr er es auch drehte und wendete, es führte kein Weg daran vorbei! Potter musste sterben.

Geisterhaft waberte Albus Stimme durch sein Gedächtnis. Eine Erinnerung, die er nicht verdrängen konnte: „Sagen Sie ihm, dass in der Nacht, als Lord Voldemort versucht hat ihn zu töten, als Lily ihr eigenes Leben wie einen Schild zwischen sie warf, dass in dieser Nacht der Todesfluch auf Lord Voldemort zurückprallte und ein Bruchstück von Voldemorts Seele vom Ganzen abgesprengt wurde und sich an die einzige lebendige Seele klammerte, die in jenem einstürzenden Gebäude noch übrig war..." (1)

Severus war nicht naiv, und schon gar nicht dumm! Auch wenn der Schulleiter es nicht ausgesprochen hatte, so war er doch genügend in den Dunklen Künsten bewandert um zu wissen was dies bedeutete.

Der Dunkle Lord und Potter waren für immer miteinander verbunden. Potter mochte zwar Du-weißt-schon-wems Körper getötet haben, doch solange er selbst lebte konnte der Dunkle Lord zurückkehren. Und das war etwas, dass Severus nicht akzeptieren konnte.

Sobald Severus im Krankenflügel aufgewacht war, hatte er sich von Poppy und Minerva den Hergang der letzten Schlacht berichten lassen.

Offensichtlich hatten die höhnischen Bemerkungen des Dunklen Lords Potter in den Wald getrieben. Was auch immer dort geschehen war, der Dunkle Lord hatte Potter nicht getötet. Irgendwie hatte es Potter geschafft zu überleben, um schließlich den Dunklen Lord, natürlich vor Publikum, selbst zu töten.

Wäre alles nach Plan verlaufen, wären an jenem Tag beide gestorben und die Seele des Dunklen Lords für immer vernichtet. Aber nein! Der-Junge-der-lebt musste ja seinem Namen alle Ehre machen! Allem Anschein nach hatte er noch nicht einmal versucht zu sterben! So viel für Mut und Tapferkeit!

Potter musste gewusst haben, was er tat. Aber in wahrer Gryffindor Manier schien er beschlossen zu haben dies zu ignorieren!

Severus hatte Potter durch seine Erinnerungen in den Tod geschickt. Und ja, er war nicht so kaltherzig, als dass er es nicht bereut hatte dies zu tun. Doch manchmal war es notwendig gewisse Opfer zu erbringen. Auch wenn Minerva und Kingsley dies niemals akzeptieren würden.

Aus diesem Grund hatte er ihnen auch nicht die ganze Wahrheit erzählen können. Stattdessen hatte er Minerva in vagen Worten davor gewarnt, dass Potter möglicherweise negativ von seiner Narbe beeinflusst wurde. Dass sich noch immer ein Teil von Voldemorts Geist an die Verbindung klammerte und, unter gewissen Umständen, Besitz von Potters Körper ergreifen konnte.

Es war nicht direkt gelogen, und Minerva, das brave Kätzchen das sie war, hatte es ihm aus der Hand gefressen!

Es genügte um zumindest einmal für eine kritische Überwachung Potters zu sorgen. Über Details, wie Potters bevorstehendes Ableben, konnte er sich auch später noch Gedanken machen!

Anscheinend war ihr selbst Potters Verhalten in den letzten Wochen als besorgniserregend aufgefallen. Etwas über fehlenden Respekt den er Albus Andenken entgegen brachte und eine uncharakteristische Verschlossenheit seinen Freunden gegenüber. Nicht das dies Severus beunruhigte. Respektvolles Benehmen war wahrlich nichts, womit Gryffindors im Allgemeinen, und Potters im Besonderen glänzten!

Doch die Nachrichten, die Kingsley vor wenigen Stunden überbracht hatte, hatten ihn hellhörig werden lassen. Potter weigerte sich, seine Narbe untersuchen zu lassen und, was ihn um einiges mehr beunruhigte: Er hatte eine wilde Geschichte über Bellatrix und eine Schwangerschaft gesponnen, die ganz augenscheinlich nur darauf abzielte Bellatrix aus Askaban herauszubekommen!

Kingsley und Minerva mochten diesen Schwachsinn fürs Erste glauben, doch er wusste es besser! Sie kannten Bellatrix Lestrange nicht so wie er. Er hatte mit ihr Seite an Seite gekämpft, kannte sie seit er in die Dienste des Dunklen Lordes getreten war. Bellatrix war noch nie an Kindern interessiert gewesen. Sie sah sie als lästige Verpflichtung und hatte sich, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, von Anfang an vehement dagegen gewehrt sich in die traditionelle Rolle einer reinblütigen Ehefrau und Mutter drängen zu lassen! Nie im Leben würde die irre Hexe freiwillig ein Kind bekommen!

Nein, viel wahrscheinlicher war, dass Voldemort bereits wieder an Stärke gewonnen hatte und nun begann seine treuesten Diener zu befreien! Die Frage war nur: Wie viel davon wusste Potter? War er sich dessen bewusst was geschah? Oder war Potters Körper nur noch ein Gefäß für die Seele des Dunklen Lords?

Wenn er nur wüsste, was er tun sollte!

Potter musste sterben, bevor Du-weißt-schon-wer seine Kraft wieder erlangen konnte. So viel war klar. Doch wie? Dies war etwas, dass der Schulleiter nicht geplant hatte und in Situationen wie diesen vermisste er den verrückten alten Zauberer!

Warum hatte dieser Potter nicht einfach schon als Baby umgebracht! Niemand hätte die Wahrheit erfahren müssen. Alle hätten den Dunklen Lord dafür verantwortlich gemacht!

Aber nein! Was auch immer die letzten Zeilen der Prophezeihung sagten, hatte ihn dazu veranlasst zu warten.

Albus und seine verdammte Geheimniskrämerei!

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Den Hut tief in die Stirn gezogen trat Harry über die Schwelle von Gringotts hinaus ins Sonnenlicht. Er atmete einmal tief durch. Das war unangenehm gewesen! Die Kobolde hatten ihm zwar sein Geld nicht verweigert, aber ihn nicht weiter als bis in die Eingangshalle vorgelassen. Dort hatten Ginny und er gefühlte Stunden gewartet, bis schließlich ein griesgrämig dreinschauender Kobold herangeschlurft kam und ihm einen Beutel Gold aus seinem Verlies in die Hand drückte. Ohne weiteres Prozedere waren sie sodann aus der Bank geschoben worden. Und da stand er nun, den hallenden Klang des schließenden Tores noch in den Ohren.

Ginny lachte: „ Nun, solltest du jemals durch all die Bewunderung und Berühmtheit eingebildet werden, werd ich dich einfach zu den Kobolden schicken! Die werden deinem Ego schon einen Schlag verpassen!"

Harry schnaubte: „Ich glaube kaum das ich mit dir Gefahr laufe eingebildet zu werden. Oh Meisterin der Flederwicht Flüche!" Er verbeugte sich spöttisch vor ihr.

„Verdammt richtig, Potter!", Ginnys Augen glitzerten amüsiert.

Er warf ihr einen halbherzig grummeligen Blick zu und schaute um sich.

Noch war es relativ früh am Tag, und doch herrschte bereits ein regeres Treiben in den Straßen, als Harry es in den letzten beiden Jahren erlebt hatte. Bretterverschläge wurden abgerissen, Häuser neu gestrichen, Kinder jagten die Straße entlang und überall standen Grüppchen sich angeregt unterhaltender Hexen und Zauberer.

Nachdem Ginny gestern Nachmittag gegangen war, hatte er seinen alten Feuerblitz herausgesucht, war nach Hogwarts appariert und hatte sich in einem Ein-Mann-Quidditch-Spiel vollkommen ausgepowert. Zum ersten Mal seit Voldemorts Tod hatte er eine Nacht durchgeschlafen und er fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr.

Eine Stunde später hatte sich seine gute Laune bereits wieder verflüchtigt. Die dringendsten Einkäufe waren zwar erledigt, doch auch trotz Hut wurde er immer wieder erkannt. Blicke verfolgten ihn und wildfremde Leute sprachen ihn an. Wenn er noch einer Person die Hand schütteln musste, während sie ihm von ihren Verlusten im Krieg erzählte, würde er kotzen!

Zu alledem stellte sich heraus das ein Großteil von Ollivanders Zauberstäben aus dem zerstörten Geschäft gestohlen worden war und keiner der restlichen zu Harry passte. Er würde fürs Erste wohl oder übel den Elderstab verwenden müssen.

Grimmig starrte er ein blondgelocktes kleines Mädchen nieder, das aufgeregt auf und abhüpfend auf ihn zeigte. Eine besonders bösartige Grimasse brachte es zum Weinen.

„Na, komm schon!", Ginny grinste: „Lass uns noch schnell in Florish&Blotts reingehen, und dann hast du es geschafft!"

Bevor er Ginny in den Buchladen folgte, sah Harry wie die Mutter des kleinen Mädchens ihm nun ihrerseits böse hinterher blickte und gleichzeitig versuchte ihre Tochter zu trösten.

Geschah ihnen recht! Er hatte wirklich keine Lust sich für den Rest seines Lebens begaffen zu lassen!

Während Ginny in der Second-Hand-Abteilung schon einmal nach den Büchern für ihr letztes Schuljahr suchte, schlenderte Harry durch die einzelnen Abteilungen. „Haushaltszauber und einfache Zaubersprüche für den täglichen Gebrauch", „Magische Krankheiten und Heilmethoden", „Magische Geschöpfe", „Geschichte – Von Merlin und Morgana bis in die Gegenwart" und noch viele mehr.

Vor einem gut gefülltem Regal, über dem in großen Buchstaben „offensive Zauberei" prangte, blieb er eine Weile stehen. Das klang vielversprechend! Gerade als er ein neues Buch, „Der unsichtbare Feind – Sieg über das Ich" ,aus dem Regal zog, trat Ginny zu ihm.

„Hey, dass ist gut! Das hab ich auch." Ginny deutete auf das Buch in Harrys Hand. Harry drehte es um und las den Klapptext. Irgendetwas über positive Gedanken, und wie der Ausgang eines Kampfes bereits im Kopf entschieden wurde. Es klang ziemlich kitschig.

Ginny nahm ihm das Buch aus der Hand und blätterte darin, bevor sie es ihm wieder reichte: „Ich weiß, es klingt am Anfang etwas schmalzig! Aber es ist wirklich gut!", sie errötete leicht, „Es hat mir damals wirklich geholfen, … du weißt schon? Nach der ganzen Sache mit Tom."

Harry starrte sie an: „Du hast Psychologiebücher gelesen?" Irgendwie war ihm nie der Gedanke gekommen...

„Dad und ich haben sie zusammen gelesen, nach meinem ersten Schuljahr... naja, und letztes Jahr – mit dem ganzen Mist der in Hogwarts ablief", Sie zuckte mit der Schulter, „Sie helfen wirklich, weißt du!"

Unbehaglich stellte Harry das Buch zurück ins Regal und versuchte Ginnys durchdringendem Blick auszuweichen.

„Ich kann sie dir leihen, wenn du magst!"

„Ähm...", sah er etwa so aus als bräuchte er sie? „Nicht nötig, danke!"

Ginny bekam einen entschlossenen Gesichtsausdruck, der ihn stark an Mrs. Weasley erinnerte: „Ich werd dir die Bücher trotzdem bringen! Vielleicht willst du ja doch einmal etwas nachlesen!"

Harry bezweifelte es. Er brauchte keine psychologische Beratung... oder was auch immer das war! Wirklich, alles was er brauchte war einfach ein bisschen Ruhe...

Aber Ginny hatte sich nicht davon abbringen lassen, und so hatte er ihr versprochen darüber nachzudenken, bevor er zurück nach Hause apparierte.

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„Harry! Haaaaarrryy!"

Verwirrt schreckte Harry hoch. Das war Hermines Stimme.

Moment! Wie kam Hermine von Australien hier her?

„Harry!"

Eindeutig. Das war sie. Harry würde Hermines Stimme im Schlaf erkennen. Aber wo war sie?

Plötzlich kam ihm eine Idee, und er sprintete die Treppe hinunter in die Küche.

„Harry! Na endlich! Gott sei Dank", mitten im Kaminfeuer, umgeben von hell auflodernden Flammen, schwebte Hermines Kopf. Ihr Gesicht wirkte angespannt und sie musterte Harry mit einem undefinierbaren Blick.

Harry lies sich auf die Knie sinken: „Hermine! Ist etwas passiert? Deine Eltern?" Er konnte nicht weitersprechen. Etwas schlimmes musste geschehen sein, oder Hermine würde nicht vom anderen Ende der Welt flohen! Was wenn ihre Eltern ihr Gedächtnis für immer verloren hatten? Was wenn …

„Meinen Eltern geht es gut. Sie befinden sich noch in magischer Behandlung, aber laut Mr. Friedlich sollte es nicht mehr allzu lange dauern bis sie wieder in Ordnung sind", Hermine winkte ungeduldig ab: „Es geht um dich!"

„W- Was ist mit mir?" Nun war er vollkommen verwirrt.

Plötzlich verschwand Hermines Kopf, nur um sofort durch Rons Rotschopf ersetzt zu werden: „Hey Harry! Warum hast du uns nichts gesagt? Wir sind Freunde. Du kannst uns nicht so einfach loswerden! Wir können dir helfen dieses grässliche Ding zu zerstören! Ich mein, es ist nicht so als ob wir es nicht schon mal gemacht haben!" Ron schaffte es irgendwie genervt, irritiert und geekelt zugleich auszuschauen.

„Ron! Wir haben ausgemacht das ich mit Harry rede!" So plötzlich wie er gekommen war verschwand Rons Kopf wieder. Anscheinend hatte ihn nun Hermine ihrerseits aus dem Feuer gezogen, denn nur Sekunden später erschien nun wieder ihr Gesicht in den Flammen.

„Ron hat recht, weißt du. Du hättest uns wirklich davon erzählen sollen!"

„Wovon hätte ich euch erzählen sollen?" Harry war verwirrt.

Hermine ignorierte ihn: „Ich dachte wir hätten das dass letzte Mal ein für alle Mal geklärt. Du kannst uns nicht immer schützen! Es ist unsere Entscheidung ob wir -"

„Kann mir bitte mal jemand erklären was hier los ist! Ich habe keine Ahnung wovon ihr redet!" Wovon zum Teufel noch mal sprachen die beiden?

„Wir wissen das Bellatrix ein Horkrux ist, Harry!"

„W-wa- WAS?" Das konnte jetzt aber nicht wahr sein! Harry hoffte sich verhört zu haben: „Kannst du das wiederholen?"

Hermine rollte die Augen: „Es war nicht sonderlich schwer, eins und eins zusammenzuzählen, weißt du."

Wie um alles in der Welt? Unglaublich! Fassungslos starrte er Hermine an. Oder zumindest das bisschen, das von ihr zu sehen war.

„Wie seid ihr darauf gekommen?", fragte Harry ungläubig. Das Ganze musste ein besonders kreativer Alptraum sein! Dummerweise war er sich relativ sicher, dass er wirklich wach war!

„Abgesehen davon, dass es höchst ungewöhnlich ist das eine Frau mit 47 ihr erstes Kind bekommt, und dann auch noch diese Frau", Hermines Stimme hatte einen angewiderten Tonfall angenommen, „ist es offensichtlich wenn man Bescheid weiß."

„Hermine, Bellatrix ist kein -", Harry kam nicht weiter, denn plötzlich erschien Rons Kopf neben Hermines: „Yeah, außerdem: Könntest du dir vorstellen das dieses kranke Weib freiwillig ein Baby knuddelt? Sie würde es doch höchstens zu Tode foltern!" Ron schüttelte den Kopf: „Ne Mann, die Vorstellung ist einfach zu abgefahren!"

„Bellatrix ist kein Horkrux! Sie ist schwanger!", versuchte es Harry erneut. Doch keiner der beiden hörte ihm zu.

„Ron! Verschwinde! Du rammst mir deinen Ellenbogen in die Seite." Hermines Kopf wandte sich ihm zu was, auf Grund der Enge, ein bisschen so aussah als würde sie ihm eine Kopfnuss geben. Ron versuchte auszuweichen und knallte prompt gegen den gusseisernen Teekessel, den Harry heute früh über dem Feuer hatte hängen lassen.

„Au! Okay, okay. Ist ja schon gut Hermine." Er sah zu Harry auf: „Gib es auf Kumpel! Hermine ist einfach zu schlau, um ihr was vorzumachen."

Mit einem leisen 'Plop' verschwand Rons Kopf.

Warum waren sie nur so überzeugt das Bellatrix ein Horkrux war? Harry schloss für einen Moment die Augen. Plötzlich fiel ihm etwas ein: „Moment mal, wieso wisst ihr eigentlich das Bellatrix schwanger ist? Ich hab es bisher nur Kingsley erzählt."

Hermine schnaubte: „Und der hat es uns erzählt."

Wie bitte? Harry blinkte.

„Warum?", er konnte es nicht glauben. Was für einen Grund sollte Kingsley haben...

„Was glaubst du wohl, Harry! Sie machen sich Sorgen um dich!"

„Wer?", Harry starrte Hermine überrascht an: „und warum?"

Hermine zuckte mit den Schultern: „Kingsley, Professor McGonagall und vermutlich sogar Professor Snape."

„Was? Snape ist wach?" Warum hatte ihm das niemand gesagt?

„Laut Kingsley schon seit einigen Tagen", Hermine schien überrascht: „Wusstest du das nicht?"

„Nein!" Er hatte Professor McGonagall extra darum gebeten ihm Bescheid zu sagen!

„Das ist jetzt aber auch egal, Harry! Wir machen uns Sorgen um dich!"

„Es gibt keinen Grund sich Sorgen zu machen! Ich verstehe immer noch nicht wie ihr überhaupt darauf kommt", langsam verstand er gar nichts mehr.

Hermine seufzte: „Nun, nachdem du bei Kingsley warst und ihm die Geschichte von Bellatrix Schwangerschaft erzählt hast -"

„Das ist keine Geschichte!"

Hermine ignorierte ihn: „ - hat er uns kontaktiert. Offensichtlich war kurz vorher bereits Professor McGonagall bei ihm und hat ihn gebeten deine Narbe untersuchen zu lassen."

Langsam wurde er wütend! Wie kam Professor McGonagall dazu hinter seinem Rücken irgendwelche Dinge über ihn zu bestimmen! Hermine schien seine Gedanken zu lesen: „Anscheinend glaubt Professor Snape das V-voldemort doch noch nicht ganz gestorben ist."

„Das ist totaler Schwachsinn!"

„Das ist noch nicht alles Harry! Professor Snape glaubt dass du irgendwie darin verwickelt bist. Ich weiß auch nicht wie er darauf gekommen ist. Kingsley wusste es selbst nicht, glaube ich." Sie starrte Harry durchdringen an: „Aber Harry, du musst zugeben das Professor Snape einer der wenigen ist, die in einer guten Position sind um so etwas zu wissen!"

„Und du glaubst das alles!" Das ganze hörte sich an wie ein schlechter Witz!

„Nun", Hermine zögerte: „Kingsley weiß nichts von Horkruxen. Er ist einfach beunruhigt. Aber Ron und ich … es passt einfach!"

„Nichts passt! Ihr reimt euch da irgendeinen Unsinn zusammen!" Wie konnte er ihnen das nur begreiflich machen!

Hermine blickte ihn mitleidig an: „Professor Snape ist der Meinung das Voldemort noch nicht ganz verschwunden ist. Du benimmst dich die ganze Zeit seltsam, so als würdest du etwas verbergen. Und plötzlich hast du ein gesteigertes Interesse an Bellatrix! Und wir wissen ja nun, dass es möglich ist einen lebenden Menschen zum Horkrux zu machen!" Sie blickte vieldeutig auf seine Stirn.

Harry strich die Haare nach vorne: „Bellatrix ist aber kein Horkrux! Außerdem benehme ich mich nicht seltsam!"

„Doch, das tust du! Warum sonst hättest du das Ganze geheim halten wollen?"

„Weil ich nicht wollte das sofort die gesamte Zaubererwelt über Bellatrix Schwangerschaft Bescheid weiß!" Harry explodierte beinahe. Warum nur konnte sie ihm nicht einfach glauben?

Die beiden starrten sich an.

„Glaub es mir einfach Hermine!" Vom langen am Boden knien tat ihm bereits alles weh: „Lass es gut sein! Bitte!" Er flehte beinahe.

„Also gut", Hermine seufzte: „Aber, Harry? Wir sind noch nicht fertig! Ende der Woche fliegen Ron und ich wieder zurück. Und dann will ich die Wahrheit wissen!"

Harry verkniff sich jeglichen Kommentar. Sie würde ihm sowieso nicht glauben. So wie er Hermine kannte würde sie noch lange nicht aufgeben und hatte vermutlich noch jede Menge an Beweisen die ihre Theorie bestätigten. Verdammt! Er musste sich wirklich überlegen, was er ihnen erzählen würde.


A/N: Jetzt würde mich wirklich interessieren was ihr denkt! ;-)

(1) Direkt übernommen aus „HP und die Heiligtümer des Todes", Kapitel „Die Geschichte des Prinzen"