Annäherung
Edwards POV
Meine liebe, kleine Schwester Mary Alice Brandon Cullen. Sie hat Bella wirklich alles erzählt. Als wir uns kurz in unserem Haus begegnen, in dem Augenblick, wo Carlisle und ich uns aufmachen zu Bella, versucht sie es erst gar nicht, ihre Gedanken zu verstecken.
Im ersten Moment bin ich wütend über die Tatsache, dass sie mir das vorweg gekommen hatte, aber genau drüber nachgedacht, bin ich erleichtert, dass dies, die Beschreibung unserer Art, schon hinter uns liegt.
Bella vertraut Alice bisher am meisten. Es war also die richtige Entscheidung. Wie wäre es wohl ausgegangen, wenn ich es ihr beigebracht hätte? Sie sah so ängstlich aus.
Alice erzählt uns noch, dass ein Werwolf in Bellas Zimmer gewesen sein muss. Das erklärt auch den kurzen Aussetzer in Bellas Zukunft. Alice wollte mir dies erst verheimlichen, doch ihre Sorge, um ihre Freundin, ließ es mir in ihren Gedanken verraten.
„Du empfindest einiges für Chief Swans Tochter", ist es eher eine Feststellung als eine Frage von Carlisle, als wir auf dem Weg zu Bella sind.
Mein Seufzen ist ihm Antwort genug.
„Du solltest deine Gefühle nicht unterdrücken."
Geschockt starre ich ihn an.
„Sie ist ein Mensch, Carlisle. Solltest du nicht eigentlich dagegen sein? Immerhin würden wir die Volturi in Aufruhr bringen."
Wir sind schon fast bei den Swans, doch Carlisle hält an und sieht mich ernst an.
„Edward, du bist nun schon fast ein Jahrhundert alleine…"
„Ich habe euch."
„Sohn, Esme und ich haben lang genug mit angesehen, wie du leidest, keine Gefährtin zu haben. Bella ist das erste Mädchen, was dieses Leuchten in deine Augen bringt. Du glaubst gar nicht, wie glücklich Esme ist. Selbst Rosalie hat eingesehen, was Bella für dich bedeutet. Versuch die Volturi auszublenden und genieß diese neue Erfahrung. Um die Volturi kümmern wir uns dann."
„Und was ist mit der Tatsache, dass Bellas Blut für mich der schmackhafteste und verlangendste Nektar überhaupt ist? Ein Ausrutscher und sie ist tot", presse ich zwischen meinen Zähnen hervor.
Doch Carlisle lacht nur. So, wie ich ihn lange nicht habe lachen hören.
Du könntest ihr nie etwas antun. Deine Selbstbeherrschung, als sie verletzt in unserem Haus lag, war unglaublich.
„Mach dir nicht so viele Gedanken darüber, ob du sie verletzen würdest, denn das würde dir nur im Wege stehen, bei der Physiotherapie", grinst er.
„Was meinst du damit?", lasse ich mich von seiner guten Laune anstecken und schmunzel.
„Du wirst Bellas Physiotherapie übernehmen."
Nutz diese Chance, lässt er keine Proteste zu.
„Seit wann bist du ein Verkuppler?", frage ich, wobei mir gleich eine Antwort in den Sinn kommt.
„Alice", sagen wir gleichzeitig.
Mehr Worte verlieren wir darüber nicht, denn wenn Alice sich etwas in den Kopf setzt, sollte man nicht dagegen wetten. Und ehrlich gesagt, wenn ich daran denke, Bella durch die Physiotherapie näher zu kommen, verschwinden diese sorgenvollen Gedanken.
Wusste ich es doch, sind Carlisles Gedanken und setzt die Fahrt fort.
Am Haus der Swans angekommen, werden wir draußen schon von Renée begrüßt, die uns bittet, leise zu sein, da Bella schläft. Ob sie dabei wieder dieses süße Lächeln auf den Lippen trägt?
Ich hole noch die Krücken aus Carlisles Benz und gemeinsam gehen wir ins Haus. Gastfreundlich, wie Bellas Mom nun mal ist, bietet sie uns etwas zu trinken an, doch wir lehnen dankend ab.
Es ist kurz vor 18 Uhr. Alice meinte, dass Bella dann aufwachen würde. Auch wenn Renée am liebsten weiter mit uns erzählt hätte, gehen wir die Treppe hinauf. Ich kann es nicht abwarten Bella wiederzusehen.
Renée wartet unten, damit Carlisle ungestört Bella untersuchen kann. Als ich den Kopf durch die Tür stecke, ist sie tatsächlich wach und schaut mich erstaunt an. Nachdem ich sie begrüßt habe und sie uns, kommt endlich ihr Lächeln wieder. Als sie allerdings die Krücken sieht, weicht die Farbe aus ihrem Gesicht. Das wird eine sehr anstrengende Physio.
Carlisle untersucht Bella, wobei er etwas Haut von ihr entblößt. Bella scheint es unangenehm zu sein, denn sie läuft rot an, dabei ist der Anblick ihrer samtenen Haut ganz und gar nicht unangenehm.
Renée lädt uns dann zum Essen ein. Und was macht Carlisle? Er dreht das ganze einfach um und lädt die Swans zu uns ein. Ist er jetzt völlig durchgedreht? Erst empfiehlt er mir, die Volturi einfach mal zu vergessen und dann das.
Alice, Edward. Sie hat es in einer Vision gesehen. Es soll auch alles gut gehen, versucht er mich zu beruhigen und betreibt Smalltalk mit Renée. Bella scheint es genauso unangenehm zu sein wie mir. Wenn man nicht besser wüsste, dass Carlisle und Renée in glücklichen Ehen stecken, könnte man glauben, die zwei flirten. Doch es muss an Renées lockerem Gemüt liegen. Sie ist wirklich eine Frohnatur. Das hat sie Bella nicht vererbt.
Sie bieten sich das Du an und machen schon einen Termin aus, wann denn das Essen stattfinden soll. Jedenfalls nicht morgen, wie von Renée im Haus der Swans plante, da Bella noch kaum in der Lage ist, alleine aufzustehen. Und da kommen wir auch schon zur Physiotherapie. Ich bin natürlich gespannt, wie Bella es finden wird, dass ich ihr dabei behilflich sein werde.
Nachdem der erste Schock abgeklungen ist und ich sie angrinse, scheint Bella die Idee zu gefallen, auch wenn ihr der Gedanke an die Krücken jetzt schon Albträume bereitet. In dem Moment kommt Charlie hinein.
Dieser ist natürlich weniger begeistert von dieser Idee. Doch, Carlisle und Renée können ihn überzeugen. Zumindest bekommen sie ihn dazu, nicht mehr zu protestieren, denn es gefällt ihm weiterhin nicht. Sein Vertrauen in mir ist dank der Wölfe kaum da.
In seinen Gedanken sehe ich, wie er noch, kurz bevor er nach Hause kam, mit Billy Black redete, der ihn zwar weiter zur Vorsicht bat, aber wie besprochen Charlie davon abbrachte, weiter Nachforschungen zu betreiben. Dennoch bleibt der Chief weiter misstrauisch. Mich hätte es auch gewundert, wenn nicht.
In Verzückung gerate ich, als Bella ihren Vater dazu überredet, dass ich die Physiotherapie übernehme. Dieser Blick. Es gibt noch so viel in Bella zu entdecken.
Und dann sind wir endlich alleine. Zumindest in Bellas Zimmer. Eine unangenehme Stille tritt ein. Mit einem ‚Hi' löse ich die Spannung und wir reden ein wenig. Ich kläre sie ein wenig mehr auf über uns Vampire, dabei bemerke ich, wie ängstlich sie wirkt.
„Bella, hast du Angst vor mir?"
Vor ihrer Antwort fürchte ich mich ein wenig. Ja, ich Vampir habe Angst vor ihrer Reaktion. Leider reagiert sie fast wie befürchtet. Aber was habe ich auch erwartet? Doch ich gebe nicht auf und werde ihr beweisen, dass sie mir vertrauen kann und sie bei mir sicher ist.
Ich kann nicht anders und küsse sie hingebungsvoll auf die Stirn. Wie gern hätte ich ihre Lippen berührt, doch das muss noch warten. So schnell werde ich selbst diese Berührung nicht vergessen, denn als meine Lippen ihre weiche Haut berühren, durchfährt mich wieder dieses angenehme Gefühl, nach dem ich langsam süchtig werde.
Schnell sind wir wieder zurück in unserem Haus, wo uns Alice schon freudig erwartet.
„Und habt ihr zum Essen zugesagt?", fragt sie hektisch.
„Als wenn du es nicht wüsstest", lacht Carlisle.
Ich gehe nur grummelnd an ihr vorbei.
„Sei kein Spielverderber", kommt es von ihr.
„Wie hast du dir das vorgestellt, Alice? Schon vergessen, wir essen nichts."
„Naja. Nichts essen stimmt auch nicht. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass wir menschliche Nahrung zu uns nehmen", springt sie auf und ab.
„Du würdest das wirklich auf dich nehmen, nur um die Swans hier zu haben?", frage ich sie verblüfft, denn es würde wirklich einige Überwindung für uns kosten, menschliche Nahrung zu uns zu nehmen.
Wir können sie essen, aber schmecken würde es uns nicht. Und da wir sie nicht verdauen können, wird es genauso unangenehm sein, sie wieder loszuwerden.
„Glaub mir, es wird toll werden. Und gerade was Charlie betrifft, wird es eine gute Idee sein."
Und Bella wird es auch gefallen, bringt sie mir mit einem vielsagenden Blick bei.
Die Zeit, bis es für mich wieder am nächsten Morgen heißt, Forks High School, verbringe ich damit, weiter über Bella nachzudenken und wie ich die Physiotherapie gestalten werde. Ich weiß, wie ich es zu tun habe, um Bella wieder mobil zu machen, aber da ist nun mal die Tatsache, dass es sich bei meiner Patientin um Isabella Swan handelt. Was die Sache nun mal um ein vielfaches schwerer macht.
Vielleicht war es doch keine so gute Idee. Aber Alice scheint mal wieder mehr zu wissen, als wir alle, denn sie ist unsagbar gut gelaunt, was nichts mit dem Essen zu tun hat. Denn auch ihr ist es etwas zuwider, wie wir das Essen später wieder los werden.
Am nächsten Tag in der Schule ist Bella weiter das Hauptthema. Gestern hatten manche Lehrer gar ihre Stunden darauf umprogrammiert und eine Lehrstunde über das Thema ‚Wie verhalte ich mich richtig im Wald' abgehalten.
Einige Schüler, bei denen Bella nicht gerade beliebt war, wie Lauren, sprühen wieder wilde Gerüchte umher, welche mich zur Weißglut bringen und ich nur dank Jasper nicht ausraste. Es fällt mir der Tage so oder so schon sehr schwer, die Beherrschung zu bewahren.
Angela Weber zeigt sich mal wieder als wahre Freundin. Macht sie sich wirklich ehrliche Sorgen um Bella und fragt Alice aus, wie es Bella geht, da sie weiß, dass unser Vater Bellas Arzt ist. Dabei übergeht Alice einfach mal Carlisles Schweigepflicht. Wobei man bei Angela eine Ausnahme ohne Bedenken machen konnte.
„Viel Spaß, Eddie", wünscht mir Emmett mit einem Schulterklopfen, nach der letzten Stunde.
Rosalie steht schweigsam neben ihm und hält ihren Blick, untypisch für sie, am Boden fest. Ich habe, seit Bella wieder zu Hause ist, meinen Zorn zurückgehalten, Rosalie aber auch weitestgehend ignoriert, um meine Wut nicht wieder aufkeimen zu lassen.
Ich bin nicht mehr wirklich wütend auf sie, doch jedes Mal, wenn ich in ihrer Nähe bin, sehe ich ihre Gedanken, in denen sich wieder und wieder der Unfall abspielt. Dabei keimt meine Sorge um Bella wieder auf und mein Zorn steigt erneut empor, selbst dass ich es gar nicht will. Ich weiß, dass es eine ordentliche Aussprache mit Rosalie benötigt, um wieder normal miteinander umgehen zu können. Doch mein Fokus liegt erst mal ganz allein auf Bella.
Emmett zieht seine Frau enger an sich, seine Miene nicht mehr ganz so fröhlich, als er Rosalies Reaktion bemerkt.
Bitte rede mit ihr, sagt mir seine verzweifelte, innere Stimme. Ich nicke ihm zu, deute ihm aber, dass es jetzt nicht passiert.
„Grüß Bells von mir, OK?", versucht er wieder locker zu wirken.
Dabei sieht Rose auf und mir springen viele Gedanken von ihr entgegen, dass sie mit mir sprechen möchte, aber auch mit Bella. Zu gern will sie mir sagen, dass ich von ihr ebenfalls liebe Grüße bestellen soll, doch hat sie Angst vor meiner Reaktion.
„Ich werde ihr schöne Grüße von euch beiden bestellen", versuche ich Rose zuzulächeln.
Ihr Blick erhellt sich endlich wieder etwas. Danke. Damit setze ich mich in meinen Volvo und bin erleichtert, Alice entwischen zu können, bevor sie mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Diesen Moment möchte ich mal ungewiss angehen, ohne zu wissen, wie die Physiotherapie ausgeht.
Wird schon werden, rede ich mir immer wieder ein.
Am Haus der Swans angekommen, sehe ich Chief Swans Polizeiwagen, anstatt Renées. Ok, diese Vorwarnung hätte von Alice nun doch nicht geschadet. Anscheinend hat Charlie Renée zur Arbeit geschickt, damit er sich heute mal um Bella kümmern kann. Wohl eher, um mich zu beaufsichtigen, während ich mit seiner Tochter arbeite.
Tief durchatmend klopfe ich und höre schon bald darauf in der Küche einen Stuhl scharren, so wie die darauffolgenden schweren Fußstapfen. Charlies Gedanken sind alles andere als begeistert. Allerdings schlägt im Haus ein anderes Herz plötzlich schneller. Bellas.
„Guten Tag, Chief Swan", begrüße ich ihn, als er mürrisch die Tür öffnet.
Warum muss der Junge nur so höflich sein? So scheint er mir, keiner Fliege was zuleide tun zu können. Dennoch, weiter Vorsicht. Ich will nicht, dass Bella noch mehr Schmerz erleidet.
„Hallo, Edward. Komm rein", zwingt er sich, nett zu wirken.
„Ist Mrs. Swan arbeiten?", frage ich.
„Ja, sie wird im Büro benötigt", bleibt seine Antwort kurz, aber überraschend sagt er die Wahrheit und ich sehe in seinen Gedanken, wie schwer es Renée heute Morgen fiel, Bella bei ihrem Vater zu lassen.
„Ich werde dann mal gleich zu Bella", sage ich und gehe die Treppe hinauf.
Wie fast erwartet, folgt mir Charlie.
Höflich klopfe ich an Bellas halb offener Tür und warte auf ein Zeichen von ihr, hinein zu kommen.
„Ja?", klingt sie überrascht.
„Hey", sage ich und stecke wie gestern meinen Kopf durch den Türspalt.
Sie schaut tatsächlich überrascht, blickt schnell zur Uhr, dann zu mir, und was ich dann sehe, erhellt meinen Tag, denn ein Leuchten bildet sich in ihren Augen. Und ihr Lächeln… Für einen Moment glaube ich, mein Herz wieder schlagen zu hören.
Doch der Moment wird jäh unterbrochen, als Charlie mich durch die Tür schiebt. Ich bleibe wie angewurzelt vor Bellas Bett stehen, die wie erwartet in ihrem Bett liegt, mit viel zu weiter Jogginghose, wohl von ihrem Vater, die am Gipsbein aufgeschnitten wurde, um es passend zu machen. Ihr T-Shirt soll wohl für mich bestimmt sein, denn drauf steht ‚Daddys Girl'.
Mein Blick scheint zu starr auf der Schrift zu brennen, denn Bellas Grinsen wird breiter, und auch Charlies Gedanken spiegeln es wieder. Ja wohl. Halt dich an die Worte.
„Niedlich, oder? Hat Dad mir gestern Abend geschenkt", freut sie sich.
„Schönes Shirt", bekomme ich nur heraus.
Ein freudiges Lachen steigt aus Bellas Kehle und es kann schöner nicht klingen. Mein Blick scheint sie zu amüsieren. Aber besser so, als wäre sie ängstlich zurück geschreckt.
„Befreit?", frage ich sie.
Sie blickt zu den Krücken, dann zu mir, wieder zu den Krücken und zurück zu mir.
„Keine Angst. Ich werde nicht zulassen, dass du fällst", versuche ich sie zu beruhigen, da ihre Sorgenfalten auf ihrer Stirn mir verraten, dass die Krücken ihr Angst machen.
„OK. Ich vertraue dir", sagt sie mir mit einem rauen Unterton. Als würde sie mir etwas sagen wollen.
„Aber bevor wir mit den Krücken beginnen, müssen wir erst mal dein unverletztes Bein lockern, da es für die nächsten Wochen die meiste Last trägt."
„Was soll ich tun?", fragt sie nun, als könne sie es kaum abwarten.
Bella überrascht mich immer wieder.
„Leg dich einfach flach hin. Die Kissen müssen noch weg und dann kann ich dein Bein behandeln", lächle ich ihr zu.
Ich helfe ihr, die Kissen beiseite zu schieben, dabei sehe ich, wie sie mal wieder errötet ist, was mich meinerseits wieder zum Schmunzeln bringt. Ich liebe diese Verlegenheit an ihr.
Nun liegt sie da, wie auf dem Präsentierteller und lächelt mich so innig an, aber auch abwartend, was jetzt wohl passiert. Ich setze mich auf die Bettkante und will gerade ihren Fuß vom verletzten Bein nehmen, der aus dem Gips guckt, als Bella sich meldet. Allerdings nicht an mich.
„Dad, du kannst jetzt gehen. Ich will nicht, dass du mir zuschaust, wenn ich mich hier abquäle. Das ist so schon peinlich genug", sagt sie leicht genervt.
Ich hatte Charlie doch tatsächlich vergessen, so vertieft war ich in Bella.
„Ich bleibe."
„Bitte, Dad. Tu mir das nicht an", fleht Bella ihren Vater an und wirft ihm einen Hundeblick zu, mit dem sie bei mir einiges erreichen könnte.
Charlie atmet tief durch und reibt seinen Nasenrücken. Er hat echt zu kämpfen, dies seiner Tochter abzuschlagen. Wie gestern, als sie ihn dazu brachte, mich die Therapie machen zu lassen.
„OK", atmet er schwer aus.
„Aber ich bin in der Nähe, falls du mich braucht", sagt er und wirft mir noch einen vielsagenden Blick zu, als er zur Tür hinaus geht. Wehe dem, er fasst mein Mädchen auch nur etwas zu fest an, dann Gnade ihm Gott. Warum hab ich dem überhaupt zugestimmt. Argh. Bella und ihr Welpenblick.
Ich kann nicht anders und muss lachen.
„Was?", fragt Bella.
Charlie ist nun unten und schaut Football, also kann ich es beruhigt Bella erzählen.
„Ihm gefällt gar nicht, was wir hier gleich tun werden. Wenn ich dich zu sehr anfasse, wird er mich erschießen. Außerdem hasst er es, dass er deinem flehenden Blick nicht standhalten kann", zwinker ich ihr zu.
Auf Bellas Lippen bildet sich erst ein ‚O', gefolgt von ihrem süßen Lächeln.
„Bitte sei ihm nicht böse, dass er so grummelig ist. Er macht sich nur Sorgen. Ich hab ihn noch nie so gesehen."
„Schon OK. Ich kann verstehen, dass er seinen Schatz beschützen will", sage ich ihr.
Ich rede mich in Bellas Gegenwart mal wieder um Kopf und Kragen. Normalerweise habe ich keine Probleme, mich zu artikulieren. Doch mit Bella in meiner Nähe, setzt mein Verstand gerne mal aus.
„Wollen wir?"
Bella nickt auf meine Frage hin, scheint aber noch in Gedanken zu sein. Erst als ich ihren Fuß greife, kommt sie wieder zu sich und schaut mich etwas verblüfft an.
„Ich massiere erst einmal deinen Fuß. Sicher ist er etwas taub von dem ganzen Stillliegen. Hast du noch Schmerzen?"
Sie nickt mir erst leicht zu und schüttelt dann den Kopf, als hätte sie meine Frage nicht gleich realisiert. Ihre erneut anlaufenden Wangen bringen mich weiter zum Schmunzeln.
Ihr Fuß ist von einer dünnen Socke bedeckt. Wohl auch besser so, um sie nicht mit meinen kalten Händen zu verschrecken. Ich bewege ihren Fuß erst leicht hin und her, vor und zurück, um zu schauen, ob sie wirklich keine Schmerzen hat. Aber da sie mir ungerührt auf meine Hände schaut, hat sie wohl keine Schmerzen.
Als ich anfange, ihren Fußballen zu massieren und fortfahre an der Innensohle, schließt sie ihre Augen. Für einen Moment höre ich auf, weil ich denke, dass es ihr doch noch weh tut, doch ihre fast ärgerlichen Augen, die sich öffnen, nachdem ich aufhöre, sagen mir, dass es ihr ganz und gar keine Schmerzen bereitet.
„Das tut gut", sagt sie mit weicher Stimme und deutet mir bittend, weiter zu machen.
So fahre ich fort. Erst um ihre Fußmuskeln zu lockern, um dann die Fußreflexzonen zu massieren, um ihr ganzes Wohlbefinden zu steigern. Ihre geschlossenen Augen und das entspannte Lächeln in ihrem Gesicht sind mir Lohn genug.
Gleiches wiederhole ich an ihrem gesunden Bein, wo es ihr genauso gut tut.
Als ich fertig bin, blickt sie mich zufrieden an.
„Wow. Das kannst du wirklich gut, und gerne öfter machen", lacht sie mir zu.
„Gut, dann werden wir das jetzt bei jeder Stunde wiederholen", grinse ich sie an.
„Wir werden das noch öfter machen müssen, denn die Therapie beginnt erst so richtig wenn der Gips ab ist. Aber bis dahin dauert es noch eine Weile. Jetzt müssen wir erst mal dein gesundes Bein in Schwung bringen."
Mal schauen, ob es den gleichen Effekt haben wird, wie bei ihrem Fuß. Ich winkel ihr gesundes, aber müdes Bein an und knie mich vor sie. Eine Hand lege ich auf ihren Oberschenkel und mit der anderen greife ich ihre Wade. Ihr Fuß liegt dabei an meinem Oberkörper an, der zwar von einem Shirt bedeckt ist, ich aber dennoch ihre Wärme spüre. Und wie erwartet wird Bella rot. Sehr rot.
„Ist es dir zu unangenehm?", frage ich sie.
Auch wenn ich ihre Nähe missen würde, möchte ich es Bella nicht schlimmer machen, als es schon ist. Und als sie den Kopf schüttelt, mache ich erleichtert weiter. Ich winkel das Bein weiter an und spüre, wie sehr ihre Muskeln Bewegung brauchten. Deshalb lasse ich mir mit den Dehnungen mehr Zeit als sonst. Es fehlt mir noch, dass Bella später einen Krampf bekommt. Das kann in ihrer Lage sehr unangenehm sein.
Bei den Dehnübungen bleibt es nicht aus, dass ich näher an sie heran komme, wenn ich über sie gebeugt bin. Auch wenn ihre verlegenen roten Wangen bleiben, merke ich, wie sie sich mehr und mehr entspannt. Meine Nähe scheint sie nicht mehr zu stören.
Würde ihr Vater jetzt ins Zimmer kommen, bin ich mir gewiss, würde er mich von Bella runter reißen, da unsere Positionen auch andere Aktivitäten darstellen könnten. Doch es geht nun mal nicht anders, ohne Bella schmerzfrei zu dehnen. Und Bella gefällt es immer mehr, denn sobald ich mich wieder über sie beuge, lächelt sie mich an, schaut dann aber nach einigen Sekunden verlegen nach unten.
„Wie war die Schule?", fragt sie mich plötzlich.
Ich rutsche fast vom Bett, da ich nicht erwartet habe, dass sie anfängt, mit mir zu reden. Dadurch, dass mich ihr Anblick so gefangen hielt, vergaß ich völlig das Reden. Dabei wäre es ganz angebracht, um vielleicht auch etwas Intensität raus zu nehmen. Denn ich darf nicht vergessen, dass es hier um Bellas Gesundheit geht, nicht darum, ihr näher zu kommen. Was natürlich ein angenehmer Nebeneffekt ist.
„Langweilig ohne dich", grinse ich sie an.
„Wir haben bisher einen Tag zusammen in der Schule verbracht. Und ich erinnere dich ungern, wie dieser ausging", sagt sie und sieht aus, als hätte sie Letztes nicht sagen wollen.
„Stimmt. Dennoch musste ich immer an dich denken. War auch gar nicht anders möglich, denn die halbe Schule hat an dich gedacht."
„Ehrlich?"
„Ja. Auch wenn es teilweise dumme Gedanken waren. Jessica Stanley ist der Meinung, dass du dich im Wald mit deinem Liebhaber getroffen hast und der dich, na du weißt schon. Einzig Angela Weber hat sich wirklich Sorgen um dich gemacht. So wie auch ihr Freund. Beide vermissen dich."
„Das hat sie mir vorhin geschrieben. Sie ist wirklich eine gute und ehrliche Freundin. Jess, naja, sie hat manchmal so ihre Tage, da ist sie kaum zu ertragen und dann kann sie wiederum eine tolle Freundin sein. Denke ich."
Sie lässt den Gedanken hängen, wohl wegen der Enttäuschung über Jessicas absurde Idee, was Bella passiert sei.
„Es mag zwar kein Trost sein, aber du findest neue Freunde. Ehrliche Freunde. Alice ist wie ausgewechselt, seit sie dich kennt. Danke, dass du ihr eine so wunderbare Freundin bist. Sie hat sich schon immer gewünscht, jemandem außerhalb der Familie näher zu kommen. Und du hast sie im Sturm erobert", lächle ich ihr zu.
„Alice ist ja nun auch meine ABF", lacht sie.
„ABF?", frage ich verwirrt.
Ich habe ja viel in Alice Gedanken gesehen. Dies aber nicht.
„Allerbeste Freundin. Ich kenne sie noch nicht lange, aber sie ist mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen. Emmett ebenfalls, auch wenn er mich immer ärgert", schmollt sie.
„Das ist Emmett. Ständig auf Streiche aus, aber dafür lieben wir ihn."
„Ja", lacht sie.
Kurz steht alles still. Unsere Bewegungen, so wie unsere Unterhaltung. Ich sehe, dass sie noch etwas sagen will, doch bekommt sie es nicht heraus. Und wieder bringt es mich um den Verstand, nicht ihre Gedanken lesen zu können. Sie bekommt es nicht über die Lippen.
„Lass uns mit den Krücken beginnen", befreie ich sie aus ihrer verzwickten Lage.
„Setz dich auf", sage ich und reiche ihr eine Hand zur Hilfe.
In derselben Bewegung drehe ich sie etwas zur Seite, sodass sie nun im Bett aufrecht sitzt und ihr gesundes Bein am Bett runter hangelt. Ihr Gipsbein steht eher unschön vom Bett ab und sieht auch nicht sehr angenehm für sie aus.
Ich hole Bella die Krücken, stelle sie in ihre Größe ein und platziere sie unter ihre Arme. Ich führe ihre Hände zu den Griffen, dabei berühre ich sie länger als nötig.
„OK. Beim ersten Mal helfe ich dir noch auf, damit du dein Gleichgewicht findest. Versuch einfach mal aufzustehen", sage ich ihr und halte sie an den Schultern fest.
Sie setzt die Krücken auf und versucht sich hoch zu stemmen. Allerdings wäre sie so wieder nach hinten gefallen, hätte ich sie nicht fest im Griff.
„Versuch das nächste Mal, dein Gewicht erst auf dein gesundes Bein zu verlagern und stütz dich dann auf die Krücken. OK?"
„OK. Können wir es nochmal versuchen?"
Ich nicke ihr lächelnd zu und freue mich über ihren Einsatz. Dann lasse ich sie wieder zurück aufs Bett. Diesmal sichere ich sie nur ab, denn ich bin mir fast sicher, dass sie es diesmal ganz alleine schafft.
Und sie enttäuscht mich nicht und macht es genau, wie ich es ihr gesagt habe. Die Freude darüber, dass sie es alleine geschafft hat, steht ihr ins Gesicht geschrieben. Sie strahlt übers ganze Gesicht.
„Sehr gut. Und nun versuch ein paar Schritte zu gehen. Ist gar nicht so schwer", muntere ich sie auf.
„Sagst du", murrt sie, macht sich aber dennoch auf, für die ersten Schritte.
Es sind kleine Schritte, aber dennoch kommt sie vorwärts. Als sie größere Schritte macht, gerät sie leicht in Rückenlage, weshalb ich mich hinter ihr platziere und ihr ganz nah folge. Nur wenige Zentimeter trennen uns.
Und dann passiert es. Sie fällt nach hinten. Natürlich fange ich sie auf. Dabei kommt sie mir so nahe. Mein Gesicht verheddert sich in ihren Haaren, dabei kann ich nicht verhindern tief einzuatmen und den berauschenden Duft von ihr wahrzunehmen.
Für einen kurzen Moment kommt der wilde Vampir in mir hoch und möchte nur eins, Bellas Blut. Doch ihr enttäuschtes Wimmern holt den Edward wieder in mir hervor. Ich knurre kurz, allerdings eher, um die Wut auf mich selbst hinauszupressen. Bella soll nicht mitbekommen, was eben für kurze Zeit in mir vor ging.
„Entschuldige."
„Hey. Kein Grund, sich zu entschuldigen. Deshalb machen wir das Ganze doch hier. Das wird schon", versuche ich ihr, Mut zu machen.
„Ich bin einfach zu tollpatschig", verlässt sie der Glaube.
Ich helfe ihr auf, drehe sie zu mir herum und schenke ihr ein zuversichtliches Lächeln. Da sie enttäuscht zu Boden blickt, lege ich meine Finger unter ihr Kinn und bringe sie dazu, mich anzusehen. Erst nach einem langen Moment, sieht sie mir direkt in die Augen.
„Versprich mir bitte eins. Und das nicht nur heute. Gib nie auf. Kämpf für deine Ziele. Versprich es mir."
Sie atmet einmal durch, als würde sie die Worte einmal tief in sich aufnehmen.
„Versprochen", sagt sie leise.
„Geht das auch überzeugender?"
Das bringt sie wieder zum Lächeln.
„Versprochen", lacht sie.
„Geht doch. Wollen wir weiter machen?"
Diesmal nickt sie eifrig. Und nach einer halben Stunde hat sie die Krücken im Griff und hoppelt fröhlich durch ihr Zimmer.
„Wollen wir jetzt mal die Treppen versuchen?"
Sie schaut mich panisch an und schüttelt den Kopf. Darauf schaue ich sie durchdringend an und muss mich beherrschen, nicht zu lachen.
„Hast du nicht was versprochen?", sehe ich sie bestimmend an.
Daraufhin lässt sie resigniert die Schultern hängen und folgt mir in den Flur. Ich muss zugeben, wäre ich ein Mensch und müsste auf Krücken laufen, würde mir das Treppenlaufen auch schwer fallen. Vor allem, wenn man so ein zerbrechlicher Mensch wie Bella ist.
Doch ich sehe den wiederkehrenden Ehrgeiz in ihren Augen. Als wir uns am oberen Ende der Treppe befinden, höre ich erst, wie Charlie den Fernseher leiser stellt und dann aufsteht. Allerdings kommt er nicht in unser Blickfeld, sondern belauscht uns.
Bella muss mitbekommen haben, dass ich mich kurz auf meine Instinkte konzentriert habe und es um Charlie geht.
„Was?", fragt sie mich ganz leise.
„Charlie lauscht", hauche ich ihr ins Ohr und höre, wie ihr Herzschlag kurz aussetzt, um dann viel schneller zu schlagen.
Ob es an Charlies Lauschangriff lag, oder an meiner Nähe, kann ich leider nicht wahrnehmen. Unser Getuschel ruft auch Charlie auf den Plan. Am liebsten möchte er um die Ecke schauen, doch will er nicht Bella enttäuschen und reißt sich zusammen.
„OK. Das wird jetzt nicht einfach, aber du schaffst das. Hab keine Angst. Ich fang dich schon auf", zwinker ich ihr zu.
„Zuerst die Krücken und dann ziehst du dein Bein nach."
Sie nickt mir zu und holt erneut tief Luft. Ich gehe einige Stufen weiter runter, um mich vor sie zu stellen. Meine Hände lege ich erst mal an ihre Hüfte, was ihr Herz wieder kurz in Wallung bringt. Dabei soll es nur ihrer Sicherheit dienen.
Vorsichtig wagt sie die erste Stufe. Etwas wackelig, aber sie schafft es. Nachdem sie auch die zweite Stufe packt, streiche ich ihr sanft über die Hüfte.
„Prima. Jetzt lasse ich dich los."
Meine Hände gleiten von ihrem Körper und sofort vermisse ich den Kontakt. Aber ich denke wieder daran, dass es hier nicht um mich geht, sondern Bella.
Die nächsten Stufen meistert sie mit Bravour. Es dauert nicht lange und wir sind unten angekommen. Es war natürlich sehr anstrengend für Bella, deshalb setzt sie sich erschöpft auf die Treppe, als Charlie um die Ecke kommt.
„Wie läuft's?", will er wissen.
„Super. Ich hab es geschafft, die Treppen runter zu kommen, ohne mir oder Edward weh zu tun."
„Wow, Bells. Das schaffst du sonst nicht mal ohne Gips", grinst Charlie.
„Haha. Sehr witzig, Dad", ärgert sich Bella, muss aber dennoch mitlachen.
„Ich lass euch dann mal weitermachen", kommt es von Charlie und geht wieder Richtung seines Sessels.
Der Junge muss wirklich Talent haben. Bella kommt die Treppen sonst nie rauf oder runter, ohne zu stolpern. Ich muss mich wirklich in ihm geirrt haben. Sein Einsatz, um Bella zu helfen, ist wirklich erstaunlich, dafür, dass sie sich noch nicht so lange kennen.
Danach schalte ich mich aus seinen Gedanken aus und konzentriere mich wieder auf Bella, denn diese steht schon wieder bereit, die Treppen hinauf zu steigen. Und das meistert sie besser, als das Runtergehen.
Wir gehen zurück in ihr Zimmer, wo sie sich wieder auf ihr Bett setzt und ich mich neben sie.
„Danke, Edward. Ich glaube nicht, dass ich das mit jemand anderem so hinbekommen hätte. Ich-ich kann mich dir anvertrauen. Ich weiß, du würdest nicht zulassen, dass mir etwas passiert."
„Bella, es ist das Geringste was ich tun kann, schließlich sind wir dafür verantwort…"
„Nicht. Bitte gib dir oder den Anderen nicht die Schuld. Ich hätte einfach nicht so tief in den Wald gehen sollen, dann wäre das nie passiert."
Ihre Augen flehen mich regelrecht an, dem nicht zu widersprechen. Als ich dann auch nach längerem nichts sage, lässt sie sich nach hinten fallen.
„Wie geht es Rosalie?"
Sie ist doch unglaublich. Isabella Swan. Macht sich wieder mehr Gedanken über Andere, als über sich selbst. Aber das macht sie wieder so besonders.
„Sie macht sich große Vorwürfe. Ich mag mich nicht in ihrer Nähe aufhalten, weil sie immer wieder an den Unfall denkt. Sie wollte wirklich nicht, was geschehen ist. Ich soll dich von ihr und Emmett grüßen."
„Danke. Ich mache ihr sicher keine Vorwürfe. Vielleicht sollte ich mal mit ihr reden."
„Nein", sage ich bestimmend.
Sie schreckt zurück und ich merke zu spät, wie laut ich dabei gewesen bin.
„Bella, ich… es tut mir Leid. Ich wollte dich nicht so anfahren. Aber ich möchte nicht, dass du mit ihr redest. Nicht, bevor ich mit ihr geredet habe", flehe ich sie an.
„OK. Aber bitte rede mit ihr. Ich könnte nicht damit leben, wenn sie sich meinetwegen weiter Vorwürfe macht. Bitte."
„Wie du wünschst", lächle ich ihr zu.
Auf einmal nehme ich einen Geruch war, der mir alles andere als gefällt. Quileute.
„Ich muss gehen", presse ich hervor.
„Wieso? Aber ich dachte…"
„Es hat nichts mit dir zu tun. Du bekommst gleich Besuch."
Ihre Panik verwandelt sich in Irritation, bis es ihr klar wird.
„Jacob. Er wollte mich heute Abend wieder besuchen kommen", sagt sie halb enttäuscht.
„Deshalb gehe ich besser."
„Aber.."
„Es geht nicht, Bella. Wir sehen uns morgen wieder, OK? Warum kommen deine Eltern nicht morgen Abend schon zum Essen? Danach können wir die nächste Stunde angehen. Du hast das heute schon ganz gut gemacht und ich denke, dass Esmes Einladung nichts mehr im Wege steht", lächle ich ihr zu.
„Ich freu mich schon", strahlt sie übers ganze Gesicht.
„Ich ebenfalls. Und Alice erst mal", hebe ich die getrübte Stimmung.
Für eine Weile grinsen wir uns an, schauen uns tief in die Augen. Doch der immer näher kommende Wolf zerreißt die angenehme Atmosphäre. Ich versuche, meine Wut zu unterdrücken und drücke stattdessen Bella einen sanften Kuss auf die Stirn. Dabei verfangen sich ihre Augen in meinen und ich bringe es kaum fertig, mich von ihr zu trennen.
Doch der aufröhrende Motor vor dem Haus beendet die innige Nähe von mir und Bella erneut.
„Bis morgen, Bella", hauche ich ihr ins Ohr.
Ich stehe auf und gehe rückwärts zur Tür, denn ich kann mich nicht von ihren Augen trennen. Und sie scheint auch noch nicht bereit dazu zu sein.
„Danke, Edward. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe. Bis morgen", sagt sie und ihr Lächeln wird breiter.
„Bye", sage ich und reiße mich von ihr los.
Gemächlich gehe ich die Treppen hinab. Im gleichen Moment klopft es und Charlie geht zur Tür. Er schaut zu mir. Ohne groß Emotionen zu zeigen, bin ich überrascht, dass er sich nicht freut, dass Jacob Black gerade vor der Tür steht.
Das ändert sich auch nicht, nachdem Jacob ihn freudig begrüßt. Danach blickt Jacob zu mir und seine frohe Laune verpufft sofort.
„Was machst du hier?", presst er hervor.
„Edward ist Bellas Physiotherapeut", kommt Charlie mir zuvor.
„Was? Das ist nicht dein Ernst, Charlie. Wie konntest du das zulassen?"
Chief Swan ist erstaunt über Jacobs Ausbruch. So kannte er den Sohn seines besten Freundes nicht. Jacob bebt und ich befürchte fast, dass er sich vor den Augen Charlies nicht mehr unter Kontrolle kriegen wird und sich verwandelt.
„Edward macht seinen Job überraschend gut. Ich war auch nicht begeistert, aber Bella kommt jetzt schon mit den Krücken besser klar, als mit zwei gesunden Beinen ohne Krücken", lacht Charlie und ich reihe mich ein.
Jacob hingegen macht es nur wütender. Zeit zu gehen.
„Ich geh dann mal. Auf Wiedersehen, Chief Swan. Jacob."
„Warte noch einen Moment, Edward", überrascht mich Charlie.
„Geh doch schon mal zu Bella, Jake. Sie wartet sicher schon."
Unbegeistert tut Jake, was Charlie ihm sagte und stampft die Treppen hinauf. Ich bin beruhigt, dass er seinen Zorn etwas zügeln kann. Dennoch gefällt es mir nicht, dass der Quileute bei Bella ist.
Charlie folgt mir nach draußen und beide bleiben wir an meinem Volvo stehen. Er blickt einmal umher, als wolle er sein Revier sichern und schaut mich dann direkt an.
„Es stimmt, ich war absolut nicht begeistert von der Idee, dass du Bellas Physiotherapie übernimmst. Doch ich habe mich geirrt. Du machst das wirklich gut. Bella scheint sogar ihren Spaß daran zu haben. Ich hab dich falsch eingeschätzt, dafür will ich mich entschuldigen…."
„Chief Swan…", will ich unterbrechen, doch er hebt die Hand, um diesmal mich zu stoppen.
„Ich habe meiner Tochter beigebracht, niemanden vorab zu verurteilen und habe es selbst getan. Du bist ein guter Junge. Ob gut genug für meine Tochter, daran will ich noch nicht denken, aber tu ihr nicht weh, denn ich sehe, wie du sie ansiehst."
Darauf war ich jetzt nicht gefasst. Hat er mir gerade erlaubt, seine Tochter zu daten? Ich glaub es ja nicht. Dass ich nicht hoch im Kurs bei ihm stand, haben mir seine Gedanken oft genug gezeigt, aber nun haben sie sich verändert.
„Verstanden?"
„Ja, Sir", antworte ich ihm schnell.
„Charlie", sagt er und reicht mir dir Hand.
„OK. Charlie. Bis morgen", lache ich ihm zu und schüttel kräftig seine Hand.
Ich steige in meinen Volvo und fahre schnell davon. Nicht zu schnell, will ich mir doch meinen gewonnenen Kredit bei Charlie nicht zerstören. Als ich erst mal einige Kilometer gefahren bin, begreife ich so richtig Charlies Worte.
Der Weg zu Bella steht nun frei. Ich habe wirklich seinen Segen. Renée brauchte ich nicht mehr überzeugen. Nun hoffe ich doch, die Hauptperson überzeugen zu können, Bella selbst.
Wir haben heute schon einen guten Anfang gemacht. Ich denke, ihr Vertrauen in mich ist etwas gestiegen. Zumindest konnte ich keine richtige Angst bei ihr spüren, auch wenn Jasper das sicher besser hätte interpretieren können.
Sorgen bereiten mir nur die Wölfe. Jacobs Gedanken gefielen mir gar nicht. Sie zeigen Reue, wie er Bella behandelt hat. Aber was mich am meisten stört, sind seine Gefühle für Bella. Die gefallen mir ganz und gar nicht. Da muss ich aufpassen. Aber Charlie wird die beiden heute Abend nicht so in Ruhe lassen, wie, als ich bei Bella war. Beruhigend.
Nun heißt es erst mal, mich Rosalie zu stellen. Das wird uns allen gut tun, die Sache endlich hinter uns zu lassen.
TBC
