„Was heißt das, ich kann nicht zu ihr? Sie ist mein Schützling! Ich will sofort zu ihr!"

Der ältere Mann im weißen Kittel vor Finnick sah sich nervös um, aber in dem sterilen Gang standen nur zwei leere orangene Plastikstühle. „Präsident Snow hat noch nicht die Freigabe gegeben."

Finnick beugte sich etwas nach vorne. „Habe ich richtig gehört? Präsident Snow?" Seine Miene verriet nichts von seinem panisch schlagenden Herzen. Snow! Er wusste es. Der Mann wusste immer alles. Was hatte Finnick sich nur dabei gedacht, gegen alle Regeln zu verstoßen? Oh, ja, er hatte nicht gedacht, er hatte sein Herz entscheiden lassen. Wenn man mit Snow zu tun hatte, war das keine gute Entscheidung.

„So etwas hat es noch nicht gegeben. Jedenfalls nicht, solange ich mich um die Sieger kümmere." Finnick riss sich zusammen und versuchte sich über das Rauschen in seinen Ohren auf dass zu konzentrieren, was der Arzt sagte. „Was hat es noch nicht gegeben?"

Jetzt wich der Arzt nicht nur seinem Blick aus, sondern trat einen Schritt zurück, um dann um ihn herum zu schreiten. „Ich habe keine Zeit mich mit ihnen zu streiten. Warten Sie, bis der Präsident sich entschieden hat." Bevor Finnick noch protestieren konnte, war der Arzt den Gang hinuntergehetzt und in einem Aufzug verschwunden.

Finnick sah sich in dem Gang um. Hier gab man sich nicht einmal Mühe, die Überwachungskameras zu verstecken. Sie hingen ganz offen an der Decke und blinkten ihn rot an. Er musste logisch an die Sache herangehen und auf seinen Überlebensinstinkt vertrauen.

Sie hatten ihn nicht verhaftete, dementsprechend war sein Betrug nicht aufgeflogen. Trotzdem hatte er zu viel Interesse an Annie gezeigt und das war nicht gut.

Er rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht. Obwohl alles in ihm danach verlangte, die Tür zu Annies Krankenzimmer einzutreten, wandte er sich um und folgte dem Arzt zum Aufzug. Vielleicht würde er an anderer Stelle mehr erfahren.

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Finnick trat durch die Tür seiner Wohnung. Eine seiner ersten ‚Flammen', eine Tochter eines Bauunternehmers hatte ihm die Wohnung geschenkt. Es war eines der wenigen Geschenke, dass er behalten hatte. Die Wohnung gab ihm das Gefühl der Unabhängigkeit von Snow. Auch wenn er sicher war, dass sie verwanzt war. Während er sich die Jacke auszog, griff er bereits nach dem Telefon.

Es klingelte nur zwei Mal, dann nahm jemand ab. „Loreley? Finnick hier." Auf der anderen Seite herrschte kurz Schweigen. „Finnick. Schön von dir zu hören. Gratuliere zu deinem Gewinner. Auch wenn ich nicht damit gerechnet habe." Loreleys Stimme war schön und kalt, wie immer.

„Ja, damit hat wohl keiner gerechnet. Unser Glück, dass die Arena überschwemmt wurde." Ein nichtssagendes Hm war ihre Antwort. „Sag' mal, arbeitest du noch im Krankenhaus beim Palast?" Ein glattes Lachen drang durch den Hörer.

„Ich habe schon mit deinem Anruf gerechnet, als ich hörte, dass keiner zu ihr darf. Aber bevor du fragst, ich habe keine Ahnung, was los ist." Loreley war nicht nur eine der schönsten Frauen, der er je begegnet war, sondern auch eine der intelligentesten. Er hätte sich wirklich in sie verlieben können – wenn er nicht der Spielball von Snow gewesen wäre und sie verheiratet.

„Wenn du einmal wild spekulieren würdest, was würdest du sagen?" Finnick schloss die Augen und hoffte, auf was genau, wusste er nicht.

„Wenn ich spekulieren würde? Sie war nicht schwer verletzt, als sie reinkam. Unterkühlt, unterernährt und erschöpft – wie alle Sieger. Das ist nichts, was nicht binnen einiger Tage bereinigt werden kann. Selbst wenn man ihre Brüste vergrößert hat und andere Schönheits-OPs durchgeführt hätte, dann sollte das mittlerweile erledigt sein."

Finnick schluckte. Seine Gedanken hingen noch bei den Schönheits-OPs als ihm bewusst wurde, dass Loreley nichts mehr sagte. „Das ist aber alles keine Spekulation. Das sind Tatsachen."

Sie lachte leise. „Ja, soweit haben wir nur Fakten aufgelistet. Was bleibt also übrig, wenn körperlich alles in Ordnung sein sollte? Und wenn ich mir ihr Verhalten in den Spielen anschaue, würde ich darauf wetten, dass sie psychisch labil ist und sie versuchen, sie zu stabilisieren."

Finnick ließ sich auf den Boden sinken. „Psychisch?" Er rieb sich über die Augen. Was hieß das?

„Ich bin keine Spezialistin auf dem Gebiet, aber ich denke, sie könnte sich ganz in ihre eigene Welt zurückgezogen haben. Oder sie ist aggressiv geworden und greift alles an, was ihr zu nahe kommt. Aber nach ihrem Verhalten würde ich auf Ersteres tippen."

Finnick starrte ins Leere. In ihre eigene Welt zurückgezogen? Was bedeutete das?

„Es tut mir leid, Finnick. Aber für die Kleine wäre es vielleicht besser gewesen, sie wäre nicht aus der Arena zurückgekommen." Das Wort Arena löste eine Kaskade von Bildern vor seinem inneren Auge aus. Energisch schob er sie zur Seite und lachte trocken. „Ich sage das sicher nicht zum ersten Mal, aber keiner von uns kehrt jemals wirklich aus der Arena zurück. Irgendwo tragen wir alle ein kleines Stück davon mit uns herum."

Schweigen breitete sich aus. „Tut mir leid, Loreley. Du hast das nicht verdient. Danke für deine Hilfe!" Er hörte ein leises Seufzen. „Kein Problem, Finn. Es tut mir leid!"

Sie verabschiedeten sich und Finnick stand vom Boden auf. Eine Dusche würde ihm gut tun.

Aus den Augenwinkeln sah er eine Bewegung. Vor ihm stand der Tribut aus Distrikt 10. Ein Messer in der erhobenen Hand. Finnick riss das Netz hoch und warf es ihm entgegen. Es traf den Jungen an der Brust und die Zeit, die er benötigte, um es aus dem Weg zu schlagen, nutzte Finnick und warf seinen Dreizack. Er segelte in einer perfekten Kurve und landete genau im Ziel: der Brust des Jungen. Die drei Spitzen drangen tief in die Brust ein. Rissen Haut, Muskeln und Blutgefäße auf ihrem Weg in Fetzen. Blut spritzte. Ein Röcheln und roter Schaum, der aus seinem Mund quoll, waren die letzten Lebenszeichen des Tributen aus Distrikt 10, dann kippte er nach hinten über. Finnick starrte auf den toten Jungen, hörte die Kanone, die seinen Tod verkündete.

Das Telefon in seiner Hand holte ihn aus der Episode. Zitternd sank er auf den Stuhl, der neben ihm stand. Solche Episoden hatte er kurz nach den Spielen oft gehabt, aber schon seit Jahren nicht mehr erlebt. Das Telefon klingelte immer noch.

Unsicher drückte er auf den Knopf und hob es an sein Ohr. „Ja?"

„Mister Odair?" Die männliche Stimme klang offiziell. „Ja, am Apparat." - „Präsident Snow möchte sie in einer Stunde in seinem Büro sehen." Er räusperte sich, damit seine Stimme fester klang. „Ich werde da sein."

Der Tag war einer der schlimmsten in seinem Leben und er ging gerade steil bergab.

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„Mister Odair, nehmen Sie Platz." Snow hatte ihn zwei Stunden warten lassen. Jetzt deutete er auf den unbequem aussehenden Stuhl vor seinem Schreibtisch. Finnick setzte sich und stellte sofort fest, dass der Stuhl noch unbequemer war, als er aussah.

„Ich habe gehört, Sie haben sich aufgeregt, dass Sie ihren Schützling nicht sehen konnten." Der Präsident hob eine Augenbraue. „Ja, Sir. Der Arzt wollte mir nichts über ihren Gesundheitszustand sagen und unsere Sponsoren fragen mir ein Loch in den Bauch. Alle machen sich Sorgen und ich weiß nicht, was ich ihnen sagen soll. Es ist doch mein erstes Mal als Mentor."

Snow musterte ihn, während er seine Hände vor seinem Gesicht aneinanderlegte. „Sie machen das schon ganz gut. Schließlich hat ihr Schützling gewonnen, obwohl niemand ihr auch nur die geringste Chance eingeräumt hat." Er legte eine kurze Pause ein. „Dem Spielemacher ist ein Fehler unterlaufen. Der Damm hätte nicht brechen dürfen. Aber das haben Sie sicher schon gehört."

Finnick begann zu schwitzen. Seine Gedanken liefen auf Hochtouren. „Ich habe so etwas gehört." Snow nickte, richtete sich auf und lief um den Schreibtisch. Vor Finnick blieb er stehen und lehnte sich gegen den Tisch. Dabei ließ er Finnick nicht eine Sekunde aus den Augen. „Ich will ehrlich mit Ihnen sein. Diese Spiele waren eine Katastrohe und diese Katastrophe ist noch nicht zu Ende." Er trat nah an Finnick, sodass der Rosenduft Finnick umhüllte. „Irgendetwas stimmt da nicht. Und das gefällt mir ganz und gar nicht!" Sein Blick und das Schweigen stellten Finnicks Nerven auf die Probe, aber er wich nicht den stahlharten Augen des Präsidenten aus. Snow trat einen Schritt zurück, lehnte sich wieder an den Schreibtisch. „Aber es sind ihre ersten Spiele. Ich kann verstehen, dass der Ehrgeiz mit ihnen durchgebrannt ist. Denn Sie werden sich doch nicht in die Kleine verliebt haben. So dumm sind Sie nicht, oder?"

Finnick sah ihm direkt ins Gesicht und begann zu lachen. Snow wusste es, aber er ließ ihn laufen. Das alleine war Grund genug hysterisch zu lachen. „Nein, Präsident Snow. Sie ist ja noch nicht einmal besonders hübsch!"

Snow nickte zufrieden.

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Einen Tag später stand Finnick erneut vor dem Arzt.

„Sie hat sich eine eigene Realität aufgebaut. Sie hat die Spiele nicht überlebt, war nie in der Arena, aber sie erinnert sich an den männlichen Tribut, mit dem sie vor den Spielen laut meiner Akten keinen größeren Kontakt hatte. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sie auf Sie reagieren wird."

Finnick hatte tausend Fragen, stellte aber die unwichtigste, die die von ihm erwartet wurde. „Und wie sollen wir mit ihr die Abschlussshow machen, wenn Sie sich nicht erinnert? Wie kann Cesar sie interviewen?"

Der Arzt sah ihn mit einem ironischen Gesichtsausdruck an. „Ich kann Ihnen nicht einmal sagen, wie wir sie davon abhalten sollen, das ganze Kapitol zusammenzuschreien, wenn sie die Zusammenschnitte der Spiele sieht." Er drehte sich um und erklärte mit der Hand auf der Klinke: „Sehen Sie selbst. Vielleicht haben Sie ja einen Durchbruch bei ihr." Er zuckte mit den Achseln und schob die Tür auf.

Der Arzt betrat das Zimmer und erklärte in einem aufgesetzt fröhlichen Tonfall: „Sie haben Besuch, Annie!" Bevor Finnick durch die Tür treten konnte, hörte er ihre hoffnungsvolle Stimme. „Ist Papa gekommen? Holt er mich endlich nach Hause?"

Annie saß an das Kopfende des Bettes gelehnt, die Locken standen ihr wild vom Kopf ab. Finnicks Blick glitt über ihr Gesicht, ihren Körper entlang und blieb an ihren Brüsten hängen. Sie hatten sie vergrößert. Sie waren perfekt gewesen und diese Idioten aus der Kapitol hatten sie vergrößern müssen!

Annie gab einen quietschenden Ton von sich. Ihre Blicken trafen sich. Und Finnick verstand ein wenig, was der Arzt meinte. Er konnte sehen, dass sie ihn nicht erkannte. Nicht als ihren Mentor oder den Mann, mit dem sie …

„Finnick Odair?" Sie sah zur Seite.. „Mama, was macht Finnick Odair hier?" Finnick runzelte die Stirn. Annie lachte, den Blick immer noch auf die gleiche Stelle in der Luft geheftet. Er räusperte sich. Annies Kopf ruckte herum. Ihr Blick flackerte seltsam, als könne sie sich nicht auf ihn konzentrieren.

„Wie geht es dir Annie?" Sie musterte ihn mit gerunzelter Stirn. „Ganz gut. Wieso kommt Finnick Odair zu mir ins Krankenhaus? Ist das so ein Wohltätigkeitsding für kranke Mitbürger?" Finnick trat an das Fußende des Bettes und hielt sich an der Metallstange am Fußende, fest.

„Ich bin der Mentor der Tribute aus unserem Distrikt und du bist die Siegerin …" Aber sie ließ ihn nicht zu Ende sprechen. „Warum erzählen mir alle so einen Blödsinn! Ich wüsste doch, wenn ich in der Arena gewesen wäre! Duncan, sag ihm, dass er verrückt ist!" Sie sah nun auffordernd auf eine Stelle in der Ecke hinter Finnick. Es lief ihm eiskalt über den Rücken.

„Annie, Duncan ist tot." Sie sah ihn ungläubig an. Ihr Blick glitt wieder zur Ecke, in der sie offensichtlich Duncan sah. Einen Moment war alles ruhig, dann verzerrte sich ihr Gesicht, sie presste die Fäuste gegen ihre Ohren und begann zu schreiben: „Nein! Nein!" Sie begann, den Kopf zu schütteln. „Nein! NEIN!" Er sah hilflos zu, wie sie sich immer weiter in diesen Anfall steigert, sie wurde immer verzweifelter und lauter.

Hilfesuchend sah er sich zu dem Arzt um. Der hatte bereits eine Spritze mit einer gelblichen Flüssigkeit gefüllt. Mit wenigen Schritten stand er neben Annie. Sie wich schreiend vor ihm zurück. Er sah zu Finnick. „Helfen Sie mir! Halten Sie sie fest!"

Automatisch trat Finnick neben Annie und presste sie an den Oberarmen auf das Bett. Ihre Augen waren weit aufgerissen und er sah Panik darin. Wild bäumte sie sich unter ihm auf, versuchte ihn zu beißen. Unbewusst hielt er sie fester. Sein ganzes Gewicht lag auf dem schmalen Mädchen.

Dann trat der Arzt zurück. „Sie können loslassen. In einigen Minuten schläft sie." Finnick trat hektisch an die Wand zurück. Annie lag apathisch auf dem Bett. Die Augen immer noch weit aufgerissen. Finnick durchströmten eine Milliarde Gefühle. Scham, Ungläubigkeit, Hilflosigkeit. Annie war zerbrochen und er hatte keine Ahnung, wie man sie wieder kitten konnte.

Der Arzt winkte ihn nach draußen. Auf dem Gang begann er zu reden. „Normalerweise werden solche Fälle nicht behandelt. Sie werden in Arbeitsbereiche gesteckt, wo man sich um sie kümmert und sie ein harmloses, aber produktives Leben führen können. Aber mit der Siegerin der Hungerspiele geht das nicht. Wir sind im Moment dabei, alte Aufzeichnungen durchzusehen. Es gab früher einmal eine medizinische Richtung, die sich mit der Psyche beschäftigt hat. Es gab Medikamente, Therapieformen aber diese Krankheit wäre auch damals nicht heilbar gewesen – nicht in einem so schweren Fall. Wir versuchen unser Beste, aber ich kann nichts versprechen. Wir haben von Präsident Snow eine Woche Zeit bekommen, bis die Abschluss-Show stattfindet. Ich sage Ihnen Bescheid, wenn wir Fortschritte machen."

Wie eine Marionette nickte Finnick. Sein Leben, das ihm manchmal unerträglich vorkam, war gerade zu einem Alptraum geworden.

Ein Mann in Uniform trat auf sie zu. „Doktor Lovejoy, Mister Odair, bitte folgen Sie mir. Präsident Snow möchte mit Ihnen sprechen." Der Arzt richtete sich gerade auf und zupfte an seinem Kittel. Er sah sehr gewichtig aus, wie er dem Uniformierten folgte. Finnick strich sich durch die Haare. Er konnte sich nicht vorstellen, was Snow schon wieder von ihm wollte.

Sie traten in den Aufzug und der Uniformierte drückte auf einen Knopf der Kellerstockwerke. Dr. Lovejoy runzelte die Stirn. „Normalerweise werden die Gespräche mit dem Präsidenten immer in den Konferenzräumen im siebten Stock abgehalten."

Der Soldat antwortete, schaute aber immer noch geradeaus auf die nun geschlossene Aufzugstür. „Heute nicht."

Schweigend fuhren sie in den Keller. Finnick sah noch einmal auf die Knöpfe mit dem Überblick über die Stockwerke. Neben jedem Knopf und der Stockwerkszahl standen Abteilungsbezeichnungen. Bei den Kellerstockwerken gab es nur neben dem höchsten eine Abteilungsbezeichnung, die Pathologie. Alle anderen waren unbeschriftet.

Die Aufzugstüren glitten auf und sie folgten dem Uniformierten einen Gang hinunter, von dem Türen auf beiden Seiten abgingen. Vor einer blieb der Uniformierte stehen. Finnick konnte keinen Unterschied zwischen dieser und irgendeiner anderen der Türen erkennen. Der Uniformierte deutete ihnen an, das Zimmer zu betreten.

In dem Raum befand sich ein Konferenztisch, an dem Snow in seinem untadeligen Anzug eine Tasse Tee trank. Auf einem Teller lagen Kekse. Der Anblick war skurril, weil die Tasse und der Teller aus feinstem Porzellan waren, nicht wie das restliche Krankenhausgeschirr, das aus weißem billigen Plastik bestand.

Eine Wand des Zimmers wurde durch ein Fenster eingenommen. Auf der anderen Seite sah Finnick einen Behandlungsraum. Ein Mann im Kittel arbeitete dort. Es sah aus, als bereite er etwas vor.

Snow stellte seine Tasse ab. „Guten Tag, die Herren. Nehmen Sie doch Platz." Dr. Lovejoy suchte sich einen Platz mit dem Rücken zum Fenster aus, als Finnick sich neben ihn setzen wollte, hielt Snow ihn zurück. „Finnick, setzen Sie sich doch bitte hier an meine Seite." Ein unbehagliches Gefühl breitete sich in ihm aus.

„Nun, Doktor, wie geht es unserer Miss Cresta?" Snow wandte sich an den Arzt und beachtete Finnick nicht weiter.

Hinter der Scheibe kamen nun zwei Friedenswächter durch eine Tür, in deren Mitte eine Frau lief. Finnick konnte ihr Gesicht nicht erkennen, sie hielt ihren Kopf gesenkt und die langen Haare verdeckten ihre Züge. Sie wurde auf einen Stuhl bugsiert. Die Friedenswächter schnallten ihre Arme und Beine an den Stuhl.

Finnick wurde übel. Was auch immer dort vor sich ging, sah nicht nach einer normalen Untersuchung aus.

Jetzt schnallten sie auch den Kopf der Frau fest und Finnick erkannte sie. Sein Herz wollte ihm aus der Kehle springen. Es war die Frau aus der Spieleadministration, die das Brot für Annie abgeschickt hatte. Ein Band wurde um ihre Stirn geschnallt, ein weiteres um ihr Kinn.

Der Mann im Kittel hob nun eine Spritze an und trat vor die Frau. Sie spannte sich an, als wollte sie aus dem Stuhl springen, konnte sich aber durch die Fesseln nicht bewegen. Finnick konnte nicht sehen, was der Mann mit der Spritze machte, aber als er zurücktrat, waren die Augen der Frau weit aufgerissen. Und eine seltsame Apparatur hielt ihren Mund geöffnet.

Die Friedenswächter traten zurück an die Tür und sahen starr geradeaus.

Der Mann trat mit einem zangenartigen Instrument auf die Frau zu.

Der Duft von Rosen drang in seine Nase. „Es ist immer wieder faszinierend, die Avox-Prozedur zu sehen. Finden Sie nicht?"

Finnick schoss der Speichel in den Mund, sein Mageninhalt hob sich. Er sprang vom Stuhl, nuschelte eine Entschuldigung und rannte aus dem Zimmer. Auf dem Gang sog er gierig Luft ein. Aber die Übelkeit nahm nicht ab. Er sah vor seinem inneren Auge immer noch die festgeschnallte Frau und hörte Snows Stimme. Hektisch sah er sich um. Aber alle Türen sahen gleich aus. Er rannte den Gang entlang, dann sah er eine verwelkte Topfpflanze in einer Ecke, warf sich davor und übergab sich.

Er würgte, bis nichts mehr kam und noch weiter. Als sein Magen sich beruhigte, bemerkte er den Uniformierten, der in einigen Metern Entfernung auf ihn wartete. Er sah zu der Topfpflanze. Beschämt kam er auf die Beine. „Habe keine Toilette gefunden." nuschelte er. Aber der Mann reagierte nicht. Finnick lief in den Gang zurück. Halb erwartete er, dass der Mann ihn in das Behandlungszimmer brachte, aber er lief nur hinter ihm her.

Eine Tür öffnete sich und die zwei Friedenswächter traten aus dem Raum dahinter. Die Frau hing leblos zwischen den beiden Soldaten. Sie zerrten sie mit sich, die Beine schleiften über den Boden, das Haar hing ihr ins Gesicht, aber Finnick konnte trotzdem sehen, dass Blut aus ihrem Mund floss.

Sein Magen zog sich erneut zusammen. Als die kleine Gruppe an ihm vorbei war, lehnte er sich gegen die Wand und atmete tief ein. Die Tür neben ihm öffnete sich. Dr. Lovejoy trat heraus und sah ihn kurz kritisch an, dann lief er weiter zum Aufzug. Snow folgte dem Arzt etwas langsamer.

Neben Finnick blieb er stehen. „Sie sollten sich zusammenreißen, Finnick. Sie brauchen ihre Nerven in den kommenden Tagen. Das Interview wird aufregend, ganz zu schweigen von der Siegestour." Damit ließ er Finnick stehen, gab dem Uniformierten ein Zeichen und verschwand um eine Ecke im Gang.

Finnick lehnte sich erschöpft an die Wand.

Leider hat es länger gedauert, dieses Kapitel zu posten und wenn ich ehrlich bin, hätte ich es noch mal überarbeiten sollen. Aber ich wollte was neues posten – nun, da ist es nun.

Das Annie-Kapitel ist etwas schwieriger, weil ich irgendwie den Stimmen, die sie hört ja einen Sinn geben muss. Zumindest für Annie…. Seufz….

Ich habe noch weitere Schreibprojekte im Moment und weil ich die ernsthaft ‚veröffentlichen' möchte, werde ich mich mehr darauf konzentrieren. Aber ich werde Survivors beenden. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie alles enden wird.

Also: ich hoffe, ihr habt viel Geduld und trotz allem Spaß an der Geschichte. Schaut auf meinem Blog vorbei oder schreibt mir, falls ihr updates haben möchtet.

Liebe Grüße und Danke für's Lesen!

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