Kapitel 8
Schlechte Nachrichten
Verschlafen öffnete Siriarnen die Augen. Sein Gemach wurde von hellen Sonnenstrahlen beinahe schon blendend erleuchtet und stöhnend drehte er dem großen Fenster den Rücken zu. Elbereth, er war bis spät in die Nacht noch wach gewesen und hatte mit Oropher darüber diskutiert, ob längere Haare besser aussahen als kürzere. Ein Sinnloses Gespräch, wie ihm jetzt klar wurde. Und die Argumente waren auch immer schlechter geworden. Was hatte den auch schon eine zu groß geratene Fledermaus, mit den langen silberblonden Haaren des Königs zu tun? Rein gar nichts.
Aber so weit Siriarnen sich erinnern konnte, hatte er damit argumentiert, dass diese Fledermäuse zwar groß und prächtig waren, aber dennoch keine Haare besaßen! Bei den Valar, hoffentlich hatte ihn niemand gehört!
Und jetzt sollte er schon wieder aufstehen? Hatte er überhaupt zwei Stunden geschlafen? Sicher war sich der blonde Sinda dabei nicht. Er gähnte herzhaft, etwas, was er sich nur in seinen privaten Räumen gönnte und zog sich die Decke über den Kopf. Denn erstens, war es so wieder schön dunkel und zweitens, konnte er die mollige Wärme jetzt noch besser genießen.
Schon ein paar Minuten später war Siriarnen weggedöst und über seine grünen Augen hatte sich der graue Schleier des Schlafes gelegt.
Ein Geräusch holte den ellon zurück aus dem Reich der Träume. „Klok, Klok, Klok", machte es und der Kriegsberater Orophers sah sich verwirrt um, bis ihm klar wurde, dass jemand an seine Tür klopfte.
„Ja, bitte!", rief er und richtete sich auf. Als die Tür geöffnet wurde, stand Dannaross vor dieser und starrte den älteren mit geöffnetem Mund an.
Innerlich stöhnte der Sinda auf. Das konnte ja noch etwas werden. Der Hauptman von Orophers Garde war ihm zwar untergestellt, allerdings hielt er nicht sehr viel vom verspäteten Erscheinen und, soviel wusste Siriarnen ganz genau, er hätte schon längst mit dem Training der auszubildenden Tawarwaith beginnen müssen. Wahrscheinlich ging es schon auf Mittag zu! Und er, der oberste Berater des Königs unter Eiche und Buche, war auf frischer Tat ertappt worden, wie er noch immer im gemütlichen Bett lag. Und das auch noch von Dannaross!
„Lord Siriarnen!", brachte der Tawarwaith schließlich hervor. „Glaubt ihr, ihr müsstet zu den Unterrichtsstunden nicht erscheinen?"
In seiner erzürnten Stimme schwang auch ein wenig Zorn mit und seufzend schwang Siriarnen seine Beine über die Bettkante.
„Ich bin gleich fertig!", murmelte er, mit noch etwas heiserer Stimme und huschte dann in das nebenliegende, relativ große Bad.
Der blonde Sinda schöpfte mit den Händen ein wenig kaltes Wasser aus dem kleinen Becken, rechts neben ihm und klatschte sich dieses dann in das verschlafene Gesicht. Sofort verflog die bedrückende Müdigkeit und er riss seine smaragdgrünen Augen auf.
Dann begann er sich seiner Schlafsachen zu entledigen und zog sich die grüne Tunika und dunklen Beinlinge an, die er zum Kämpfen immer trug. Anschließend flocht er seine halblangen, blonden Haare zurück und betrat wieder den großen Raum, in welchem sein breites Bett stand.
Der durchdringende Blick Siriarnens blieb kurz an Dannaross hängen, der noch immer in der Tür stand und ihn missbilligend musterte. Dann schnappte er sich seine Armschoner, die auf einer Kommode lagen.
Hinter der Tür griff er noch rasch nach seinem Schwert und seinem Bogen und dann machte er sich auf den Weg zu dem Trainingsplatz, mitsamt dem Hauptmann, der ihm dicht auf den Versen war.
Als die beiden auf der Lichtung angekommen waren, wartete dort schon eine Gruppe von jungen Tawarwaith, die sich unter der Leitung Dorontelchs im Schwertkampf übten.
„Dorontelch!", rief der Sinda dem Sohn seines Seelenbruders zu und dieser drehte sich um. Siriarnen meinte ein lautes Lachen von ihm zu hören und fragend sah er ihn an.
„Du bist auch schon wach du zu groß geratene Fledermaus!", rief der junge Prinz und kam dem Berater seines Vaters entgegen.
„Aber…", wollte Siriarnen entgegnen, verstummte jedoch und schlug sich stattdessen mit der Hand gegen den Kopf. Oh bitte ihr Valar, betete er. Bitte lasst es nicht wahr sein! Bitte sagt nicht, dass er mich gehört hat!
„Sehr schönes Argument!", machte da aber der junge, blonde Elb seine Hoffnung zunichte. Er trat einen weiteren Schritt auf ihn zu, lachte erneut auf und klopfte ihm auf die Schulter.
„Vielleicht solltest du dich jetzt um diese jungen Elben", damit deutete er auf die Tawarwaith, die aufgehört hatten zu kämpfen und stattdessen die beiden Sinda beobachteten, „kümmern."
Siriarnen nickte abwesend und trat ein paar Schritte nach vorne. „Weitermachen!", befahl er nach einer kleinen Pause schließlich laut und sofort fanden sich wieder die Paare aus Elben zusammen, die sich duellierten.
„Nein, nein, Stop!" Der Kriegsberater Orophers trat zu zwei Tawarwaith, die gerade erst mit ihrer Ausbildung begonnen hatten. Sofort ließen die beiden ihre Schwerter sinken und sahen ihn fragend an.
„Du hältst es vollkommen falsch!"
Verwirrt sah der junge Elb, kaum fünfzig Jahre alt, ihn an. „Na das Schwert!", antwortete Siriarnen dem fragenden Blick.
„Sieh mal!" Damit zog er sein eigenes Schwert und zeigte dem Tawarwaith, wie er seines halten musste.
„Und nicht so krumm!", fügte er zum Schluss noch hinzu. „Und du!", damit deutete er auf den Kampfpartner des dunkelhaarigen, jungen ellons. „Wo sind deine Armschoner? Habe ich nicht gestern noch gesagt, dass ihr sie unbedingt mitbringen sollt? Und jetzt? Schon wieder nicht dabei! Wenn du sie morgen wieder nicht da hast, dann kannst du aussetzten und stattdessen helfen, den Thronsaal zu putzen!"
Eingeschüchtert nickte der Elb und zufrieden wandte sich Siriarnen dem nächsten Paar zu, um sie zurechtzuweisen.
„Ihr könnt mir helfen!", rief der blonde Sinda Dorontelch und Dannaross zu, die ihm zugesehen hatten. Die grünen Augen des ellons blitzten und sofort begannen die beiden, die Auszubildenden ebenfalls zu beobachten und gegebenenfalls zu belehren.
So ging es die nächste Stunde weiter, bis eine fröhliche Stimme alle Anwesenden dazu brachte, den Blick auf den Neuankömmlingen zu richten.
„Alae, Siriarnen, Dorontelch, Dannaross!", rief Thranduil und kam mit beschwingten Schritten näher. Er trug eine dunkelgrüne Tunika, sowie braune Beinlinge und schwarze Stiefel. Sein Schwert hatte er sich ebenfalls umgegürtet und seine langen, hellblonden Haare wurden durch die typischen Flechtsträhnen aus dem Gesicht gehalten.
„Ich wollte nur trainieren!", rief er dann auch schon und grinste breit. „Wie wäre es mit einem Übungskampf Siriarnen?" Die blauen Augen des Thronfolgers glitzerten erwartungsvoll.
„War das eine Herausforderung?", fragte der Heerführer und bester Freund Orophers nach und seine grünen Augen fingen ebenfalls an zu leuchten, als der Sindaprinz grinsend nickte.
„Dazu sag ich nicht nein", meinte Siriarnen und zog sein Schwert.
Sofort wichen alle jungen Tawarwaith zurück und bildeten einen Halbkreis um ihren Prinzen und ihren Anführer die sich mit maßenden Blicken beobachteten.
„Lord Siriarnen! Prinz Thranduil", hörte man Dannaross. „Das hier ist nicht der richtige Augenblick, um einen Übungskampf auszufechten!" Aber niemand hörte auf ihn.
Stattdessen beobachteten alle weiterhin die beiden Sindaelben.
Siriarnen griff als erster an. Es war ein heftiger Schlag, aber der Thronfolger des Eryn Galens wehrte ihn mühelos ab und es gab ein lautes Klirren. Dann Griff der Prinz ihn an und der Kampf wurde schneller.
Siriarnen sprang in die Höhe, als das Schwert seines Gegners die Luft zu seinen Füßen durchschnitt und schlug dann seinerseits nach Thranduil, der geschickt auswich, seine Hand kurz drehte und sein Schwert dann als Stichwaffe nutzte.
Der Kriegsberater des Königs parierte den Schlag mühelos und wich zwei Schritte zurück.
Der silberblonde Elb folgte ihm und ließ erneut einige Schläge auf ihn niederregnen und Siriarnen erkannte, dass ihm der Sohn seines Seelenbruders schon seit einiger Zeit ebenbürtig war. Anerkennend nickte er, bevor er einem erneuten Schlag auswich und dann mehrere Schläge gegen den Kronprinz richtete. Metall traf auf Metall und es stoben einige Funken.
Thranduil sprang auf eine kleine Mauer, die am Rande des Trainigsplatzes angebracht war.
Siriarnen folgte ihm und sprang ebenfalls auf die Erhöhung.
Drei Schritte vorwärtsgehend, jagte er den Thronfolger bis zum Ende der Mauer und gewann kurz die Oberhand, als der jüngere strauchelte und wieder zurück auf den Boden sprang. Dann fing sich der Prinz wieder und wich soweit zurück, bis Siriarnen ebenfalls die Mauer verlassen musste und ihm zurück in die Mitte der Lichtung folgte.
Dort ging der Kampf weiter und der blonde Kriegsberater musste einige Schläge einstecken, bevor er sich wieder mit vollkommener Kraft seinem Gegner zuwandte.
Einige Sekunden umkreisten die beiden sich nur und beäugten sich, bis der Kronprinz mit einer sehr plötzlichen Bewegung vorsprang, sein Schwert unter das Siriarnens schlug und ihm es aus der Hand hobelte. Mit einem Klirren landete es auf dem Boden und der Heerführer strauchelte überrascht und verlor das Gleichgewicht. Thranduil richtete seine eigene Waffe gegen ihn und lächelte leicht, bevor er das verzierte Schwert wegsteckte und dem Freund seines Vaters die Hand entgegen streckte, um ihm aufzuhelfen.
„Sehr gut", keuchte Siriarnen etwas außer Atem, als er wieder auf den Füßen stand.
Der Thronfolger grinste frech.
„So solltet ihr das machen!", rief der Kriegsberater seinen Schülern zu, die die beiden Sinda immer noch beobachteten.
„Hat noch jemand Lust gegen ihn zu kämpfen?", fragte er dann weiter und deutete auf den jungen Elb neben ihm, der ihm wie ein Neffe war. Als keiner antworte, lachte er auf.
„Da siehst du es", richtete er sein Wort an Thranduil. „Sie haben zu viel Respekt vor dir. Und wenn ich ehrlich bin, dann kenne ich auch niemanden, der es mit deinem Kampfkünsten aufnehmen könnte."
„Ach komm schon!", meinte der Sindaprinz etwas verlegen. „Das war doch nur Glück und gegen meinen Vater habe ich auch keine Chance!"
„Das denkst du!", entgegnete Siriarnen. „Aber ich kenne deinen Vater sehr, sehr gut und ich habe ihn schon oft kämpfen sehen. Sicher hast du dein Talent von ihm geerbt, aber schlechter als er, dass bist du schon lange nicht mehr."
Damit wandte sich er sich wieder seinen Schülern zu und
befahl ihnen weiter zu üben.
Aeldir steigerte sein Tempo. Er rannte durch den dichten Wald, zurück, in Richtung Waldlandreichpalast und versuchte die Schmerzen, die von seiner Schulter ausgingen zu ignorieren.
Seine Gedanken waren bei seinen Freunden und Bekannten, die gerade gegen die Orks und Spinnen kämpfen mussten und wahrscheinlich ihr Leben dafür ließen, die Grenze und das kleine Dorf, das dort lag, zu beschützen. Vielleicht waren sie auch schon alle tot. Denn sie waren mitten in einen Hinterhalt gelaufen. Ein Falle, aus der es unmöglich ein entkommen gab.
Sie hatten nie eine Chance gehabt. Weder die Frauen und Kinder, noch die Krieger und Männer. Nur er, er konnte entkommen. Denn genau das war seine Aufgabe. Er musste zurückrennen, um dem König Bescheid zu sagen und vielleicht noch Hilfe zu holen. Aber inzwischen rannte er schon seit einem ganzen Tag und der Kampf konnte unmöglich so lange ausharren.
~Flashback~
„Was ist das?"
„Ich weiß es nicht."
„Komm, lass und nachsehen!"
Die beiden Krieger verschwanden von ihren Posten und schlichen leise durch das Gebüsch.
Aeldir sah ihnen unbehaglich nach. Irgendetwas stimmte hier nicht. Irgendetwas war anders, als sonst!
Dann durchbrach ein schriller Schrei die Stille. Ein Schrei voller Leid und Schmerz, der nach einigen Sekunden erstarb und eine unheimliche Stille hinterließ.
„Was war das?", fragte Rhîwion, sein bester Freund. „Lass uns mal nachsehen. Kommt!"
Damit machte sich die Gruppe der Grenzwache auf, in die Richtung aus der der Schrei gekommen war.
Sie näherten sich dem kleinen Dorf, am Rande des Grünwaldes und waren schon fast dort angekommen, als Aeldir ruckartig stehen blieb.
„Seht!", flüsterte er und deutete nach links. Dort lagen die beiden Krieger, die als erste aufgebrochen waren, um nachzusehen, was dort durch den Wald schlich, in einem Gebüsch und rührten sich nicht.
Rasch trat der junge Tawarwaith näher an sie heran und beugte sich herrunter.
„Sie sind tot!", flüsterte er mit vor Angst und Entsetzten verzerrter Stimme. „Alle beide! Sie wurden erstochen!" Dann richtete er sich wieder auf und trat zwei Schritte zurück.
Rhîwion legte seinen Arm um die schmalen Schulter seines Freundes. „Was ist nur passiert?", fragte er mit bebender Stimme und drehte sich zu dem Rest der Gruppe um.
„Wer war das? Wer könnte so etwas tun?" Aber er erhielt keine Antwort auf die Fragen. Nur betretenes Schweigen, als die Krieger stumm um die beiden gefallenen trauerten.
Dann ertönte ein weiterer, lauter Schrei, dieses Mal jedoch, war er anders. Es war unverkenntlich das laute Kampfbrüllen eines Orks und erschrocken sahen sich die Krieger um, als von allen Seiten die dunklen Kreaturen aus den Gebüschen auftauchten. Sie saßen in der Falle und der einzige, noch freie Weg, war in Richtung Dorf.
„Lauft", schrie da auch schon Rhîwion und sie rannten los.
Aeldir war der schnellste. Er war ein Bote, ein Überbringer von Nachrichten, wenn es Schwierigkeiten gab. Deshalb war er mit seinen fünfzig Jahren auch schon in die Armee des Königs aufgenommen worden, auch wenn er immer nur bei der Grenzwache aushalf. Aber er ahnte, dass er jetzt gebraucht wurde und zwar mit der Aufgabe, die ihm eigentlich zuteil wurde. Er musste fliehen und zwar in den Palast.
Als die Gruppe in dem Dorf angekommen war, wurde es auch nicht besser. Eher noch schlimmer.
Es brannte lichterloh, die Flammen, die aus den Dächern der Häuser schlugen griffen über auf die nächsten und dicke Rauchwolken stiegen in den Himmel auf.
Elben rannten schreiend herum, versuchten zu fliehen und sich zu retten.
Männer versuchten alle anderen zu beschützen und es versetzte Aeldir einen Stich im Herzen, als er sah, wie ein Elbling, noch keine fünfzehn Jahre alt, von einer Explosion erfasst wurde und unter den Trümmern eines Hauses begraben wurde.
„Nein!", schrie er. Hustend bahnte der Tawarwaith sich einen Weg durch die Gassen und fand sich plötzlich einem der Orks gegenüber der ihn bösartig grinsend beobachtete und ehe Aeldir etwas unternehmen konnte, war auch schon das dreckige Schwert der Kreatur heran und bohrte sich in die rechte Schulter von ihm.
Gequält schrie der Elb auf und als der Ork zu einem erneuten Schlag ausholen wollte, tat er etwas, was er sich in seinem Leben nie zugetraut hätte.
Er war kein besonders begnadeter Kämpfer mit Waffen, ebenso wenig mit Händen und Füßen und normalerweise hasste er es, jemanden Schmerzen zuzufügen aber jetzt hatte er keine andere Wahl. Er holte aus und trat mit seinem Bein in den Bauch des Monsters Gleichzeitig schlug er dem Monster mit dem unverletzten Arm die Klinge aus der Hand.
Der Ork ging zu Boden und schnell setzte Aeldir über ihn hinweg und rannte, so schnell er konnte. Seine Lungen brannten und seine Augen tränten von dem ganzen Rauch, während seine Schulter unaufhörlich pulsierende Schmerzen durch seinen Körper jagte aber er ignorierte es.
Er rannte, erreichte schließlich den Rand des Dorfes und sprintete in den Wald, durch das dichte Gehölz, um Hilfe zu holen.
~Flashback Ende~
Erleichtert seufzte Aeldir auf, als der Palast in Sicht kam. „Nicht mehr weit! Nicht mehr weit!", versuchte er sich Mut zu machen. „Ich bin gleich da!"
Dann erreichte er das Tor und stieß mit einem blonden Elb zusammen, der die Kleidung eines Kriegers trug und gerade auf den Weg durch das Eingangstor war.
Nachdem der Tawarwaith den Kopf geschüttelt hatte, um eine klare Sicht zu bekommen, erkannte er Siriarnen, den obersten Berater des Königs.
„Verzeiht", keuchte der junge Elb. „Ich muss zu unserem König!"
Oropher saß auf seinem Thron, ein Glas Wein in der Hand, welches er unaufhörlich kreisen ließ. Dabei starrte er die rote Flüssigkeit an und überlegte. Die Grenzwache war noch nicht wieder aufgetaucht und er überlegte, ob er nicht doch schon früher losreiten sollte, um sie zu suchen.
Dann öffneten sich die große Tür und ein junger Soldat trat ein.
„Aran nîn", begann er und verbeugte sich. „Ich überbringe Nachricht von Lord Siriarnen. Er sagte, dass ihr unbedingt zu ihm, in seine Gemächer kommen sollt und zwar umgehend." Erneut verbeugte er sich und überrascht sah Oropher den dunkelhaarigen Elb an, bevor er sich erhob und ihn entließ.
Dann machte er sich auf den Weg zu seinem gwardor.
Er hastete durch die Gänge und beachtete die Elben, die ihm über den Weg liefen und ihn verwundert nachsahen, nicht weiter.
Er öffnete die schwere Eichentür, die zu dem geräumigen Gemach seines Freundes führte und sah, dass dieser vor einem der Sessel stand und sich über einen jungen Elben beugte, der dort saß.
„Oropher!", rief Siriarnen erleichtert und rasch kam der Angesprochene näher. „Was ist los?", fragte er und sah den blassen Elben genauer an, der in dem gemütlichen Sessel saß.
Er trug die Einheitskleidung seiner Krieger, die allerdings an manchen Stellen von Feuer versenkt und zerrissen war. An seiner Schulter klaffte eine tiefe Wunde. Sein Gesicht war unter dem Dreck und den Schnitten sehr blass und er hatte einen schmerverzerrten Ausdruck aufgelegt und auch in seinen blauen Augen konnte man den Schmerz und Pein erkennen.
Seine langen, dunkelblonden Haare reichten ihm bis kurz unter die Schultern, allerdings waren sie verfilzt und es hatten sich Blätter und Äste in ihnen verfangen.
Außerdem hatte er eine sehr schmale Statue und war mager.
Fragend sah der König den blonden Sinda zu seiner Rechten an aber der zuckte nur mit den Schultern.
„Was ist passiert?", richtete Oropher seine Worte also an den jungen Tawarwaith der zusammenzuckte und sich panisch umsah.
„Du bist in Sicherheit, keine Angst", versuchte Siriarnen ihn zu beruhigen und legte ihm eine Hand auf die unverletzte Schulter.
Langsam entspannte er sich und Oropher kniete sich vor ihn auf den Boden. „Wie heißt du?", fragte er sanft.
„Aeld-, Aeldir", stotterte der Angesprochene Elb schließlich.
„Gut, Aeldir. Jetzt erzähl uns, was passiert ist."
Langsam begann der Elb zu erzählen, mit einer sehr unsicheren Stimme. Entsetzten machte sich auf den Gesichtern der beiden Sindar breit, als er von den beiden toten Kriegern erzählte und dann weiter von dem Angriff der Orks auf das Dorf, welches sie niederbrannten. Als dann die Stelle mit dem Elbling kam, bildete sich eine Träne in dem Auge Aeldirs, die über seine Wange lief. Bestürzt wechselten der König und sein Berater einen Blick und auch ohne Worte verstand Oropher, was sein Freund ihm sagen wollte.
„Es ist gut, Aeldir. Du musst nicht mehr weitererzählen. Wir werden Hilfe schicken. Kannst du aufstehen?"
Leicht überfordert von den Worten des Sindas nickte der junge Elb schließlich und erhob sich. Schwankend stand er da und rasch stützten die beiden Sinda ihn auf beiden Seiten.
Langsam setzten sie sich in Bewegung, doch kaum, dass sie bei der Tür angekommen waren, drehten sich die Augen Aeldirs nach innen und er erschlaffte.
Der König des Waldlandreiches fing ihn auf, während Siriarnen die Tür aufriss und nach einem Heiler rief.
„Bring ihn zu meinem Bett", richtete er dann das Wort an Oropher und deutete auf die Tür zur Rechten von ihm.
Der blonde Sinda nickte und stieß die Tür auf. Dann legte er den jungen Tawarwaith auf dem großen Bett ab und wartete, bis der Heiler kam. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten und schickte den König raus.
Siriarnen saß schon auf einem Sessel in dem Vorraum seines Gemaches und als sein Freund kam, sprang er auf.
„Was machen wir jetzt?", fragte er.
„Ich werde mit vierzig meiner Krieger zur Grenze reiten."
„Ich begleite dich!", rief da auch schon der Kriegsberater und der Sinda nickte. „Das dachte ich mir schon. Und ich glaube, dass meine Söhne am liebsten auch mit wollen, aber sie sollen da bleiben! Bitte schicke Nachricht an vierzig Soldaten, die sich bereit machen sollen. In einer Stunde unten im Hof!"
Damit rauschte der König unter Eiche und Buche aus dem Gemach und rannte schon fast die Gänge entlang.
Ihm wurden merkwürdige Blicke nachgeworfen aber er beachtete sie wieder nicht.
Stattdessen suchte er seine Söhne und fand sie schließlich im Gemach Thranduils, zusammen mit Berethil.
„Ich werde für ein paar Tage fort sein!", begann er auch schon ohne großen Umschweifen.
„Ein Dorf an der Grenze wurde angegriffen und sie brauchen Hilfe."
„Vater kann ich-" , setzte da auch schon der Thronfolger an aber bevor er weitersprechen konnte, unterbrach Oropher ihn auch schon wieder. „Nein! Ihr beiden bleibt hier und kümmert auch um alles! Berethil!"
Der Angesprochene schreckte hoch, als der König ihn ansprach und nickte. „Ja, aran nîn?", fragte er.
„Du bleibst ebenfalls hier!"
„Aber-"wollte dieses Mal Dorontelch loslegen, aber sein Vater unterbrach auch ihn schon im Keim seiner Worte.
„Nein!", rief er und verließ ohne eine weitere Antwort zu erwarten das Gemach seines ältesten Sohnes, um sich reisebereit zu machen.
Aeldir – Teichmann
Rhîwion – Sohn des Winters
Aran nîn – mein König
Gwardor – Bruder im Geiste
Und ich hab mich entschlossen gleichwie neue Kapitel hochzuladen :)
Ich hoffe immer noch auf Reviews^^
