Kapitel Neun
K A M P F S C H I F F E
Jadia Neen stand auf der Brücke eines ihr fremden Schiffes und starrte in einen unbekannten Teil des Weltraums. Alle drei Sichtfenster der Brücke, das große und die zwei kleineren, waren von einem rötlichen Nebel ausgefüllt und nur einige wenige Sterne, die hell genug waren, erinnerten daran, dass sie sich im Weltraum befanden. Durch den Nebel zuckten Blitze, deren Licht den Raum, in dem Jadia und Dan sich befanden, immer wieder rot aufleuchten ließ.
Die junge Frau drehte sich zu dem Fremden um, den sie erst heute kennen gelernt hatte. ‚Kennen gelernt' war noch deutlich übertrieben, sie wusste eigentlich nichts über ihn. Ähnlich wie Jadia musste Dan der imperiale Organisation, welche sie gefangen hielt, zu nahe gekommen sein. Vielleicht war er ein Rebell, möglicherweise aber auch lediglich ein Schmuggler.
„Es sind nur noch drei Menschen hier…", sagte sie nachdenklich und etwas nervös. Was um alles in der Welt ging hier vor? „Die Suche hat uns miteinbezogen, also ist außer uns nur noch eine weitere Person auf dem Schiff."
Dan nickte und stellte sich neben sie. Auch er sah hinaus in den bedrohlichen Nebel. „Wir wissen von Tarkin, einem weiteren Offizier und einem kleineren Trupp Elite-Sturmtruppler. Oder so etwas in der Richtung." Er sah Jadia nachdenklich an. „Außerdem müssten bei der geschätzten Größe von dem Schiff hier noch knapp 40.000 Crewmitglieder dazukommen. Und trotzdem ist nur noch eine weitere Person an Bord…"
Jadia begann auf der Brücke auf und ab zu gehen. „Ich verstehe nicht, wieso die Imperialen uns in einem fast leeren Schiff für etwa eine Sekunde in den Hyperraum schicken. Es ergibt nicht nur keinen Sinn, es…" Dann stockte sie. „Bei den Säulen der Galaxis…"
„Was?", fragte Dan, der immer noch vor dem Hauptfenster stand. „Jadia, was ist?"
Sie stand wieder vor dem Display, auf dem sie soeben die Suche durchgeführt hatten, und sah ungläubig auf die Anzeige.
Bei einer Abfrage nach der Anzahl der Personen an Bord wurde nach bestimmten Eigenschaften gescannt, die auf Lebensformen hinweisen. Dann, nachdem der wesentliche Scan präsentiert worden war, wurde die Suche automatisch ausgeweitet und nach weiteren, spezifischeren Eigenschaften gesucht.
Nach organischen Material.
Das bis vor kurzem noch gelebt hatte.
Das Display zeigte 37.542 Leichen an.
In der Rebellenbasis auf Yavin IV stürmte Sicherheitschef Rick Jonen gefolgt von zwei weiteren Sicherheitsoffizieren in den Haupthangar. Es wimmelte von Piloten der Roten und Blauen Staffel, die ihre Raumjäger startbereit machten. Rick war soeben informiert worden, dass sich ein imperiales Schiff im Orbit von Yavin befand.
Dann sah er, warum Wedge Antilles wollte, dass Rick persönlich in den Hangar kam. Vor Rot 4, dem X-Wing von Luke Skywalker, dem verdächtigsten Helden der Galaxis, befanden sich ein deaktivierter, goldener Protokolldroide und eine abgehackte Hand, die ein Lichtschwert umklammerte.
„Was zum...", brummte Jonen. Er nickte Wedge zur Begrüßung zu und bedachte Luke, der ebenfalls gerade eingetroffen war, mit einem zweifelnden Blick.
„Ich versteh es auch nicht...", begann Luke.
„Von mir ganz zu schweigen", fügte Wedge hinzu.
Rick Jonen holte sein Comlink hervor und aktivierte es. „Schickt mir ein Untersuchungsteam in den Haupthangar." Der Sicherheitschef steckte das Funkgerät wieder weg und dachte dann angstrengt nach. Was hatte das alles zu bedeuten? Warum immer Sykwalker? Warum immer das Lichtschwert und Calvan Hovvs tote Hand? Warum jetzt auch noch ein Droide?
„Wir müssen starten" Die Stimme von Wedge Antilles riss ihn aus seinen Gedanken.
Rick zögerte einen Augenblick, dann sah er ein, dass Wedge natürlich völlig Recht hatte. „Okay."
Wenig später verließen 19 X-Wings der zusammengelegten Staffeln den Hangar, durchflogen die Atmosphäre des Dschungelplaneten und schossen dann dem schwarzen Weltraum entgegen.
„37.542 Leichen…", sagte Dan leise und ernst. „Fast die gesamte Besatzung ist tot…"
„Was für eine Ironie", meinte Jadia gedankenverloren. „Sie wollten uns durch gefährliche Stoffe im Reaktorraum töten. Wie es aussieht, war das der sicherste Ort auf dem Schiff. Jetzt sind sie tot und wir leben."
Dan sagte nichts. Er ging zu einer weiteren Konsole und sah auf die Kontrollen und die einzelnen Bildschirme.
Jadia folgte ihm nach einem Augenblick. „Meinst du, du kannst ein paar Daten über dieses Schiff hier anzeigen?", fragte er die junge Frau neben ihm.
Jadia nickte. „Ich hatte ja im Reaktorraum schon gesagt, dass viele Systeme merkwürdig aufgebaut sind, aber das sollte klappen…" Sie studierte einen Moment lang die Knöpfe und Tastaturen und tippte dann los.
Auf einem kleineren Bildschirm erschienen die ersten Daten.
Hüllenpanzerung der Stufe 964-X-Gamma.
Antrieb basiert auf komprimiertem Wasserstoff.
Maximalgeschwindigkeit: 1,2 fache Lichtgeschwindigkeit
Momentane Bewaffnung…
„Kannst du mir ein Bild zeigen?", fragte Dan.
Jadia grinste. Sie konnte mit diesen Daten auch nicht viel anfangen. Eine Minute später hatte sie in der Datenbank ein Bild gefunden und brachte es auf das Display.
Obwohl der Bildschirm nur so klein war, schreckten Dan und Jadia zurück.
„Das ist nicht wahr…", keuchte Dan.
Das Bild zeigte eine graue Metallkugel und an einer Stelle befand sich ein Superlasergeschütz.
Ein Todesstern.
„Da vorne ist das Schiff, Leute", sagte Staffelführer Wedge Antilles ins Funkgerät seines X-Flüglers. „S-Flügel in Angriffsposition."
Die 19 X-Flügler machten sich kampfbereit, indem sie die Flügel in X-Position aufklappten. Das verringerte zwar ihre Geschwindigkeit, war aber notwendig, um die Laser abzufeuern.
Etwas hinter den Raumjägern befand sich ein kleineres Angriffshuttle der Rebellen. Dodonna hatte angeordert, eines einzusetzen, damit es Sensordaten zum Imperialen Schiff liefern konnte.
„Denkt dran", mahnte Wedge die kleine Besatzung des Shuttles, „dass ihr auf Distanz bleibt. Unsere X-Wings sind mehr wert als das Shuttle, also denkt nicht, wir würden uns zwischen euch und das Feindfeuer werfen, um euch die Haut zu retten."
„Schon klar", antwortete die Pilotin des Shuttles.
„Ja...", ertönte eine weitere Stimme aus dem Shuttle. „Natürlich..."
Wedge grinste. Der andere hatte den Spruch etwas zu ernst genommen, aber so würde die Shuttlebesatzung wenigstens aufpassen.
„Okay, da kommen Sie", meldete Blau 2, Commander Ru Murleen, über Funk. „TIE Jäger, etwa fünf..." Die Pilotin stockte. „Fünf Stück?"
„Vorsicht Leute", warnte Wedge Antilles die anderen Piloten. „Da stimmt was nicht."
Dann kamen die feindlichen TIEs in Sichtweite. Es waren zweifellos TIEs, aber ihr Design wirkte völlig anders. Die fünf Jäger hatten drei längliche Flügel, die nach vorne hin spitz zuliefen. Auch das Cockpit war nicht mehr rund, sondern länglich.
„Was um alles in der Galaxis ist das...?", keuchte Blau 5 ins Funkgerät.
„Angriffstaffel", meldete sich der Mann, der sich auf dem zurückgebliebenen Shuttle befand. „Diese TIEs sind deutlich besser ausgerüstet, als die herkömmlichen!"
„Nicht mehr lange!", entgegnete Blau 9 und begann zu feuern.
Auch die anderen X-Wings stimmten in den Beschuss ein, so dass ein Schwall roter Laserblitze den TIE-Jägern entgegenschoss. Doch die feindlichen Piloten reagierten schnell. Die TIEs lösten sich aus ihrer für das Imperium typischen, festen Formation, wichen jedem Laserstrahl aus und flogen im Zickzack auf die Rebellenjäger zu.
„Okay, Leute", sagte Wedge. „Sowohl wir..." Er machte eine winzige Pause. „... als auch diese TIE Piloten wissen, dass wir den Todesstern gesprengt haben. Und das war erst der Anfang."
Sekunden später brach die Raumschlacht los.
Jadia Neen drehte sich erschrocken zum Haupt-Sichtfenster der Brücke um, nachdem sie aus den Augenwinkeln etwas bemerkt hatte.
Vor dem roten Raumnebel war plötzlich ein pechschwarzes Schiff aufgetaucht. Und jedes Wesen in der Galaxis kannte das keilförmige Design.
„Ein schwarzer Sternenzerstörer", entfuhr es Dan. Der junge Mann stürzte ebenfalls zum Fenster.
„Und was für einer...", sagte Jadia. „Dieses Schiff ist riesig!" Plötzlich fiel ihr auf, dass sie ein ähnliches Schiff schon einmal auf einem Bild gesehen hatte...
Dan sah sich angespannt, aber nicht hektisch auf der Brücke um. „Wenn das hier eine Art Todesstern ist, dann muss es doch irgendwo eine Waffenkontrolle besitzen..."
Der schwarze Sternenzerstörer kam näher. Endlich fiel Jadia ein, woher sie das Design kannte. „Dan!"
Der Mann sah von einer der Kontrollkonsolen hoch, die er untersucht hatte. „Hm?"
„Das ist ein Supersternenzerstörer!"
Auf Dans Stirn bildeten sich ein paar Sorgenfalten. „Der Supersternenzerstörer ist eine der Theorien, die sich besser nicht bestätigen sollten..."
Jadia wusste schon lange, dass diese besonders großen Schlachtschiffe keine Theorie waren. „Das Imperium baut auf Fondor die Executor", sagte sie. „Und auf Kuat die Lusankya. Aber sie dürften beide noch ein paar Monate von der Fertigstellung entfernt sein. Und keines dieser Schiffe ist schwarz..."
„Schaffen wir die?", fragte Dan plötzlich.
Jadia verstand erst nicht. Dann erinnerte sie sich, dass sie und Dan sich in einem geheimen Todesstern befanden und sie grinste ein wenig. „Wir müssen nur die Waffenkontrolle übernehmen, dann werden wir denen zumindest ziemlichen Ärger machen können..."
Im selben Augenblick blinkte einer der größeren Bildschirme auf. ‚Eingehende Nachricht', meldete eine Anzeige.
„So", murmelte Dan, „Jetzt wird's ernst."
Auf sein zustimmendes Nicken hin öffnete Jadia über eine Kontrolle die Funkverbindung.
Auf dem Schirm erschien das Gesicht des Angehörigen der Familie Tarkin, dem Mann, der Dan gefoltert hatte. „Ah", sagte der grauhaarige Mann. „Sie haben die... Brücke gefunden."
Weder Dan noch Jadia sagten etwas.
„Und Sie haben die Ehre, die ersten Rebellen zu sein, die einen Blick auf den ersten Supersternenzerstörer der Galaxis werfen dürfen. Die Eternal Scream."
Tja, dachte Jadia. Jetzt wird es Zeit etwas zu bluffen. „Sie hätten nicht gedacht, dass wir aus dem Reaktorraum zur Brücke kommen, nicht wahr? Und Sie hätten auch nicht gedacht, dass die gesamte Besatzung tot ist!"
Wenn Tarkin überrascht von der Nachricht des Todes der Besatzung war, dann ließ er sich nichts anmerken.
„Und jetzt stehen Sie einer vollbewaffneten... Kampfstation gegenüber" Jadia spielte hoch. Sie hatten keinerlei Kontrolle über die Waffen. Tarkin wusste sicherlich, dass sie Ahnung von Computern hatte. Vielleicht traute er es ihr zu, die nötigen Sicherheitssperren geknackt zu haben. Davon hing es ab.
„Sie werden sich fragen", begann Tarkin zögernd, „was das alles zu bedeuten hat."
„Oh", entgegnete Jadia. Hervorragend. Er will auf Zeit spielen, damit er umdenken kann. „Wir können uns schon denken, wozu dieser Todesstern gut sein soll."
„Todesstern...", wiederholte Tarkin. „Lassen Sie mich etwas weiter ausholen... Der Todesstern wurde von meinem Bruder Wilhuff Tarkin befehligt. Er war aber lediglich eine ‚kleinere' Waffe, die von einer wesentlich größeren Ablenken sollte."
„Dieser hier." Dan schien zu verstehen.
„Richtig, mein Freund", sagte Tarkin. „Der Todesstern ist deutlich größer, als die Station in der sie sich im Moment befinden. Dafür hat dieser Todesmond hier andere Fähigkeiten. Er kann im Verborgenen operieren, während der Todesstern die furchtgeweihten Augen der Galaxis auf sich zieht."
Jadia staunte. Das verdammte Imperium. Eine Superwaffe, die nur als Ablenkung für eine weitere Superwaffe diente.
„Der Todesstern diente außerdem zur Konstruktion des Todesmondes." Auch auf dem Bildschirm war Tarkins dünnes Lächeln noch zu erkennen. Er genoss es sichtlich, die Genialität des Imperiums zu betonen. „Bevor durch Zielpersonen wie Kyle Katarn Kopien der Pläne des Todessterns in die Hände der Rebellen gefallen sind, konnten wir sie modifizieren. Laut der Pläne, die der Rebellion und der Morning Dawn zur Verfügung stehen, gibt es keinerlei Hinweise auf den Todesmond."
Langsam wurde Jadia bewusst, in welcher Situation sie sich befanden. Entweder sie und Dan übernahmen die Kontrolle über das Schiff, was aufgrund des merkwürdigen Computers schwer werden würde, oder diese Waffe würde die Rebellion ausradieren. „Warum ist die Besatzung gestorben?", fragte Jadia. Jetzt brauchte sie Zeit zum Nachdenken.
„Ein Unfall, schätze ich. Überwiegend rangniedrige Arbeitskräfte kein bedeutender Verlust." Tarkins Miene war eiskalt.
Plötzlich unterbrach Dan den imperialen Admiral. „Sie sind die Nightfall."
Jadia sah den Mann, der neben ihr vor dem Bildschirm stand, fragend an. Dann blickte sie zu Tarkin.
Tarkin lächelte. „Exakt, mein Freund. Ich hatte gehofft, Sie kommen darauf, bevor die Angriffsdroiden an Bord des Todesmondes die Kontrolle übernommen und Sie ausgelöscht haben."
Anmerkung des Autors:
Ich freu mich über jedes Review... Dann kommt das Finale des ersten Teils auch garantiert schneller online! (Motiviert das irgendwen? Hm... Die deutsche Community is einfach zu klein...)
Film- und EU-Bezug in diesem Kapitel:
Jedi-Ritter Kyle Katarn hat einen Teil der Todessternpläne gestohlen.
Die beschriebene TIE-Klasse ähnelt vom Design her stark den Phantom TIEs.
Die Supersternenzerstörer Executor und Lusankya befanden sich zum Zeitpunkt der Schlacht von Yavin vermutlich noch nicht im Einsatz. Ersteres ist Vaders Flagschiff, das in den Episoden V und IV zu sehen ist. Die Existenz des Schwesterschiffes Lusankya war noch bis lange nach der Schlacht geheim. Die Werftangaben sind übrigens ebenfalls offiziell (jaha, da hab ich mal wieder recherchiert...).
Der Todesmond (da ist sie, die namensgebende Kernidee von Death Moon Rising!) ist frei erfunden. Das mit dem Antrieb, der auf komprimiertem Wassterstoff basiert, ist allerdings recht offiziell, der Todesstern wird durch diesen bewegt.
