IX.

„Ich werde hier sein, wenn du aufwachst."

Hermines Stimme floss durch Dracos Träume, sprunghaft und merkwürdig reichte sie ihm einen Strohhalm, an den er sich klammern konnte, wenn seine Träume drohten wieder zu Albträumen zu werden. Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon schlief, aber er ließ sich einfach fallen, wusste irgendwie, dass er diese Ruhe unbedingt brauchte. Es fühlte sich in etwa so an, als ob er auf einem Schiff weilte, welches sanft in den Wellen schaukelte und an keinem bestimmten Ort sein musste. Für eine Weile war es wunderschön, aber ebenso war er einsam und Draco sehnte sich nach der Sonne.

Schließlich lichtete sich der Nebel und zog Draco mit sich, flüsterte ihn wach. Seine Augen blinzelten, öffneten sich träge.

„Willkommen zurück", sagte Hermine lächelnd, Sonnenlicht vom Krankenhausfenster ließ ihr Gesicht kaum erkennen. Sie hatte ihr Wort gehalten. Sie war genau hier, so wie sie es versprochen hatte.

„Heilige Scheiße", hustete er und verzog dann sein Gesicht, hatte nicht beabsichtigt, sie so zu begrüßen. Seine Erinnerungen waren noch nicht vollständig zurückgekehrt, flackerten nur schwach in seinem Kopf. Er fühlte sich furchtbar.

Sie lachte. „Ganz meinerseits. Es ist wahrscheinlich am besten, wenn du versuchst nicht zu viel zu reden. Dein Hals ist wund und du hast dir sehr schlimm auf deine Zunge gebissen. Aber dein Knöchel ist gut verheilt."

„Kleine Gnaden", stöhnte er, fühlte überall Schmerz. Selbst seine Haut tat weh.

„Du hast gerade eine neue Dosis an Drogen für die Schmerzen bekommen, also wirst du dich bald wieder großartig fühlen."

„Ich fühle mich immer großartig, Granger", grummelte er.

Sie lachte erneut und ihm wurde in diesem Moment klar, dass er ihr Lachen so oft wie möglich hören musste – er genoss die Art, wie sich ihr Gesicht bei seinen Worten erhellte.

Dies war nicht die einzige Veränderung. Hermine sah komplett anders aus. All der Stress und die Traurigkeit, die sich in ihre Gesichtszüge geätzt hatten, waren verschwunden. Sie sah verdammt überragend aus.

Das Leben nach dem Krieg fühlte sich bereits jetzt schon erstaunlicherweise anders an und er war bisher nur einen kurzen Moment ein Teil davon.

„Deine Mutter wird erfreut sein zu hören, dass du wach bist", sagte sie, schob schüchtern seine Haare von seiner Stirn. „Sie ist durchgekommen, auch wenn es wirklich eng war. Ihre Wunden verheilen gut. Sie jetzt eine Kriegsheldin, weißt du. Eine ziemliche Berühmtheit."

Draco wollte antworten, doch er konnte den plötzlichen Kloß in seinem Hals nicht überwinden. Merlin, er war so dankbar. Als er seine Mutter so gesehen hatte... regungslos, verletzt... er hatte das Schlimmste erwartet. Ein weiteres gebrochenes Herz auf der wachsenden Liste. Ein weiterer Körper, der zu begraben wäre. In einem verzweifelten Versuch, sich nicht bloßzustellen, griff er nach Hermines Hand und drückte sie, nahm ein paar rasselnde Atemzüge.

Hermine sah auf ihre verbundenen Hände und drückte zurück, gab vor, die Tränen, die ihm in die Augen stiegen, nicht zu bemerken.

Es dämmerte ihm, dass sie vermutlich nicht wirklich verstand, wie er sich zu Dank verpflichtet fühlte. Gryffindors waren halt so – machten verrückte Dinge, nur weil es wie das Richtige erschien. Hermine hatte sie gerettet. Alle von ihnen. Sie sollte verdammt noch mal nicht einmal hier sein.

Sie war total verrückt und er war noch nie glücklicher darüber.

„Deine Mutter besitzt ein paar beeindruckende Narben", sagte Hermine. „Ich glaube, dass sie sie tatsächlich mag. Es lässt sie unheimlich aussehen."

„Sie ist sehr unheimlich", krächzte er.

Nach einem Moment des Herantastens brachte sie ein Glas an seine Lippen. Er nippte vorsichtig, war dankbar für das kühlende Gefühl.

„So, Granger", sagte er mit einem Gefühl, als ob er Sandpapier herunterschlucken würde. „Du hast die Regeln gebrochen."

„Regeln? Von was redest du?"

Draco schmunzelte, war zufrieden, dass er sie wieder necken konnte. „In meinem Schlafzimmer. Ich sagte dir, du sollst keine Heldentaten vollbringen." Und dann musstest du hereinstürmen und den Krieg gewinnen.

„Darüber kannst du dich doch unmöglich beschweren!"

Er gluckste, fühlte sich zu glücklich, um weiter zu diskutieren. Er wusste nicht, ob es die Drogen oder die Gesellschaft war, aber plötzlich fühlte er sich großartig.

„Ich beklage mich nicht, nicht wirklich, aber mich würde es nicht stören zu wissen, was zur Hölle da drin passiert ist."

„Schön. Aber hör auf zu reden, um Himmels willen. Ich habe strenge Anweisungen, dich ruhig zu halten."

„Herrisch", flüsterte er, jedoch schloss er seine Augen, dankbar für die Pause vom harten Sonnenlicht. Hermine lehnte sich zurück, nahm allerdings wieder seine Hand in ihre, spielte abwesend mit seinen Fingern.

„Nachdem du den Raum verlassen hattest, verwandelte ich mich zurück in einen Spatz und folgte dir und deiner Mutter zum Ostflügel", sagte sie, klang dabei leicht schuldig, und zog mit ihren Fingern eine Linie auf seiner Handfläche nach. „Irgendetwas bezüglich der Mission fühlte sich falsch an. Ich kann es nicht mal richtig erklären."

„Vorahnung", stimmte er zu. „Ich spürte es auch."

„Pst", schalt sie ihn. „Vielleicht war es Vorahnung, ich weiß es nicht. Ich beobachtete, wie deine Mutter hineinging und wie du darüber debattiertest... du sahst nicht gerade glücklich aus, dort draußen alleine warten zu müssen. Auf jeden Fall war ich nicht schnell genug, als du zu zeitig reingegangen bist. Die Tür schloss sich, bevor ich hindurch fliegen konnte. Ich hätte mich erst zurückverwandeln müssen, dadurch steckte ich dort fest... Lief einfach nur hin und her. Ich konnte dir nicht einfach folgen, für den Fall, dass ich alles verschlimmern würde, aber trotzdem wusste ich auch, dass etwas falsch lief. Es war so schrecklich."

„Und dann tauchte Bellatrix auf", sagte Draco, sah deutlich vor sich, was passiert sein musste. Er öffnete seine Augen und sah sie direkt an. „Du hast mich schreien gehört, stimmt's?"

Sie nickte. „Ich hatte in meinem Leben noch nie solche Angst. Als ich dich da so liegen sah... und Narzissa... habe ich einfach ohne zu denken gehandelt."

„Ich wusste nicht, dass du dazu in der Lage bist."

„Bist du still."

„'Tschuldige, 'tschuldige."

„Auf jeden Fall musst du dich ausruhen. Ich habe Bellatrix getötet. Ich würde es jederzeit wieder tun, weißt du." Sie klang überraschenderweise defensiv und Draco erkannte, dass sie es nicht gewöhnt war, Leben zu nehmen. Die meiste Zeit des Krieges hatte sie damit verbracht, im Hintergrund Pläne zu schmieden.

„Ich werde mich darüber nicht beschweren, Hermine."

„Gut", sagte sie, sah etwas beruhigter aus. „Das ist gut. Bei Voldemort entschied ich mich schnell. Die Phiole lag geleert auf dem Boden, also ging ich davon aus, dass deine Mutter ihm den Trank gegeben hatte, bevor sie unterbrochen wurde. Ich ergriff die Chance. Ich vertrieb die Prophezeiung aus meinen Gedanken und versuchte mein Glück."

„Du warst brillant", murmelte er.

„Voldemort hat mir so viel genommen", sagte sie, spielte nervös mit seinen Fingern und Traurigkeit ließ sich wieder in ihrem Gesicht erkennen. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals die Möglichkeit dazu bekommen würde, das Einzige zu nehmen, was er noch besaß, aber was soll's."

Sie schwiegen für einen Moment, beide versunken in ihren Gedanken.

„Hey Granger", sagte Draco schließlich.

„Hm?"

„Es... tut mir leid. Weil ich dich im Schlafzimmer zurückgelassen habe. Ich weiß, du hast viel durchgemacht... Es kann nicht einfach sein zuzusehen, wie Menschen gehen und nicht mehr zurückkommen. Hätte ich die Möglichkeit bekommen, einen besseren Plan zu erstellen, dann hätte ich das auch getan."

„Es ist nicht dein Fehler. Ich war trotzdem ein einziges Durcheinander, denke ich."

„Weil du für mich schwärmst." Er schenkte ihr ein anzügliches Grinsen, einfach weil er es konnte.

Sie warf ihm einen wütenden Blick zu, allerdings war er bedeutungslos. „Vielleicht."

„Das tust du", sagte er grinsend. „Du stehst auf mich. Das ist in Ordnung, ich stehe auch auf dich. Und ich verspreche dir, dass, wenn ich dich das nächste Mal küsse, wir nicht unserem Tod entgegentreten."

Sie schnaubte. „Bist du dir so sicher, dass es noch mal passiert?"

„Natürlich", entgegnete er mit einem Achselzucken. „Ich könnte dich sogar jetzt küssen."

„Draco, du hast fünf Stiche in deinem Mund."

„Ah", sagte er. „Das erklärt den Schmerz beim Sprechen."

„Du bist unverbesserlich", merkte sie augenrollend an. „Und du musst für eine Weile still sein."

„Ich nehme an, dass ich Anweisungen von der Frau, die den dunklen Lord besiegt hat, annehmen kann."

Hermine seufzte, sah plötzlich besorgt aus. Dracos Lächeln verschwand, er war beunruhigt, dass er etwas Falsches gesagt haben könnte.

„Tut mir leid... du weißt, ich ärgere dich nur."

„Ich weiß, ich weiß. Das ist es nicht. Ich verstehe nur nicht, wieso ich ihn töten konnte."

Draco schaute sie fragend an, er sah sie ein bisschen unscharf, aber ihr Gesicht konnte er problemlos erkennen.

Es war ein schönes Gesicht.

Oh Mann, die Drogen schienen wirklich zu wirken.

„Die Prophezeiung", versuchte sie zu erklären. „Ich verstehe die Prophezeiung nicht. Wir haben alles auf der Annahme, dass es du oder deine Mutter sein muss, aufgebaut. Und am Ende war ich es." Sie schüttelte ihren Kopf und schaute verwirrt zur Seite. „Ich schätze... Vielleicht hat sich Luna dieses eine Mal geirrt."

Draco starrte sie an. Nein, es war nicht möglich. Meinte sie das ernst? Denn jetzt, da er den Schock überwunden hatte, dass Hermine tatsächlich den dunklen Lord getötet hatte, verstand er mehr als deutlich, was genau passiert war.

Wirklich? Wusste sie es nicht?

„Hermine..."

„Pst", sagte sie mahnend. „Ist okay, es spielt keine Rolle, schätze ich. Der Krieg ist vorbei, was ja der ganze Punkt war. Neville und seine Truppen bekommen alle Belobigungen. Du auch, denke ich. Jeder weiß, dass du geholfen hast."

„Ausgezeichnet, es ist mir piepegal, was die Leute wissen, aber wenn du sagst..."

„Draco, Madam Pomfrey ist sehr streng, es wird mich noch meinen Kopf kosten, wenn sie dich reden hört."

„Das wird es definitiv!", ertönte die Stimme der Krankenschwester. Madam Pomfrey marschierte in das Zimmer und beendete damit das Gespräch zwischen Draco und Hermine, sehr zu Dracos Missfallen. „Ich muss Ihren jungen Mann für einen Moment ausborgen, Hermine. An dem armen Burschen ist immer noch viel zu tun."

Hermine errötete aufgrund Madam Pomfreys Bezeichnung und stand schnell auf, zog ihre Hand weg. „Natürlich. Ich komme später wieder, Draco."

„Warte, die Prophezeiung... als du sagtest..."

„Später!" Sie verließ das Zimmer, stolperte beinah, als sie beim Gehen über ihre Schulter zu ihm zurückschaute.

Draco bemerkte, wie sein Gesicht etwas sehr Ungewöhnliches tat.

„Sie grinsen wie ein Verrückter", sagte Madam Pomfrey missbilligend und trat zu ihm, nahm ihm damit die Sicht auf Hermine.

„Sie denkt, die Prophezeiung war falsch", sagte er, grinste sogar noch mehr. Er wollte lachen. Es war das Lustigste, was er jemals gehört hatte. Und diese Drogen waren verdammt noch mal fantastisch.

„Geht es Ihnen gut?", entgegnete Madam Pomfrey stirnrunzelnd. „Vielleicht sollte ich die Dosis ändern. Genug Geplapper für Sie. Ich musste Sie in großer Eile intubieren und ihre Zunge benötigt einiges an Ruhe."

„Sie war nicht falsch", kicherte er. „Sie war absolut goldrichtig."

„Merlins Bart", murmelte sie, arbeitete an seiner Medikation. „Zu viel für eine Dosis. Ich werde das sofort korrigieren."

„Wir haben sie nur falsch verstanden", erzählte er weiter.

„Natürlich habt ihr das, mein Lieber", antwortete sie, tätschelte seine Hand. „Ich muss etwas von meinen Medikamenten holen. Ich bin gleich wieder zurück."

Er beobachtete, wie Madam Pomfrey das Zimmer verließ und schüttelte immer noch lächelnd seinen Kopf.

Verrückte Luna. Sie musste es gewusst haben, ausgefuchste Hexe.

Der Mörder des dunklen Lords wird ein Malfoy sein. Seltsame Wortwahl, nicht?

Er lachte über sich selbst. Wie lustig, dass er es nie bemerkt hatte. Die Prophezeiung hätte auch einfach lauten können, dass der Mörder des dunklen Lords ein Malfoy ist.

Stattdessen schuf sie einen Interpretationsspielraum. Der Mörder wird ein Malfoy sein. Der Mörder war Hermine Granger.

„Demzufolge", sprach er zum leeren Zimmer, „wird Hermine eines Tages eine Malfoy."

Und dann lachte er, und lachte und lachte.

Nachdem er ewig und drei Tage im Dunkeln gelassen wurde, nachdem er dieses verrückte Mysterium mit nur wenigen Informationsfetzen gelöst hatte, besaß er nun einen Vorsprung. Er kannte den finalen Plan.

Sie würde es am Ende herausfinden. Sobald sie eine ruhige Minute haben würde. Schließlich war sie brillant. Sie würde wahrscheinlich ein bisschen ausflippen. Sie liebte es, ihn anzubrüllen.

Doch bis dahin würde er den Moment genießen.

Außerdem hatte er im Gefühl, dass es das letzte Mal sein würde, dass er ihr einen Schritt voraus war. Und es schien, als ob sie für eine sehr lange Zeit zusammenbleiben würden.

-x-x-x-x-

Der Schlaf verschlang ihn für mehrere Stunden. Als er erwachte, deutlich ruhiger, saß Narzissa neben seinem Bett. Obwohl sie sich eine Krankenhausdecke umgelegt hatte, sah sie trotzdem irgendwie majestätisch aus.

„Mutter", sagte er, blinzelte sich wach und testete seine Zunge, war zufrieden, dass sie schon weniger schmerzte. Als er wieder klar sehen konnte, konnte er nicht anders als zu starren – eine dünne rote Zickzack-Linie verlief über ihren Hals. Obwohl sie schnell verheilte, konnte er erkennen, dass der Schnitt sehr tief gewesen sein musste. Wie sie diesen Blutverlust überleben konnte, lag außerhalb seines Verstandes.

„Nicht schlecht, oder?", bemerkte sie lächelnd, unterbrach damit seine Gedanken, und küsste ihn auf die Stirn. „Eigentlich stören sie mich gar nicht. Ich vermute es ist Zeit, dass ich ein paar Kriegsnarben trage."

„Sichtbare", fügte er hinzu, war immer noch sprachlos über den Schaden.

„Ein Punkt für dich", antwortete sie. „Es war ein langer Krieg und ein ziemliches Abenteuer für uns beide."

„Ein paar Abenteuer weniger wären in Zukunft nicht schlecht", entgegnete er, zeigte dabei auf seinen bandagierten Körper. „Vorausgesetzt, dass wir für unsere Verbrechen nicht gehängt werden. Ich denke, ich möchte etwas extrem Langweiliges arbeiten. Vielleicht etwas ohne sadistische, dunkle Zauberer. Ich habe gehört, dass das Rechnungswesen sehr stumpfsinnig sein soll."

„Ich bin mir sicher, dass das arrangiert werden kann", sagte sie lächelnd. „Und du brauchst dir um unsere Verbrechen keine Gedanken mehr machen. Wie sich herausstellte, sind wir begnadigt. Miss Granger erfand eine Geschichte über uns, wie wir Doppelagenten waren. Sie war großzügiger mit der Zeitschiene als es tatsächlich war, aber wozu soll ich mich da unter den gegebenen Umständen beschweren."

„Noch werde ich das", gab er zu, Erleichterung mischte sich mit Besorgnis. „Obwohl es fraglich ist, weshalb ich für einige Dinge, die ich getan habe, begnadigt wurde... aber nun ja."

„Gibt es ein Problem?"

Er zappelte nervös herum, zerknüllte das Bettlaken in seinen Händen. Das Kämpfen war zwar vorbei, aber ein paar Sachen, die er getan hatte, würden ihn für immer jagen. Wie viele Leben hatte er genommen? Wie viele Familien zerstört?

Er hatte viel zu lang gebraucht, um die Seiten zu wechseln. Der Schaden, den er angerichtet hatte, war unverzeihlich.

„Ich verdiene keine Begnadigung, Mutter", murmelte er. „Ich bin kein guter Mensch, egal was Hermine denkt. Das war ich niemals."

„Das macht Zwei", antwortete sie. „Aber jetzt sind wir hier."

Er schaute sie fragend an.

„Draco, du und ich, wir sind zutiefst fehlerhafte Menschen. Wir werden nicht einfach zu Engeln, nur, weil wir die Seiten wechselten. Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß."

„Aber wo bleiben wir dabei? Die Entscheidungen, die wir trafen..."

„Die Entscheidungen, die wir trafen, führten zum Kriegsende", entgegnete sie achselzuckend. „Das hinterlässt uns eine Zukunft und eine seltene Chance, einen Teil unserer Vergangenheit ruhen zu lassen. Ich werde nicht so tun, als ob wir vorbildliche Bürger wären, aber ich weiß, dass wir uns geändert haben."

„Wie kannst du dir sicher sein?"

„Na ja, zum einen habe ich nicht besonders Lust auf die Dinge, die ich bisher geschätzt habe. Ich denke, dir geht es genauso."

Draco dachte daran, wie er es gewohnt war, sich nach Macht zu sehnen, wie seine Mordanzahl ein Abzeichen der Ehre war, bevor die Zweifel die Zügel in die Hand nahmen. Er erschauderte bei der Vorstellung.

Was wertschätzte er jetzt?

Stabilität. Ruhe. Familie. Loyalität. Jemanden, um den man sich kümmerte.

Er schnitt eine Grimasse. „Merlins Bart, ich bin zu einem verdammten Hufflepuff geworden."

Narzissa lachte, so süß und jung, wie er es in vielen Jahren nicht mehr gehört hatte.

„Ich schätze, es könnte schlimmer sein", merkte sie lächelnd an. „Zumindest bist du kein Gryffindor."

Draco schnaubte und räusperte sich dann, versuchte zu entscheiden, wie er das Thema der Prophezeiung anschneiden sollte. „Mh, da wir gerade über Gryffindors reden..."

Narzissa begegnete seinem Blick und er erkannte, dass sie es bereits verstanden hatte. Gott sei Dank war ihm diese Unterhaltung erspart geblieben.

„Du brauchst dir keine Gedanken zu machen, Draco", sagte Narzissa. „Sie ist ein liebenswertes Mädchen. Das denke ich schon seit einiger Zeit."

„Du weißt schon, was das bedeutet."

„Es bedeutet, dass ich eines Tages eine großartige Schwiegertochter haben werde."

„Es wird niemals aufhören, sich merkwürdig anzufühlen", bemerkte er, rieb sich dabei seine Nasenwurzel.

„Weiß sie es?"

Draco schüttelte verneinend seinen Kopf. „Ich bezweifle, dass sie einen Moment Zeit dazu hatte, um überhaupt an irgendetwas anderes zu denken, seitdem dieser Auftrag endete."

„Sehr wahr. Aber was hast du jetzt vor, da du nun die wahre Bedeutung kennst? Du bist ja praktisch schon verlobt."

Dracos Antwort schwirrte ihm schon im Kopf herum, seitdem er erkannt hatte, was die Prophezeiung bedeutete und er war zu einem überraschenden Entschluss gekommen.

„Weißt du... ich denke, ich werde es einfach ignorieren."

Narzissa blinzelte ihn an. „Ich verstehe nicht."

Er schmunzelte. „Das höre ich nicht oft."

„Erklär es mir."

„Es braucht nicht wirklich eine Erklärung. Ich habe nichts getan, um dieses glückliche Schicksal zu verdienen. Erst hatte ich überhaupt keine Hoffnung für meine Zukunft und jetzt habe ich in kurzer Zeit alles, was ich jemals wollte. Ich werde davon definitiv keine einzige Sekunde als selbstverständlich erachten."

Narzissa runzelte die Stirn. „Und das betrifft Hermine inwiefern...?"

„Ich weigere mich sie so zu behandeln, als ob ich das Recht auf sie hätte. Nur weil irgendeine Prophezeiung sagt, dass wir füreinander bestimmt sind, bedeutet das nicht, dass sie es verdient als Selbstverständlichkeit behandelt zu werden. Ich werde die Prophezeiung ignorieren. Ich werde ihre Zuneigung in der richtigen Art und Weise verdienen."

Narzissa sah ihn verständnisvoll an. „Willst du einfach nur sagen, dass du ihr... den Hof machen wirst?"

„Ich schätze das tue ich", sagte er, bekämpfte die Röte, die seinen Hals hinaufstieg. „Ich habe keine Eile, weißt du. Wir können die Dinge langsam angehen. Ich will nur nicht, dass sie einen weiteren Tag nichtsahnend über ihren wahren Wert verbringt."

Narzissas Lippen zierte ein umwerfendes Lächeln. „Oh, Draco. Und du zweifelst daran, dass du dich verändert hast?"

Draco zuckte die Achseln, seine Wangen erröteten. „Ich weiß, ich klinge völlig verrückt."

„Eigentlich", sagte sie, beugte sich zu ihm und küsste ihn auf die Wange, „klingst du genau wie dein Vater. Vor dem ganzen Blödsinn mit Voldemort, bevor er von Macht besessen war. Er war ein großer Romantiker, weißt du."

„Ich... das hätte ich nicht gedacht."

„Er wäre sehr stolz auf dich gewesen, Draco."

Er schenkte ihr einen Blick voller blankem Unglauben. „Mutter, ich habe vor, mit seinem Todfeind auszugehen und möglicherweise zu heiraten. Er wäre wütend."

„Nun", sagte sie seufzend und sah ziemlich glücklich aus, „Lucius mochte schon immer ein bisschen Drama."

-x-x-x-x-

Sie schafften genau ein Date, bevor alles verrückt wurde. Das Date fand in der Krankenhauscafeteria statt.

„Nur ein kurzer Bissen", sagte Hermine, führte ihn an seiner Hand. „Das Essen hier unten ist besser und du brauchst deine Kräfte."

„Weshalb brauche ich meine Kräfte?", meckerte er. „Ich fühle mich gut. Ich will einfach nur nach Hause. Das Manor muss verdammt noch mal exorziert werden, bevor es wieder genutzt werden kann... desto eher ich anfange, desto besser."

Sie lachte nervös und sah dann über ihre Schulter. „Es ist nur... ich dachte, wir nehmen uns einen Moment, während noch alles ruhig ist. Draußen könnten ein paar Presseleute warten."

Draco runzelte die Stirn über ihr nervöses Rumgezappel und schielte auf die Speisekarte. Auflauf? Ekelhaft. „Ein paar Presseleute? Wie viele?"

„Ungefähr siebzig Reporter", murmelte sie. „Vielleicht mehr. Und das schließt nicht die Menschenmasse mit ein."

„Ah." Er biss sich auf die Zunge und sie aßen schweigend, während er die Informationen durchging.

„Das wird knifflig, nicht?", fragte er.

„Was... das Krankenhaus zu verlassen?"

„Na ja, das... und der Rest."

Hermine erstarrte und Draco zog sich schnell zurück, bemerkte seinen Fehltritt.

„Nein, nein, versteh mich nicht falsch. Ich bereue nichts. Das ist für mich keine flüchtige Schwärmerei, Hermine. Scheiß auf die Presse – ich hau nicht einfach ab, nur, weil es für eine Weile schwierig wird."

Sie entspannte sich etwas.

„Es ist nur so, dass ich dich... ausführen wollte. Dich ein bisschen verwöhnen. Lass uns die Zeit nehmen. Das ist alles. Allerdings habe ich jetzt das Gefühl, dass das unmöglich ist."

Sie neigte ihren Kopf, sah ihn neugierig an. „Mensch, Draco Malfoy... du bist überraschenderweise altmodisch. Ich hatte ja keine Ahnung."

Er zuckte die Achseln, fühlte sich etwas verlegen. „Ich habe dich die meiste Zeit meines Lebens schrecklich behandelt. Ich dachte nur, es wäre an der Zeit, mich mehr anzustrengen."

Sehr zu seiner Überraschung beugte sie sich zu ihm und küsste ihn sanft auf den Mund. Es war zu schnell vorbei, sodass er nicht darauf reagieren konnte, mal abgesehen von einem winzigen Stöhnen, welches über seine Lippen entflohen war.

„Du bist ein guter Mann", flüsterte sie.

„Das bin ich wirklich, wirklich nicht."

„Da sind wir verschiedener Meinung", seufzte sie und schielte zum Ausgang. „Du hast wahrscheinlich trotzdem Recht. Normales Ausgehen kommt nicht in Frage. Wir würden bei jedem Schritt von der Presse verfolgt werden."

„Es muss eine Alternative geben."

Hermine sah aus wie in Gedanken versunken. „Ich werde mir etwas überlegen. Es wird schon alles klappen."

Sie aßen ihr Mittag schweigend, waren versteckt in einer Ecke, welche ihnen ein minimales Stück Privatsphäre schenkte. Die Unterhaltung war ungezwungen, alle Anspannungen ihrer bisherigen Begegnungen verbrannten zu Asche. Hermine erzählte von ihren Ideen zu den Begräbnissen und ihren Bedenken, wo man all die vertriebenen Familien unterbringen konnte, während man alles wiederaufbaute. Draco schlug vor, dass das Ministerium dazu seine Mutter um Hilfe bitten könnte.

„Sie hat Zugriff auf Voldemorts und Bellatrix' private Vermögen", sagte er bei einer Tasse Tee. „Das Geld davon würde ehrlich gesagt wahrscheinlich reichen, um den Großteil Großbritanniens wieder aufbauen zu können. Meine Mutter ist eine sehr effektive Planerin... sie könnte alles in Rekordzeit arrangieren. Insofern du das willst."

Er war damit zufrieden, für seine Idee einen etwas längeren Kuss zu erhalten.

„Ich sehne mir das nicht herbei", flüsterte Hermine, als sie ihr Essen beendeten, und stand widerwillig auf. „Ich habe kein Interesse an dieser Aufmerksamkeit. Ich werde über Harry reden müssen... jeder will darüber Bescheid wissen. Und über Ron. Und Luna. Es ist nur... ich will nicht..." Sie begann viel zu schnell zu atmen und Draco gab ihr Halt, legte einen Arm um ihre Hüfte.

„Shhh, ist gut", sagte Draco, wandte sich um und führte sie in die entgegengesetzte Richtung. „Wenn man derjenige ist, der den Krieg beendet hat, ist das so, dass man was auch immer sooft sagen kann, wie man will. Jeder trauert, Hermine. Sie werden verstehen, wenn du noch nicht dazu bereit bist über die Menschen zu reden, die du verloren hast."

„Aber all die Fragen..."

„Können warten. Und wenn sie dich belästigen, dann verlieren sie ihre Privilegien. Du gehörst nicht der Presse, Hermine."

Sie nickte wie betäubt.

„Hör mal, ich habe eine Idee. Ich werde jetzt den Haupteingang hinausgehen, ok?"

„Was soll das bringen?", fragte sie verwirrt. „Du wirst auseinander genommen. Auch wenn du begnadigt bist, werden dir die Leute nicht gleich vertrauen. Sie sehen dich immer noch als Todesser."

„Darauf wette ich", antwortete er. „Der Unterschied ist, dass es mir egal ist, was andere Leute über mich denken. Ich werde rausgehen und sie ablenken, sodass du das Krankenhaus über den Hinterausgang verlassen kannst."

„Wirklich?", fragte sie ängstlich. „Das wird nicht leicht sein."

„Für dich ist es so besser und sie werden über etwas Anderes reden. Wir sehen uns bald, ja?" Er küsste sie an ihre Schläfe, mit dem Wissen, dass es eine Weile dauern könnte, bis er das wieder tun konnte. „Bitte sag mir, dass wir uns bald wiedersehen."

„Natürlich", sagte sie, wandte sich ihm zu und küsste ihn heftig. Er spürte ein wunderbares Wirbeln in seinem Bauch und nippte an ihren Lippen, als sie sich zurückzog.

Draco straffte sich und ging zum Haupteingang, sah, wie die Kameras bei seinem Erscheinen anfingen zu blitzen.

Wenn es eine Sache gab, die seine Familie gut konnte, dann war das einen spektalulären Auftritt hinzulegen.

Er setzte seinen besten stechenden Blick auf und trat hinaus in die Menschenmasse.

-x-x-x-x-

Es vergingen zwei Wochen, bis sie sich wiedersahen.

Hermines Zeit wurde sehr stark beansprucht und er schrieb ihr Nachrichten, die durch Eulen verschickt wurden, um sie zu beruhigen. Versicherte ihr, dass bald alles vorbei sein würde. Vielleicht war es die Prophezeiung, die immer noch im Hintergrund lauerte, denn Draco war über diese Dinge recht entspannt. Die ganze freie Zeit nutzte er zu seinem Vorteil – er mistete das Manor aus, versperrte die Kerker und festigte einmal mehr die Finanzen der Familie. Voldemorts Residenz hatte jede Ecke in eine mögliche Todesfalle verwandelt und Draco stellte Fluchbrecher ein um sicher zu gehen, dass das Gebäude für zukünftige Bewohner sicher sein würde.

Er hoffte vielmehr, dass er und seine Mutter nicht die Einzigen wären, die hier schlussendlich leben würden. Insofern alles gut ausgehen würde. Nicht dass er die Dinge für selbstverständlich nahm.

Narzissa wurde tatsächlich dazu aufgefordert, sich bei der Rekonstruktion zu beteiligen und bewerkstelligte brillante Projekte, die Wochen vor dem geplanten Termin fertig wurden. Niemand wollte hinterfragen, wie sie dies so schnell schaffte, was vermutlich weise war, da nur weniges davon legal war. Als Narzissa Draco eines Abends erzählte: „Nur weil ich die Seiten gewechselt habe, heißt es nicht, dass ich ineffizient arbeiten muss", fragte er nicht weiter nach. Er teilte sowieso ihre Meinung.

Trotzdem waren zwei Wochen eine lange Zeit der Trennung und Draco begann sich zu fragen, ob er sich irgendwie verschätzt hatte. Sollte er große Aufmerksamkeit erregen? Sollte er Hermine einfach erzählen, was Luna meinte? Die Wahrheit war, dass er nicht wusste, ob es für ihn hilfreich sein würde, ihr die Wahrheit zu sagen oder es ihn nur benachteiligte. Allgemein galt, dass Hermine es hasste, wenn man ihr vorschieb was sie tun sollte und es würde ihm nicht gut tun, wenn er sie von sich wegschubste.

Er musste geduldig sein. Es war keine seiner Tugenden, aber er war gewillt zu lernen.

Eines Abends, als er gerade zu Bett ging, hörte er ein Klopfen am Fenster. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er aus dem Bett aufsprang und gehetzt dem Ursprung des Geräuschs nachging.

Es war ein Spatz.

Natürlich war es ein Spatz.

Einen kurzen Moment später schlüpfte eine zitternde Hermine mit ihm unter seine Bettdecke, ihre Zähne klapperten aufgrund der kühlen Temperaturen. „Ich weiß nicht, warum ich nicht eher daran gedacht habe", flüsterte sie. „Ich dachte, ich würde beeindruckend sein, aber das war dumm, nicht?"

„Sehr dumm", antwortete er ebenfalls flüsternd, besorgt darüber, dass sein rasendes Herz ihn dazu veranlassen würde, eine Litanei kitschiger Bekennungen von sich zu geben.

„Ich habe dich schrecklich vermisst", erlaubte er sich zu sagen.

„Und ich dich", entgegnete sie, legte ihren Kopf unter sein Kinn. „Stört es dich, wenn ich über Nacht bleibe?"

„Sei kein Idiot", antwortete er zärtlich.

Innerhalb von Sekunden war sie eingeschlafen.

In der nächsten Nacht ließ er das Fenster geöffnet – er hoffte, dass er nicht zu naiv und optimistisch über seine Chancen dachte. Er hielt den Mund, als sie schließlich unter seine Decke krabbelte und er genoss, wie sie sich an seine Brust legte, sofort einschlief und etwas über die bürokratische Struktur des Ministeriums murmelte.

„Ich wünsche mir, dass du jede Nacht hierbleibst", flüsterte er wissend, dass sie davon nichts mitbekam, „auch wenn wir nur schlafen. Das stört mich nicht."

Dieses Ritual behielten sie für zwei Wochen bei. Hermine arbeitete sich jeden Tag in Grund und Boden und Sekunden, nachdem sie zu ihm ins Bett geschlüpft war, fiel sie in einen tiefen Schlaf. Draco freute sich darüber so wahnsinnig, er konnte es nicht beschreiben. So etwas hatte er zuvor noch nie erlebt – einen Partner, der mit einem etwas Raum teilen wollte, weil es sich gut anfühlte. Einfach nur, weil sie sich nahe sein wollten.

Die Prophezeiung wurde zu einem Hintergedanken und blieb auch einer, verlor an Bedeutung unter dem Stapel an neuen Informationen, die Draco sammelte: Das Gefühl von Hermines Haut an seiner, die überraschende Wärme ihres Körpers, nachdem sie sich unter die Bettdecke neben ihn legte, das Gefühl müder Küsse, bevor beide einschliefen.

Eines nachts erschien Hermine und sah sehr viel wacher aus als gewöhnlich.

„Einen guten Tag gehabt?", fragte er, suchte eine neue Position im Bett.

„Hmmm", antwortete sie nickend, band ihre Haare zu einem Zopf zusammen und legte sich neben ihn. „Ich hatte heute einen merkwürdigen Fall im Ministerium. Sie haben mich nach meiner Meinung gefragt, obwohl es nicht wirklich mein Fachgebiet ist."

„Was war das für ein Fall?"

„Blaise Zabinis Leiche wurde in der Themse gefunden."

Draco bemühte sich, dass seine Atmung ihn nicht verriet. „Wie ist sie dorthin gelangt?"

„Das ist nicht sicher", sagte sie, dehnte sich dabei. „Aber das Lustige daran ist, dass er nicht ertrunken ist. Er ist an etwas erstickt. Genau genommen an einem Brief. Er muss anschließend in den Fluss geworfen worden sein."

„Was für ein Brief?" Er zeichnete mit seinen Fingern Formen auf ihren Arm, versuchte, nicht ihrem Blick zu begegnen.

„Ein Geständnis", sagte sie. „Jeden, den er jemals getötet oder gefoltert hat."

„Muss eine lange Liste gewesen sein", murmelte er.

„War es", antwortete sie. Er konnte spüren, wie ihr Blick ihn auseinandernahm, ihn nach Hinweisen absuchte. „Luna stand darauf."

„Ah", entgegnete er.

„Na ja", seufzte sie. „Es ist wirklich schade."

„Was?"

„Ersticken ist ein zu netter Tod für jemanden wie ihn", sagte sie, wandte ihm den Rücken zu und gähnte. „Aber zumindest ist er weg. Gute Nacht, Draco."

„Gute Nacht, Hermine", flüsterte er und küsste erleichtert ihren Rücken. Vielleicht würde er ihr eines Tages erzählen, dass sie in Blaises Blut nach dem Gift eines Feuerskorpions hätten suchen sollen, welches Gerüchten zufolge eines der schmerzhaftesten Todesursachen war. Vielleicht würde er ihr erzählen, dass ihn zu erwürgen ein Akt der Gnade gewesen war, da er das Schauspiel nicht mehr länger hätte ertragen können.

Oder vielleicht würde er dieses Detail für sich behalten.

In der nächsten Nacht kam Hermine komplett nackt zu ihm ins Bett. Draco hielt den Atem an, besorgt darüber zu hallunizieren. Sie waren niemals über sanfte Berührungen hinausgegangen. Er wollte die Dinge nicht übereilen. Sie hatten auch niemals darüber gesprochen.

Offensichtlich änderte sie die Geschwindigkeit.

„Ich frage mich, ob du diese Nacht vielleicht etwas weniger schlafen willst", sagte sie im Plauderton.

Draco prägte sich das Gefühl ihrer Oberschenkel an seinem Kopf ein, ihre klebrige Nässe zwischen ihren Beinen, ihr Zittern gegen seine Zunge.

Am darauffolgenden Abend prägte er sich das überwältigende Gefühl ein, wie er in sie eindrang und immer wieder in sie hinein- und herausglitt, dabei Dinge murmelte, die er niemals außerhalb ihres Bettes sagen würde, sich langsam bewegte, bis er sich komplett leer pumpte.

Er prägte sich ein, wie sie verzweifelt miteinander fickten, der obszöne Klang von Haut, die auf Haut knallt, während sie seinen Namen schrie.

Er prägte sich die Wärme ihres Mundes ein, das lässige Gleiten ihrer Zunge gegen seinen Schwanz, die Weichheit ihrer Kehle.

Er prägte sich die Nacht ein, in der sie ihn dreimal in ihr kommen ließ, seine Augen rollten vor Erregung in seine Augenhöhlen, die Worte Mein, Mein, Mein wiederholten sich dabei ständig in seinem Kopf. Niemand würde sie jemals wieder so haben. Er war sich dabei so sicher wie bei seinem Namen.

Er prägte sich all das ein, glücklich darüber, dass ihr Arrangement auf unbestimmte Zeit so weiterging, bis sie sich eines nachts an ihn kuschelte und murmelte: „Egal was Luna sagte, ich habe nicht vor, meinen Namen zu ändern."

Draco öffnete seinen Mund mehrere Male und schloss ihn immer wieder.

„Okay", sagte er schließlich und dann festigte er seine Umarmung, genoss das warme Gefühl, das sich in seiner Brust ausbreitete. „Das ist vollkommen in Ordnung. Und was ist mit dem Rest?"

„Ich bringe meine Sachen dieses Wochenende zu dir", antwortete sie gähnend und dann döste sie neben ihm ein.

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ENDE

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Ihr Lieben,

mit diesem letzten Kapitel ist nun der Vorhang für One of the Monsters gefallen. Traurig, aber wahr. Das Übersetzen dieser Geschichte bereitete mir wirklich sehr viel Spaß, da es etwas total Anderes war, als meine anderen Übersetzungen. Sicher wird es nicht die letzte „dunklere" Übersetzung gewesen sein ;)

Ich hoffe, ihr hattet genauso viel Spaß mit Monsters wie ich und es würde mich freuen, wenn ich euch bei meinen weiteren Übersetzungen wiederlesen darf! Ich habe jetzt mit einem längeren One Shot namens From the Dark Tower begonnen und ihn in 4 Kapitel geteilt. Das erste Kapitel ist schon fertig und wird sicher bald hochgeladen.

Seid bestens gegrüßt und habt ein schönes Wochenende,

Eure Ivy