8. Doppelte Geburtstage
Die Zeit nach Weihnachten verging unglaublich schnell, beinahe kam es Stefanie vor, wie ein Katzensprung. Es dauerte nicht lange, dann stand der April vor der Türe.
Der erste April, ein Samstag, war der Geburtstag der Zwillinge und der 18. April, Stefanies Geburtstag, würde ein Mittwoch sein, was sie sehr schade fand, denn sie hätte auch gerne an einem freien Tag Geburtstag gehabt.
Traditionell war der erste April ja auch ein Tag, an dem man anderen bis zur Mittagszeit alle möglichen Streiche spielen durfte, was Stefanie als sehr passend empfand, vor allem für die Zwillinge.
Stefanie hatte vor, diesen Tag so zu gestalten, dass man auch merkte, wer Geburtstag hatte, weswegen sie eine besondere Überraschung geplant hatte. Es hatte sie ein wenig Überzeugungsarbeit gekostet, aber es war ihr gelungen, die Hauselfen zu überreden, eine riesige Torte anzufertigen, die die Form eines Kopfes hatte, und zwar den Kopf der Zwillinge. Welcher es nun war, spielte zum Glück ja keine Rolle, immerhin sahen sie beide gleich aus.
Nach dem Mittagessen zogen die Zwillinge sich mit Lee nach draußen zurück, dafür hatte Stefanie gesorgt. Sie hatte Lee gebeten, die beiden für mindestens eine Stunde abzulenken, solange würde sie brauchen, um die Torte hinaufzubringen und den Gemeinschaftsraum zu schmücken.
Als sie dann aber in die Küche kam, wurde sie gewaltig überrascht. Nicht nur die gewünschte und wunderschön gewordene Torte stand auf den Tischen, nein, auch drei andere Kuchensorten, verschiedenste Törtchen und sogar Pudding waren dabei. Sie konnte nicht anders, als zu staunen und sich tausendmal bei den Hauselfen zu bedanken.
„Das wird die allerbeste Geburtstagsfeier, die es je gegeben hat… ich werde die Torte unsichtbar zaubern und erst dann sichtbar machen, wenn sie da sind und den Rest gesehen haben, damit es noch besser wird…"
Als schwierig gestaltete es sich nur, alles in den Gemeinschaftsraum zu bekommen. Stefanie hätte einige der Sachen ja in ihren magischen Beutel stopfen können, aber sie war sich nicht ganz sicher, ob er sauber genug war. Schließlich fand sie sich damit ab, sehr oft hin und her gehen zu müssen. Die Torte kam zum Schluss dran und als sie die ganzen Leckereien endlich auf zwei großen Tischen im Gryffindorgemeinschaftsraum aufgebaut, die Torte in der Mitte platziert und unsichtbar gezaubert und es gleichzeitig geschafft hatte, alle anderen davon abzuhalten, jetzt schon zu essen und sie auf nachher vertröstet hatte, war ihre Stunde fast um und sie hatte nicht mehr viel Zeit, um den Raum noch zu schmücken. Ein paar ältere Schüler halfen ihr und als Lee wenig später mit den Zwillingen zurückkam, hingen an den Wänden Girlanden und quer durch den Raum ein Spruchband, auf dem stand: Alles Gute zum Geburtstag, Zwillinge!
Als das Portraitloch sich öffnete und die beiden hinter Lee hineinkamen wurde es sofort still, so still, dass die beiden ihr Gespräch beendeten und sich fragend umsahen.
„Ist was passiert?"
„HAPPY BRITHDAY!", riefen die Gryffindors beinahe zugleich aus und ein Regen aus Konfetti ging auf die Zwillinge nieder. Dann begannen ihre Mitschüler laut für sie zu singen und nacheinander kamen sie zu ihnen und schüttelten ihnen die Hände, um sie persönlich zu beglückwünschen. Stefanie war sich ziemlich sicher, dass das ohne Kuchen nicht so gewesen wäre, aber das war ihr egal. Als die Zwillinge sich schließlich zu ihr vorgekämpft hatten, sahen sie die Kuchen und Leckereien.
„Wahnsinn, warst du das, Stefanie?!"
Sie lachte und flüsterte leise: „Sagen wir so, ich habe meine Kontakte spielen lassen."
Sie zwinkerte ihnen zu und die beiden verstanden. Dann umarmte sie jeden von ihnen und trat einen Schritt zurück, um ihren Zauberstab zu zücken. „Aber das Beste kommt noch."
Mit einer einfachen Handbewegung und einem kurzen Murmeln hatte sie die prächtige Torte sichtbar gemacht und ein Raunen ging durch den Raum, dann brachen sie alle in lauten Jubel aus. Fassungslos standen die Zwillinge vor dem Meisterstück und konnten sich nicht einigen, wessen Kopf es denn nun war. Die Schüler stürzten sich auf die Kuchen wie ausgehungerte Kinder und besonders die Torte, die nicht nur gut aussah, sondern noch besser schmeckte, war schnell aufgegessen, so schnell, dass Stefanie froh war, noch ein Stück bekommen zu haben.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Zwillinge Geburtstag hatten, machte man ihnen, Lee und Stefanie die besten Plätze am Kamin bereitwillig frei und zufrieden saßen sie dort und aßen die Torte und die Kuchen.
„Das war echt eine Überraschung, wirklich gelungen Stefanie", lobte Lee sie und sie lächelte. Auch die Zwillinge wirkten mehr als zufrieden.
„Mal sehen, ob wir uns da irgendwann revanchieren können. Dieses Jahr aber eher nicht, das wäre langweilig, weil du es jetzt schon erwarten würdest."
Das brachte Stefanie zum Lachen und als alle Kuchen und Torten weggegessen waren, was viel zu schnell gegangen war, rannte sie schnell nach oben und holte ihr Geschenk.
„Was? Geschenk bekommen wir auch noch eines?" Die beiden schienen es kaum fassen zu können, als sie jedem von ihnen ein kleines Päckchen in die Hand drückte.
„Ich dachte mir, ausnahmsweise könntet ihr ja mal beide etwas bekommen, anstatt immer nur eines für beide. Es ist allerdings in beiden dasselbe drinnen." Sie lächelte entschuldigend, doch weder Fred noch George schienen ihr böse zu sein.
Die Geschenke entpuppten sich als kleine Miniaturregelbücher, die sie selbst gezaubert hatte. Sie enthielten Regeln wie: „Es ist untersagt, nach 21 Uhr noch im Gemeinschaftsraum zu sein und dringend anzuraten, in der Schule herumzugehen", oder „Der Verbotene Wald muss im Leben mindestens einmal aufgesucht werden." Die beiden amüsierten sich sehr dabei, durch die Bücher zu blättern und nachzusehen, an welche Regeln sie sich schon gehalten hatten.
„Hier: Peeves, dem Poltergeist, ist unbedingt in seiner Tätigkeit Konkurrenz zu machen, das ist auch gut", lachte Fred und George stimmte ihm mit vollen Herzen zu, während es rund um sie herum immer ruhiger wurde und bald gingen auch sie ins Bett.
Am nächsten Tag bekamen sie eine verspätete Eule von zu Hause, die ihnen einen Geburtstagsbrief und zwei neue Zauberkessel für das nächste Jahr in Aussicht stellte. Die beiden waren wenig begeistert.
„Vielleicht können wir sie dazu überreden, dass es etwas anderes wird."
„Neue Besen zum Beispiel", schlug Fred vor und George gab ihm Recht. Stefanie hatte ein wenig Mitleid mit ihnen. Ihre Eltern würden ihr nie Nutzgegenstände zum Geburtstag schenken, die bekam sie immer einfach so. Aber ihre Eltern verdienten ja auch genug, während die Weasleys eine so große Familie ernähren mussten, dass sie jeden Sickel zweimal umdrehen mussten.
Am 18. April bekam auch Stefanie eine Eule von ihren Eltern, allerdings ebenfalls ohne Geschenk. Sie kam zum Frühstück und lies sich vor Stefanies Essteller nieder. Geistesabwesend streichelte sie Ivy, während sie den Brief las, in dem ihre Eltern ihr erstens zwar alles Gute wünschten, zweitens aber sagten, dass sie es für klüger hielten, wenn Stefanie sich im Sommer etwas in der Winkelgasse aussuchte, weil sie nicht wussten, inwieweit sie sich noch über Muggeldinge freute.
Stefanies Enttäuschung verflog, als sie den Brief las und sie war froh, dass ihre Eltern auf diese Idee gekommen waren. Es stimmte, alleine kamen ihre Eltern ja nicht in die Winkelgasse und was sollte Stefanie mit Muggelsachen noch anfangen? Sie hätten ihr natürlich auch Kleidung schenken können, aber vermutlich waren sie sich nicht sicher, ob sie noch etwas brauchen könnte, war es in Schottland doch sowieso immer kalt. Von ihren Geschwistern bekam Stefanie nichts, aber dafür hatte sie Verständnis, schenkte sie ihnen derweil ja auch nichts. Nun, sie hatte Christoph ein paar magische Süßigkeiten geschenkt aber sie wusste nicht, wie gut sie bei ihm angekommen waren. Vielleicht hatte Marie sie auch heimlich alle weggegessen und nun glaubte er, sie hätte nicht an ihn gedacht.
Nach dem Frühstück mussten sie zum Unterricht. Der Tag begann mit Verwandlung, aber später hatten sie Zaubertränke, zusammen mit den Slytherins.
Die Zwillinge gingen gemeinsam mit Stefanie hinunter in die Kerker und, wie immer, setzten sie sich an einen Tisch. Dieses Mal hatten sie Glück – zu dritt sollten sie sich an einem Vergesslichkeitstrank versuchen. Sie hatten ihn schon einmal alleine gebraut, dieses Mal allerdings sollten sie es ohne Anleitung, dafür aber in Gruppen versuchen. Stefanie hatte den starken Verdacht, dass sie ihn auch zu ihren Abschlussprüfungen bekommen würden, sonst würde Snape seinen Slytherin-Lieblingen nicht einschärfen, sich anzustrengen und sich genau zu merken, was sie taten.
Da sie schon so schön zusammen saßen, braute sie zusammen mit den Zwillingen an dem Trank und versuchte ihr Bestes dabei. Sie hatte gerade erst letztens wieder einen Punkt verloren, weil sie Snape nicht dabei geholfen hatte, einige zu Boden gefallene Zaubertrankzutaten aufzuheben („Für diese Unhöflichkeit…") und wollte es jetzt möglichst wieder gut machen. Zwar gab Snape, im Gegensatz zu anderen Lehrern, keine Punkte für hervorragende Leistungen, außer natürlich man war ein Slytherin, aber man konnte ja nie wissen. Zumindest wollte sie an ihrem Geburtstag keinen Punkteabzug bekommen.
Gerade maß Stefanie das richtige Maß an Belladonnaessenz ab, als plötzlich aus dem Nachbarkessel ein Knall ertönte. Sämtliche Köpfe fuhren herum und starrten auf den Rauch, der langsam die Worte ‚Happy Birthday' formte. Zum Glück stand nicht ihr Name dabei, sonst hätte Snape ihr wahrscheinlich wirklich noch Punkte abgezogen.
Stefanie warf den Zwillingen einen fragenden Blick zu und lächelte, als die beiden grinsten. Sie hatten sich doch etwas für sie einfallen lassen und zum Glück nicht ihren eigenen Kessel benutzt, sondern den von den drei Slytherins Adrian Pucey, Carter Warrington und Miles Bletchley.
Snape kam auf sie zu und warf einen prüfenden Blick in den Kessel, nachdem er den Rauch mit einer Handbewegung verscheucht hatte, und runzelte seine Stirn. „Was für ein merkwürdiges Ding", sagte er schließlich mit spitzer Stimme und, ohne es zu berühren, beförderte er mit Hilfe seines Zauberstabs etwas aus dem Kessel das aussah wie eine gematschte Pflaume. Er betrachtete es eingehend, kam aber zu keinem Ergebnis, denn mit ärgerlichem Gesicht ließ er das Ding verschwinden.
„Machen sie sich wieder an die Arbeit. Und sie müssen neu anfangen", wandte er sich an die drei Slytherins. Stefanie unterdrückte ein Kichern, das sie definitiv um die Punkte gebracht hätte, die Slytherin gerade nicht verloren hatte. Als die Stunde dann vorbei war, konnte sie nicht mehr aufhören, die Zwillinge zu loben und ihre Bewunderung auszudrücken.
„Das war nicht nur fantastisch sondern auch total mutig! Wie habt ihr das gemacht?"
„Tja", begann George und Fred grinste, ehe er fortfuhr: „Wir haben uns deine Anleitung letztens eben sehr zu Herzen genommen und versucht, unsern eigenen Spruch zu kreieren. Geklappt hat es noch nicht, aber dann haben wir es geschafft, eine Art Bombe aus einer Pflaume zu entwickeln. Wenn sie hochgeht, kommt der Schriftzug."
„Ist aber noch ausbaufähig", fügte Fred hinzu und die beiden verrieten Stefanie, dass sie planten, einige Scherzartikel zu entwickeln, nun, da sie auf den Geschmack gekommen waren.
„Wir haben schon so einiges im Kopf."
„Wie zum Beispiel Jux-Zauberstäbe oder krankmachendes Essen zum Schwänzen von Unterricht", zählte George auf und Stefanie konnte nur bewundernd nicken.
„Wenn mir etwas einfällt, werde ich es euch sagen", versprach sie, ebenso wie ihnen zu helfen, wenn sie gerade Lust dazu hatte.
Zeit hatten sie in der nächsten Zeit allerdings keine, denn die Prüfungen rückten immer näher und Stefanie ging den Stoff fleißig durch. Sie übte Handbewegungen, die sie längst konnte, lernte Trankzutaten auswendig und verwandelte Gegenstände in andere Dinge und …und …und …
Dann war es soweit: Die Prüfungen fingen an. Sie bestanden aus schriftlichen und praktischen Teilen und beides war nicht unbedingt schwer. Sie schrieben Aufsätze, beantworteten Fragen und schließlich verwandelten sie Mäuse in Dosen oder brauten Zaubertränke aus dem Gedächtnis. Als sie das endlich alles hinter sich gebracht hatten, war das Jahr so gut wie vorbei. Eine Woche hatten sie nun frei, dann würden sie ihre Ergebnisse erfahren und zum Schluss noch zusammen eine große Abschlussfeier feiern.
Die Tage waren wärmer geworden, die Sonne wieder kräftiger und Stefanie trug nun keine Pullover mehr, sondern kurzärmlige Oberteile, meistens unter ihrem Zauberumhang.
Nun, da sie frei hatten, verbrachten sie ihre Zeit draußen am See, manchmal auch am Quidditchfeld, wo nun nicht mehr trainiert wurde und sich all jene tollten, die sonst nie zum Fliegen kamen. Auch Stefanie hatten ihren Spaß daran, auf den Schulbesen, die, wenn man zu hoch flog, zu vibrieren begannen und manchmal nicht mehr gehorchten, weil sie einfach schon zu alt waren, ihre Kreise zu ziehen und mit den Zwillingen und Lee um die Wette zu fliegen. Auch Angelina und Alicia gesellten sich bei solchen Rennen zu ihnen, denn die beiden waren ebenfalls begeisterte Fliegerinnen und spielten sogar mit dem Gedanken, sich im nächsten Jahr für die Hausmannschaft zu bewerben. Das hatten allerdings, so kam es ihr vor, sowieso alle vor. Oder beinahe alle, außer ihr selbst eben. Sie war im Sport noch nie wirklich herausragend gewesen und es war ihr auch nicht wichtig, gut in Dingen wie Leichtathletik zu sein. Natürlich, fliegen war etwas anderes aber nein, es gab Leute, die besser dafür geeignet waren. Erstens hatte sie manchmal Anflüge von Höhenangst und zweitens würde sie vor Nervosität sterben, müsste sie vor der ganzen Schule Quidditch spielen.
Die Tage, die nun versüßt waren mit Nichtstun und voller Entspannung, vergingen schnell, sie flossen regelrecht dahin, und ehe Stefanie sich versehen konnte, war der Tag der Abschlussfeier gekommen. Sie zogen sich also noch einmal ihre Zauberumhänge an und setzten ihre Spitzhüte auf, die sie sonst eigentlich nicht sehr oft trugen, weil man nicht aneinander vorbeigehen konnte, ohne zu lachen, und gingen hinunter in die Große Halle, die geschmückt war in den Farben Grün und Silber, also in den Farben Slytherins.
„Gratuliere, Slytherins", murmelte George leise, „ihr habt zum fünften Mal in Folge den Hauspokal gewonnen."
„Wenigstens kann uns niemand vorwerfen, dass wir schuld dran sind", tröstete Stefanie sie, während sie sich an den Gryffindortisch setzten. „Immerhin liegen wir auf Platz drei, also war es nicht einmal knapp."
Es dauerte nicht lange, bis die Halle gefüllt war und Dumbledore sich erhob, um ein paar abschließende Worte an sie zu richten.
„Das Jahr ist vorüber, und hier sitzen wir, versammelt und voller Vorfreude auf ein neues, aber zuvor dürfen wir uns in langen Ferien entspannen. Zuerst aber, und ehe wir uns vollfressen mit herrlichen Leckereien, darf ich den Hauspokal verleihen. Wie es aussieht, liegt Huffelpuff auf Platz vier, Gryffindor auf Platz drei, Ravenclaw auf Platz zwei und somit gewinnt, wie schon letztes Jahr, und das Jahr davor, und das Jahr das vor diesem Jahr und so weiter… Slytherin den Hauspokal!"
Jubel erbrach sich über die Tische, obwohl er nur von einem Tisch ausging und es war so laut, dass man meinen konnte, alle hätten sich für das Haus gefreut, doch so war es nicht. Drei Tische lagen in Totenstille und nur einer konnte sich kaum halten vor Freude.
„Oh ja, sie sind ja soo toll. Die Einzigen, die es fertig bringen, Gemeinheiten anzustellen und anderen die Schuld dafür zu geben", murmelte Fred leise und man stimmte ihm zu. Dann aber tauchte das Essen auf den Tischen auf. Der allgemeine Trübsinn verflog angesichts der Leckereien und ein letztes Mal vor den Ferien wurde so richtig gegessen und getrunken.
„Und, was planst du in den Ferien?", erkundigte Fred sich bei Stefanie und sie antwortete mit einem Schulterzucken.
„Das weiß ich noch nicht, es hängt wohl von meinen Eltern ab. Vielleicht fahren wir irgendwo hin. Ihr?"
„Wir bleiben wahrscheinlich zu Hause, aber die Zeit nutzen wir auf jeden Fall, um ein wenig herumzuexperimentieren. Du hast uns da echt auf eine gute Idee gebracht."
Sie lachte und dann war das Jahr wirklich vorbei. Ihre Zeugnisse wurden vergeben und Stefanie war zu ihrer großen Freude, und nicht zur Überraschung der anderen, die Jahrgangsbeste. Sie erhielten Zettel, auf denen sie ermahnt wurden, in den Ferien nicht zu zaubern, und nur auf Stefanies stand, dass man nicht genau wusste, wie das deutschsprachige Zaubereiministerium das regelte, sie aber besser einfach nicht zaubern sollte.
Stefanie nahm es als Rat, den man nicht befolgen musste. Sie würde ihre Grenzen ausloten und sehen, wann sie eine mahnende Eule vom Zaubereiministerium erhalten würde.
Sie fuhren mit dem Hogwartsexpress zurück nach London und spielten Zauberschnippschnapp, während sich die Landschaft allmählich veränderte. Das wilde schottische Hochland verschwand und es wurde grüner. Städte tauchten auf, während Stefanie schon ihren Zauberumhang ablegte.
„Vergiss ja nicht, uns zu schreiben", wiesen die Zwillinge sie an und sie nickte. „Und vergesst nicht, mir zurückzuschreiben."
„Wir nehmen aber besser nur deine Eule, unser Errol schafft den Weg nie."
Sie hielten am Bahnhof King's Cross und stiegen aus, ehe sie sich vor dem Tor zur Muggelwelt anstellten. Zu dritt gingen Stefanie und die Zwillinge durch das Tor und schon erblickte sie die rothaarige Familie, die dort auf die Ankunft ihrer Söhne wartete.
„Fred, George!", rief Mrs. Weasley aus und fiel den beiden um den Hals, ehe sie vor Stefanie Halt machte und sie herzlich anlächelte.
„Und du musst Stefanie sein. Es freut mich sehr, dass die beiden eine vernünftige Freundin gefunden haben, die sie vielleicht ein wenig zügeln kann."
„Ja Mum, sie war sogar Jahrgangsbeste", verkündete Fred, um es ein wenig glaubwürdiger zu machen, dass Stefanie vernünftig war.
In diesem Moment tauchten auch Charlie und Percy auf und wurden von ihrer Mutter überschwänglich begrüßt.
„Ich bin so stolz auf dich!", verkündete sie in Richtung ihres Älteren, der nun mit der Schule fertig war. Auch Mr. Weasley schien sehr erfreut zu sein. Gerade, als sie sich verabschieden wollten, sah Stefanie Daniel, der ein wenig Abseits auf sie wartete.
„Ich fürchte, ich muss mich beeilen", sagte sie schnell und ihr fiel ein, dass der Portschlüssel ja nur zu einer bestimmten Zeit benutzbar war. Sie verabschiedete sich schnell und hastete dann zu Daniel.
„Wird auch Zeit, wir müssen uns echt beeilen, sonst verpassen wir ihn." Gerade freundlich wirkte er nicht, eher gestresst.
Also nahmen sie die Beine in die Hand und liefen mehr, als sie gingen. Dennoch dauerte es eine Weile, bis sie endlich im Hof des Tropfenden Kessels standen und ihre Hände erschöpft um den Rand des Fasses legten.
„Nächstes Mal", sagte Daniel ein wenig außer Atem, „beeilst du dich ein bisschen, ja? Dann können wir uns diesen Lauf durch London sparen."
Sie lächelte entschuldigend. „Tut mir Leid, ich hab nicht nachgedacht."
„Das hab ich gemerkt."
In diesem Moment ging der Portschlüssel los. Das unangenehme Gefühl in ihrer Magengegend breitete sich aus und sie schloss ihre Augen, während sie sich auf einen Bauchklatscher vorbereitete. Als sie jedoch auf der anderen Seite des Ozeans ankamen, landete sie nicht auf dem Bauch, sondern auf den Knien.
Sie öffnete ihre Augen und stand auf, während sie ihren Koffer ein wenig anhob und sich lächelnd umdrehte.
