Ich wache auf weil ich wirklich pinkeln muss, also setze ich mich im Bett auf. Und ich bereue es sofort, denn der schlimmste Kater grüßt mich mit einem Rundschlag in meinem Kopf. Montagmorgen und die Woche scheint schon nicht mehr enden zu wollen. Ich halte meinen Kopf mit meinen Händen und seufze. Ok, ich fluche auch, aber wenn das keiner beobachtet, ist es nie passiert. Grundlegende Quantenphysik. Ich bemerke ein Glas Orangensaft auf meinem Nachttisch und zwei Aspirin daneben. Ooohh, Christian hat an mich gedacht gestern Nacht, wie süß. Erleichtert nehme ich die Pillen und spüle sie mit dem Saft hinunter. Gut, hoffentlich wirken sie bald. Ich sinke zurück in meinen herrlichen Polster und gebe mir noch fünf Minuten Ruhe, bevor ich langsam aufstehe und in mein Badezimmer krieche. Nach einer erfrischenden und belebenden Dusche bin ich fit genug, um diesen Tag zu beginnen.

Am Frühstückstisch besprechen wir unseren Plan für heute.

„Ab dieser Woche werde ich wieder im Verlag arbeiten - von Montag bis Freitag. Christian, du wirst Tommy zur Schule und Andy zur Kita bringen, danach wirst du ein bisschen Gartenarbeit machen. Ray wird kommen um dich zum Mittagessen abzuholen und dann wirst du ein bisschen für ihn arbeiten. Er wird dir alles erklären. Ich werde ein paar Überstunden machen, also kümmerst du dich um die Kinder. Das schließt natürlich das Abendessen kochen mit ein", weise ich ihn an.

„Super. Warum erschießt du mich stattdessen nicht einfach?" grummelt er.

„Weil ich dann keine Überstunden machen könnte, Dummerchen!" sage ich und küsse ihn, während ich aufstehe und den Tisch verlasse. Heute habe ich keine Energie um irgendetwas ausgefallenes zu tragen und deshalb ziehe ich mir ein einfaches weißes Top und einen Rock mit Blümchenmuster an, meine Haare flechte ich.

Ich sitze an meinem Tisch im Büro, während ich durch die Manuskripte sehe. Ich hätte gestern nicht so viel saufen sollen. Ich fühle mich noch immer etwas schlecht, also mache ich mir einen Kräutertee, der meinen Magen beruhigen sollte. Nachdem ich eine Woche weg war, liegen total viele Manuskripte auf meinem Tisch. Zumindest kann ich Überstunden machen, weil Christian auf die Buben aufpasst. Glücklicherweise ist Mr. Roach, mein Boss, auch ein Vater - ein sechsfacher Vater - also kennt er die Probleme, die es mit sich bringt, wenn man ein Elternteil ist. Deshalb drückt er oft ein Auge zu wenn es um meine Arbeitszeiten geht. Als Gegenleistung nehme ich mir ab und zu einen Babysitter, damit ich wenigstens einmal in der Woche meinen Tisch leerräumen kann. Zu schade, dass ich jetzt einen gratis Babysitter habe, also kann ich definitiv mehr Arbeit weiterbringen. Ich lese Manuskript nach Manuskript und José ruft immer wieder an. Ich drücke seine Anrufe weg und konzentriere mich auf meine Arbeit. Dieser kleine Scheißer muss warten. Alles ist wichtiger als er.

Nach ein paar Stunden kommt Mr. Roach mit jemanden an seiner Seite zu mir her. Vielleicht ein neuer Arbeitskollege.

"Mrs. Steele, ich möchte Ihnen Jack Hyde vorstellen. Er ist unser neuer Editor und es ist sein erster Tag heute." Mr. Roach präsentiert uns unseren neuen Mitarbeiter. Er hat rote Haare, in einen Pferdeschwanz zusammengebunden, und unergründliche dunkelblaue Augen. Er hat kleine Silberringe in beiden Ohren, trägt ein hellblaues Hemd ohne Krawatte und eine beigefarbene Hose.

"Mr. Hyde", sage ich während ich aufstehe und strecke meine Hand aus. Das war eine so enthusiastische Bewegung, dass ich meinen Sessel umstoße. Ich hebe ihn wieder auf und drehe mich zu den Männern vor mir. Ich strecke meine Hand noch einmal aus, übersehe aber den Stiftebecher und schmeiße ihn um. Oh nein, kann ich mich noch mehr blamieren? Überhaupt vor meinem Chef und meinen neuen Kollegen?

"Mrs. Steele, es ist mir eine Freude, Sie kennen zu lernen", sagt Mr. Hyde und kichert. Er hilft mir mit dem Stiftebecher.

Ich lächle dankbar und sage: „Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, dann zögern Sie nicht mich zu fragen." Ich biete das an, weil wir hier wie eine Familie sind und uns gegenseitig helfen, also ist das meine Standardaussage bei neuen Kollegen.

„Das werde ich, Mrs. Steele, das werde ich", bekräftigt er mir und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.

Nachdem alles gesagt wurde, fahre ich mit meiner Arbeit fort und lese die Manuskripte.

Ich lese gerade mein fünftes Manuskript für heute als mein Handy klingelt. Ich schau nach wer dran ist und seufze - Tommys Schule. Das bedeutet Probleme. Eine wütende Direktorin befiehlt mir, meinen Desperado abzuholen. Und da geht mein Plan dahin, mit meiner Arbeit wieder auf gleich zu kommen. Eine halbe Stunde später gehe ich in das Schulgebäude um mich den Problemen zu stellen. Tommy wurde wieder einmal zum Nachsitzen verdonnert. Also weiß ich, wo ich hingehen muss. Als ich das Klassenzimmer erreiche sehe ich Christian den Raum betreten. Was geht hier vor? Ich spute mich zur Tür und öffne sie leise einen Spalt, damit Lauschen kann.

Christian geht zur Direktorin.

"Mrs. Burbridge, ich bin Tommys Vater, was geht hier vor? Warum muss mein Sohn nachsitzen?" sagt er in seiner CEO-Stimme, ruhig und formell.

„Nun ja, offensichtlich haltet es Ihr missratenes Balg da drüben für unter seiner Würde, die Schwartzman-Heinliken-Tests abzulegen", schnaubt sie.

„Entschuldigen Sie, was sind die Schwartzman-Heinliken-Tests?" fragt er interessiert.

„Das sind Eignungstests. Sie sind sehr nützlich, um die Intelligenz und das Potenzial zu messen. … Sitz still! … Sehen Sie? Ihr Kind ist ein Disziplinproblem", faucht sie.

„Ich weiß. Ich hatte auch Probleme", sagt er und geht zu Tommys Tisch. Er beugt sich nieder und flüstert: „Was hast du nun schon wieder gemacht?"

Mrs. Burbridge macht ihn auf etwas aufmerksam: "Oh! Er entschied sich krank zu spielen! Und nicht sehr überzeugend. Also, ich glaube seine Probleme sind auf mangelnde elterliche Erziehung zurück zu führen. Ihre Kinder sind schlampig, unverbesserlich und werden von einer Mutter aufgezogen, die sich eindeutig nicht über deren Wohlergehen sorgt, sondern selber ohne jeden Zweifel überfordert ist!" faselt sie.

Jetzt habe ich Tränen in den Augen. Es ist nicht nett von jemanden beurteilt zu werden, der mich nicht kennt, der nicht weiß wie ich mir meinen Arsch aufreiße um meine Kinder zu erziehen und für sie zu sorgen. Ich mag nicht die beste Mutter auf Erden sein, aber ich gebe mein Allerbestes für sie. Plötzlich höre ich Stöckel trippeln, also verstecke ich mich hinter einem Regal am Gang. Eine junge Frau geht in das Klassenzimmer. Nach ein paar Minuten verlässt sie es wieder.

Ich setze mein Lauschen fort und spähe in den Raum. Mrs. Burbridge schaut ein paar Blätter durch und Christian kniet neben Tommy. Christian betrachtet das Kind näher und sein Gesicht wird ernst. Er nähert sich der Direktorin bedrohlich und baut sich vor ihr auf.

"Mrs. Burbridge, würden Sie für einen Moment hier herüber kommen?" Er zieht sie herüber zu Tommy. „Ist es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen dass dieses Kind von Kopf bis Fuß mit Pusteln übersät ist?" brüllt er fast. Oh, oh, arme kleine Mrs. Burbridge, Sie lernen soeben den wütenden Mr. ich-lass-mir-keinen-Schwachsinn-gefallen-Grey kennen.

„Nun ja nein, ich … naja ja, aber …" stammelt sie erschrocken.

„Aber was? Mein Kind braucht ärztliche Versorgung! Und Sie sitzen einfach nur da und dozieren über die Wichtigkeit von irgendwelchen Tests? Tests, die angeblich das geistige Potenzial von meinem Kind messen sollen, Eigenschaften die gar nicht messbar sind, am allerwenigsten von dicken, breitärschigen Tonnen! Meine Frau mag vielleicht überfordert sein, aber das hat Sie überhaupt nicht zu interessieren! Und meine Kinder mögen vielleicht verzogen sein, aber sie sind mein! Ich denke, dass sie klug sind, und sensibel, und ich habe keinerlei Zweifel hinsichtlich ihrer Intelligenz. Aber ich habe äußerst schwere Bedenken darüber, was sich in Ihrem Kopf abspielen mag", schnappt er. Er dreht sich um und zischt zu Tommy: „Steh auf, wir gehen heim!" Tommy starrt ihn bewundernd an. „Sofort!" schreit er. Tommy springt auf und folgt ihm. „Disziplinprobleme? Meine Grüße an Schwartzman und Heinliken!" faucht er

Ich renne schnell um die nächste Ecke, um mich vor meinen Männern zu verstecken. Tommy sagt: „Du hast sie ausgeschimpft. Mom hat das nie getan!" und strahlt. Ich warte, bis sie aus meinem Blickfeld sind und kann nicht anders als grinsen. Oh wie ich es liebe, wenn er für uns kämpft. Das Leben ist so viel einfacher, wenn du nicht alleine bist. Ich gehe zu meinem Auto und schaue auf die Uhr. Yeah, ich habe noch immer genügend Zeit um meinen Tisch leer zu bekommen. Also gehe ich zurück zu meinem Büro und mache einige Überstunden.

Als ich Zuhause ankomme, gehe ich in das Wohnzimmer. Tommy, der überall mit Zinksalbe bedeckt ist, und Andy sitzen am Tisch. Andy weint, Tommy schreibt etwas und Christian sitzt auch am Tisch und starrt sie an.

„Was geht hier vor?" frage ich meinen geliebten Ehemann mit einer ernsten Stimme. Hat er Andy zum weinen gebracht?

„Es reicht! Es wird endlich Zeit, die Kinder ordentlich zu erziehen. Tommy macht seine Hausaufgabe - ruhig und ordentlich und Andy muss einen nahrhaften Snack essen, bevor er Süßigkeiten bekommt", klärt er mich auf.

„Meinst du, dass ich meine Kinder nicht gut erzogen habe?" frage ich ungläubig und zweifelhaft.

„Ja, unsere Kinder könnten so viel mehr", erläutert er.

Ich gaffe in Verwunderung. Wie kann er es nur wagen, meine Buben und den Weg, wie Brad und ich unsere Kinder erzogen haben, zu kritisieren. Mir fehlen die Worte, also drehe ich mich einfach um und gehe in die Küche.

Ich schäume vor Wut. Ich schneide das Gemüse für einen leichten Salat für mein Abendessen und muss darauf achten, mir nicht in die Finger zu schneiden, weil die zittern. Jedes Mal, wenn meine Stimmung im Keller ist, werde ich mehr und mehr ruhiger, ein gefährliches Zeichen. Er hat nicht einmal Kinder, ganz zu schweigen davon, dass er je ein alleinerziehendes Elternteil war, nicht einmal für einen Tag. Wie kann er mich nur verurteilen?

Nach einer Weile schlängelt sich seine Hand um meine Mitte herum mit einem Glas Wasser in ihr. Als ich hinunter sehe, schüttet er mir das Wasser ins Gesicht und sagt: „Beruhig dich, Ana!" Ich weiß nicht was ich tun soll, weil ich so verblüfft bin. Ich drehe mich um und beobachte ihn, wie er den Abwasch macht, als ob überhaupt nichts passiert wäre. Ich drehe mich noch einmal um, schneide wieder mein Gemüse und denke darüber nach, was ich als nächstes tun könnte. Ohne viel nach zu denken nehme ich mein eigenes Wasserglas, drehe mich um und schütte es ihm über den Rücken, um mich sofort wieder dem Schneiden des Gemüses zu widmen. Ein teuflisches Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. ‚Nimm das, Mr. Perfect' denke ich.

Ich höre, dass ein Küchenschrank geöffnet und geschlossen wird. Oh Mist, was wird er als nächstes tun? Ich unterbreche das Schneiden um meine nächste Waffe zu finden. 'Ah, ja, das wird funktionieren' denke ich während ich ein Glas Erdnussbutter nehme, es öffne und mit meinem Zeige- und Mittelfinger eintauche. Als mich umdrehe grüßt mich eine Wolke aus Mehl. Instinktiv schließe ich meine Augen und huste ein wenig bevor ich schnell die Erdnussbutter über sein Gesicht schmiere. Ein Kichern findet seinen Weg aus meinem Mund. Er greift nach meiner Hand, leckt meine Finger mit seiner traumhaften Zunge und saugt an ihnen während er mich gegen die Küchenarbeitsplatte drückt. Er setzt mich darauf während er etwas bei meiner linken Seite nimmt. Scheiße, jetzt ist er im Spieltrieb und ich muss mich verteidigen.

Unverzüglich fährt meine rechte Hand über die Zutaten auf meiner rechten Seite. Bevor ich etwas nehmen kann, schmiert seine Hand Marmelade auf mein Dekolleté. Ich schreie auf und hüpfe von der Küchenarbeitsplatte, während ich ihn wegdrücke. Auf der anderen Seite, neben der Spüle, entdecke ich eine Flasche mit Schokoladensirup. Ich hüpfe um sie zu nehmen, drehe mich um und spritze den Sirup auf sein Hemd. Noch ein Kichern ertönt während während ich ein paar Schritte nach hinten mache, noch immer bewaffnet mit dem Schokoladensirup. Ich fühle die Küchenarbeitsplatte gleich hinter mir.

Scheiße, ich bin gefangen und er weiß das. Er kommt langsam auf mich zu, zieht sich sein Hemd aus und meine Augen wandern sogleich über seinen Oberkörper. Mmmmhhh, ganz prima. Als sie den Härchen am Bauch hinunter folgen wirft er sein Hemd zu mir, was mich aus meinem Tagtraum reißt. Ich fang es mit meiner freien Hand als er den Raum zwischen uns überwindet und seine Hände auf meine Taille legt. Er bringt sein Gesicht nahe an meins und ich kann seinen Atem auf meinen Lippen spüren. Mir wird ganz heiß und ich fühle die Hitze, die von seinem Körper abstrahlt, ganz zu schweigen von den feuchten Höschen da unten. Mein Atem beschleunigt sich und ich kann mir nicht helfen: Obwohl ich gerade total wütend auf ihn bin, schreien meine Gedanken: ‚Küss mich!' Was würde ich für einen weiteren Kuss von diesem Adonis geben? Gedankenverloren beiße ich auf meine Unterlippe. Gerade als ich denke, dass er es wirklich tun würde, nimmt er mir die Flasche aus der Hand und ein Spritzer von dem Schokosirup findet seinen Weg auf meine Oberschenkel. Ein fetter Grinser breitet sich auf seinem Gesicht aus, seine Augen brennen. „Ich denke, du brauchst eine Dusche!" sagt er. Ja, er hat definitiv recht, ich brauche eine Dusche, eine wirklich kalte. „Yeah! So wie du auch!" sage ich während ich eine Flasche Bier nehme und über seinen Kopf schütte. Ich weiß, es wird ein Haufen Arbeit sein, die Küche und die Kleidung wieder sauber zu machen, aber es macht auch irgendwie Spaß. Und ist gleichzeitig erotisch. Und es beruhigt meinen Frust. Der Mann ist anstrengend.

Nach seiner Bierdusche wird sein Gesichtsausdruck ernst. "Ana, schau, es tut mir wirklich leid. Ich wollte dich oder die Kinder in keinster Weise angreifen. Ich dachte nur, dass wir es besser machen könnten! Ich will nicht, dass das zwischen uns steht. Die ganze Situation ist nicht leicht für mich, ich fühle mich als ob ich noch nie mit Kindern gelebt hätte und versuche nur, mein Bestes zu geben." Er nimmt meine Hände und hebt sie langsam zu seinem Mund, bevor er jeden einzelnen Knöchel küsst. Meine Gedanken wirbeln vor schlechtem Gewissen. Ich bin ein großer Teil seiner Probleme und habe ihn getrennt - von seiner Familie, seinen Freunden, seiner Verlobten. Ich glaube nicht, dass er mir je vergeben wird, wenn er es herausfindet. Ich schüttle meinen Kopf um meine Gedanken los zu werden und gehe ins Badezimmer.

Nach einer Weile in der Wanne höre ich wie die Tür aufgeht. Ich werde sogleich nervös und rutsche tiefer ins Wasser, unter den Schaum. Christian kniet neben der Wanne und legt sein Kinn auf seine Hand, die auf dem Rand der Badewanne liegt. Er starrt mich an während ich mich winde und ich fühle mich sehr unwohl. Christian seufzt.

„Apfelkuchen, ich will wissen was zwischen uns passiert ist. Jetzt!" sagt er leise.

Ich öffne und schließe einige Male meinen Mund wie ein Fisch. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

„Du warst irgendwie der Grund, warum ich meinen Job verloren habe und wir deswegen umziehen mussten", sage ich ihm. Wow, das war leichter als gedacht. Und ich musste nicht einmal lügen.

"Ok. Ich nehme an dass du mir die ganze Geschichte noch nicht erzählen willst", rät er.

Ich nicke.

„Und du bist böse auf mich", rät er weiter.

"Nein, ich bin nicht böse auf dich, ich hasse nur die Situation … die du geschaffen hast", gebe ich zu.

„Schau, Filet Mignon, mir tut wirklich leid was ich getan habe, obwohl ich es nicht mehr weiß und ich werde es sicher wieder bei dir gut machen, aber lass uns bitte nicht mehr streiten! Lassen wir den Scheiß und starten neu. Ich bin es müde nur Probleme zu wälzen, die ich nicht einmal kenne. Von jetzt an werde ich auch ein Sagen in allen Familienangelegenheiten haben", legt er fest, ohne jeden Widerspruch.

Ich seufze. „Na gut."

Er lächelt und küsst meine Stirn, steht auf und geht zur Tür. Auf der Türschwelle dreht er sich um und stellt fest: "Oh und bevor ich es vergesse: Das bedeutet natürlich, dass ich von jetzt an im Bett schlafe!" und dann schließt er die Tür.

Ich grinse. Es war lustig so lang es ging, aber ich mag es eigentlich, wenn er das Kommando übernimmt. Das ist eine gute Veränderung. Seit Brads Tod musste ich alle Entscheidungen, die uns drei betrafen, alleine treffen und ich bin es müde. Also genieße ich jetzt jede Entscheidung, die ich nicht selber treffen muss. Ich steige aus der Badewanne und zieh mir meinen Bademantel an. Ich putze meine Zähne, bürste meine Haare und flechte sie. Im Schlafzimmer zieh ich mir einen Pyjama an und lege mich ins Bett. Als ich mich niederlege muss ich zwangsläufig an die erste Nacht denken, in der ein Mann in meinem Bett schlief. Brad hat sich in der Nacht in mein Zimmer geschlichen. Ich hatte ein Einzelbett, also war es etwas eng und wir lagen nah beieinander, aber ich habe es total geliebt. Er war alles, was ich jemals wollte - eine Wärmeflasche, ein Bodyguard und ein Küsser-König - alles in einem. In dieser Nacht wusste ich, dass ich ihn in jeder Nacht in meinem Bett haben wollte.

Als ich aus dieser Erinnerung erwache, bemerke ich dass ich weine. Fantastisch, ich bin ein Häufchen Elend. Ich wische meine Tränen ab und versuche, sie zu verstecken. Als sich die Türe öffnet und Christian hereinkommt, liege ich mit dem Rücken zu ihm und verstecke mein Gesicht vor seinem Anblick. Er dreht das Licht ab und gleitet ins Bett. Ich halte meine Hand über meinem Mund um die Schluchzer zu dämpfen und weine weiter. Aber dann krabbeln seine Hände um mich und ziehen mich zu ihm. Mein Rücken gegen seine Vorderseite, drückt er mich ganz fest. „Es tut mir leid", flüstert er und küsst meinen Kopf, während ich noch stärker weinen muss. Aber nach einer Weile vertrocknen meine Tränen und ich schlafe ein.