Kapitel 8 In Gedanken...

Leise glitt sie durch die steinernen Gänge des Schlosses. Ihre Gedanken ließen sie beinahe ziellos durch die Korridore streifen.

Sie ließ ihren Blick kurz aus einem Fenster schweifen. Die Sonne war bereits untergegangen und die ersten Sterne begannen am Firmament zu erscheinen. Eine leichte Brise umschweifte ihre Wangen, doch das bemerkte sie nicht.

Suchend blickte sie sich um. Wo waren alle? Sie musste jemanden mitteilen was geschehen war und mit jemand meinte sie Legolas.

Celebnîn fragte sich wo er sein könnte, konnte die Beratung immer noch laufen? Sie beschloss zu dem Arbeitszimmer zu sehen.

Zwei Wachen standen stramm vor den schweren Holztüren.

„Verzeihung, könnt Ihr mir bitte sagen ob sich der Prinz in diesen Räumen aufhält?" Einer der Wachen nickte. „Wisst Ihr zufällig wie lange er dort verweilen wird?" „Die Gespräche werden wohl wieder bis tief in die Nacht dauern."

Einsam ging Celebnîn durch das Schloss. Sie fühlte sich unbehaglich nachdem sie herausgefunden hatte, dass jemand fremdes in ihrem Haus gewesen war. Irgendjemand hatte all ihre Sachen durchsucht und ihre persönlichen Erinnerungsstücke in den Händen gehalten. Und eines davon wurde ihr entwendet.

Als sie einigen, durch die Gänge streifenden Heilerinnen begegnete entschied Celebnîn, dass sie, wenn Legolas nicht bei ihr sein konnte, lieber alleine sein wollte.

Durch das große Schlosstor ging verließ sie die königlichen Räume und ging hinaus an die frische Luft.

Inzwischen war der Himmel bis auf die leuchtenden Sterne und den hellen Mond dunkel geworden. Ein paar kleine Wolken verdeckten einige Sterne und eine dunkle Wolke schob sich langsam vor den Mond.

Celebnîn setzte sich an das Ufer des kleinen Sees, an dem sie vor einigen Tagen so glücklich gelegen hatte. Es war erschreckend wie schnell sich die Stimmung ändern konnte. Vor kurzer Zeit nur, war sie glücklich und zufrieden in Legolas´ Armen gelegen, hier an diesem See. Und jetzt? Jetzt war sie wieder hier, doch alleine und voller Sorgen was die Zukunft für sie und das Elbenvolk vorgesehen hatte. Es gab wohl nur noch zwei Optionen, Tod oder Leben. Manche würden sterben, manche leben und einige überleben. Celebnîn sah dunkle Wolken aufziehen wenn sie an die Zukunft dachte.

In düstere Gedanken versunken striff die Elbin mit ihrer Hand durch das kalte, klare Wasser. Die Kälte stieg durch das Blut in ihrer Hand hoch in ihren Körper und ließ sie erschaudern.

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Celebnîn öffnete die Augen. Sie wusste nicht wie lange sie geschlafen hatte, sie hatte nicht einmal bemerkt dass sie eingeschlafen war.

Es war kühl, eine leichte Brise wehte beständig um ihre blasse Haut. Sie sah zum Schloss und merkte, dass dort nur noch zwei Lichter leuchteten. Leise seufzte sie, eines der beiden Zimmer war wohl des Königs Arbeitszimmer. Wann würde sie Legolas wieder sehen? Wann konnte sie endlich mit ihm sprechen?

Sie fröstelte. Die Geräusche der Nacht zeigten, dass es sehr spät war. Doch Celebnîn wollte nicht ins Schloss zurück. Sie wollte nicht in dieses enge Gemach, denn obwohl es eigentlich ziemlich groß war, erschien es ihr sehr klein wenn sie auch an der frischen Luft sein konnte. Und sie wäre auch dort alleine, wobei sie sich in den verschlossenen Räumen noch einsamer vorkommen würde. Deshalb blieb sie am See sitzen und hörte weiter dem Wald und seinen Bewohnern zu.

Der Morgen graute über dem Düsterwald und Celebnîn wäre beinahe wieder in den Schlaf gesunken, doch der fröhliche Gesang der Vögel hielt sie wach. Sie wollte nicht hier am See einschlafen, was würden denn die Leute denken wenn sie sie hier schlafen sehen würden.

Die Nacht war kalt gewesen und sie nicht war ausreichend bekleidet, die Nachwirkungen spürte sie jetzt. Ihr Körper war kalt und sehnte sich nach einem warmen Bett und einem heißen Tee. Ihre Lippen zitterten unmerklich und ihre Finger waren beinahe blau.

Fröstelnd rieb Celebnîn sich die Hände. Es war nun wirklich Zeit ihre Gemächer aufzusuchen.

Trotz einer langen Nacht voller Gedanken, konnte sie auch jetzt keine Ruhe finden. Immer noch musste sie sich fragen wieso jemand in ihr Haus eingedrungen war.

Eine vertraute Stimme ließ sie aus ihren Gedanken schrecken.

„Da bist du also Melamin. Ich habe dich gesucht."

Sofort breitete sich ein warmes und schönes Gefühl in ihr aus. Sie wandte sich um und blickte in das sanfte Gesicht des Prinzen.

„Und ich habe dich vermisst." Sie lächelte ihn freundlich an.

Legolas setzte sich zu ihr und zog sie zärtlich an sich heran. Celebnîn genoss seine Nähe und die Wärme.

Als Celebnîn ihrem Prinzen in die Augen sah, merkte sie, dass diese sehr müde wirkten. Legolas schien sehr erschöpft zu sein und sie konnte es ihm auch nicht verdenken. Die langen Gespräche mussten sehr anstrengend sein.

„Lass uns in dein Zimmer gehen, Legolas. Du musst dich ausruhen." Er lächelte sie dankbar an und zog sie hoch um mit ihr in den Palast zu gehen.

Legolas war schnell eingeschlafen. Celebnîn lag in seinen Armen und betrachtete die hellblauen Augen, die ausdruckslos in den Raum starrten. Zu gerne hätte sie schon jetzt mit ihm geredet, aber sie konnte warten. Er war erschöpft und brauchte Ruhe und das verstand sie nur zu gut, schließlich hatte er sie auch nie bei ihrem Schlaf gestört, wenn er wusste, dass sie ihn nötig hatte.

Glücklich drückte sie sich sanft an ihn und hörte mit einem wohligen Gefühl seinem Herzen beim schlagen zu. Wie sehr sehnte sie sich danach, dass diese angenehme Ruhe ewig andauern würde und dass sie glücklich und ohne Sorgen zusammen sein konnten. Doch diese Zeit war leider vorbei. Die Probleme kamen erst auf sie zu.

Noch eine Weile betrachtete Celebnîn ihren geliebten Legolas, bis auch sie ins Reich der Träume glitt.

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Als Legolas erwachte war es bereits später Nachmittag. Der Duft des Waldes glitt ihm in die Nase und er wusste sofort, dass es eigentlich der trügerische Duft Celebnîns Haar war, der ihn verführte. Sie lag schlafend in seinen Armen. Ihre blasse Haut hatte sich auf ihren Wangen rosig gefärbt und ihre roten Lippen schienen noch fülliger als sonst. Seufzend betrachtete er die schlafende Schönheit, wie gerne wollte er ihre zarten Lippen küssen, doch er wagte es nicht sie aufzuwecken. Zu schnell würden die Sorgen und Probleme dann wieder zurückkehren und er wollte doch nur einen Moment der Ruhe genießen.

Ihr Oberkörper hob und senkte sich langsam und ihr Atem war tief und schwer. Sie hatte ihren Kopf an seiner Brust und kuschelte sich genüsslich an ihn.

Ein warmes Gefühl stieg in Legolas auf als er sie so betrachtete, sie waren stark verbunden, das spürte er. Nur das ewige Bündnis könnte diese Verbundenheit noch verstärken. Und ganz plötzlich wollte er es, er wollte unbedingt das Bündnis mit ihr eingehen. Er wollte dass alle sahen, dass sie zu ihm gehörte und wollte sie ganz sorglos in der Öffentlichkeit mit Zärtlichkeiten überschütten können. Nicht, dass er das nicht auch jetzt schon konnte, doch er hatte das Gefühl, dass Celebnîn das noch unangenehm war.

Aber konnte er das so überstürzt machen? Konnte er sie so schnell mit seiner Entscheidung überraschen? In dieser Zeit?

Legolas wollte unbeding schon vor dem Krieg heiraten, aber war Celebnîn dafür schon bereit? Würde er sie nicht mit diesem Gedanken verschrecken? Er hatte so lange gebracht um sie aus ihrer Trauer und ihrer Angst zu locken jetzt wollte er das nicht alles wieder mit einer übereilten Handlung zerstören. Außerdem konnte er nicht wissen ob sie zu einem Bündnis bereit war, schließlich war der Tod ihres Verlobten noch nicht lange her.

„Legolas..." Er wurde aus seinen Gedanken gerissen. Ein Blick auf Celebnîns Augen verriet ihm aber, dass sie noch schlief. Er hatte sie bis jetzt noch nicht im Schlaf sprechen gehört, nur nachdem sie ihm gezeigt hatte was in Calentawar passiert war hatte sie im Fibertraum nach ihm gerufen.

„Lagolas, bitte verlass mich nicht..." Ihre Stimme erzitterte ein wenig.

Sanft lächelte er sie an, sie hatte Angst um ihn und er konnte es ihr nicht verübeln. Als Valandil sie für den Krieg verließ kehrte er tot Heim.

„Ich werde immer bei dir sein."

Zufrieden lächelte sie und kuschelte sich im Schlaf näher an ihn. Legolas küsste sie sanft auf die Stirn. Das war ein Zeichen. Er wollte es als eines ansehen, Celebnîn hatte Angst um ihn, weil sie bereits verlassen wurde. Valandil war mit ihr verlobt als er starb, Legolas wollte das so ansehen, dass er das Bündnis mit ihr eingehen sollte bevor er in den Krieg zog. Das starke Band zwischen ihnen würde sie beide beschützen, das wusste er und es würde ihm die Kraft geben so schnell wie möglich wieder zu ihr Heim zu kehren. Er konnte nur hoffen, dass Celebnîn seine Frage mit ja beantworten würde, er könnte ein nein nicht ertragen. Doch Legolas wollte nicht nur an sich denken, trotz dieses Zeichens war er sich noch immer nicht ganz sicher ob er sie schon mit dieser ernsten Frage belasten sollte.

Leise seufzte er, warum musste alles nur so schwierig sein? Würde er Celebnîn diese Frage nicht in dieser Zeit der Probleme stellen müssen, wäre alles viel einfacher.

Durch seinen leisen, aber tiefen Seufzer wurde Celebnîn geweckt. Zufrieden und glücklich sah sie ihm in die Augen. „Wie lang bist du schon wach?" „Eine Weile."

Sanft strich sie mit der Hand über seine Brust, wieder machte sich dieses warme Gefühl in Legolas breit. Zärtlich hob er ihr Kinn und berührte mit seinen Lippen die ihren, sie schmeckte so unglaublich süß.

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Celebnîn fühlte das kühle Gras zwischen ihren Zehen. Die langsam untergehende Sonne wärmte sie angenehm im Gesicht, während ihr Körper durch Legolas´ sanfte Umarmung in Schutz genommen wurde. Ihre Finger streichelten seine starken Hände und sie liebte seinen männlichen Duft. „Legolas, ich muss dir etwas erzählen." Sie sah ihm ins Gesicht und merkte sofort, dass er sich ein wenig anspannte. „Es ist nichts wirklich schlimmes, nur seltsam. Gestern hab ich gemerkt, dass jemand in mein Haus eingedrungen ist. Es wurde nichts gestohlen, bis auf eine Kette, die Valandil mir einst geschenkt hat." „Wie meinst du das? Wieso sollte jemand in ein Haus eindringen und nur eine Kette mitnehmen?" „Ich weiß es auch nicht, meine Sachen waren durcheinander, aber es hat sonst nichts gefehlt." Legolas sah nachdenklich über den See. „Du wirst fürs erste lieber bei mir im Schloss bleiben. Ich will nicht, dass du nachts alleine in dem Haus bleibst." Sie lächelte. Wieder einmal zeigte sich der Beschützer in Legolas.