Vorwort: So, mal was Kurzes für Zwischendurch (;
8. Kapitel
"Majestät, ein Bote aus Bruchtal ist soeben eingetroffen, er hat diesen Brief gebracht."
Etwas überrascht sah Thranduil von seiner Arbeit auf, dann aber nahm er dem Bediensteten den Umschlag ab.
Momentan hatte er nicht mit einer Nachricht von Elrond gerechnet, schließlich würden er und seine Söhne in drei bis vier Wochen sowieso nach Bruchtal aufbechen, das stand schon länger fest. Wozu also noch ein Brief?
Wie immer in solchen Fällen kam ihm sofort Legolas in den Sinn, aber vernünftigerweise drängte er diesen Gedanken zurück. Er würde doch nur wieder enttäuscht werden.
Und das nicht zum ersten Mal.
Es war noch ziemlich früh am Morgen als Lainir sich auf den Weg zu Thranduil machte. Ursprünglich hatte er seinem Vater ein wenig zur Hand gehen wollen, doch als er dessen Arbeitszimmer betrat war daran nicht mehr zu denken - sofort war klar, dass etwas passiert sein musste.
Thranduil saß leichenblass an seinem Schreibtisch und hielt ein Stück Pergament in der Hand, das er sich ungläubig immer wieder durchzulesen schien. Um was es sich handelte konnte Lainir nicht einmal erahnen. Trotzdem ging er sofort auf ihn zu, zog sich einen Stuhl zurecht und setzte sich neben ihn. "Ada, was hast du denn?"
Erst jetzt schien der König ihn zu bemerken. Er zuckte sogar leicht zusammen, was vollkommen untypisch für ihn war. "Lainir ... hier, lies das."
Sofort nahm er ihm das Schreiben ab und überflog es:
"Lieber Thranduil,
Ihr werdet Euch wahrscheinlich wundern, dass ich mich jetzt, da Ihr und Eure Söhne sowieso bald herkommen werdet, noch einmal melde, aber es gibt erfreuliche Neuigkeiten. Wahrscheinlich wird es Euch schwerfallen, das zu glauben, aber bitte versucht es: Legolas ist in Bruchtal.
Ich hege keinen Zweifel daran, dass es sich wirklich um Euren Sohn handelt. Was genau passiert ist, ist eine lange Geschichte, die ich Euch gerne erzählen werde, sobald Ihr in Bruchtal eingetroffen seit. Für den Moment möchte ich Euch aber versichern, dass es Legolas soweit gut geht und er sich ebenso darauf freut, Euch wiederzusehen wie Ihr es sicherlich auch tut.
Hochachtungsvoll
Elrond"
Ungläubiges Schweigen beherrschte den Raum. Weder Lainir noch sein Vater sagten ein Wort, bis der Prinz sich endlich an Thranduil wandte.
"Meinst du, das ist wirklich möglich. Nach all den Jahren?"
"Ich weiß es nicht, Lainir." So blass und verstört hatte Lainir ihn nur einmal gesehen ... In der Zeit nach Legolas' Verschwinden. "Aber wenn Elrond sich so sicher ist, kann es doch zumindest möglich sein. Sonst hätte er den Brief anders formuliert."
Das stimmte allerdings. Der Herr Bruchtals hätte ihnen doch nicht bewusst solche Hoffnungen gemacht, wenn er selbst Zweifel gehabt hätte. Dennoch war es schwer zu glauben. Zumindest für ihn.
Im Gegensatz zu seinem Ältesten hatte Thranduil nie an den Tod seines Sohnes geglaubt, deshalb fiel es ihm um einiges leichter, den Inhalt dieses Briefes als Tatsache zu akzeptieren, auch wenn er ihn nach so langer Zeit doch ziemlich aus der Bahn warf.
Nachdem er den ersten Schock überwunden hatte stand er entschlossen auf und ging in Richtung Tür. "Wir werden am Nachmittag aufbrechen." Als er dies sagte sah er sich nicht einmal mehr nach Lainir um. "Ich werde den Beratern Anweisungen geben, damit sie in der nächsten Zeit hier alles übernehmen können, außerdem werde ich ein paar Leute zusammenstellen, die uns begleiten werden. Du erzählst Tûron, was passiert ist und sorgst dafür, dass unsere Sachen gepackt werden."
Nachdem er ein paar Bediensteten erklärt hatte, dass sie packen sollten und die Pferde rechtzeitig zur Verfügung stehen mussten, ging Lainir etwas ziellos durch die Gänge.
Tûron war wahrscheinlich in seinem Zimmer, aber er hatte es im Moment nicht einmal so eilig, dorthin zu kommen.
Zu sehr hing er noch seinen Gedanken nach.
Konnte es wirklich sein, dass sein kleiner Bruder noch am Leben war? Doch wo war er dann die ganzen Jahre über gewesen? Was hatte ihn davon abgehalten, nach Hause zu kommen? Was hatte er nur durchmachen müssen?
Der Gedanke daran und all die vielen schrecklichen Dinge, die er sich ausmalte, waren regelrecht unerträglich für den Prinzen.
Ob er nach all der Zeit immer noch so war, wie Lainir ihn in Erinnerung hatte? Nein, wenn er wirklich von irgendjemanden festgehalten worden war, war es wohl eher unwahrscheinlich, dass er sich seinen übermütigen Charakter bewahrt hatte.
Aber das war im Moment schließlich nicht das Wichtigste.
Das Wichtigste war, dass er überhaupt am Leben war!
Doch ... würde er ihm verzeihen können? Würde ihr Verhältnis je wieder so sein, wie es früher einmal gewesen war?
Irgendwie hatte Lainir Angst davor, ihn wieder zu sehen und zu erkennen, dass all die Bewunderung und Zuneigung, die Legolas einst für seinen ältesten Bruder empfunden hatte, auf ewig verschwunden waren.
Nur wenige Stunden später saß die königliche Familie und eine kleine Eskorte an Kriegern auf ihren Pferden und machten sich auf den Weg nach Bruchtal. Während der ganzen Reise sprachen sie nicht gerade viel, jeder hing ständig seinen eigenen Gedanken, Sorgen und Hoffnungen nach.
Der Ritt kam ihnen allen und ein Mehrfaches länger vor als es eigentlich der Fall war.
Und doch kamen sie schließlich an.
Wird fortgesetzt
