Wow, guck mal, was die Reviews bewirkt haben: Ein neues Kapitel! Also nochmal einen dicken Dank an alle, die geschrieben haben. So hier nun ein nicht ganz so fröhliches Kapitel (wie man unschwer an der Überschrift erkennen kann). Hab dieses Mal nicht meine eigentliche Betaleserin lesen lassen, weil die momentan total viel zu tun hat und bereits ein anderes Kapitel bei ihr ist. (Nein, Mädels muss euch enttäuschen nicht von Juana. ;) ) Hoffe es lässt sich trotzdem lesen! Ich habe die Angewohnheit entwickelt, das ich nach dem Korrekturlesen nicht wirklich von den Kapiteln begeistert bin. Das ist wahrscheinlich diese nervige Perfektionistin in mir.

Disclaimer: Fast alles meins! Und was nicht meins ist, hätte ich gerne.

9. Kapitel

Ein Leben ohne Jack

Sie küsste ihn. In meiner Wohnung. Sie küsste ihn in meiner Wohnung! Und das Schlimme war, er unternahm nichts dagegen.

Wieso machte er das? Was sollte das ganze? Das durften sie nicht. Sie sollte ihre verdammten Finger von ihm lassen. Er war mein Engländer, hatte sie das nicht kapierte? Er wohnte bei mir und nicht bei ihr?

„Oh, hey Juana", Jack sah mich schweratmend an.

Lächelte diese dämliche Tussi gerade? War das wirklich ein Lächeln? Sie hatte kein Recht dazu. Sie sollte sich verdammt noch mal bei ihm dafür entschuldigen.

Aber er sah auch nicht so aus, als ob er das Ganze bereuen würde.

Mir stieg die ganze Situation zu Kopf. Ich hielt es nicht mehr aus.

„Raus", knurrte ich.

„Was?", fragte Jack perplex.

„Raus, sagte ich. „Oder glaubst du wirklich, dass du einfach so irgendwelche fremden Leute mit in meine Wohnung nehmen kannst?"

Er wurde aschfahl.

„Ich.. es tut mir Leid. Ich..." Weiter kam er nicht. Ich wollte die beiden nicht mehr sehen. Wie sie da standen, als wären sie ein Paar und ich die überflüssige Dritte, die ihnen den Spaß verdirbt.

„Raus. Ich sage es nicht noch einmal. Verschwindet alle beide. Ich will euch hier nie wieder sehen." Mittlerweile schrie ich sie fast an.

„Aber... Juana." Da waren sie wieder: Seine großen braunen Augen.

„Nein, ich habe gesagt: Raus. Was ist an dem Wort „raus" so schwer zu verstehen?"

Ich merkte, wie mir Tränen in die Augen stiegen. Verdammt, wieso mussten diese Dinger ausgerechnet jetzt kommen? Konnten sie nicht warten bis Jack und Paula draußen waren. Mussten sie denn unbedingt mitbekommen, wie sehr die ganze Sache mich berührte?

„Raus, bitte, geht einfach", schluchzte ich halb.

Jack stand wie paralysiert da und bewegte sich keinen Millimeter.

Ich musste weg hier. Ich ertrug es nicht, dass er mich ansah, als hätte ich ihm gerade alles weggenommen. Nein, nicht anklagend, sondern verwirrt und verloren.

So schnell wie möglich ging ich in mein Schlafzimmer. Ich schlug die Tür hinter mir zu und ließ mich daran herabsinken.

Sie flüsterten. Aber mich interessierte es nicht. Sie gehörten jetzt nicht mehr zu meinem Leben. Er gehörte jetzt nicht mehr dazu.

Wieso hatte er nur so einen Mist gebaut? Wieso musste er unbedingt diese Frau treffen? Hätte es nicht dabei bleiben können, dass ich die einzige Frau in seinem Leben von Bedeutung war?

Wieso musste mich die ganze Sache nur so runterziehen? Ich benahm mich ja fast so schlimm wie damals, als ich gemerkt habe, dass mein damaliger Freund Diego fremdging. Wieso... oh mein Gott, ich hatte mich doch nicht etwa...

Mit einem Klick wurde die Wohnungstür zugezogen.

... verliebt? Ich starrte die Rückwand meines Bettes an: Es war wahr.

Wie von einer Tarantel gestochen sprang ich auf. Ich musste ihn aufhalten, er durfte nicht gehen!

Aber wie sollte ich ihn dazu kriegen hier zubleiben? Ich war diejenige, die ihn rausgeschmissen hatte. Außerdem hatte er ja jetzt diese Paula.

Erschöpft ließ ich mich auf mein Bett fallen. Es hatte keinen Sinn ihm hinterher zu jagen. Er war weg. Und ich und mein Temperament waren Schuld daran.

oOoOoOo

Ich öffnete meine Augen und stöhnte.

Meine Bluse war zerknittert, meine Frisur (falls man sie überhaupt so bezeichnen konnte) eine einzige Katastrophe. Was? Ach ja, ich war eingeschlafen, nachdem ich mein Kissen vollgeheult hatte.

Die Realität traf mich wie ein Schlag. Jack war gegangen und ich Dussel hatte mich in ihn verliebt.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es bereits halb neun war. Ich musste über zwei Stunden geschlafen haben.

Ich hatte keine Lust aufzustehen, aber ich hatte auch keine Lust liegen zu bleiben und mich zu bemitleiden. Um ehrlich zu sein, hatte ich auf rein gar nichts Lust.

Trübsinnig starrte ich an die Decke. Wieso war ich nur so doof gewesen? Aber mal ehrlich, würde es mir so viel besser gehen, wenn ich ihn nicht rausgeworfen hätte? Wahrscheinlich hätte er mir nur immer und immer wieder das Herz damit gebrochen, dass er mit dieser Schlampe rummachte.

Das Bild von Jack und Paula tauchte unwillkürlich vor meinem inneren Auge auf. Es fühlte sich an wie in einem Alptraum. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass ich Jack wohlmöglich nie wieder sehen würde. Und dabei war es erst etwas über eine Woche her, dass ich ihn aus dem Torraum aufgelesen und zu mir gebracht hatte. Ich konnte mir mein Leben einfach nicht mehr anders vorstellen. Dieser Engländer hatte es doch tatsächlich geschafft sich einen festen Platz in meinem Herzen zu erobern. Normalerweise schätze ich meine Unabhängigkeit vor allem anderen. Und jetzt? Jetzt würde ich am liebsten ein Seil nehmen und mich an ihn ketten, damit wir nicht getrennt würden.

Aber dazu war es wohl schon zu spät.

Nachdem ich gut anderthalb Stunden die Decke fixiert hatte, hielt ich es nicht mehr aus. Groggy stand ich auf und schleifte meinen müden Körper in die Küche. Dort ließ ich mich auf einen meiner Barhocker vor der Küchentheke sinken. Ich legte meinen Kopf auf meine verschränkten Arme und starrte erneut ins Leere.

Was für eine Abwechslung? Da bist du aber weit gekommen, meine Liebe.

Etwas, was auf der Küchentheke lag, erregte meine Aufmerksamkeit: Ein Zettel. Es war der Zettel mit Paulas Telefonnummer drauf. Jack musste ihn da hingelegt haben und nicht nur das: In seiner geschwungenen Schrift stand „Falls du mich anrufen willst."

Das musste wohl bedeuten, dass er vorhatte bei Paula zu wohnen. Es sollte mich eigentlich nicht überraschen, aber dennoch versetzte es mir ein Stich ins Herz.

Ich knüllte den Zettel zusammen und warf ihn weg. Ich wollte den Beweis dafür, dass Jack mit einer anderen zusammen war, nicht in meiner Nähe wissen. Außerdem wollte ich mir die Qual ersparen mitzukriegen wie glücklich er mit Paula war. Nein, das Thema Jack war ein für alle mal abgeharkt, auch wenn ich mein Herz davon noch überzeugen musste.

oOoOoOo

Am Samstag war ich schon ab sechs Uhr wach. Na Klasse, als Jack noch da war, wollte ich nie aufstehen und jetzt, wo er sich aus meinem Leben verabschiedet hat, konnte ich nicht mehr schlafen. Das nannte man Gerechtigkeit!

Ich vermisste ihn. Ich vermisste es, dass er nicht wie so oft diese Woche Brötchen holen war um mich danach auf eine unerfreulich Art zu wecken. Ich vermisste seine dummen Sprüche und die Art wie er seine Haare aus seinem Gesicht streifte. Ich vermisste einfach alles an ihm.

Ich wälzte mich im Bett herum, aber der Schlaf wollte einfach nicht kommen. Es half nichts. Noch länger konnte ich hier nicht rumliegen, vielleicht würde ja ein Glas Milch helfen oder ich könnte jemanden anrufen und mich bei ihm ausheulen. Ja, ich hatte ein Telefon, aber das war gut versteckt in meinem Schlafzimmer. Na ja, eigentlich stand es offen herum, aber für jemand, der nicht wusste, wie so etwas aussah, fiel es kaum auf.

Mühsam quälte ich mich aus meinem Bett. Es war wirklich noch viel zu früh!

Gähnend wankte ich ins Wohnzimmer. Mein Blick fiel automatisch auf das leere Sofa. Die Decke lag zusammen geknüllt an dem einen Ende und sein T-Shirt, das er immer zum Schlafen angezogen hatte, lag auf der anderen Seite. Mein Blick verharrte dort einen Moment, aber dann schaffte ich es mich loszureißen und schlurfte in Richtung Kühlschrank, wo ich eine Packung Milch hervorholte. Ich musste wie das personifizierte Elend wirken. Zumindest fühlte ich mich so.

Mit einem Glas Milch in der Hand setzte ich mich auf die Couch. Nach einem kleinen Schluck, der mich übrigens kein bisschen müder gemacht hatte, wickelte ich die Decke fest um mich und legte mich wieder hin. Diesmal allerdings auf das eigentlich so ungemütliche Sofa.

Ein Knubbel unter meinem Nacken verriet mir, dass ich mich auf Jacks T-Shirt gelegt hatte. Ich schob es etwas weiter nach oben, sodass es als Kopfkissen dienen konnte.

Hoffentlich würde ich wenigstens noch die ein oder andere Stunde schlafen können.

oOoOoOo

Schon wie so oft in letzter Zeit weckte mich ein Rütteln. Ein Rütteln meiner Schultern.

„Jack?", murmelte ich noch halb am Schlafen.

„Was? Nein, ich bin's Ana, deine Schwester. Du solltest mich kennen. Wir sind zusammen aufgewachsen."

Ich öffnete mühsam meine Augen. Verdammt, es war wirklich Ana. Wenn ich jemanden momentan nicht sehen wollte, war es meine kleine Schwester, die sich wahrscheinlich noch viel zu gut an den Engländer von ihrem letzten Besuch erinnern konnte.

„Wieso schläfst du auf der Couch? Und wo ist dieser Jack?"

„Mmpf, ich muss wohl eingeschlafen sein, nachdem ich mich hier draufgelegt habe." Ich entschied mich dafür, dass ich die zweite Frage nicht gehört hatte.

„Und Jack?", harkte sie nach, nachdem sie wohl bemerkt hatte, dass ich nicht gewillt war auf diese Frage einzugehen. Ich wusste, warum ich sie jetzt nicht sehen wollte.

„Weg", grummelte ich undeutlich.

„Was?"

„Weg", sagte ich dieses Mal lauter und stellte sicher, dass sie den Verdruss in meiner Stimme hören konnte.

„Wieso weg? Hat er eine eigene Wohnung gefunden? Oder ist er wieder zurück nach Großbritannien gegangen?"

„Ich hab ihn rausgeschmissen", gab ich kleinlaut zu. Ich war viel zu erschöpft um mir eine Ausrede einfallen zulassen.

„Du hast was? Wieso?", brachte sie fassungslos hervor.

„Wahrscheinlich war er zu sehr Engländer."

Sie sah mich ungläubig an.

„Na gut, er hat eine fremde Frau in mein Apartment mitgebracht und war gerade dabei sie flachzulegen, als ich nach Hause kam." Ich war genervt und ja, ich hatte übertrieben, aber das würde meine liebenswerte Schwester sicherlich mehr zufrieden stellen als ein einfaches „er hat sie geküsst."

„Oh, na ja, du hättest ihn ja nicht gleich rausschmeißen müssen."

Warum konnte sie nicht einfach auf meiner Seite sein. Und wieso musste sie immer Recht haben, wenn sie gegen mich argumentierte?

„Ja, ich weiß", sagte ich halb gähnend. Mir war gerade nicht nach Streiten, zu jeder anderen Zeit hätte ich meine Handlungen vehement verteidigt, aber momentan... nein, ich hatte einfach nicht die Kraft dazu.

Sie sah mich an, als hätte ich auf einmal meine Haarfarbe gewechselt.

„Was ist los mit dir?", fragte sie besorgt.

„Weiß' nicht. Ich fühle mich einfach mies."

Sie musterte mich. Ich folgte ihrem Blick, sie sah auf meine Hände. Diese umklammerten fest ein gewisses T-Shirt. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich es auf meinen Schoß gelegt hatte.

Sie starrte mich an und ich starrte zurück.

„Nein? Oder? Du wirst doch nicht etwa?" Ihre Mundwinkel verzogen sich verdächtig nach oben. Wenn sie jetzt anfing zu lachen..., dann... dann würde ich wahrscheinlich losheulen. Die Welt war so ungerecht.

Ein böser Blick war meine Antwort. Die schien ihr zugenügen.

„Du... du hast dich, nein, oder ?" Sie verstummte kurz. Dann kicherte sie. „Du bist echt in einen Engländer verknallt?"

Wieso konnte man nicht seiner Familie kündigen? Zumindest bei der Schwester müsste das doch erlaubt sein.

„Na komm, sag schon", sie gab mir einen Stups.

„Ja, Gott verdammt, ich habe mich in ihn verliebt, okay? Bist du jetzt zufrieden?", schrie ich sie halb an.

Ihr Grinsen verschwand von einer auf die andere Sekunde.

„Tut mir Leid", nuschelte sie, „muss ganz schön schwer für dich sein."

„Mmh, kannste laut sagen", gab ich ebenso leise zurück. „Hab ganz schöne Scheiße gebaut."

Ana sah mich unschlüssig an.

„Na ja, vielleicht kannst du das ja wieder hinbiegen."

„Wie denn? Ich meine, ich war schließlich diejenige, die ihn rausgeschmissen hat. Und außerdem hat er jetzt diese Paula." Ich gab mein Bestes um möglichst viel Verachtung in das letzte Wort zu bringen.

„Wohnt er nun bei ihr?"

Ich nickte. „Er hat mir einen Zettel mit ihrer Telefonnummer dagelassen, damit ich ihn anrufen kann."

„Das ist doch super", sagte Ana mit neugewonnenem Elan. „Das mit dem Anrufen, mein ich. Dann kannst du ihn mal anrufen und vielleicht wird etwas draus."

Sie grinste mich an. Hatte sie etwa nicht verstanden, dass er jetzt bei einer anderen wohnte? Eine andere, die für ihn anscheinend mehr war als nur eine Freundin?

„Und was die andere Frau angeht, denkst du die kann dir das Wasser reichen? Nein, definitiv nicht. Die ist eine totale Null. Das garantiere ich dir. Und außerdem glaub ich, dass Jack dich auch ganz gerne hat." Sie zwinkerte mir zu. „Auch wenn ich ihn nicht so gut kenne wie du. Aber du bist bei solchen Sachen immer blind wie ein Maulwurf." Sie spielte auf eine meiner ehemaligen Beziehungen an, deren Anfang eher, nun ja, sagen wir langsam verlief.

Hatte ich euch schon gesagt, wie toll ich meine Schwester fand? Ich konnte nicht anders. Ich umarmte sie so fest ich konnte.

„Meinst du wirklich?" Mein Herz begann zu rasen.

„Öh, hab ich jetzt noch eine andere Möglichkeit als ja zu sagen?" Sie grinste mich wieder an. Und dieses Mal lächelte ich zurück. Familie war schon etwas Tolles.

So, das war es auch schon wieder. Nochmal einen speziellen Dank an Lewanna (Tipp: Meld dich an, dann schick ich dir eine schön ausführliche Antwortmail!) und hundert imaginäre Hundekekse (die echten will Sirius nicht abdrücken) dafür, dass sie richtig geraten hat. Tja, ob das wohl gutausgehen wird jetzt da Juana endlich eingesehen hat, was mit ihr los ist?