Kapitel 9

„Hey Hermine, jetzt warte doch mal", schnaufend rannte ein Rotschopf dem Mädchen hinterher. „Man Hemine, bitte!" Der Tag hatte für Hermine eigentlich recht gut angefangen, doch seitdem ihr Ex-Freund sie schon gut zwanzig Minuten lang überallhin verfolgte, wurden ihre Nerven sehr stark strapaziert. Nun jedoch blieb sie entnervt stehen und rollte mit den Augen.

„Was willst du von mir Ronald?" Sie drehte sich um und schaute in ein von Anstrengung errötetes Gesicht. „Weißt du, dass du ziemlich schnell laufen kannst, wenn du genervt bist?" Keuchend ging Ron in die Knie. „ Und weißt du, dass du für einen Quidditschspieler ziemlich unsportlich bist? Und jetzt sag mir, was willst du?!" Hermine verkreuzte ihre Arme vor ihrer Brust, während sie zu Ron runter schaute.

„Ach Hermine… ich, ich will mich bei dir eigentlich nur wegen allem entschuldigen. Ich weiß, dass was ich wohl getan habe, ist nicht zu entschuldigen, aber ehrlich gesagt kann ich da nichts für… ."

„Natürlich kannst du da nichts für, du bist ja ein Mann, da darf sowas schon mal passieren", antwortete Hermine gereizt.

„Nein, nein. Du verstehst das falsch… es ist so. Ich war gestern Abend bei Slughorn, er hatte die Vermutung, dass mit mir etwas nicht stimmt. Er meinte, dass auf mir ein Fluch lag, der von Lavender stammt. So eine Art Liebesfluch, ich konnte also nur verrückt nach ihr sein, dass war gar nicht anders möglich", seine Stimme war zittrig, außerdem zappelte er und konnte sich nicht ruhig halten, so nervös war er.

„Ach Ronald, das soll ich dir glauben?" „ Natürlich sollst du mir das glauben. Du kannst auch Slughorn fragen, wenn du mir das nicht glaubst. Aber sowas denke ich mir nicht einfach aus, du weißt, ich liebe dich über alles… und das schon immer. Als ob ich von heut auf morgen umschwenken würde", Ron hatte Hermines Hand in seine genommen.

„ Bitte, verzeih mir noch einmal, gib mir bitte noch eine einzige Chance, ich werde sie nicht mehr vermasseln, ich schwöre es dir", langsam sammelten sich Tränen in Rons Augen, er meinte es wirklich ernst. „ Ron, ich…ich kann dir nicht einfach so verzeihen. Das was ich gesehen habe, hat mir mein Herz gebrochen", Hermine fiel es schwer so zu reagieren, sie sah das erste mal, dass Ron Gefühle zeigte, aus diesem Grund glaubte sie ihm die Geschichte, dennoch konnte sie sich nicht noch einmal darauf einlassen. „ Ich muss mir erst einmal mit meinen Gefühlen klar werden. Das kommt alles so plötzlich, dass musst du verstehen."

Unauffällig versuchte sich Ron die Tränen aus seinen Augen zu wischen. „ Ich habe nur eine Fliege im Auge", stammelte er, als eine Gruppe 3. Klässler an ihnen vorbeiging und den Rothaarigen anstarrten. „ Aber bitte, denk über alles nochmal nach, ja? Tu mir bitte den gefallen… und du weißt, ich werde um dich kämpfen, komme was wolle!" Mit diesen Worten drehte sich Ron um und ließ die verdatterte Hermine alleine im alten Korridor stehen. Gedankenverloren ging sie weiter, wo sie vorher hinwollte wusste sie jetzt nicht mehr.

Irgendwann stand Hermine im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und setzte sich auf die Couch vor dem Kamin. Von dem Rummel in dem Raum bekam sie nichts mit, so weit war sie weg mit ihren Gedanken. Ein paar Tage vorher erst war sie mit Harry zusammen gewesen, mit ihm zusammen hatte sie sich so wohl gefühlt wie schon lange nicht mehr. Seine schönen ausdrucksstarken grünen Augen, sein dunkles Haar, dass zu allen Seiten abstand. Sie konnte an nichts anderes mehr denken, bis ihr Ron begegnete, der sie so verwirrte.

Zur gleichen Zeit stolperte Harry durch das Portraitloch. Ihm wurden während der Ferien bei Hermine seine Gefühle immer bewusster. Dort erlebte er die schönste Zeit seines Lebens und das, obwohl er gedacht hatte das das Leben bei seinem Patenonkel nichts toppen könnte. Dennoch waren die Ferien bei Hermine etwas ganz anderes. Sie zeigte ihm ihre Heimat, ein kleines romantisches Dörfchen, während er ihr Dinge aus seiner Vergangenheit offenbarte. Zusammen gingen die beiden die Weihnachtseinkäufe machen und schauten sie Abends zusammen Filme an. Von Tag zu Tag kamen sich die beiden immer ein Stück näher. Bis es fast sogar zu einem Kuss kam.

Eines Morgens, es war gerade mal 8 Uhr, stürmte Hermine in Harrys Schlafzimmer. Wie ein kleines Kind sprang sie auf sein Bett und weckte ihn.

„ Was gibt es denn Hermine?" Nuschelte Harry verschlafen. Er rieb sich kurz die Augen und stützte sich dann mit den Ellenbogen ab um sich Hermine genauer anzuschauen. Ihr Haare waren noch ungekämmt vom Schlafen und trotz der Müdigkeit strahlten ihre Augen wie die eines kleinen Kindes. Kurz darauf stand sie von seinem Bett auf und zog ihn hinterher Richtung Fenster.
„Harry, es hat geschneit. Schau mal." Sie lächelte ihn an und schaute ihm in seine Augen, während er den Schnee betrachtete.

Hermine gefiel der Anblick, den Harry bot. Da er nur eine Boxershort an hatte war der Blick auf die trainierte Brust Harrys frei. Also hatte sich das Jahrelange Training sehr gelohnt, fand Hermine, zwang sich dann aber nach draußen zu gucken. Die Landschaft war atemberaubend. Ihr Blick fiel auf den riesigen Garten der Grangers und das Feld im Hintergrund. Während es wieder angefangen hat leicht zu Schneien entschieden die beiden sich einen Schneemann zu bauen.

Aus dem Grund zogen sich die beiden warme Klamotten an und liefen durch den bedeckten Garten. Das Bauen des Schneemannes bereitete ihnen großen Spaß. Nachdem Albus, so tauften sie den Schneemann, da er große Ähnlichkeiten mit dem Schulleiter hatte, von Hermine noch einen Hut aufgesetzt bekommen hatte, wurde sie von einem Schneeball getroffen.

„Ey,.." rief sie, während sie sich bückte um selber einen Schneeball zu formen „.. es ist unfair jemanden ganz unerwartet mit Schnee zu bewerfen!" Mit diesen Worten warf sie ihren runden Ball und traf ihren Freund mitten ins Gesicht.

„Na warte, dass gibt Rache." Nun rannte Harry auf Hermine zu, er hatte vor ihr den kalten Schnee schön durch ihr Gesicht zu reiben. Doch wie der Zufall das so wollte, stolperte Harry über eine Baumwurzel, die durch den Schnee bedeckt war und fiel gegen Hermine und beide zusammen auf den Boden. Lachend rückte Harry, der Bäuchlings auf Hermine lag, ihre Mütze wieder zur recht, da diese bei dem Aufprall in ihr Gesicht gerutscht war.

Durch die Kälte waren ihre beide Gesichter errötet, sodass die Wärme die nun in beiden hoch stieg nicht auf ihren Gesichtern ablesbar war. Die beiden lächelten sich an und schauten sich tief in die Augen.

Zwischen den beiden war etwas, viel mehr als nur eine gute Freundschaft. Das wurde Harry und zum kleinen Teil auch Hermine in diesem Moment klar. Er fühlte sich, als ob die Zeit angehalten wurde so wunderschön war das Gefühl so nah bei ihr zu sein. Ihren Atem in seinem Gesicht zu spüren. Langsam strich er ihr eine nasse Strähne aus ihrem Gesicht. Dann ruhte seine Hand weiter auf ihrer Wange und streichelte diese langsam mit seinem Daumen. Jetzt oder nie, dachte Harry und kam mit seinem Gesicht, ihrem immer näher. Hermine lächelte ihn an, als sie sah, war er vor hatte und war durchaus nicht abgeneigt.

„Hermine! Harry! Das Essen ist fertig!" Hermines Vater schloss mit schlechtem Gewissen wieder das Fenster aus dem er gerufen hatte, nachdem er die beiden auf dem Boden liegend gefunden hatte.

Schuldbewusst sprangen die beiden Jugendlichen auf, mieden ihre Blicke und gingen zurück ins Haus. Äußerlich taten beide so, als wäre nichts geschehen, jedoch innerlich dachten beide noch jeden Tag an diese Situation und bereuten es, dass sie beide gestört wurden.

Nun stolperte Harry durch das Loch, er war sehr nervös, da er ein kleines Geschenk für Hermine bei sich hatte. Es war etwas besonderes. Als er im Grimmauldplace vor ein paar Jahren ankam, bekam er gleichzeitig die Erbstücke seiner Eltern. Unter den vielen Einzelteilen war auch eine schöne Kette seiner Mutter. Sie war Golden und hatte als Anhänger einen kleinen verzierten Schlüssel. Ihm gefiel diese Kette so gut, dass er fand, das nur Hermine das Privileg dazu hat, diese Kette zu tragen.

Nach kurzem Suchen, fand er Hermine auf einem Sofa sitzend. Sie wirkte angeschlagen und traurig, oder unsicher. Deuten konnte Harry ihr Gesicht nicht wirklich. Kurz überlegte er, ob er ihr die Kette vielleicht später schenken sollte, ließ den Gedanken dann aber wieder fallen. Er kannte sich ja, würde er sie ihr jetzt nicht geben, würde er dies auch ganz lassen. Entschlossen ging er auf sie zu und setzte sich neben sie.

„Hermine, ich...", jedoch wurde er von ihr unterbrochen. „ Harry, ich weiß nicht was ich tun soll. Ron,... er hat mich eben verfolgt, er wollte unbedingt mit mir reden. Dann erfuhr ich, dass er seit längerer Zeit unter einem Liebesfluch stand. Lavender hat ihn verflucht... er konnte nichts für alledem. Das erste Mal hat er Gefühle gezeigt,.. ich weiß nicht was ich machen soll."

Die Kette würde er ihr jetzt also nicht geben. Harrys Herz verpasste ihm einen Stich, Hermine hatte also doch noch Gefühle für Ron. Sonst würde sie sich nicht solche Gedanken darum machen.