Die Personen und Orte gehören Stephenie Meyer.

Die Originalstory ist von Pam3.C.S.

Kapitel IX Edwards POV.

Ich konnte es nicht vermeiden, als Isabella die Tür hinter sich schloss, ergriff mich eine Art Beklommenheit die ich nicht kontrollieren konnte. Seit dem ich klein war hatte ich dieses Trauma, ich konnte nicht alleine sein wenn ich mit einem Problem zu kämpfen hatte. Ich erinnerte mich noch daran, wie meine Mutter immer dann bei mir geschlafen hatte, als die kleinen Problemchen der Schule mich wahnsinnig gemacht hatten. Und ich vermisste es! Ich wollte wieder fünfzehn Jahre alt sein und, trotz des Spots von Alice, der verwöhnte Junge sein.

Ich sah mich um, es war alles wieder ordentlich...aber der Prozess fand in meinem Inneren statt.

In den letzten Tagen war ich nichts gewesen, ich war ein nichts. Ich hatte mehr getrunken als in meiner ganzen Teenager-Zeit zusammen Und ich war mit Frauen zusammen gewesen, an deren Namen ich mich nur mit größter Anstrengung erinnern konnte. Es war beschämend!

Ich wollte es Tanya mit gleicher Münze heimzahlen. Mit anderen Frauen zusammen zu sein und eine Antwort auf die Frage finden, warum sie mich betrogen hatte. Aber ich hatte sie nicht gefunden, was vielleicht daran lag, das ich höchstens meine Lippen mit ihren vereint hatte, mit ihnen bis zum Bett zu kommen, das war unmöglich!

Es gab vielleicht eine ganz einfache Antwort. In unserer Beziehung gab es nur eine Person die sich komplett eingebracht hatte..und die war ich! Nicht sie!

Ich ging nach oben und als ich in mein Zimmer gehen wollte, bereute ich es sofort. Mit der Türklinke in der Hand blieb ich stehen. Das Zimmer war noch genauso wie an dem Tag, an dem meine heile Welt zusammengebrochen war. Es war eine konstante Erinnerung an den Tag an dem alles was ich konstruiert hatte in sich zusammengefallen war.

Ich drehte mich um und ging den Flur entlang. Mein Körper schrie nach Schlaf.

Vor dem Zimmer in dem Isabella wohnte blieb ich stehen. Ich musste mich hinlegen, entschlossen machte ich die Tür auf. Mich traf ein Duft, der mir vorher noch nie aufgefallen war. Er war sanft und gleichzeitig sehr potent. Eine seltsame Kombination von Worten, aber ich konnte es nur so beschreiben.

Sie hatte alles perfekt aufgeräumt und ich ließ meinen Blick über ihre Sachen schweifen. Die Tür ihres Schranks stand offen und ich konnte die große Auswahl an Halstüchern sehen. Sofort sah ich wieder ihre Narben vor mir und fragte mich, was ihr nur passiert war.

Ich legte mich ins Bett, grub meinen Kopf tief in ihr Kissen und sog diesen neuen Duft ein. Wieso war mir bis jetzt noch nicht aufgefallen wie süchtig ihr Duft machte? Ich lachte humorlos als mir die Antwort darauf kam. Ich hatte mir nie die Zeit genommen in ihrer Nähe zu sein. Ich hatte auf sie herabgesehen...sie war belanglos im Vergleich zu ihr.

Als ich aufwachte, war ich völlig des orientiert. Ich konnte mich nicht erinnern eingeschlafen zu sein. Der Blick aus dem Fenster zeigte mir das es hell war, die Uhr zeigte acht Uhr. Morgens oder Abends? Ich machte den Fernseher an und stellte fest, das es ein neuer Tag war. Ich hatte dreizehn Stunden geschlafen. Wie? Keine Ahnung.

Das Gesicht das der Spiegel mir zeigte, nachdem ich den Bart ab rasiert hatte, war weit von dem entfernt was ich in den letzten Tagen gesehen hatte.

In der Stille die im Haus herrschte, glaubte ich die Haustür zu hören. Ich beeilte mich um aus dem Bad zu kommen und mir blieb keine Zeit das Zimmer aufzuräumen, aber ich glaubte auch nicht, das Isabella wiederkommen würde. Ich würde für eine Zeit in dieses Zimmer ziehen.

Als ich die Treppe herunterkam, blieb ich stocksteif stehen. Jasper stand in der Eingangshalle. Ich hatte seit dem was passiert war nicht mit ihm gesprochen und das Einzige was ich von ihm erwartete, war ein Faustschlag in mein Gesicht.

„Bella hat mir die Schlüssel gegeben." Erklärte er, ohne mich anzusehen. „Ich bringe ihre Sachen. Wie es aussieht, will sie wieder hierhin zurück." Jetzt sah er mir direkt in die Augen. „Alice jeden Tag zu sehen, die nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist, ist für niemanden einfach."

Er kritisierte mich nicht direkt. Aber ich wusste das ich der Grund für den Zustand von Alice war.

„Ich..." Zu sagen das es mir Leid tat, war einfach zu wenig.

„Streng dich nicht an, Entschuldigungen für dein Verhalten zu suchen." Hielt er mich auf. „Ich sage dir nur eins, wenn du weiterhin blind durchs Leben laufen willst, halte dich von Alice fern."

„Warum sagst du das?"

„Du hast dich bis jetzt nicht das geringste um sie gekümmert!"

„Man redet über so etwas nicht am Telefon." Verteidigte ich mich.

„Und die Lügen und der Verrat sind keine gute Gesellschaft." Sagte Jasper fest. „Als Alice mir erzählt hat was passiert ist...

Pah!...Ich versichere dir, wenn mir so etwas jede andere Person erzählt hätte, hätte dieser Person einen gezielten Schlag in die Zähne verpasst, weil er Lügen über meinen Freund und Schwager erzählt hätte. Über jemanden der zu meiner Familie gehört."

Ich bewunderte noch immer den Fußboden. Seine Worte fanden den direkten Weg in meine offenen Wunden.

„Ich habe keine Ahnung, ob du zu Tanya zurück gehst, alleine bleibst, oder was du sonst vorhast." Machte Jasper weiter. „Aber ich werde dir jetzt etwas sagen, ob du es hören willst oder nicht. Nimm eine Waage und lege das gute und das schlechte darauf und nimm das als Base für deine Entscheidungen. Sieh was du aus deinem Willen heraus gemacht hast und was aus ihrem und siehe was schwerer wiegt. Eine Beziehung misst sich nicht daran was der Einzelne gibt Edward, sondern an dem was man zusammen aufgebaut hat. Und ich habe den Eindruck, das du hier der Einzuge bist, der etwas eingebracht hat."

Ich wollte etwas sagen, aber er stellte die Taschen die er mitgebracht hatte ab und drehte sich zur Tür.

„Bella ist ein großartiger Mensch, mit einem großen Herzen." Sagte er mit dem Rücken zu mir. „Ruiniere sie nicht auch noch. Ich weiß wie Tanya und du sie behandelt habt. Aber sie fühlt sich trotzdem in deiner Schuld." Unbewusst schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht. „Nutze die Chance und versuche etwas von der Person wieder zu finden, die du mal warst. Sie kann dir dabei helfen und dir den Wert von Sachen zeigen, die du für unbedeutend hältst, die dich aber zu einem wesentlich besseren Menschen machen, als den den deine Frau aus dir gemacht hat. Sieh nicht auf die Hülle, lerne den Inhalt zu schätzen. Das kann dich zum Millionären machen."

Man sagt, das Worte manchmal schmerzvoller sein können als ein Schlag. Ich spürte das gerade am eigenen Leib.

Weit nach Mittag kam ich in unserem Büro an. Hier hatte ich mich in den letzten Tagen auch nicht blicken lassen. Unsere Sekretärin sah mich seltsam an, sie schien kurz davor zu sein, mich nach dem Grund meiner Abwesenheit zu fragen. Aber ich warf ihr einen Blick zu, der sie davon überzeugte, das nicht zu tun. Im Büro fand ich nur Jake und dafür war ich dankbar. Er war nicht so neugierig wie Emmett.

„Hallo." Sagte ich schlicht und hing meine Jacke auf.

„Hallo." Er sah mich an und schüttelte den Kopf. „Ich weiß das du es nicht magst, wenn man deine Entscheidungen in frage stellt, aber eine Woche lang unsere Anrufe nicht zu beantworten, ist verdammt verantwortungslos."

„Ich war nicht zu Hause." Log ich halb.

„Das ist mir klar. Leah hätte beinahe deine Tür eingetreten, als wir den anderen Tag bei dir waren. Nicht mal Alice konnte uns etwas sagen." Allein schon ihren Namen zu hören tat mir weh.

„Ich hatte einige Probleme." In dem ging die Tür auf.

„Ha..." Emmett kam mit großen Schritten auf mich zu. „Was zum Teufel hat dich den gebissen?" Er packte mich am Kragen und ich schwebte einige Zentimeter in der Luft.

„Emmett! Beruhige dich!" Rief Jacob.

„Den Teufel werde ich tun!" Knurrte Emmett. „Weißt du eigentlich was du getan hast? Seid wann bist du so ein Volltrottel!"

„Lass mich los. Ich habe keine Ahnung wovon du redest." Ich wand mich aus seinem Griff.

„Du weißt was ich meine." Zischte er mir zu. „Ich war bei Alice. Was hast du eigentlich für eine Scheiße im Kopf?"

„Kann mir jetzt mal jemand erklären was hier los ist?" Bat Jake, der nichts verstand.

„Erzählst du ihm deine große Tat, oder soll ich es tun?" Fragte Emmett ironisch.

„Ich weiß nicht was du meinst. Und außerdem sind meine Probleme kein Allgemeingut." Fauchte ich wütend.

„Sie werden zum Allgemeingut, wenn ich nicht weiß, ob es dir vielleicht in den Kopf kommt unsere Firma zu verschenken!" Knurrte Emmett wieder.

„Die Firma verschenken? Worüber reden wir hier gerade?" Fragte Jake entsetzt.

„Dein lieber Freund hier, hat die Hälfte von der Firma von Alice an die Schlampe verschenkt die er zur Freundin hat!"

Mit einer schnellen Bewegung drehte ich mich um und schlug ihm mit voller Kraft meine geballte Faust ins Gesicht. Emmett wankte, fiel aber nicht um, er sah mich wütend an. Wie bescheuert konnte ich eigentlich sein? Ich hatte gerade meinen besten Freund geschlagen!

„Emmett! Es...tut..."

Ich kam nicht dazu meine Entschuldigung zum Ende zu bringen, die Faust Emmetts traf mich voll auf mein linkes Auge. Ich flog rückwärts, bis ich an der Wand landete und dort sitzen bleib.

„Was ist mit euch los?" Schrie Jake.

„Jetzt nichts mehr." Sagte Emmett grinsend. „Das war für Alice. Und eine Warnung, falls du deinem Frauchen gegenüber mal wieder den Galan spielen willst. Ich verspreche dir, sollte ich noch irgendetwas hören, wirst du für mindestens einen Monat das Licht nicht mehr sehen! Ich werde mich persönlich darum kümmern dir die Augen zu schließen!"

Emmett ging mit schweren Schritten aus unserem Büro und warf die Tür mit all der Wut die er in sich hatte hinter sich zu. Jacob ging ebenfalls aus dem Büro und kam mit einem Eisbeutel für mich wieder. Ich saß noch immer auf dem Fußboden, schweigend hielt er mir die Hand hin und half mir schweigend auf. Und wir schwiegen beide noch eine ganze Weile lang. Ich wusste nicht wo ich das Eis zuerst drauf tun sollte, auf mein Auge oder auf meine schmerzende Hand.

„Stimmt das was Emmett gesagt hat?"

Wir hatten uns über Stunden an geschwiegen, Emmett war nicht zurückgekommen und ich hatte meinen Kopf mit so viel Arbeit wie nur möglich beschäftigt. Aber wie es zu erwarten war, musste das Thema irgendwann wieder auf den Tisch kommen und der war jetzt.

„Nicht mehr." Sagte ich und warf die Pläne die ich in den Händen hatte auf den Tisch.

„Wie, nicht mehr?" Wollte Jake es genauer wissen.

„Ich habe es getan...ich habe die Hälfte von der Firma von Alice auf Tanya überschrieben." Ich seufzte. „Ich habe es rückgängig gemacht."

„Wenn ich das gewusst hätte..." Er grinste und schüttelte den Kopf. „...dann hätte ich Emmett selber gebeten dir das Auge blau zu schlagen."

„Ich habe es wahrscheinlich verdient."

„Was ist der Auslöser des Ganzen Edward?" Fragte Jake.

„Ich will über das Thema nicht sprechen Jake." Versuchte ich mich aus der Affäre zu ziehen.

„Ich denke, wenn man die angebliche Freundschaft bedenkt die uns angeblich verbindet, solltest du uns mehr vertrauen." Sagte Emmett, er kam gerade wieder durch die Tür.

Seufzend senkte ich den Kopf. Es war nicht das ich ihnen nicht vertraute, aber wie es aussah, hatte Isabella Recht. Ich wollte dieses Thema mit niemandem Diskutieren, weil ich genau wusste wie sie regieren würden. Es würde das berühmte. wir haben es dir gesagt, kommen. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte, war ich auf der verzweifelten Suche nach einer Erklärung, die Tanya von allem freisprechen würde. Ich wollte die Realität nicht sehen. Ich wollte diese Realität nicht!

„Tanya und ich hatten einen Streit, wegen meiner...Eifersucht." Fing ich an. „Nachdem ich begriffen hatte, das sie unbegründet war, bat ich sie um Verzeihung." Ich schnaufte. „Und ich wollte ihr mit Taten meine Reue zeigen."

Sie hörten mir aufmerksam zu und unterbrachen mich nicht.

„Daher das mit der Hälfte von der Firma. Ich hatte mit Tanya darüber gesprochen, das sie sich selbständig machen könnte. Da ich weiß wie schwierig das sein kann, wollte ich ihr damit helfen:"

„Wie?"Fragte Emmett gehässig. „In dem du deiner Schwester ihre Arbeit von vielen Jahren zerstörst?"

„Ich habe da nicht in dieser Form dran gedacht." Verteidigte ich mich. „Ehrlich gesagt, habe ich in diesem Moment an gar nichts gedacht. Nur an Tanya." Gab ich zu. „Ich wollte ihr damit zeigen, das unsere Beziehung stark ist und ich sie unterstütze. Ihre einen Möglichkeit geben von Alice und allen anderen respektiert zu werden. Und das es ihr leichter fallen würde, wenn nie in einer bekannten Firma ist."

„Wie Rücksichtsvoll!" Explodierte Emmett. „Auf kosten deiner Schwester? Hast du darüber nachgedacht, das dein Frauchen deine Schwester ruinieren könnte?"

Ich antwortete nicht weil mir das mittlerweile auch klar war. Meine Blindheit, oder mein verliebt sein hatten mich viele Dinge nicht sehen lassen. Sie würde nicht fähig sein das zu tun. Oder doch?

Nachdem ich das alles gesagt hatte, fühlte ich mich um einiges leichter. Aber gleichzeitig wartete ich auf den nächsten Schlag von Emmett, der kam aber nie. Beschämt hob ich meinen Blick und sah meine Freunde an. Sie waren in ihren Gedanken verloren und in ihren Gesichter sah ich ein Mischung aus Wut und Enttäuschung.

„Es gibt das etwas das ich nicht verstehe." Sagte Jake. „Soweit ich es verstehe hattest du deine Entscheidung getroffen. Warum redest du jetzt in dieser seltsamen Form von Tanya? Hast du es nicht für sie gemacht?"

„Weil..." Ich wusste nicht wie ich mit diesem Teil umgehen sollte.

Irgendwie war es dumm, oder meine sensible Seite kam zum Vorschein, aber ich wollte den Mund halten und jetzt einfach gehen. Ich hatte das verdammte Gefühl, wenn ich es aussprach, würde alles real werden. Es war real! Aber ich hatte noch immer die Hoffnung das...es nur ein Alptraum war.

„Alice hat ihm die nicht weg zu diskutierende Wahrheit gezeigt. Ich will ja nicht sagen, ich habs ja gewusst, aber..." Emmett ließ seinen Satz in der Luft hängen.

„Ok! Mehr Erklärung brauche ich nicht. Ich glaube ich weiß worauf du dich beziehst. So, und jetzt ist es Zeit zu gehen." Sagte Jake bestimmt und ich war ihm dankbar dafür.

Ich nahm meine Sachen, nickte ihnen zu und ging aus dem Büro. Langsam fuhr ich nach Hause, mir gingen tausend Sachen durch den Kopf, bis ich mich entschied und einen anderen Weg einschlug.

„Onkel Edar!" Quietschte Amy als sie mich sah.

„Hallo Amy." Ich nahm sie auf den Arm und trug sie ins Haus.

„Edar spielen mit Amy!" Ich lächelte, das war wie immer das erste was sie von mir wollte.

„Amy! Wer..." Alice schwieg sobald sie mich sah.

„Onkel Edar!" Amy schlang mir ihre Arme um den Hals.

„Hallo Alice." Sagte ich sanft. Sie sah mich kalt an.

„Wenn du gekommen bist um dein Patenkind zu sehen, dann kannst du hier mit ihr spielen. Ich habe zu tun." Sie drehte sich um und wollte gehen.

„Geh schon mal hoch Amy, ich komme gleich nach." Sie nickte und ich setzte sie ab.

Ich ging durch den Flur der zu dem Studio von Alice führte. Im Türrahmen blieb ich stehen, Alice stand mit dem Rücken zu mir und sah aus dem Fenster. Es war also nur eine Ausrede gewesen, um nicht mit mir sprechen zu müssen. Langsam machte ich einen Schritt in den Raum und merkte sofort, das ihr bewusst war das ich im Zimmer war.

„Wenn du Amy sehen willst, solltest du die Zeit nutzen. Sie geht früh ins Bett und es ist schon sieben." Sie fing an hin und her zu laufen, sah mich aber nicht an.

„Ich bin gekommen um meine...ganze Familie zu sehen." Murmelte ich.

„Ich will ja nicht unhöflich sein, aber ich glaube das ich mich letztens klar ausgedrückt habe." Sie drehte sich um und in ihren glänzenden Augen konnte ich ihren Schmerz sehen. „Und ich möchte mich nicht wiederholen. Es war schmerzhaft für dich und für mich, aber ich kann nicht so tun als ob nichts passiert sei. Du bist mein einziger Bruder und jetzt habe ich nichts mehr." Sagte sie fest.

„Alice..."

„Wie ich schon sagte Edward." Unterbrach sie mich. „Amy muss bald ins Bett. Du nutzt die Zeit mit deiner Nichte besser. Sonst gibt es nichts was dich hier noch interessieren könnte. Und ich möchte das du deinen Besuch kurz hältst."

Es war als ob meine Füße am Boden festgeklebt waren. Ihre Worte waren harte gewesen, aber ich konnte auch den Schmerz spüren, mit dem sie sie gesagt hatte. Mit dem Schmerz den ich verursacht hatte! Ich sah ihr ins Gesicht, sie wirkte ruhig aber ich kannte sie zu gut, ihre Augen konnten nicht lügen und sie war innerlich gebrochen, genau wie ich.

Ich hatte die Absicht mich um zudrehen und zu gehen, aber stattdessen und zu ihrer großen Überraschung, ging ich zu ihr. Ohne ihr die Möglichkeit zu geben etwas zu sagen, schloss ich sie in meine Arme. Sie war meine Schwester! Wo hatte ich bloß meinen Kopf als ich gehandelt hatte, ohne mich daran zu erinnern, das mir meine eigen Fleisch und Blut das wichtigste auf der Welt war? Sie erwiderte meine Umarmung nicht, was mich aber nicht davon abhielt sie fest zu umarmen. Ich legte meinen Kopf auf ihren und ihr Schluchzen öffnete bei mir alle Dämme...

So blieben wir eine Weile stehen, ohne Worte und ich versuchte ihr alles mit meiner Umarmung zu zeigen. Aus den Augenwinkeln sah ich eine Bewegung, Jasper stand an der Tür und beobachtete uns ernst. Langsam und ohne Kraft löste ich mich von Alice. Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände, wischte mit meinen Daumen ihre Tränen weg und sag ihr in ihre, vom weinen, roten Augen. Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn und trat meinen Rückzug an.

„Ich liebe dich." Sagte ich mit rauer Stimme. „Verzeihe mir. Ich habe nicht..."

Ohne auf eine Antwort zu warten ging ich aus ihrem Studio.

Als ich zu Hause ankam, war alles dunkel, Isabella war nicht da, vielleicht hatte sie es sich ja auch anders überlegt. Ich ging nach oben und holte meine Sachen aus ihrem Zimmer ich brachte sie wieder in meins, dort blieb ich nicht länger als fünf Minuten.

Ich durchsuchte meine Taschen und fand das Päckchen Zigaretten, das ich in einer dieser sinnlosen Nächte der vergangenen Woche gekauft hatte. Ich ging in den hinteren Garten, steckte mir eine an und versuchte meinen Kopf klar zu bekommen.

Wer hatte mehr in diese Beziehung investiert? Das war die Frage von Jasper gewesen. Und die Antwort war. Ich! Jeder hatte versucht es mir zu sagen, aber ich wollte die Wahrheit nicht sehen. Ich hatte mich an dem fest gekrallt was sie mir gegeben hatte, aber ich brauchte viel mehr.

Meine Erinnerung wanderte zu den Anfängen unserer Beziehung. Damals war sie perfekt gewesen, so wie sich jeder Mann eine Frau an seiner Seite nur wünschen konnte. Mit der Zeit, ohne das es mir bewusst geworden war, hatte sich alles verändert und ich mit. Ich hatte mich ihr angepasst, es war kein ausgeglichenes zusammenwachsen gewesen. Nur ich, ich hatte mich zu dem verwandelt was sie haben wollte.

Wann hatten die Lügen angefangen? Von welchem Moment an hatte ich mich verändert? Wann war ich zu ihrem Hampelmann geworden?

„Hallo." Als ich Isabellas Stimme hörte, drehte ich mich um.

„Hallo." Sagte ich, konnte im Gegenlicht ihr Gesicht aber nicht sehen.

„Ich dachte schon es wäre niemand zu Hause. Aber dann habe ich das Licht gesehen."

„Ich bin vor kurzem gekommen."

Ich beobachtete die roten Lichter die aus ihren glänzenden, kastanienbraunen Haar auf blitzten. Selbstverständlich war mir das bis jetzt auch noch nicht aufgefallen.

„Möchtest du etwas essen?" Fragte sie schüchtern.

„Noch nicht. Danke." Ich lächelte sie an.

„Eh...also..ist jemand gekommen?" Fragte sie plötzlich.

„Nein, es ist niemand gekommen. Warum?" Wollte ich verwirrt wissen.

„Ich war gerade in dem Zimmer in dem ich wohne und wie es aussieht, hat jemand darin geschlafen. Deswegen."

Zum Glück war es dunkel, ich fühlte wie mein Gesicht vor Scham brannte. Wie sollte ich ihr sagen, das ich in meinem Zimmer nicht schlafen konnte und deshalb in ihres eingedrungen war.

„Das...war ich." Gab ich zu.

„Oh! Ok."

„In meinem Zimmer konnte ich nicht schlafen und habe einen anderen Platzt gesucht." Erklärte ich. „Dein Zimmer war das einzige was noch eingerichtete ist. Tut mir Leid." Murmelte ich.

„Es ist dein Haus, du kannst machen was du willst."

„Es ist aber dein Zimmer."

Es entstand ein unangenehmes Schweigen zwischen uns. Ich wusste nicht was ich sagen sollte und sie setzte sich einfach neben mich. Ich zündete mir die nächste Zigarette an, die fünfte! Aber ich wusste nicht, wie ich mich in ihrer Gegenwart verhalten soll.

„Was ist mit deinem Auge passiert?" Fragte sie, als das Feuerzeug mein Gesicht erhellte. „Ich bin sicher dieses blaue Auge noch nicht gesehen zu haben."

„Diesmal musste ich nicht auf die Suche gehen." Sagte ich belustigt. „Es ist von ganz alleine zu mir gekommen." Sie lachte jetzt auch. „Das war Emmett."

„Emmett? Wow! Ich wusste gar nicht, das man in Chicago seine Zuneigung auf diese Weise zeigt." Scherzte sich und entlockte mir damit das erste ehrliche Lachen des Tages.

„Das ist Emmett-Stile." Scherzte jetzt ich. Sie bewegte ihre Haare und wieder traf mich dieser spezielle Duft. Die nächste Frage konnte ich nicht vermeiden. „Welches Parfum benutzt du?"

„Gar keins." Sie zog die Stirn kraus. „Warum?"

„Dein Zimmer hat einen charakteristischen Duft." Antwortete ich.

„Vielleicht ist es mein Shampoo. Es ist blumig und riecht stark. Ich habe Parfum, aber ich mag es nicht sie zu benutzen."

Unbewusst näherte ich mich ihr, um an ihrem Haar zu riechen, als sie meine Bewegung bemerkte, beugte sie sich leicht zu mir. Ihr Gesicht war jetzt ganz nah an meinem und mir fiel ihre perfekte und weiche Haut auf. Tief atmete ich den Duft ihrer Haare ein...und merkte, das ich viel länger als nötig dazu brauchte, mein Gesicht lag fast an ihrem Hals. Die Wärme die sie plötzlich ausstrahlte, veranlasste mich dazu mich von ihr zu entfernen. In dem Moment fing das Telefon im Haus zu klingeln.

„Ich...ich gehe." Sagte sie nervös und stand schnell auf.

Ich hätte mir jetzt gerne selber das andere Auge blau geschlagen. Was hatte ich jetzt wieder gemacht? Es hätte nicht viel gefehlt und sie könnte mich für einen Stalker halten, oder schlimmer noch, für einen Perversen. Es war offensichtlich, das sie deswegen so nervös und erschrocken aufgesprungen. Zuerst behandelte ich sie wie einen schmutzigen Lappen, lachte über sie und ignorierte sie. Nach einigen Wendungen sprach ich mit ihr. Und jetzt? Jetzt biss ich ihr fast in den Hals wie ein durstiger Vampir.

„Es ist für dich." Unterbrach sie meine Gedanken und sah mich merkwürdig an.

„Danke." Ohne zu fragen wer es war, nahm ich das Telefon. „Hallo?"

„Hallo Schatz." Hörte ich Tanyas Stimme.

„Hallo." Ich verzog das Gesicht und Isabella ging ins Haus.

„Ich vermisse dich Babe." Sagte sie zuckersüß. „Wieso warst du so beschäftigt und hast mich nicht angerufen? Du musst dir Zeit für mich nehmen, ich bin deine Freundin."

„Ich hatte zu arbeiten Tanya und muss mich auf das konzentrieren was ich mache." Sagte ich kurz angebunden.

„Bis jetzt war ich immer deine Priorität gewesen. Bist du noch böse weil ich verreisen musste? Du weißt doch, das deine Schwester mir keine andere Wahl gelassen hat." Bei ihren Anschuldigung hielt ich die Luft an, mittlerweile war ich davon überzeugt, das es nicht so gewesen war.

„Klar, mach dir keine Gedanken. Es ist nun mal deine Arbeit." Ich sagte nichts von dem, was ich wirklich sagen wollte.

„Und was macht Miss Piggy?" Spottet sie über Isabella.

Ein lautes Lachen erklang durch die Leitung, vor nicht all zu langer Zeit, hätte ich mit eingestimmt und mit ihr zusammen über Isabella gelästert und gespottet. Durchs Fenster sah ich Isabella, sie hatte sich den Fernseher angemacht, schien aber nicht wirklich hinzusehen. Plötzlich wurde mir bewusst, das ich jetzt viel lieber bei ihr wäre als hier mit Tanya zu telefonieren. Ich hatte keine Ahnung warum, aber als ich an das ehrliche Lachen von vorhin dachte, wollte ich mich wieder so fühlen. Mein Martyrium vergessen und mich von dem Duft berauschen lassen, der so eine beruhigende Wirkung aus mich hatte.

„Ich muss jetzt auflegen Tanya. Es hat geschellt und es könnte wichtig sein." Log ich um das Gespräch zu bebenden.

„Es hat geschellt? Ist das wichtiger als ich? Kann die nicht aufmachen?" Fragte Tanya mit schriller Stimme.

„Ich kann mich nicht erinnern, Isabella als Hausmädchen engagiert zu haben." Sagte ich hart.

„Ist das eine Kritik?" Fragte Tanya spitz.

„Das ist ein Kommentar." Antwortete ich trocken. „Ich muss auflegen. Bis dann."

Ich legte auf bevor sie noch etwas sagen konnte und rannte dann ins Haus, als ob der Teufel hinter mir her wäre. Ohne Isabella anzusehen, verfolgte ich mein Ziel. Mit Schwung riss ich das Telefonkabel aus der Wand, besser gesagt, die ganze Telefondose. Sie würde wieder anrufen und ich wollte ihre Stimme nicht mehr hören. Es war besser, nicht mehr kommunikativ zu sein, als dieses lästige Geräusch zu hören.

Isabella stand in der Tür und sah ich mit einer Mischung aus Erstaunen und Verwirrung an.

„Mich stört das Schellen des Telefons." Sagte ich und zuckte mit den Schultern.

„Ok." Sagte sie nur und sah noch immer auf das Kabel in meiner Hand.

„Hast du gegessen?" Fragte ich um das Thema zu wechseln.

„Nein. Ich...wollte es gerade was machen." Antwortete sie zögernd.

Sie schien mit sich zu kämpfen, ob sie das sagen sollte, was sie sagen wollte.

„Hast...du gegessen?" Sie biss sich auf die Lippe.

„Nein, ich habe auf dich gewartet." Sagte ich fest.

Und ich log nicht. Bewusst oder unbewusst, ich hatte darauf gewartet das sie nach Hause kam. Sie lächelte und ging in die Küche. Ich ging hinter ihr her und sah wie sie in den Schränken wühlte.

„Suchst du etwas?" Fragte ich und stellte mich neben sie.

„Ich muss etwas kochen. Wir haben vergessen, das Essen was ich Gestern vorbereitet habe in den Kühlschrank zu stellen und jetzt ist es verdorben."

„Wir können bestellen." Ich nahm mein Handy, doch sie hielt meine Hand fest.

„Ich koche gerne." Sagte sie fest. „Dann fühle ich mich näher an meinem zu hause." Murmelte sie nostalgisch.

Ich nahm ihre Hand sie immer noch auf meiner lag. Überrascht sah sie mich an und ich drückte ihr leicht die Hand um sie zu trösten. Mit meinem Daumen strich ich über ihren weichen Handrücken und mir kam eine verrückte Idee. Ich musste grinsen und sie sah mich neugierig an.

„Mit wem kochst du zu Hause?" Fragte ich.

„Allein." Antwortete sie und zog die Stirn kraus.

„Akzeptierst du einen Assistenten?" Schlug ich ihr vor und lachte jetzt richtig. Isabella riss überrascht die Augen auf.

„Du...du...was?" Stotterte sie.

„Ist das so schlimm?" Fragte ich gespielt beleidigt.

„Nein! Das ist es nicht...aber hast du schon mal gekocht?"

„Ehrlich gesagt nicht." Gab ich zu. „Aber es ist glaube ich Zeit es zu lernen, sonst verhungere ich noch, wenn die Restaurants geschlossen sind und ich keine Lady aus Forks habe die mich ernährt." Ich amüsierte mich königlich über ihr erstauntes Gesicht.

„O..Ok. Dann fangen wir an." Da wurde uns Beiden bewusst, das wir uns noch immer an der Hand hielten. Wir lösten sie sofort.

„Umm! Was mach ich?" Fragte ich sie völlig verloren.

„Erstmal Hände waschen. Ich nehme an, du hast Emmett auf die gleiche Art deine Zuneigung gezeigt und dabei ist mit Sicherheit auch ein Bluttropfen gefallen." Erklärte sie vergnügt. Ich schüttelte den Kopf. „Gut. Ich glaube du solltest einen Selbstverteidigungskurs machen, bevor du komplett blau bist."

„Ein guter Rat." Ich sah sie an und sie sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was ist?" Fragte ich verwirrt.

„Hände waschen. Oder war das mit dem kochen ein Scherz?" Ich schüttelte wieder den Kopf. „Also dann. Saubere Hände und ich zeige es dir, keine sauberen Hände, kein Deal."

„Jetzt ähnelst du Esme." Sagte ich, als ich sie so herrisch sah.

„Oh, ich kann noch viel schlimmer sein als Esme. Das versichere ich dir." Warnte sie mich.

Lächelnd ging ich aus der Küche und ins Bad. Während ich mir die Hände wusch fragte ich mich, wann hatte ich mich das letzte mal auf eine so alltägliche Sache so gefreut? Das war sicher Jahre her. Wann hatte ich das letzte mal ein einfaches und ehrliches Lächeln im Gesicht gehabt , ohne jemandem gefallen zu wollen? Vor zwei Jahren? Ich seufzte und schüttelte meinen Kopf. Es wurde Zeit, das ich wieder ich selber wurde. Es war Zeit wieder die kleinen Dinge schätzen zu lernen, so wie Jasper es gesagt hatte. Und das Kochen konnte ein Anfang sein...Obwohl ich voraus sah, das wir zum Schluss doch noch bestellen würden...