Hier ist das langersehnte Kapitel, ich halte euch nicht mit langen Reden auf und wünsche erstmal viel Spaß!
Ich meine, ich hab eh schon alles irgendwann mal gesagt! Vielen Dank an euch alle, die jetzt so lange warten mussten und mir trotzdem treu geblieben sind.
Viel Freude,
eure Mel
26.Dezember 2002:
Nur raus hier. Raus an die frische Luft und weg von diesem Widerling. Keine Minute länger als nötig mit ihm in einem Raum.
Hermine schlang hastig ihren Schal um den Hals und nahm der hinter ihr her trippelnden Tiffy den Mantel ab, zog ihn sich an, steuerte schnurstracks durch den Küchenausgang auf den Kräutergarten zu und knallte die Tür wütend ins Schloss.
Ein Versehen, sagte er. Pah!
Hermine schnaufte wütend und stapfte durch den Schnee aus dem Kräutergarten hinaus in den Garten, kickte kleine Schneebrocken durch die Gegend und zeigte im Affekt dem gesamten Häuserkomplex den Mittelfinger.
Ein Versehen.
Sie bekam es nicht auf. Sie hatte wirklich gedacht, Draco hätte sich Mühe gegeben, sich ein wenig engagiert und überhaupt einfach mal nur etwas Gutes getan. Wie sehr hatte sie sich doch mal wieder in ihn geirrt. Er würde sich niemals ändern. Niemals würde er einen Gedanken an sie verschwenden.
Als sie den schlimmen Albtraum hatte und er sich um sie gekümmert hat, schien es ihr wie ein Wunder. Aber wahrscheinlich war auch das alles nur Heuchelei. Wie die ganzen Geschenke, die er ihr gestern früh unter dem Weihnachtsbaum vor versammelter Mannschaft übergeben hatte, ohne einen blassen Schimmer, was sich überhaupt in den Paketen befand! Hermine wurde rasend.
Als sie ihn nach der Messe zur Rede stellte, hauptsächlich wegen der Unterwäsche, zuckte er nur mit den Schultern und meinte es sei alles ein Versehen gewesen, er hätte Truke, einen seiner Hauselfen, mit den Weihnachtseinkäufen beauftragt, da er auf der Arbeit soviel zu tun hatte. Als ob er ihr jemals Unterwäsche schenken würde!?
Wozu hatte sie sich selbst denn all die Mühe gemacht? Warum hatte sie nicht auch Tiffy zum Einkaufen geschickt? Ach ja, um Peinlichkeiten zu vermeiden, richtig.
Und dann wurde die Szene sehr unschön. Gekränkt und mit Wuttränen in den Augen schmiss Hermine Draco das Seidennegligee ins Gesicht und beschimpfte ihn als unsensiblen, hirnlosen Weihnachtsgeschenkfreudeverderber.
Wie Draco nun einmal so war, ließ er sich das nicht wirklich gefallen und gab Hermine gleich Contra und beschmiss sie mit einer handvoll Bonbons, aus der Bonboniere, die zufällig neben ihm auf einer Anrichte stand.
Und so kam eins zum Anderen. Es flogen Porzellan, Kissen, Pumps, Bücher und weitere nicht niet und nagelfeste Gegenstände durch den Raum, untermalt von lautem Geschimpfe.
Irgendwann waren sie vor Erschöpfung und Müdigkeit ins Bett gegangen, ohne noch ein Wort miteinander zu sprechen.
Bis jetzt.
Und wahrscheinlich auch noch bis zum Frühstück, wo sie gezwungener Maßen wieder ein paar liebreizende Worte miteinander wechseln mussten. Falls Draco das Frühstück nicht verschlief. Aber das konnte ihr ja auch egal sein.
Während Hermine den Streit noch einmal Revue passieren lies, als sie den Weg zurück Richtung Kräutergarten ging, kam sie sich ein wenig kindisch vor.
Wir haben aber auch immer dermaßen stupide Gründe um uns zu streiten, das ist nicht normal, dachte Hermine und musste unweigerlich grinsen. Sie atmete die kühle Wintermorgenluft tief ein und reckte sich genüsslich. Jedenfalls wurden die Tage nicht langweilig, solange sie einen Grund zum Streiten fanden.
„Guten Morgen, Herm", kam es vom Portal her und Hermine zuckte erschrocken aus ihren Gedanken auf.
„Ach, Ron, guten Morgen. Bist du auch schon auf den Beinen?"
Ron zuckte die Schultern und nickte in die Richtung aus der Hermine gerade wieder in den Kräutergarten getreten war.
„Lust, mich noch ne kleine Runde zu begleiten?"
Hermine überlegte kurz. Sie war ein wenig durchgefroren. Eine heiße Dusche wäre klasse. Dies war womöglich die einzige Gelegenheit ein paar Minuten alleine mit ihrem alten Freund zu verbringen und über alte Zeiten zu lachen. Außerdem würde er sie auf andere Gedanken bringen und sie von den Geschehnissen der letzten Nacht ablenken.
„Klar, warum nicht?"
Gemeinsam schlenderten sie durch den Schnee in den Garten. Erst schweigend und auf ihre Füße starrend. Bis Ron auf einmal stehen blieb.
„Warte!"
Hermine drehte sich verwundert zu ihm um und ging ein paar Schritte zu ihm zurück.
Ron schaute sie verbittert an und senkte den Kopf.
"Du hast einmal zu mir gesagt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat..."
"Ron!" flüsterte Hermine erschrocken - sie erinnerte sich an die unschöne Szene in der Küche von Fred und Georges damaligem Appartement.
"Gilt das auch für mich und nicht nur für Malfoy?" flüsterte er sie flehend an und eine Träne rann ihm über die Wange.
"Oh Ron...", seufzte Hermine und nahm ihren langjährigen Freund in die Arme. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Mit ihm durch den Schlossgarten zu schlendern und durch den unberührten Schnee zu laufen war an sich immer eine gute Idee gewesen. Schon zu Schulzeiten. Aber in ihrer aktuellen Verfassung und miserablen Laune von ihm am Portal abgefangen zu werden, und ihn zu begleiten, obwohl sie lieber alleine gewesen wäre...oder unter einer heißen Dusche... war gerade wohl zuviel verlangt. Anscheinend konnte Ronald Weasley es immer noch nicht verstehen.
„Ron, ich bin verheiratet!"
„Aber nicht glücklich, so wie mir das gestern Abend den Anschein gegeben hat!" erwiderte er trotzig und schniefte in den Ärmel seines Mantels. Es begann wieder zu schneien und die Schneeflocken verfingen sich in seinem roten Schopf und in Hermines braunen Locken. Nachdenklich schaute sie ihn an.
„In jeder Ehe gibt es ab und zu mal eine kleine Auseinandersetzung."
„Richtig, bis er dich irgendwann verprügelt oder dir einen Fluch auf den Hals hetzt!" hyperventilierte Ron und zeigte mit ausgestrecktem Arm aufs Haus.
„Du hast sie doch nicht mehr alle! Auseinandersetzungen beleben die Beziehung und wenn dich das doch eh alles stört, frage ich mich, warum du überhaupt mit hier her gekommen bist", wetterte Hermine sauer und genervt und stapfte schnaubend durch den Schnee davon Richtung Haus.
„Um mir Weihnachten im Kreise meiner Familie und Freunde zu verderben?" rief sie ihm ergänzend über die Schulter zu und stapfte weiter.
„Von meinem wohl ehemaligem besten Freund hätte ich so was nicht erwartet!" setzte sie weiter hinzu, blieb stehen, drehte sich um und schaute Ron funkelnd an.
Sein Gesicht war gerötet vor Kälte. Hermine sah Wut und Enttäuschung in seinen Augen blitzen und mit einem Mal taten ihr ihre Worte von eben leid. Ron hatte Recht, sie hatte sich gestern ausgiebig und ziemlich laut mit Draco gestritten, ungeachtet der Tatsache, dass Gäste im Haus waren und trotz der gewaltigen Dimension des Hauses etwas mitbekommen konnten. Nicht zuletzt dadurch, dass sich die Porträts der Urahnen mit einmischten und nun Klatsch und Tratsch über Hausherr und Hausherrin in jeder Ahnengalerie und Kunstsammlung im Hause ging, musste irgendjemand ja etwas mitbekommen. Die Szene in der sie Draco den Pumps an den Kopf geworfen hatte, hatte innerhalb einer Nacht bereits Kultstatus erlangt, und jedes Bild wollte es besser wissen.
Trotzdem musste Hermine weiterhin das Bild der liebenden Ehefrau aufrechterhalten. Vor Ronald Weasley war dies von höchster Priorität. Was war schon ein kleiner Streit, wenn man sich doch tief im Herzen liebte? Das schlechte Gewissen durchfuhr Hermine wieder, als sie Ron dort im Schnee stehen sah.
Denk an deine Zukunft, Hermine. Noch ein paar Tage und du kannst wieder du selbst sein und Draco aus dem Weg gehen. Zurück in deine Gemächer und dein Ding auf seine Kosten durchziehen.
Hermine wiederholte ihre Laudatio erneut in Gedanken und rührte sich nicht vom Fleck, als Ron mit großen entschlossenen Schritten auf sie zu kam und sie am Handgelenk packte und sie zu sich zog.
„Da ich ja anscheinend kein Freund mehr bin, kann es mir ja letztendlich auch egal sein, was du von mir denkst!" grollte er mit rauer Stimme und gerunzelter Stirn.
Hermine durchzuckte ein Gefühl von aufkeimender Angst. Was in Merlins Namen tat er da?
Ron packte ihr Handgelenk fester und vergrub seine freie Hand in ihren Locken und erstickte Hermines protestierenden Schrei in einem heftigen Kuss.
Hermine wand sich in seinem Griff und versuchte sich von ihm zu befreien.
Wenn sie jemand hier sah! Wenn Draco sie sehen würde! Das wäre glatter Ehebruch und er würde sie vor die Tür setzen können, ohne dass sie jemals einen Sickel von ihm sehen würde! Hermine wurde panisch. Das war so gar nicht Rons Art, sich einfach zu nehmen was er wollte. Sie war eine verheiratete Frau, und wollte es schließlich auch nicht! Oder etwa doch? Überraschender weise musste Hermine feststellen, wie sie unbewusst Rons Kuss erwiderte und sich ein seliger Seufzer ihrer Kehle entglitt, als er ihren Schal beiseite schob um ihren Hals zu liebkosen. Ihre Brustwarzen kribbelten, ihre Nackenhaare stellten sich auf und ein heißer Schwall Gefühle ergoss sich durch ihren Körper durch zwischen ihre Beine. Hermine stöhnte leise und verfluchte ihr aufkommendes schlechtes Gewissen.
Ron schob sie weiter küssend durch den Kräutergarten Richtung Dienstboteneingang und in den kalten Flur zum Küchentrakt.
Wenn sie nur nicht erwischt wurden! Aber dieses Gefühl hatte sie schon so lange nicht mehr erlebt,... aber es durfte nicht geschehen!
Hermine stemmte sich mit aller Kraft gegen Ron und keuchte: „Nein! Das darf ich nicht, das will ich nicht!"
„Doch, du willst" raunte Ron ihr mit ernster und bestimmter Miene zu und drückte sie unter immer leiser werdendem Protest in den erstbesten Raum hinein und schloss hinter sich die Tür ab.
25. Dezember 2002:
Um Punkt neun Uhr saßen alle in der großen Halle. Die Weasleys in einem großen Haufen links neben dem prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum, Patrick und Carol gemeinsam auf der Couch und Jeanis wie hingemalt auf dem Divan. Cecile stolperte durch einen großen Berg von Geschenken und quietschte vergnügt über das bunte Chaos. Hermine und Draco hatten in der Mitte auf dem Boden Platz genommen und grinsten einander an. Wenn man es nicht besser wusste, glaubte man glatt, die beiden wären heillos in einander verliebt. Bis auf Ginny Weasley wusste es auch niemand besser.
„Alle da? Können wir mit der Bescherung anfangen?" eiferte Ginny und schaute gespannt wie ein Flitzebogen in die Runde.
„Kleinen Moment", zwinkerte Hermine und holte ihren Zauberstab hervor. Sie schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus. Die Spitze des Stabes fing an zu glühen und mit einem Ruck blies Hermine darüber.
Funken stoben empor und verteilten sich wie ein kleines Feuerwerk in der großen Halle. Cecile gab ein freudiges Quieken von sich und schnappte erfolglos nach den leise fallenden Funken. Wie goldene Sterne lagen die Funken nun auf dem Boden, den Geschenken und dem Christbaum. Draco musste unweigerlich feststellen, dass einige der Funken in den Haaren hängen geblieben waren, was bei Hermine einen fast heilig anmutenden Schein um ihren Kopf verursachte. Ein Schauder lief seinen Rücken herunter und er wandte schnell den Blick von ihr ab. Die Frauen seufzten herzzerreißend als es schließlich weiterhin goldene und silberne Funken schneite und auch in den Augen der anwesenden Männer lag ein verträumter Glanz.
Strahlend wandte sich Hermine zu den Anwesenden um sagte: „Frohe Weihnachten! Ran an die Geschenke!"
Wie aus der Pistole geschossen sprangen Fred und George von der Couch auf und stürzten sich auf den Geschenkeberg, Ginny eineinviertel Sekunde später im Schlepptau. Ron schlurfte hinter seinen Eltern her zum Baum, die sich eng umschlungen einen Weg durch die Geschenke zu ihrem Haufen bahnten. Er schaute mit missmutigem Blick auf Hermine und Draco, die sich gegenseitig Geschenke gaben. Hermine schaute Draco belustigt an und schmunzelte mit hochgezogenen Augenbrauen vor sich hin als sie sein Päckchen entgegen nahm.
Ron schien es, als würde sie nicht allzu viel erwarten und als wäre sie überrascht genug, überhaupt ein Päckchen zu erhalten. Dann geriet Carol in sein Blickfeld, die sich mit Patrick zu den beiden Gastgebern gesellte und Ron machte sich schließlich daran, seine eigenen Geschenke auszupacken. Da war nicht wirklich was Berauschendes dabei: ein Strickpulli – wie jedes Jahr, ein Paar neue Hosen, ein Buch über die Quidditch-Weltmeisterschaften und ihre Helden und ein nigelnagelneues gläsernes Zauberschachspiel – Rons Kinnlade klappte nach unten hin weg.
„Uh! Oh mein Gott!" japste Hermine mit hochrotem Kopf und schlug sich die Hand vor den Mund. Alle Augenpaare richteten sich voller Neugierde auf sie. Ron betrachte den gläsernen Springer in seiner Hand und schaute wieder zu Hermine. Ob das Schachspiel von ihr war?
„Oh... äh... das... das solltest du hier doch gar nicht kriegen!" stammelte Draco verlegen und stülpte den Deckel wieder auf den Karton, den Hermine soeben geöffnet hatte. Patrick und Carol schauten mit geröteten Wangen einander an und konnten sich ein Grinsen kaum verkneifen. Hermine würde am liebsten im Erdboden versinken.
Grinsend schaute Ginny zu ihr hinüber, die anscheinend alles mitbekommen hatte. Die Aufmerksamkeit der anderen richtete sich wieder ihren eigenen Geschenken zu, doch Ginny schlenderte zu Draco, Hermine, ihren Eltern und Jeanis herüber.
„Also vor mir brauchst du dich nicht für deine Geschenke zu schämen, Herm!" zwinkerte sie und hob den Deckel der Büchse der Pandora einen Zentimeter an. Hermine knallte sofort mit der Hand darauf und verschloss ihr Geschenk so wieder.
„Finger weg!" zischte Hermine gereizt und funkelte Draco böse an. Kaum merklich zuckte er die Schultern, als wüsste er nicht, wie der Inhalt in das Geschenk gekommen war.
„Ach, Kinder... es ist doch nichts dabei", versuchte Carol ihre Tochter ein wenig zu beruhigen. „Es ist doch normal in einer Ehe, dass man sich Unterwäsche schenkt – "
„JA!" entfuhr es Hermine schrill und etwas leiser sagte sie dann: „Aber diese Unterwäsche hätte man mir nicht vor versammelter Mannschaft überreichen müssen!"
„Ich hab dir doch gesagt, es ist ein Versehen!" konterte Draco zurück und sah sie trotzig an. „Denkst du ich will uns beide hier zum Deppen machen? Da, jetzt nimm eins der anderen Geschenke und gib Ruhe!"
Patzig schob er ihr einen kleinen Haufen an Geschenken rüber. Hermines Augen wurden groß vor Verwunderung. So viele Geschenke hatte sie nun nicht erwartet. Ohne weiteren Kommentar packte sie Dracos Geschenke aus und konnte einen ehrlich Anflug von Freude nicht unterdrücken. Im ersten Päckchen befand sich eine neue Schreibfeder mit Seltenheitszertifikat.
„Damit du nicht mit diesen Einheits-Ministerium-Federn deine wichtige Arbeit erledigen musst", kommentierte Draco dieses Geschenk. Hermine nahm die Feder in ihre Schreibhand und schrieb ein paar imaginäre Worte in die Luft. Sie ließ sich perfekt halten.
„Oh, ich danke dir, sie ist wundervoll!" sagte Hermine und strahlte Draco an. Er schenkte ihr tatsächlich Dinge, die sie brauchen konnte! Er hatte sich wirklich Gedanken über ihre Geschenke gemacht und nicht einfach irgendetwas gekauft. Aber was bezweckte er mit der Unterwäsche? Verstohlen schielte Hermine zu dem verstoßenen Päckchen herüber. Später würde sie sich darum kümmern. Die Neugierde über diesen Hauch von nichts, welches sie von ihrem verhassten Ehemann geschenkt bekommen hatte, war zu groß. Aber wenn er sich Gedanken um die Geschenke gemacht hatte, dann hatte er doch bestimmt auch hier einen wohl überlegten Schritt gemacht?
Hermines Gedanken befanden sich in einer Art Endlosschleife, als sie das nächste Päckchen von Draco öffnete.
„Sag mal..." stotterte Hermine beim Betrachten des Inhalts. „Sind die wirklich für mich?"
„Aber natürlich!" säuselte Draco zustimmend und warf einen Blick in das Päckchen. An seinem Blick konnte Hermine allerdings erkennen, dass Draco selber nicht auf den Inhalt vorbereitet war. Verstört blickte Draco auf das kostbare Collier, die dazugehörigen Ohrringe und den funkelnden Armreif.
Carol seufzte theatralisch und schaute Patrick ein wenig vorwurfsvoll an, warum er ihr nie ein so kostbares Geschenk gemacht hatte. Dieser räusperte sich nur viel sagend und packte seine Geschenke weiter aus.
Hermine fixierte Draco mit ihrem Blick und wurde innerlich ein wenig wütend. Wieso hatte er so reagiert? Hatte er mit etwas anderem gerechnet? War dieses Geschenk gar nicht von ihm? Draco schaute Hermine verwundert an und zuckte erneut mit den Schultern.
„Was?" flüsterte Hermine säuerlich Draco ins Ohr.
„Ich bin verwirrt, es ist nicht das was ich in Auftrag gegeben hatte", flüsterte Draco zurück und setzte prompt ein gespieltes Lächeln auf, als Carol ihm sein Geschenk überreichte.
„Nur eine Kleinigkeit, wir wussten ja nicht genau, was du so magst!" erklärte Carol als Draco eine riesige Schachtel an erlesenen Pralinen auspackte, nebst einer Flasche alten Rotweins.
„Oh, genau mein Geschmack! Ich danke euch!" antwortete Draco höflich und schob sich selbst und Hermine gleich ein paar der Pralinen in den Rachen. Hermine kaute schnaufend auf der Praline herum und schaute Draco immer noch wütend an.
„Was hattest du denn genau in Auftrag gegeben?"
„Das werde ich dir bestimmt nicht jetzt erzählen! Hier läuft eh einiges schief" erklärte Draco und betrachtete grübelnd den Haufen Geschenke, den Hermine noch von ihm bekommen sollte. Zähneknirschend überreichte Hermine Draco einen Haufen aus fünf Geschenken.
„Es soll ja nicht so einseitig wirken" bemerkte sie schnippisch und lächelte ihn herzzereißend an, als sie merkte wie Molly Weasley sie und Draco eingehend betrachtete. Hermine riss sich nun zusammen, sie konnte sich jetzt nicht den Fehler erlauben, dass alles auffliegen würde.
Draco bedankte sich mit einem knappen Kuss auf Hermines Wange. Ein Kribbeln blieb zurück, welches Hermine unter ihren gegenwärtigen Gefühlen allerdings unterdrückte. Ignorierte.
Ausmerzte.
Eliminierte.
Hier gab es keine wahren Gefühle!
Obwohl es den Anschein hatte, dass selbst Draco sich über ihre Geschenke freute. Ein neues magisches Adressbuch mit ungeheuer viel Speicherkapazität, wichtig für den wohl am meisten gefürchteten und bekanntesten Immobilienmakler der englischen Zaubererwelt. Darin konnte er alle Adressen seines Imperiums eintragen und die Post It – Welle in seinem Büro würde endlich abebben. Hermine konnte nie verstehen, wieso Draco so ein Fan von ihren Post Its geworden war, war ihm doch alles was mit Muggeln zu tun hatte immer zuwider. Ebenso freute er sich über den neuen magischen Füller, der sowohl mit normaler Tinte schrieb, sie aber auch unter Aufsagen einer Formel in unsichtbare Tinte verwandeln konnte. Dies hatte zum Effekt, dass er mit normaler Tinte schreiben konnte, die Briefe aber nur vom jeweiligen Empfänger gelesen werden konnte und der Füller das Geschriebene für alle anderen automatisch verschlüsselte und unlesbar machte. Und für den Fall, dass der Brief nie ankommen würde, wurde eine Sicherheitskopie des Geschriebenen abgespeichert und somit ließ sich jedes geschriebene Wort reproduzieren.
Hermine erlebte die restliche Bescherung fast wie in Trance. Sie nahm kaum noch wahr, wie Draco ein Geschenk nach dem nächsten auspackte und sich höflich bei ihr bedankte, sie der Form halber gelegentlich in den Arm nahm und drückte und lässig mit den Anwesenden Gästen plauderte. Ihre Gedanken kreisten immer noch um seine Reaktion, seine Bemerkung und seine Geschenke.
Ein Draco Malfoy würde sie niemals mit derartigen Geschenken überhäufen. Selbst wenn sie seine Traumfrau der ersten Stunde gewesen wäre, würde er nicht karrenweise Päckchen für sie unter den Baum befördern.
„Hermine!"
Erschrocken zuckte sie zusammen, als die Weasley-Zwillinge sich neben sie setzten; einer links und einer rechts.
„Hermine, wir freuen uns, Weihnachten und Sylvester mit dir verbringen zu dürfen!" erklärte George. Zumindest meinte sie, es wäre George. Aber das war ja eh egal.
„Richtig!", bestätigte Fred seinen Bruder grinsend. „Und deswegen haben wir dieses Jahr ein ganz besonderes Geschenk für dich."
„Ah ja", sagte Hermine skeptisch und schaute die beiden abwechselnd fragend an. Das konnte irgendwie nichts Gutes bedeuten.
„Tadaaaa!" riefen beide aus einem Munde und Fred überreichte Hermine ein Schuhkarton großes Päckchen.
„Wow, Jungs, danke!" stammelte sie verwirrt. Sie hatte ein ungutes Gefühl. Was würde das geben? Sie warf einen flüchtigen Blick zu Draco hinüber, der sich gerade mit seiner Cousine beschenkte und sie nun auch nicht weiter beachtete. Der Gedanke über sein seltsames Verhalten löste sich für den Moment in Luft auf und Hermine begann vorsichtig die Schleife zu lösen.
„Nun mach schon!" drängte George sie und wurde immer zappeliger.
Hermine nahm den Deckel vom Karton und starrte in sein Inneres. Es lag ein rosa Ei mit roten Sprenkeln darin, welches eine ungeheure Wärme ausstrahlte.
Fred und George schien fast die Brust vor Stolz zu platzen. Erwartungsvoll schauten sie Hermine an.
„Das ist doch kein Drachenei?" flüsterte sie entsetzt. „Paragraph 429, des Gesetzes zur Haltung magischer Wesen untersagt dies strengstens! Ich arbeite im Ministerium und habe zu achten, dass diese Gesetze und all das auch eingehalten werden, und das wisst ihr auch!"
„Aber natürlich!" entgegnete George.
„Und es ist kein Drachenei!" bestätigte Fred.
„Warte noch eine Woche, dann schlüpft das erste Chaflyra, das die Welt je gesehen hat und es wird dir gehören!"
„Was bitte ist ein Chaflyra?", fragte Hermine einsilbig und mit aufkeimenden Magenschmerzen.
„Unser neuster Streich!"
„Das dachte ich mir fast!", zischte Hermine panisch.
„Eine neuartige Kreuzung aus Chimäre und Hauskatze, wenn du es genau wissen willst. Genetisch noch ein wenig verändert, damit sie nicht den Hang zum Töten haben und natürlich extrem niedlich aussehen. Sonst würde niemand so ein Tier haben wollen", erklärte Fred und strahlte über beide Backen.
„Super. Und eigentlich will ich dieses Tier auch nicht haben!" entgegnete Hermine und packte den Deckel wieder auf den Karton. „Wir haben Hauselfen, Pferde und einen Poltergeist. Das reicht!"
„Das kannst du uns nicht antun!" heulten beide gleichzeitig auf und schauten Hermine mit tellergroßen Augen an.
„Ihr habt Platz, das Tier ist ungefährlich, und über Krummbein bist du mittlerweile auch hinweg", zählte George auf.
„Öffne dich für ein neues Haustier, Hermine", flehte Fred und fasste sie beschwörend bei der Schulter.
Einen Moment lang starrte Hermine beide giftig an. Aber auch nur für einen Moment.
„Na gut, ich werde ja sehen, was passiert, wenn es schlüpft."
„Großartig, Hermine, wir wussten, dass du unser Geschenk annehmen wirst!" jubelten Fred und George.
„Trotzdem prüfe ich bei Gelegenheit gleich noch mal die Rechtsordnung, hört ihr?!"
Beide nickten und gingen zufrieden pfeifend zum Sofa und nahmen dort Platz. Fred unterhielt sich mit Ron, der immer noch die einzelnen Figuren seines Zauberschachspiels begutachtete. George allerdings konnte seinen Blick nicht von Jeanis wenden, die immer noch freudestrahlend mit Draco Geschenke austauschte. Voller Enthusiasmus setzte sie ihm einen Federkopfschmuck der Maya auf, den er kopfschüttelnd und genervt wieder abnahm und ihr aufsetzte.
„Damit mache ich mich hier nur zum Deppen, Jeanis", erklärte er.
„Aber das ist ein Geschenk von Mutli Cacun, dem Anführer der Maya!" entrüstete sich Jeanis und verschränkte patzig die Arme vor der Brust.
„Wir sind hier aber nicht in deinem südamerikanischem Dschungel, wo die Wilden hausen und das Flohnetzwerk erst noch neu erfunden werden muss, sondern im fortschrittlichem England", antwortete Draco gereizt und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust.
„Willst du mich etwa eine Wilde nennen?" empörte sich Jeanis mit verzogenem Gesicht und fuchtelte mit der Faust vor Dracos ausdruckslosem Gesicht umher.
„Deinem Verhalten nach zu urteilen liege ich damit wohl auch richtig", bemerkte er mit hochgezogenen Augenbrauen.
Jeanis knirschte wütend mit den Zähnen und Draco wusste, dass sie ihn jetzt am liebsten mit dem Geschenkband erdrosseln würde und sich nur beherrschte, weil so viele Zauberer anwesend waren.
„Ich muss dich gleich mal sprechen", sagte Hermine ernst zu Draco und setzte sich mit dem Chaflyra-Ei zu ihm und Jeanis.
„Was hast du da, Hermine?" fragte Jeanis neugierig und zeigte auf das Ei.
„Das wird sich in etwa einer Woche herausstellen", seufzte sie.
Stirnrunzelnd nahm Draco Hermine das Ei aus der Hand.
„Spuckt es Feuer?"
„Angeblich nein."
„Wird es groß?"
„Keine Ahnung."
„Beißt es?"
„Keine Ahnung."
„Kann es mein Haus, meine Familie und die gesamte Menschheit vernichten?"
„Vielleicht kann es unser Haus, unsere Familie und die gesamte Menschheit vernichten."
„Kann es –"
„ – mein Gott, Draco, ich weiß es nicht!"
„Warum ist es dann noch hier?" stellte er mit Entsetzen fest und hielt das Ei von sich weg, als wäre es eine tickende Zeitbombe. Hermine nahm es ihm wieder aus der Hand.
„Weil es mein Geschenk ist, und ich es von Fred und George angenommen habe!"
„Weasleys... Ich sag dir eins, Hermine", flüsterte Draco in verschwörerischem Ton. „Ein Weasley wird uns noch einmal ins Verderben stürzen!"
„Sind wir ein bisschen paranoid?" sagte Hermine mit vor Sarkasmus triefender Stimme. Jeanis kicherte amüsiert und schaute zu den Verderbnis bringenden Personen herüber. Allerdings blieben ihre Blicke an George Weasley hängen, den sie wohl als einzige Anwesende in diesem Raum von seinem Zwillingsbruder unterscheiden konnte.
TBC natürlich...
Ja, meine Güte, was ist da nur passiert...
- und was wird nun noch alles passieren? Probleme über Probleme...
Wir werden es erfahren... bleibt dabei! ;)
Beim nächsten Mal löse ich das Gewinnspiel auf.
Das nächste Mal wird irgendwann im Oktober sein, da ich im September umziehe und noch nicht weiß wie das mit Internet und Zeit läuft.
Jedenfalls wisst ihr nun schonmal Bescheid!!
Bye bye, eure Mel
WERBUNG - WERBUNG - WERBUNG - WERBUNG
Lest eine weitere Zusammenarbeit von Jean nin asar ahi smabell und meiner einer:
Which and Chips
Lest "Speeded Scribber" von Jean nin asar ahi smabell
WERBUNG - WERBUNG - WERBUNG - WERBUNG
REVIEW PLEASE!!!!
