Riesen Dankeschön an Marylein, Mistmaus, CaroloveSeverus und lufa! You keep me going! Echt Leute, ich wüsste nicht, was ich ohne euren Zuspruch und eure Tipps machen würde!
Dieses Kapitel war an dieser Stelle und in dieser Form so eigentlich nicht geplant. Einige Stücke wären in anderen Kapiteln aufgetaucht, aber ich dachte mir, ich mach ein eigenständiges Dingen daraus. Deswegen wirkt es vielleicht ein wenig kurz und zum Schluss abgewürgt - ich hoffe es ist nicht zu unangenehm zu lesen. Auf jeden Fall trotzdem viel Spaß und ich hoffe ihr meldet euch im Anschluss für einen kurzen Kommentar =)


Don't you worry,
It's gonna be all right!
'Cause I'm always ready,
I won't let you out of my sight!

Verschiedene Seiten im gleichen Buch

Vorsichtig musterte Severus Hermione aus den Augenwinkeln. Sie saß ganz still da und auf den ersten Blick hätte man ihre Haltung als entspannt missinterpretierten können, aber er wusste es besser. Jede Fase ihres Körpers war angespannt. Sie war auf der Hut, jeder Zeit bereit zur Flucht und es sah fast so aus, als wären es unsichtbare Fesseln, die sie davon abhielten, sofort aus dem Raum zu rennen.

Die Fesseln waren ihr Wille. Ihr Wille allein war es, der sie jetzt hier hielt und versuchte ihm vorzuspielen, sie seih okay. Es war erstaunlich, wie stark sie war. Severus war beeindruckt und er empfand auch Mitleid. Deswegen tat er etwas, was er noch nie getan hatte: Er eröffnete ihr eine Ausweg, eine Ausrede. „Du siehst Müde aus", sagte er sanft und es war keine Lüge. Sie sah lebensmüde aus. Ihre Wangen waren eingefallen, dunkle Furchen lagen unter ihren Augen, sie war dünner als noch vor einem Jahr und ihre Augen hatten ihr lebendiges Glänzen verloren. Man musste wohl einen Teil ihrer Geschichte kennen, um sie richtig zusehen, denn am Abend zuvor war es ihm noch nicht aufgefallen. „Vielleicht sollten wir es für heute dabei belassen".

Sie ging den Ausweg nicht, entschloss sich gegen die Ausrede und Severus Wertschätzung für sie stieg ins unermessliche. „Nein! Eine kurze Erinnerung noch". Sie war so stark! Woher nahm sie nur die Kraft dafür?

Ein letztes Mal an diesem Abend drehte er sich Hermione zu, wartete darauf, dass sie ihm entgegen kam. Sie hatte in dieser Sache definitiv das Anrecht auf den ersten Schritt und das letzte Wort. Sie gab das Tempo und das Thema an. Sie hatte die Kontrolle und Severus würde sich in ihre Hände begeben. Früher wäre er dazu nicht in der Lage gewesen, aber sie hatte es ihm beigebracht, hatte ihm so viel gezeigt. In mancher Hinsicht war sie klüger und auch weiser als er es je sein würde.

Ein letztes Mal an diesem Abend hob sie den Blick und ließ es zu, dass er die Erinnerungen sah, die sie bis zu diesem Zeitpunkt mit Niemandem geteilt hatte und vielleicht nie wieder teilen würde.

°~*~°

Sie schreckte mit einem lauten Atemzug aus ihrem unruhigen Schlaf. Wie sehr sie doch hoffte, dass es nur ein Traum gewesen war. Auf der anderen Seite war das, was sie nach dem Erwachen erwartete keineswegs besser…

Remus war weg, das war das Erste was ihr auffiel.

Das Zweite war die Tatsache, dass ihr alles weh tat und sie sich unwohl fühlte. Ihr Kreislauf hatte mächtig damit zu kämpfen, den Körper in dieser ungewohnten Position gleichmäßig mit Blut zu versorgen. Während ihr Kopf so stark pulsierte, dass sie befürchtete, er könne jeden Augenblick platzen, fühlten sich ihre Beine taub an. Leider nicht taub genug um das Brennen an ihren Fußknöcheln zu betäuben. Das Metall der Fesseln schnitt tief in ihr Fleisch und Hermione war sich sicher, dass Magie im Spiel sein musste, denn anderenfalls wären ihre Füße wohl schon längst abgerissen.

Das Dritte was sie registrierte, war Bellatrix Lestrange, die ihr gegenüber in einem großen Sessel saß und sie zuckersüß anlächelte. „Schlecht geschlafen, Miss Granger?", erkundigte sie sich in einem gespielt bedauernden Tonfall, „Hörte sich ganz so an, als wäre Daddy weggegangen…".

„Halten Sie sich aus meinem Kopf raus!", schrie Hermione sie wütend an und konnte es nicht fassen, dass sie Lestrange gerade tatsächlich gesiezt hatte. Diese Höflichkeit hat sie überhaupt nicht verdient und dennoch hatte sie automatisch die Form des Respekts zurückgegeben, mit der Lestrange sie bedacht hatte.

„Nicht doch, Miss Granger", wehte sie ab, „Damit habe ich unglücklicherweise nichts zutun. Leider, leider war ich nicht für Ihre wunderschönen Verzweiflungsschreie verantwortlich. Aber eine Frage brennt mir dennoch auf der Zunge: Was ist schrecklicher, Ihre Träume oder Ihre Realität?".

Hermione sah sie nur angewidert und fassungslos zugleich an. Sie konnte es nicht begreifen, wie diese Frau so grausam sein konnte.

„Naja, wie dem auch sei", überging sie Hermiones Schweigen und damit auch ihre eigene Frage. Wahrscheinlich hatte sie auch so erreicht, was sie wollte. „Ich freue mich schon sehr darauf, das nächste Mal selbst der Grund für Ihre Schreie und Ihr Flehen zu sein".

„Auf das Flehen können Sie lange warten!", platzte es aus Hermione heraus und dieses Mal fiel ihr schon gar nicht mehr auf, dass sie Lestrange erneut gesiezt hatte.

„Ach – meinen Sie? Kein Flehen für Ihr Leben, kein Flehen für einen schnellen, schmerzfreien Tod?", fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Sie legte eine kurze Pause ein, ehe sie begeistert weitersprach, „Kein Flehen für das Leben eines Freundes, kein Flehen für seinen schmerzfreien Tod?".

Hermiones Augen wurden vor Entsetzten immer größer. Remus! Ja, sie würde noch Flehen, das stand jetzt fest! Aber noch etwas stand für sie fest! Niemals würde sie um Remus Tod bitten – Niemals! „Nein!", hauchte sie geschockt. Für sein Leben, ja! Nicht für seinen Tod, soweit würde sie niemand bringen.

Daraufhin lehnte sich Lestrange langsam zu ihr herüber, streifte mit ihrer Wange fast zärtlich Hermiones und hauchte begeister zurück, „Oh doch!". Dann richtete sie sich wieder in ihrem Sessel auf und fuhr mit einem süffisanten Grinsen fort: „Ich wusste, Sie würden zur Vernunft kommen. Das tun sie alle früher oder später. Sie gehören nun mal zu den Einsichtigeren, das ist ja nichts Schlechtes!".

Hermione antwortete nicht mehr, schloss die Augen und hoffte Lestrange vor ihr ignorieren zu können. Irgendwie fühlte sich dieser eine Satz so an, als hätte sie bereits verloren, als hätte sie tatsächlich schon resigniert. War dies wirklich nur der erste verlorenen Kampf auf einem Weg voller Niederlagen? Hatte sie sich ihr schon ergeben?

„Na dann lass ich Sie mal mit Ihren Gedanken allein", sagte diese und Hermione bemerkte den Genuss in ihrer Stimme, den sie sonst in ihren Augen gesehen hätte – intrigantes Miststück! Sie wusste ganz genau, wie sie Menschen zerstörte.

„Ach, eine Sache noch, Miss Granger", hörte Hermione sie aus etwas Entfernung sprechen. „Ich habe mich gefragt, warum Ihre Freunde nicht kommen. Sind sie wohl zu feige oder nur nicht fähig genug, was meinen Sie?".

„Meine Freunde sind die klügsten Köpfe der Zauberwelt!", brach es aus ihr heraus. Erneut war sie nicht dazu fähig, Lestrange mit der eisigen Stille zu strafen, die sie verdient hätte. „Und über Feigheit müssen wir zwei uns wohl gar nicht erst unterhalten, oder?".

„Das lässt dann wohl nun noch den Schluss zu, dass Sie keiner von ihnen vermisst. Ich hätte auch nicht gewusst, welche Antwort mir lieber gewesen wäre…".

Das Schlimme an diesem Gedanken war, dass er ihr auch schon gekommen war. Wo waren ihre Freunde und warum kamen sie ihnen denn nicht zur Hilfe. Zum zweiten Mal in fünf Minuten hatte sie das Gefühl, besiegt zu sein. Sie atmete noch, sie lebte noch, aber die Hoffnung hatte sie verloren…

°~*~°

Als Severus sich von Hermiones Geist löste und sich wieder seines Körpers bewusst war, wollte er nichts lieber, als sie in seine Arme schließen. Er wollte sie spüren lassen, dass er sie mit seinem Leben beschützen würde, ihr zeigen, wie viel er für sie empfand, ihr die Hoffnung zurück geben, die sie Beider verloren hatten und ein Teil von ihm, er wusste nicht, wie groß der war, brauchte sie für sich – für seine Hoffnung, seine Gefühle und sein Leben.

Er tat es nicht. Sie würd den ersten Schritt tun müssen, das Tempo angeben, sie hatte die Kontrolle. Außerdem waren impulsive Entscheidungen noch nie sein Dingen gewesen, mit der Leere, die er empfand würde er schon alleine fertig werden.

Stattdessen brach er nach einigen Minuten das Schweigen, das sich über sie gelegt hatte. „Ich bin für dich da", sagte er und legte soviel Gefühl und Gewicht wie möglich in seine Stimme, „Ich bin hier und ich werde dich nicht verlassen, nicht noch einmal. Wir sind füreinander da, dass haben wir uns einst geschworen und das gilt für die Ewigkeit. Ich passe auf dich auf, wir passen aufeinander auf, dass haben wir versprochen".

„Wir sollten jetzt schlafen gehen", wich Hermione ihm aus, als sie sich steif erhob. Severus nickte traurig. Er hatte damit gerechnet und verstand, dass sie sich ihm heute nicht öffnen würde. Er versuchte nicht darüber nachzudenken, als er sich ebenfalls erhob und fasziniert zusah, wie sie mit ein paar schnellen Handgriffen und ganz ohne Zauberei das Sofa in ein gemütliches Nachtlager verwandelte.

Obwohl er natürlich gewusst hatte, dass er auf der Couch schlafen würde, tat es doch weh, sich ihr so nah zu fühlen und dann daran erinnert zu werden, dass sie nach wie vor Meilen voneinander getrennt waren. Es schien ihm vielleicht, als wären Wochen vergangen, seit er die Kluft zwischen ihnen mit einem Ozean verglichen hatte, aber die Realität sah anders aus: Es waren gerade ein paar Stunden und kaum etwas hatte sich seit dem wirklich verändert – eigentlich nur sein Blick für die Dinge.

Sie waren wie zwei Seiten im gleichen Buch. Sie waren zwar miteinander verbunden, berührten sich vielleicht und teilten dieselbe Geschichte, dasselbe Leben, aber sie waren dennoch voneinander getrennt. Sie lebten parallel und nicht gemeinsam, selbst wenn sich ihre Wege kreuzten.

Hermione verabschiedete sich mit einem geflüsterten, „Gute Nacht!", und flüchtete dann die Wendeltreppe herauf. Sie verhielt sich fast so, wie ein verwundetes Tier. Der Anblick tat Severus in der Seele weh und begleitete ihn, als er sich fertig machte und schließlich müde auf sein bequemes Lager sinken ließ. Er fragte sich, ob er ihn jemals wieder vergessen könnte, ob er jemals wieder an Hermione denken könnte und nur die glückliche, befreite und sorglose junge Frau vor sich sehen würde, die sogar ihn ein Lachen abringen konnte.

R&R plz