Dora drehte sich abrupt um, stiefelte auf ihren Sessel zu und lümmelte sich trotzig hinein. Nachdem Snape auch Hermine einen düsteren Blick zuschoss, ging diese zum gegenüber stehenden Sessel und ließ sich dort auch nicht gerade ladylike hineinfallen.
Er selbst setzte sich auf das Sofa, schaute nochmal kurz nach rechts und links auf die beiden Kampfhennen und meinte: „So, nachdem nun endlich wieder Stille eingekehrt ist, werden wir gemeinsam nach einer Lösung suchen. Ich denke es wäre angebracht, wenn Dora Lucius eine Nachricht zukommen lassen würde, in der sie ihn um ein klärendes Gespräch bittet.
„Kannste vergessen, mach ich erst, wenn die Hölle zufriert", kam die ungebetene Antwort von links.
Also versuchte er es erneut. „Und was ist, wenn Hermine sich einmal in ihrer Rolle als Deine Vorgesetzte an ihn wendet? Schließlich hat er ja auch sie bedroht, wenn Du nicht tun würdest, was er verlangte."
„Oh nein! Ich werde mich mit diesem Subjekt nicht auseinander setzen und mir sein schmieriges Grinsen ansehen, während ich ihn auffordere seine Erpressung zu beenden", kam nun die ebenfalls ungebetene Antwort von rechts.
„Gut", knurrt Snape nun ernsthaft sauer, „wenn das so ist, werde ich mich also mit ihm unterhalten - NEIN – spart euren Kommentar. Ihr solltet nun nach Hause gehen und überlegen, wie ihr euch gegenseitig behandelt habt. Wenn wir uns wiedersehen, will ich, daß dieser Streit begraben ist. Ich gehe jetzt zu Lucius."
Damit stand er auf, bedachte beide Frauen mit einem grimmigen Blick und verließ wütend das Büro.
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Lucius schaute Severus verwundert an, als dieser so plötzlich unangemeldet vor seinem Domizil auftauchte und fragte mit offensichtlicher Verblüffung: „Was verschafft mir denn diese Ehre?"
Snape ging einfach an ihm vorbei in Richtung des Arbeitszimmers und knurrte ihm zu: „Mitkommen. Wir werden jetzt etwas klären. Und ich rate Dir zu Aufrichtigkeit, sonst könnte ich in alte Verhaltensmuster verfallen, die Dir sicherlich nicht gefallen werden."
Lucius folgte seinem Freund langsam in sein Arbeitszimmer, nahm aus einer Vitrine zwei Gläser und eine Flasche Wein, die er rasch entkorkte, dann ging er zu dem kleinen Tisch, neben dem Snape bereits in einem Sessel Platz genommen hatte, schenkte beiden ein Glas Wein ein, und setzte sich dann ebenfalls.
„Nun? Was veranlasst Dich zu diesem Auftritt?" forderte er eine Erklärung für Snapes unhöfliches Verhalten.
„Ich verlange eine Erklärung, was Dich zu der wahnwitzigen Idee verleitet hat, Dora, und somit auch Hermine, zu erpressen? Und ich rate Dir eine gute, eine sehr gute, Erklärung zu haben, sonst könnte ich mich vergessen und hier und jetzt Deinem Leben ein unschönes schmerzhaftes Ende bereiten!"
Lucius grinste, als er antwortete:"Du meinst den kleinen Spaß, den ich mir mit dieser giftigen kleinen Terroristin gemacht habe, damit unser alter Minister Tarlow nicht wieder mit seiner verbissenen Schwester zu einer Einladung gehen musste?
Sie hat es doch hervorragend gemeistert und, wie Tarlow später erzählte, sich offensichtlich an dem Abend auch bestens amüsiert. Was regst Du Dich so auf?"
Severus blickte ihn noch immer grimmig an.
„Du willst mir also damit sagen, es war eine einmalige Sache? Du hast nicht geplant sie weiter zu belästigen und Deine Drohung in Bezug auf Hermines Anstellung zu bewahrheiten?" knurrte er.
„Ach, ich belästige sie? Hat sie das gesagt?" fragte nun sein Gegenüber mit einem süffisanten Unterton, der in Severus einen üblen Verdacht aufsteigen ließ.
"Und was Deine Hermine betrifft, interessiert es mich wahrlich nicht, welchen Posten sie wo einnimmt. Ich musste allerdings ein Argument haben, damit Dora mitspielte. Dir ist doch klar, daß ich sie nicht direkt um diesen Gefallen bitten konnte, wenn ich überhaupt zu Wort gekommen wäre", schob er nach.
„Woran Du wohl auch nicht ganz unschuldig bist, wenn ich mich da an ein gewisses Vorkommnis erinnere", sagte Snape halbwegs überzeugt.
„Wieso bist Du eigentlich ausgerechnet auf die Idee verfallen Dora auszuwählen? Du hast wahrlich genug Frauen in Deiner Bekanntschaft, die für diese Aufgabe besser geeignet gewesen wären?"
Wieder grinste Lucius, als er meinte „Das ist nicht Dein Ernst, oder? Tarlow hätte einen Herzinfarkt erlitten, wenn eines dieser Hühner dort den Mund aufgemacht hätte. Bei Dora war ich mir sicher, sie würde den Abend mit Anstand und Verstand sicher überstehen und sich vielleicht sogar amüsieren, was sich ja auch bewahrheitet hat."
„Höre ich da ein gewisses ernsthafteres Interesse heraus?" fragte Snape nun sehr direkt.
„Nun, sie ist optisch zwar nicht mein Typ, aber ich empfinde sie als recht amüsant, zumindest, wenn sie in meiner Gegenwart einmal nicht wie ein Bierkutscher flucht oder wie ein Fischweib herum keift. Es ist recht enervierend, wenn man ständig nur inhaltsleeres belangloses Geplapper über Mode und den neuestens Klatsch zu hören bekommt. Sie verfügt über eine gute Allgemeinbildung und ist zu geistreicher Konversation fähig, habe ich zumindest von anderen gehört" schränkte Lucius grinsend ein.
„Außerdem redet sie niemandem nach dem Munde und bildet sich gerne eine eigene Meinung. Eine Eigenschaft, auf die ich persönlich leider nicht allzu häufig treffe."
Snape sah ihn nun ernst an, als er erwiderte: „Korrigier mich, wenn ich falsch liege, aber das klingt nach einem größeren Interesse. Da hast Du Dir ein ziemliches Problem eingehandelt, wenn ich das so anmerken darf."
„Ich weiß und ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher", meinte nun Lucius.
„Es ist auch nicht einfach sich ein korrektes Bild von ihr zu machen, wenn sie mich ständig nur attackiert. Zumindest weiß ich aber, daß sie auch eine sensible Seite hat und ihr Tun zumindest hin und wieder hinterfragt und überdenkt."
Nun musste Snape lachen, bevor er fragte: „Und woher hast Du dieses seltene Wissen über diesen mir bisher unbekannten Charakterzug? Wir reden doch noch immer von derselben Frau, oder? Dieser Giftschleuder, die ständig aus der Rolle fällt, den Schnabel einfach nicht halten kann und ein offensichtlich unerschöpfliches Repertoire an Schimpfwörtern in ihrem kleinen Schädel zu beherbergen scheint?"
„Ich habe sie einmal getröstet, als sie etwas neben sich stand", meinte Lucius lapidar, worauf Snape ihn fragend ansah und nachhakte: „Ach und wann soll dieses Wunder sich zugetragen haben?"
„Auf dem Sommerball in Hogwarts. Und nun würde ich gerne das Thema wechseln und wir sollten endlich diesen wunderbaren Wein kosten, den ich übrigens nur sehr schwer bekommen konnte." Damit erhob Lucius sein Glas und prostete Snape zu, während er dessen fragenden Gesichtsausdruck ignorierte.
