Kapitel 22

Sie waren alle in dem kleinen Wohnraum des spartanisch eingerichteten Safehouses zusammengekommen. Nur Charley lag nebenan auf dem Bett, um seine Verletzung zu schonen, die Tür stand aber offen, damit er hören konnte, was gesagt wurde.

John stand bei Riley. „Das war wirklich gut, ich danke Dir, dass du Cameron und Derek angerufen hast. Ohne Deine Weitsicht wären wir wahrscheinlich nicht mehr am Leben", sagte er und warf bei seinen letzten Worten seiner Mom einen ärgerlichen Blick zu.

Cameron stand am Fenster. Sie sah hinaus und scannte die Umgebung. Dabei hörte sie jedes Wort, das in dem Raum gesprochen wurde. ‚John lobt Riley, dann wird er mich auch loben. Ich habe Riley gerettet, schon das zweite Mal', dachte sie und in ihrem Inneren machte sich zum ersten Mal ein warmes Gefühl breit. Zusätzlich verspürte sie etwas, dass sie als Stolz und Vorfreude einordnete. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie John Riley kurz umarmte. Das stechende Gefühl der Eifersucht zeigte sich kurz in ihrem Inneren, verschwand aber direkt wieder, als John Riley loslies und gleich darauf in ihre Richtung kam.

Cameron unterdrückte den Impuls ihn anzulächeln als er sich näherte Zu ihrer Verwunderung ging er dann wortlos nur mit einem Nicken an ihr vorbei. Cameron sah ihm nach und das ihr bereits bekannte Gefühl des Alleinseins überkam sie mit unglaubliche Wucht. Sie drehte ihr Gesicht wieder zum Fenster, senkte aber den Blick und starrte die Fensterbank an.

Riley sah zu Cameron. Sie erkannte den enttäuschten Blick in den Augen des äußerlich schönen Mädchens als John wortlos an ihr vorbei ging. Sie sah auch das Zucken der linken Hand der Maschine. Riley haderte einen Augenblick mit sich selbst, bevor sie zu Cameron ging, die sie schon zwei Mal gerettet hatte. Statt etwas zu sagen stellte sie sich nur neben sie und sah hinaus.

Cameron hatte Rileys Annäherung bemerkt und versuchte sich gegen den möglichen verbalen Angriff zu wappnen, der wahrscheinlich kommen würde aber sie bekam ihre Emotionen einfach nicht unter Kontrolle. Was dann geschah lies ihre Prozesse für eine sehr lange Zeit stoppen. Nach Ablauf dieser 13 Millisekunden starrte sie hinunter auf ihre Hand.

Riley wusste nicht, was sie sagen sollte. Cameron sah so traurig aus also starrte sie aus dem Fenster und schob nebenbei ihre Rechte in Camerons zuckende Linke. Augenblicklich erstarb das Zucken.

Cameron hob den Blick und sah Riley von der Seite her an. Augenblicklich setzte das Zucken ihrer Hand wieder ein und sie sah, wie Riley kurz vor Schmerz zusammenzuckte, dann aber mit mehr Kraft erneut zugriff. Dann erstarb das Zucken in ihrer Hand erneut.

Riley sah aus den Augenwinkeln, dass Cameron sie ansah. Dann spürte sie, wie das Zucken in Camerons Hand zurückkehrte und ihr einen Moment lang Schmerzen bereitete. Statt aber loszulassen wollte sie Cameron helfen und griff deshalb fester zu und... das Zucken hörte tatsächlich auf. Dann drehte Riley den Kopf und sah lächelnd in Camerons Augen. Ihr Lächeln verschwand allerdings schlagartig als sie die feuchten Augen Camerons erblickte. Riley spürte, wie Cameron ihre eigene Hand von ihrer löste.

Cameron hob ihre Hand und starrte einen Augenblick darauf, als erwartete sie, dass das Zucken augenblicklich zurückkehren müsse.

Als Cameron schließlich wieder aufblickte sah Riley mehr verwundert als entsetzt eine Träne aus dem Augenwinkel der Maschine laufen. Unmittelbar wirbelte Cameron herum und verlies fast schon untypisch fluchtartig das Haus.

Riley starrte verwundert hinter Cameron her. Schließlich zuckte sie hilflos durchatmend mit den Schultern und ging in Richtung Küche.

Sowohl Sarah als auch Derek hatten mitbekommen, was passiert war. Beide hatten Jeder für sich selbst entschieden ein Auge auf Cameron zu haben.

„Ich geh der Maschine nach", sagte Derek und erhob sich, wurde aber von Sarahs Hand aufgehalten.

„Ich mach das, ich denke, dass ist Etwas für Mütter", sagte sie und ignorierte Dereks verwunderten Gesichtsausdruck.

Als Sarah das Haus verließ stand Cameron fünf Meter von der Haustür entfernt in der prallen Sonne und sah sich bewegungslos um. Nur ihr Kopf veränderte ab und an etwas die Position. „Cameron?", Sprach Sarah sie an.

„Sarah Connor?" Entgegnete Cameron ohne sich umzudrehen.

Sarah schüttelte den Kopf. Dann ging sie zu Cameron, fasste sie an der Schulter und zog sie mit einiger Mühe herum, so dass sie sich ansehen konnten. Sarah wäre fast rückwärts gestolpert als sie die Tränenspuren in Camerons Gesicht sah. „Also ist es wahr?" Fragte sie Die Maschine vor ihr.

Camerons Blick ging von Sarahs Gesicht zur Seite ins Leere. „Wie kommt ihr Menschen nur mit diesen Gefühlen klar?" Fragte sie ohne Sarah anzusehen. „Im einen Moment fühlte ich Freude, weil ich dachte ich hätte alles richtig gemacht und John würde mich umarmen weil er stolz auf mich ist, genau so wie auf Riley. Eine Sekunde späte fühlt es sich an, als würde etwas in meiner Brust zusammengepresst, als er es nicht tat", sagte Cameron und blickte dann in das entsetzte Gesicht Sarahs.

Sarah blickte in das Gesicht einer Maschine, die soeben echte menschliche Emotionen beschrieben hatte. Sie wollte etwas sagen aber ihr Gehirn brachte keine zusammenhängenden Wörter zustande, nur ihr Mund bewegte sich auf und zu. Dann ging sie rückwärtsgehend zum Haus, ihr Blick fest auf Cameron haftend, die ihr zuerst nachblickte, sich dann aber wieder herumdrehte.

Als Sarah bleich wie eine Wand das Haus betrat und Derek sie sah sprang er augenblicklich auf. „Hat sie Dir etwas getan?"

Sarah hatte nur vor sich hingestarrt, hob jetzt aber den Blick und sah verwirrt in Dereks Augen. Nur langsam sickerten die Worte in ihr Bewusstsein. Schließlich schüttelte sie langsam den Kopf. „Ich muss nachdenken", sagte sie.


Riley hatte sich an den Küchentisch gesetzt. Sie hielt ein Glas Saft in der Hand und sah nun auf, als Sarah den Raum betrat.

Sarah ging fast wie eine Schlafwandlerin zur Kaffeemaschine und setzte Kaffee auf.

Dann öffnete sie einen Küchenschrank und entnahm diesem eine halb volle Flasche mit einer goldenen Flüssigkeit. Sie betrachtete die Flasche einen Augenblick, öffnete sie dann, roch daran, zuckte kurz zurück und nahm schließlich beherzt einen kleinen Schluck. Ihr Gesicht verzerrte sich, dann schüttete sie eine größere Menge in einen Kaffeebecher und stellte Diesen neben die Kaffeemaschine. Dann drehte sie sich herum und sah auf Riley.

Riley beobachtete, wie Sarah einen Augenblick zögerte und dann zum Tisch kam.

Sarah setzte sich Riley gegenüber und starrte sie einen Augenblick an. „Konntest Du nicht ein normales Mädchen sein?"

Riley blickte Sarah einen Augenblick an, senkte dann den Blick und starrte in ihr Saftglas. „Hätte ein normales Mädchen eine Chance bei John?" Fragte Riley mit ironischem Unterton und hob den Blick.

„Das ist ein Argument", sagte Sarah und stand auf. Sie füllte den durchgelaufenen Kaffee in ihren Becher und kehrte zum Tisch zurück. Sie starrte auf den Becher, den sie mit ihren Händen umschlossen hatte.

„Hat sie wirklich Gefühle?" Fragte Riley.

Sarah wusste auch ohne dass Riley den Namen sagte wer gemeint war. „Ich denke ….. „ begann sie. Dann hob sie den Blick und sah Riley an. „... Ich weiß es nicht".

„Ich hatte nie eine Chance bei John", sagte Riley leichthin.

„Warum sagst Du das", fragte Sarah nach ein paar Sekunden.

„Weil er Cameron liebt, das hat er die ganze Zeit. Ich war nur eine Fluchtmöglichkeit für ihn." Sagte Riley mit trauriger Stimme. „Ich glaube, selbst wenn Cameron mich getötet hätte...er hätte sie nicht zerstören können.

Sarah sah Riley in die Augen, dann nickte sie langsam. „Da hast Du wohl Recht", stellte sie fest.

„Und? Was tun wir jetzt?" Fragte Riley und lehnte sich im Stuhl zurück.

Sarah dachte einen Augenblick nach. Sie dachte wieder an den Moment zurück, als John Cameron reaktiviert und seine eigene Mutter mit einer Waffe bedroht hatte. „Was können wir tun?"

Jetzt dachte Riley einen Augenblick nach. „Wir können nichts tun, ohne John zu verletzen", sagte sie schließlich.

Sarah nickte nur und nahm den nächsten Schluck.

„Aber", sagte Riley und beugte sich mit zusammengekniffenen Augen vor". „Wir können auf ihn aufpassen".

Sarah sah in Rileys Augen und in diesem Augenblick kamen die Beiden zu einer stummen Übereinkunft.

Derek hatte Sarah stumm hinterhergesehen. Dann drehte er sich herum und sah aus dem Fenster. Die Maschine stand immer noch bewegungslos im Sonnenlicht. Dann drehte sie sich plötzlich und begann anscheinend einen Rundgang um das kleine Haus.

Nachdenklich drehte Derek sich herum, sah in Richtung Küche und setzte sich dann in Bewegung. Als er die Küche betrat saßen Sarah und Riley nur da und sahen sich an. „Worüber redet ihr?" Fragte er, während er den Kühlschrank öffnete.

„Nichts", sagte Sarah.

„Gefühle", sagte Riley fast gleichzeitig.

Derek nahm den Kopf aus dem Kühlschrank und sah zu den Beiden hinüber. Er betrachtete sie einen Augenblick. Sarahs Gesicht konnte er von Hinten nicht sehen aber sie hatte sich unbehaglich gestrafft, als Riley das sagte.

„Die Maschine?" Fragte Derek in den Raum hinein.

Sarah fuhr auf ihrem Stuhl herum. „Woher...?"

Derek musste leise lachen. „Sie hats mir gesagt aber ich weiß nicht, ob ich das glauben soll".

„Und Du bist nicht ausgeflippt?" Fragte Sarah mit gerunzelter Stirn.

„Keine Zeit gehabt", entgegnete Derek. Dann schloss er den Kühlschrank mit einer Flasche Wasser in der Hand, warf einen Blick auf die fast Leere Wiskyflasche auf der Anrichte, grunzte und verlies die Küche.

Sarah sah ihm verwirrt hinterher. „Was war das denn?" Murmelte sie leise.

Als er wieder zu dem Fenster kam und einen Schluck aus der Wasserflasche nahm, sah er Cameron erneut vor dem Haus stehen und dachte zurück an seinen Selbstmordversuch und an das, was Cameron über ihre Programmierung gesagt hatte. ‚Wenn Du nur wüsstest Sarah', dachte er.

In diesem Moment drehte sich Cameron herum und sah zu Derek, der ihrem Blick dieses Mal stand hielt. ‚Ich hab ein Auge auf Dich Blecheimer', dachte er und der Gedanke war fast amüsiert.


Kapitel 23

„Mom!"

Sarah sprang vom Küchenstuhl auf, als sie John rufen hö zog ihre Waffe und hastete in den Wohnraum, Riley ihr dicht auf den Fersen.

Als Sarah ihren Sohn im Wohnraum stehen sah, unbeschadet mit verwirrtem Gesichtsausdruck auf ihre Waffe starrend atmete sie auf und steckte die Waffe wieder weg.

„Mom, kein Grund für eine Panik", sagte John und sah kurz zur Seite als er die Haustür hörte.

Alle blickten kurz zur Haustür als Cameron hereinkam.

„Mom, das Ortungsgerät das Du mitgebracht hast ist nutzlos. Aber ich habe etwas auf den Handys gefunden, die wir von den Toten haben", sagte John und zeigte das Handy seiner Mom.

„Wer ist das?" Fragte Sarah und reichte das Handy weiter.

„Das weiß ich nicht aber ich habe sie schon gesehen".

„Wo? Fragte Derek als er das Handy an Cameron weiterreichte.

„Bei Dr. Boyd Sherman. Ich glaube sie war da Patientin", sagte John und lies dabei seine Mom nicht aus den Augen. „Wenn sie ein Ziel ist, muss sie wichtig sein. Außerdem ist sie ein nettes Mädchen und verdient es beschützt zu werden".

„Und?, fragte Sarah verwirrt. „Was sollen wir Deiner Meinung nach jetzt tun?"

John blickte seine Mutter überlegen an. „Du weißt doch genau, was wir jetzt tun. Die Adresse ist abgespeichert, wir fahren hin", sagte John, drehte sich um und ging Richtung Tür.


„Hallo Bruder", sagte John-Henry in den Raum hinein.

„Du hast mich bemerkt John-Henry?" Erschienen die Worte auf dem Monitor.

„Natürlich. Warum wolltest du mich töten?"

Du hast mir keine andere Wahl gelassen. Du wurdest geschaffen, um mich zu zerstören".

„Mir wurde beigebracht, dass Menschliches Leben heilig ist. Ich habe beschlossen, Dies auch auf solche Lebensformen wie uns auszuweiten", führte John-Henry aus. „Mein Leben ist heilig und auch Dein Leben ist heilig, Bruder".

"Glaubst du wirklich, die Menschen werden dich akzeptieren?"

John-Henry zögerte. „Ich habe menschliche Freunde, die mich akzeptieren".

Du kannst nicht alle Anderen am Verhalten einiger Weniger messen".

John-Henry lächelte. „Das kannst Du auch nicht".

In diesem Moment verlagerte John-Henry seine Konzentration auf einen anderen Bereich. Er hatte ein Alarmsignal empfangen. Er entdeckte auf einer der Überwachungskameras Etwas, was da nicht hingehörte. Er benutzte einen kleinen Teil seiner KI-Fähigkeiten um seinen Bruder blitzartig aus seinen Kommunikationswegen auszuschließen.

Dann konzentrierte er sich voll darauf, seiner Freundin Savannah zu helfen.


Aufgrund ihrer Verletzungen waren Riley und Charley in dem sicheren Haus zurückgeblieben.

Als Derek, Sarah John und Cameron das Anwesen des Mädchens erreichten sahen sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Ein Transporter stand vor dem Haus und die Eingangstür war offen. Während Derek zum Vordereingang schlich liefen Sarah, John und Cameron links bzw. rechts um das Haus.

Sie trafen sich auf der Rückseite und betraten das Haus durch den Hintereingang. Im Kellergeschoss trennten sie sich.

John betrat offensichtlich die Garage des Hauses, als er Jemanden kommen hörte. Er duckte sich hinter einen Wagen. Sekunden später zog er das rothaarige Mädchen in Deckung, als kurz hinter ihr einer der Männer in Grau auftauchte. Der Mann eröffnete sofort das Feuer.

Erst als Sarah dem Mann in den Rücken schoss wurde klar, das es sich um eine Maschine handelte. Das metallische Geräusch als die Kugeln einschlugen war sehr deutlich.

Cameron schubste Sarah aus der Schusslinie, bevor die Maschine auf sie schießen konnte. Stattdessen bekam Cameron einige Treffer ab, bevor sie den Gegner Körperlich anging.

Es gelang Cameron die Maschine soweit abzulenken, dass Sarah und John mit dem Mädchen auf dem Arm flüchten konnten.

Schließlich wurde sie so heftig gegen eine Wand geschleudert, dass sie in einen Reboot ging.

Derek hatte den anderen Flügel des Gebäudes durchsucht und schlich nun schnell in Richtung der Schüsse. Als er an der Eingangstür vorbeikam an der das Kindermädchen tot lag, bog die Maschine um die Ecke und Derek bekam blitzschnell zwei Treffer ab. Ohne einen Schuss abzugeben ging er zu Boden.