Kapitel 8 – Zurück nach Hogwarts
Kommentar:
Liebe Leser/Leserinnen,
heute poste ich ein neues, spätes Update für euch, in dem Severus und Emma zurück nach Hogwarts fahren und sich ihre Wege kreuzen. Ich hoffe, dass euch meine Fan-Fiction weiterhin gefällt und bin gespannt auf eueren Feedback.
LG,
Vani12
Spinner's End, Cokeworth, 1. September 1976
Severus Snape feuerte missmutig seine spärliche, verschlissene Kleidung, seine stark vergriffenen, von seiner Mutter benutzten Bücher, seine teils defekten, alten Zaubertrankutensilien, seine vergilbten, ausgefransten Pergamente und Federn sowie seine verwaschene, teilweise zerrissene Schuluniform, die ihm durch einen Wachstumsschub im Sommer zehn Zentimeter zu kurz war, in seinen alten, zerschlissenen und mit Schmähungen seiner „Hausfreunde" dekorierten Koffer, dem die Initialen E.P. in einer feinen, schnörkellosen Goldschrift eingraviert wurden. Seine Mutter hatte ihn in einer geheimen Nacht- und Nebelaktion gefüllt mit ihren Schulbüchen, einigen Klassikern über die Zauberkunst, Zaubereigeschichte, Verwandlung, Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Kräuterkunde sowie Zaubertränke, einigen Erinnerungsfotos, auf denen meistens drei fein gekleidete, glückliche Menschen oder ein lachendes Mädchen im Zeitraffer zu sehen war, sowie ihrem alten Zaubertränkeset aus ihrem Elternhaus, Prince Manor, kurz nach ihrer Hochzeit geschmuggelt.
Ohne Erklärungen oder Abschiedsworte hatte sie ihren Eltern einen Brief hinterlassen, in dem sie ihnen mitteilte, dass sie sich in einen Muggel verliebt, ihn geheiratet und nun beschlossen hatte, in der Muggelwelt ohne Magie zu leben. Darüber hinaus würde sie mit ihrem Ehemann, der eine Stelle als Bäcker bekleidete, nach Österreich auswandern. Sie entschuldigte sich bei ihren Eltern für ihren abrupten Abschied, versicherte ihnen, dass sie ihr Glück gefunden habe und bei bester Gesundheit sei und bat sie, nicht nach ihr zu suchen. Seitdem hatte Eileen nichts mehr von ihren Eltern gehört, sie dachte, dass sie ihren Wunsch akzeptiert und sie schweren Herzens ihren eigenen Weg hätten gehen lassen. In manchen klaren Momenten erzählte sie Severus voller Wehmut und Glück von ihrer glücklichen Kindheit auf Prince Manor, ihren liebenden Eltern, die sie mit Geschenken, Zuneigung und Vertrauen überhäuften und ihrer erfolgreichen, innovativen Zaubertränkefabrik „The Princes Potions Enterprise", die Eileen jetzt als Juniorchefin führen würde, wenn sie jemals ihr duales Studium in Zaubertränke und Betriebswirtschaftslehre gemacht hätte.
Severus nahm sich für die erste Woche in Hogwarts vor, mehr über seine Familie mütterlicherseits, seine Zaubererfamilie, zu erfahren. Natürlich kannte er die renommierte, für seine innovativen Forschungsmethoden und die Erfindung zahlreicher Tränke bekannte Zaubertränkefabrik „The Princes Potions Enterprise". Er wusste aber nicht, ob sie noch immer im Familienbesitz war oder ob seine Großeltern weiterhin nach ihrer Tochter suchten. Für ihn, der in Slytherin ständig für seine mittellosen Verhältnisse belächelt und als Magier zweiter Klasse behandelt wurde, wäre eine Kontaktaufnahme zu seinen Großeltern das Ticket zu mehr Ansehen und Prestige. Und Severus konnte sich nicht vorstellen, dass die liebenden Eltern aus den Erzählungen seiner Mutter je die Suche nach ihrer Tochter eingestellt hatten. Wenn sie wüssten, dass ihre geliebte Tochter von ihrem Ehemann misshandelt, ihrer Magie beraubt und von der magischen Welt isoliert wurde, würden sie ihr mit Sicherheit zur Hilfe eilen, weil für sie das Glück und die Gesundheit ihrer Tochter an erster Stelle stand. Darüber hinaus hoffte Severus, dass sie über seine Existenz hoch erfreut sein und seine finanzielle Situation eventuell verbessern würden. Da er schon immer etwas mit Zaubertränke machen wollte und sehr innovativ sowie talentiert im Brauen von Zaubertränken war, hoffte er außerdem, dass ihm ein Praktikum in der hoch angesehenen Zaubertränkefabrik seines Großvaters bei seiner Suche nach einem Zaubertränke-Stipendium weiterhelfen würde. Des Weiteren hatte er sich schon immer nach seinen magischen Wurzeln sowie liebenden Großeltern gesehnt und erträumte sich interessante Gespräche über Zaubertrankgesätze mit seinem Großvater oder eine herzliche Umarmung seiner Großmutter. Daher beschloss er, im Zeitungsarchiv von Hogwarts nach den Princes und ihrer Zaubertränkefabrik zu recherchieren. Irgendetwas, dass ihm einen Funken Hoffnung gab, seine Mutter und ihn aus der Hölle Spinner's End zu befreien, würde er schon finden.
Nachdem Severus seinen Koffer für Hogwarts gepackt hatte, schlich er leise durchs Haus in die Küche, um ja nicht seinen Vater durch einige laute Geräusche aus seinem Alkoholrausch zu wecken. In der Küche stand schon seine Mutter, ein blaues Auge hinter ihren pechschwarzen Haarsträhnen versteckend und mit leeren Augen durch die Gegend blickend, am Herd und bereitete ihm ein schnelles Frühstück aus Rührei und Toast zu. Als Severus sie in ihrer Lethargie studierte, bemerkte er, wie alt seine Mutter aussah. Obwohl sie eigentlich erst 35 Jahre alt war, hatten sie die häusliche Gewalt durch Tobias, der Verlust ihrer Magie, die Isola-tion von der magischen Welt sowie das Leben an der Armutsgrenze vorzeitig altern lassen. Ihre ehemals vollen Wangen waren eingefallen, ihre glänzenden Augen erloschen, ihre lächelnden Mundwinkel nach unten gezogen, ihre weiche, helle Haut ungesund verfärbt und ihr schlanke Figur zu einem Skelett abgemagert. Severus liebte seine Mutter trotz ihrer Passivität und Resignation, die sie die Tyrannei Tobias ohne Widerworte aushielten ließ und hoffte, dass sie bald aus ihrer Schicksalsergebenheit erwachen würde. Er gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange, bedankte sich für das Frühstück und aß es in hastigen Bissen, da er eine Konfrontation mit seinem Vater vermeiden wollte und schon um 9 Uhr den Bus in Richtung London nehmen musste, um den Hogwartsexpress am King's Cross Bahnhof nicht zu verpassen. Das Geld für das Ticket hatte er sich durch Aushilfsarbeiten in der örtlichen Apotheke verdient, da Tobias anstatt seinem Sohn ein Busticket zur Schule zu kaufen, seinen Lohn lieber für Alkohol, Wetten und Huren ausgab und nie auch nur einen Penny für seine freakhafte Ausbildung investierte. Früher konnte Severus mit Lilys Familie zum Bahnhof fahren, doch nach ihrem endgültigen Freundschaftsbruch und der Ignoranz, mit der Lily ihn seitdem behandelte, war dies nun keine Option mehr. Also half Severus seiner Mutter beim Abwasch, verabschiedete sich mit einer kurzen Umarmung von ihr und machte sich mit seinem Gepäck auf dem Weg zur Bushaltestelle. Er war froh, dass er die Hölle Spinner's End verlassen konnte, machte sich gleichzeitig aber auch Sorgen um seine Mutter. Darüber hinaus dachte er mit Selbsthass und Wut, dass seine Zeit in Hogwarts dieses Schuljahr auch ein Spießrutenlauf werden würde. Überall lauerten die Rumtreiber mit ihren Streichen, feigen vier gegen eins Angriffen sowie verbalen Attacken und seine Slytherinmitschüler/innen quälten ihn mit verletzenden Bemerkungen über seine verschlissene Kleidung, sein ungepflegtes Aussehen und seine Lesesucht. Da er jetzt auch noch seine einzige Freundin Lily verloren hatte, würde er sich seinen negativen Gedanken, dem süßen Ruf der Dunklen Künste und Rachegelüsten gegenüber seinen Feinden ganz hingeben. Denn sein tieftes Innerstes weidete sich an der Dunkelheit.
Prewett Cottage, Rowena's Creek, 1. September 1976
Emma Prewett packte gut gelaunt, fröhlich einen angesagten Muggelhit vor sich her summend und rhythmisch durch ihr Zimmer tanzend, ihren mit bunten Tierzeichnungen und Blumenaufkleber verzierten Schrankkoffer. Sie ordnete ihre Kleidung, Bücher, Schreib- und Schulutensilien sowie Zeichensachen mithilfe eines Systematisierungs- und Platzsparzaubers ordentlich in ihren Koffer ein. Nichts hasste sie mehr als einen unordentlichen, zum Platzen gefüllten Koffer, der beim Öffnen ihre ganzen Besitztümer überall in ihrem Hogwartszimmer verteilte und ein undurchsichtiges, zeitraubendes Chaos hinterließ. Daher achtete sie darauf, ihre Besitztümer mithilfe eines Zaubers immer sicher und geordnet in ihrem Koffer zu verstauen. Auch wenn Emma kein Ordnungsfreak und Reinigungsfanatiker war, in ihrem Zimmer öfters einmal das kreative Chaos von Bunstfiften, Zeichnungen und Farbenmischungen herrschte, legte sie doch großen Wert auf den sicheren Transport ihres Eigentums. Und mit Magie verging das Packen zehnmal schneller und sicherer. Darüber hinaus konnte sie mittels eines einfachen „Accios" ihre Zeichenutensilien jederzeit, wenn sie die Muse zum Zeichnen küsste, hervorzaubern, ohne Gefahr zu laufen, dass diese dann in ihrer Unterwäsche oder ihren Zaubertrankzutaten verfangen waren.
Emma liebte es, über ihr Muggelradio, welches sie von ihrem Schwager Arthur zu ihrem 16. Geburtstag am 15. Mai geschenkt bekommen hatte, die aktuellen Charts zu hören und mitzusingen, auch wenn sie bei Merlin keine begabte Sängerin war und ihre schiefen Töne vermutlich ihren geliebten Kater Sam, einen hochintelligenten, loyalen Kniesel mit einem pechschwarzen, weichen Fell, das nur auf seiner Stirn einem sternenförmigen, weißen Muster platz machte, verschreckten. Jedenfalls suchte er in dem Moment, als sie zu singen begann, des Öfteren das Weite. Neben der Malerei tanzte Emma außerdem leidenschaftlich gerne. Sie besuchte in den Sommerferien sogar eine Muggeltanzschule für Jazz/ Modern Dance, weil sie beim Tanzen all ihre Emotionen ausleben und sie selbst sein konnte. Wenn immer sie der Rhythmus erfasste, musste sie sich bewegen. Ihre Mutter Anne erzählte ihr, dass sie schon als Kind nie stillsitzen konnte und immer in Bewegung sein musste. Im Gegensatz zu ihren Brüdern Fabian und Gideon, die erfolgreiche, talentierte Treiber für das Gryffindor-Quidditchteam gewesen waren, war Emma im Quidditch aber eine absolute Niete. Sie hasste das Fliegen regelrecht, da sie nach einem Fall von ihrem Spielzeugbesen als drei-jähriges Mädchen eine unglaubliche Flug- und Höhenangst belastete. Ihre Brüder neckten sie wegen ihrer Flugangst zwar erbarmungslos und spielten ihr als Zehn-jähriger sogar einmal einen fiesen Streich, bei dem sie ihr weißes Himmelbett in ein Hochbett verwandelten, aus dem sie nur mit viel Überwindung, dem guten Zureden ihrer Eltern und dem Vertrauen auf die weichen Luftkissen, die um die Holzleiter verteilt waren, mit zitternden Knien herausstieg, aber auf einen Besen bewegten sie keine zehn Hippogreife.
Eigentlich begleitete sie immer ihre ganze Familie nach einem gemeinsamen, aus-giebigen Frühstück zum Bahnhof nach King's Cross, um sich von ihr gebührend zu verabschieden. Da ihre große Schwester Molly jedoch letzte Woche ihren dritten Sohn Percy, einen gesunden, aufgeweckten Jungen mit dunkelroten Haaren, zur Welt gebracht hatte und ihr Ehemann Arthur wieder im Ministerium arbeiten musste, passte ihre Mutter Anne auf die zwei Wirbelwinde Bill und Charlie auf und unterstützte Molly so gut es ging im Haushalt. Deswegen würden sie heute nur ihr Vater Robert, der sich für diesen Tag extra im Ministerium frei genommen hatte, sowie ihre Zwillingsbrüder Gideon und Fabian, die in der Winkelgasse sowieso noch einige Dinge für ihre in einem Monat startenden Ausbildungen wie Fachbücher, neue Umhänge oder Reisekoffer besorgen mussten, begleiten. Von ihrer Mutter hatte sie sich schon gestern herzlich verabschiedet, wobei sie ihr das Versprechen geben musste, mindestens einmal pro Woche per Brief etwas von sich hören zu lassen und ja ihre selbstgebackenen, farbenwechselnden Muffins unter ihren Freundinnen aufzuteilen. Ihre Mutter liebte es, zu backen und versorgte am liebsten ihre ganze Familie mit ihren süßen Leckereien. Daher hatte sie auch das Frühstück für sie vorbereitet und unter Wärme- oder Kühlzaubern frisch gehalten. Emma liebte diese Stunden im Kreise der Familie, sie freute sich allerdings auch schon auf Hogwarts, wo sie ihre besten Freunde Steve Smith, Sarah Silverstein, Mia Turner und Jake Oliver wiedertreffen würde.
Jedoch musste Emma dieses Jahr ohne sie mit dem Hogwartsexpress reisen, da Steve und Sarah sofort von einem Quidditch-Camp nach Hogwarts flogen, Mia noch die Hochzeit ihres älteren Bruders David auf den Bahamas besuchte und Jake von seinem Urlaub in China sofort nach Hogwarts flohte. Emma würde ihre Freunde schmerzlich vermissen, da sie sich seit ihrem ersten Schuljahr in Hogwarts ein Abteil teilten. Dort quatschten sie über die neusten Entdeckungen in der Zaubererwelt, die neuste Mode oder die neusten Gerüchte. Ihre kleine Clique an Freunden nannte sie scherzhaft das Hogwarts Jigsaw, weil sie trotz ihrer unterschiedlichen Backgrounds, Häuser und Interessen immer Zeit zum gemeinsamen Chillen fanden. Während Sarah, eine dunkelhaarige, grünäugige Schönheit mit einer athletischen Figur, eine quidditchverrückte, Arithmetik liebende Slytherin war, die später als magische Buchhalterin arbeiten wollte, war Mia eine quirlige, geschichtsverrückte Gryffindor, die mit ihrem blonden Lockenkopf, ihren grauen Augen sowie ihrer kumpelhaften Art die Männerherzen auf Hogwarts höher schlagen ließ und von einer Zukunft als Geschichtsprofessorin träumte. Steve, der mit seinen dunkelbraunen Locken, seinem strahlendweißen Lächeln und eisblauen Augen Frauenwangen erröten ließ, war ein quidditchver-ückter Hufflepuff mit einer Gabe für Zauberkunst und wollte nach Hogwarts als Magietekt Häuser entwerfen, während Jake, ein bücherverrückter, in Alte Runen brillierender Ravenclaw mit strohblonden Haare, einem freundlichen Lächeln und rehbraunen Augen, von einem Leben als Archäologe träumte. Emma liebte ihre Freunde über alles und würde sie gegen kein Geld der Welt eintauschen. Sie hoffte, dass sie auch nach Hogwarts immer befreundet bleiben würden. Aber jetzt musste sie erstmal eine Fahrt im Hogwartsexpress ohne sie überstehen. Hoffent-lich würde sie nette Sitznachbarn finden.
Nachdem sie das Traumfrühstück ihrer Mutter verputzt hatten, welches für sie eher zu einem Brunch geworden war, machte sich die Familie Prewett eiligst auf den Weg nach London. Dazu nutzten sie ihren mit dem Flohnetzwerk von King's Cross verbunden Kamin, sodass Emma mit ihrem Kater Sam und ihrem Schrankkoffer beladen, etwas benommen aus der Kaminstelle am Bahngleis 9 ¾ stieg. Bevor sie jedoch fallen konnte, fing sie ihr Bruder Fabian mit einem spöttischen Lächeln auf. Auf dem Bahngleis verabschiedete sie sich mit Tränen, guten Wünschen und langen Umarmungen von ihrer Familie. Ihre Brüder Fabian und Gideon ermahnte sie im mütterlichen Ton, sich auf ihre Ausbildungen zu konzentrieren und ihre Kollegen/Kolleginnen nicht mit zu viel Streichen zur Weißglut zu treiben. Ihre Ermahnung quittierten diese jedoch nur mit schelmischen Grinsen und gaben ihr stattdessen den Tipp, ihre letzten beiden Schuljahre auf Hogwarts mit möglichst viel Streichen zu krönen. Schließlich müsste sie jetzt die Ehre des Prewettnamens hochhalten. Ihren Vater Robert verabschiedete sie mit einer langen Umarmung und der Bitte, auf seine Gesundheit zu achten und auf der Arbeit nicht zu viele Überstunden einzulegen. Sie wusste, dass er bei seinem leidenschaftlichen Kampf für die Rechte benachteiligter Magier und Magischer Geschöpfe oft bis zur Erschöpfung arbeitete. Robert, den die Fürsorge seiner geliebten Tochter sehr berührte, versprach ihr mit einem herzhaften Lachen, etwas mehr auf sich zu achten und gab ihr den Ratschlag mit auf den Weg, ihre Zeit auf Hogwarts zu genießen und möglichst viel Neues zu erleben. Emma dachte ironisch, dass sie in ihren Nachhilfestunden in Zaubertränke bestimmt viel Neues über Hogwarts erfahren könnte. Mit einem letzten Blick über ihre Schulter bestieg Emma lächelnd den schwarzroten Hogwartsexpress und machte sich gut gelaunt auf die Suche nach einem freien Abteil. Jedoch bemerkte sie schnell, dass die meisten Abteile von kleinen Cliquen, die sich freudestrahlend begrüßten und laut über ihre Sommererlebnisse redeten, besetzt waren. Daher suchte sie, immer weiter in den hinteren Teil des Zuges verschwindend, etwas panisch nach einer Sitzgelegenheit.
Hogwartsexpress, letztes Abteil
Severus Snape beobachte mit einem Gefühl der Leere und einem Stechen in seiner Herzgegend wie sich seine Mitschüler/innen unter Tränen, mit Umarmungen und guten Wünschen von ihren Familien verabschiedeten. „Diese ganze Gefühlsduselei und diese perfekten Familienszenen machen mich noch ganz krank", dachte Severus mit einem verzogenen Mund und spöttischen Schnauben. Er war froh, dass er sich nicht einen Kuss von seiner Mutter von der Wange wischen musste. Schließlich war er kein Kleinkind mehr, sondern ein erwachsener, junger Mann. Die Busfahrt nach London war ein einziger Horrortrip gewesen. Schreiende, kleine Babys, knutschende Teenager, popcornessende Mitzwanziger, kreuzworträtselnde, fast blinde Senioren, stickige Luft und drückende Hitze. Er war froh gewesen, als er nach 3 ½ Stunden Irrfahrt nassgeschwitzt, mit hochrotem Kopf und einem Klirren in den Ohren die King's Cross Station des Londoner Bahnhoft betreten hatte. Eiligst hatte er sich durch die Menschenmassen geschlengelt, um möglichst schnell zum Bahngleis 9 ¾ zu gelangen. Denn hier konnte er mithilfe eines einfachen Kühlzaubers seine Körpertemperatur senken, seine Kleidung mithilfe eines Kleider-neu-Zaubers trocknen und auffrischen und seinen Körpergeruch mithilfe eines Deozaubers verbessern. Nachdem er seine äußere Erscheinung dank dieser einfachen Tricks enorm verbessert hatte, hastete er hektisch, seinen Koffer hinter sich herschweben lassend, durch die Gänge des Hogwartsexpresses. Er wollte sich das letzte, kleine Abteil des Hogwarts-expresses sichern, da hier seine Chancen, weder von den Rumtreibern angegriffen noch von irgendwelchen Idioten vollgequatscht zu werden, am größten erschienen. Also riss er die Abteiltür auf, steckte seinen Kopf hinein und schmiss sich ob der Stille und der Leere, die ihm entgegen strahlte, zufrieden lächelnd auf die rechte Sitzbank. Dort las er zunächst etwas in seinem Zaubertränkebuch, bevor ihn der steigende Geräuschepegel wütend aus dem Fenster blicken ließ. Dort studierte er nun schon einiger Weile, mit bissigen Kommentaren garniert, das kindische, idiotische und emotionale Verhalten seiner meisten Mitschüler/innen. Gerade wollte er sich wieder der Lektüre seines Zaubertränkebuches widmen, als die Abteiltüre aufgerissen wurde und eine große, schlanke Hexe in seinem Alter mit rotblonden, glatten Haaren in einem khakifarbenen Midi-Rock und einer cremefarbenen Bluse mit buntem Schmetterlingsprint samt Katzentransporter betrat. Irritiert durch die Gegend blickend, blieben ihre blaugrünen Augen an seiner Person hängen und weiteten sich leicht vor Erstaunen, bis sie ihn mit einem Lächeln auf den Lippen mit einer hellen, glockenklaren Stimme ansprach:
„Hallo, Severus. Es ist schön dich wiederzusehen. Hättest du etwas dagegen, wenn ich und Sam dir bei der Zugfahrt nach Hogwarts Gesellschaft leisten? Ich weiß, dass du eher der Einzelgänger-Typ bist und bestimmt deine Ruhe haben möchtest, jedoch sind alle anderen Abteile mit laut quasselnden, witzereißenden Freundescliquen voll besetzt. Und da ich die Zugfahrt nach Hogwarts hauptsächich dafür nutzen wollte, eine neue Zeichnung von meinem Kater Sam anzufertigen, bräuchte ich meine Ruhe. Ich verspreche dir auch, ganz leise zu sein und dich nicht zu nerven."
Severus hörte ihrem Monolog zu, er konnte ihr aufgrund ihres freundliches Lächelns und ihres Versprechens, ruhig zu sein, jedoch nicht verwehren, mit ihm ein Abteil zu teilen. Er erkannte sie an ihrer unverwechselbaren Stimme wieder: Emma Prewett, eine reinblütige, freundliche und beliebte Hufflepuff in seinem Jahrgang mit einem Helfersyndrom und einer alle Häuser umschließenden Freundesclique. In Kräuterkunde arbeitete sie manchmal mit ihm zusammen und behandelte ihn während ihren Partnerarbeiten stets freundlich, respektvoll und kompromissbereit. Darüber hinaus ließ sie sich auch von seinem trockenen Humor oder seinen manchmal missmutigen, bissigen Kommentaren nicht abschrecken. Daher antwortete Severus betont genervt klingend, mit zuckenden Schultern und ironischem Tonfall:
„Hallo, Emma. Ich kann nicht gerade behaupten, dass mich deine Anwesenheit in meinem Abteil erfreut. Dein kleiner Kater starrt mich aus seinen gelben Augen auch schon feindlich an. Aber wenn du sonst nichts findest und versprichst, ruhig zu sein, werde ich eine Zugfahrt in deiner Gesellschaft schon überleben. Du kannst dich also ruhig auf die gegenüberliegende Sitzbank setzen. Aber entschuldige mich jetzt bitte, da ich gerade in meine Lektüre vertieft gewesen bin."
Emmas Lächeln weitete sich bei Severus Antwort aus. Sie dankte ihm für seine Zustimmung, setzte sich so geräuschlos wie möglich auf ihre Sitzbank, öffnete den Katzentransporter, um Sam auf ihren Nachbarsitz zu legen und rief ihre Zeichenutensilien mit mehreren „Accios" herbei. Severus dachte noch, dass diese Zugfahrt bestimmt nicht die ganze Zeit so ruhig bleiben werde, als der Hogwartsexpress mit dampfender Lok den Bahnhof verließ.
