Disclaimer: Alles aus der Welt von Mittelerde gehört immer noch nichts mir sondern Tolkien und daran wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern.
Anmerkung der Autorin: Eigentlich sollte das Kapitel ja noch einen Absatz mehr haben, aber ich konnte mir die Gelegenheit einfach nicht entegehen lassen, ein Kapitel mit ganz genau 1000 Wörtern zu haben. Juchhu!
DER SCHRECKEN DES DÜSTERWALDS
„Uh-uh." Mit einem etwas mulmigen Gefühl sah Grundgoi zu der großen Mauer aus Baumstämmen und Steinen hoch, die sich vor ihnen in den dämmerigen Himmel erhob. Jetzt, wo sie direkt davorstanden erschien, erschien ihr Vorhaben doch ein klein wenig schwieriger als noch in Dol Guldur. Etwas ratlos stand die ganze Truppe Orks vor den Grenzen der Stadt und fragte sich, wie es jetzt weitergehen sollte.
„Uhm. Und… was jetzt?" Ein Blick zur Seite zeigte Grundgoi, dass Gâshnut anscheinend genausoviel wusste wie sie.
„Nun ja. Hier sind wir schon mal." Stumm starrten sie zusammen den Wall an. Schließlich seufzte Gâshnut ergeben. „Am besten wir schlagen erst einmal das Lager auf und überlegen uns dabei, was genau wir jetzt tun wollen. Zur Not können wir sie dann immer noch mit dem Lager… belagern. Ähm…" Hilflos sah er zu seiner Begleiterin, aber die zuckte nur ratlos mit den Schultern.
„Na dann. Schlagen wir das Lager auf."
„Uh-uh." Mit einem etwas mulmigen Gefühl sah Legolas zu dem Teppich aus Orks hinab, der den Waldboden vor den Toren der Stadt bedeckte. Hinter ihm keuchte Estel die Stufen zu dem Wachturm hinauf, auf dem er bereits stand. Leicht außer Atem lehnte er sich an die Brüstung und schaute sich den Grund dafür an, dass sein Freund ihn im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bett geschmissen und noch im Nachthemd nach draußen gezerrt hatte.
Verzweifelt ließ Legolas seinen Blick über die Orks schweifen, die bereits Aufstellung genommen hatten und wahrscheinlich jeden Moment angreifen würden.
„Tja," warf Estel neben ihm hilfreich ein. „Sieht aus als hättest du ein Problem."
„Wirklich?" Legolas warf dem Menschen einen säuerlichen Blick zu. „Gut, dass du das sagst. Wäre mir gar nicht aufgefallen." Stirnrunzelnd betrachtete er wieder besagtes Problem. „Vielleicht lassen sie ja mit sich verhandeln."
„Verhandeln!" Estel wollte noch mehr sagen, aber ob dieser nahezu idiotischen Ausgeburt elbischer Intelligenz fehlten ihm einfach nur die Worte. Hoffnungsvoll betrachtete er seinen Freund, aber der sah durchaus so aus als hätte er es ernst gemeint, der nachdenkliche Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass er zur Zeit ernsthaft über diese Möglichkeit nachdachte.
Ergeben ließ Estel seinen Kopf auf die Brüstung des Turmes sinken.
„Doch, ich denke, es ist zumindest einen Versuch wert," verkündete der Prinz von Düsterwald schließlich. Nach erneuter eingehender Betrachtung der Oks unter ihm fügte er hinzu: „Ich sollte wohl besser vorsorgen, falls sie doch nicht verhandeln wollen." Er wandte sich an den Krieger, der hinter ihm an der Treppe stand. „Alle Krieger sollen sich so schnell wie möglich vor den Toren einfinden. Bewaffnet und in Rüstung."
Der Krieger nickte und verschwand die Treppe hinunter. Argwöhnisch beobachtete Legolas das Geschehen vor den Toren eine Weile, dann fuhr er herum und stürmte die Treppe des Wachturmes hinunter. „Ich muss mich um die Aufteilung der Truppen kümmern. Bleib du hier und sag mir sofort Bescheid, wenn sich etwas tut."
Estel nickte nur, auch wenn das vollkommen überflüssig war, denn Legolas war schon längst nicht mehr da. Gelangweilt er hob seinen Kopf und schielte zu den Orks hinab. „Nun ja," murmelte er, nachdem er sie einige Zeit lang betrachtet hatte. „Wirklich entschlossen sehen sie nicht gerade aus."
Die geordnete Gruppe der Orks hatte sich aufgelöst und jeder suchte sich eine freie Stelle, wo er sich einfach auf den Boden fallen ließ. Sein Blick folgte einem Ork, der ziellos umher lief. Einige weitere Exemplare folgten seinem Beispiel, der Rest saß auf dem Boden und betrachtete unglücklich die Stadt der Elben. Ein Stück abseits diskutierten mehrer Orks eifrig miteinander und gestikulierten wild herum, häufige erregte Handbewegungen richtung Elbenstadt machte deutlich worum es in dem Gespräch ging.
„Vielleicht sind sie ja wirklich bereit zu verhandeln." So unsinnig die Idee auch erschien, wirklich erpicht darauf, sich auf einen Kampf mit den Elben einzulassen, schienen die Orks nicht zu sein. Der Höhlentroll, den sie wie einen Hund an einer Kette mit sich schleppten, war einige Meter von der Gruppe fort gewatschelt und rieb sich den Rücken jetzt genüsslich an der rauen Rinde eines Baumes. Er sah in der Tat so aus, als würde er jeden Moment über die Stadt herfallen.
Hinter ihm polterte Legolas die Treppe hinauf, um sein Werk von oben zu begutachten, bevor er sich erneut auf den Weg nach unten machte, wo er die Krieger, die inzwischen aus allen Ecken herbeieilten, in eine seiner Meinung nach noch bessere Position zu bringen gedachte. Zwei Minuten später war er schon wieder oben und eine weitere Minute danach auch bereits wieder auf dem Boden.
Für einen Moment wechselte Estel seinen Standort und betrachtete die verzweifelten Krieger. Kaum einer war darunter, der nicht verschlafen und zerzaust aussah; als der Ruf ihres Prinzen sie erreicht hatte, waren die Elben oft so wie sie waren aus dem Bett gesprungen, hatten nach ihren Waffen gegriffen und waren losgerannt. Ein wenig entfernt konnte Estel sogar einen Elben sehen, der sich verstohlen eine Hand vor seine Genitalien hielt und versuchte sich so unauffällig wie möglich wieder in seine Wohung zurückzuschleichen, um sich für den bevorstehenden Kampf etwas passender zu kleiden.
Estel konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er die verzweifelten und gehetzten Blicke der Krieger sah, während sein Freund sie hin und her hetzte. Kopfschüttelnd ging er wieder zu seinen Orks hinüber. Die Gruppe abseits schien inzwischen zu einem Entschluss gekommen zu sein, denn sie hatte aufgehört zu diskutieren und ihre Mitglieder schauten jetzt prüfend zu den Elben auf dem Wachturm hinauf. Estel sah sich nach Legolas um, aber der war wieder einmal auf den Waldboden hinab verschwunden. Die Orks kamen jetzt langsam auf die Mauer zu.
„So müsste es gehen. Was meinst du?"
Estel zuckte zusammen, als er unerwartet Legolas Stimme hinter sich hörte. Stirnrunzelnd betrachtete der blonde Elb sein lebendes Kunstwerk.
„Ähm, Legolas…"
„Mmh." Legolas hörte nur halb zu, er war noch mit seinen Kriegern beschäftigt.
„Ich glaube, die Orks da unten—"
„ELB!" Elb und Mensch fuhren erschrocken herum, als sie den lauten Ruf hörten, der eindeutig orkischen Ursprungs war. Verblüfft sahen die beiden sich an.
„—wollen tatsächlich verhandeln", beendete Estel seinen Satz.
