(K)ein Tag wie jeder andere
von Callista Evans
Disclaimer: Siehe Kapitel 1
A/N: Auch hier wieder ein ganz dickes Dankeschön an meine Betaline Nici für ihre Hilfe.
Und jetzt wieder die Filme, auf die ich im letzten Kapitel angespielt habe:
- Rocky Horror Picture Show – Timewarp
- Ein Pyjama für Zwei - Das Schlafanzugoberteil)
- Star Wars - Du brichst mir das Herz
- Star Gate O´Neill - Schlechtes Beispiel
- die Krimiserie: Die Zwei - Mr. Wilde und Mr. Sinclair
- Das große Krabbeln - Hat gar nicht weh getan
Kapitel 8: Save the last Dance
„Danke, Sir", stotterte Stuart Little, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Ob das leichte Zittern durch die Kälte kam oder Furcht vor dem Zaubertrankmeister war, konnte man nicht erkennen. Die anderen Spieler kamen ebenfalls angeflogen. „Leichtsinnige Bande!", polterte Snape los. „Sie bewegen sich besser alle möglichst schnell aus meinem Gesichtsfeld bevor ich anfange, Ihrem Hauspunkte abzuziehen." Als sich Little ebenfalls entfernen wollte, knurrte der Lehrer: „Sie nicht, Little! Wir beide gehen jetzt erst einmal zu Madame Pomfrey." Er winkte dem Schüler voran zu laufen, was dieser ohne Widerstand tat, wobei Little sich vorher noch einmal zu seinen Teamkollegen umdrehte und signalisierte, dass alles in Ordnung sei.
Das Quietschen und Klacken ihrer nassen Schuhe hallte in den Fluren wider. Erst als Mr. Stuart ein lautes Niesen entfuhr, bemerkte Severus wie kalt ihm selbst geworden war. Das konnte man ändern. War er ein Zauberer oder nicht? Sofort zog er seinen Zauberstab aus dem Ärmel und sorgte mittels einer kleinen Handbewegung dafür, dass ihre Kleidung im Nu trocknete.
Madame Pomfrey sah ihnen entgegen. Sie zog gerade den Sichtschutz vor eines der Betten. Allerdings konnte sie nicht verhindern, dass man die Stimme noch immer hörte, die gerade ausrief: „Ich bin nicht Moniques Mutter! Angela Landsbury ist Moniques Mutter! Und Shelly Winters ist Moniques Mutter..."
„Poppy, dieser risikofreudige Quitdditch-Spieler könnte mehr als einen Teelöffel Zucker vertragen. Er wäre beinahe in den See gefallen!"
„Dann wollen wir mal sehen, ob mit dir alles in Ordnung ist, junger Mann."
Fast hätte Severus genickt, so vertraut schienen ihre Worte, bis ihm einfiel, dass sie diese Anrede bei ihm schon lange nicht mehr benutzt hatte, sondern vielmehr der Junge gemeint war. Madame Pomfrey winkte dem Schüler auf dem nächsten freien Bett Platz zu nehmen.
Bevor die fürsorgliche Medihexe auf die Idee kommen könnte, auch ihn dazubehalten, machte Snape sich eilig davon.
Albus Dumbledore hatte sich als erstaunlich entgegen kommend gezeigt. Das Abendessen wurde von den Schülern heute eher eingenommen. Er, Severus, war natürlich freigestellt, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Damit war klar, dass die große 'Gratulationsrunde' entfiel und genau das hatte Severus beabsichtigt.
Blieb noch eine letzte Sache. Snape begab sich zum nächsten Fenster öffnete es und stieß einen kurzen Pfiff aus. Kurze Zeit später kam eine große, dunkle Eule angeflogen.
„Ich habe einen Auftrag für dich." In seiner Hand befand sich das von Dobby inzwischen verpackte Buch zusammen mit einer kurzen Notiz. „Bring dieses Paket zu Hermione Granger!" Die Eule schuhute und machte sich flügelschlagend auf den Weg. Severus schloss das Fenster wieder und ließ sich auf den nächsten Sessel fallen.
-o-o-o-
„Wenn ich es aufgrund der frühen Stunde nicht besser wüsste, würde ich sagen, du bist auf Patrouille!" Hermiones Ausruf hätte Severus, der auf einem verlassenen Flur im siebten Stock zielstrebig auf und ab ging, fast aus der Konzentration gebracht. Doch er schaffte es, den Gang bis zu Ende zu laufen und somit die Tür zum Raum der Wünsche zu öffnen.
„Es klingt verrückt, aber ich folge gerade den Anweisungen eines Hauselfen. Ich benötige einen Partyraum."
„Also hat Dobby dir von diesem genialen Ort erzählt", schlussfolgerte Hermione sofort. „ Er hat mir nämlich verraten, wo ich dich treffen würde. Eine gute Idee, hier zu feiern. Aber eigentlich habe ich dich gesucht, um mich für das Geschenk zu bedanken."
Zögerlich ging sie auf ihn zu. Sie streckte fragend die Arme aus und als sie keinen Widerstand in seinen Augen erkannte, drückte sie ihn rasch an sich. Severus umschloss sie mit seinen Armen. Das fühlte sich gut an. Er lächelte. Dieses Mal nahm der Tag einen guten Verlauf. Bis jetzt. „Und meine herzlichen Glückwünsche zum Geburtstag", erklang Hermiones Stimme angenehm nahe an seinem Ohr.
Als sie sich wieder von einander lösten, musste Severus einen Moment überlegen, weswegen er hergekommen war. Hermione sah etwas verlegen aus. Sie räusperte sich und fing dann schnell zu sprechen an: „Wie hast du es geschafft, dass der Raum meint, dir bei deiner Party helfen zu müssen? Ich meine, normalerweise wird er für Notfälle benutzt und eine Party ist nun wirklich keiner. Allerdings gibt es bestimmt Tricks..." Sie merkte plötzlich, dass sie plapperte und schwieg.
„Wenn du so oft wie ich an einer von Albus geplanten Geburtstagsfeier in allen möglichen und unmöglichen Varianten teilgenommen hast, dann ist diese von mir selbst initiierte Feier tatsächlich die Rettung aus der Not." Severus verzog das Gesicht und verdrehte vielsagend die Augen.
„Oh, wie oft hast du denn schon das Vergnügen vielseitiger Varianten deiner Feier gehabt?" Er blickte sie an. Nahm sie seine Art zu sprechen ein wenig hoch? War da ein verstecktes Grinsen auf ihrem Gesicht? Nun, er würde zeigen, dass auch er Humor besaß. Severus lächelte.
„Sagen wir es einmal so, wenn mir jede Geburtstagsfeier ein Lebensjahr beschert hätte, wäre Dumbledore ein Säugling gegen mich. Aber wollen wir uns nicht einmal anschauen, ob meine Wünsche auch in Erfüllung gegangen sind?"
Mit einer einladenden Geste ließ Severus Hermione den Vortritt. Das war keine reine Höflichkeit, der Slytherin wollte auf diesem Weg prüfen, ob auch seinen optischen Bedürfnissen Genüge getan war. Und richtig, als Hermione ein paar Schritte gemacht hatte, begann ein Zauber zu wirken, der der Hexe allerdings zunächst entging, da sie ihr Augenmerk ganz auf den Partyraum gerichtet hatte. „Nun, die Farbe deiner Dekoration überrascht mich nicht wirklich", meinte sie trocken, während ihre Augen über das Schachbrettmuster auf dem Boden glitten und die elegante kleine Bar ganz in den Farben schwarz und weiß gehalten betrachtete. „Gibt es überhaupt einen anderen Farbton?"
„Nein, ihr werdet an diesem Abend alle mit meinen Lieblingsfarben vorlieb nehmen müssen."
Sein Lächeln war eine Spur zu breit und so folgte sie seinem Blick, der an ihren Beinen hängen geblieben war. Ihre Blue-Jeans hatten sich in eine schwarze verwandelt, nur die Bluse behielt ihre ursprüngliche weiße Farbe.
„Es ist so, als hätte jemand einen Schalter umgelegt oder als sei man selbst Teil eines alten Schwarzweiß-Films im Fernsehen", staunte Hermione. Sie war sich allerdings nicht ganz sicher, ob Snape etwas über Fernsehen wusste. „Kannst nur du die Wünsche im Raum steuern?", fragte sie und Severus bewunderte ihre Scharfsinnigkeit. Soweit Dobby ihm den Raum erklärt hatte, passte er sich demjenigen an, der gerade einen Wunsch äußerte, und das hätte nicht den gewünschten Effekt für Severus' Pläne gehabt.
„Jawohl, Widerstand ist zwecklos! Das kann man mit einer entsprechend genauen Formulierung einstellen." Seine Mundwinkel rutschten nach oben. Jetzt grinste auch sie.
„Ich würde gern dabei sein, wenn Albus auftaucht."
„Das kann ich mir vorstellen."
„Deshalb sollte ich mich jetzt, auch wenn es mir schwer fällt, von dir verabschieden. Dann weiß ich ja jetzt, worauf ich bei meiner Abendgarderobe achten muss." Hermione wandte sich wieder zur Tür und winkte Severus noch einmal zu.
„Also bis später dann!", sprach sie und war verschwunden.
-o-o-o-
Ein wenig nervös, stand Snape eine ganze Zeit später an fast der gleichen Stelle, um seine Gäste in Empfang zu nehmen. Die ersten hatten sich bereits an die Bar begeben oder sich noch leicht verunsichert, was sie erwarten würde, an den kleinen Tischen am Rand niedergelassen.
„Narcissa, Lucius, wie schön, dass ihr es einrichten konntet, so kurzfristig zu kommen", begrüßte der Zaubertranklehrer die Malfoys freundlich lächelnd. Allmählich wurde es voller und noch immer fehlte jemand ganz bestimmtes. „Severus, meinen herzlichen Glückwunsch!" Erstaunt wegen seiner guten Laune drückte Narcissa das Geburtstagskind kurz an sich und überreichte ihm dann ein kleines Päckchen. Severus bedankte sich artig, was sie erneut die Augenbrauen nach oben ziehen ließ.
„Nettes Ambiente", stellte sie schließlich nach einer kurzen Musterung des Raumes fest. Wen muss man hier flachlegen um eine Tasse Tee und einen Schokoladenkeks zu bekommen?" Severus biss sich auf die Zunge, um nicht laut aufzulachen, als in diesem Augenblick Dobby mit einem Tablett voller Getränke auftauchte. Narcissas Wangen färbten sich rötlich, ob vor Zorn oder Verlegenheit war nicht zu erkennen. Um Lucius abzulenken, der gerade seinen Glückwunsch aussprach und offenbar noch nichts bemerkt hatte, fragte Severus: „Was macht Draco?"
Doch Lucius winkte ab. „Dem geht es gut, er ist ein Malfoy, wie könnte es da anders sein! Aber was ist mit dir los? So kenne ich dich nicht. Du wirkst so vergnügt. Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben?" Snape schüttelte den Kopf. „Nein, es war einfach Zeit für ein paar Veränderungen in meinem Leben. Aber schau da, wenn man vom Teufel spricht..." Er deutete auf die Eingangstür, durch die Dumbledore gerade, Minerva auf der einen und Hermione auf der anderen Seite eingehakt, erschienen war.
„Wenn ihr mich entschuldigt", überließ er die beiden Malfoys sich selbst und schritt auf den Schulleiter und dessen Begleitung zu. Hermiones Lächeln war eine Spur zu breit und das Funkeln in ihren Augen schien von Dumbledore auf sie übergetreten zu sein. Albus hatte sich erwartungsgemäß in ein schillerndes buntes Gewand gekleidet. Nach wenigen Schritten tat der Wunschzauber seine Wirkung. Überrascht löste Dumbledore seine Arme von den Begleiterinnen. Seine Augen wanderten an sich hinunter und wieder hoch, um schließlich an Severus' breit lächelndem Gesicht hängen zu bleiben.
„Meinen Glückwunsch, Severus!", gab er nach einer kurzen Pause von sich und Snape war sich nicht ganz sicher, ob hiermit auch tatsächlich sein Geburtstag gemeint war. Wieder wechselten kleine gut verpackte Schachteln ihren Besitzer. „Danke Albus!" Sie starrten einander an, aufmerksam den Blick des anderen festhaltend, fast wie in einem Duell.
Dann beugte der Zaubertrankmeister sich ein wenig vor und murmelte leise: „Versuchen Sie es gar nicht erst, es wird nicht funktionieren, solange Sie in diesem Raum sind. Und schließlich ist es doch mein Geburtstag. Ich bin mir sicher, dass Sie mir diesen Wunsch nicht abschlagen möchten." Dumbledore, der in seinem nun schlichten schwarzen Zauberumhang seltsam fremd wirkte, blinzelte und lächelte dann etwas gezwungen. „Das ist dir wirklich wichtig, Severus", stellte der Schulleiter fest. Er sah Snape noch einmal prüfend an und nickte dann.
Minervas Glückwünsche waren zurückhaltend vielleicht war das Misstrauen, das sie schon am Morgen nicht hatte verbergen können, noch nicht gewichen. Es fiel Severus schwer, sich auf die Unterhaltung mit ihr zu konzentrieren, da Hermione ihm verstohlen Zeichen machte, die er jedoch nicht so recht verstand. Er sah sie fragend an. Da drängte sich die junge Hexe zwischen Minerva und Snape und meinte scherzhaft: „Minerva, du kannst doch unseren Gastgeber nicht so lange in Beschlag nehmen." Sie zwinkerte ihrer ehemaligen Hauslehrerin verschwörerisch zu und zog Severus dann ein Stück mit sich.
„Noch einmal meine herzlichsten Glückwünsche, diesmal ganz offiziell", sprach sie ihm leise ins Ohr und drückte ihn wie schon am Nachmittag fest an sich. Er hielt sie ein wenig länger gedrückt, als es notwendig gewesen wäre, ohne dass es allerdings schon Aufsehen erregt hätte. Dennoch hatte er das Gefühl, Narcissas Blick im Rücken zu spüren. Doch vielleicht lag das ja auch an Dobby, der alle Geschenke an sich nahm, um auf einem Tisch in der Nähe abzustellen.
„Ich wusste, dass er es doch versuchen würde", hörte Snape Hermione gleich darauf sagen. Konnte sie ihn gemeint haben? Sicher nicht. Als Severus sie zögerlich losließ, deutete sie mit einem kurzen Kopfnicken zum Direktor, der scheinbar zufällig und betont unauffällig vor sich hin murmelnd in einer Nische stand. „Er kann wohl nicht anders und doch wird es ihm nichts nützen. Aber da, jetzt geht Malfoy auf ihn zu, das könnte interessant werden."
Severus wäre es lieber gewesen, wenn sie ihm ihre volle Aufmerksamkeit gewidmet hätte. Doch wie sollte er sie jetzt davon abbringen, die beiden Magier zu beobachten? Sein Wunsch nach Ablenkung (war der Raum auch dafür zuständig?) trat Momente später im Form von Personen, die Severus sonst eher ungern sah, in den Raum ein: Harry Potter und Ron Weasley erschienen auf der Bildfläche, gefolgt von Molly und Arthur, die beide ein wenig kurzatmig wirkten. Die roten Haare der Weasleys bildeten einen starken Kontrast zu dem sonst durchgängigen Schwarz-Weiß.
Sie steuerten direkt auf ihn und Hermione zu. „Ich habe eine Überraschung für dich", meinte der Gastgeber und drehte die Kollegin in Richtung Eingangstür. „Hermione!" Ronald Weasley lief der Freundin entgegen und schloss sie in seine Arme. Einen Moment hatte Snape das Gefühl, ihn sofort zu einem Duell fordern zu müssen und verfluchte seine Idee, die beiden eingeladen zu haben. Ob sich Hermione jetzt noch mit ihm beschäftigen würde? Aber er hatte ja jetzt ein Thema mit dem er Weasley ablenken konnte.
Severus beschloss den dreien ein paar Minuten für die Begrüßung zu gewähren. In dieser Zeit ließ er die Glückwünsche von Molly und Arthur ungeduldig über sich ergehen. Danach ging er zügigen Schrittes auf das Trio zu. Er hörte gerade noch den Satz: „Alles was ich sagen konnte war ‚Hallo!" dann brach Weasley ab. Mit Genugtuung registrierte Snape, wie der ehemalige Schüler eine straffere Haltung annahm. Potter dagegen reichte ihm lässig grinsend die Hand. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Professor!" Severus überlegte, wie er auch ihn aus der Reserve locken könnte. Das Resultat war einfach. Er lächelte und antwortete schlicht: „Danke, Harry!" Das verwirrte die neu angekommenen Gäste alle beide.
„Ronald", erwiderte Snape auf Weasleys leise vorgetragene Glückwünsche und drückte dessen Hand kräftig. „Machen Sie sich auf neue Konkurrenz gefasst, wenn im nächsten Monat das jährliche Schachturnier in der Winkelgasse stattfindet." Er grinste siegesgewiss.
„Sie wollen...," Snape nickte. „Aber ich wusste nicht, dass Sie Interesse an Schach haben." Der Gryffindor schluckte. Dann blickte er seinen ehemaligen Lehrer abschätzend an. Seine Augen verengten sich, dann entspannten sich seine Gesichtszüge und er sprach mit fester Stimme: „Dann wird sich die Teilnahme in diesem Jahr lohnen."
„In der Tat, das wird sie." Severus unterdrückte ein Stirnrunzeln. So einfach war es nicht mehr, Weasley und Potter einzuschüchtern.
Für Letzteren hatte der Zaubertränkemeister jedoch noch etwas in Petto. Etwas, das er sich einfach gönnen würde. Denn schon die ganze Zeit fragte er sich, wie der junge Mann reagieren würde, wenn Severus ihn damit konfrontierte. Leider hieß das, Hermione zunächst ihrem rothaarigen Freund zu überlassen, der die Gelegenheit ergriffen hatte und Hermione Richtung Bar entführte. So konnte Severus sich Potter schnappen und ihn ein Stück zur Seite ziehen.
„Was ich Ihnen schon lange erzählen wollte, Harry. also wie Sie vielleicht wissen, waren Ihre Mutter und ich... nun Lily..." hier machte Snape eine bedeutungsvolle Pause.
„Um es kurz zu machen. Ich bin dein Vater!"
Völliges Entsetzen blickte ihm aus den grünen Augen entgegen. Snape hielt den Blick, ein Moment verstrich, dann noch einer. Dann wich der Schrecken einem Lächeln.
„Beinahe hätten Sie mich hereingelegt. Professor. Ich habe mich in Ihnen getäuscht, ich hätte nicht gedacht, dass Sie Humor besitzen."
„Ihr Gesichtsausdruck war einfach Gold wert oder für uns Slytherins wohl eher Silber." Schon wieder lächelte der Slytherin.
„Im Übrigen scheint Ihnen nicht ganz klar zu sein, dass Ihre Mutter und ich tatsächlich Freunde waren."
Auch das brachte Harry nicht aus der Fassung, aber Snape hatte noch ein letztes Ass im Ärmel. „Ich würde gerne noch weiter mit Ihnen plaudern, aber eine gewisse junge Dame hat mein Interesse geweckt und ich möchte sie gerne zum Tanzen auffordern." Mit diesen Worten nickte Snape knapp, entfernte sich von Harry und ging mit schnellen Schritten auf Hermione zu. Aus den Augenwinkeln konnte er erkennen, wie Potter einen Moment brauchte, bis ihm klar wurde, was genau sein früherer Lehrer damit gemeint hatte. Erst als Severus Hermione erreichte, klappte der Mund des Gryffindors herunter und er starrte ungläubig auf das Paar, das sich unter die anderen Tanzenden mischte.
Jetzt wollte Severus sich voll und ganz auf Hermione konzentrieren. Sie harmonierten gut miteinander beim Tanzen. Dank der vielen Wiederholungen hatte er genügend Übung, um auf der Tanzfläche eine gute Figur zu machen. Mit Hermione zu tanzen war tatsächlich zu einem Vergnügen für ihn geworden. Severus lächelte sie an und auch sie schien sich zu amüsieren. Doch bei der nächsten Drehung wirkte sie mit einem Mal abgelenkt und wäre ihm beinahe auf die Füße getreten. Bevor er etwas sagen konnte, schaute Hermione ihn halb ernst halb lächelnd an. „Was hast du mit Harry und Ron gemacht? Die beiden schauen uns ziemlich irritiert hinterher."
„Ich habe Harry etwas über mich erzählt. Und es steht noch nicht ganz fest, ob ich mich hier wie ein Slytherin verhalten habe oder nicht." Mit dieser Antwort schickte er sie in die nächste Drehung und ließ ihr damit einen Moment Zeit. „Und, willst du es mir ebenfalls verraten oder muss ich meine Freunde danach fragen?" Sein Herz schlug schneller. So sehr er ihre Kampfnatur mochte, war es ihm jetzt zu wichtig, dass sie nicht allzu ärgerlich auf ihn wurde. „Nun, ich habe Harry mit der Wahrheit konfrontiert. Ich habe mein Interesse dir gegenüber geäußert."
„Das erklärt einiges. Interessant ist, dass keiner von beiden bis jetzt auf dich losgegangen ist. Sie meinen nämlich noch immer mich beschützen zu müssen." Hermione grinste ihn vielsagend an. „Die Frage ist jedoch, warum du es ihnen verraten hast? Willst du sie damit provozieren?"
„Nein, wobei das ein nicht zu verachtender Nebeneffekt ist." Sie knuffte ihn spielerisch in die Seite. „Ich wollte ihnen und auch dir damit zeigen, dass es mir ernst ist."
Sie sah ihn forschend an und zeigte dann ein Lächeln, das er einfach nicht einsortieren konnte. So musste dieser berühmte Maler aus der Muggelwelt von seinem Modell angelächelt worden sein. Severus wusste nicht so recht, ob er sich freuen sollte, dass sie so gelassen mit der Angelegenheit umging, ja sie regelrecht zu genießen schien. Schließlich verursachte ihm dieses 'Spiel' mehr Herzklopfen und innere Unruhe als er erwartet hätte. Dass Hermione hier vielleicht die Oberhand gewinnen könnte, dieser Gedanke machte dem Slytherin mehr zu schaffen, als er zugeben wollte.
Doch er wollte sich jetzt erst einfach dem Tanzen widmen und zog sie noch ein wenig näher zu sich heran. Was gab es besseres, wenn man eine Frau für sich gewinnen wollte, als dies in einem Tanz auszudrücken. Bestimmt, aber nicht zu aufdringlich führte er über die Tanzfläche, entfernte sich von ihr, zog sie wieder an sich, sog ihren wunderbaren Duft ein, sah sie bewundernd an und wirbelte sie herum bis sie beide schließlich deutlich schneller atmend und eng aneinander geschmiegt zur Ruhe kamen. Die letzten Töne des Liedes verklangen. Sie lösten sich nur langsam voneinander.
Doch da trat schon Arthur an ihre Seite, nickte Severus freundlich zu und bat die Hexe um den nächsten Tanz. Am liebsten hätte Severus Hermione ganz für sich allein gehabt, doch mit diesem Wunsch hatte er wohl das Potential des Raumes ausgereizt. Vielleicht war es auch der Einfluss dieses vermaledeiten Metatrons.
Es blieb Severus also nichts anderes übrig, als zuzusehen, wie Hermione nun mit Arthur das Tanzbein schwang. Dass ein paar Minuten später Remus auf ihn zuging, kurz bevor der Tanz zu Ende war und ihn in ein Gespräch verwickelte, bis Ron Hermione zu einer Polka aufgefordert hatte (diesen Tanz mochte Snape ohnehin nicht), war eine Sache, als aber noch die nächsten Male immer jemand da war, der verhinderte, dass er sich Hermione erneut nähern konnte, war definitiv kein Zufall.
Doch dies beunruhigte Snape nicht besonders, denn die Blicke, die er während dieser Zeit mit Hermione ausgetauscht hatte, ließen an ihrem Interesse keinen Zweifel, eine Sache, die ihm sonst vielleicht nicht so schnell aufgefallen wäre. Inzwischen hatte Remus sich die begehrte Tänzerin geschnappt.
Jetzt wurde es Zeit, aktiv zu werden. Es galt zu zeigen, wie unterhaltsam und nett er sein konnte – wenn er wollte. Severus ging hinüber zu einer Stelle, an der mehrere Kolleginnen standen und verbeugte sich vor Sinistra. „Aurora, darf ich bitten?"
Sie nickte ihm zu und ließ sich von ihm zum Tanzbereich führen. Eine nette kleine Konversation über die Himmelskonstellationen und die Zukunft sorgten dafür, dass die Kollegin auftaute und siehe da, so anstrengend war das Tanzen mit Sinistra gar nicht. Auch die nächsten Tänze mit Sprout, Tonks (die auf der Tanzfläche keine ihrer sonstigen Ungeschicklichkeiten zeigte) und mit Narcissa, waren zu Severus' Erstaunen angenehmer als gedacht. Nur von Rolanda und Sibyll hielt der Zaubertrankmeister sich lieber fern. Hermione allerdings ließ er durch seine Blicke immer wieder spüren, dass er sie durchaus nicht vergessen hatte.
„Severus, du bist nicht bei der Sache", meinte Minerva eine Weile später bei einem langsamen Walzer. „Ja, Minerva", erwiderte Snape zerstreut und bestätigte damit ihre Aussage in mehr als einem Sinn.
„Dein Interesse an ihr kommt ein wenig plötzlich. Ich möchte nicht, dass sie verletzt wird." „Das habe ich nicht vor." Er blickte sie ernst an.
„Du willst mich doch wohl nicht noch einmal fragen, ob diese Augen lügen können oder?" Minervas belustigter Tonfall beruhigte den Zaubertränkemeister, denn so würde sie nicht klingen, wenn sie ernsthaften Groll gegen ihn hegte.
„Ich hatte doch recht heute Morgen mit meinen Vorahnungen, nicht wahr?" Die Kollegin nickte. Sie schwiegen beide einen Moment und kamen wie durch Zufall direkt neben Hermine und Harry zum Stehen, da das Lied gerade zu Ende war. Ehe Harry und Minerva reagieren konnte, hatte Severus Hermione beim Arm gefasst und sie mit sich gezogen.
„Ihr entschuldigt uns, diesen Tanz hat Hermione mir versprochen", behauptete Snape dreist. Und schon erklangen die ersten Töne eines Tangos.
„Das kommt fast einer Entführung gleich", scherzte die Frau, die sich nicht erinnern konnte, diesen Tanz versprochen zu haben.
„Anscheinend habe ich das Haus der Löwen unterschätzt", gab Severus zögernd zu. Ihre Augenbrauen gingen fragend nach oben. „Halb Gryffindor hat sich dagegen verschworen, dass ich Zeit mit dir verbringe", erklärte er ihr daraufhin. „Potter scheint es als Herausforderung anzusehen."
„Vielleicht war die Wahrheit Harry gegenüber doch kein so geschickter Schachzug". Sie grinste ihn an, was zu diesem Tanz ganz und gar nicht passte. Als sie Wange an Wange tanzten flüsterte er leise:
„Die Sache mit der Entführung scheint eine gute Idee zu sein. Sollen die sich doch ohne uns weiter amüsieren." Hermione antwortete auf seinen fragenden Blick mit einem leichten Nicken und einem Blitzen in den Augen. Aber er wusste ja, was zu forsches Verhalten bewirken konnte.
Severus hatte sie unauffällig in den hinteren Bereich der Tanzfläche manövriert.
„Kannst du dir wünschen, dass sie nicht merken, dass wir weg sind? Vielleicht gibt es einen geheimen Ausgang." Dass er nicht selber darauf gekommen war. Er nickte und im Nu waren sie durch eine kleine Nische verschwunden und befanden sich in den unteren Ebenen des Schlosses, nicht allzu weit von seinem Quartier entfernt.
„Ich kann dich wohl nicht dazu überreden, mich noch zu begleiten, oder? Zufällig...", er machte eine bedeutungsvolle Pause und sah sie herausfordernd an, „habe ich da ein paar Bücher, die dich interessieren könnten." Sie kicherte und murmelte etwas von neuer Variation einer Briefmarkensammlung, was er nicht so ganz in Zusammenhang bringen konnte. Aber das war jetzt Nebensache, er bot ihr galant den Arm und führte sie in die Tiefen des Kerkers.
Ende des Kapitels
A/N: Zusätzlich enthält dieses Kapitel ein Zitat aus einem bekannten Gedicht.
Ach ja, ich bin schon ein wenig enttäuscht zu sehen, dass die Story gelesen und abonniert wird, aber kaum jemand sich die Zeit für ein Feedback nimmt, so ein paar Buchstaben eintippen ist doch nicht zu viel erwartet oder?
