Kapitel 9 (License to kill – Gladys Knight [James Bond])
„Wir haben einen Käufer", verkündete ich und starrte auf den Bildschirm vor mir.
„Uh, welches Synonym benutzt er denn?", fragte Carol und kam näher. Sie umarmte mich von hinten und schaute auch gespannt auf den Monitor.
„Dark Bat…hm, Ziva vielleicht? Oder Abby?", meinte ich und schaute sie an.
„Kann sein, heute Nacht werden wir es wissen", sagt sie und küsst mich ausgiebig. Ich schließe meine Augen und lasse mich von ihr aus meinem Stuhl ziehen. „Wir haben noch etwas Zeit…" flüstert sie verführerisch in mein Ohr und schleift mich ins Schlafzimmer unserer kleinen Wohnung.
Wenige Minuten später liegen wir schon ausgezogen und kuschelnd aneinander. „Was hast du eigentlich geplant, wenn die Mission vorüber ist?", fragt sie mich und streicht mir durch mein langes, schwarzes, glattes Haar.
„Ich weiß nicht…Wirst du zum MI6 zurückkehren?"
„Damit ich erneut gefeuert werden kann? Ich hab mit dem Gedanken gespielt, aber nur, um neue Informationen zu sammeln und diese zu verkaufen…"
Ich schaue dir wunderhübsche Frau gegenüber von mir an. „Was ist?", fragt sie mich, als sie merkt, dass ich mir bereits Gedanken um die Zukunft gemacht habe.
„Wenn wir herausfinden, wer den Spion beauftragt hat…ich hab überlegt, zu welcher Seite das auch immer sein mag, zu wechseln. Es muss ein Feind Amerikas sein, und dann bestimmt auch einer Englands. Wäre doch eine zu große Verführung?", sage ich und rücke näher zu ihr.
„Irgendwie hätte die sich doch denken können, dass wir erneut überlaufen, oder? Warum haben sie uns überhaupt hiermit beauftragt? Das frage ich mich schon die ganze Zeit…"
„Wir sind hier, um gegenseitig auf uns aufzupassen…aber wenn wir beide einer Meinung sind…"
„Was wir sind…", säuselt sie mir ins Ohr und krabbelt wieder auf mich. „Weißt du, ich bin es leid, mich immer von denen überwachen zu lassen. Wenn das hier vorbei ist, was hältst du davon, wenn wir uns irgendwo in Asien absetzen? Weit weg von Amerika und von Großbritannien…"
„Du scheinst dir das ja alles schon genau überlegt zu haben", sage ich und erwidere ihre Küsse.
„Und wenn?"
Ich setze mich senkrecht hin, sie sitzt auf meinen Beinen, ihre Arme um meinen Hals gelegt. „Warum sollte uns der MI6 überhaupt vertrauen?"
„Tun sie nicht. Ich hab mich in die Missionsunterlagen gehackt."
„Ich mich auch."
„Uh, du kleine Schlampe", flüstert sie und drückt mich wieder auf das Bett.
Nach zehn Minuten liegen wir wieder völlig außer Atem nebeneinander, eng ineinander verschlungen. „Wusstest du, dass ich noch nie für jemanden so empfunden habe, wie für dich?", sage ich leise und sie lächelt und streichelt meine Wange.
„Deswegen wirst du also des Mordes an deinem Ex-Freund verdächtigt…"
„Ich wollte nur herausfinden, ob es den perfekten Mord gibt…"
„Und?"
„Ich bräuchte noch ein paar Versuchsobjekte…aber du wärst dafür zu schade…" Mein Handy klingelt mit dem typischen Matrixrington und ich sitze sofort aufrecht im Bett.
„Du musst entspannter werden", meckert Carol und schließt die Augen.
Ich nehme ab und es ist unser Missionsleiter, der sagt, dass der NCIS und FBI die Übergabe der Daten überwachen werden. Ich lege auf und erkläre Carol, was ich erfahren habe.
„Da siehst du, niemand vertraut uns", sagt sie und zieht mich zu ihr.
„Warum bloß?", frage ich sarkastisch und lächele die wunderschöne Verräterin an.
„Wir sollten uns fertig machen", schlage ich vor und stehe auf, um meinen Motorradanzug zu suchen. Sie schaut mich für eine Weile seufzend an, aber sieht, dass ich Recht habe und sucht auch ihre Sachen zusammen.
McGee fühlt sich nicht gerade wohl, als er sich zwischen den Containern hindurch quetscht. Sie sind am Hafen, wo die Übergabe stattfinden soll. Außer dem Team weiß niemand darüber Bescheid und selbst die meisten anderen Teams und die Forensiker und Mediziner wurden im Dunkeln gehalten und wissen nichts vom Hinterhalt.
„Pass doch auf, Tony!"
„Tschuldigung, McMecker."
Die beiden saßen schon seit über einer Viertelstunde unbequem in ihrem Versteck, bis sie plötzlich Motorradgeräusche hören.
„Da kommen unsere Briten", murmelte Tony leise. Sie hatten eine gute Sicht und beobachten, wie die beiden von dem Motorrad absteigen und sich umsahen.
„Heiß", flüsterte Tony und McGee stößt ihm in die Rippen.
Sie trugen beide komplett schwarze Lederanzüge und nehmen ihre Helme ab. Sie warteten an der Brücke und schauten hinunter auf das Wasser. Es dauert fünf Minuten, bis das Licht von Autoscheinwerfern die beiden erleuchtet. Sie drehten sich u und warteten, bis die Person nun aus dem dunklen Auto ausstieg.
„Es ist eine Frau", erkannte Tony am Gang des schwarzen Schattens.
Die Person ging hinüber zu den beiden Frauen. Sie hielt eine Pistole in der Hand und zeigte auf sie. „Wo sind die Dokumente?", fragte die Frau im schwarzen Mantel und der Mütze, die tief ins Gesicht gezogen war. Doch die Stimme war unverwechselbar.
„Das Geld", forderte Carol und trat der Spionin näher.
Tony und McGee konnten nichts verstehen und auch nicht die Stimmen deuten. Sie wussten beide nicht, dass sie die Spionin kannten und ihr die gesamte Zeit über vertraut hatten.
Der Maulwurf hielt die Tasche hoch. „Das, was sie verlangt haben."
„Aufmachen", sagte Samantha, die Tony und McGee bisher noch nicht persönlich kennengelernt hatten. Sie hatte eine weiche Stimme und die beiden Agenten konnten ihr pechschwarzes, glattes Haar im Mondlicht glänzen sehen.
Sie hörten ein paar leise Funksprüche von Gibbs und Fornell, doch ignorierten diese und warteten gebannt darauf, irgendwie die Identität der Verräterin festzustellen.
„Wo sind die Akten?", fragte die Spionin misstrauisch.
Carolyna hielt sie hoch. „Alles, was ihr Boss haben möchte…aber ich wüsste gerne, an wer das hier bekommt?"
„Das geht sie nichts an", erklärte die Frau in ihrer typischen quietschigen amerikanischen Stimme.
„Was ist, wenn sie von der CIA sin? Wir haben ziemlich viel aufgewühlt, um hier dran zu kommen. Wir wollen sicher gehen, dass es die Akten auch außer Lande schaffen", sagte Samantha, die viel ruhiger und ausgeglichener schien, als ihre Agentenpartnerin.
Ihr Gegenüber lachte nur. „Wieso sollte ich ihnen vertrauen? Im NCIS ist die Hölle los. Alle wollen wissen, wer die Akten hat, CIA und FBI sind hinter uns her. Sie könnten genauso gut Verräter sein."
Doch Samantha ließ sich nicht beirren und trat noch einen Schritt näher. „Glaubst du nicht, dass ich dir die Waffe schneller entwenden kann, als du feuerst, Abby?", sagte sie so leise, dass niemand außer Abbs und Carol sie verstehen konnten.
Abby zögerte, als plötzlich ihr Handy klingelte. Doch Samantha war schneller und hatte es in der Hand, bevor die Forensikerin reagieren konnte. „Was zur Hölle…?" fluchte diese, doch mit einer lässigen Bewegung kickte Carolyna ihr die Waffe aus der Hand.
Sam nahm das Gespräch an und wartete ein paar Sekunden. „Uh…dealen wir Informationen nach West-Asien?", fragte sie böse lächelnd und kam näher.
„Eli hat sich mit mir in Verbindung gesetzt, nachdem Ari gestorben war. Er hat mir viel Geld geboten…was zur…?", schrie Abby, als plötzlich die Hafenlichter angingen und sie alle drei geblendet wurden.
Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte die Wissenschaftlerin Gibbs und Fornell mit einer Waffe auf sie zukommen.
„Abbigail Sciuto, ich nehme sie fest wegen Landesverrat und internationaler Spionage", schrie Agent Fornell und presste sie gegen ihr Auto.
„Wirklich, Abby?", fragte Gibbs und schaute sich seine Freundin an. Diese antwortete nicht, sondern starrte nur mit wütendem Blick zurück. „Ari hatte Kate ermordet, sie war meine beste Freundin gewesen!
Ich war total zerstört und Eli hat mich getroffen, er hat mir viel Geld geboten und ich konnte endlich Dinge selbst in die Hand nehmen! Ich will nicht immer nur dabei sitzen und DNS-Proben untersuchen, ich möchte selbst Einfluss haben!", schrie sie aus voller Kehle.
Gibbs seufzte und nickte zu einem der FBI-Agenten, der sie abführte. Tony und McGee waren mittlerweile auch angekommen.
„Wo sind unsere beiden Bond-Girls?", fragte McGee plötzlich und schaute sich um.
„Verdammt", fluchte Fornell. „Die beiden sind abgehauen. Ich wusste doch, dass man denen nicht trauen darf. Der MI6 wird das nicht so gerne hören…"
„Ihr Motorrad steht noch hier. Und sie haben die Akten hiergelassen", sagte Tony überrascht und öffnete diese.
„Verfluchte Scheiße", murmelte Ziva, die sich dazugesellt hatte. Sie alle schauten auf die leeren Blätter in der braunen Mappe.
„Sie haben nie die echten Daten genommen. Die werden sie dann jetzt wirklich verkaufen", murmelte McGee. „Aber die Frage ist, an wen…"
„Vermutlich an den Meistbietenden, oder an den Mossad, für den Abby ja auch gearbeitet hat", sagt Tony.
„Ich kann's immer noch nicht fassen. Abby, eine Spionin?", fragte Ziva erstaunt und schüttelte den Kopf.
„Aber eines ist sicher", stellte Fornell fest. „Unsere beiden MI6-Agenten werden wir so bald nicht wieder sehen…"
Wenn er sich da nicht so leicht getäuscht hätte…
