Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 5

Teil: 3/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!

Danke an die Reviewer!!

Teil III

Verlorene Zeit

Kapitel 5

Namentlicher Eintritt

Gryzabel überlegte eine ganze Weile schweigend, dann begann sie schließlich das große Drama ins Rollen zu bringen, dessen Konsequenzen sie nicht kannte. „Wenn Ihr wirklich nach Hogwarts wollt, braucht Ihr eine Vergangenheit. Eine Vergangenheit in der heutigen Zeit: Ausweise, Zeugnisse und neue Identitäten. Gute Identitäten. So ohne Alles könnt Ihr nicht in die Zaubererwelt eintreten… und ihr solltet Dumbledore einweihen, er könnte…" sprach Gryzabel und ein freudiges Glimmen hatte in ihren braunen Augen Einzug gefunden. Für sie schien es ein tolles Abenteuer zu sein.

Sie wurde allerdings von einem scharfen ‚Nein' seitens Harry unterbrochen. Draco war bei der namentlichen Nennung des Schulleiters kreidebleich geworden und schwieg aufgrund der Erinnerungen, die ihn zu überwältigen drohten. Gryzabel war von dem scharfen Ton und der angespannten Situation etwas überrascht, aber sie fing sich schnell wieder, dies würde vermutlich bei den Jungen an der Tagesordnung sein.

„Dumbledore wird garantiert nicht eingeweiht. Hogwarts ist gut. Und ich stimme Dir auch zu, dass wir Zeugnisse und sonstigen Kram brauchen. Es wäre dumm ohne Unterlagen bei Dumbledore im Büro zu stehen und keine einheitlichen Antworten auf seine Fragen zu haben. Denn er wird nicht unsere wahre Geschichte erfahren, dafür ist er zu sehr in unsere Vergangenheit involviert. Wir werden als ganz normale Schüler nach Hogwarts gehen und unsere Eltern als Teenanger kennen lernen. Es wird interessant genug!" Harrys Stimme war kühl und distanziert. Er hatte sich vollkommen im Griff und ließ keine Widerworte oder Zweifel zu.

Draco brauchte einige Augenblickte, bis er Harry böse anblitzte. „Wer hat Dich denn zum Wortführer ernannt? Oder gehört diese Arroganz zu der Grundausbildung eines Gryffindors?"

„Du schienst gerade von Deiner Vergangenheit zu überwältigt zu sein und warst offensichtlich nicht in der Lage wichtige Entscheidungen treffen zu können!" zischte Harry zurück und begegnete dem kalten Blick mit tödlicher Gelassenheit.

„Du hast ja nicht einmal gefragt, ob ich nach Hogwarts will! Natürlich gehen wir nach Hogwarts, weil Du dort wieder als König in Deinem Gryffindorturm hausen kannst. Bestimmt findest Du auch wieder ein paar Arschkriecher, die Du dann Freunde nennst!"

„Halt den RAND!" zischte Harry kalt. „Du hast keine Ahnung, was Ron und Mine für mich waren!"

„Es interessier mich auch nicht, weil DU MICH nicht interessierst! Du bist der arrogante Möchtegernheld, dem alle hinterher lechzen. Wir werden wieder das perfekte Beispiel für den Krieg zwischen Slytherin und Gryffindor bilden und Du kannst dann nach jeder Begegnung Dich in den Armen Deiner Eltern und des Mörders ausheulen! Oder willst Du lieber zurück zu Deinen anderen Verwandten, die Dich ja soo geliebt haben!"

„Vergiss bloß nicht, dass DU Mir gefolgt bist, nicht umgekehrt!" Harry stand langsam auf und blitzte Draco kalt und herablassend an. „Wie tief bist Du gesunken, Malfoy? Hast Du nicht aus Deinen Fehlern gelernt?"

„Uhhh…", jammerte Draco gespielt weinerlich, die Bemerkung von Harry ignorierend. „Die Slytherins sind ja so gemein, huuuu…"

„Du hattest Deine Wahl schon getroffen und es war die Falsche! Ich würde Dir raten, diesen Fehler nicht noch einmal zu machen!"

Harry blieb nach außen hin ungewöhnlich ruhig. Er hatte trotz seiner kalten Worte und seines eisigen Blickes nicht die Ruhe verloren. Es war ein innerer Kampf und Harry stand ruhig da „Wie werden ja sehen, wer was zum heulen hat und wer ihn trösten wird, Malfoy!" sprach Harry und trat langsam aus der Tür hinaus in den Flur. Er musste weg, sonst würde er Draco angreifen und die Konsequenz aus einem jetzigen Streit wollte Harry nicht wissen.

Denn in ihm brodelte es heftiger als jemals zuvor. Sollte Draco jemals seine Eltern direkt beleidigen, er würde die Folgen tragen müssen. Und im Moment wusste Harry nicht, wie diese Folgen aussehen würden, wenn er sich jetzt nicht sofort zur Ruhe zwingen würde. So einen inneren Sturm hatte er seit Jahren nicht mehr erlebt und der letzte Ausbruch war im dritten Schuljahr, als er Tante Marge aufgebläht hatte. Er hatte nach all den Jahren nur ein bisschen mehr Kontrolle über diesen Sturm. Mehr nicht.

Es dauerte einige Stunden, bis Harry seiner inneren Ruhe wieder vertraute und sich wieder in den Wohnraum begab. Sein inneres Gleichgewicht war wieder hergestellt, aber Harry hoffte, dass es nicht sobald wieder auf die Probe gestellt wurde.

oooooooooo

Die Schulzeugnisse waren gar kein großes Problem. Sie hatten beschlossen, dass sie bisher halt privaten Unterricht genossen hatten, wie es in vielen Zaubererfamilien noch gang und gebe war, und so wurden die Zeugnisse anhand ihrer wahren Leistungen erstellt. Gryzabel hatte da gewisse Freunde, die ihr bei diesem Unterfangen gerne zur Seite standen. Aber erstmal sollte die gesamte Lüge stehen.

Eine große Diskussion gab es allerdings, als Gryzabel vorschlug, dass Harry und Draco in das 5. Schuljahr kommen sollten und nicht ins sechste. Ihrer Meinung nach war es besser, weil sie dann nicht zu hart auf James, Lily oder Lucius treffen würden. Natürlich hatte Draco daran rumzumosern und wollte es nicht einsehen. Harry allerdings kam schnell zum Entschluss, dass es besser für sie war, denn wenigstens konnten sie so mit dem Unterrichtsstoff beginnen, welchen sie schon kannten und dies würde seinen wahren Plänen sehr dienlich sein. Und es schien ihm nicht wirklich sinnvoll mit den Rumtreibern zusammen Zaubertränke oder Verwandlung zu haben. Oder gar den gleichen Schlafraum?! Oh nein, dafür kannte er die Gryffindors dann doch zu gut.

Jetzt musste nur Draco noch überzeugt werden, aber darin sah Harry kein allzu großes Problem.

„Was glaubst Du wie es ist mit seinem eigenen Vater womöglich im gleichen Schlafraum zu schlafen? Glaubst Du, dass es gut geht, wenn wir ins Leben unserer Familien zu stark eingreifen? Außerdem vielleicht schadet es ja nicht, wenn man das fünfte Jahr wiederholt, mal sehen, was man da eigentlich lernen sollte", sprach Harry und dachte einen kurzen Moment an Umbridge und die Qualen der Wideraufstehung Voldemorts und der Ignoranz des Ministeriums. Er schüttelte sich kurz.

„Nur weil Du…", zischte Draco, „im 5. Jahr nichts gelernt hast, heißt das nicht, dass ICH dieses Jahr wiederholen will." Harry blitzte ihn wütend an, sprach aber ruhig und beherrscht: „Glaub mir Draco, ich möchte die Erlebnisse aus unserem fünften Jahr auch nicht wiederholen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das 6. Jahr Dir da so viel lieber ist. Viele der Ereignisse unserer Schulzeit sollten wenn möglich einzigartig bleiben."

Für Harry war die Sache jetzt gegessen und Draco konnte sich nicht mehr durchsetzen. Harry hatte leider Recht. Sie lebten hier in einer anderen Zeit und konnten sich nicht wirklich daran orientieren, was sie in ihrer Zeit gelernt und erlebt hatten. Und Draco wollte sich ganz bestimmt nicht im Unterricht blamieren. Das wäre eine Blamage für einen Slytherin und erst recht für einen Malfoy.

Das provozierende Grinsen von Harry passte für Draco gar nicht ins Weltbild, welches er vom Gryffindor bisher hatte. „Vielleicht tut es Dir gut, wenn Du dort anknüpfen kannst, wo Du auch noch wenigstens ein Abschlusszeugnis erhalten hast."

Die Gesichtszüge von Draco verfinsterten sich. „Als ob Du ohne Dumbledore die erste Klasse hättest abschließen können", spie Draco ihm kalt entgegen, aber Harry grinste nur weiterhin, auch wenn in ihm langsam wirkliche Wut emporstieg. „Nur durch Dumbledore hast Du es geschafft all die Jahre nach Hogwarts zu gehen. Nur durch ihn…" Dracos Stimme war schneidend geworden und mittlerweile hatten sich die Jungen von ihren Plätzen erhoben und standen sich nun direkt gegenüber. Ihre finsteren Blicke ließen sich nicht los. Die Hände wütend zu Fäusten geballt.

Harry grinste auch nicht mehr. Ihre Augen gruben sich ineinander und ein Funken würde diese Situation sofort zur Explosion bringen. Es war eine gefährliche Situation und Gryzabel fragte sich wirklich, wieso bei den beiden Jungen eine kleine Meinungsverschiedenheit immer gleich zu

„Ja, Draco Du hast Recht!" zischte Harry leise. „Aber nur deinetwegen musste Snape Dumbledore auf dem Astronomieturm töten. Sonst wäre seine Tarnung aufgeflogen und Dein Todesurteil unterzeichnet gewesen. Er starb um Dein Leben zu retten, Draco Malfoy!" Harry biss die Zähne so stark zusammen, dass sein Kiefer knackte. „Du solltest ihm dankbar sein und Dein Leben in seine Schuld stellen, aber Du bist zu arrogant um zu sehen, dass Du nur ein kleiner Bauer in diesem Schachspiel warst. Voldemort hätte Dich sofort geopfert!"

Draco war für einen Moment sprachlos. Noch nie hatte er Harry Potter so wütend erlebt und gleichzeitig so ruhig. Die Wut war in den grünen Augen sehr deutlich zu erkennen. Wieso zeigte der Gryffindor seine Wut nicht mehr in einem offensichtlichen Wutausbruch? Worauf war er überhaupt so wütend? Wie lange konnte er so beherrscht sein und seinen Gegner mit Worten so hart und präzise treffen? Ja, Draco war sprachlos, denn Harry hatte seinen wunden Punkt getroffen. Die Erinnerungen an die Zeit nach den Erlebnissen vom Turm kamen zurück und er brauchte eine ganze Weile, um sie wieder weit weg zu drängen und sich davor zu verschließen.

Als Draco sich wieder gefasst hatte und etwas erwidern wollte, war nur noch Gryzabel anwesend. Sie starrte ihn kritisch an. Er nickte nur kurz um sich seinem Schicksal der fünften Klasse zu stellen und rauschte dann wieder hinauf in sein Zimmer. Es interessierte ihn im Moment nicht, wo Harry war. Er hatte genug Probleme mit seinen eigenen Erinnerungen. Er konnte sich nicht noch Gedanken um den idiotischen Gryffindor machen.

Gryzabel blieb verwirrt allein zurück. Mit gerunzelter Stirn lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Sie hatte das Streitgespräch interessiert verfolgt, leider hatte sie am Ende nichts mehr verstehen können. Die Jungen hatten einfach zu leise gesprochen, aber sie hatte die Magie gespürt, die von beiden Jungen ausging. Sie hatte schon viele Streitereien und Auseinandersetzungen miterlebt, aber keine davon war so voller Spannung und Magie gewesen. Diese ungezügelte unterschwellige Aggression von Harry und der blanke Hass von Draco würden eines Tages zu einer explosiven Mischung werden, wenn sie keine andere Möglichkeit für ein Ventil fanden.

Nur fragte sich Gryzabel jetzt, wie zwei so verschiedene Jungs einen gemeinsamen Weg finden wollten? Würden sie bei jeder Diskussion so ein Schauspiel zeigen? Könnte es nicht auch freidlicher gehen? Eigentlich wusste Gryzabel, dass sie hätte eingreifen müssen, aber unbewusst hatte sie wohl geahnt, dass es dann nur schlimmer geworden wäre.

Sie schob ihren Stuhl zurück und stand langsam auf. Nachdenklich legte sie die Bücher und Zeitschriften wieder ins Regal, die bei der magischen Aufladung heraus gefallen waren. Sie seufzte schwer und überlegte sich jetzt die nächsten Schritte genau. Es würde ein Tanz auf dem Drahtseil werden, dessen war Gryzabel sich sehr sicher.

Sie wollte ja auch etwas mehr von Harry und Draco erfahren, aber irgendwie mussten die Jungen stillschweigend zum Entschluss gekommen sein, dass Gryzabel keine weiteren Informationen bekommen sollte. Dass dies Hauptsächlich aus jeweiligem Eigennutz ablief, konnte Gryzabel ja nicht wissen. Sie fragte sich nur, was für Menschen Harry Potter und Draco Malfoy in ihrer Welt waren. Und was sie dazu bewegt hat, diese Reise anzutreten. Es konnte doch nicht sein, dass sie nur ihre Eltern als Teenager kennen lernen wollten, dafür war Harry einfach viel zu ernst. Er ging an die Sache nicht wirklich so unbeschwert ran, wie man es eigentlich von einem jungen Erwachsenen erwarten würde, der ein wahnwitziges Abenteuer antrat. Er hat etwas vor.

Seufzend lies Gryzabel sich von ihrer kleinen Hauselfe Tanja einen heißen Tee bringen und setzte sich grübelnd in den Sessel am Fenster. Sie beobachtete die Vögel auf dem Gatter. Sie schienen sich dort wohl zu fühlen. Sie sah Harry, wie er zwischen den Gattern entlang lief und die Tiere aus sicherer Entfernung begutachtete. Er wirkte dabei so unschuldig und jung.

oooooooooo

Harry und Draco gingen sich aus dem Weg, schwiegen bei Tisch und würdigten sich keines Blickes. Wenn sie sprachen, dann nur das nötigste und mit eisiger Höflichkeit. Gryzabel kam nicht gegen diese wahnsinnige Spannung an. Es machte ihr Angst und doch hatte sie die Sicherheit, dass Draco und Harry sich nicht gegen sie stellen würden. Die Jungen respektierten sie als Gastgeberin, aber nicht als Erwachsene. Dafür handelten beide Jungen viel zu Selbstständig und Eigennützig.

Die Planungsgespräche verliefen allerdings sehr produktiv.

Zur großen Überraschung von Gryzabel.

Eigentlich hatte sie gedacht, dass die Planung der nächsten Schritte und die Erstellung der Vergangenheit ein wahrer Spießrutenlauf werden würde, aber dem war nicht so. Harry und Draco arbeiteten ruhig und sachlich. Die Spannung hatte keinen Einfluss auf die konstruktive Arbeit und Gryzabel kam zu der Überzeugung, dass es völlig normal für die Jungen war unter so einer Spannung zu arbeiten. Anders konnte sie es sich nicht erklären.

Relativ schnell hatten die Jungen eine nichts sagende und doch realistische Vergangenheit und Gryzabel würde ihre Freunde einspannen, um diese Vergangenheit wasserdicht erscheinen zu lassen. Dumbledore würde dann keine Chance haben sie auffliegen zu lassen.

Die Identitäten standen auch …

…fast. Denn es fehlten die konkreten Namen. Während Draco unbedingt seinen Drittnamen annehmen wollte, so konnte Harry darauf nicht zurückgreifen. Denn Draco hieß mit vollem Namen: Draco Lucius Dorian Malfoy; so wie es bei Reinblütigen Familien die Regel war, dass die Kinder den Namen ihrer Väter mit tragen.

Harry hätte auch gerne etwas genommen, was ihm nahe stand, aber alle Abwandlungen von Harry und James waren zu offensichtlich. Er hatte ja auch kurz überlegt, ob er nicht seinen Vornamen behalten könnte, da hat aber Gryzabel und auch Draco etwas einzuwenden gehabt. Es wäre zu gefährlich. Lieber komplett fremd, als halb vertraut. So musste Harry sich diesmal der Entscheidung grummelnd unterordnen.

Der neue Vorname für Harry war nicht mal so das Problem. Sie sammelten und entschieden sich dann für Dracos Vorschlag Adrian. Der Slytherin grinste nur siegessicher und Harry verdrehte die Augen, hatte er sich doch so eine Reaktion bei Draco bisher verkniffen.

Aber das große Problem der Nachnamen stand noch vor ihnen. Es war schon spät, aber noch immer saßen sie bei heißem Tee und Sandwiches am Tisch und tüftelten, überlegten, und sammelten. Bis in die frühen Morgenstunden waren sie am diskutieren.

Namen zu finden war nicht das große Problem, aber sie sollten auch passen und vernünftig sein. Verrückte Vorschläge hatten sie genug. Von Held und Goldjunge - Ideen von Draco - bis hin zu Mistoffeles oder Macavity.

Die letzten Ideen kamen von Gryzabel. Ihre Mutter war eine extreme Katzenliebhaberin gewesen. Ihre Vorliebe lag daher auch bei dem Musical ‚Cats', nachdem wohl auch Gryzabel ihren Namen erhalten hatte. Aber Harry schüttelte es bei dem Gedanken einen Katzennamen zu bekommen.

Erstmal sammelten sie nur. Würfelten Buchstaben und Silben durcheinander und kombinierten dadurch neue Wörter und Namen. So gegen 2.00 Uhr hatte wenigstens Draco einen fertigen Namen: Dorian Mosnay. Harry bemerkte dazu nur, dass er sich russisch anhörte, daher war ihr Herkunftsland gesichert. Zumal sie vorher schon in diese Richtung geplant hatten.

Ihr Vorteil dabei war, dass es im russischen Gebiet nicht so eine feste Zauberergemeinschaft gab, wie im Mitteleuropäischen. Die Verwaltung war nicht sehr zuverlässig und so würde es niemanden auffallen, wenn zwei unbekannte Schüler aus diesem fremden Gebiet kamen. Ihre Identität würde so viel sicherer und einfacher zu erstellen sein.

Aber wieder war Harrys Name ein Problem. Held, Goldjunge, Peck, Boteck, Peacer, Svane oder Liver waren sofort wieder ausgeschieden. Diese Namen waren ja so etwas von hässlich, unpraktisch oder auffällig, dass niemand ernsthaften Einspruch erhob, nicht mal Draco.

Wieder setzte Gryzabel Namen aus ‚Cats' in die Diskussion ein. Am Ende wurde aus den 15 möglichen Namen gelost. Um kurz vor 4 Uhr morgens gingen sie zu Bett.

Und die Jungen konnten sich nun langsam an ihre neuen Namen gewöhnen. Dorian Mosnay, eine Mischung aus Malfoy und Snape und Adrian Jericle. Mal sehen, was sie damit anfangen würden.

Mit dem Gefühl einer schnaubenden Katze in sich, schlief Harry schließlich ein.

oooooooooo

Der nächste Tag begann für die drei sehr spät. Erst um 11.30 Uhr saßen sie auf der kleinen Terrasse und frühstückten im Sonnenschein. Die Hauselfe Tanja hatte einen leckeren Brunch zusammengestellt und frischen Tee aufgebüht. Harry mochte nicht zu der kleinen Elfe sehen, denn jedes Mal sah er Hermione vor sich wie sie eine Predigt über Hauselfenrechte hielt. Und es schmerzte ihn, so an seine tote Freundin zu denken.

Draco ärgerte sich maßlos darüber, dass die kleine Hauselfe nicht bereit war die persönlichen Wünsche der Jungen zu erfüllen. Da Gryzabel überwiegend Tee trank, hatte Tanja bisher auch keinen Kaffee für die Jungen gemacht. Und Tanja nahm weder den stillen noch den laut ausgesprochenen Wunsch von Draco oder Harry nach einem frischen Kaffee an. Tanja ignorierte die Jungen und verschwand dann wieder, nachdem Gryzabel müde ihr das Zeichen dafür gab.

Gryzabels Meinung dazu war, dass die Jungen sich um ihre persönlichen Wünsche selbst sorgen sollten. Sie würde nicht die Vermittlerin zwischen den Jungen und der eigensinnigen Hauselfe sein. Bisher waren Harry und Draco auch mit Tee ausgekommen, zumal beide auch mit Tee zum Frühstück aufgewachsen waren, aber an einem Tag, wo das Koffein wirklich notwendig war, konnte Harry nicht mehr ohne.

„Gryzabel, ist denn Kaffeepulver im Haus?" fragte Harry schließlich. Er brauchte einen Kaffee sonst würde er diesen Tag nicht überstehen. Sein Schlaf war weiterhin unruhig und durchzogen von wirren Träumen, die er besser nicht analysieren wollte. Er brauchte etwas um schnell wach zu werden. Und so die Träume abschütteln zu können. Gryzabel nickte verschlafen und Harry stand umständlich auf und trottete in Richtung der Küche. „Ich darf mir doch einen Kaffee machen, oder?" fragte er noch schnell, bevor er im Haus verschwand. Wieder nickte Gryzabel, die auch noch sehr verschlafen wirkte, und mit einem leisen ‚Danke' verschwand Harry schließlich im Haus.

Er fand die Küche relativ schnell und … staunte. Es war keine altertümliche Küche, oder total chaotisch. Sie war creme weiß mit roten Akzenten. Aber etwas viel Wichtigeres fiel Harry sofort auf und er atmete erleichtert auf. Die Küche war größtenteils eine Muggelküche und die meisten Geräte funktionierten mit Elektrizität.

Harry ging zielstrebig auf die Kaffeemaschine zu. Es war eigentlich mehr eine italienische Kaffeebar, aber Harry hatte nichts gegen einen Cappuccino einzuwenden. Ein Espresso war ihm dann doch etwas zu stark.

„Was wird denn das?"

Harry drehte sich um. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass Tanja etwas abgeneigt war, aber vor ihm stand Draco. Seine Augen waren noch nicht ganz auf und er schien wirklich einen Kaffee zu brauchen. Daher war er ihm auch gefolgt und blickte sich unsicher und äußerst skeptisch in der modernen Küche mit den elektrischen Geräten um.

Harry wandte sich grinsend wieder seinem Ziel zu und mit wenigen Handgriffen hatte er die Kaffeemaschine funktionsbereit. Die Kaffeebohnen, etwas Milch, Zucker und Wasser waren schnell zusammen und die Maschine zauberte für Harry einen leckeren Cappuccino. Er dachte gar nicht daran für Draco einen mitzukochen, auch wenn es kein größerer Aufwand gewesen wäre. Sollte der Slytherin sich selbst mit den Tücken der Muggelerfindung auseinandersetzen.

Für Draco, der bisher keinen Kontakt zu Elektrizität hatte, musste es wirklich aussehen wie Zauberei. Gefährliche Zauberei?!

Harry nahm sich seinen Cappuccino und roch genüsslich daran. Schnell säuberte er die Maschine und machte Draco mit einer provozierenden Handbewegung Platz, damit der Slytherin sich seinen Kaffee machen konnte.

Aber Harry war natürlich viel zu neugierig, als dass er den Raum einfach verlassen könnte. Er setzte sich auf die Arbeitsplatte und hob die volle Tasse an seine Lippen. Provozierend genießerisch schloss er die Augen und ‚mmhte' leise.

Draco sah Harry kurz giftig an, dann stand er vor der Kaffeebar und sah sie noch feindseliger an, als Harry. Leider hatte er kaum etwas gesehen, was Harry gemacht hatte, da Harry Potter natürlich immer im Weg stehen musste.

Dieses schwarze Gerät irritierte Draco doch sehr. Was hat Harry bloß gemacht, um so einen lecker duftenden Kaffee zu bekommen?! Draco war unausgeschlafen und er wollte einen Kaffee, für logisches oder vernünftiges Denken geschweige denn Handeln blieb kein Platz. So schnauzte er drauf los. Irgendwie würde es schon klappen.

„Ich will einen Kaffe, also koch ihn…" zischte er leise.

Harry wäre fast von seinem Sitzplatz gefallen. Er musste so lachen, dass er schnell seine Tasse zur Seite stellte, damit nichts von seinem kostbaren Inhalt verschüttet wurde. Außerdem musste Harry wirklich aufpassen, dass er nicht gleich auf dem Boden lag. Das böse ‚Was?' von Draco konnte ihn beim Lachen nicht aufhalten, er hörte es gar nicht.

„Du musst die Maschine ganz lieb bitten", kicherte Harry und versuchte sich wieder etwas zu beruhigen. Er amüsierte sich königlich. Er hätte nicht gedacht, dass Draco wirklich auf diese Art an die Sache ging.

Aber als Draco auch dies gezwungener maßen machte, und keinen Erfolg erhielt, war es an Harry sich wirklich von seinem lebensgefährlichen Lachanfall zu beruhigen. Draco war stinksauer und seine Blicke waren gerade sehr tödlich. Naja, fast.

Harry war nun mal ein Gryffindor und er wollte nicht, dass Draco die Maschine beschädigte oder aus dem Fester warf, denn dies stand im Moment ganz offensichtlich im Rahmen des Möglichen. Und Harry wollte nicht gerne vor Lachen ersticken.

Harry holte tief Luft und sprang mit einem schelmischen Grinsen von seinem Sitzplatz. Er stellte sich neben Draco und legte seine Hand beschwichtigend auf dessen Schulter.

„Also Dorian…", der irritierte Blick von Draco beantwortete Harry nur mit einem fragenden Blick. „… dies ist ein Gerät der Muggel und funktioniert nicht mit Magie sondern mit Elektrizität."

Harry sprach langsam und ernst. Draco brauchte jetzt das Gefühl, dass Harry ihn nicht verarschte. Und mit Strom zu spielen war auch für einen Zauberer nicht unbedingt sinnvoll und klug.

Draco schnaubte. „Ich komme schon zurecht, Jericle", schnappte er wütend und befreite sich energisch von der Hand auf seiner Schulter.

„Das glaube ich kaum. Du hast keine Ahnung von Muggeldingen und wenn ich es dir nicht erkläre, wirst du wohl auf Kaffee den ganzen Monat verzichten müssen. Du hast die Wahl, Dorian."

Harry grinste breit, Draco saß in der Falle, wofür würde er sich entscheiden?

Draco hasste es, wenn jemand anders Recht hatte. Er wollte doch so gerne einen Kaffee. Falsch. Er brauchte so dringend einen Kaffee. Harry würde ihn immer damit aufziehen, wenn er sich einen Cappu..dingsbums machte. Aber er hätte wenigstens einen. Dies war dann auch der Moment wo Draco die Zähne zusammenbiss und Harry mit einem Kopfnicken signalisierte, dass er weiter machen dürfte.

Harry ist leider zu gutmütig und gab wirklich nur die notwendigen Anweisungen. Das breite Grinsen allerdings blieb die ganze Zeit erhalten. Nebenbei erklärte Harry auch noch wie dieses Höllengerät funktionierte. Und während der Kaffee durchlief, begann Draco sich zu wundern, was für Kräfte die Muggel doch hatten. Es wusste nur nicht, ob es ihm Angst machen sollte oder nicht.

oooooooooo

Der Tag begann nun viel friedlicher als bisher gedacht. Draco las ein Buch in der kleinen Bibliothek von Gryzabel. Typisch wäre es in Harrys Augen gewesen, wenn es ein Zaubertränkebuch gewesen wäre, aber dem war eindeutig nicht so.

Eigentlich hatte Harry sogar den Verdacht, dass es sich um einen Muggelroman handelte. Allerdings wusste Harry nicht, ob Draco sich darüber im Klaren war.

Harry verbrachte die meiste Zeit draußen. Er saß am Gatter und beobachtete die Pferde. Es waren viele unterschiedliche zu sehen. Manche waren schneeweiß und andere nachtschwarz. Aber auch braune mit weißer Mähne oder schwarzen Flanken liefen in den Gehegen rum.

Aber Harry hatte keine Ahnung von Pferden oder Pferdezucht und daher bestimmte er einfach, dass sie sehr interessant und munter wirkten. Er bewunderte deren Eleganz und Geschmeidigkeit. Zu gerne würde er auf einen der Tiere mal reiten.

„Bist Du schon mal geritten?" fragte Gryzabel neben ihm. Sie war im Begriff an dem Jungen vorbei zu gehen, um zu den Ställen zu kommen. Aber aus einem unerklärlichen Grund konnte sie sich diese Frage nicht verkneifen.

Harry blickte sie nicht an. Seine Augen verfolgten jede der Bewegungen der zwei Pferde, die am nächsten waren. „hm… die Frage ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Ich habe nie reiten gelernt. Ich saß auch noch nie auf einem Pferd." Gryzabel zog die Augenbrauen zusammen. Die Antwort war dann doch eigentlich ganz eindeutig?!

„Aber ich bin auf einem Hippogreifen geflogen und auch ein Testral war mal mein Transportmittel."

Gryzabel schluckte. Harry sah noch immer den Pferden nach, die gerade im Galopp das große Gehege nutzten. Gryzabel schüttelte den Kopf leicht. Sie hatte schon wieder ein Puzzelteil erhalten und fragte sich, in welche Ecke es denn gehören könnte. Langsam wusste sie nicht mal wie groß das Puzzle werden würde.

Eine ganze Weile blieb es still, dann sprach Gryzabel wieder. „Du kannst gerne versuchen auf einem der Tiere zu reiten. Allerdings solltest Du langsam herangehen und ihnen die Entscheidung überlassen. Und diese zwei sind nicht ganz reinrassig", grinste Gryzabel und wand sich wieder ihrem Weg zu.

Harry zog die Schultern nur etwas nach oben und grinste. Es interessierte ihn nicht. Reinrassigkeit war nichts womit man Harry beeindrucken konnte. Das sollte sie vielleicht bei Draco versuchen.

Tbc.