Hallo ihr Lieben! Dieses Mal geht es darum, wie Marcus herausfindet, was Katie eigentlich will. Vielen Dank für das Review - ich habe nicht damit gerechnet, dass hier noch jemand mitliest und deshalb das Posten eingestellt. Ich freue mich immer über Rückmeldungen aller Art. Eure Mary


9. Was Frauen wollen

Falls Marcus noch einen Absatz mehr lesen musste, würde er sich laut schreiend im Großen See ertränken. Dieser verdammte Aufsatz brachte ihn an die Grenzen seiner Geduld und Leistungsfähigkeit. Wenn dieser dämliche Geist namens Binns den Unterricht nur ein bisschen ansprechender gestalten würde, dann wären vielleicht ein paar Fakten mehr in seinem Dickschädel haften geblieben. Aber so würde er weiterhin Ewigkeiten für seine Aufsätze brauchen, auf die er eh nie mehr als ein Annehmbar bekam. Dieser verdammte Drachenmist war zum Verzweifeln. Er war einfach zu blöd für diese Kacke. Die Vorstellung, sich im See zu ertränken, wurde immer verlockender. Bloß würde er bei seinem Glück als Geist zurückkehren und so lange in Hogwarts spuken, bis er seinen Abschluss doch irgendwie erreicht hatte.

Umständlich rieb sich Marcus über das Gesicht und versuchte, sich von seinem Unglück abzulenken. Während er seinen Blick durch den Schlafsaal schweifen ließ, stellte er erstaunt fest, dass es heute sogar ungewöhnlich friedlich war. Adrian und Terrence dösten Schulter an Schulter auf Adrians Bett. Schon seit dem frühen Nachmittag hatten sie kein Gift mehr gespuckt. Miles lag am Fußende seines Bettes, wo er den Kopf auf die Hand gestützt schweigend durch die letzten Kapitel seines Arithmantik-Lehrbuchs blätterte. Der Nerd hatte anscheinend das Buch schon komplett gelesen. Wenn Marcus nur ein bisschen mehr Intelligenz geerbt hätte, würde ihm das Lernen vielleicht auch so leicht fallen. Stattdessen war und blieb er dumm wie ein verdammter Troll.

Frustriert klappte Marcus „Geschichte der Zauberei" mit einem lauten Knall zu, dann rollte er geräuschvoll seine Hausaufgaben zusammen. Das brachte doch alles nichts. Er würde sich nur wieder selbst zerfleischen und erneut einen Aufsatz versemmeln. Sein Blick fiel auf seine Laufschuhe. Sofort beschloss er, seinen Frust an der frischen Luft herauszulassen.

„Wasislos?", murmelte Adrian schlaftrunken. Er vergrub sein Gesicht an Terrence' Schulter, der sich ebenfalls verwirrt die Augen rieb. Selbst Miles blickte milde interessiert von seinem Buch auf.

Marcus, der gar nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, schaute überrumpelt in die Runde. „Ich geh' joggen", verkündete er mit finsterer Miene. „Will... einer mit?", fügte er zögernd hinzu in der Hoffnung, dass Adrian noch zu müde für Intrigen war.

Der löste sich zu Marcus' Bedauern von Terrence und hob ergeben die Hand. „Ich komme mit", verkündete er mit immer noch schläfriger Stimme. Na toll, dachte sich Marcus, wühlte aber schon im Koffer nach seiner Laufhose.

„Echt jetzt?", fragte Terrence genervt nach, während er sich ausgiebig streckte. Adrian würdigte ihn keines Blickes und Terrence seufzte auf. „Klasse", fügte er ironisch hinzu, „Dann komme ich wohl auch mit. Nicht dass dich unser Sonnenschein noch im Verbotenen Wald aussetzt."

Marcus wühlte sich mit gerunzelter Stirn durch seine Sportsachen. Da verabschiedete sich seine Entspannung. Jetzt hatte er nicht nur Adrian, sondern auch noch die andere Nervensäge an der Backe. Waren die beiden überhaupt fit genug zum Joggen? Vermutlich nicht. Und überhaupt: Was bezweckten sie mit der Aktion? Ging es immer noch um Miles? Ein Blick auf den Hüter genügte, um seine Vermutung zu bestätigen. Miles schaute wütend zwischen seinen Mitbewohnern hin und her. Marcus' schlechte Laune nahm schlagartig zu.

„Du hast doch gar kein Bock zu joggen, Schwanzlutscher", pöbelte Miles Adrian an. „Was soll der Doxymist?" Wütend warf er sein Buch beiseite und tauschte sein altes T-Shirt gegen ein Funktionsshirt aus. Oh nein, nicht der auch noch, flehte Marcus in Gedanken. Probeweise roch er an seinen eigenen Funktionsshirts, um ein halbwegs Akzeptables zu finden. Da ging der zerbrechliche Frieden dahin.

„Aber du", erwiderte Adrian höhnisch. „Hast du überhaupt noch genug Gehirnzellen, um den Rückweg zu finden?" Auf einem Bein hüpfend versuchte er, sich gleichzeitig ein Shirt und eine Sporthose anzuziehen. Marcus hoffte inständig, dass er auf den Kopf fiel und bewusstlos wurde, damit er doch noch allein joggen konnte. Natürlich erfüllte sich auch dieser Wunsch nicht. Stattdessen ging Adrian dazu über, nach geeigneten Turnschuhen zu suchen. Wenigstens fiel Terrence beim Schuhebinden um. Das passierte ihm allerdings mit einer solchen Regelmäßigkeit, dass noch nicht einmal Adrian aufsah.

„Bleibt doch hier, wenn ihr keine Lust habt", versuchte Marcus, das Unheil abzuwenden. Ein allgemeines frustriertes Aufstöhnen verriet ihm jedoch, dass ihm schon wieder irgendetwas entgangen war. Resigniert band er sich die Laufschuhe, dann machte er ein paar Dehnübungen. Inzwischen fragte er sich noch nicht einmal mehr, was die drei für ein Problem miteinander hatten. Er würde eh nicht dahinter kommen und inzwischen war es ihm auch reichlich egal. Es wäre nur schön, wenn sie ihn nicht ständig hineinziehen würden.

„Du bist zwar ein sarkastisches Arschloch, aber ich lasse dich trotzdem ganz sicher nicht mit den beiden allein", antwortete Miles schließlich. „So viel Verantwortungsgefühl habe ich dann doch noch."

Marcus runzelte die Stirn und wollte gerade erwidern, dass er ganz gut auf sich selbst aufpassen konnte, da fiel ihm auch schon Adrian mit süßlicher Stimme und unverhohlener Aggression ins Wort: „Erzähl hier nichts von Verantwortung, du kleiner mieser Heuchler. Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst."

„Fick dich, Schwuchtel!", fauchte Miles erzürnt. Mit einer drohenden Geste stand er auf.

„Fahr' zur Hölle, Wichser!", zischte Adrian böse.

„Schnauze", fuhr Terrence aufgebracht dazwischen. Abgehackt deutete er mit einer Kopfbewegung auf Marcus, der irritiert vom einen zum anderen schaute. Was genau lief hier gerade ab?

„Seid ihr endlich fertig?", durchbrach Marcus die wütende Stille schließlich düster. Resigniert öffnete er die Tür. Er wollte doch nichts weiter als joggen. Wieso hasste ihn das Universum so? Wütend stiefelte Adrian an ihm vorbei in den Gemeinschaftsraum, während sich Terrence noch schnell ein T-Shirt überzog. Auch Miles wollte gehen, doch Marcus hielt ihn zurück. „Haargummi", ordnete er mit seiner Kapitänsstimme an, als er das Chaos auf Miles' Kopf sah. Brav machte Miles kehrt, um sich einen unordentlichen Zopf zu binden. Wenige Minuten und einige böse Blicke später waren sie endlich alle zusammen draußen. Marcus warf einen letzten prüfenden Blick auf die Turmuhr, dann joggte er im gemäßigten Tempo los.

„Nicht so schnell, Käpt'n", jammerte Adrian nach noch nicht einmal zehn Minuten mit der Hand an der Seite. Das konnte doch nicht wahr sein.

Diese Anrede hatte Marcus aus Adrians Mund schon ewig nicht mehr gehört. Irritiert stellte er fest, dass keinerlei Spott darin lag. Sie musste ihm wohl aus alter Gewohnheit herausgerutscht sein. Mit gerunzelter Stirn stellte er fest, dass es sich eigentlich ganz gut anfühlte. Er war einfach ein leicht zu beeindruckendes Weichei. „Merlin...", murmelte Marcus gespielt genervt, drosselte aber sein Tempo erheblich, was Adrian mit einem dankbaren Keuchen quittierte. Wann war der Kerl das letzte Mal joggen? Im letzten Jahrtausend?! Fassungslos steuerte Marcus das Quidditch-Stadion an, um dort ein paar Bahnen zu laufen. Wenn Adrian im Stadion zusammenklappte, war er wenigstens nicht so weit vom Schloss entfernt.

Mit der vertrauten Bahn unter den Füßen und den Torringen über ihm zog Marcus das Tempo wieder ein wenig an. Im Schatten der Tribünen joggte er schweigend neben Miles Runde um Runde, während Adrian immer weiter zurückfiel. Auch Terrence, der sich immer wieder nach Adrian umsah, fing nach einer halben Stunde an zu keuchen. „Weicheier", kommentierte Marcus das Geschehen gelassen. Miles schnaubte amüsiert. Er schien trotz des Streits gute Laune zu haben, stellte Marcus verwundert fest. Die Bewegung an der frischen Luft tat anscheinend nicht nur ihm gut.

Eine Runde später öffnete sich die Tür der Hufflepuff-Umkleide. Ein gut gelaunter Cedric winkte Marcus euphorisch zu. „Darf ich mitmachen?", rief er ihnen entgegen und Marcus hob einen Daumen als Antwort.

„Ugh, Diggory", bemerkte Miles verdrossen. „Jedes Mal, wenn ich den sehe, scheint ihm die Sonne aus dem Arsch. Unfassbar." Marcus nickte zustimmend. Unbeholfen erwiderte er Miles' genervten Blick.

„Oh nein", entfuhr es Adrian zwischen zwei rasselnden Atemzügen. „Nicht der mit seiner ewigen, beschissenen guten Laune. Ich geb' auf." Unter Terrence' und Miles' Gelächter bog er zur Mitte des Felds ab, wo er sich erschöpft auf das Gras fallen ließ.

Cedric hatte derweil nichts davon mitbekommen. „Hey Marcus. Wow, wie hast du deinen ganzen Schlafsaal dazu gebracht, mit dir zu joggen?", fragte er fröhlich und trabte beschwingt neben den Slytherins her. „Das hätte ich auch gern, aber meine Puffs haben einfach zu wenig Teamgeist." Er seufzte gutmütig.

„Hmpf", machte Marcus und erwiderte Cedrics breites Grinsen mit einem möglichst zivilisierten Gesichtsausdruck. Diese Frage hatte er sich auch schon gestellt, allerdings war ihm dabei nicht so froh zumute gewesen.

„Lauft ihr schon lange?", fragte Cedric weiter, während er glücklich in die Runde lächelte. Woher nahm der Kerl nur diese verdammte Lebensfreude? Hatte der keine Probleme?

„Viel zu lange", keuchte Terrence mit einem wehmütigen Blick auf Adrian. Miles schnaubte abfällig.

„Etwas über eine halbe Stunde", berichtete Marcus unbewegt. „Ich möchte die Stunde noch vollmachen, bevor es zurückgeht." Irgendwie war es ganz nett, mit seinen Mitbewohnern etwas zu unternehmen. Es fühlte sich fast so an, als hätte er Freunde. Außerdem konnten sie sich nur schlecht streiten, wenn sie rannten. Das entspannte die Situation immens, dachte er sarkastisch.

„Eine Stunde?!", beschwerte sich Terrence bitter und bog fluchend zu Adrian ab. Stirnrunzelnd sah Marcus ihm hinterher. Genau wie Adrian wirkte er völlig untrainiert.

Cedric lachte auf. „Jetzt weiß ich, warum du die beiden aus dem Quidditch-Team geworfen hast."

Marcus nickte zustimmend, doch dann fing er Miles' erstaunten Blick auf. „Was?", fragte er argwöhnisch, als Miles nicht wegsah.

„Deswegen hast du die beiden aus dem Team geworfen?", fragte Miles fassungslos nach. Was hatte er denn auf einmal?

Marcus nickte, zuckte aber gleichzeitig mit den Schultern. „Deswegen und weil Terrence selbst im Sitzen über seine eigenen Füße fällt. Außerdem hat Adrian ständig neue Wehwehchen. Das ist doch klar", antwortete er irritiert. „Was hast du denn gedacht?"

„Glasklar, Käpt'n", antwortete Miles und starrte ihn an, als sah er ihn zum ersten Mal in seinem Leben. „Natürlich dasselbe."

Marcus verbarg seine Verunsicherung hinter einem indifferenten Gesichtsausdruck. Merkwürdig, dachte er noch, dann wandte er sich an Cedric. „Wie war das Date?", fragte er, um vom Thema abzulenken.

„Gut", erwiderte Cedric strahlend. „Ich hab's bis zur ersten Base mit Cho geschafft."

„Was ist eine Base?", fragte Marcus irritiert.

„Er hat mit Chang geknutscht", erklärte Miles, ohne Cedric eines Blickes zu würdigen. „Du hast sie echt aus dem Team geworfen, weil sie nicht genügend Leistung gebracht haben, Käpt'n?" Er schien immer noch nicht überzeugt von der Begründung zu sein. Was stimmte denn nicht damit? Irgendetwas entging ihm doch schon wieder.

Marcus seufzte frustriert. „Ja, Miles. Wirklich." Weswegen denn sonst? Sarkastischer als nötig fügte er hinzu: „Ich hab' sie wohl kaum wegen mangelnder künstlerischer Begabung rausgeworfen." Unsicher erwiderte er Miles' forschenden Blick, der zum ersten Mal seit Tagen wieder so etwas wie Zuneigung enthielt. Na hoffentlich hielt die Phase an. „Und? Hast du dich an meinen Tipp gehalten?", fragte er an Cedric gewandt in einem weiteren Versuch, das leidige Thema endlich zu beenden.

„Jap", bekannte Cedric freimütig. „Sie sagt, sie mag meine Haare und meinen Charme. Ich weiß eben, wie man die Frauen um den Finger wickelt. Meistens jedenfalls. Sie lieben mich einfach."

„Urgh", machte Miles abfällig und auch Marcus verzog unwillkürlich sein Gesicht bei so viel Kitsch. „Wie machst du das nur immer mit den Frauen, Cedric?", fragte er in Gedanken bei Katie.

„Denkst du da etwa an eine bestimmte Lady, mein Lieber?", fragte Cedric begeistert nach. Daraufhin zog Marcus das Tempo noch etwas an, aber seine Begleiter hielten problemlos Schritt. Drachenmist.

„Oh Merlin", entfuhr es Miles. „Reden wir hier von derselben wie noch vor ein paar Wochen? Das ist nicht dein Ernst. Wie bist du denn an die rangekommen?"

Marcus grummelte etwas Unverständliches. Eigentlich wollte er sein Liebesleben nicht vor den beiden breittreten. Leider brauchte er dringend einen Rat und er wusste sonst niemanden, den er fragen konnte. „Angeblich weiß ich, was sie will", gestand Marcus mit gequälter Miene. „Blöderweise hab' ich keine Ahnung, was sie meint."

Miles lachte, aber wenigstens Cedric schaute verdutzt drein. „Weiber", bekannte der Hufflepuff milde verwirrt. „Von welcher netten Slytherin-Lady reden wir denn, wenn ich fragen darf?"

„Träum' weiter, Diggory", verkündete Miles belustigt. „So einfach ist es nicht."

„Hufflepuff? Ravenclaw?", riet Cedric munter weiter. „Bitte nicht Romilda Vane."

Marcus fügte sich seinem Schicksal. „Gryffindor", grummelte er. „Aber behalte es bloß für dich. Wenn Wood das erfährt, meuchelt er mich. Was meint sie denn nun damit?"

Cedric lachte amüsiert und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Die kleine Bell also. Eine gute Wahl. Ich mag ihren Hintern." Marcus bedachte ihn mit einem finsteren Blick. Er mochte es nicht, dass Cedric Interesse an Katies Po hatte. Niemand außer ihm durfte ihren Hintern anschauen. Die Eifersucht fraß sich wie ein kleiner Wurm in seinen Magen. Marcus atmete ein paar Mal tief durch, um das unangenehme Gefühl zu verjagen.

„Hübsch ist sie ja", gestand auch Miles grinsend. „Aber wieso sie gerade auf unseren Sonnenschein abfährt, bleibt mir ein Rätsel."

Das war für Marcus allerdings auch ein Rätsel. „Nicht hilfreich", knurrte er düster. Es lag wohl kaum an seinem Aussehen oder seiner Intelligenz. Dann hätte sie sich Cedric oder Adrian ausgesucht. Die beiden waren sowohl hübscher als auch interessanter. Irgendwie konnte er immer noch nicht fassen, dass sie gerade ihn geküsst hatte.

„Sie will, dass du sie nach einem Date fragst, Käpt'n", erklärte Miles amüsiert. „Mach's am besten schnell, bevor sie es sich noch anders überlegt oder zu Verstand kommt."

„Sei nicht so gemein", tadelte Cedric Miles ungewohnt ernst. „Euer Käpt'n hat auch seine Qualitäten." Autsch, das hatte gesessen, dachte Marcus. Da konnte er doch gleich sagen, dass er nichts zu bieten hatte. „Geh' mit ihr doch am Großen See spazieren oder macht einen Schaufensterbummel in Hogsmeade", schlug Cedric unbeirrt fort. „Sie scheint nicht der Typ für Madam Puddifoot zu sein."

„Hey, ich bin ein Slytherin", rechtfertigte sich Miles grinsend. „Wir sind von Natur aus gemein. Sie sieht nicht besonders reich aus, du solltest sie nirgendwohin einladen, wo sie sich nicht revanchieren kann. Das gibt einem unabhängigen Mädchen wie Bell ein schlechtes Gefühl."

„Ja, und sei nett zu ihr", empfahl Cedric. „Sei einfach ganz du selbst. Nur weniger sarkastisch."

Miles machte sich offensichtlich über Cedric lustig. „Nett ist doch Marcus' zweiter Vorname. Was soll schon passieren?" Marcus schnaubte und knuffte Miles in die Seite. „Autsch", beschwerte sich Miles, ohne aus dem Tritt zu kommen. „Fragst du sie heute Abend? Oh bitte, ich will sehen, wie Woods Zorn über euch hereinbricht." Marcus verzog das Gesicht und zuckte mit den Schultern. Das sollte er wohl, bevor es sich Katie noch anders überlegte.

Cedric verkündete loyal: „Beim Abendessen fragt er Katie und wir beide geben ihm Rückendeckung, Bletchey."

„Das ist die mieseste Idee aller Zeiten", gestand Miles grinsend. „Ich bin auf jeden Fall dabei, wenn Marcus sich blamiert. Außerdem hat Wood schon verdammt lange keine Abreibung mehr bekommen." Kopfschüttelnd beschloss Marcus, das Joggen jetzt zu beenden, um vor dem großen Unheil noch in Ruhe duschen zu können.

Pünktlich zum Abendessen betrat Marcus frisch geduscht mit flauem Magen die Große Halle. „Das wird ein Spaß", kommentierte Miles grinsend und winkte Cedric zu, der schon bei den Hufflepuffs wartete.

„Na, bist du schon aufgeregt?", fragte Cedric gut gelaunt wie immer.

„Hmpf", machte Marcus. während sich die Übelkeit rapide steigerte.

„Ja, ist er", bestätigte Miles schadenfroh. „Er ist so aufgeregt, dass selbst ich mir vor Schreck die Haare gekämmt habe."

Cedric lachte und zog spielerisch an Miles' chaotischem Zopf. „Das ist mir sofort aufgefallen."

Miles schlug nach Cedrics Hand, doch plötzlich deutete er zur Tür. „Da kommt die Braut", spottete er und brüllte unvermittelt: „BELL, komm' mal her!"

Marcus stöhnte auf. Inzwischen dachte er darüber nach, hier und jetzt auf den Fußboden zu kotzen. „Danke, Bletchey. Das war sowohl diskret aus auch charmant", knurrte er sarkastisch.

„Gern geschehen, Käpt'n", erwiderte Miles ungerührt. „Alles für das Team. Sie kommt. Wood allerdings auch." Er grinste zufrieden.

„Was ist dein Problem, Bletchey?", fauchte Katie aufbrausend. Na klasse, dachte Marcus. Sie war bester Laune. Das waren die perfekten Voraussetzungen für eine Zusage. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Oliver und glücklicherweise gehorchten ihm die beiden dieses Mal, ohne zu murren.

„Kann ich dich kurz sprechen, Mädchen?", fragte Marcus vorsichtig, während Cedric und Miles gleichzeitig auf einen perplexen Oliver einredeten.

Ein kleines Lächeln schlich sich auf Katies Gesicht. Ohne zu überlegen, trat sie näher. „Klar. Was gibt's?" Im Hintergrund legte Cedric einen Arm um Oliver und Miles versperrte ihm breitbeinig die Sicht auf seine Jägerin. Die beiden redeten um die Wette auf den inzwischen sichtlich verzweifelten Oliver ein.

Marcus knirschte angespannt mit den Zähnen, dann machte er unkommunikativ: „Hmpf." Reiß, dich zusammen, schimpfte er in Gedanken. Zögernd versuchte es noch einmal. „Hast du Lust...", setzte er an und räusperte sich. „Geh' mit mir auf ein Date", bat er schließlich schnell. Sofort hob er hilflos die Schultern. Merlin, hoffentlich lehnte sie nicht ab, dann hätte er sich hier gerade total blamiert. Ihm war so verdammt schlecht. Unbeholfen strich er sich mit der Hand über den Nacken.

Katies Lächeln wurde breiter und sie setzte zu einer Antwort an, doch Oliver war schneller: „Arg, nein, lass mich endlich los, Diggory", fluchte er. Energisch schüttelte er den anhänglichen Cedric ab. „Nein, sie geht definitiv nicht mit dir auf ein Date, Flint!", fügte er noch hinzu. Selbst Miles schubste er kurzerhand zur Seite. „Lasst mich endlich in Ruhe, ihr Idioten! Warum seid ihr denn auf einmal so penetrant?"

„Katie...?", fragte Marcus unsicher und verschränkte die Arme. Natürlich würde sie Nein sagen. Niemand ging mit Flint, dem Troll, aus. Erst recht nicht jemand von ihrem Kaliber. Er war ein dummer, hoffnungsloser Idiot, eine reine Zeitverschwendung.

Oliver wollte nach ihrem Arm greifen, doch Katie trat ihm mit Schwung vor das Schienbein. Er stolperte einen Schritt zurück. „Ja, gerne!", antwortete sie prompt. Sie sah verdammt zufrieden aus, stellte Marcus erstaunt fest.

„Sonntag nach dem Frühstück am Haupteingang", beschloss Marcus schnell, bevor sie es sich doch noch anders überlegte.

„Oh nein, sicher nicht", rief Oliver wütend. „Bist du verrückt, Katie?!"

„Zieh' Leine, Wood", spottete Miles, „Diesen Kampf hast du soeben verloren, Hohlbirne."

„Katie!", forderte Oliver zornig, während er dem lachenden Miles einen Ellenbogen in die Rippen stieß. „Sag' ihm ab! SOFORT! Und warum hältst du eigentlich zu dem Troll, Diggory? Verräterischer Hufflepuff!" Wütend versuchte er, auch Cedric einen Schlag zu verpassen, doch der wich amüsiert aus.

„Nur über meine Leiche", antwortete Katie, ohne ihrem Käpt'n eines Blickes zu würdigen. Stattdessen stellte sie sich auf die Zehenspitzen und gab Marcus einen kleinen Kuss auf die Wange. Überrumpelt ließ Marcus es geschehen, stattdessen strich er unbeholfen mit den Fingerspitzen über ihren Arm. Die Stelle, auf die sie ihn geküsst hatte, kribbelte angenehm. Inzwischen mussten einige Schüler sie beobachten, doch seine Nähe war ihr nicht peinlich. Ein verdammt gutes Gefühl machte sich in ihm breit und verdrängte die Übelkeit. Wow, dachte er nur, was für ein Mädchen. Kein Wunder, dass Oliver sie so im Auge behielt. Sie lächelte ihn immer noch an und er erwiderte ihren Blick in der Hoffnung, nicht ganz so dämlich dreinzuschauen.

Mit nur einem einzigen eisigen Kommentar von Professor McGonagall löste sich die Versammlung schließlich auf. Gehorsam setzte sich Marcus auf seinen Stammplatz ans Tischende, während sein Blick Katie auf ihrem Weg zum Gryffindor-Tisch folgte. Cedric, der sich sichtlich freute, hob vom Hufflepuff-Tisch beide Daumen. Selbst Miles, der zum ersten Mal seit langem ihm wieder gegenüber saß, grinste zufrieden und schaufelte sich Unmengen an Kartoffelbrei auf den Teller. „Läuft", sagte er nur lässig. Marcus dagegen schwieg glücklich. Er hatte am Samstag ein Date mit der Traumfrau schlechthin. Konnte es etwas Schöneres geben?

„Hast du gerade ernsthaft Katie Bell nach einem Date gefragt?", riss ihn Adrian aus seinen Tagträumen. Ungläubig setzte er sich neben Miles, sämtliche Feindschaft vergessend.

„Hat er", antwortete Miles grinsend und betrachtete amüsiert Adrians entsetzten Gesichtsausdruck. „Erstaunt, Schwanzlutscher? Wenn du dir die Mühe machen würdest, deine Mitschüler näher kennenzulernen, dann würde dich das nicht überraschen." Adrian schenkte ihm einen giftigen Blick. Da ging der Frieden dahin. Seufzend blendete Marcus das Gezanke aus und dachte an Katies Lächeln. Er würde alles dafür tun, damit das Date ein Erfolg war.


Das war's für heute. Katies temperamentvolle Art ist der totale Kontrast zu Marcus' Unsicherheit. Gelungen? Kommentare? Im nächsten Kapitel dürft ihr euch dann auf das Date freuen. Wie immer freue ich mich über Reviews!