Nach einer viel zu langen Zeit hat mich dann doch mal die Motivation gepackt und ich konnte mich endlich mal dazu aufrappeln das neunte Kapitel anzufangen xD

Wir haben lange darüber nachgedacht, wie wir Sherlocks Vergangenheit gestalten und das Resultat habe ich versucht in dieses und in dem nächsten Kapitel einzubauen. Ich hoffe es ist akzeptabel für euch. Wenn nicht, dann sagt mir das bitte, dann können wir das nochmal besprechen.

Wie immer viel Spaß beim Lesen c:
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Langeweile.

Gelangweilt stand Sherlock hinter dem Absperrband der Polizei. Wieso musste er dahinter warten? Immerhin hatte er die Leiche gefunden. Genervt verdrehte der junge Detektiv die Augen, als er hörte wie Donovan ihn mal wieder einen Freak nannte. Er hasste diese Bezeichnung. Langsam drehte er sich zu der Polizistin um. „Was wollen Sie denn jetzt noch? Ich habe Lestrade schon alles erklärt." „Ich finde es nur sehr interessant, dass ausgerechnet Sie eine Leiche gefunden haben, die sonst niemand entdecken konnte." Kurz musterte Donovan den jungen Mann vor sich. „Manchmal denkt man fast, dass Sie die Leichen platziert haben könnten. Sie sollten sich vielleicht nicht mehr so benehmen wie ein Freak, dann würde man Ihnen auch nicht so viele Fragen stellen."

Da war es wieder. Dieses verdammte Wort. Sherlock atmete hörbar aus und sah Donovan kalt an. „Sie scheinen mit meinem Intellekt nicht klarzukommen, Sally. Nur, weil ich in der Lage bin Indizien zu erkennen und Ihren Job besser zu machen als Sie, heißt das nicht, dass ich ein Mörder bin." Ein kurzes, aber triumphierendes Lächeln überflog seine Lippen und der Detektiv wendete sich ab. Das Triumphgefühl hielt jedoch nicht lange an, da seine Kopfschmerzen von Minute zu Minute schlimmer werden zu schienen.

Ich habe den Fall freiwillig an die Polizei weitergeleitet! Was erwarten die sonst noch von mir?

Seufzend schritt er immer weiter vom Tatort weg und stand kurz danach Irene Adler gegenüber. Die junge Frau blickte Sherlock an. „Sie sind noch beeindruckender als ich es erwartet habe, Mr. Holmes. Das Rätsel war kaum den Weg hierher wert, kann das sein?" Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. „Ich habe die Leiche zwar gefunden, der Fall, Miss Adler, ist jedoch noch nicht gelöst. Der Weg hierher war keines falls ein Unnötiger."

Der junge Detektiv legte die Hände hinter dem Rücken zusammen und drehte sich wieder zum Tatort. Spurensicherung, Polizisten – alle standen sie hinter dem Absperrband und verrichteten ihre Arbeit. Ob sie dieses Mal genauso „gründlich" waren, wie beim Mal zuvor, wusste Sherlock nicht. Jedoch musste er sich nicht damit befassen, denn alles, was er gesehen und erkannt hatte, hatte er in seinem Gedächtnis gespeichert und konnte es sofort wieder abrufen, wenn er es wollte.

„Denken Sie, Scotland Yard wird Sie weiter an diesem Fall arbeiten lassen?" Er wandte sich wieder zu Irene. „Wenn Sie noch nicht mal in der Lage waren die Leichen zu finden, wie wollen sie dann den Fall ohne meine Hilfe lösen?" Anfangs dachte sie, seine Frage klänge voreingenommen, doch Sherlock hatte Recht – nur er wäre in der Lage den Fall aufzuklären.

Die junge Frau sah den Detektiv an. „Daran habe ich nicht gedacht. Ich bin gespannt, wie der Fall ausgehen wird." Kurz runzelte Sherlock die Stirn. „Eine Frage habe ich an Sie, Ms. Adler." „Und die wäre?" „Woher haben Sie von der Leiche gewusst? Der Fall wurde zwar in einigen kleinen Medien gemeldet, ein Mord wurde jedoch nicht damit in Verbindung gebracht."

Irene Adler sah Sherlock in die Augen. Sie trat einen kleinen Schritt näher. „Sie sind nicht der Einzige, der Informationsquellen besitzt, Mr. Holmes." Wieder lächelte sie den jungen Mann an. Ein kurzer Blick auf ihr Mobiltelefon verriet ihr die Uhrzeit. „Wie schade. Leider habe ich einen weiteren Termin, den ich keinesfalls versäumen möchte und kann. Ich werde mich bei Ihnen melden, Mr. Holmes." Sanft strich sie über seinen Arm und zwinkerte ihm zu. „Kommen Sie gut nach Hause." Mit diesen Worten verschwand sie vom Tatort und fürs erste aus Sherlocks Gedanken.

o.o

Lestrade stoppte den Wagen und sah neben sich. „Kann ich noch kurz mit dir reden?" Sherlock schwieg, nickte kurz und stieg aus dem Wagen. Der Detective Inspector tat es ihm gleich und folgte dem jungen Mann in die Wohnung der Baker Street. Oben angekommen blickte der ältere der beiden sich kurz um und räusperte sich. „Wie geht es dir so?" „Wenn Sie nur Smalltalk halten wollen, sind Sie hier falsch. Aber Mrs. Hudson ist dem nicht abgeneigt. Sie können runter gehen und sich mit ihr über sowas wie das Wetter unterhalten." Sherlock war gereizt und das war nicht schwer zu vernehmen. Mit einer schnellen Bewegung drehte sich der junge Mann zu Lestrade. „Kommen Sie zum Thema." Lestrade seufzte und rieb sich den Nacken. „Nun ja.. Dein Bruder hat sich gemeldet, Sherlock. Er macht sich Sorgen um dich."

Sherlock blieb mitten in einer Bewegung stehen. Sein Blick fixierte Lestrades Augen. „Wie bitte?" „Du hast mich verstanden. Mycroft hat sich bei mir gemeldet und gefragt, wie es dir geht." Das Gesicht des jungen Mannes wurde bleich. „Seit wann interessiert sich Mycroft für mein Wohlbefinden?" „Nun, das tat er schon immer. Er war für einige Zeit im Ausland und –" „Ach kommen Sie! Seit wann macht Mycroft Auslandseinsätze mit? Er hasst sie!" „Er war wirklich weg, Sherlock. Und ansonsten meldet er sich sehr oft bei mir, um sich zu erkundigen wie es dir geht." „Wenn ihm das so wichtig wäre, dann könnte er sich auch bei mir melden, aber anscheinend bin ich ihm das seit vier Jahren nicht mehr wert!" „Sherlock, ich weiß, dass du sauer bist. Aber er ist wirklich besorgt um dich."

Der Blick des jüngeren richtete sich zu Boden. „Mycroft hat sich lange aus meinem Leben rausgehalten. Sie können ihm ausrichten, dass es nicht schadet, wenn er das weiterhin macht. Im Gegenteil, ich wäre wirklich sehr erfreut." Lestrade bemerkte, dass Sherlock ihn nur Mycroft nannte und ihn nicht als seinen Bruder erwähnte, da er ihn auch nicht als solchen ansah. „Sherlock. Dein Bruder ist ein viel beschäftigter Mann. Auch wenn es nicht so rüber kommt, denkt er oft an dich. Gib ihm eine Chance." „Eine Chance?" Sherlock zischte die Worte. „Weshalb sollte ich ihm eine Chance geben? Er wird sich bei mir sowieso nicht melden. Es macht also keinen Unterschied, ob ich ihn weiterhin ablehne oder eine Chance gebe!" Seine Stimme erhob sich und er ballte die Hände zu Fäusten. „Und wieso kommt er ausgerechnet jetzt damit?"

Lestrade sah ihn eine kurze Weile an, ehe er das Wort ergriff. „Es ist bald wieder … naja… Jahrestag." Mehr brauchte er nicht zu sagen, um Sherlock zum vollkommenen Stillschweigen zu bringen. Der junge Mann schluckte schwer und blinzelte mehrmals heftig als würde er Tränen zurückhalten. Seine Stimme hatte sich wieder gesenkt und klang leicht zittrig. „Ist es schon wieder so weit?" Lestrade nickte. „Er weiß, dass diese Zeit für dich am schlimmsten ist. Deswegen wollte er auch sichergehen, dass es dir gut geht. Du weißt selbst, dass es dir nicht gut tut, wenn du zu viel darüber nachdenkst." „Ich wusste bis gerade eben nicht einmal, dass es schon wieder so weit ist." Sein Blick richtete sich wieder kurz auf den Boden, ehe er sich mit dem von Lestrade kreuzte. „Sagen Sie ihm, mir geht es blendend. Wenn er Ihnen nicht glaubt, ist das nicht mein Problem."

Der Detective Inspector musterte Sherlock. Er wusste, dass er es nicht vergessen hatte und das bereitete ihm Sorgen. „Diesmal komme ich vorbei. Ich will nicht, dass es so endet wie letztes Jahr." „Ich komme gut alleine-" Sherlock betonte das Wort sehr stark. „Klar. Das letztes Mal war.. eine Ausnahme." „Ich würde dir ja zu gerne glauben, aber wir wissen ja, wo das wieder hinführt. Du darfst dir einfach nicht mehr die Schuld dafür geben, Sherlock. Du hattest nichts mit der Sache zu tun. Und damit ich weiß, dass du das auch dieses Jahr nicht machst, werde ich vorbei kommen und dir Gesellschaft leisten." „Sie wollen wieder meinen Babysitter spielen. Ich bin 19! Ich brauche niemanden, der auf mich aufpasst!"

Lestrade schüttelte den Kopf. „Doch, das brauchst du! Vergiss nicht, dass ich dich erst kürzlich aus einer Baracke geholt habe, in der du dir einen verdammten Schuss gesetzt hast!" In Sherlocks Augen konnte der Polizist Tränen erkennen. Er wusste, dass er einen Nerv getroffen hatte und seufzte. „Ich will doch nur, dass es dir gut geht. Du gehst sonst noch an der Sache kaputt." „Vielleicht wäre das ja besser so.." murmelte sein Gegenüber und sah ihm in die Augen.

Nein, Sherlock. Nicht noch einmal!

„Sag das nicht! Es wäre nämlich nicht besser. Du musst allmählich mit all dem abschließen. Es liegt immerhin zehn Jahre zurück." „Egal wie lange es zurückliegt! Ich bin es schuld gewesen, Lestrade! Ich kann nicht einfach damit abschließen!" Sherlocks Stimme hatte wieder an Lautstärke zugenommen. „Verstehen Sie nicht? Ich bin es schuld, dass sie tot sind! Ich allein bin am Tod meiner Eltern Schuld!" Einzelne Tränen liefen das bleiche Gesicht des jungen Mannes hinab. Lestrade schluckte schwer. Er war es gewohnt, Sherlock in verschiedensten Launen und Situationen zu sehen, jedoch war es lange her, dass er Sherlock so aufgelöst gesehen hatte. „Wieso gibst du dir die Schuld daran, Sherlock? Wieso? Du warst neun Jahre alt! Wie kannst du da an ihrem Tod Schuld haben?"

Zitternd atmete Sherlock ein und flüsterte: „Ich war so dumm! Ich hätte besser auf sie hören sollen." Lestrade trat einen kleinen Schritt näher. „Du hast mir nie die ganze Geschichte erzählt, Sherlock. Du hast nie erwähnt, weshalb du dich so schuldig fühlst." Der junge Mann antwortete nicht und wendete seinen Blick ab. „Ich hab dich damals das erste Mal dort getroffen. Du warst vollkommen fertig, jedoch hast du nicht geweint. Du saßt einfach nur auf der Treppe des Krankenwagens und hast den Polizisten dabei zugeschaut, wie sie ihren Job machten. Als man mich zu dir rüber schickte, war das erste, was du wissen wolltest, der Zustand deiner Eltern. Du wusstest ganz genau, wie ihr Zustand war und was alles passiert ist, Sherlock. Wieso wolltest du das von mir wissen?"

Eine kurze Schweigepause entstand, ehe der jüngere antwortete. „Ich wollte wissen, ob Sie mir die Wahrheit sagen. Niemals hätte ich mit einem Polizisten geredet, der mich anlügt." Zwar war seine Stimme kaum lauter als ein Flüstern, jedoch konnte Lestrade alles verstehen. „Und wieso hast du mir dann nie die ganze Geschichte erzählt, wo ich dich doch nicht angelogen habe?" Sherlocks Blick war weiterhin zu Boden gerichtet. „Ich.. Ich konnte es nicht." Wieder bahnten sich Tränen aus seinen Augen ihren Weg über seine Wangen und tropften sein Kinn hinab. „Kannst du es denn jetzt?" Der junge Mann hob den Kopf und blickte dem Polizisten ins die Augen. „Kannst du es mir jetzt erzählen, Sherlock?". Sherlock öffnete kurz den Mund, als würde er etwas sagen wollen, schloss ihn aber wieder, als er das Klingeln von Lestrades Telefon hörte.

Dieser atmete seufzend aus und ging ran. ,,Okay, ich bin gleich da.'', beendete er das kurze Gespräch und sah zu Sherlock. ,,Du wirst es mir nachher bitte noch erzählen. Aber zuerst müssen wir los." ,,Wieso, was ist passiert?" ,,Unser Mörder mit der Klinge hat wieder zugeschlagen."