25. Kapitel
Die anderen im Saal verstanden nicht ganz, was sich vor ihren Augen abgespielt hatte.
Harry saß versteinert auf der Zuschauerbank. Er wollte Rache doch nicht so. Wenn er geahnt hätte, wie verrückt und gefährlich Peter wirklich war, hätte er das ganze nie eingefädelt.
Nie hätte er damit gerechnet, dass Peter, Claire nochmals angreifen würde. Nie!
Liz saß etwas weiter hinten und sah zu ihrem Ex Ehemann. Sie hatte geahnt dass es Heute zu einer Katastrophe kommen würde. Doch nicht mit diesem Ende.
"Tja Harry wer Wind sät, erntet Sturm" dachte sie bitter.
Meg, Becky, Jodi und Terry standen hinter der Holzabsperrung, wo Claire gesessen hatte.
"Sagt mal hab ich das Richtig verstanden? Alex ist nun doch der Vater?" fragte Terry etwas trottelig.
Jodi warf ihm einen vernichtenden Blick zu, während Meg ihrem Freund sachte auf den Arm tätschelte. "Schon gut Terry, ich erklär es dir später" sagte sie sanft zu ihm und zu sich selbst "und wer erklärt es mir mit bitte schön?"
Für Becky war das ganze zu hoch. Zuerst war Alex der Vater, dann hieß es Peter sei es und nun ist doch Alex der Vater. Was soll der ganze Stress?
"Gut das die Mutter immer feststeht" murmelte sie leise. Doch nicht leise genug, Jodi hatte sie gehört. Und nun kassierte Becky, den gleichen Blick wie zuvor Terry.
Nick legte vorsichtig die Hand auf Alexs Schulter. "Hey komm, lass uns fahren. Ich denke den Rest klären wir ohne Zuschauer" forderte er Alex auf.
Wie ferngesteuert machte Alex was Nick von ihm gefordert hatte.
Er stand auf und alle gingen hinaus ohne ein Wort zu sagen.
Auf dem Parkplatz holte Harry seine Söhne ein.
"Alex, ich wusste nicht dass er so weit gehen würde" versuchte er sich zu entschuldigen.
"Harry, es ist mir so was von scheißegal, was du wusstest oder nicht. Fakt ist, dass deinetwegen Claire durch die Hölle ging. Doch was ich ihr angetan habe, dagegen ist dein Scheiß gar nichts. Du wolltest sie verletzen. Aber ich habe es getan" sagte er traurig zu seinem Vater. Betroffen sah dieser ihn an.
Alex stieg ein und Nick fuhr los. Beide sagten die ganze Fahrt über kein Wort.
Tess hatte ziemliche Mühe gehabt Claire einzuholen und erst als Charlotte anfing zu weinen, blieb Claire stehen.
Sie ging langsam auf ihre Schwester zu. Vorsichtig streichelte sie ihrer Tochter das Gesicht.
"Sie hat die Augen von meiner Mutter und meinen Mund..."
Ihre Augen füllten sich mit Tränen und ganz langsam liefen ihr diese übers das Gesicht. Sie blickte hoch und sah Tess in die Augen. "...und die Nase ihres Vaters" wiederholte sie Alex Worte von gestern Abend.
Er hatte es zwar im Scherz gesagt, doch Heute wurde es zur Wahrheit.
Alex war Charlottes Vater! Damit konnte sie nicht fertig werden, dass war einfach zu viel.
"Tess, ich kann heute nicht dahin zurück, nach Drovers".
Tess verstand. "Wir suchen uns für heute Nacht ein Hotel. Charlotte hat genug zum Wechseln dabei und wir werden uns arrangieren. Ok?" Claire sah sie dankbar an und nahm ihr Charlotte ab.
Tess hatte mal wieder ihr Organisationstalent unter Beweis gestellt. Sie hatte für sie drei eine kleine Pension in Fisher gefunden die Perfekt war. Sie und Claire teilten sich ein großes Zimmer und in einem kleinen Nebenzimmer konnte Charlotte schlafen.
Die Wirtin hatte sogar ein paar Kleider für sie Zwei gefunden zum Wechseln.
Charlotte schlief in ihrem Bettchen. Tess und Claire saßen auf dem großen Bett. Claire hatte regelrechte Weinkrämpfe gehabt. Sie war noch nicht in der Lage, Tess die ganze Geschichte zu erzählen. Sobald sie nur davon anfangen wollte, überkamen sie ihre Gefühle und sie konnte Tess nichts erklären.
Tess wusste nicht mehr weiter. Sie hatte Claire noch nie so erlebt. Nicht einmal als sie die Wahrheit über Peter erfahren hatte.
Claire war damals ähnlich zusammen gebrochen, dass Peter verheiratet war und zwei Töchter hatte, war für sie zuviel gewesen. Tess hatte sich große Sorgen um ihre Schwester gemacht. Doch Claire hatte sich aufgerafft und es überwunden.
Das was aber jetzt geschah, war anders. Damals war Claire noch die Alte gewesen und Alex hatte sie immer auf Trab gehalten.
Nun war Claire weicher und sensibler geworden und Alex konnte diesmal nicht helfen. Irgendwie war er der Auslöser für ihren Zusammenbruch.
Tess hatte noch nicht alle Puzzelteile zusammen, doch das Bild das sich daraus ergab, verwirrte sie noch mehr.
Alex war Charlottes Vater, das war eine Tatsache, doch wie war das nur möglich?
"Claire... nun ist aber Schluss! Hör auf zu weinen!" befahl sie im strengen Ton. "Ich will endlich wissen was los ist! Wenn du nicht damit raus kommst, drehst du komplett durch, sprich mit mir!"
Claire blickte sie erstaunt an, noch nie hatte Tess so mir ihr gesprochen. Und es wirkte! Sie wischte sich ihre Tränen weg und straffte die Schultern.
"Erinnerst du dich noch an meine Träume?" fragte sie mit brüchiger Stimme.
Tess nickte.
"Dieser Mann ist Alex. Er und ich... Da war dieser Abend, einige Wochen nach Peter, er hatte gehört das Alex und ich nun Partner sind und er drohte mir. Ich hatte Probleme mit Brave J zu springen. Ich war blockiert, Alex wollte mich ablenken und kam spät vorbei. Mit dem Bier von Ihm und Nick..." mit monotoner Stimme, berichtete sie ihr, von dieser Nacht.
"Claire willst du damit sagen das er dich bedrängt hat... hat er dich ...gezwungen?" fragte Tess schockiert.
"Nein, oh Gott nein! So war das nicht. Mir hat es ja gefallen... ich hab ihn ermutigt...ich wollte es." gab sie kleinlaut zu.
Tess sah sie belustigt an. "Ach ja? Und wo genau ist nun das Problem?"
"Ich! Ich bin das Problem. Ich hab mit meinem besten Freund geschlafen. Und wir haben nun eine Tochter. Nichts wird so wie früher. Verstest du?" fauchte sie Tess an.
"Willst du denn, dass es wie früher wird?" fragte Tess unbeeindruckt.
"Die Frage stellt sich nicht, es ist vorbei. Hör zu, ich bin Müde, ich möchte noch etwas schlafen, bevor Charlotte wieder wach wird."
Claire lege sich demonstrativ hin und schloss die Augen.
Claire hatte einen Entschluss gefasst und den wollte sie Tess nicht mitteilen.
Tess sah nachdenklich auf Claires Rücken. Irgendwas hatte sich verändert doch sie wusste nicht was und das beunruhigte sie.
Einige Stunden später weckte Claire Tess.
"Hey. Ich geh mit Charlotte etwas spazieren, sie ist so quengelig und ihr wird die Nachluft gut tun. Vielleicht beruhigt sie sich dadurch. Schlaf weiter, in einer Stunde bin ich sicher zurück, ok.?"
"Ok. Viel spaß" murmelte Tess im Halbschlaf.
Sie sah nicht, wie Claire alle Sachen von BoM einpackte und sie sah auch, nicht wie Claire einen Brief auf den Tisch legte.
Claire kannte den Weg den sie fuhr, sehr gut.
In sicherer Entfernung hielt sie, den in Fishers gemieteten Wagen, an. Charlotte lag sicher in ihrem Babysitz und schlief friedlich. Sie stieg aus und beobachtete das Haus. Es lag im Dunkeln und nichts war zu hören.
Claires Augen brannten und eine Träne löste sich.
"Leb wohl Alex" flüsterte in Richtung Haus.
Sie stieg ins Auto und fuhr weiter.
Claire hatte das gemacht, was niemand von ihr erwartet hätte.
Sie lief weg!
TBC
