Sorely Engraved
Kapitel 9
"Ich habe nie behauptet, dass ich mich festlegen oder binden kann, Hermine."
Energisch warf sie ihre Locken zurück und setzte sich vor ihm auf seinen Schreibtisch ohne seine mahnenden Blicke weiter zu beachten.
"Nein, hast du nicht. Das stimmt. Aber jedes Mal, wenn es um deine Gefühle geht, blockst du ab. Warum ist das so? Ich habe zugegeben, wie ich dazu stehe. Du hingegen nicht."
Snape seufzte tief. Er wirkte alles andere als entspannt, was nicht nur daran lag, dass sie einen Stapel Aufsätze unter ihrem Po begraben hatte.
"Ich bin nicht blöd, Severus. Irgendwas stimmt da nicht. Kein Mann schottet sich so von der Außenwelt ab, wie du das tust, wenn es nicht triftige Gründe dafür gibt. Ich denke lange nicht, dass Voldemort der einzige Grund dafür ist."
"Denk darüber, was du willst. Es hat nichts mit uns zu tun."
Wunderbar. Genau das hatte sie erwartet.
"Siehst du?", fragte sie wild mit den Armen gestikulierend. "Das ist das, was ich meine. Es ist nicht fair von dir, so zuzumachen, wenn ich bereit bin, mich dir zu öffnen."
"Und es ist nicht richtig von dir, das von mir zu verlangen. Tu nicht so, als hätte ich dich schlecht behandelt, Hermine. Du weißt, dass das nicht so einfach für mich ist. Oder denkst du wirklich, nur weil wir miteinander schlafen, kann ich dir bereitwillig alles über mein Leben erzählen?"
"Warum nicht? Ich würde dasselbe für dich tun."
"Das ist bei deiner Lebenserfahrung auch kein Kunststück", murmelte er unwirsch.
Entrüstet funkelte sie ihn an. Er aber verzog nur das Gesicht.
"Wenn du nichts dagegen hast, würde ich jetzt gern mit meiner Arbeit weitermachen. Ich muss das, worauf du so achtlos Platz genommen hast, bis morgen fertig haben."
Hermine beugte sich zu ihm vor und legte den Kopf schief.
"Ich weiß nicht, ob mir das gefällt, Severus."
"Dann musst du lernen, damit zu leben. Ich musste es schließlich auch."
Vollkommen unerwartet umfasste er ihre Hüften und zog sie zu sich hinab auf seinen Schoß. Niedergeschmettert lehnte sie den Kopf an seine Stirn. Sie wollte nicht mit ihm streiten. Um nichts in der Welt wollte sie das, was sie mit ihm hatte, gegen etwas anderes eintauschen.
"Es ist nichts, worauf ich stolz bin, Hermine", sagte er mit belegter Stimme, was unmissverständlich zeigte, wie schwer es für ihn war, geduldig mit ihrer schier unberechenbaren Neugier zu verfahren.
"Das habe ich mir schon gedacht."
"Dann hör auf, mich damit zu quälen."
"Das möchte ich doch gar nicht. Ich will nur, dass wir uns näherkommen. Und dazu zählt nun einmal gegenseitige Offenheit."
"Trotzdem wird es immer Dinge geben, die du nicht wissen solltest. Sie haben mit dir nichts zu tun."
"Gerade das macht mir Angst", sagte sie verhalten. "Ich habe nicht zum ersten Mal sehr zu meiner Überraschung gespürt, wie neidisch ich auf dich reagiere. Dabei ist mir klar geworden, wie viel du mir bedeutest. Du bist mir unheimlich wichtig, Severus. Deshalb möchte ich nichts vor dir zurückhalten."
"Das rechne ich dir hoch an, glaub mir. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ich so ohne Weiteres dasselbe tun und mein ganzes Leben vor dir offenbaren kann."
"Du könntest es wenigstens versuchen. Erinnerst du dich an die Frage, die du mir gestellt hast? Ich bin nicht bereit gewesen, dir eine Antwort zu geben. Aber ich habe es versucht."
Er schüttelte den Kopf.
"Mit einem fatalen Ergebnis, wie wir festgestellt haben. Es war nicht richtig von mir, dich bei der Findung deiner Berufswahl zu bedrängen."
Hermine lächelte. "Es war gut so. Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich kein Auror werden sollte."
Snape schloss die Augen. Er wollte nicht, dass sie sehen konnte, wie eine Welle der Schuld ihn erfasste. Er hatte kein Recht dazu, ihr Vorschriften darüber zu machen, was sie einmal aus sich machen wollte. Die Zukunft, die ihnen bevorstand, sollte Draco seine Aufgabe vollbringen und das neue Regime in Hogwarts einziehen, war so ungewiss, dass er selbst nicht sagen konnte, wie es weitergehen würde. Dennoch war die Vorstellung, sich irgendwie gemeinsam mit ihr durch die bevorstehenden Monate zu schummeln, zu verlockend gewesen, um untätig dabei zuzusehen, wie sie ihren Weg ging.
"Wie gesagt, es war falsch von mir", murmelte er abwesend. "Du musst dein Leben leben, wie du es für richtig hältst. Du darfst nicht mich dabei berücksichtigen."
"Aber dafür ist es längst zu spät, Severus", sagte sie freizügig. "Ich weiß zwar nicht, was ich mal werden will, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du dabei eine große Rolle spielen wirst."
Er machte die Augen auf und blinzelte sie an. Ihr junges, strahlendes Gesicht wirkte surreal in der dunklen Umgebung seines Büros. Noch dazu, wo sie keine Ahnung hatte, was sie erwartete.
"Ich -"
Er stockte. Es kam selten vor, dass er derart um Worte verlegen war. Es war ein beschämendes Gefühl, zu erleben, wie sie sich Hoffnungen auf etwas machte, was nie sein würde.
"Ich muss noch arbeiten, Hermine", sagte er tonlos. "Besser, du gehst jetzt."
Sie seufzte. Ahnungslos drückte sie ihm einen Kuss auf die Nase und kletterte von seinem Schoß.
"Bis dann, Severus. Wenn mir was Neues vorschwebt, sag ich dir Bescheid. Oh, da fällt mir ein, ich könnte ja vielleicht sogar unterrichten ..."
"Hermine -"
"Ich weiß, ich weiß. War nur so ein Gedanke. Ich sollte besser noch mal in die Bibliothek. Es kann nicht schaden, den Ratgeber zur Berufsberatung zurate zu ziehen. Wer weiß, womöglich habe ich ja was übersehen."
Voller Energie und Eifer wirbelte sie davon.
Die Tür fiel krachend hinter ihr ins Schloss. Snape stützte den Kopf auf die Hände und stöhnte auf. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sie dazu zu bringen, sich so auf ihre Zukunft zu fixieren? Er wusste ja selbst nicht, was er tun sollte. Draco hatte kaum Fortschritte gemacht und ließ ihn nicht mehr an sich heran, seit die Angelegenheit mit der Prophezeiung danebengegangen war. Der Dunkle Lord hingegen wurde langsam ungeduldig. Er erwartete Dinge von dem Jungen, die dieser niemals vollenden konnte. Albus glaubte ohnehin nicht daran, dass Draco jemals dazu imstande sein würde, den Auftrag auszuführen. Der Schulleiter war in letzter Zeit so häufig auf Reisen, dass es an ein Wunder grenzte, dass noch niemandem aufgefallen war, was es mit ihm auf sich hatte. Und jetzt das. Er wusste, dass es falsch war, was er getan hatte. Er hätte sich niemals dazu hinreißen lassen dürfen, sich mit ihr einzulassen. Sie vertraute ihm, doch das war nicht gut für sie. Er war nicht die Art Mensch, der man vertrauen sollte. Er traute sich selbst kaum.
Am Ende eines langen und arbeitsreichen Tages schloss er seine Bürotür hinter sich ab und durchquerte tief in seine Gedanken versunken das Schloss. Er konnte keine Rücksicht darauf nehmen, wenn sie heute Abend zu ihm wollte. Die Gelegenheiten, ungestört mit Albus zu sprechen, waren rar geworden. Außerdem war es unter den gegebenen Umständen besser, ihn bei Laune zu halten. Dumbledore konnte es förmlich riechen, wenn etwas nicht stimmte.
Beim steinernen Wasserspeier angelangt murmelte er das Passwort und stieg die Wendeltreppe empor. Das Büro des Schulleiters hatte sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Doch bald war es unausweichlich, Veränderungen einzuführen.
"Setz dich, mein Junge", sagte Dumbledore milde und wies mit offen ausgestrecktem Arm auf den freien Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Snape nickte wortlos und tat, wie ihm geheißen. Dass es ihm nicht behagte, hier zu sein, verstand sich von selbst. Obwohl er sich eingestehen musste, dass die Gesellschaft seines langjährigen Mentors ihm fehlen würde, wenn die Sache erst einmal vollbracht war.
"Du wirkst verändert, Severus. Angespannt."
Snape zuckte kaum merklich zusammen, als er das hörte. So viel zu den Veränderungen.
"Ist das etwas Neues?", fragte er süffisant.
Dumbledore lächelte. Ihm gebührte der Respekt vieler Kritiker und Zweifler. Snape aber war ein ganz besonderer Fall. Er war einer der wenigen Menschen, die es sich erlauben durften, so mit ihm zu reden. Abgesehen von Harry, der zugegebenermaßen sein Herz erwärmt hatte, konnte niemand sonst ungestraft so etwas tun.
"Lebendig", setzte er ungerührt nach.
Snape straffte seine Haltung. Er verabscheute dieses stichelnde Verhalten an ihm.
"Nicht jeder kann es sich leisten, einen Fehler zu machen und andere dafür bezahlen zu lassen. In den meisten Fällen ist man selbst derjenige, der dafür zur Verantwortung gezogen wird."
"Das war nicht das, was ich damit andeuten wollte", sagte Dumbledore sanft. "Obwohl ich zugeben muss, dass es sehr töricht von mir war, den Ring an meinen Finger zu stecken. Ich war schwach, Severus. Ich konnte nicht widerstehen. Verstehst du das?"
Snape verstand nur zu gut, was es hieß, sich zu etwas verführen zu lassen, was man eigentlich nicht wollte, war aber nicht gewillt, darauf einzugehen. Die jüngsten Versuchungen in seinem Leben waren mindestens ebenso verstörend wie die Versprechungen, die ihm einst der Dunkle Lord gemacht hatte, um ihn auf seine Seite zu ziehen.
"Nun, kommen wir zurück zu dir. Ich fragte mich lediglich ..."
"Was?", spuckte Snape ungeduldig. Es war nicht zu übersehen, dass er keine Lust auf Spielchen hatte.
"Gibt es einen speziellen Grund, der dafür sorgt, dass deine Gedanken so darauf konzentriert sind, mir auszuweichen? Eine Frau vielleicht?"
Eine dunkle Furche tauchte zwischen Snapes Brauen auf.
"Ich kenne meinen Platz. Was auch immer also in Ihrem außerordentlich klugen Kopf vorgehen mag, ich bin sicher, es ist nicht Ihre Sache, sich darum zu kümmern, worauf ich mich konzentriere."
Dumbledore setzte sich auf.
„Ist es nicht?", fragte er mit sichtlicher Verwunderung, sein Gegenüber unablässig über den Rand seiner Brille hinweg betrachtend. „Du scheinst zu vergessen, mit wem du es hier und jetzt zu tun hast, Severus. Für einen Mann, der in der dunkelsten Stunde seines Lebens zu mir kam, weil er einen gewichtigen Fehler gemacht hat, klingst du heute sehr gereizt. Es kann also nur einen Grund geben, der dafür verantwortlich ist, dass du im Begriff bist, dich zu verändern."
Sie sahen einander scharf an. Es war so still, dass das leise Rascheln des Phönix zu hören war, der abseits der beiden sein Gefieder putzte.
„Wie gesagt", begann Snape ruhig, „ich kenne meinen Platz. Aber ich verstehe ebenso gut, wenn ich nur benutzt werde."
„Was für eine Ironie, Severus. Du weißt, dass ich niemandem sonst die Aufgabe, die vor uns liegt, zutrauen würde."
„Und was kostet es Sie? Was haben Sie dabei zu verlieren, Albus? Es wird meine Seele sein, die darunter zu leiden hat."
Er nahm die Hände hoch und fuhr sich damit durch die Haare. Dumbledore ließ ihn dabei nicht eine Sekunde aus den Augen und Snape ahnte bereits, dass das Gespräch von nun an in eine völlig andere Richtung gehen würde.
„Ich denke nicht, dass ich mich irre", bemerkte Dumbledore mit gewichtiger Miene. „Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Nur vormachen lasse ich mir nichts. Da bist du bei mir an der falschen Adresse."
Snape senkte den Blick. Die Abmachung, die sie vor so vielen Jahren miteinander getroffen hatten, band ihn unausweichlich an seinen Vorgesetzten. Mit Dumbledore war nicht gut Kirschen essen, wenn es um gewisse Dinge ging.
„Das weiß ich", sagte er matt. Es kostete ihn all seine Kraft, seinen Unmut zu zügeln.
„Gut. Dann erzähl mir davon."
Starr vor Schreck sah er wieder auf.
„Das können Sie nicht von mir verlangen, Albus. Alles. Aber nicht das."
„Besser, du lässt es in meiner Obhut, denn in der eines anderen."
Es fühlte sich an wie ein stechender Schmerz, als er nach einem Ausweg suchte und keinen finden konnte. Er hatte niemals vorgehabt, überhaupt irgendjemandem davon zu erzählen. Schon gar nicht ihm. Diese Demütigung hatte er bereits einmal erdulden müssen und sich geschworen, es nie wieder soweit kommen zu lassen.
„Wie sieht sie aus?"
Er schluckte schwer.
„Als ich sie zum ersten Mal bewusst betrachtete, war sie unschuldig und rein."
Es klang absurd, als er sich so reden hörte. Aber es stimmte wenigstens.
„Dann kanntest du sie schon länger?"
„Sozusagen."
Dumbledores Gesicht verhärtete sich.
„Du hast ihr doch nichts angetan", sagte er anklagend.
Snape schüttelte wortlos den Kopf. Wenn er auch nicht gerade behaupten konnte, dass er es ihr leicht gemacht hatte, war er doch zumindest sicher, dass sie sich im gegenseitigen Einverständnis aufeinander zubewegt hatten.
„Warum ist es dir dann so unangenehm, darüber zu reden?"
„Weil ich nicht glaube, dass irgendjemand sonst Ihnen dazu Rede und Antwort stehen müsste, Schulleiter."
„Das ist richtig."
Snape kniff zutiefst verletzt die Augen zusammen. Ihm war, als hätte Dumbledore ihm ein Messer in die Brust gerammt. Er wusste nicht, was mehr wehtat. Die Tatsache, dass er als Todesser gezwungen war, falls nötig ebensolche Dinge zu tun, oder der Umstand, dass Albus genau das von ihm dachte und erwartete.
„Also? Wozu dann die Fragen?"
„Es gibt auch niemanden sonst in meinem Kollegium, der in deiner Lage steckt", entgegnete Dumbledore ausweichend. „Sieh mich an, Severus. Ich möchte nur sichergehen, dass du auch wirklich weißt, was du tust."
„Bei allem nötigen Respekt, Schulleiter. Ist es nicht an mir, selbst darüber zu urteilen?"
„Das hängt ganz davon ab, woher du sie kennst."
„Das geht jetzt wirklich zu weit, Albus."
„Warum zögerst du?"
„Weil ich nicht weiter darüber reden möchte."
„Dann nehme ich an, sie ist aus Hogwarts? Und sie ist bedeutend jünger, wenn ich mich nicht furchtbar täusche. Es sei denn, du hast eine Schwäche für Minerva, was ich mir bei eurer Beziehung nicht gerade vorstellen kann."
„Lassen Sie die Scherze. Ich habe genug -"
„Sie hat Talent. Begabungen wie du selbst, sonst hätte sie wohl kaum dein Interesse geweckt."
Ungläubig verkrampfte Snape unter der Tischplatte seine Hände. Was diese Angelegenheit mit seiner Arbeit in Betracht auf den Dunklen Lord zu tun haben sollte, blieb dahingestellt. Einzig und alleine wegen seiner Beziehung zu einer Schülerin könnte er in Schwierigkeiten geraten.
„Sie müssen mir glauben, dass es nicht beabsichtigt war", sagte er und es klang weitaus flehentlicher als er es beabsichtigt hatte.
„Wie alt ist sie?"
„Siebzehn."
„Also volljährig."
Er nickte knapp.
„Und wie genau soll ich mir euer Techtelmechtel vorstellen? Hat es schon begonnen, bevor sie volljährig war?"
„Nein. Es fing erst in den letzten Ferien an."
„Grundgütiger. Und ich dachte immer, du hältst nichts auf die Feiertage."
„Sie war plötzlich da, Albus", erklärte er abwehrend. „So, als wären wir uns noch nie zuvor begegnet. Sie hat mich vor dem Haus gefunden und sich um mich gekümmert. Ich konnte nicht – ich konnte es nicht aufhalten."
Dumbledore starrte ihn unliebsam an. „Miss Granger?"
„Lassen Sie diesen vorwurfsvollen Ton! Es war nicht meine Idee, die Ferien im Grimmauldplatz zu verbringen. Sie haben mich in ihre Arme getrieben! Sie allein!"
„Aber sie ist doch noch fast ein Kind ..."
„Sie ist kein Kind mehr."
Er sagte es so hart, dass Dumbledore einen Moment zögerte, ehe er antwortete.
„Interessant. Dann warst nicht du es, der sich über Tonks und Remus ausgelassen hat?"
„Das ist nicht dasselbe!"
„Da hast du Recht. Nymphadora ist wenigstens ein paar Jahre älter."
Snape rollte die Mundwinkel zurück und entblößte seine unregelmäßigen gelblichen Zähne.
„Das reicht! Wollen Sie mir das Wenige, was ich in meinem Leben habe, auch noch nehmen?"
„Nein. Ich will dir nur die Augen öffnen und dich auf den rechten Weg zurückführen. Das ist der falsche Moment, um eine Beziehung zu jemandem aufzubauen."
Er nahm die Hände hoch und rückte seine Brille gerade. Snape knurrte nur.
„Ich hätte mir all die Jahre so etwas für dich gewünscht", setzte Dumbledore nach. „Du warst immerzu so verschlossen, dass ich nie wusste, was es mit deinem Privatleben auf sich hat -"
„Privatleben? Seit wann habe ich ein Privatleben? Sie selbst haben all die Jahre dafür gesorgt ..."
„Du weißt genau, was ich meine. Aber als du mir deinen Patronus gezeigt hast, war mir plötzlich klar, dass du sie nie losgelassen hast. Wir beide wissen allein, wie sehr dich ihr Tod getroffen hat, Severus!"
„Und jetzt? Jetzt wollen Sie, dass ich es beende. Ist das richtig?"
Dumbledore holte tief Luft.
„Ich will nur, dass du keinen Fehler machst, der Harrys Weg beeinträchtigen könnte. Er wird seine Freunde brauchen, bei dem, was vor ihm liegt. Kannst du dir auch nur im Entferntesten vorstellen, was geschehen wird, wenn er sie nicht bei sich hat? Die Auswirkungen wären fatal."
„Wirklich?", zischte Snape gehässig. Er hatte es satt, sich das Gerede um Potter anzuhören. Immerzu musste der Junge im Mittelpunkt stehen. Genau wie sein Vater. „Erhellen Sie mich mit Ihrem Wissen und Ihrer Weisheit, aber ich wüsste nicht, was das mit mir zu tun haben soll."
„Gerade du solltest es wissen. Wir können es uns nicht leisten, ein Risiko einzugehen. Ich kann nicht auf deine Dienste verzichten. Du hingegen bist daran gebunden, sie zu vollenden. Eure Wege werden sich trennen. Es ist unausweichlich."
Die Wahrheit traf ihn wie ein weiterer Schlag. Er hatte sich geweigert, daran zu denken, wo er nur konnte. Die Augen weit aufgerissen, das Gesicht fahl wie Asche starrte er Dumbledore an. Es war zwecklos, etwas dagegen einzuwenden. Die Frage war nur, wie er es ihr beibringen sollte.
