Kapitel 9
Das Kreischen des Greifvogels schien noch immer durch Severus' Körper zu vibrieren, während er Black heftig atmend gegenüber stand. Der schrille Ton hatte seine Zellen zum Schwingen gebracht, eine fremde Art des Lebens in seinen Körper gebracht. Seit seinem überzeugten Beitritt bei den Todessern hatte er sich nicht mehr so lebendig gefühlt. War er nicht mehr so frei gewesen.
Zwar hatte sein Körper nun wieder das Aussehen eines Menschen, doch die Rationalität, mit der er sich sonst auszeichnete, war noch nicht zurückgekehrt. Sein Verstand befand sich unter der Kontrolle der niedersten tierischen Instinkte, bei denen er den einen nicht vom anderen unterscheiden konnte. Hass vermischte sich mit Lust und Wut mit Hunger. Und alle diese Instinkte konzentrierten sich auf ein einziges Ziel: Sirius Black.
Ein intensives Zittern erfasste Severus, als sich auf dem Gesicht des anderen Mannes ein dreckiges Grinsen abzeichnete. Als die rot glänzende Zunge zwischen den dünnen Lippen hervorschnellte und sie flüchtig befeuchtete. Als der breite Brustkorb sich unter einem tiefen Atemzug hob und das zerschlissene Hemd sich über den Brustwarzen spannte.
Der Tränkemeister knurrte, wie ein Vogel es niemals tun könnte. Die Arme noch immer ein Stück von seinem Körper entfernt, duckte er sich kaum merklich, als würde er zum Sprung ansetzen. Und Sirius Black erwartete es.
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Je länger Snape einfach da stand in seiner drohenden Pose und den Nachhall seiner ersten Verwandlung durch seinen Körper pulsieren ließ, desto schneller wurde Sirius' Herzschlag. Die Haare auf seinen Armen stellten sich auf, eine Gänsehaut nach der anderen lief über seinen Körper so wie das Adrenalin durch seine Adern. Snape war momentan absolut unberechenbar. Es kostete einige Zeit, ehe man sich nach dem ersten Mal wieder unter Kontrolle hatte.
Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er sich an Squirrels Eskapaden erinnerte. Der verrückte Bursche hatte stundenlang alles angenagt, was ihm in die Finger gekommen war. Hatte Steine und Besteck vergraben und später nicht mehr gewusst wo.
Nun, Snape würde weniger witzige Dinge tun, so viel stand fest. Aber das musste ja nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Seine Gedanken wurden vom Scheppern des Biests am Schutzwall unterbrochen.
„Komm schon, Schniefelus", murmelte der dürre Mann leise. „Komm her."
Das reichte, um ihn endlich aus seiner abwartenden Haltung zu locken. Mit großen Schritten durchquerte Snape die Höhle, beachtete die Flammen nicht, die aufgrund der Magie, die er absonderte, unter ihm aufloderten, als er über die Feuerstelle trat und kam direkt auf Sirius zu.
Dieser musste sich schon etwas dazu zwingen, nicht zurückzuweichen. Der Anblick des Tränkemeisters war grauenhaft. Die Augen schwarz in den tief liegenden Höhlen. Der Mund kaum mehr als eine weiße, schmale Linie. Die strähnigen Haare bedeckten einen Großteil des blassen Gesichts. Und die Art, wie er seine Arme hielt, drückte nichts als Gefahr aus.
Doch Sirius hatte es schon immer geliebt, mit der Gefahr und dem Feuer zu spielen. Und als Severus dicht genug gekommen war, konnte er auch letzteres in seinen Augen lodern sehen.
Bevor er die Chance hatte, Snape noch weiter zu reizen – nicht dass es nötig gewesen wäre, doch er konnte dem selten widerstehen – hatte dieser ihn grob an den Schultern gepackt und drehte ihn herum, so dass Sirius mit dem Rücken zu ihm stand.
„Du wirst es noch bereuen", sagte Snape dicht an Sirius' Ohr. So dicht, dass der warme Atem über seine Wange strich.
Dabei umfasste er Sirius an der Hüfte und riss das dünne Hemd nach oben, bis er es ihm über den Kopf ausziehen konnte. Achtlos warf er es beiseite und Sirius hoffte sehr, dass es nicht im Feuer gelandet war. Das war immerhin sein einziges Hemd.
Diesen Gedanken konnte er allerdings nicht lange festhalten. Snape Hände – dürr und kalt – strichen über seine Brust nach unten, bis er den Bund der ausgeblichenen, ehemals blauen Jeans gefunden hatte. Es brauchte nur einen schnellen Handgriff, um die Knöpfe zu öffnen.
Sirius hielt seinen Erzfeind nicht auf, während er die Jeans und die Boxershorts, die er darunter trug, an den Beinen hinab nach unten zerrte. Die vom lang anhaltenden Regen kühle Luft richtete seine Haare erneut auf. Und nicht nur die. Wobei das eher weniger mit der Kälte zu tun hatte, als vielmehr mit dem Mann, der sich gegen Sirius' Rücken, gegen seinen Hintern presste und diese ganzen kleinen Laute von sich gab. Das Knurren und Keuchen und Gurgeln und Stöhnen.
Dann stieß Snape plötzlich mit seinen Knien in Sirius' Kniebeuge, so dass seine Beine einknickten als wären es Streichhölzer. Unsanft landete er auf dem Boden und die Wucht, die hinter Snapes Tun steckte, sorgte dafür, dass er nach vorne fiel und sich hart auf seinen Händen abstützen musste.
Ein kehliges Lachen grollte durch Sirius' Brust, als ihm bewusst wurde, dass er Snape nun seinen Allerwertesten entgegen streckte. „Genug gespielt, Schniefelus?", fragte er und drehte seinen Kopf, bis er über seine Schulter blicken konnte.
„Ich spiele nie", erwiderte der Tränkemeister. Dabei öffnete er seine eigene Hose und Sirius konnte einen Blick auf den Ständer des anderen erhaschen.
Es war lange her, dass ein Anblick dieser Art ihn so unvermittelt erwischt hatte. So sehr, dass er zu taumeln glaubte, obwohl er fest auf dem Boden hockte. So sehr, dass sein Herzschlag blechern in seinen Ohren widerhallte. So sehr, dass seine Arme zu zittern begannen.
Er schaffte es erst, seine Aufmerksamkeit von Snapes Körpermitte loszureißen, als dieser sich hinter ihn kniete und seine großen, aber leider eiskalten Hände auf seinen Hintern legte. Sirius keuchte überrascht auf, während seine Augen groß wurden. „Heilige Scheiße!", wisperte er kaum vernehmlich und gab dem Zittern seiner Arme nach. Anstatt nur mit den Handflächen, stützte er sich mit dem ganzen Unterarm auf dem sandigen Boden ab. Das machte es ihm zwar unmöglich, Snape ein weiteres Mal anzusehen, doch es erlaubte ihm, sich mehr auf das alles einzulassen.
Snape stellte etwas mit seinem Hintern an, das man kaum mehr als Massage bezeichnen konnte. Brutal war es und schmerzhaft, aber nicht so sehr, dass Sirius sich beschwert hätte. Und hin und wieder berührte etwas Feuchtes seine Beine, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite.
Irgendwann schloss er die Augen und lehnte seine Stirn auf seine Hände. Snape schob seine Knie auseinander, wobei sich einige der kleinen Steinchen auf dem Boden in seine Haut bohrten. Sirius' Becken rutschte ein Stück nach unten und seine Eichel machte eine unangenehme, da kalte und vor allem raue Bekanntschaft mit dem Stein unter ihm.
„Und, gefällt dir das noch immer, Black?", erklang Snapes Stimme hinter ihm, beinahe ein Schnurren.
„Zur Hölle, ja!", stieß Sirius aus, obwohl die Muskeln in seinen Beinen protestierten und die Hose, die noch immer um seine Knöchel gewickelt war, die ganze Position äußerst unbequem gestaltete.
Snape lachte hohl auf. „Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du nicht mehr alle Tassen im Schrank hast?"
„Dito!", feixte Sirius. Bereute es jedoch ein bisschen, als Snape ohne Vorwarnung einen Finger in seinen Hintern schob. Der Animagus stöhnte heiser auf und rutschte noch ein Stück weiter mit seinen Knien auseinander. Sein Ständer schabte schmerzhaft über den Boden, sandte jedoch einige Momente später einen Schauer der Erregung durch seine Lenden.
„Was sagtest du, Flohkiste?"
Sirius lachte kurz auf. Das Spiel also. „Ich sagte dito, elendes Federvieh!"
Ein zweiter Finger gesellte sich zum ersten und Sirius glaubte zu spüren, wie die feine Haut an seinem Anus einriss. Das Ganze würde sich wesentlich angenehmer gestalten, wenn Snape sich vorher die Nägel geschnitten hätte. Er gab ein unverständliches Wimmern von sich.
„Wie bitte?" Snape beugte sich nach vorne, lehnte sich auf Sirius' Hintern und presste seine Beine auf schmerzhafte Art noch weiter auseinander.
Nun war es an Sirius, ein grollendes Knurren von sich zu geben. „Benutz – deinen – elenden – Zauberstab – Mistkerl!"
Snape lachte schallend, während er sich wieder aufrichtete. „Welchen?"
Sirius gab einen ungläubigen Laut von sich. „Oh, ich bitte dich, Schniefelus! Das Wortspiel ist mindestens so alt wie du!"
„Denk dran, dass wir im selben Jahrgang sind, Black." Dennoch zog Snape seine Finger zurück und das Rascheln des groben Stoffes, aus dem der schwarze Umhang des Tränkemeisters gefertigt war, ließ Sirius wissen, dass er zumindest ein kleines bisschen Vernunft zurückerlangt hatte.
Kurz darauf verschwand das Brennen, ein Zeichen dafür, dass Snape einen Heilzauber benutzt hatte. Im Tosen des Biests, das schon seit Snapes Rückverwandlung vor der Barriere lauerte, bekam Sirius nicht mit, was er noch anstellte. Doch als das nächste Mal ein kalter Finger über seinen Anus strich, fühlte es sich besser an. Viel besser sogar.
Da eine Verständigung nach dieser neuerlichen Anwendung von Magie kaum mehr möglich war, fuhr Snape mit dem fort, was er zuvor schon getan hatte. Er dehnte Sirius mit seinen Fingern, bis dieser sich einigermaßen entspannt hatte. Und als Snape dann wirklich in ihn eindrang, konnte er den süßen Schmerz, den dies immer mit sich brachte, auch als solchen genießen.
Sirius riss den Mund auf und gab bei jedem Stoß des anderen einen dunklen Laut von sich, der in der kleinen Höhle, die er mit seinem Oberkörper bildete, lauter widerhallte, als es normalerweise der Fall gewesen wäre. Und es wurde noch lauter, als Snape ihn anders anfasste und so in eine Position brachte, in der er diesen bestimmten Punkt in Sirius' Innerem fand. Jedes Mal, wenn Snape sich wieder in ihn presste, stieß er dagegen. Und jedes Mal rieb Sirius' Eichel über den sandigen Boden.
Irgendwann konnte er das nicht mehr ertragen und griff mit einer Hand nach seiner Erektion. Die Lusttropfen, die aus der Spitze quollen, ermöglichten es ihm, sie gut reiben zu können. Bald hatte er sich an Snapes Rhythmus angepasst und trieb immer weiter auf seinen Höhepunkt zu. Seine Wahrnehmung schrumpfte zusammen, bis Geräusche, Bilder und Empfindungen seines Körpers zu einer einzigen Masse wurden. Immer stärker pulsierte sie, immer heftiger wurden die Schauer der Erregung, bis es irgendwann zu viel wurde.
Sirius' Stöhnen ging beinahe gänzlich im Tosen des Biests unter, während er sich – so weit es möglich war – zurücklehnte und Snape so noch tiefer in sich aufnahm. Das warme Sperma lief ihm über die Finger und seine schweißnasse Stirn rutschte von seiner Hand. Die körnige Struktur des Sandes presste sich in seine Haut.
Kurz darauf bohrten sich Snapes Finger in seine Hüften. Der Tränkemeister zog den am Boden knienden Mann dichter an seinen Körper und in einer kurzen Atempause des Biests konnte Sirius das gutturale Stöhnen hören, das Snape in diesem Zustand der absoluten Anspannung von sich gab.
Und dann war es vorbei. Snape glitt aus Sirius' Hintern und wich zurück, woraufhin der Animagus in sich zusammensank und einfach auf dem kalten Boden liegen blieb. Durch ein paar Strähnen seiner wilden Haare konnte er sehen, wie Snape mit entblößtem Unterkörper auf seine Füße zurücksank, den Kopf in den Nacken legte und tief atmete.
Einen Moment lang überlegte Sirius, ob er etwas sagen sollte. Es wäre typisch für ihn gewesen, genau das zu tun. Doch andererseits lag er nackt vor Snape auf dem Boden. Er war wirklich nicht in der richtigen Lage, den Unmut des anderen ein weiteres Mal auf sich zu ziehen.
Wobei… wenn es wieder so endete…
Nein. Er war fertig für heute Nacht. Seine Knie standen eine weitere Runde dieser Art auf keinen Fall durch. Von seinem Schwanz ganz zu schweigen. Nun, da die Ekstase langsam verschwand, spürte er das Brennen seiner Eichel auf äußerst unangenehme Art.
Nach ein paar Minuten zog Snape erneut seinen Zauberstab hervor und sprach einen Reinigungszauber über sich. Und als er den Blick zu Sirius hob, auch über ihn. Ein seichtes Prickeln wanderte über dessen Kehrseite.
Dann kämpfte Snape sich auf die Beine (und es war wirklich ein Kampf) und richtete seine Kleidung. „Steh auf, Black", knurrte er leise, doch er klang nicht wirklich wütend oder angewidert. Allerdings schenkte er Sirius auch keine weitere Beachtung, sondern ging zu dem noch nicht gänzlich beendeten Zaubertrank hinüber.
Das wiederum erinnerte Sirius an die eigentlich dringenderen Probleme. An Squirrel und dass sie es gerade getrieben hatten, während dieser im Delirium oder so ähnlich lag. Diese Erkenntnis mobilisierte genug Kraft, damit er sich endlich aufsetzen und wieder anziehen konnte.
Einige Minuten später trat er hinter Snape und schaute über die Schulter des Tränkemeisters in den hölzernen Kessel. Der Trank hatte momentan eine hübsche blaue Färbung. „Brauchst du Hilfe?"
Der andere schüttelte den Kopf. „Ich komm zurecht. Geh schlafen, damit du nachher Sitzwache halten kannst." Wiederum sah er ihn nicht an.
Dennoch nickte Sirius und tat, was Snape ihm gesagt hatte. Diese Nacht einigermaßen einvernehmlich zu beenden, war vermutlich mehr, als er erwarten konnte. Denn früher oder später würde Snape es bereuen.
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Er konnte es nicht bereuen.
Severus verzog das Gesicht, während er in dem Trank rührte und wartete, dass er ein letztes Mal seine Farbe änderte.
Er hatte die Kontrolle über seine Instinkte schon zurückerlangt, bevor er Black auf den Boden gestoßen hatte. Und dennoch konnte er nicht bereuen, dass er nicht aufgehört hatte. Dafür war es zu gut gewesen.
Diese Erkenntnis ließ ein kaum hörbares Grollen durch seinen Brustkorb schwingen. 'Zu gut' in Bezug auf Sirius Black war einfach mehr, als er in einer Nacht wie dieser ertragen konnte. Und gleichzeitig wäre es Schwachsinn gewesen, es vor sich selbst zu leugnen.
Er konnte nur hoffen, dass Weasleys Delirium beständig genug gewesen war, damit er nicht Zeuge dieser… Akrobatik geworden war.
In diesem Moment trat endlich der letzte Farbumschwung ein. Von blau zu rot. Severus löschte das Feuer unter dem Kessel und legte den Löffel zur Seite. Stöhnen stand er auf und ging zu dem Regal hinüber, auf dem die Becher standen. Bei Slytherin, er wurde allmählich wirklich zu alt für solche Eskapaden. Seine Knie schmerzten, sein Rücken war steif und die Muskeln in seinen Beinen würden spätestens morgen früh zu zetern beginnen.
Und dennoch konnte er es nicht bereuen. Es hatte sich gelohnt. Verdammt!
Severus füllte den Becher mit dem Trank und schwenkte ihn, bis die Temperatur soweit gesunken war, dass man ihn trinken konnte. Für eine Nacht hatten sie das Biest lange genug gereizt, er scheute davor zurück, mehr Magie als nötig anzuwenden.
Was allerdings nichts daran änderte, dass Weasley sich nicht durch Rütteln und Drohen wecken lassen wollte. Knurrend zog Severus seinen Zauberstab hervor und sprach einen vorsichtigen Rennervate. Das Biest reagierte so prompt, dass er sicher war, dass es in der Nähe geblieben war.
Doch auch Weasley rührte sich, stöhnte leise und verzog das Gesicht. „Was… wo… autsch…", murmelte er mit schwacher Stimme.
„Ja, das trifft es ziemlich gut", erwiderte Severus.
„Was ist passiert?"
„Sie waren dumm genug, einen hirnlosen Plan zu verfolgen, der Sie das Leben gekostet hätte, wenn…" Severus stockte. „Sie waren einfach so dumm wie immer, das ist passiert", schloss er scharf.
Doch Weasley schien ihm nicht einmal zugehört zu haben: „Mir ist ja so übel."
„Kommen Sie nicht auf die Idee, sich schon wieder vor meinen Augen zu übergeben. Das ist ein Bild, das ich nicht noch einmal sehen möchte."
Einige Momente blieben beide still, dann konnte Severus den Rotschopf im fahlen Mondlicht, das vom Höhleneingang herübersickerte, nicken sehen. „Geht schon."
Daraufhin hielt Severus den Becher mit dem Trank so, dass Weasley ihn sehen konnte. „Sie müssen den Trank einnehmen." Severus schob seine freie Hand in den Nacken seines ehemaligen Schülers und half ihm so, sich ausreichend aufzurichten, um sich nicht an dem Trank zu verschlucken.
Es dauerte einige Minuten, bis Weasley den Becher geleert hatte, und danach ging seine Atmung so schwer und offensichtlich um Ruhe bemüht, dass Severus befürchtete, die Übelkeit würde doch noch die Oberhand gewinnen.
„Wollen Sie sich aufsetzen, Weasley?", fragte er deswegen und zog eine Augenbraue in die Stirn.
Der Rotschopf hielt die Luft an, presste die Lippen fest aufeinander und rülpste schließlich leise. Verlegen wandte er den Blick ab und murmelte: „Nein, es geht."
„Gut. Dann ruhen Sie sich aus. Der Trank braucht ein paar Stunden, ehe er seine volle Wirkung entfaltet. Morgen früh sollte es Ihnen besser gehen." Severus wollte aufstehen, um den restlichen Trank in die inzwischen geleerten Phiolen zu füllen.
Doch Weasley hielt ihn zurück. „Weiß Sirius, was ich…"
Severus schüttelte den Kopf. „Ich hab ihm gesagt, Sie hätten eine Wunde am Bein gehabt."
Ein erleichtertes Aufatmen erklang, kurz darauf ein leises Schnarchen von der anderen Seite der Höhle. Black war erstaunlich still diese Nacht.
„Danke, Sir." Weasley zog seine Hand zurück.
Und Severus schnaubte. „Damit ist Ihnen kaum geholfen, Weasley. Sie haben sich eine miese Version des Dunklen Mals auf den Arm gestochen! Sie können von Glück sagen, wenn Sie das wieder weg kriegen!" Severus' Stimme hatte an Schärfe zugenommen. „Was für Farbe haben Sie überhaupt benutzt?"
„Baumharz", war die klägliche Antwort.
Und Severus schnaubte ein weiteres Mal. „Ihre Dummheit durchbricht wirklich sämtliche von der Natur gesetzten Grenzen, Weasley! Dass die natürliche Selektion bisher an Ihnen vorübergegangen ist, wundert mich ernsthaft!"
„Wenigstens tue ich mehr, als mich auf mein Bett zu setzen und die Augen vor allem zu verschließen, Sir!", giftete Weasley und richtete sich halb auf. Was er jedoch augenblicklich bereute. Mit einem kläglichen Stöhnen sank er zurück und wischte sich über den Mund und die Stirn, bis die vermutlich aufsteigende Übelkeit sich wieder gelegt hatte.
„Mit Aktionen dieser Art helfen Sie uns nicht, sondern schmeißen uns um Tage zurück! Also sprechen Sie Ihre Pläne das nächste mal mit Black ab, bevor Sie sie durchführen!", knurrte Severus verärgert.
Weasley antwortete mit einem unverständlichen Gemurmel und verfiel dann in Schweigen. Noch bevor Severus sämtliche ihm zur Verfügung stehende Phiolen, was sich auf drei Stück beschränkte, befüllt hatte, war er wieder eingeschlafen und lieferte sich ein Duett mit Black. Abwechselnd schnarchten die beiden, blieben dabei allerdings stets im Takt. Severus setzte sich nach getaner Arbeit an das neu entzündete Lagerfeuer und beobachtete die kleinen Rauchbällchen, die über den Boden aus der Höhle taperten und sich dort auflösten.
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Im Morgengrauen schrak Severus aus seinem blicklosen Starren, als eine dünne Hand ihn an der Schulter berührte. Er hob den Blick schräg nach oben und blinzelte in das blasse Gesicht Blacks. Ausnahmsweise stand einmal weder ein spöttischer, noch ein aufgekratzter Ausdruck darauf.
„Geh schlafen, Schniefelus", sagte er leise.
Severus knurrte unwillig. „Hör auf, mich so zu nennen, Black."
Der Mann mit den wirren, lockigen Haaren verzog das Gesicht, während er sich mit knackenden Knien vor das kleine Feuer setzte. „Ein anderes Mal. Nun geh schon!"
Doch der Tränkemeister schüttelte den Kopf. „Wir müssen sehen, dass wir hier weg kommen. Weasley wird nachher zumindest halbwegs zurechnungsfähig sein. Wenn er es dann schon schafft, sich zu verwandeln, ist es besser, wenn ich den Schlüssel für den Vorhang habe."
Black sah ihn ungläubig an. „Du willst jetzt den Schlüssel holen gehen?"
„Wann sonst?", schnappte Severus.
„Zum Beispiel wenn wir dich begleiten können! Du weißt doch noch nicht mal, wo du von hier aus hin musst."
„Dann beschreib mir den Weg. Ob du es glaubst oder nicht, ich habe einen ausgezeichneten Orientierungssinn, Black."
„Jaah, das hab ich bemerkt." Black griente, Severus verdrehte die Augen. „Es ist trotzdem zu gefährlich. Du bist noch nicht alleine unterwegs gewesen."
Severus schnaubte. „Hast du etwa Angst um mich?", fragte er süßlich. Black rümpfte die Nase, sagte aber nichts. „Bei Merlins Unterhosen", stöhnte Severus daraufhin. „Ich könnte auf die Idee kommen, deinen Verstand zu manipulieren, wenn du jetzt anfängst, dich wie ein verdammtes Weib aufzuführen!"
Black sah ihn mit leerem Gesichtsausdruck an. „Du bist unsere einzige Chance, hier weg zu kommen, mehr wollte ich nicht sagen, Snape." Dann verzog sich sein Mund doch zu einem Grinsen. Einem äußerst unverschämten Grinsen. Einem Grinsen, das Severus' Hände zucken ließ und diese Reaktion auf Black tat wirklich gut.
„Ich kann auf mich aufpassen. Und nun sag mir endlich, wo ich hin muss, bevor ich dir doch noch ein paar Zähne ausschlage!"
