Hallo, Ihr Lieben, da bin ich wieder. Tut mir leid, dass das Update sich um über eine Woche verzögert hat, aber ich lag mit der Erkältung des Jahrhunderts flach ---knitter--- und bin immer noch nicht wieder ganz auf dem Damm, daher seht es mir nach, wenn es ausnahmsweise keine ausführlichen Reviewantworten gibt. Ich hoffe natürlich, dass dieses Chap euch für die Wartezeit entschädigt und freue mich schon auf eure Reviews!
Ein ganz lieber DANKES-Knuddel für die Reviews geht an: Leni4888, etuop, Night of Shadows, blub, none, Baba
Little Whisper für ihre Geduld als meine Beta.
Macht weiter so!!! BITTE!!! Es ist sooooooooooooooo schön eure Meinung zu den Dingen zu lesen, die ich mir zurechtspinne! ---Knutsch euch alle--- Also, genug gequatscht, dann wollen wir mal anfangen ---lach - klingt eher nach Arbeit, als nach Vergnügen, oder??---
Vorab zur Erinnerung: Die mud-maggots (Schlammwürmer) sind eine von Voldemorts Sturmtrupps
Heute ganz wichtig und einer der Gründe, warum die Story unter P-18 (!) gepostet wird: X-tra Warnung: VIOLENCE !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Nehmt das bitte ernst, ich möchte keine Schuld an eventuellen Alpträumen haben, ja?! Selbst meine Beta hat ordentlich geschluckt und sie ist so was von mir ja eigentlich schon gewohnt!
Chapter 8 - Am Abgrund der Wahrheit
Disillusioned and deceived by the goals once pondered
Betrayed and banned by the ones once trusted
(Crematory - Unspoken)
Winkelgasse
Kingsley Shacklebolt sah in den wenigen Augenblicken, welche das Apparieren zwischen dem Zaubereiministerium in die Winkelgasse benötigte, Schreckensbilder der vergangenen Todesserangriffe an sich vorbeirauschen.
Immer wieder hatte Voldemort in den letzten Monaten Muggel angegriffen, nach Dumbledores Tod schien er endgültig besessen von der Idee seine Schreckensherrschaft wieder aufleben zu lassen. Ohne Sinn und Grund meuchelten seine Todesser einzelne Muggelfamilien nieder. Kleinere Dörfer der Muggel wurden mit bestialischer Grausamkeit ausradiert. Und die Brutalität seiner Truppen schien mit jedem weiteren Angriff zuzunehmen.
Ungebeten erschien das Abbild der schwangeren Frau vor ihm, welche Voldemorts mud-maggots förmlich auseinandergerissen hatten, um an das ungeborene Kind in ihrem Leib zu kommen. Was sie mit diesem Baby angestellt hatte, darüber hatte Kingsley bisher jeden weiteren Gedanken vermieden. Noch immer stieg ihm Galle in die Kehle, wenn er an diese Frau dachte. Unter der Blutlache konnte man noch erahnen, dass sie jung gewesen war. Mit blondem Haar. Der Teddybär in ihrer Handtasche, gleich neben einem kleinen Mäppchen mit Ultraschallbildern ihres ungeborenen Kindes, deuteten darauf hin, wie sehr sie sich auf ihr Kind freute.
Mit unbegreiflicher Grausamkeit löschten Voldemorts Todesser ihr Leben aus. Kingsley schickte ein Stoßgebet gen Himmel, als er den festen Boden des Marktplatzes in Hogsmeade auf sich zurasen sah. Innerlich wappnete er sich gegen die grauenvollen Bilder, die mit jedem Angriff Voldemorts einhergingen.
Neben zwei seiner Männer kam Kingsley unsanft auf dem Boden auf, sofort schoss seine Zauberstabhand nach oben, zeigte drohend auf eine Zaubererfamilie, denen der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand. Erschrocken zog der Vater seinen Sohn von den Auroren weg, scheuchte seine Frau in das nächstbeste Geschäft.
„Scheiße." kommentierte Dädalus neben ihm. Kingsley schaute sich fassungslos um, allmählich ließ der den Zauberstab sinken. „Verflucht…" murmelte er, sobald er endlich begriff, dass das Einzige, was das friedliche Treiben in der Winkelgasse störte, das unerwartete Auftauchen einer kampfbereiten Truppe von Auroren war.
„Eine Falle…" sagte Hestia und ihre dunklen Augen wanderten misstrauisch zu ihrem Vorgesetzten. Kingsley presste sie Lippen zusammen und schwieg.
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Irgendwo zwischen den Zeiten
Aimsir spürte das leise Prickeln der Magie, während die Sterne sich neu ordneten, eine neue Zukunft geboren wurde, am Horizont der Zeit, als eine Möglichkeit unter vielen.
Mit traurigem Lächeln schaute Aimsir auf die alte Frau hinab, einzig das kaum merkbare Heben und Senken ihrer Brust kündete noch von ihrem Leben. Die Seherin hatte es geschafft. Unbemerkt von der Welt hatte allein sie einen mächtigen Zauber gebrochen, die Dämme der Magie eingerissen, welche ein großer Magier errichtet hatte.
Der Rabe traute sich nicht, die Seherin anzusprechen, wusste wie knapp sie dem Tod entkommen war, als sie all ihre Magie mit dieser letzten Vision verflocht . Nun lag es nicht mehr in ihrer Hand was geschah. Die Seherin hatte einen weiteren Weg geöffnet, jetzt galt es für den Einen diesen auch zu beschreiten.
Aimsir blickte versonnen durch das winzige Fenster nach draußen.
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Hogwarts, Krankensaal
Harry schlief nicht.
Er lag in seinem Krankenbett, erstarrt. Noch spürte er die letzten Fesseln des Zaubers, welche seine Erinnerungen gefangen hielten, doch auch diese würden sich bald der einsetzenden Erkenntnis ergeben müssen.
Madam Pomfrey kam herein, kümmerte sich mit ruhigen Bewegungen um ihre Patienten und ging wieder hinaus. Harry hielt die Augen geschlossen, gefangen in einem leise einsickernden Entsetzen, während seine Erinnerungen zurückkehrten. Und mit diesen Erinnerungen kam die bittere Erkenntnis, dass er sich nicht mehr erinnern wollte.
Stück für Stück rissen sie Harry erneut aus seiner heilen Welt und warfen ihn in die brutale Realität zurück. Er wollte weinen, doch das Entsetzen lähmte ihn bis in den letzten Winkel seines Herzens. Er wollte seinen Schmerz hinausschreien, als die Gesichter derer, für deren Tod er sich verantwortlich fühlte, an ihm vorbeirauschten. Doch kein Ton kam über seine Lippen.
Noch einmal sah er Charlie Weasley sterben, während er auf dem Rücken seines Drachen vergeblich versuchte durch eine Phalanx Höhlentrolle zu brechen, um dem Orden den Weg zu einem vermeintlichen Horkrux freizuräumen. Harry meinte das schnell lauter werdende Zischen zu hören, als einer der Trolle ausholte, seine mächtige Keule auf den Rücken des Drachen krachen ließ. Bill brüllte eine Warnung, lenkte seinen eigenen Drachen in Richtung seines Bruders, doch Harry wusste im selben Moment, dass Bill Charlie niemals rechtzeitig erreichen würde. Harry kam das entsetzliche Geräusch berstender Knochen in Erinnerung, als der Schlag zuerst Charlie traf, nur um anschließend dem Flugdrachen die Wirbelsäule zu zermalmen. Harry erinnerte sich an die gellenden Schreie, daran, dass er hilflos zusah, wie Fred und Arthur Weasley Charlies Freundin festhalten mussten, damit sie sich nicht zwischen die Trolle warf um ihrem Freund zu folgen.
Charlie war sofort tot. Harry würgte, während er daran dachte, wie zwei weitere Trolle den Drachen aufhoben, in dessen Sattel Charlie noch immer saß. Wie sie das riesige Tier durch die Luft schmissen, bis es ihnen vor die Füße krachte und unter jämmerlichen Schreien versuchte davonzukriechen.
Harry tötete den Drachen.
Für Charlie konnte er nichts mehr tun.
Chos feingeschnittenes Gesicht löste den Anblick von Charlies blutverschmierter Leiche ab. Cho, wie sie ihn anlächelte, damals im Raum der Wünsche, kurz vor ihrem ersten Kuss. Cho, wie sie von Rockwood an ihrem langen Haar auf das offene Feld gezerrt wurde, auf welchem der Orden von einige Todessern in ein Scharmützel verwickelt worden war.
Harry wusste, dass Cho seinetwegen sterben musste. Wegen eines einzigen Kusses, der angesichts der Geschehnisse so bedeutungslos anmutete, wie der Flug einer Biene zur falschen Blüte. Er hatte keine Gelegenheit bekommen Cho zu retten. Rockwood war schnell. Kaum war der Todesser sicher, dass Harry erkannte, wen er zum Ort des Geschehens gebracht hatte, da schnitt er Cho die Kehle durch. Mit sadistischer Langsamkeit durchtrennte er ihren Lebensfaden.
Harry musste mit ansehen, wie Chos dunkle Augen aus ihren Höhlen traten, während sie versuchte zu schreien. Sie streckte die Hand nach ihm aus… sekundenlang hatte sie nach ihm gegriffen. Und Harry war gerannt. Zwischen den Flüchen hindurch, zwischen den Todessern und den Auroren hindurch, war er gerannt um ihr zu helfen. Das hämische Lachen Rockwoods erklang in seiner Erinnerung, als Chos Augen brachen und sie vornüber kippte. Ihr hübsches Gesicht sank in eine Lache aus Staub und Blut. Sie starb. Harry würgte erneut. Bis heute wusste er nicht, wo die Todesser Cho aufgegriffen hatten. Remus hatte Cho gebeten, sich um die Eulen des Ordens zu kümmern, sie an einen sicheren Ort zu bringen, denn zu viele von ihnen waren von Voldemorts Geiern getötet worden. Nicht zum ersten Mal stellte Harry sich die Frage, ob es anders gekommen wäre, wenn er Cho mitgenommen hätte.
Die Erinnerung an Dean beantwortete seine Frage unmissverständlich.
Dean…
Der Orden hatte Informationen darüber bekommen, dass Voldemorts Truppen ein kleines Dörfchen irgendwo westlich von Dundee bewachten.
Die Ordensmitglieder nahmen an, dass Voldemort dort einen Horkrux versteckt haben könnte. So gehörte auch Harry zu dem Trupp Auroren, die in einer kleinen Seitenstraße apparierten. Wie sich sehr schnell herausstellte, war es kein Horkrux, den es dort zu finden gab, sondern einzig die perverse Freude der Todesser am Töten.
Harry erkannte das Abzeichen auf einem der Todessermäntel und wusste, dass sie zu spät kamen. Voldemorts Lieblings-Sturmtrupp fürs Grobe, die mud-maggots, wurden von Gregory Goyles Vater angeführt, dessen Grausamkeit denen seiner Männer in nichts nachstand.
In der langen Zeit, welche die Kämpfe gegen Voldemort nun schon andauerten, lernte Harry mehr von Voldemorts Kampfstrategie kennen, als ihm lieb war. Mit jedem Tag schienen die Truppen des dunklen Lords zu wachsen. Zuerst war es nur der harte Kern jener Todesser, welche Voldemort auch nach seinem Jahrzehnte langen Verschwinden noch die Treue hielten. Diese bildeten auch nun wieder den Inneren Kreis um den dunklen Lord. Aus diesem Zirkel stammten die Befehlshaber von Voldemorts rasch wachsenden Truppen. Waren da zuerst nur die Creepers unter Crabbes Kommando, ein ähnlich gelagerter Stoßtrupp wie die mud-maggots. Ein widerlicher Haufen von Todessern, mehr Söldner als wirkliche Anhänger des dunklen Lords. Nichtsdestotrotz wurden sie wegen ihrer Brutalität schnell ebenso gefürchtet wie die maggots. Der einzige Unterschied bestand in der Art ihrer Waffen.
Während die maggots sich der Hilfe von Trollen, Riesen und der Anhängerschaft von Fenrir Greyback bedienten, so brachten die creepers so ziemlich alles mit sich, was es an Widerwärtigkeiten in kleineren Dimensionen gab. Harry hatte einmal den Angriff der Creepers miterlebt und würde ihn mit Sicherheit nicht wieder vergessen. Tausende von Käfern, Spinnen und anderem Getier brachen über eine kleine Muggelsiedlung herein und nach kaum mehr als einigen Minuten war von den Bewohnern nichts mehr übrig als die kahlgefressenen Skelette.
Sobald Voldemorts Macht scheinbar wieder erwacht war, krochen immer neue Anhänger des dunklen Lords aus ihren Verstecken hervor und bekannten sich offen zur dunklen Seite. Zu den creepers und den maggots kamen die nightcrawler mit ihren Drachen, die riders mit den monströsen Pferden, eine abartige Mischung aus Thestralen und Muggelpferden, allesamt schwarz wie die Nacht. Mit riesigen Hufen, welche die Erde erbeben ließen. Der größte Trupp waren die soul hunter unter Rodolphus Lestrange. Unter seinem Kommando vereinten sich wahre Anhänger des dunklen Lords, Söldner und allen voran die Dunkelelben.
Von dieser besonderen Gattung der Elben hatte Harry noch nie vorher gehört, doch diese Wissenslücke füllte sich schnell. Gerade diese schwarzen Elben waren es, die mit ihrer kraftvollen Magie dem Orden eine Menge Kopfzerbrechen bereiteten. Gesehen hatte Harry jedoch noch nicht einen dieses merkwürdigen Volkes. Die letzten Erkenntnisse des Ordens waren, dass sich eine weitere Truppe unter Nott zu formen begann. Gerüchte besagten, dass sich nun auch Vampire dem dunklen Lord angeschlossen hätten und Seite an Seite mit den Dementoren Angst und Schrecken in der Zaubererwelt schürten.
Harry jedoch verabscheute am meisten die maggots, diesen Haufen grausamer, gewissenloser Mörder, die alles töteten was ihnen vor den Zauberstab kam. Das Töten allein war es nicht, was gerade diesen Sturmtrupp so berüchtigt machte, denn auch die nightcrawler unter Dolohow töteten kompromisslos. Der Unterschied bestand einzig und allein darin, dass Dolohows Männer schnell, und effizient töteten. Die maggots hingegen genossen es aus purer Grausamkeit ihre Opfer zu foltern und sie eines langsamen und furchtbaren Todes sterben zu lassen. Oft genug war es vorgekommen, dass die Auroren zu Schauplätzen gerufen wurden, an denen die maggots verstümmelte Menschen zurückließen, dem Tode näher als dem Leben, nur um ihren Schmerz so lange wie möglich auszudehnen. Bis zu jenem Tage war es Harry immer erspart geblieben einen dieser Schauplätze zu betreten, denn der Orden hielt ihn, so gut es ging, aus aktiven Gefechten mit Voldemorts Truppen heraus. Zu groß war die Gefahr, dass der Auserwählte bei einer dieser Schlachten verletzt oder gar getötet wurde.
An diesem Tag jedoch, konnte man Harry nicht heraushalten.
Die mud-maggots waren noch dort und kaum, dass die Auroren appariert waren, zischten die Flüche ihnen nur so um die Ohren. Häuser brannten, Schreie gellten in der rauchgeschwängerten Luft und es roch förmlich nach Tod. Süßlich und schwer… der Geruch brennenden Fleisches, welchen Harry niemals würde vergessen können. Dean war damals an seiner Seite, zog Harry gerade noch schnell genug in Deckung, um einem Fluch von Yaxley zu entgehen.
Seite an Seite rannten sie auf die Ruinen eines Hauses zu, in dem verzweifelten Versuch irgendwo Deckung zu finden. Das Feuer schien überall. Feuer und Flüche. Vor ihnen, hinter ihnen. Harry rannte ohne zu zögern auf eine Feuerwand zu, entschlossen hindurchzubrechen um so weiteren Flüchen der Todesser hinter ihnen zu entgehen. Dean wich nach rechts aus, als ein weiterer Fluch sie nur knapp verfehlte.
„Dean! Dean! Pass auf!" schrie irgendwo hinter ihnen die Stimme einer Frau, es war Hestia, wie Harry später erfuhr. Hoch und verzerrt vor Angst. Harry wurde von den Füßen gerissen, als das Haus neben ihm explodierte. Er hörte den lang gezogenen klagenden Schrei bevor es dunkel um ihn wurde. „Dean… neeeeeiiiinnn."
Mit der Erinnerung an Deans Tod wurde Harry klar, dass seine Alpträume der vergangenen Wochen keine Alpträume waren. Es waren Erinnerungen. Seine Erinnerungen, die er nun am liebsten wieder vergessen hätte.
Irgendwann erwachten Hermine und Ron, Harry hörte, wie sie sich leise unterhielten, spürte, wenn sie an sein Bett traten und auf ihn hinuntersahen. Dann hielt er den Atem an und hoffte, dass sie nicht bemerkten, dass er wach war. Er wollte ihnen nicht gegenüberstehen und von der grausamen Realität erzählen müssen. Nicht, solange sie noch unter dem Zauber standen.
Madam Pomfrey kam und entließ seine Freunde. Sie schien nicht besorgt darüber, dass Harry noch immer nicht bei Sinnen schien.
Harry wollte nicht erwachen. Er wollte sich nicht mehr erinnern, doch die Erinnerungen an die Zeit nach Dumbledores Tod kamen unaufhörlich zurück. Sein Leben schien in einem nicht enden wollenden Film aus Schrecken und Leid in ihn zurückzufließen. Harry erinnerte sich an Dumbledores Tod, daran mit welcher Inbrunst er die Suche nach den Horkruxen gestartet hatte.
Ebenso wie er sich an die Resignation und Hoffnungslosigkeit erinnerte, als ihm und denjenigen, die an seiner Seite kämpften, klar wurde, dass Voldemort sie früher oder später in den Krieg zwingen würde, welchen sie so verzweifelt zu verhindern suchten.
Irgendwann verlor Harry jedes Zeitgefühl. Sein Kopf war plötzlich überfüllt mit Informationen, mit Erinnerungen, die so furchtbar waren, dass er jeder Gedanke ihn schmerzte. Doch die Müdigkeit kam nicht zurück.
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Zaubereiministerium
„WAS HABEN SIE SICH DABEI GEDACHT? MEINE ANWEISUNGEN WAREN WOHL NICHT DEUTLICH GENUG?" schrie Minster Scrimgeour außer sich.
Kingsley erwiderte scheinbar teilnahmslos den wütenden Blick des Ministers. Der fette Sekretär des Ministers kam mit einer Karaffe angerannt, dessen Inhalt verdächtig nach Feuerwhiskey aussah und schenkte Scrimgeour großzügig ein. Kingsley verkniff sich ein freudloses Lächeln, allmählich wurde Scrimgeours Alkoholproblem zu offensichtlich. Er fragte sich, wie dieser Mann bloß im Sessel des Zaubereiministers gelandet war, wenn er unübersehbar nicht geschaffen war für ein Amt, welches weitreichende Entscheidungen verlangte. Und die Eier auch zu diesen Entscheidungen zu stehen.
Scrimgeour trank das Glas in einem Zug aus, schien sich tatsächlich zu beruhigen. „Also, Kingsley… ich verlange eine Erklärung."
Kingsley nickte. „Wir hatten Informationen, dass Todesser in der Winkelgasse wären."
Scrimgeour schnaubte. „Das Einzige, was in der Winkelgasse war, waren ein Haufen nun zu Tode geängstigter Familien und eine Band wildgewordener Auroren. Wer war ihr Informant?"
Kingsley biss die Zähne zusammen. Genau diese Frage hatte er gefürchtet und er wusste, dass ein neuer Wutanfall des Ministers folgen würde, denn er konnte diese Frage nicht beantworten. Unter gar keinen Umständen würde er dem Minister seine Zugehörigkeit zum Orden des Phönix offenbaren. Somit waren ihm auch die Hände gebunden was seinen Informanten angingen.
„Nun?" hakte Minister Scrimgeour ungeduldig nach. Kingsley schwieg weiterhin und beobachtete, wie die Zornesröte einmal mehr aus dem Hemdkragen des Ministers nach oben kroch.
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Voldemort
„WER IST ES?" schrie Voldemort von Sinnen, schritt hektisch zwischen den Reihen der Männer hindurch, welche kaum wagten den nächsten Atemzug zu tun.
„Lucius?" Voldemort blieb vor ihm stehen und Lucius gefror der Herzschlag in der Brust. „Ja, mein Lord." antwortete er, verbannte mit größter Anstrengung die Furcht aus seiner Stimme.
„Kannst du mir eventuell etwas dazu sagen, weshalb Auroren in der Winkelgasse aufgetaucht sind, während wir uns mit Mr Borgin unterhalten haben?"
„Ich kann es mir nicht erklären, mein Lord." antwortete Lucius leise, wohl wissend, was als nächstes folgen würde.
„CRUCIO!" brüllte Voldemort und Lucius sank keuchend in die Knie. Schmerz schoss durch jede einzelne Nervenfaser, raste durch seinen Körper nur um sich als berstende Explosion in seinem Kopf zu bündeln. Seine Augen traten aus ihren Höhlen. Er schrie.
Voldemort ließ nur kurz von ihm ab, gerade lange genug für einen zitternden Atemzug, bevor er den Folterfluch wiederholte. Lucius wurde ohnmächtig.
„DAS wird euch lehren mir zu widersprechen! Findet den Verräter und ich rate euch, findet ihn schnell! Ansonsten werde ich jedem einzelnen von euch die Haut so langsam vom Leib ziehen, dass ihr euch wünscht einen der Dementoren küssen zu dürfen!"
Damit wirbelte Voldemort herum, seine langen Roben bauschten hinter ihm, und verließ die Halle. Betretenes Schweigen folgte. Nur langsam verloren sich die Todesser, gingen an Lucius leblosem Körper vorüber, krampfhaft darauf bedacht ihn nicht anzusehen. Zu groß war ihre Angst, dass sie selbst als nächstes dort liegen würden, sollten sie dabei erwischt werden, wie sie ihm halfen.
Einzig Severus blieb. Er wartete scheinbar teilnahmslos bis der letzte Todesser den Raum verlassen hatte, bevor er sich neben Lucius kniete, mit geübten Bewegungen nach dessen Puls fühlte. Erleichterung rauschte durch seine schwarzen Augen, als er ihn fand. Schwach und flatternd. Aber gleichmäßig.
Aus den Tiefen seines Umhanges brachte er eine Phiole hervor, entkorkte sie und hielt sie Lucius unter die Nase. Der beißende Geruch holte diesen ins Bewusstsein zurück.
Lucius würgte, dachte einen Moment lang sich übergeben zu müssen. Es dauerte Minuten, bis der Schmerz hinter seinen Lidern soweit abgeklungen war, dass er die Augen öffnen konnte. „Severus…" brachte er krächzend hervor, als er in das Gesicht seines Freundes blickte.
„Es war knapp diesmal." sagte Severus, verschloss die Phiole sorgfältig, bevor er sie wieder in eine seiner unsichtbaren Taschen verschwinden ließ. Er griff nach Lucius Ellenbogen und half ihm auf die Füße.
„Ich weiß…" antwortete Lucius leise. Dann, er klammerte sich noch immer haltsuchend an Severus' Arm, brachte er die Frage heraus, vor deren Antwort er sich mehr fürchtete als seinen eigenen Tod. „Hat er was von Draco gesagt?"
Severus schüttelte stumm den Kopf.
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Hogwarts, Krankensaal
Harry begann sich zu fragen, warum Snape wieder in Hogwarts war. Warum der Orden ihn nicht festnahm, hinrichtete oder wenigstens an das Zaubereiministerium auslieferte. Immerhin hatte Snape Dumbledore getötet!
Und Malfoy. Wieso war Malfoy ebenfalls wieder in Hogwarts? Harry erinnerte sich nun überdeutlich daran, dass Snape den blonden Jungen mit sich fortgerissen hatte. Gemeinsam waren die beiden disappariert bevor Harry die Gelegenheit bekam Dumbledores Tod zu rächen.
Er war sich sicher, dass Malfoy das dunkle Mal ebenfalls trug. Wieviel Zeit war vergangen, seit Dumbledores Tod? Harry kämpfte mit den Tränen der Verzweiflung, als ihm klar wurde, dass dieser Zauber, welcher ihn außer Gefecht gesetzt hatte, der dunklen Seite den entscheidenden Vorteil hatte bringen können. Er wusste nicht mehr, wer sich Voldemort mittlerweile angeschlossen hatte. War wieder das dumme Kind, welches einem überlegenen Zauberer gegenübertreten sollte. Woher konnte Harry nun noch wissen, wem er trauen konnte und wem nicht?
Eine weitere Erkenntnis machte ihm schwer zu schaffen. Die Lehrer in Hogwarts mussten von dem Zauber wissen. Die Frage nach einem möglichen Sinn dahinter beschäftigte Harry stundenlang, ohne dass er auf ein Ergebnis gekommen wäre.
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Zaubereiministerium
Kingsley betrat den Versammlungsraum der Auroren und schloss die Tür lautlos hinter sich. Gerade diese ungewohnte Ruhe war es wohl, welche die Gespräche auf einen Schlag verstummen ließ.
Er trat an den Tisch, überreichte Dädalus seinen Aurorenausweis, der ihn als Mitglied des Zaubereiministeriums auswies. Verständnislos sah der Ältere ihn an. „Kingsley, was…?"
„Minister Scrimgeour hat mich meines Amtes enthoben. Du bist der neue Leiter der Aurorenabteilung, Dädalus…" sagte Kingsley schlicht. Das geschockte Schweigen hielt an.
„Nein." sagte Dädalus fest, wollte Kingsley seine Papiere zurückgeben. Kingsley schüttelte entschlossen den Kopf. Ebenso entschlossen legte Dädalus die Papiere auf den Tisch. „Ich werde das auf keinen Fall akzeptieren." Zustimmendes Gemurmel erhob sich.
Einzig Flechter Stroud stellte die Frage, mit welcher Kingsley schon zu Beginn der Versammlung gerechnet hatte: „Was ist in der Winkelgasse schiefgelaufen?"
„Offensichtlich hatten wir falsche Informationen." antwortete Kingsley schlicht.
„Und von wem waren die?" wollte McPhers wissen.
„Von jemandem, dem ich bis jetzt bedingungslos vertraut habe." Kingsleys Miene verschloss sich vor seinen nächsten Worten. „Was offensichtlich ein Fehler war. Ich will, dass ihr Remus Lupin inhaftiert."
Stille.
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Voldemort
Dank einer weiteren Phiole aus den Untiefen von Severus' Umhang, erholte Lucius sich rasch von den Überbleibseln des Cruciatus-Fluches. Einzig ein dumpfes Hämmern in seinen Schläfen blieb.
„Verdammt." fluchte Lucius, warf einige schnelle Blicke in dem leeren Raum umher, bevor er weitersprach. „Was ist schiefgelaufen?"
„Ich weiß es nicht! Rodolphus hat…"
„Rodolphus? Du hattest den Angriffsplan für die Winkelgasse von Rodolphus?" fragte Lucius alarmiert und schaute sich ein weiteres Mal um.
„Ja, aber was…"
Wieder ließ Lucius seinen Freund nicht ausreden. „Hör zu, Severus! Sei auf der Hut, ich bitte dich! Rodolphus hat mich vor einigen Tagen nach dir gefragt… ich denke, er ahnt etwas."
Severus erwiderte den Lucius' intensiven Blick mit wachsender Besorgnis. „Du meinst, es könnte eine Falle gewesen sein?"
Lucius nickte und nun war es an Severus verhalten zu fluchen.
„Wir müssen den Verdacht irgendwie von dir ablenken. War sonst noch jemand dabei?" Lucius überlegte fieberhaft, wie er den dunklen Lord und die restlichen Todesser von Severus ablenken könnte.
„Einer von Waldens Männern hat die Geier hereingelassen, wir standen im Vogelhort." Severus Miene verdüsterte sich angesichts der Tatsache, dass seine Tarnung schlussendlich mehr als aufgeflogen war.
„Wer war es?" Lucius rieb sich die schmerzenden Schläfen.
„Ich weiß es nicht, einer von den Neuen." antwortete Severus nachdenklich.
Sie traten nebeneinander aus dem Versammlungsraum heraus, wohl wissend, dass es verdächtig wirkte, wenn sie sich zu lange dort aufhielten. Doch nicht Lord Voldemort war es, um den sie sich Sorgen machen mussten. Nein, es waren die anderen Todesser des Inneren Zirkels, die mit ihrer wachsenden Macht an der zunehmenden Paranoia litten, jemand wolle ihnen ihren Posten streitig machen.
„Du musst verschwinden, Severus." flüsterte Lucius leise. Severus bewegte sich nicht, seine schwarzen Augen waren auf einen Punkt irgendwo über Lucius' linker Schulter gerichtet. Einzig das viel zu langsame Senken seiner Lider verriet Lucius, dass er zustimmte. Dass er verstanden hatte, in welcher Gefahr er schwebte. Sollte Rodolphus ihm tatsächlich eine Falle gestellt haben, so würde es nicht mehr lange dauern, bis er seinen Verdacht dem dunklen Lord vortrug.
Severus Miene verschloss sich. Nichts, was einem zufälligen Beobachter aufgefallen wäre. Lucius jedoch kannte ihn einfach schon zu lange, als dass ihm das leichte Zucken in den Augenlidern verborgen geblieben wäre. Sie waren nicht mehr allein.
„Narzissa würde sich so freuen, dich wieder zu sehen…" gab er im leichten Plauderton zum Besten, unterbrach sich, als Schritte hinter ihm erklangen. Zu seinem Missfallen war es ausgerechnet Dolohow, der scheinbar zufällig durch die Alkoven marschierte.
Der ohnehin falsche Eindruck der Zufälligkeit revidierte sich, sobald Dolohow näher kam. Ein schmieriges Lächeln umspielte seine zerfurchten Lippen und Lucius dachte mit Abscheu an den jungen Todesser, der Dolohows neuestes Spielzeug mimen musste. War das nicht auch einer von Waldens Männern? Vielleicht könnte man den Verdacht von Severus auf diesen Jungen lenken? Dolohows nächste Worte radierte diese Idee schlichtweg aus Lucius Gedächtnis.
„Lucius, ich habe soeben gehört, dein hübscher Bengel wird endlich auch einer von uns?" plärrte Dolohow heraus.
Lucius hatte einige Mühe seine Mimik unter Kontrolle zu halten. Draco… Was hatte er von Draco gehört? Konnte das heißen, dass Draco die Initation überstanden hatte, dass er sich des Vertrauens des dunklen Lords als würdig erwiesen hatte?
„Hat es sich schon herumgesprochen?" Severus verzog die Lippen zu einem angedeuteten Lächeln und legte Lucius in scheinbarer Freude die Hand auf die Schulter.
Lucius war dankbar für Severus festen Griff, brachte er ihm damit seine Contenance weit genug zurück um Dolohow arrogant anzulächeln. „Hast du tatsächlich etwas anderes erwartet, Antonin? Draco ist mein Fleisch und Blut und wird dem dunklen Lord ebenso willig dienen wie ich."
„Da bin ich mir sicher." heischte Dolohow in kriecherischer Nettigkeit.
„In wessen Truppe kommt er denn?" erkundigte sich Severus, verstärkte den Griff um Lucius Schulter noch ein wenig mehr.
„Oh, das hat der Lord noch nicht verkündet, obwohl ich ja hoffe, dass der Lord ihn mir unterstellt. Du weißt doch, Lucius, dass ich die Neuen am besten in unsere Rituale… einführen kann." Ein dreckiges Grinsen machte klar, woran Dolohow dachte. „Und wenn ich ehrlich bin… einen Malfoy unter mir ist doch ein erbaulicher Gedanke, besonders, wenn er so einen geilen Arsch hat wie dein Sohn!"
Lucius riss sich aus Severus Griff los und hatte Dolohow am Kragen seines Umhanges gepackt, bevor dieser es auch nur ansatzweise schaffte, sich das anzügliche Grinsen aus dem Gesicht zu wischen.
„Solltest du es wagen meinen Sohn auch nur ein einziges Mal anzufassen, Dolohow, werde ich dich finden und dann sei dir sicher, dass du jede Sekunde deines erbärmlichen Daseins bereuen wirst!" zischte Lucius wutentbrannt.
Severus schaffte es nur unter einiger Anstrengung Lucius von dem fetten Todesser wegzuziehen. „Mach dich nicht unglücklich, Lucius!" wisperte er in dessen Ohr. Dennoch wehrte Lucius sich gegen seinen Griff.
Dolohow zog unbeeindruckt die Schultern nach oben. „Nicht doch, nicht doch, Lucius! Ich bin sicher, Draco wird es als Ehre empfinden unter mir den Zielen unseres Lords dienen zu dürfen." Er wandte sich um und verdankte es einzig Severus' schneller Reaktion, dass er das Verlies noch lebend verlassen konnte.
„Beruhige dich! Immerhin heißt das doch wohl, dass Draco die Initiation gut überstanden hat!" sagte Severus, die Finger noch immer um Lucius' Hand geschlossen, in welcher der Zauberstab auf Dolohows Rücken zeigte.
Sekundenlang rührte sich keiner von beiden, bis Lucius endlich die Hand sinken ließ und Severus anschaute. Er nickte matt. „Wahrscheinlich… warum habe ich ihn dann noch nicht gesehen?"
Darauf wusste auch Severus keine Antwort.
„Du musst jetzt gehen, mein Freund." sagte Lucius sobald er sich wieder einigermaßen im Griff hatte. Severus nickte.
„Ich werde nicht wiederkommen können."
„Ich weiß. Pass gut auf dich auf!"
„Das werde ich und auf deinen Sohn ebenso."
Severus Snape disapparierte ein letztes Mal aus Voldemorts Quartier.
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Hogwarts, Krankensaal
Tage vergingen.
Ab und zu kamen Mitschüler in den Krankensaal, schlafend. Madam Pomfrey steckte sie in eines der Betten bis sie wieder erwachten und schickte sie dann zurück in ihre Häuser. Harry schwieg weiterhin.
Irgendwann kam Dumbledores Tochter an sein Bett, legte eine ihrer schmalen Hände auf seine Stirn. Sie sagte nicht ein Wort. Erst als Madam Pomfrey hinzukam, nahm die Professorin ihre Hand weg. „Wie geht es ihm?"
„Keine Veränderung. Er schläft. Ab und zu habe ich den Eindruck, dass er träumt." Harry hörte das Zögern der Krankenschwester, bevor sie mit leiser Stimme fortfuhr. „Wie lange soll ich ihn noch so behalten? Er muss essen und noch viel wichtiger trinken…"
„Der Zauber hält ihn gefangen, das wissen sie doch." war die unwirsche Antwort von Dumbledores Tochter. „Wenn er sich nicht mehr erinnert, wird er aufwachen. Bis dahin werden wir warten müssen."
„Aber es sind jetzt schon TAGE!" widersprach die Krankenschwester und Harry erschrak.
„Er ist stark. Machen sie sich nicht zuviel Sorgen, Poppy. Der Zauber lässt nicht zu, dass er stirbt."
„Madam Pomfrey…" spukte die Krankenschwester säuerlich aus, bevor Harry ihre sich schnell entfernenden Schritte hörte.
„Natürlich…" sagte Ms Dumbledore leise und seufzte. Ms Dumbledore verließ den Krankensaal, nicht jedoch ohne Harry vorher ein weiteres Mal über die Stirn zu streichen. Harry hatte den Eindruck, dass ihre Finger auf seiner Narbe einen Augenblick länger verweilten als nötig gewesen wäre. Doch der Eindruck verschwand ebenso schnell wie ihre kühlen Finger. Harry war wieder allein.
Später kam Ginny um ihn zu besuchen. Harry hörte sie leise schluchzen und die Erinnerung an Arthur brach schmerzhaft über ihn herein. Niemals würde er das Bild vergessen können! Der Cruciatus-Fluch erwischte Arthur nicht in der Brust, wie es sein sollte, sondern direkt im Gesicht. Schreiend war Ginnys Vater zusammengebrochen. Harry meinte sich zu erinnern, dass es Moody war, der den Cruciatus unterbrach indem er den Todesser tötete. Man zog der Leiche die schwere Kapuze vom Kopf, doch das zum Vorschein kommende Gesicht kannte Harry nicht.
Arthur schrie noch immer. Eine junge Aurorin sank neben ihm auf die Knie, versuchte seine vor das Gesicht geschlagenen Hände zu lösen. Doch Arthur kämpfte gegen ihren Griff, trat um sich, seine Stimme überschlug sich und brach. Harry stürzte ebenfalls zu ihm, versuchte ihn anzusprechen, ihn zu beruhigen, ihm irgendwie zu helfen.
Moody erschien und zerrte ihn mit bestimmten Griff von Arthur weg. Harry dachte bis zu jenem Augenblick, dass Arthur nicht noch lauter schreien konnte. Er irrte sich. Als zwei Medi-Hexen des Ordens erschienen und ihn berührten, erzitterte sein verkrümmter Leib unter wahnsinnigen Schreien. Grauen kroch Harry in den Nacken, vertiefte sich zu bodenlosem Entsetzen als es den Medi-hexen schließlich gelang Arthurs Hände von seinem Gesicht zu ziehen.
„Oh gütiger Merlin…" keuchte die junge Aurorin. Harry sackte in Moodys Armen zusammen. Dieses entstellte Etwas war nicht mehr Arthur Weasley! Ein Gedanke durchschoss seine Gedanken, eine Frage, die er sich bis heute nicht hatte beantworten können. Wie kann so etwas noch leben?
Arthurs Augen waren weg. Einfach weg, blutige Höhlen starrten blicklos umher und die Schreie… Harry begriff nicht, woher diese Schreie kommen konnten, denn Arthurs Mund war nur noch eine schwammige Masse aus Blut, Hautfetzen und weißen Punkten, die einmal Zähne gewesen sein dürften.
Dies war der Moment, in welchem er ohnmächtig wurde. Moody fing ihn auf, bettete ihn, so gut es seine eigenen Verletzungen zuließen auf den Boden. Der alte Auror war fast dankbar dafür, denn selbst ihn schüttelte die grausame Erkenntnis, was der verpfuschte Cruciatus aus Arthur Weasley gemacht hatte.
Harry erwachte durch Stimmen. Er lag auf der Erde, wusste im ersten Augenblick nicht, wie er dorthin gekommen sein sollte. Moody kniete nicht weit von ihm entfernt am Boden, zog den Ärmel des getöteten Todessers nach oben, strich versonnen mit den Fingern über das Dunkle Mal. „Es ist ganz frisch." sagte er.
„Das heißt, er rekrutiert wieder." murmelte Kingsley Shacklebolt neben Harry. Harry war erschrocken über die Angst in den Gesichtern der Auroren. Dann erinnerte er sich an Arthur. Mit einer raschen Bewegung drehte er sich auf die Seite und erbrach.
Allmählich verblassten die Bilder der Erinnerung und brachten Harry zurück in den Krankensaal. Zurück zu Ginny. Sie saß lange neben seinem Bett, streichelte seine Hand und redete mit ihrer leisen sanften Stimme auf ihn ein. Harry begriff, dass sie nicht wusste, was geschehen war. Auch sie stand unter diesem merkwürdigen Zauber und dachte noch immer, dass sie … ihn… liebte. Der Schmerz schoss zurück in sein Herz. Wie sollte er ihr jemals wieder unter die Augen treten? Damals, nach Arthurs Verletzung, hatte Ginny sich endgültig von ihm abgewandt. Sie hatte ihm die Schuld dafür gegeben, dass ein so neuer Todesser ihren Vater verletzten konnte. Sie schrie ihn an, weinte und schrie weiter, bis sie ihn schlussendlich endgültig aus ihrem Leben warf. Harry konnte sich an den Schmerz erinnern, den ihr Verlassen in ihm ausgelöst hatte. Den Schmerz und die Sehnsucht nach ihrer Nähe, der Vertrautheit zwischen ihnen. Doch Ginny wollte ihn nicht mehr.
Während Ginny ihn zum Abschied küsste, überkam ihn eine seltsame Ruhe. Er würde Ginny wieder verlieren. Wenn sie sich erst wieder erinnerte, würde sie gehen. Genau wie er sie damals verloren hatte. Vielleicht war es tatsächlich besser so. Für sie beide. Harry war sich in diesem Moment sicher, dass er mit dieser Schuld nicht würde leben können. Voldemorts Gesicht erschien vor seinem geistigen Auge und die Ruhe wurde zur Gewissheit.
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St. Mungos
Remus stand an dem schmalen Fenster in Tonks Zimmer, der einzigen natürlichen Lichtquelle und blickte hinaus. Etwas lag in der Luft, seine geschärften Sinne standen schon seit den frühen Morgenstunden in Alarmstellung.
Er war ins Hospital gefahren in der Annahme, dass Tonks Zustand sich verändert hatte. Was nicht der Fall war. Die Medi-Hexe hatte mitleidig ausgesehen, als sie ihm berichtete, dass Tonks Zustand unverändert sei. Unverändert schlecht. Ohne jegliche Erinnerung daran, wie sie als menschliches Wesen zu funktionieren hatte. Unverändert gut. Ihre Vitalfunktionen waren stabil und regelmäßig.
Remus hatte Tonks Hand gehalten, gerade solange, wie er es verkraftete in ihr ausdrucksloses Gesicht zu sehen. Er vermisste ihr Lachen, welches sie so mädchenhaft aussehen ließ. Er vermisste ihre ständig wechselnde Haarfarbe und die Zärtlichkeit in ihrem Blick, wenn sie ihn ansah. Die Last der Schuld lag schwer auf Remus' Schultern und er wusste, dass er damit würde leben müssen. Denn selbst wenn Tonks sich wieder an ihr altes Ich erinnern würde, irgendwann… Wie sollte sie ihm verzeihen, was er getan hatte. Wie könnte sie? Remus begann sich zu fragen, ob es die Sache wert gewesen war.
Die Gedanken daran hielten so in ihrem Bann, dass er Alastor Moody erst bemerkte, als dieser die Tür absichtlich laut ins Schloss schob. Remus wandte sich nicht um. „Alastor… schön, dich zu sehen."
„Wie geht es dem Mädchen?" überging der alte Auror die Begrüßungsfloskel.
„Unverändert."
„Es hat keinen Angriff in der Winkelgasse gegeben, Remus."
Der Augenblick schien in der Zeit selbst gefangen, als Remus sich umdrehte um in Alastors zerstörtes Gesicht zu blicken. Unglaube und Entsetzen lag in seinem Blick. Alastor nickte nur. Das Bedauern in seinem verbliebenen Auge war echt.
Im selben Moment flog die Tür zu Tonks Krankenzimmer auf und ein Trupp Auroren stürzte mit erhobenen Zauberstäben hinein. Wie durch einen Schleier schien Remus auf sich selbst hinabzusehen, wie die Auroren ihm magische Fesseln anlegten, wie er an Tonks' Bett vorbeigeführt wurde. Einer der Auroren sagte etwas. Ein Wort, welches Remus' Entsetzen ins Unermessliche steigerte.
„Askaban…"
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Hogwarts, Büro der Schulleiterin
„WAS?" Minerva McGonagall sprang mit schreckensbleichem Gesicht aus ihrem Stuhl auf. Alastor Moody hingegen blieb offenbar ungerührt sitzen, nickte nun. Leichtes Bedauern klang in seiner Stimme mit, als er die Nachricht wiederholte: „Man hat Remus nach Askaban gebracht."
„Aber… warum?" Minerva verschränkte in dem vergeblichen Versuch sich zu beruhigen, die Arme hinter dem Rücken, begann unruhig auf- und abzulaufen.
„Er ist im Ministerium aufgetaucht und hat ausposaunt, dass Todesser in der Winkelgasse wären… was sie nicht waren. Scrimgeour hatte dann einigen Erklärungsnotstand, warum seine Männer ohne ersichtlichen Grund in Kampfbereitschaft dort aufgetaucht sind." Alastors magisches Auge schoss zu seinem Hinterkopf, als eines der Fenster des Turmes klapperte, beruhigte sich, als das unverkennbare Pfeifen einer Windböe stärker wurde.
„Wieso erfahre ich denn erst jetzt davon? Und Remus? Merlin, Alastor, du glaubst doch nicht wirklich, dass Remus so was gesagt hätte, wenn er sich nicht sicher war…"
„Natürlich glaube ich das nicht. Ich denke, er ist reingelegt worden…"
McGonagall blieb stehen und blickte Alastor alarmiert an. „Du denkst, Lucius Malfoy hat ihm eine Falle gestellt?"
„Wenn Remus die Informationen tatsächlich von Malfoy hatte, müssen wir davon ausgehen.„ antwortete Alastor mit sorgenvoll zerfurchter Stirn. Kaltes Grauen ließ McGonagall erschauern, als sie daran dachte, welch wichtige Informationen durch ihre Hände an Lucius Malfoy übergeben worden waren.
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Hogwarts, Krankensaal
„Aber nur kurz…" Harry erwachte aus einem leichten Schlummer der Erschöpfung von Madam Pomfreys herrischer Stimme.
„Wieso kurz, ich denke, er schläft sowieso noch?" Das war eindeutig Fred Weasley. Harry hätte sich unter normalen Umständen durchaus gefreut die Zwillinge zu sehen, immerhin hatten sie es immer wieder geschafft ihn von seinen düsteren Gedanken abzu… lenken…
Harry schluckte. Wenn er es sich genau überlegte, hatten die Zwillinge ihn sogar mehr als nur einmal auf andere Gedanken gebracht. Meistens dann, wenn sich die Müdigkeit und mit ihr die Kopfschmerzen anbahnten. Konnte es sein, das…? Nein, Rons Brüder würden doch nicht…?!
„Er pennt echt noch." erklang Georges Stimme neben ihm, Harry verspannte sich kaum merklich.
„Meinst du, er hat was rausgekriegt und deshalb lassen sie ihn hier die Mumie markieren?" Harry wurde leicht durchgerüttelt, als Fred sich auf seinem Bett niederließ.
„Wundern würde es mich nicht." antwortete George. Eine Weile schwiegen die Brüder und Harry versuchte aus dem Gehörten schlau zu werden.
„Sollen wir mal versuchen ihn wachzukriegen?" sinnierte Fred.
Georges Antwort war ein belustigtes Schnauben. „Und wie willst du das anstellen? Der Zauber ist besser als ein ganzer Karton unserer Schnarch-Pasteten."
„Weiß auch nicht, ihn in den schwarzen See hexen?"
„Haha. Wirklich witzig." Fred erhob sich.
Harry unterdes wagte kaum zu atmen und begann sich zu fragen, wieso die Zwillinge nicht einschliefen.
„Hast du das von Malfoy gehört?" fragte Fred nach einer Weile wesentlich ernster. George antwortete nicht, Harry nahm an, dass er nickte, denn Fred fuhr fort. „Glaubst du, dass er… naja… wiederkommt?"
„Wenn er wirklich dem Verein beigetreten ist wohl kaum."
„Denkst du, dass er das dunkle Mal schon hat?"
George schnaubte. „Sagen wir es mal so, ich glaube kaum, dass Malfoy eine große Wahl hatte, selbst wenn Snape für ihn den Arsch hinhalten würde. Immerhin ist sein Alter ne große Nummer bei Voldemort. Schätze mal, wenn er das Mal nicht hat, dann ist er jetzt mausetot."
Harry erstarrte. Vereinzelte Stimmen aus seinen Visionen erklangen leise in seinem Geist, allen voran seine eigene, die so vertraut… DRACO! rief. Er versuchte sich daran zu erinnern, was nach Snapes Flucht mit Malfoy geschehen war.
Die Zwillinge waren schon längst wieder gegangen, als Harry zu dem Schluss kam, dass er es nicht wusste. Eigentlich war er davon ausgegangen, dass Malfoy das dunkle Mal mit Freuden empfangen würde. Zumindest hatte er damals, zu ihrer Schulzeit doch immer damit geprahlt. Damals… Harry schluckte und leckte sich die trockenen Lippen. Wie lange her schien seine Schulzeit nun? Wie aus einem anderen Leben.
Wenn Malfoy ihm doch nur nicht den verfluchten Trank gegeben hätte… wenn… Harry schlug die Augen auf, starrte minutenlang auf die hohe Decke des Krankensaales ohne wirklich etwas von den abenteuerlichen Stuckverzierungen zu sehen.
Malfoy hatte ihm die Phiole gegeben. Einen Trank, der offenbar verhinderte, dass er einschlief. Einen Trank, der ihm seine Erinnerungen zurückbrachte. Waren es denn auch seine Erinnerungen? Oder hatte Malfoy ihm einen Trank untergejubelt, der ihm falsche Erinnerungen vorgaukelte? Ihm fiel auf, dass er nicht wusste, welchen Trank Malfoy bei Dumbledores Tochter hatte brauen müssen. Konnte das sein?
Harry setzte sich auf.
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Voldemort
Lucius beugte sich ein weiters Mal über die maßstabsgetreue Weltkarte im Planungsraum, beobachtete, wie Rabastan akribisch mögliche Truppenbewegungen simulierte. Doch in Gedanken war er bei Severus Snape.
Seit ihrem letzten Gespräch hatte er Severus nicht mehr gesehen und auch Remus Lupin war unerreichbar, eine Tatsache, die Lucius fast noch mehr Kopfschmerzen bereitete als alles andere. Von seiner Sorge um Draco einmal abgesehen.
Eine lastende Ruhe hatte sich über Voldemorts Quartier gesenkt, eine Ruhe, in welcher die Erwartung und die Vorahnung fast greifbar mitschwangen. Noch schien keinem der anderen Todesser aufgefallen zu sein, dass Severus verschwunden war. Lucius machte sich jedoch keine Illusionen darüber, dass es dem dunklen Lord entgangen war. Eigentlich rechnete er minütlich mit … ja, mit irgendetwas…
Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, das war Lucius klar, sobald Wurmschwanz' gebückte Gestalt in den Planungsraum, direkt vor seine Füße schlich. Er schaffte es nur mit allergrößter Willensanstrengung diesen widerlich stinkenden Kretin nicht mit einem Fußtritt aus dem Weg zu schaffen.
„Lucius…" krächzte Wurmschwanz mit gerade genug Unterwürfigkeit in der Stimme, dass Lucius eigentlich keinen Grund hatte ihn zu bestrafen. „Der Lord verlangt nach dir." Ein schadenfrohes Grinsen folgte. Lucius Gesicht verzog sich zu einer wütenden Grimasse. „Du weißt ja, dass ich es nicht wert bin, meine Meinung zu sagen, aber ich denke, es geht um deinen Sohn… wahrscheinlich möchte der dunkle Lord dir selbst mitteilen, dass der Bengel zu verweichlicht ist um ihm zu dienen… ohhh, aber das meinte ich natürlich gar nicht so…" Wurmschwanz' schmieriges Grinsen wurde noch einen Deut breiter.
Lucius trat zu.
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Hogwarts, Krankenstation
„Gütiger Himmel, Mr Potter!" stieß Madam Pomfrey erschrocken aus, als sie Harry auf dem Bett sitzen sah.
Harry machte den halbherzigen Versuch eines Lächelns. „Hallo…"
Die Krankenschwester ließ einen Krug Wasser erscheinen und reichte ihn Harry. „Trinken sie!"
Selbst wenn Harry vorgehabt hatte zu protestieren, kaum berührten die ersten kühlen Tropfen des Wassers seine ausgedörrten Lippen, überlegte er es sich anders. In gierigen Zügen trank er, genoss die Kühle während das Wasser durch seine Kehle rannte.
„Ich werde ihnen etwas zu essen besorgen."
Harry nickte abermals und setzte den leeren Krug ab. „Ich könnte auch einfach in die Küche gehen und mir was holen." schlug er vor.
Madam Pomfrey bedachte ihn mit einem strengen Blick. „Nichts da! Sie bleiben schön hier, bis sie gegessen haben. Ich will sicher sein, dass sie mir nicht gleich wieder umkippen."
„Wie lange war ich hier?" fragte Harry und blickte den Rücken der Krankenschwester an. Er meinte zu sehen, wie ihre Schultern sich verspannten. „Eine Woche…"
Er schluckte. War ihm wohl bewusst, dass er mehrere Tage auf der Krankenstation verbracht hatte, war die gehörte Bestätigung dennoch ein kleiner Schock. Madam Pomfrey drehte sich nicht wieder zu ihm herum, sondern tippelte eilig davon.
Harry wunderte sich darüber, warum sie nicht einfach einen der Hauselfen herbeirief und… Bilder rauschten plötzlich durch seine Gedanken. Der Teppich im Grimmauldplatz, russverschmiert. McGonagall, wie sie am Begrüßungsabend den Zauberstab schwang und das Essen erschien. Der Gemeinschaftsraum der Gryffindors, der merkwürdig unaufgeräumt gewirkt hatte.
Harry senkte schnell den Blick, starrte scheinbar teilnahmslos seine Bettdecke an, doch in ihm rumorte es. Wo sind die Hauselfen? Die Geister und die Hauselfen? Wie konnte es sein, dass sie offensichtlich nicht mehr in Hogwarts waren? Und die alles überragende Frage war demnach, WO sind sie dann?
Er musste so schnell wie möglich hier raus und mit Ron und Hermine reden! Jedenfalls, soweit die einsetzende Müdigkeit ein Gespräch mit seinen Freunden überhaupt zulassen würde.
Dabei fiel ihm Malfoys Phiole ein. So schnell es seine zittrigen Knie zuließen, war Harry auf den Beinen und suchte hektisch die Taschen seines Umhanges ab. Zu seiner unendlichen Erleichterung fand er die Phiole sofort. Noch etwa zu einem Drittel gefüllt, schwappte der apfelsinenfarbige Trank sanft hin und her.
Er überlegte, ob er Ron und Hermine ebenfalls etwas von dem Trank geben sollte, kam aber zu dem Schluss, dass er es erst einmal ohne Trank versuchen wollte. Aus alter Gewohnheit traute er Malfoy noch immer nicht über den Weg. Sollte er mit diesem Trank tatsächlich falsche Erinnerungen heraufbeschwören wollen, würde sich das spätestens nach einem eingehenden Gespräch mit Ron und Hermine erklären.
Als Madam Pomfrey wenig später mit einem gut gefüllten Tablett zurückkam, hockte Harry schon wieder artig in seinem Bett, hatte sich sogar die Bettdecke bequem um die Hüfte drapiert. Er lächelte die Krankenschwester dankbar an und begann das Essen hinunterzuschlingen, selbst als Madam Pomfrey ihn warnte, er solle nicht allzu hastig essen.
Brav aß er, unter den argwöhnischen Blicken von Madam Pomfrey, alles auf. „Kann ich jetzt gehen?" fragte Harry, sobald er sein leeres Glas mit Kürbissaft zurück auf das Tablett gestellt hatte.
„Was machen ihre Kopfschmerzen?"
„Sind weg, ehrlich." Harry versuchte eine unschuldige Miene zum Besten zu geben, auch wenn er die Krankenschwester am liebsten gepackt und aus ihr herausgeschüttelt hätte, was es mit diesem Zauber auf sich hatte.
Madam Pomfrey zückte ihren Zauberstab und murmelte leise vor sich hin, während sie Harrys Kopf damit umrundete. Für einen Augenblick hoffte Harry fast, dass sie Malfoys Trank in seinen Adern entdecken würde und ihn zurück in das süße Vergessen hexte.
Doch nichts dergleichen geschah.
Madam Pomfrey beendete den Zauber, schenkte ihm noch einen letzten warnenden Blick und Harry durfte gehen. Er musste sich beherrschen um nicht allzu eilig zu wirken. Mit bedächtigen Schritten verließ er die Krankenstation mit nur einem Ziel.
Er musste endlich mit Ron und Hermine reden.
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Voldemort
Lucius atmete ein letztes Mal durch, bevor er in Voldemorts Allerheiligstes eintrat. Vereinzelte Fackeln hielten den Thronsaal wie immer im Zwielicht. Irgendwo meinte Lucius Nagini zischeln zu hören und sank in eine demütige Verbeugung.
„Tritt hervor, Lucius." säuselte Lord Voldemort. Der sanfte, fast liebevolle Klang seiner tiefen Stimme verursachte Lucius eine Gänsehaut des Grauens. Er tat wie ihm befohlen, schritt langsam und mit gesenktem Kopf vor den Thron. Er sank zurück auf die Knie.
„Nun, mein Lieber, sicherlich kannst du dir denken, warum ich dich herbefohlen habe?"
„Ja, mein Lord." antwortete Lucius so neutral wie es ihm möglich war, angesichts der Tatsache, dass sein Herz vor Sorge um seinen Sohn anschwoll.
„Nagini!"
Lucius zuckte zusammen, als Voldemorts Stimme um einiges lauter nach der Schlange rief. Schweiß brach ihm aus allen Poren.
„Geh und spiel mit Wurmschwanz! Ich denke, dieser Unsägliche lauscht schon wieder!"
Nagini verschwand mit blitzschnellen Bewegungen, das leise Schaben der Schlangenhaut auf dem Steinboden hatte selten so süß in Lucius Ohren geklungen. Sekunden später hörte er Wurmschwanz schreien. Voldemort lachte leise, bevor er sich erneut an ihn wandte. „Ich dachte, es interessiert dich zu hören, dass dein Sohn sich als würdig erwiesen hat mein Zeichen zu tragen…"
Lucius schloss die Augen, nicht sicher, ob er froh darüber sein sollte, dass Draco die Initiation in den Kreis der Todesser überlebt hatte. Vergeblich versuchte er sich vorzustellen, dass auf dem Unterarm seines Jungen nun dasselbe dunkle Mal brannte, wie auch er es trug. Mit Schrecken erinnerte er sich an die Etikette, referierte mit fester Stimme: „Mein Lord, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie stolz ich bin, dass ihr Draco als Anhänger erwählt habt…"
„Lassen wir doch diese Floskeln." unterbrach der dunkle Lord ihn und Lucius stockte der Atem. „Sieh mich an, Lucius."
Ohne zu Zögern öffnete Lucius die Augen und hob den Kopf. Voldemort musterte ihn eindringlich, bevor ein diabolisches Lächeln auf seinen schmalen Lippen erschien. „Wenn ich ehrlich sein soll, Lucius, hat mich der Eifer deines Sohnes tatsächlich erstaunt. Draco hat sich sehr verändert, nicht wahr, Lucius? Ich hatte ihn noch als den kleinen feigen Bengel in Erinnerung, von dem ich zwar Gehorsam erwartet habe, nicht aber jene Ungeduld mir dienen zu dürfen. Wie soll ich sagen, es mutete mir sogar etwas verdächtig an…"
Lucius wusste nicht, was er davon halten sollte, denn auch ihm erschien Dracos Verhalten ungewöhnlich. Seit jenem verhängnisvollen Schachzug des dunklen Lords, als er Dracos Gehorsam mit dem Leben seiner Eltern erpresste, hatte sich Draco mehr und mehr von Lord Voldemort distanziert.
„Ich sah mich gezwungen Draco mithilfe der Okklumentik ein wenig näher zu befragen…" fuhr Voldemort fort, ein lauerndes Grinsen auf den schmalen Lippen. Wenn Lucius befürchtete, es ging in diesem Gespräch tatsächlich um seinen Sohn, so wurde er eines Besseren belehrt. „Hast du Draco Okklumentik beigebracht, Lucius?"
„Nein, mein Lord." antwortete Lucius wahrheitsgemäß.
„Wer war es dann?" hakte Voldemort in einem gefährlich leisen Plauderton nach, den Lucius nur allzu gut kannte. Normalerweise bedeutete es, dass der Lord die Antwort auf seine Frage bereits kannte.
„Severus Snape." sagte Lucius mit einem stetig wachsenden Knoten im Hals.
„Wirklich?" fragte Voldemort süßlich und tat überrascht. „Was für ein Zufall, dass ich genau das gedacht hatte…"
Lucius wusste nicht, was er darauf antworten sollte und schwieg.
„Wo ist Severus?" fragte der dunkle Lord. Lucius Mund wurde trocken.
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Hogwarts, Große Halle
Harry fand seine Freunde beim Mittagessen. Verstohlen blickte er sich an den anderen Haustischen um, erschrocken darüber, wie viele seiner ehemaligen Mitschüler fehlten. Einige waren im Kampf gegen Voldemort gefallen, wie Dean… Leise Trauer meldete sich zurück in seiner Brust. Harry senkte schnell den Blick um keinen Verdacht zu erregen. Noch wusste er nicht, ob wirklich alle Schüler unter dem Zauber standen. Es wirkte so, denn nirgends sah er ein besorgtes Gesicht. Fröhliches Gelächter erklang bei den Hufflepuffs und irgendwo am Ravenclaw-Tisch gab jemand eine Parodie des letzten Chartbreakers zum Besten.
„Hallo Harry." Ginnys leise Stimme verlangte seine Aufmerksamkeit und Harry konnte nicht verhindern, dass er erstarrte, als sie ihn herzlich umarmte. Einige kostbare Sekunden erwiderte er ihre Umarmung, genoss den vertrauten Geruch ihres Haares, ihre Wärme, ihre Nähe, wusste er doch, dass sie nicht von Dauer war.
Über ihre Schulter hinweg sah er wie Fred und George sich ansahen. Harry machte sich sanft von Ginny los, er wollte nicht, dass sie ihn auch dafür noch hasste, wenn die Erinnerung zurückkam. Sie sollte ihm nicht vorwerfen können, dass er ihre Unwissenheit ausgenutzt und sich wieder an sie herangemacht hatte. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Fred die Stirn in Falten legte und ihn misstrauisch beobachtete.
Nun, dachte Harry, wie es scheint, sind nicht alle Schüler betroffen. Er beschloss, dass es an der Zeit war ein wenig mehr Klarheit in die Gedanken seiner Mitschüler zu bringen. Nicht sofort, nein, ganz allmählich… Harry fiel ein Muggelsprichwort ein und er unterdrückte ein Grinsen. Steter Tropfen höhlt den Stein… dann würde er wohl anfangen müssen zu tropfen.
Hermine kramte in ihrer Tasche und brachte zu Harrys Verwunderung eine ziemlich zerfranste Ausgabe des Tagespropheten hervor.
„Was hast du damit gemacht, den Boden gefegt?" flachste Ron, als Hermine sich umständlich daran machte, die zerfledderten Seiten wieder zusammenzuhexen.
„Keine Ahnung, was dieses Jahr mit den Eulen los ist. Heute Morgen kriege ich keine Zeitung, dafür fällt mir die Boten-Eule vorhin im Hof fast vor die Füße. Die Arme sah aus, als hätte eine Horde Hippogreife mit ihr Fußball gespielt, ich hab sie zu Hagrid gebracht." nach einem weiteren Tippen mit ihrem Zauberstab war der Tagesprophet zumindest wieder lesbar.
Hermine überflog die Schlagzeilen und wurde sichtlich blass. „Hier seht mal…" aufgeregt schob sie die Teller beiseite und breitete die Zeitung zwischen ihnen aus. Während Harry sich interessiert vorbeugte, wandte Ginny sich einer kichernden Lavender zu. Auch Rons Interesse galt eher dem Gebäck, als den notdürftig zusammengehexten Zeitung.
„Todesser in der Winkelgasse…" las Hermine leise. Harry bekam eine Gänsehaut, welche sich nur verstärkte, als er sah, wie Fred und George sich von ihren Plätzen erhoben.
„Der Laden von Borgin & Burkes ist von einigen Todessern praktisch auseinander genommen worden. Mr Borgin, der Besitzer, wurde tot aufgefunden, offenbar handelte es sich um eine Exekution. Das Verwunderliche daran sei, dass bei Mr. Borgin selbst das dunkle Mal gefunden wurde. Mr. Burkes, der andere Teilhaber wollte keinerlei Auskunft zu den Vorkommnissen geben."
„Das ist allerdings seltsam…" murmelte Harry, verstummte aber sofort wieder. Fred und George tauchten hinter Hermine auf und blickten ihr über die Schulter.
„Auroren waren auch da, aber am völlig falschen Platz… haben einige Kinder mächtig erschreckt…" Hermine grinste sarkastisch.
Harry sah auf, direkt in die zwei Augenpaare der Zwillinge. Er wusste, dass es wahrscheinlich besser wäre, sich weiter zu verstellen, doch der Funken Zorn in seiner Brust machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Warum spielten sie bei diesem falschen Spiel mit? Warum verrieten sie ihn? War es wegen Arthur? Es fiel Harry schwer das zu glauben, denn selbst nachdem Arthur nach St Mungo gebracht worden war, hatten Fred und George keinen Zweifel daran gelassen, dass sie auch weiterhin an seiner Seite kämpfen würden. Er konnte sich nicht erklären, was ihre Meinung geändert haben sollte.
„Wisst ihr, zuviel lesen ist schädlich für die Augen." meinte George und ließ Harry dabei nicht aus den Augen.
Harry grinste ihn unverfänglich an und war froh, dass Ron ihn in diesem Augenblick einen Teller mit Kuchen vor die Nase stellte. „Hier, Harry, iss! Du siehst völlig abgemagert aus."
Harry lächelte übertrieben freundlich. „Jaaaa, ich hab auch voll Hunger."
Fred wandte sich schulterzuckend ab und zog George mit sich. Dennoch entging Harry der verkniffene Gesichtsausdruck von Fred nicht. Offenbar hatte er eine andere Reaktion von Harry erwartet. Grimmig schaufelte Harry sich den Kuchen in den Mund, obwohl er nach dem ausgiebigen Mahl auf der Krankenstation immer noch das Gefühl hatte zu platzen. So leicht würde er niemandem verraten, dass der Zauber nicht mehr wirkte, jedenfalls nicht, bevor er nicht mit Ron und Hermine hatte sprechen können. Er brauchte dringend eine Möglichkeit allein mit ihnen zu reden… mit wachsender Verzweiflung überlegte er, wie er Ginny möglichst unauffällig los werden konnte.
Hermine sprang ohne ihr Wissen für ihn in die Bresche. „Ich denke, es wird das Beste sein, wenn ich dir gleich zeige, was du an Hausaufgaben nachholen musst…"
Ron stöhnte genervt. „Hermine, jetzt lass ihn doch wenigstens fertig essen!"
Harry unterdrückte das aufkommende Gefühl Hermine zu küssen. „Ach…" er winkte mit einem falschen Lächeln auf den Lippen ab, „…schon gut, je früher, desto besser. Wollen wir gleich gehen?"
Hermine war erfreut über Harrys unerwartete Begeisterung für Schulaufgaben und Ron sah ein wenig bedröppelt aus. Harry verabschiedete sich mit soviel Sanftheit von Ginny, wie er sich traute und stand auf, griff zu Rons Beruhigung noch nach einem Muffin.
„Ronald, kommst du? Auch dir würde ein wenig Lernen nicht schaden!" ließ Hermine vernehmen ohne sich wirklich nach Ron umzudrehen.
Harry musste sein Grinsen nicht vortäuschen, als Ron eine Grimasse schnitt.
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Malfoy Manor
Lucius trat aus dem Kamin in die vertraute Stille seines Arbeitszimmers. Zu müde um sich auch nur die Asche von seinem Umhang zu klopfen, ließ er sich in den breiten Sessel hinter dem wuchtigen Schreibtisch fallen. Für einige kostbare Momente schloss er seine brennenden Augen, versuchte sich zu sammeln, irgendwie zu wappnen für das Gespräch, welches er mit Narzissa würde führen müssen.
Letztlich hatte er es nach einigen schmerzhaften Runden des Cruciatus irgendwie geschafft den dunklen Lord davon zu überzeugen, dass er nicht von Severus' Verschwinden wusste. Wenngleich er diese glückliche Fügung hauptsächlich dem Umstand verdankte, dass einer von Voldemorts Verbündeten aus Europa mit unerfreulichen Nachrichten ankam, und den Lord ablenkte. Lucius hatte nicht mitbekommen, worum es ging, dazu hatten ihn die Nachwirkungen des Cruciatus zu sehr gefangen gehalten. Und dieses Mal war eben kein Severus in der Nähe, der die passenden Tränke ständig mit sich herumzutragen schien.
Lucius rieb sich die Augen, bevor sein Blick ziellos über die Bücherreihen zu seiner Rechten glitt, einen Wimpernschlag auf einer abgenutzten Ledertasche haftete, welche Vion direkt nach seiner Rückkehr im Arbeitszimmer seines Masters abgelegt hatte. Lucius erinnerte sich entfernt daran, dass Remus Lupin ihm weitere Unterlagen Dumbledores versprochen hatte. Er beschloss sie sich später anzusehen, wenn er nicht mehr das Gefühl hatte sein Sehnerv würde sich verknoten, sobald er nur die Augen öffnete.
Lucius erwog einen Augenblick lang Narzissa davon zu berichten, wie knapp sie heute einem vorzeitigen Witwendasein entkommen war, verwarf den Gedanken jedoch im selben Augenblick. Er wusste, dass er ihr ohnehin eine weitere Hoffnung nehmen würde. Und mit dieser Hoffnung nahm er ihr auch das Letzte an Sicherheit, an einem normalen Leben, was ihr noch geblieben war. Mit wachsendem Wehmut dachte er an den Anfang ihres gemeinsamen Weges zurück.
Sicherlich, ihre Hochzeit war von ihren Eltern fast mehr gewollt als von ihnen selbst. Dennoch hatte sich ihre anfängliche Verliebtheit im Laufe der Jahre zu einer tiefen Liebe entwickelt und Lucius bedauerte, dass er seine Frau in dieses Unglück geworfen hatte. Narzissa stand ihm stets treu zur Seite, egal welchen Irrpfad er auch beschritt. Sie hatte nie gewankt, nie gezögert mit allem was sie konnte für ihn einzustehen. All ihrer Liebe, all ihrer Kraft. Lucius wusste, dass er ihr nun das Einzige abverlangte, was sie nicht bereit war zu geben.
Ihren Sohn.
Draco…
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Hogwarts, 4. Gang unterhalb des Gryffindor-Gemeinschaftsraumes
„He, Hermine…" sagte Harry und blieb mitten auf der Treppe stehen. Seine Freundin drehte sich um und blickte ihn lächelnd an. „Was ist denn, Harry?"
„Können wir… vielleicht draußen alles besprechen? Ich hab… ich brauch ein frische Luft." log er. Die Wahrheit war eher, dass Harry Angst hatte, von einem der Porträts belauscht zu werden. So wie die Dinge standen, konnte er nicht einmal mehr den zweidimensionalen Schlossbewohnern trauen.
„Klar… du bist auch ganz schön blass." Hermine fischte nach ihrem Zauberstab und acciote ihre Schulsachen herbei. Ron machte große Augen, als ein Bücherstapel um die Ecke geschossen kam, der fast die hohen Steindecken des Schlosses streifte.
„Was?" fragte Hermine bei seinem fassungslosen Blick. Ron schüttelte nur stumm den Kopf. Hermine zuckte mit den Schultern und begann die Treppe wieder hinunterzusteigen, während der Bücherstapel dienstbeflissen hinter ihr herschwebte.
„Alter, das wird ein langer Tag." flüsterte Ron Harry zu. Harry grinste halbherzig. Ron wusste ja nicht, wie Recht er damit hatte.
„Lasst uns aufs Quidditchfeld gehen. Die Luft auf den Tribünen ist am Besten." bemerkte er. Weder Hermine noch Ron widersprachen, ein weiterer Indiz für Harry, dass sie noch unter dem Zauber standen. Normalerweise hätten sie ihm solch eine haarsträubende Bemerkung wohl kaum abgenommen.
Sie kletterten auf die Gryffindortribüne und ließen sich auf den obersten Rängen nieder. Unbewusst glitt Harrys Blick zur Tribüne der Slytherins. Doch natürlich war dort niemand. Seine Gedanken schweiften kurz zurück zu jenem Abend, als er Malfoy dort hatte sitzen sehen. Etwas machte Harry noch immer zu schaffen, wenn er daran dachte. Nicht nur die Tatsache, dass Malfoy allein dort war, nein, es war etwas weniger offensichtliches. Etwas, was er nicht wirklich benennen konnte, wie Nebel, der ihm zwischen den Fingern zerrann. Es war da, doch fassen konnte er es nicht. Harry schürzte gedankenverloren die Lippen.
Hermines Bücherstapel sank vor ihnen herab, versperrte die Sicht auf den Quidditchplatz. Rigoros räumte Ron die Bücher beiseite, unterband Hermines Protest: „Kein Wort! Wenn wir hier schon pauken müssen, will ich wenigstens den Quidditchplatz sehen und mich erinnern, wie viel schöner ich meine Freizeit verbringen könnte!"
Hermine schnitt ihm eine Grimasse und wandte sich Harry zu. „Also, in Verwandlung hatten wir…"
„Hermine, ich bin nicht hier um Schulaufgaben zu machen!" fuhr Harry ihr ins Wort, bedachte sie mit einem ernsten Blick, der ausreichte, dass Hermine widerstandslos ihre Aufzeichnungen beiseite legte.
„Was ist passiert?" fragte sie stattdessen. Ron starrte sie ungläubig an. Wieso funktionierte diese Taktik eigentlich nie bei ihm?
Harry war sich nicht sicher, wie er anfangen sollte. Oder wie er anfangen konnte, ohne dass Hermine und Ron auf der Stelle einschliefen. Er entschied erst einmal überhaupt nichts zu sagen, sondern zog wortlos Malfoys Phiole aus seiner Umhangtasche. Hermine runzelte die Stirn. „Was ist das?"
„Ich habe keine Ahnung." antwortete Harry wahrheitsgemäß.
„Aber wo hast du sie her?" Hermine nahm ihm die Phiole aus der Hand, begutachtet sie von allen Seiten. „Sieht nicht aus wie ein Trank, den ich kenne."
„Oh nein, seht mal!" Ron deutete auf das Spielfeld. Das Quidditchteam der Slytherins marschierte mit den Besen in den Händen auf. Harry folgte Rons Blick und stellte fest, was Ron noch entgangen war. „Malfoy…" flüsterte er.
„Hä?" machte Ron.
„Von… Malfoy?" fragte Hermine erstaunt, die sofort begriffen hatte. „Was hat er gesagt?"
„Nimm die Phiole, Potter." Harry zuckte mit den Schultern als Hermine ihn verwirrt ansah. „Mehr nicht."
„Hm." machte Hermine nur und beobachtete einen Moment versonnen wie die Slytherins sich auf dem Spielfeld versammelten.
„Schade, dass du den Tarnumhang nicht mit hast, Harry. Wir könnten rauskriegen, welche Taktik sie beim nächsten Spiel einsetzen wollen. Aber warum ist Malfoy nicht dabei." Ron lehnte sich vorsichtig weiter nach vorne. Noch hatte niemand von ihrer Anwesenheit Notiz genommen.
„Ist euch an Malfoy in letzter Zeit irgendwas komisches aufgefallen?" fragte Harry leise, erwartete schon einen neuen Anfall von Müdigkeit. Er nahm die Phiole von Hermine zurück und ließ sie vorsichtig in einer seiner Umhangtaschen verschwinden.
„Du meinst, außer der Tatsache, dass er seit Tagen nicht zum Unterricht erscheint und kein Lehrer sich darum kümmert? Nein, er ist genauso bescheuert wie immer." grinste Ron leichthin. Hermine schwieg.
Harry nahm wenig überrascht zur Kenntnis, dass Ron anscheinend nicht aufgefallen war, dass Malfoy nicht nur den Unterricht schwänzte, sondern, wenn er Fred und George glauben durfte, überhaupt nicht mehr in Hogwarts weilte. Er beschloss später auf das Thema zurückzukommen und stellte stattdessen eine andere Frage, die ihn beschäftigte: „Was ist mit mir?"
Nun betrachteten seine beiden Freunde ihn überrascht. „Mit dir?" fragte Ron. Harry nickte.
„Naja, du bist ständig müde…." sagte Hermine langsam. Wieder nickte Harry. „Obwohl… ich bin ja vorher auch noch nie einfach so eingeschlafen…"
Harrys Herz setzte kurz aus, nur um sodann noch schneller weiter zu schlagen. Hermine hatte es also auch bemerkt! Jetzt mussten sie nur noch darauf kommen, wann genau diese Müdigkeit sie überfiel.
„Stimmt. Das im Krankenflügel war schon merkwürdig. Ich kann mich nicht mal dran erinnern, mich in eines der Betten gelegt zu haben." musste auch Ron zugeben.
„Kann ich die Phiole noch mal sehen?" fragte Hermine.
„Später, da… ist noch etwas, was ich euch erzählen muss."
Hermine veränderte ihre Sitzposition und blickte ihn aufmerksam an. „Ich weiß."
Nun war es an Harry seine Freundin überrascht anzusehen. Hermine zuckte entschuldigend mit den Schultern und gähnte. „Glaubst du im Ernst ich hätte nicht bemerkt, dass irgendwas anders ist, seit du aus der Krankenstation zurück bist? Obwohl… auch vorher…" Sie gähnte erneut.
Harry wusste, dass Hermine jeden Moment einschlafen würde und entschloss sich für den rigorosen Weg. „Wieso hast du vergessen, dass Krieg herrscht? Dean ist tot. Charlie.."
Hermine klappte der Kiefer nach unten, Harry sah die schmerzlichen Erinnerungen in ihren dunklen Augen blitzen, bevor sie besinnungslos nach hinten kippte. Einzig Harrys schneller Reaktion war es zu verdanken, dass sie sich nicht ernsthaft verletzte.
„Hermine?" rief Ron erschrocken und zog sie vorsichtig in die Arme.
„Sie schläft nur." sagte Harry, schüttelte verärgert den Kopf, als er die mittlerweile vertraute Benommenheit in sich aufsteigen fühlte. Nur war sie eben nicht mehr stark genug, um ihn auszuschalten. Auch die aufkommende Müdigkeit rang ihm nicht mehr als ein mattes Lächeln ab.
„Woher…?" Ron betrachtete Hermine einen Augenblick. „Du hast Recht." sagte er schließlich ungläubig.
Harry brachte die Phiole wieder zum Vorschein und betrachtete sie einige Augenblicke nachdenklich. Schließlich entkorkte er sie und wollte sie an Hermines Lippen führen, Ron hielt ihn davon ab. „Du willst ihr das Zeug geben?"
„Ron, du hast es mir doch auch gegeben." Ron machte ein verständnisloses Gesicht. „Auf der Krankenstation!" fuhr Harry fort, musste aber einsehen, dass Ron sich nicht erinnern konnte. „Vertrau mir einfach… oder warte, nein, trink du zuerst. Aber nur einen Schluck, damit für Hermine noch genug übrig ist." Er hielt Ron die Phiole hin.
„Ich trinke doch nichts, was von Malfoy stammt, wer weiß, was der da…"
„RON! Ich habe es getrunken! Und?? Sehe ich irgendwie tot aus?" unterbrach Harry seinen Freund ungeduldig.
„Nein, aber…" Harrys genervter Blick brachte Ron zum schweigen. Etwas zögerlich nahm er ihm die Phiole ab und setzte sie an die Lippen. Mit einer Miene, als würde er damit rechnen, dass ihn auf der Stelle der Schlag treffen würde, trank er einen Schluck. Harry nahm die Phiole wieder entgegen und flößte Hermine den Rest des Trankes ein, bevor Ron Zeit hatte noch weiter zu protestieren.
Ron sackte im selben Moment auf seinem Stuhl zusammen, ließ Harry erschrocken herumfahren. Ein einziger Blick in das kreidebleiche Gesicht seines Freundes reichte aus um zu wissen, dass die Erinnerungen zurückkamen. „Es tut mir so leid, Ron." murmelte Harry. Ron schluckte hart, wisperte leise „Dad… Charlie…" bevor ihm die Tränen in die Augen schossen und seine Stimme versagte.
Harry sah weg. Es war nicht fair, dass Ron den Verlust seines Vaters und seines Bruders noch einmal durchmachen musste, den Schmerz noch einmal allzu frisch erleben musste. „Ich…" Ron sprang von seinem Platz auf, wischte sich mit einer hilflosen Geste die Tränen aus den Augen. „…bewegen… ich muss mir mal die… Füße vertreten." stammelte er und hastete die hölzernen Stufen des Gryffindorturmes hinunter. Harry wusste, dass Ron log, doch er konnte es ihm kaum verdenken, dass er ein wenig Zeit für sich brauchte.
Direkt nach Arthurs Angriff war Harry derjenige gewesen, der sich von Ron ferngehalten hatte, aus Angst, dass auch Ron sich - wie Ginny - von ihm abwenden würde. Doch das hatte Ron nicht getan. Nach einigen Tagen war er in Harrys Haus aufgetaucht und hatte sich nach dem neuesten Stand der Horkruxsuche erkundigt. Stillschweigend waren sie überein gekommen, so wenig wie möglich über Arthur zu sprechen. Harry konnte nur hoffen, dass es auch diesmal so sein würde.
Hermine bewegte sich in seinen Armen, murmelte leise im Dämmerschlaf zwischen Wachen und Schlafen. Harry sah Ron am Rande des Quidditchfeldes auftauchen. Scheinbar interessiert sah er den Slytherins bei ihren Flugübungen zu. Doch er wusste, dass Rons Gedanken bei Arthur und Charlie weilten.
Hermine murmelte ein verwirrtes. „Harry?" und setzte sich mühsam auf, nur um wenig später zurück in seine Arme zu sinken. Tränen rannen ihr über die Wangen. Harry wusste, dass sie verstand was geschehen war und schwieg. Wie er, so brauchten auch Ron und Hermine Zeit um mit den Erinnerungen fertig zu werden.
Eine knappe halbe Stunde verging, bevor Ron mit schweren Schritten zurück auf den Turm kam. Hermine machte sich von Harry los und ging ihm entgegen. Einen Augenblick standen sie voreinander und schauten sich schweigend an. Dann tat Ron etwas, was Harry tatsächlich überraschte. Er zog Hermine in die Arme und barg sein Gesicht in ihrem Haar. Hermine erwiderte die Umarmung und Harry wandte den Blick merkwürdig berührt ab. Selbst nach Arthurs Verletzung hatte Ron es nie über sich gebracht Hermine zu sagen, was er für sie empfand. Es überraschte Harry, dass er gerade jetzt den ersten Schritt tat.
Einige Augenblicke später kamen Ron und Hermine zu Harry zurück. Nah beieinander setzten sie sich neben ihn.
„Was geht hier vor?" fragte Ron ernst.
Harry zuckte mit den Schultern. „Wenn ich das wüsste…"
„Was weißt du bis jetzt? Was ist das für ein Zauber, der unsere Erinnerungen ausgelöscht hat?"
„Ron, ich weiß es wirklich nicht. Aber… an was erinnert ihr euch jetzt?" Hermine schaute ihn verständnislos an. „Wie meinst du das?"
Harry zögerte, nicht wirklich wissend, wie er seine Sorge formulieren sollte. „Der Trank, den ich euch gegeben habe…"
„Du hast mir DEN Trank gegeben? Von Malfoy?" erschrak Hermine. Harry machte ein zerknirschtes Gesicht und Ron brachte ein halbherziges Grinsen zustande.
„Na ja, ich habe ihn ja genommen und es überlebt…" Mit schnellen Sätzen fasste Harry zusammen, was er über die Wirkungsweise des Trankes beobachtet hatte. Dann, dass er sich sorgte, Malfoy könnte ihm mit diesem Trank falsche Erinnerungen eingeflößt haben. Schnell kamen die Drei jedoch überein, dass Malfoys Trank tatsächlich ihre richtigen Erinnerungen zurückgebracht hatte, so schmerzhaft diese auch sein mochten.
„Ich habe noch immer Kopfschmerzen." stellte Ron fest.
„Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir nicht die volle Dosis gekriegt haben. Malfoy hatte die ganze Phiole für Harry vorgesehen…" kombinierte Hermine völlig richtig.
„Ich werde Malfoy fragen, ob er uns noch etwas von dem Trank geben kann." sagte Harry nachdenklich, bevor ihm erneut einfiel, warum das Quidditchteam der Slytherins ohne ihren Sucher trainierte.
Hermine gähnte, bevor sie antwortete: „Vorausgesetzt du findest ihn hier irgendwo."
„Nein." antwortete Harry leise. „Er ist nicht mehr in Hogwarts."
„Wie kommst du denn darauf?" fragte Ron verwundert.
„Was denkst du, warum die Lehrer es ihm sonst durchgehen ließen, nicht zum Unterricht zu erscheinen und krank ist er auch nicht, jedenfalls habe ich ihn auf der Krankenstation nicht gesehen." fasste Hermine zusammen.
„Hermine, es wäre nett, wenn du zur Abwechslung mal 5 Minuten nicht so besserwisserisch wärst! BITTE!" Ron warf ihr einen finsteren Seitenblick zu, wich aber gleichzeitig nicht von ihrer Seite. Hermine wurde ein wenig verlegen und schaute schnell in eine andere Richtung. „Er ist seit dem Tag verschwunden, als er dich auf die Krankenstation gebrach hat." setzte sie leiser fort.
„Er hat mir die Phiole gegeben und verschwindet plötzlich spurlos?" Harry kratzte sich im Nacken. Noch eine Frage mehr, die es zu beantworten galt.
„Es wird auch so gehen. Ich bin zwar todmüde, aber immerhin schlafe ich nicht mehr ein und die Kopfschmerzen sind auch erträglich." stellte Hermine fest.
„Hmmm, ja, meine Kopfschmerzen sind auch besser geworden…" antwortete Harry nachdenklich. Keiner der Drei hatte die herrischen Schritte gehört, welche die Stufen zum Turm erklommen und sie sprangen erschrocken auf, als eine tiefe Stimme plötzlich hinter ihnen sagte. „Wie schön, für Sie, Potter. Dann können sie drei mir ja sogleich folgen und sich ihre Strafarbeit abholen!" Severus stand mit wütendem Gesichtsausdruck vor ihnen, hinter seinem Rücken schielte der Treiber der Slytherins schadenfroh herüber.
„Strafarbeit?" Harry war kurz davor in spöttisches Gelächter auszubrechen. Jetzt, wo er sich wieder erinnerte, würde er sich von Snape garantiert keine Strafarbeit mehr… Hermines Tritt gegen sein Schienbein brachte ihn zum Schweigen.
„Wofür? Seit wann ist es verboten hier draußen zu lernen?" fragte Hermine und deutete auf den unordentlichen Stapel Lehrbücher. Harry kam nicht umhin Hermines schnelles Reaktionsvermögen zu bewundern.
Snape lüpfte misstrauisch eine Augenbraue. „Lernen, Ms Granger? Ich habe da etwas anderes gehört."
„Tatsächlich, und was?"
Snape warf einen bedeutsamen Blick auf den Slytherin-Schüler hinter sich. „Dass sie sich hier herumtreiben um sich Vorteile für das nächste Quidditchspiel zu verschaffen."
Nun konnte Harry sich wirklich nicht mehr beherrschen. „Vorteile? Wozu brauche ich Vorteile? Wann hab ich im Quidditch denn jemals verloren?"
Snape wurde blass und Harry kam einen nun wirklich schmerzhaften Tritt von Hermine.
„In mein Büro! Alle Drei! SOFORT!"
Damit rauschte Snape von dannen, einen sichtlich zufrieden aussehenden Slytherin-Treiber hinter sich.
Harry warf Hermine nun einen bösen Blick zu und kommentierte sein schmerzendes Schienbein. „Au! Das tat wirklich weh!"
„Sollte es auch, du Held. Könntest du vielleicht aufhören die ganze Welt gleich darauf hinzuweisen, dass du nicht mehr unter dem Zauber stehst?" schimpfte Hermine verhalten. Harry murmelte eine Entschuldigung, denn eigentlich war er vollkommen ihrer Meinung. Es wäre definitiv besser, wenn vorerst niemand von ihrer Entzauberung wüsste.
„Gehen wir, bevor er uns noch ne Strafe wegen Zuspätkommen zur Strafe aufbrummt." Weder Ron noch Harry widersprachen. Schweigend machten sie sich auf den Weg zurück ins Schloss.
„Warum ist Snape eigentlich wieder hier, ohne dass ihm ein Haufen Auroren am Umhangzipfel hängen um ihn nach Askaban zu schleifen. Soweit ich mich erinnere, steht Mord doch noch immer unter Strafe…" murmelte Ron leise, während sie etwas außer Atem den Abhang zum Schloss hinaufstiegen.
„Darauf hab ich auch noch keine Antwort gefunden…" sagte Harry.
„Ich schätze, wir haben heute noch einiges zu bereden, Jungs." meinte Hermine. Sie wusste nicht, wie Recht sie damit behalten sollte.
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Malfoy Manor
Narzissa erschrak sich fast zu Tode, als sie das Arbeitszimmer ihres Mannes betrat und diesen zusammengesunken hinter dem Schreibtisch vorfand. Einen entsetzlichen Augenblick lang dachte sie, er wäre nicht mehr am Leben, bis sie endlich die sich in gleichmäßigen Atemzügen hebende Brust sah.
Leise trat sie näher, strich ihrem Mann zärtlich über die Wange. Lucius murmelte, bevor er zuckte und erschrocken aufsprang. Narzissa lächelte ihn entschuldigend an. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken…" sagte sie, stockte jedoch, als sie die Aufruhr in Lucius klaren Augen sah. „Was ist passiert?" fragte sie ohne Umschweife. Sie war sich sicher, keine weiteren Versprechen, Vertröstungen und Halbwahrheiten mehr ertragen zu können, auch wenn sie wusste, dass Lucius das nur tat um sie zu schützen.
Sie sah ihrem Mann an, dass er mit sich rang. „Keine Ausflüchte, Lucius. WAS ist mit Draco?" brachte sie ihre Ängste auf den Punkt. Die Tatsache, dass Lucius ihrem forschenden Blick auswich, bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen. Dennoch schwieg sie, erwartete mit vor Furcht gelähmtem Herzen die schreckliche Wahrheit.
„Draco… hat die Initiation überstanden… er… er trägt das dunkle Mal…" brachte Lucius mit rauer Stimme hervor.
Narzissa sank in seine Arme, Tränen rannen über ihre blassen Wangen. Sie hätte selber nicht sagen können, ob es Tränen der Erleichterung waren, weil ihr einziger Sohn noch lebte. Oder Tränen der Trauer, weil Draco im Begriff war denselben unwiderruflichen Fehler zu begehen wie sein Vater.
So standen Narzissa und Lucius lange. Aneinandergeklammert, mit den Gedanken bei ihrem Sohn und der furchtbaren Gewissheit, dass sein Schicksal nicht mehr länger in ihren Händen lag.
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Hogwarts, Snapes Büro
Es kam, wie Harry es nicht anders erwartet hatte. Kaum hatten sich die Holztüren von Snapes Büro hinter ihnen geschlossen, interessierte es den sauertöpfischen Lehrer nicht mehr, was Hermine zu ihrer aller Verteidigung vorzubringen hatte. Er erging sich in den haarsträubendsten Vermutungen darüber, wie sie das Slytherin-Team hatten ausspionieren wollen um auch in ihrem letzten Jahr den Quidditchpokal an sich zu reißen. Irgendwann beschlich Harry das unbestimmte Gefühl, dass Snape dies nur tat, weil der Treiber der Slytherins neben ihm hockte und mit einem verschlagenen Grinsen der Standpauke lauschte.
Selbst Hermine wurde es irgendwann zuviel und sie schwieg. Snape verdonnerte sie zu einer saftigen Strafarbeit und schickte sie hinaus. Mit einem einigermaßen belustigten Grinsen bemerkte Harry, wie der eben noch so selbstsichere Slytherintreiber machte, dass er davonkam. Höchstwahrscheinlich hatte er Angst mit den drei Gryffindors alleine in den Gängen zu sein.
In einem früheren Leben wäre diese Angst eventuell sogar berechtigt, besonders wenn man Rons normale Reaktion auf solche eine Ungerechtigkeit kannte. Nun, nach allem was geschehen war, war sowohl Harry, als auch Ron ein Quidditchpokal herzlich egal. Sie drängten sich fast zu Dritt aus der engen Tür zu Snapes Büro.
Harry blickte dem flüchtenden Slytherin hinterher.
Plötzlich gefror ihm das Grinsen auf den Lippen und er blieb wie angewurzelt stehen. Unweigerlich prallten Ron und Hermine in seinen Rücken. Harry bemerkte es nicht einmal.
Die Stimmen seiner Aussetzer gellten ihm in den Ohren. Allen voran hörte er sich selbst schreien. „Draco…" wisperte er tonlos, konnte den Blick nicht von der verschmutzten, totenblassen Gestalt abwenden, welche dort, nur wenige Schritte von ihnen entfernt, mitten im Gang stand.
„Potter, was zum…" schimpfte Snape hinter ihm. Harry hörte es wie durch einen Nebelvorhang, gedämpft und unwichtig. Er machte einen zögernden Schritt nach vorn.
Es war ohne Zweifel Malfoy, der da stand, leicht wankend, wie ein junger Baum im Wind. Doch Harry hätte lügen müssen, wenn er behauptete, dass er ihn sofort erkannt hätte. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen, das ohnehin schmale Gesicht wirkte eingefallen und Harry meinte ihn zittern zu sehen. Malfoy erkannte ihn ebenfalls, doch es schien, als habe er kaum mehr die Kraft ein spöttisches Grinsen zustande zu bringen. Harry trat noch einen Schritt vor, erkannte mit einigem Schrecken das getrocknete Blut auf Malfoys Kleidung, den Dreck in seinen hellen Haaren.
„Du erinnerst dich…" Malfoys Stimme war rau und brüchig. Harry nickte, meinte etwas wie Erleichterung in den grauen Augen seines Gegenübers zu finden. Dann wurde er rigoros zur Seite gestoßen, als Snape an ihm vorbeihastete.
„Draco… oh mein Junge!" flüsterte Snape und zog Draco in die Arme, unbeachtet der unerwünschten Zuschauer, unbeachtet der vor Dreck stinkenden Kleidung des Jungen. Erleichterung flutete seinen Körper, ungewollte Tränen drängten sich gegen seine Lider, als er das Zittern des Jungen bemerkte.
Doch es war ausgerechnet Harry, der ein erschrockenes Keuchen ausstieß, als Malfoy plötzlich leblos in Snapes Armen zusammensackte.
Tbc…
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