Quidditch

Der Morgen des nächsten Tages verging relativ rasch.

In der ersten Stunde hatten sie Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Professor Wrinkle, der sich als genauso vergesslich und unfähig, dieses Fach richtig zu unterrichten herausstellte, wie Riddle gesagt hatte. Er war ein ziemlich alter Zauberer mit grauem Bart und Brille, der während des Unterrichts dauernd den Faden verlor.

Der Großteil der Klasse passte überhaupt nicht auf, sondern beschäftigte sich lieber anderweitig, so dass es fast so laut war, wie in Professor Tubbys Unterricht.

In der zweiten Stunde hatten sie frei und in der Dritten war Zaubertränke an der Reihe, Harrys am wenigsten geliebtes Fach.

Doch es stellte sich als gar nicht so schlimm heraus. Professor Damp war zwar auch nicht gerade die Liebenswürdigkeit in Person, aber er war bei weitem nicht so unangenehm wie Snape und da die Slytherins zu seinem eigenen Haus gehörten, hatte Harry vor ihm seine Ruhe. Zudem hatte Harry den Trank, den sie durchnahmen bereits einmal gebraut. Am Ende der Stunde gab er, zufrieden mit sich, eine Probe des Trankes ab.

Während des Mittagessens erhielten Harry und Malfoy eine Nachricht, dass ihre Ausrüstung eingetroffen sei.

Harry war darüber ziemlich erleichtert, denn nach mehr als zwei Tagen in der gleichen Kleidung begann er allmählich, sich ungemütlich zu fühlen. Außerdem war er jetzt nicht mehr ständig auf Riddle angewiesen, wenn er Schulbücher und Schreibmaterial brauchte.

Sein nächstes Fach hatte er erst wieder in der letzten Stunde am Nachmittag.

Es stellte sich heraus, dass jeder der drei in dieser Stunde ein anderes Fach hatte.

Malfoy hatte wieder Kräuterkunde, Riddle hatte Geschichte der Zauberei und Harry hatte Pflege magischer Geschöpfe.

„Pflege magischer Geschöpfe? Das ist schlecht.", meinte Riddle, als er davon erfuhr.

„Wieso schlecht?", fragte Harry.

„Weil du der einzige Slytherin bist, der dieses Fach belegt hat."

„Ist das ein Problem?"

„Nun ja, du bist neu hier... Oder zumindest sollen das alle denken.", sagte Riddle rasch, als Harry widersprechen wollte. „Wir haben zwar eine Art Waffenstillstand, aber es ist trotzdem unklug für einen von uns, allein unterwegs zu sein."

Nach seinem gestrigen Erlebnis konnte Harry das durchaus verstehen.

„Hat Roger Daring dieses Fach belegt?", erkundigte er sich wie beiläufig.

„Ich glaube ja.", antwortete Riddle. „Wieso?"

„Ach, nur so. Du hast gestern erwähnt, dass er nicht viel von dem Waffenstillstand hält."

„Oh, ja. Mach dir nicht zu viele Gedanken um ihn. Wenn er sich nicht benimmt, sagst du es mir, klar? Das ist Sache der Vertrauensschüler."

„Oh ähh... gut."

Er hatte nicht vor, irgendwem etwas von seinem gestrigen Kampf zu erzählen, schon gar nicht Riddle.

„Dein Lehrer ist Professor Porlock."

„Wie ist er so?"

„Keine Ahnung. Ich hatte ihn nie. Am Besten fragst du da einen der anderen. Bis auf mich und Rita Jugson hatten alle dieses Fach. Du findest den Weg nach draußen?"

Harry nickte.

Er sah der Stunde mit eher gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freute er sich, mal eine Weile von Riddle und den anderen Slytherins weg zukommen, anderseits war er als Slytherin bei den anderen Häusern nicht besonders beliebt. Er musste sich vermutlich auf spöttische und abfällige Bemerkungen einstellen. Und es war noch nicht abzusehen, wie sich sein Duell mit den drei Gryffindors auswirken würde. Harry konnte sich nicht vorstellen, dass Roger Daring seine Niederlage einfach so hinnehmen würde.

Es zeigte sich jedoch, dass seine Sorgen wegen Daring sich als unbegründet erwiesen, denn dieser ignorierte ihn einfach.

Die anderen Schüler tuschelten zwar leise, zeigten auf ihn und manche Blicke, die sie ihm zuwarfen waren nicht besonders freundlich, aber die erwarteten Verspottungen und Bemerkungen blieben aus. Riddle schien gute Arbeit geleistet zu haben.

Besonders wohl fühlte Harry sich trotzdem nicht. Direkte Feindseligkeiten blieben zwar aus, doch es schien auch niemand Interesse daran zu haben, mit ihm zu reden. So blieb er also die ganze Stunde allein.

Um sich abzulenken hörte er besonders aufmerksam Professor Porlock zu, einem Man von mittleren Alter, der eine Menge struppiger Haare auf seinem Kopf und eine ungewöhnlich lange Nase hatte. In dieser Stunde nahmen sie Fwuuper durch, eine afrikanische Vogelart, mit einem besonders leuchtenden Gefieder in allen möglichen Farben, deren Gesang seinen Zuhörer mit der Zeit in den Wahnsinn treibt. Darum wurden Fwuuper auch regelmäßig mit einem Schweigezauber belegt.

Die Stunde war zwar sehr interessant, aber Harry war doch froh, als sie vorbei war. Er wünschte, dass Ron und Hermine bei ihm wären und dass Hagrid den Unterricht gehalten hätte, selbst wenn das wohl bedeutet hätte, sich mit irgendeinem gefährlichen Monster auseinanderzusetzen.

Auf dem Rückweg zum Schloss traf er auf Malfoy, Elisabeth Mite und Jane Cameo, die gerade von Kräuterkunde kamen.

Malfoy beschwerte sich wieder über seine Lehrerin.

„Diese blöde Herb! Heute hat sie mir einen zwei pergamentrollenlangen Extraaufsatz aufgegeben. Wenn das so weiter geht, lasse ich mich krank melden!"

Harry hatte kein besonders großes Mitleid mit Malfoy. Er selbst hatte es jahrelang mit Snape aushalten müssen.

Malfoy benötigte sein Mitleid jedoch auch gar nicht, denn er fand genug Trost bei Elisabeth. Harry hatte das Gefühl, dass sich Elisabeth an Malfoy heran machte. So ganz konnte er jedoch nicht verstehen, was sie an ihm fand. Vielleicht spürte sie ja so eine Art Seelenverwandtschaft.

Nach dem Abendessen waren sie zu sehr mit ihren Hausaufgaben beschäftigt, um an diesem Tag noch Nachforschungen anzustellen.

„Wir fangen damit am Wochenende an.", sagte Riddle, als Harry ihn kurz vor dem Schlafengehen darauf ansprach.

„Morgen ist ja bereits Freitag."

Am Freitagmorgen musste Harry ohne Riddle und Malfoy zum Frühstück gehen, da Riddle als Vertrauensschüler irgendwo einen Streit schlichten musste und Malfoy Elisabeth noch bei ihren Arithmantik-Hausaufgaben half.

Er war aber keineswegs allein. Dave Wilkes, Kevin Rookwood und Dolusus Avery leisteten ihm beim Frühstück Gesellschaft. Ein Slytherin war selten allein.

Gegen Ende des Frühstücks tauchte Malfoy auf. Er schien über irgendetwas aufgeregt zu sein.

„Hast du schon mal aufs Schwarze Brett gesehen, Black? Heute, Freitagabend findet die Quidditchauswahl für Slytherin statt!"

Harry horchte auf. Der Gedanke an Quidditch ließ alles gleich viel weniger schlimm erscheinen. Doch seine Begeisterung legte sich schnell wieder.

„Es wär schon toll, wieder Quidditch zu spielen, aber wir haben keine Besen."

„Oh, ja."Malfoy war sichtlich enttäuscht.

„Ihr spielt Quidditch?", mischte sich Rookwood ein. „Seid ihr gut?"

„Gut? An unserer Schule waren wir die Besten!", sagte Malfoy stolz.

„Kevin ist Captain der Hausmannschaft.", erklärte Dave Wilkes.

„Das stimmt.", bestätigte Rookwood. „Und wir brauchen noch einen Treiber, zwei Jäger und einen Sucher. Wenn ihr wirklich so gut seid, wie du sagst, Malfoy, könnten wir euch brauchen."

„Sind wir. Aber wir haben keine Besen.", sagte Malfoy düster.

„Das dürfte kein Problem sein. Warum nehmt ihr nicht einfach zwei Schulbesen?"

„Schulbesen?" Malfoy klang nicht begeistert.

„Wir haben erst letztes Jahr Neue bekommen. ‚Silberpfeil'. Ziemlich gute Besen. Ihr hättet also die gleichen Chancen, wie alle anderen auch. Kommt doch einfach mal zur Auswahl heute Abend, dann werden wir ja sehen."

„Ja, in Ordnung.", sagte Malfoy erfreut. „Wie ist es, Black?"

„Von mir aus.", sagte Harry möglichst gleichgültig. In Wirklichkeit ließ der Gedanke, bald wieder auf einem Besen zu sitzen, sein Herz hüpfen.

Den ganzen Tag lang freute er sich auf den Abend. Seine Laune wurde sogar noch besser, als Professor Dumbledore ihn für das perfekte Beschwören eines Federhalters lobte.

Riddle reagierte eher mäßig, als er von ihrem Vorhaben erfuhr.

„Habt ihr denn noch ausreichend Zeit für Schularbeiten und Nachforschungen, wenn ihr regelmäßig zum Quidditchtraining müsst?"

„Warum nicht?", fragte Malfoy. „Immerhin haben wir den bisherigen Stoff schon mal durch genommen und früher haben wir es schließlich auch geschafft."

„Nun ja, da musstet ihr euch aber noch nicht mit diesem... kleinen Problem auseinandersetzen."

„Du spielst wohl kein Quidditch, wie?", fragte Malfoy fast herausfordernd.

„Nein. Ich sehe einfach keinen vernünftigen Sinn dahinter, ein paar Bällen hinterher zujagen. Aber jeder kann schließlich tun und machen, was er will. Wenn euch also so viel daran liegt, meinetwegen. Es ist ja schließlich euer Problem, was wir zu lösen versuchen."

Damit war diese Sache für Riddle erledigt.

Harry ließ sich die gute Laune jedoch nicht von Riddle verderben. Es war ihm egal, was der von Quidditch hielt.

Nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste hatte er den Rest des Tages frei. Malfoy hatte jedoch noch mit Riddle zusammen Arithmantik und so wartete Harry ungeduldig auf ihre Rückkehr.

Er versuchte, mit seinen Hausaufgaben anzufangen, konnte sich jedoch nicht richtig konzentrieren und blickte dauernd auf die Uhr.

Als Riddle und Malfoy endlich auftauchten, hatte er gerade mal zwei Sätze für seinen Verwandlungsaufsatz zusammengebracht.

Malfoy schien genauso ungeduldig zu sein, wie er. Seine Begrüßung lautete: „Können wir gehen?"

„Lasst euch ruhig Zeit.", meinte Riddle. „Ihr seid neu hier, vergesst das nicht! Da ist es normal, wenn ihr zu spät kommt. Andernfalls schöpft noch jemand Verdacht."

Riddles Rat war vernünftig, aber es fiel ihnen schwer, sich daran zu halten. Harry brannte darauf, endlich wieder auf ein Quidditchfeld zu kommen. Der Himmel war klar und es wehte eine leichte Brise. Ideale Quidditchbedingungen.

Gemeinsam marschierten sie Richtung Quidditchfeld.

Harry fiel etwas ein. „Für welche Position willst du dich eigentlich bewerben?", fragte er Malfoy.

„Ich dachte daran, es mal als Jäger zu probieren."

„Tatsächlich? Dann hast du wohl eingesehen, dass ich der bessere Sucher bin?"

„Bilde dir bloß nichts ein! Ich wollte immer schon mal Jäger sein. Bisher war bloß kein anderer Posten, als der des Suchers frei.", sagte Malfoy hochmütig.

Harry nahm ihm das nicht ab. Er wusste, dass er der bessere Sucher von Beiden war und Malfoy wusste es auch. Bisher hatte Harry ihn noch in jedem Spiel geschlagen.

Als sie schließlich auf dem Quidditchfeld ankamen, trafen sie nur Rookwood und Wilkes an.

„Wo sind denn alle?", fragte Harry erstaunt.

„Vermutlich noch beim Unterricht. Das ist ein Vorteil der höheren Klassen. Wir haben mehr Freistunden. Aber ihr könnt euch schon mal einfliegen und uns zeigen, was ihr so drauf habt."

Der Silberpfeil schien tatsächlich kein schlechter Besen zu sein, wenn er auch dem Vergleich mit den Rennbesen der Zukunft nicht Stand hielt, schon gar nicht mit einem Feuerblitz. Für diese Zeit schien er jedoch ein recht guter Besen zu sein und er war noch nicht so ramponiert, wie es Schulbesen nach einer gewissen Zeit eben sind.

Malfoy betrachtete seinen Besen kritisch. „Hätte vermutlich schlimmer kommen können. Also los, Black! Zeigen wir's ihnen!"

Harry stieß sich vom Boden ab und das wunderbare Gefühl, das er immer beim Fliegen empfand, strömte in seinen Bauch. Hier oben konnte er Riddle, Daring und sein Zeitproblem vergessen. Hier oben zählten seine Sorgen nichts. Er war wieder frei!

Harry sauste über das Feld und genoss den Wind, der ihm ins Gesicht peitschte. Natürlich erreichte der Silberpfeil nicht die Geschwindigkeit eines Feuerblitzes, aber es war toll, überhaupt wieder auf einem Besen zu sitzen.

Er jagte um die Torstangen, vollführte in der Luft aus purer Freude am Fliegen ein paar Loopings, und schloss zu Malfoy auf, der auf der anderen Seite des Feldes seine Runden drehte.

„Angeber! Was du kannst, kann ich schon lange!", rief Malfoy und legte an Tempo zu.

Harry nahm die Verfolgung auf.

Dicht über ihre Besenstiele geduckt, lieferten die Beiden sich ein wildes Wettfliegen. Dicht flogen sie an den Pfosten vorbei und versuchten in schwierigen Manövern, den Anderen zu überholen.

Schließlich gelang es Harry in einer scharfen Kurve, bei der er nur haarscharf an einem Pfosten vorbeischrammte, an Malfoy vorbeizugehen und landete glücklich triumphierend auf dem Feld.

Malfoy folgte ihm. „Glück gehabt, Black. Nächstes Mal wird es anders ausgehen."

Harry grinste. „Gib doch einfach zu, dass ich der Bessere Flieger bin!"

„Das glaubst auch nur du!"

„Malfoy, Black!"

Rookwood und Wilkes kamen auf sie zu gerannt.

„Das war irre!", sagte Rookwood, als sie bei ihnen ankamen. „Für mich seid ihr auf jeden Fall schon im Team. Ich hätte nie gedacht, dass man aus einem Silberpfeil so viel Speed rausholen könnte."

„Tja, wir sind eben gewissermaßen Naturtalente.", sagte Malfoy eitel lächelnd.

Rookwood meinte zwar, dass sie nicht mehr vorfliegen mussten, aber Harry wollte gern noch ein Weilchen auf seinem Besen bleiben.

Von denen, die sich für die Position des Suchers beworben hatten, war er definitiv der Beste.

Nachdem fest stand, dass er und Malfoy im Team waren, fehlten nur noch ein Jäger und ein Treiber. Die Position des Jägers bekam ein Viertklässler mit Namen Tobey Travers und Treiber wurde ein Drittklässler namens Jonathan Wilkes, der anscheinend Daves jüngerer Bruder war. Dave Wilkes war Hüter und der andere Treiber war ein Fünftklässler, dessen Namen Harry allerdings wieder vergaß. Mädchen waren keine in der Slytherin Hausmannschaft.

Rookwood war sehr zufrieden mit seiner Mannschaft. „Dieses Jahr wird der Quidditchpokal unseren Namen tragen!", sagte er begeistert. „Wir zeigen es all den Versagern und Schlammblütern!"

Als sie ins Schloss zurückkehrten, fühlte Harry sich immer noch leicht und beschwingt. Riddle war selbst schuld, wenn er die Schönheit und die Freude am Fliegen nicht begriff. Denn das war der Sinn des Fliegens: Spaß zu haben und alle Probleme für eine Weile zu vergessen.

Ich weiß, wie sehr ihr alle auf eine baldige Fortsetzung hofft, aber ich muss ehrlich sagen, dass das wahrscheinlich nichts wird. Ich besuche jetzt die 11. Klasse des Gymnasiums und das hier wird wohl das härteste Jahr in meiner bisherigen Laufbahn. Eigentlich hätte ich auch für dieses Kapitel keine Zeit gehabt. Mal sehen, was sich machen lässt, aber wahrscheinlich komme ich vor den Herbstferien (Anfang November) nicht mehr zum Schreiben.

Ich suche trotzdem einen Beta-Leser. Der – oder Diejenige hätte nicht viel zu tun, da er/sie wahrscheinlich nur alle paar Monate ein neues Kapitelchen zum Korrigieren erhalten würde. Wer Interesse hat, kann mir das, zusammen mit seiner/ihrer e-mail-Adresse in einem Review mitteilen.

Zu euren Reviews:

lynia: Danke für deine tollen Komplimente (ganz rot werd). Das mit der Rechtschreibung kommt eigentlich ganz automatisch, außerdem hab ich ein Rechtschreibprogramm.

red blooded woman: Vielen Dank für dein Review. War das jetzt schon zu lang? Dann kann ich nur hoffen, dass du trotz längerer Wartezeiten dabei bleibst.

Luv Lee: Weihnachten? Hmm... ganz so lang wird es hoffentlich nicht dauern, aber wie ich oben schon gesagt habe: Es kann länger dauern. Ich weiß selbst nie so recht, was ich von Dumbledore halten soll, also habe ich versucht ihn etwas unberechenbar darzustellen.

Linadell: Du musst ja wirklich ganz schön ungeduldig sein, wenn du mir sogar zwei Reviews schreibst. Habe mich aber sehr darüber gefreut, vielen Dank. Und ich hoffe, es hat dir gefallen.

Vitani: Freut mich, dass es dir gefallen hat. Hoffentlich hat dir dieses auch gefallen.

Xerperus: Ganz schnell war es zwar nicht, aber immerhin schneller, als beim letzten Mal. Vielen Dank, für deinen Review.