A/N.: Danke, martina! Solange es wenigstens einen Leser meiner Story gibt, habe ich einen Grund, weiterzuposten :) Wie gesagt, die Geschichte ist schon fertig geschrieben. Es wird also definitv ein Ende geben. Das hier ist noch nicht der endgültige Schluss ;)

Kapitel 9: Glut
Samstag, 27. September, 18:19 Uhr, Firefox Memorial Hospital, Washington DC

Scully war eingenickt und wurde von einem leisen Stöhnen geweckt. Mulder lag in dem Bett wie zuvor, doch sein Gesicht war noch weißer als gewöhnlich, eine dünne Schweißschicht bedeckte es, seine Hände krampften sich in die Bettdecke. Die Augen im Schmerz fest zugekniffen, warf er den Kopf hin und her. Rasselnd sog er Luft ein und wimmerte beim Ausatmen leise.

Sofort war Scully hellwach. „Mulder!" sagte sie laut, „Hast du Schmerzen?" Die Frage war eigentlich völlig überflüssig, dennoch antwortete er darauf mit einem schwachen Nicken, die Augen noch fester zusammenpressend. Seine Lippen waren nur noch ein schmaler Strich, farblos. Durch das Aufeinanderdrücken war auch das letzte Blut aus ihnen gewichen.

Seufzend erhob sie sich und ging hinüber zum Nachtkästchen, in dem sie die Ampullen mit dem Morphium, die Spritzen und die Tupfer aufbewahrte, und ließ sich auf der Bettkante nieder.

Zuerst waren es nur ein oder zwei Einheiten für mehrere Stunden gewesen, doch in der vergangenen Zeit hatte sie die Dosis erheblich erhöhen müssen. Die Erleichterung, die die Droge ihm verschaffte, dauerte nur kurz an. Die Benommenheit, die das Mittel herbeiführte, wurde bald von einer weiteren Schmerzattacke durchbrochen und um ihrer ein weiteres Mal Herr zu werden musste Scully eine noch größere Menge injizieren…

Sie zog die Schublade auf und griff nach vier der kleinen Glasfläschchen und einer eingeschweißten Spritze. Sie musste ihm wohl alles auf einmal verabreichen, wenn sie seinen Zustand etwas verbessern wollte. Sie wollte gerade einen Tupfer auspacken, als sie seine Hand auf ihrem Arm spürte. Als sie aufsah, trafen sich ihre Blicke.

Seine Augen zeigten einen erstaunlich klaren Ausdruck obwohl die Qualen, die er litt, sich deutlich darin spiegelten. Mit der anderen Hand zerrte er sich die Atemmaske vom Gesicht, sodass sie an ihrem Gummibändchen lose um seinen Hals hing.

Es war Zeit für die Wahrheit.

Er hatte so lange wie möglich versucht, sie vor ihr – und sich selbst – fern zu halten, doch nun konnte er sie nicht länger vor der Tatsache beschützen, dass sein Leben vorbei war. „Scully, ich möchte mehr." Seine Stimme war leise, rau und stockend.

„Ist es so schlimm?" sie war verunsichert.

„Scully, du könntest mir… mehr geben. Niemand würde es bemerken oder danach fragen." Es klang gequetscht, gedrückt durch seine Qual.

„Was meinst du?"

„Scully, Morphium ist eine gefährliche Sache, aber…"

„Was aber?"

„Ich möchte mehr." Er versuchte, es wie eine Tatsache klingen zu lassen, aber er konnte das Zittern seiner Stimme nicht unterdrücken.
Sie fühlte Tränen in sich aufsteigen als sie langsam begriff. Doch sie schaltete auf stur und tat weiter ahnungslos. „Du bekommst ohnehin schon mehr als gut für dich ist." Versuchte sie auszuweichen. Sie machte Anstalten, mit ihrer Arbeit fort zu fahren, aber mit einem erstaunlich festen Griff hielt er ihre Hand fest. Er bemühte sich, ruhig zu klingen.

„Scully…" Sie wandte im wieder den Kopf zu. Schmerz mischte sich mit etwas Unergründlichem in seinen Augen. Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter. „Dana, ich liebe dich."
Es war ihm wirklich ernst.
„Und jetzt sag mir, liebst du mich?" Mit wachsender Verzweiflung blickte sie ihn an, vermied es aber, ihm in die Augen zu sehen. Diese Unterhaltung entzog sich völlig ihrer Kontrolle und entwickelte sich in eine Richtung, die ihr Angst machte.

„Das ist doch nicht der Punkt. Mulder, die Drogen in dir…" Doch er unterbrach sie mit einem ungeduldigen Blick. Es war wichtig und er musste es jetzt hören. Keine Zeit für Wortspiele. Er flüsterte so laut er konnte, darauf bedacht, jedes seiner Worte einzeln zu betonen: „Dana, liebst du mich?"

Sie schluckte und nickte zaghaft.

Er warf ihr einen auffordernden Blick zu.

„Ja." antwortete sie endlich. „Ja. Ja, das tue ich. Ich liebe dich, das weißt du doch… " Er unterbrach sie wieder, einen seltsamen Glanz in seinen Augen, doch seine Miene strahlte Härte und Entschlossenheit aus. „Scully, wenn du mich liebst, dann tust du das für mich. Sieh es als das Allerletzte an, was ich von dir verlange."

Er hustete gequält und seine Finger krampften sich schmerzhaft in Scullys Unterarm. Tränen begannen über ihre Wangen zu laufen. Sie konnte sie einfach nicht länger zurückhalten. „Ich kann das nicht. Ich will das nicht. Du darfst das nicht von mir verlangen. Alles, nur das nicht. Ich liebe dich doch. Ich…" sie brach ab. Der harte, entschlossene Ausdruck in seinen Augen erschreckte sie.

„Bitte. Es ist mein letzter Wunsch."

„Nein." Scully spürte, dass er ihr entglitt, aber sie würde kämpfen! Sie versuchte, entschieden zu klingen. „Es ist noch nicht zu spät. Wir dürfen nicht aufgeben!"

„Scully, mein Körper ist zerstört. Du willst es vielleicht nicht sehen, aber ich spüre es. Du musst mich geh'n lassen, Scully. Wenn es wahr ist, dass du mich liebst, dann musst du mich geh'n lassen." Er bettelte jetzt. „Du verlangst von mir, dich zu töten?!" hauchte sie, nun völlig außer sich. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck über ihre eigenen Worte, als sie erfasste, dass es genau darum ging.

„Ich habe keinen Wunsch mehr, außer diesen einen… Es ist wie die Geister gesagt haben: Es geht um Vertrauen. Und ich vertraue darauf, dass du mir genug vertraust um das zu tun."
Mühsam streckte er die Hand aus und berührte vorsichtig ihr Gesicht. Tatsächlich war seine Entscheidung schnell gefällt gewesen. Er hatte nur lange darüber nachgedacht, wie er es ihr am besten verständlich machen konnte. Er wusste, dass es grausam war, ihre Liebe auf eine so harte Probe zu stellen, aber er wusste auch, dass Scully ihn genug liebte, um zu tun, worum er sie bat.

„Glaub mir, ich hab mir das gut überlegt. Wir werden beide frei sein." Sie schluchzte jetzt haltlos und schmiegte ihr Gesicht in seine Handfläche. „Fox, ich… ich habe solche Angst." Sie würgte die Worte mühsam hervor.

Er schluckte. Die Luft kratzte unangenehm in seinem Hals. Auch seine Augen wurden feucht.
„Glaubst du, das habe ich nicht? Ich fürchte das Sterben wie jeder andere Mensch auch, aber nicht mehr den Tod selber. Ich habe eingesehen, dass ich nicht länger davon laufen kann. Es ist einfach Zeit." Seine Kehle war rau und sein ganzer Körper schrie vor Schmerz und seine Stimme wollte mit einstimmen in das Geschrei – doch das durfte er ihr nicht antun – obwohl… es hätte sein Anliegen vielleicht klarer gemacht. Er musste sie davon überzeugen, dass es keinen anderen Weg mehr gab.

Er wählte seine Worte nun sehr sorgfältig aus. „Obwohl wir darüber so viel gesprochen haben, habe ich höllische Angst, aber alles ist besser als das hier. Scully, du kannst mir helfen, herauszufinden, ob die Angst vielleicht unbegründet ist… Das Morphium, es… es gibt sicher schlimmere Arten zu sterben…" Sie antwortete nicht, wimmerte nur schmerzerfüllt.

„Scully, so werde ich noch vor Schmerzen wahnsinnig bevor ich… ich möchte dem Tod mit klarem Verstand entgegentreten, so gut das bei Morphium eben geht…" Er verzog das Gesicht. Scully konnte nicht erkennen ob es ein Lächeln oder ein Ausdruck seiner Qualen war. „Tu es für mich, Scully… Jetzt."

„Bitte" flüsterte sie unter Tränen, „Bitte, bitte verlang das nicht von mir. Das… das ist einfach nicht fair!" Alles in ihrem Inneren sträubte sich dagegen, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Jetzt, da es so weit war, konnte sie seinen Wunsch, zu sterben, nicht akzeptieren.

„Wir beide wissen besser als die meisten Menschen, dass das Leben niemals fair ist… und das hier kann ich wohl nicht selber tun, fürchte ich…" Er hustete wieder trocken und verzog das Gesicht vor Schmerz. Das schnelle Piepen des Ekgs zeigte, unter welchem Stress sein Körper stand. Scully streckte die Hand aus und deaktivierte das Warnsignal sodass die grüne Linie in lautlosen Zacken über den Monitor glitt. Mulder rang nach Luft bevor er weiter sprechen konnte.

„Das hier ist die Hölle für mich. Ich fühle mich so… elend… und die Schmerzen… Ich will, dass es jetzt und hier zu Ende ist, nicht erst in ein paar Stunden oder morgen." Krächzte er. „Lass mich gehen. Der Zeitpunkt spielt keine Rolle mehr, weil ich dich früher oder später ohnehin verlassen muss. Aber du kannst es mir leichter machen: Es liegt an dir, mir einen schmerzlosen Tod zu schenken."

„Ich will nicht, dass du gehst. Ich will dich nicht wegschicken müssen. Das könnte ich mir nicht verzeihen." Das klare Blau ihrer Augen starrte ihn flehend an. Ihr Gesicht war tränennass und bleich als ob sie ihrem schlimmsten Albtraum begegnet wäre.

„Es ist der einzige Weg für uns." Immer noch wollte sie es nicht glauben. Schon so lange bereitete sie sich darauf vor, dass er sie verlassen musste. Doch nun, da der Zeitpunkt gekommen war, konnte sie ihn nicht gehen lassen. Aber das Leiden in seinen Augen war so unendlich… Diese braunen Augen – oder waren sie grün? Nie hatte sie die Farbe genau bestimmen können. Sie schien sich ständig zu verändern. Und diese Augen würden sich bald für immer schließen. Langsam begriff sie es, drang die Erkenntnis zu ihr vor. Obwohl sich ihr Herz weigerte, es zu akzeptieren, erkannte ihr Verstand die Notwendigkeit…

„Bitte." Flüsterte er noch einmal.

Und wie immer konnte sie ihm nichts abschlagen, wenn er sie so ansah, wie er es jetzt tat. Seine geflüsterten Worte ließen ihren Widerstand brechen. Kaum merklich nickte sie schließlich. Sie würde noch ein letztes Mal stark sein – für ihn – bevor sie für immer brach. Erleichtert sank er in die Kissen zurück. „Danke… Das ist das größte Geschenk, das mir jemals jemand gemacht hat."

Sie schniefte und fing an, die Phiolen mit der klaren Flüssigkeit aufzubrechen. Nachdem sie ganze 20 von den großen in die Spritze gezogen hatte, sah sie ihn mit geröteten Augen fragend an. Er erwiderte ihren Blick und nickte entschlossen. Zitternd atmete sie ein. „Es… es wird nicht weh tun. Du wirst… einfach einschlafen." Ein letzter Versuch, sachlich zu sprechen bevor sie mit bebenden Händen die Kanüle ansetzte und in den Katheter einführte. Ihr wurde in diesem Augenblick erst völlig klar, dass sie im Begriff war, den einzigen Menschen zu töten, für den sie freiwillig und jederzeit ihr Leben gegeben hätte, den einzigen, den sie jemals wirklich geliebt hatte, lieben würde, denjenigen, den sie noch vor wenigen Stunden unter Aufbietung all ihrer Kräfte dem Tod entrissen hatte.

Nochmals hob sie den tränenverschleierten Blick, flehend, hoffend, er hätte es sich im letzten Moment doch noch anders überlegt, doch er nickte nur wieder. Mit einem Aufschluchzen drückte sie den Kolben langsam nieder. Ein kleiner Teil ihres Bewusstseins bemerkte mit Entsetzten, wie der Kolben an der Volums-Skala der Spritze entlangglitt, schließlich die Markierung überschritt, nach der es – so wusste sie – kein Zurück mehr gab.

Sie hörte ihn seufzen und sah ihn wieder an. Tränen strömten ihre Wangen herab und tropften von ihrem Kinn. Das Gift zeigte sofort seine erste Wirkung, senkte seine Herzfrequenz ab und verengte seine Pupillen bis sie nur noch winzige Öffnungen in der Iris waren, doch er schien es nicht wirklich zu bemerken.

In seinen Augen war nun nichts mehr außer Frieden, Liebe und Dankbarkeit. Er musterte sie um so viel wie möglich von ihr in sich aufzunehmen. Das Haar, von dem er wusste, dass es feuerrot war auch wenn er es nicht sehen konnte, die eisblauen Augen, deren Blick ihn bis in seine Träume verfolgte, die porzellanzarte Haut…

Ihren kleinen Körper, der sich nun langsam vor und zurück wiegte.
Die feingliedrigen Hände, die zitternd die Spritze hielten.

Seine Zunge war mit einem mal schwer wie Blei aber er musste einfach etwas sagen. „Du bist wunderschön, Dana.", hauchte er und lächelte sie an. Sein Lächeln wurde breiter, bis es zu einem amüsierten Lachen wurde. „Wer hätte gedacht, dass Spooky Mulder letztendlich durch den Goldenen Schuss stirbt?" Er konnte es nicht lassen: sogar in der Stunde seines Todes macht er noch seine Späßchen. Doch sie konnte darüber nicht lachen, so sehr er sich auch Mühe gab, ihr einen letzten Eindruck seines unvergleichlichen Humors zu hinterlassen.

Er wurde wieder ernst denn die bleierne Schwere seiner Glieder machte ihm bewusst wie nah das Ende nun war. Er wusste nicht wie lange er der Müdigkeit, die von ihm Besitz ergriffen hatte, noch standhalten konnte. „Bekomme ich noch einen Gute-Nacht-Kuss?" Seltsamerweise verzog sich ihr Mund unwillkürlich zu einem zarten Lächeln ob seiner unschuldigen Bitte.

Sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn sanft, wie sie es in den letzten Tagen immer getan hatte, wenn er schlafen wollte. Doch als sie sich wieder aufrichten wollte, fühlte sie seine Hand in ihrem Nacken, die sie vorsichtig an ihn zog bis sich ihre Lippen wieder berührten. Und so versanken sie in einem atemberaubenden letzten Kuss. Zuerst war er nur zart und liebevoll doch bald wurde er von beiden Seiten härter, drängender. Sie legte ihre ganze Verzweiflung hinein. Wollte, dass er ihren Schmerz spürte und ihr dabei half, ihn zu tragen und das durchzustehen.

Mulder schmeckte das bittere Salz ihrer Tränen auf ihren Lippen und leckte es ab. Als sie sich atemlos wieder aufsetze und erneut zu schluchzen begann, versuchte er sie zu trösten. „Ich werde das vermissen." Flüsterte er matt. Sie konnte nicht antworten, nickte nur einfach und biss sich auf die Lippe um ihr Schluchzen zu unterdrücken.

„Danke, Scully, dass du dein Leben mit mir geteilt hast." Er griff nach ihrer Hand und hielt sie fest in seiner. „Sei nicht allzu traurig. Bitte, wein' nicht zu viel um mich. Denk daran: ich werde endlich die Wahrheit sehen! Erinnere dich an mich, Scully, und erinnere dich daran, dass ich dich liebe. Vergiss das niemals. Aber du wirst andere finden, die das ebenfalls tun... bis wir uns wieder sehen."

Doch es gab keinen Trost für sie und er wusste es. Nichts, was er sagen könnte, konnte den Schmerz von ihr nehmen. Sie weinte und weinte, doch er wollte nicht mit dem Geräusch ihrer Tränen in den Ohren die Welt verlassen. Er rang sich zu einigen weiteren Worten durch.
„Scully, sieh mich an! Erzähl mir etwas. Ich möchte deine Stimme hören, so lange ich dir noch zuhören kann."

„Du forderst heute viel von mir." Sie bemühte sich, die Tränen zurückzudrängen, doch es wollte ihr nicht gelingen. Sie fand jedoch die Kontrolle über ihre Stimme wieder. „Es tut mir Leid, Fox, dass es so endet."

Er lächelte. „Ich weiß. Es ist nicht deine Schuld.", flüsterte er mit ersterbender Stimme. „Ich hätte früher den Mumm haben müssen, dir zu sagen, dass ich dich liebe, Scully..."

Er hauchte ihren Namen als das letzte Wort, das seine Lippen verließ. Sein Blick, glasig durch das Morphium, schweifte in die Ferne. Sie konnte sehen, wie das Licht in seinen Augen erlosch. Langsam klappten seine schweren Augenlider zu, doch Scully schaffte es irgendwie, ihren Mund dazu zu bringen, weiterhin Worte zu formen, belanglose Sätze, die keinen Sinn für sie ergaben. Lediglich die Sprachmelodie war noch wichtig, ihn diese Melodie hören zu lassen bis schließlich ihre Stimme brach.

Sie lauschte den gleichmäßigen, dennoch flacher werdenden Atemzügen Mulders, beobachtete, wie sich seine Brust hob und senkte, fühlte, wie der Griff seiner Hand immer kraftloser wurde und die Finger kühl in ihrer warmen Handfläche lagen. Sein Gesicht war friedlich. Sie betrachtete seine vollen Lippen, die gerade noch so zärtlich die ihren berührt hatten, und wie sie von einem blassen Rosa zu einem dunklen Rot wechselten und sich schließlich bläulich verfärbten.

„Zyanose." Sagte ihr ihr Arzt-Verstand. „Sauerstoffinsuffizienz aufgrund von Atemdepression. Morphiumvergiftung: Tod durch Sauerstoffmangel…" doch sie hörte nicht zu, betrachtete nur weiter wie Mulder in Stille davon glitt.

Gott, es war auf einmal so still ohne ihn! Obwohl der Drang dazu sehr stark war, hielt sie sich davon ab, ihn zu berühren, in die Arme zu schließen, seine Wärme und Stärken zu spüren. Sie wollte seinen Herzschlag fühlen bis zum letzten Takt, aber sie wusste, ihr Schmerz wäre dadurch in Dimensionen getrieben worden, die kein Mensch mehr ertragen könnte. Sein letzter Herzschlag wäre auch ihrer gewesen.

Also erlaubte sie sich bloß, seine Hand weiter zu halten und zuzusehen, wie die Ausschläge auf dem Ekg immer seltener kamen und sein Atem immer flacher ging und langsamer wurde.
Endlich setzte er aus und sie dachte schon, es wäre vorbei, doch seine Lunge füllte sich erneut mit Luft. Allerdings nicht mehr sehr viel öfter.

Als sie schließlich keine Lebenszeichen mehr wahrnahm und nur noch eine tragische Linie auf dem Bildschirm zu sehen war, saß Scully einfach nur da und starrte vor sich hin. Die Tränen liefen still und unbemerkt ihre Wangen hinab. Dann erhob sie sich und schlüpfte zu ihrem toten Geliebten unter die Decke. Sie wollte seine Wärme spüren, seine Nähe ein letztes Mal genießen. Eng kuschelte sie sich an ihn und küsste die blauen Lippen, die so gar nicht zu seinem friedlichen Gesicht passten.

Und schließlich brach sie. Zuerst weinte sie leise, die Nase an seinem Hals vergrabend, doch dann verlor sie ihre letzte Kontrolle. Sie klammerte sich an seinen toten Körper, presste ihn so fest es ging an sich. Ziellos griffen ihre Hände nach jeder Stelle seines Körpers, die sie erreichen konnten, tasteten ihre Finger nach seiner Haut.

„Ich liebe dich, Ich liebe dich, Ich liebe dich…" sie flüsterte die drei einfachsten Worte auf der Welt, die einzigen Worte, an die sie sich in ihrem Herzen erinnerte, in seine tauben Ohren, immer und immer wieder. Hin und her wiegte sie ihn, wie damals in Eis und Schnee, doch nun war er nicht kalt vor Erschöpfung. Die endgültige Kälte, die nur entsteht, wenn die Seele den Körper verlassen hat, begann auch hinter ihre Augen zu kriechen. Die schmerzerfüllten Schluchzer schüttelten sie und machten ihre Kehle rau. Ihr Gesicht war rot und heiß vom Weinen und ihr Haar klebte an den Ansätzen bereits tränennass.

Vor und zurück wiegte sie ihre beiden Körper, weinte und weinte und flüsterte immer wieder mit brechender Stimme die drei Worte: „Ich liebe dich, Ich liebe dich, Ich liebe dich…" bis ihr Schluchzen so heftig wurde, dass sie selber kaum genug Luft zum Atmen hatte. Alles in ihr war tot, jede sorgfältig abgegrenzte Schicht ihres Herzens bis auf den winzigen Kern, in dem noch bis vor kurzem der heftige Sturm getobt hatte. Die Hitze jeglicher Emotion hatte sie verlassen. Nun war es dort still, dunkel und eiskalt.

Es wurde schwarz um sie als die Leere sie verschluckte.

I know they say if you love somebody / you should set them free. / And it sure is hard to do. / Yeah, it sure is hard to do. / And I know they say if they don´t come back again / that it´s meant to be, / but these words ain´t pull me through / 'caus I´m still in love with you." Ronan Keating: "The long goodbye"