Kapitel 8. Das Spiel beginnt
Stunden vergingen. Tiefschwarze Nacht war angebrochen. Amanda lag still in Johns Armen, hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt. Niemand von beiden sagte etwas, John strich ihr still und sanft übers Haar, starrte selbst ins Leere. Er wusste selbst nicht, weshalb er so wütend geworden war. Er hatte genau gewusst, dass Zep Adam nichts antun würde. Es nicht wagen würde.
„Es tut mir so leid, John...", flüsterte Amanda plötzlich. Ihre Stimme war sehr leise, doch John verstand jedes Wort, das sie sagte. „Das war alles meine Schuld. Wenn ich besser aufgepasst hätte, wäre Zep nie dazu gekommen, ihn auch nur anzusprechen..."
Es war wieder still. Amanda lauschte Johns leisem Atem. Niemand sonst bedeutete ihr soviel wie er. Das wusste sie. Und er wusste es auch.
„Gib dir nicht die Schuld, Amanda", sagte er plötzlich. „Ich bin schuld daran. Es ist meine Aufgabe, Zep im Auge zu behalten und Mr. Faulkner sicher zu wahren, bis seine Prüfung beginnt..."
Amanda schluchzte jetzt. Sie kniff die Augen fest zusammen, wollte die Tränen nicht hinauslassen. „Nein, John. Ich hab dir doch versprochen, dir zu helfen! Ich war nicht fähig, unwürdig und dumm!", schniefte sie. John streichelte ihr behutsam über die Schulter, zog sie an sich. Obwohl er sie nicht ansah wusste sie, dass seine Taten und Worte von Herzen kamen.
„Nein. Ich habe in meinem Leben viel mehr Fehler gemacht als du, Amanda. Und vorhin habe ich noch einen gemacht. Als ich mit dem Jungen gesprochen habe, versprach ich ihm, dass ihm niemand wehtun würde... wie dir."
Amanda sah mit nassen, geröteten Augen zu ihm auf. „Du willst ihn beschützen?"
John nickte. „Ja, das will ich."
„Warum?"
„Weil er seinen Test noch mit jemand anderem teilt. Ich weiß, dass Adam seine Lektion schon gelernt hat. Aber da gibt es noch etwas in seinem Leben, womit er noch nicht abgeschlossen hat."
Endlich sah John sie an. „Ich bin für die Menschen da draußen ‚Jigsaw', Amanda. Ich habe nicht mehr lange zu leben und ich weiß, dass ich mich einzig auf dich verlassen kann. Aber... weißt du es auch?"
Beschämt sah Amanda von ihm weg. John wusste mal wieder, was sie dachte. Er wusste, dass sie an sich selbst zweifelte. Wie unsicher sie war. Wie viel Angst sie davor hatte, Fehler zu machen, die sie für immer begleiten würden.
John drehte den Kopf weg, starrte wieder in die Luft. Seine eisblauen Augen glitzerten. „Würdest du Mr. Faulkner bitte etwas zu essen bringen? Er muss großen Hunger haben."
Amanda stand auf, nickte. „Natürlich, John." Sie stand auf, ging zu dem kleinen Kühlschrank, der in seinem Zimmer war. John hingegen legte sich vorsichtig auf sein Bett, ließ seinen Kopf auf dem Kissen ruhen. Er war in der Tat erschöpft, fühlte sich geschwächt. Seine Gliedmaßen fühlten sich schwer an, seine Brust ausgelaugt. Er blinzelte schwächlich. Er wusste, dass er unheilbar krank war, und doch versuchte er, dagegen anzukämpfen. Auch wusste er, dass er ihr erliegen würde. Er war nicht zu retten.
Adam schlief, sein Kopf hing an seiner Brust herunter. Amanda kam leise mit einem gefüllten Teller und einem großen, leeren Glas auf ihn zu. Sie betrachtete ihn, seufzte. Dass er nicht tot war erkannte sie an seiner Brust, die bei seinem Atmen fast unerkennbar auf und ab ging. Er sah friedlich aus. Durch den Schlaf zeigte er keinerlei Emotionen. Keine Angst, keine Panik, keine Wut, keine Verzweiflung. Er war ungestört, für sich selbst. Es tat ihr beinahe weh, ihn zu wecken.
„Adam...", flüsterte sie, rüttelte ihn sanft an seiner Brust. „Adam!"
Langsam und mühevoll hob der junge Mann den Kopf, blinzelte. Insgesamt hatte er bloß zwei Stunden geschlafen. Seine gräulichen Augen blinzelten sie erschöpft an. „J-ja? Was ist denn los?"
Er gähnte, schüttelte den Kopf ein wenig, um wach zu werden. Gern hätte er noch weitergeschlafen. Doch wollte er sie nicht erzürnen.
Sie stellte den Teller ab, zeigte ihm das Glas. „Willst du was trinken?"
Urplötzlich war Adam hellwach, nickte mit dem Kopf. „Ja. Ja, bitte!"
Schweigend ging Amanda mit dem Glas zurück in Johns Zimmer, was Adam einige Minuten warten ließ. Er gab keinen Laut von sich, um Amanda angenehm aufzufallen. Er erhoffte sich dadurch, mehr zu bekommen.
Sie kam zurück, mit einer Flasche stillem Wasser und dem Glas, diesmal gefüllt. Sie ging auf ihn zu, hielt ihm das Glas an die Lippen. Eifrig trank er, mit jedem Schluck hörte Amanda leise, gurgelnde Geräusche aus seiner Kehle. Sofort hatte er es ausgetrunken.
Amanda biss sich auf die Unterlippe. „Willst du noch ein Glas?"
„Ja, bitte."
Sie füllte das große Glas erneut mit Wasser, und wieder trank er es leer. Er musste schon nach Luft schnappen, so schnell und eifrig hatte er getrunken.
Amanda hob den Teller hoch, nahm den Toast, der mit Butter beschmiert war, hielt ihm ihn an den Mund. „Hier. Iss. Hab ich für dich gemacht."
Ausgehungert biss Adam hinein, kaute und schluckte in unermesslichem Tempo. Der Toast wurde weniger in Amandas Hand, bis er irgendwann vollständig verschwunden war. Adam hatte ihn sehr schnell gegessen. Es sättigte nicht, sondern fachte seinen Hunger bloß an. Doch er traute sich nicht, um mehr zu bitten.
Gekonnt nahm Amanda das Glas, den Teller und die Wasserflasche in ihre Arme und drehte sich um, um ihn wieder allein zu lassen. Doch weit kam sie nicht.
„Amanda?" hörte sie ihn sagen. Trotz des Mahls eben war es bloß ein schmerzhaftes, dünnes Krächzen.
Sie seufzte leise, drehte sich jedoch nicht um. „Was ist?"
„Danke."
Sie schluckte. In diesem Moment fühlte sie sich furchtbar. Sie fühlte sich, als würde der arme Kerl jetzt in ihrer Schuld stehen. Sie schüttelte hastig den Kopf.
„Bedank dich nicht bei mir, sondern bei John. Er sorgt hier für dich. Er könnte es auch sein lassen, aber er tut es nicht. Sei also ihm dankbar, nicht mir. Ich führe bloß Befehle und Bitten aus."
Adam nickte kaum bemerkbar. „Gut. Dann sag John bitte danke von mir."
Erneut seufzte sie, blickte zu Boden, nickte. „Das werde ich. Gute Nacht, Adam."
Sie verließ den Raum. Adam war wieder allein. Nun wusste er, dass er weder vor John noch vor Amanda Angst haben musste. Es waren nicht sie. Es war Zep. Er war anders als die beiden. Er war boshaft. Was er wollte, war Angst, Flehen und Terror. Adam konnte nicht leugnen, dass er vor John – vor Jigsaw – immer noch große Angst hatte. Doch die Angst vor Zep war größer. Sie war immens. Er seufzte. „Nacht, Amanda."
OooO
Lawrence war nun auf dem Weg zu seinem Apartment. In seinem Auto war er in Gedanken versunken. Er hatte die Polizei benachrichtigt. Es war nicht Zep. Er war nicht der Puzzlemörder. Er war bloß ein Teil des Spiels. Und Adam war mittendrin.
Detective Kerry und Detective Matthews hatten ihm beide gesagt, dass sie nicht sofort anfangen könnten, nach ihnen zu suchen. Panik war in Lawrence aufgestiegen. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, Adam verzweifelt, verletzt oder gar tot aufzufinden. Den Mann, den er mit jeder Faser seines Seins liebte.
Dann dieser Detective Matthews. Dieser arrogante, zu sehr von sich selbst überzeugte Besserwisser. Lawrence hatte auf dem Polizeirevier die ganze Zeit das Gefühl gehabt, er wollte sich gar nicht erst die Mühe machen, nach Adam und seinen Entführern zu suchen. Als wäre es ihm alles egal. Doch Lawrence war es nicht egal. Er wusste nicht, was Adam empfand – doch er wollte ihn wiederhaben.
Er seufzte. Wenn sie ihn finden würden, könnte er mit ihm reden. Aber auch nur reden. Er könnte ihn nicht küssen, nicht berühren, nicht liebkosen. All die Dinge, die er eigentlich wollte.
Er ließ seine Hand in seine Jackentasche gleiten, um seinen Hausschlüssel herauszuholen... doch mit ihm kam auch das Foto von Adam heraus, das Zep ihm gegeben hatte.
Schweren Herzens betrachtete er den jungen Mann darauf. Gefesselt, verzweifelter Gesichtsausdruck. Er war wunderschön.
Doch er war nicht bei ihm. Lawrence würde bloß in sein einsames Apartment gehen, die Nacht allein auf der Couch verbringen und sich den Kopf darüber zerbrechen, ob die Polizei bereits Neuigkeiten für ihn hatte.
Still schloss er seine Tür auf, schlurfte hinein, ließ seine Tasche fallen. Er wollte bloß Adam. Er wollte nicht warten, er wollte sich nicht heraushalten. Er wollte Adam. Wollte, dass es ihm gut geht und dass er in Sicherheit war. Seine Gedanken kreisten um ihn, schweigend setzte er sich auf seine Couch und betrachtete das Foto erneut, strich mit den Fingern darüber.
Er sah verzweifelt und gequält aus. Urplötzlich dachte Lawrence an Zep. Erinnerte sich an seine Worte, an die Art, wie er über Adam gesprochen hatte. Es hörte sich beinahe wie Begierde an. Lawrence schluckte. Er wollte nicht, dass dieser kranke, perverse Mistkerl Adam irgendetwas zuleide tat. Die Polizei konnte seiner Meinung nach gar nicht schnell genug handeln.
Er drehte das Foto langsam um... und erblickte Zeps Nachricht, die er bisher noch nicht zu Gesicht bekommen hatte.
Mit einem Filzstift stand dort geschrieben:
Keine Polizei. Ich scherze nicht.
Lawrence ballte seine Hand zu einer Faust. Dieser Kerl hatte wirklich an alles gedacht. Er musste Adam helfen, auch wenn es ihn das wenige kostete, das er noch besaß: sein einsames Leben in Frieden.
OooO
Adam schlief nicht. Er konnte nicht schlafen. Ab und zu nickte er ein, doch wachte genauso schnell wieder auf. Er war nun noch hungriger als vorher. Doch er beschwerte sich nicht. Er war dankbar, dass sie ihn überhaupt essen ließen. Er hatte sich seine Gefangenschaft schlimmer vorgestellt.
Für einen kurzen Moment sank er den Kopf, verfiel dem trügerischen Gefühl, wieder einzuschlafen.
Er bemerkte nicht, dass jemand in der Tür stand: Zep.
Er betrachtete Adam. Zwischen ihnen lagen ein paar Meter, und trotzdem konnte er den schlafenden Engel vor sich sehen. Langsam und vorsichtig tat er ein paar Schritte näher. Nicht, um Adam nicht aufzuwecken... sondern weil allein sein Anblick ihn zu paralysieren schien. Nun stand er vor ihm, schaute ihn an.
Seine Lippen zitterten, sein Atem wurde schneller. Es war, als stünde er vor einer Art Heiligenschrein – oder vor einem exotischen Tier im Zoo.
Langsam kniete er sich vor ihm hin, streckte die Hand raus, um sein Gesicht zu berühren. Seine Hand zitterte, als hätte er Angst, ihn zu berühren. Er war so hilflos und unschuldig... genau das war es, was Zep reizte. Jemanden vor sich zu haben, der schwächer war als er, mit dem er machen konnte, wonach ihm der Sinn stand.
Als das kalte Leder seiner Handschuhe Adams Wange berührte, schreckte dieser hoch.
„W-was...?!"
Zep grinste. „Gut geschlafen, Kleiner?", fragte er mit einem süßlichen Ton in der Stimme.
Adam schluckte. Er wollte nicht sofort um Hilfe schreien. Er wollte Würde zeigen. Wütend funkelte er ihn an. „Verschwinde. Du bereitest dir nur selbst Ärger."
Zep lachte auf. „Was für eine Raubkatze unter den Kätzchen! Du bist ja richtig mutig, Kleiner. Fühlst du dich etwa zu sicher? Denkst du wirklich, diese hysterische Hexe Amanda und dieser alte Sack könnten dich vor mir beschützen? Oder dass gar dein lieber Doktor kommt, um dich zu retten? Sei kein Narr!"
Adam rümpfte die Nase. „Lawrence wird kommen und mir helfen! Er macht dich fertig!"
Zep schüttelte grinsend den Kopf. „Falsch, Süßer. Du machst mich fertig. Ich habe selten einen Naivling wie dich gesehen. Aber auch selten so was verführerisches..."
Er strich Adam eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht hinter sein Ohr. Adams Wangen nahmen eine dunkelrote Farbe an, er sah weg von ihm.
Ein anzügliches Grinsen kräuselte Zeps Lippen. „Was hast du denn? Bringe ich dich etwa in Verlegenheit, Kleiner? Du bist dir gar nicht bewusst, was du für eine Wirkung auf mich hast. Manchmal, wenn ich allein bin und weiß, dass du bloß einen Raum weiter entfernt bist, gefesselt und mir völlig ausgeliefert, verliere ich fast den Verstand. Du mit deiner weichen Haut, deinem strammen Hintern, deinen süßen Lippen und den klaren Augen eines unschuldigen Babys... glaub mir, das macht mich wahnsinnig."
Adam schluckte. Noch nie hatte jemand so über ihn gesprochen. Er wurde puterrot im Gesicht, mied den Blick des anderen.
Zep näherte sich seiner Wange. Die Stelle, an der seine Faust ihn getroffen hatte, war immer noch gerötet. „Was denn? Macht dich das etwa an?", schnurrte er sinnlich. Adams Angst verstärkte sich, als er seine Lippen an seinem Hals spürte und Zeps Hand durch sein dunkles Haar fuhr. Doch Adam wollte sich das nicht gefallen lassen.
„Wenn du nicht sofort von mir ablässt, schreie ich."
Zep sah auf. Es überraschte ihn, mit welcher Ruhe er es sagte. Doch er wusste eins: Adam bluffte nicht. Er meinte es ernst. Er würde schreien. Was danach kam, war ihm egal.
Doch auch Zep wollte nicht einfach aufgeben. „Wirst du das? Ich bewundere deinen Mut. Du zierst dich wirklich jedes Mal mehr, mein Hübscher. Immer dasselbe mit dir.", spöttelte er leise. Er beugte sich über sein Gesicht, so nahe, dass seine Nasenspitze die seine berührte. „Mein Engel, ob für Dr. Gordon oder sonst wen... in welchen Mann auch immer du deine Hoffnung setzt... ich hoffe, dass er deinen süßen, unschuldigen Hintern auch zu nehmen weiß..."
Adam funkelte ihn hasserfüllt an. „Du bist krank!", zischte er.
Doch Zep ließ sich sein bösartiges Grinsen nicht nehmen. „Weiß ich. Und soll ich dir was sagen, Kleiner? Du kannst mich nicht aufhalten. Du gehörst nämlich mir. Das war mit John so abgemacht."
Adam schluckte. Mit großen, verängstigten Augen sah er zu ihm hoch. „A-aber er sagte doch... eben, als du mich bedroht hast... da sagte er...!"
„Zur Hölle mit dem, was er gesagt hat! Du gehörst mir, und ich kann mit dir verdammt noch mal machen, was ich will!"
Adam verstummte. An seiner plötzlichen lauten Stimme hörte er, dass Zep verärgert war. Doch es schwand schnell. Für eine kurze Weile sahen die beiden sich an.
Zep fixierte ihn mit seinen blaugrauen Augen, als wolle er den Jüngeren in sich aufsaugen. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Du bist wirklich furchtbar naiv, Kleiner. Du hoffst nur auf diesen unausstehlichen Gordon... hoffst, dass aus dem Frosch ein König wird! Da kannst du lange warten!"
Urplötzlich und mit unermesslicher Geschwindigkeit holte er einen Knebel aus seiner Jackentasche und stopfte ihn Adam in den Mund, woraufhin dieser wild zu zappeln begann. Doch er schaffte es nicht, den Knebel loszuwerden. Erst recht nicht, als Zep ihm auch noch ein Halstuch um den Hinterkopf band, damit er ihn nicht ausspucken konnte. Adam zappelte wild umher, schüttelte hastig den Kopf, doch es brachte alles nichts.
„Halt still, verdammt! Du hast es nicht anders verdient, du hast förmlich um eine Bestrafung gebettelt! Außerdem... kann ich einige Dinge tun, wenn du nicht brav ist. Ich habe deinen Doktor in der Hand. Er tanzt nach meiner Nase, und wenn du Zicken machst, kann ich ihm was antun. Für die Scheiße, die du anstellst, wird er dann bestraft."
Adams Augen weiteten sich. Nein. Nicht Lawrence. Nicht ihn. Er schüttelte wild den Kopf, sah ihn flehend an. Angst, Verzweiflung und Abscheu lag in seinen Augen. Laute drangen durch den Knebel. Nein. Nein. Nein!
Zep blinzelte ihn an. „Nein? Du willst nicht, dass ich dem Doktor was antue?"
Verzweifelt und so gut es eben möglich war nickte Adam. Zep beugte sich über ihn. „Gut. Einverstanden. Ich tue Dr. Gordon nichts. Aber dafür... musst du mich küssen."
Adam wurde schlagartig übel, als er die Worte seines Gegenüber hörte. Er wollte es nicht. Er wollte Zep nicht küssen. Vorsichtig band dieser ihm das Halstuch ab, nahm den Knebel heraus. „Na? Was ist?"
Adam seufzte, blickte auf den Boden. „Wenn ich es tue... wirst du ihm auch wirklich nichts antun? Versprichst du's?", fragte er misstrauisch. Zep nickte langsam, strich ihm mit der Hand das Haar aus der Stirn. „Ich verspreche es. Ein Kuss, mein Kleiner... und ich krümme deinem Doktor kein Härchen... sondern mache ihm bloß die Spielregeln klar. Deal?"
Der Jüngere nickte. Er würde ihm geben, was er verlangte. Ein Kuss, nicht mehr. Zep kam ihm näher. „Na? Was ist nun?"
Adam nickte, funkelte ihn an. „Wir haben einen Deal. Ich werde dich für Lawrences Sicherheit küssen. Aber glaub mir... ich werde dir die Leidenschaft von einem Holzklotz geben!"
Zep lachte auf. „Da bin ich mir nicht so sicher, Kleiner." Das war alles, was er sagte.
Dann, ganz langsam, beugte er sich über Adams Gesicht, kam mit seinen Lippen den seinen näher. Er schloss die Augen, ihre Lippen berührten sich.
Adam war überrascht. Er hatte eigentlich erwartet, dass er ihm seine Lippen fordernd und brutal auf die seinen pressen würde... aber er war zärtlich. Beinahe rücksichtsvoll.
Langsam schloss der Jüngere die Augen, als der Kuss inniger wurde. Zeps Zunge umspielte die seine, und was Adam eben noch gesagt hatte, geriet in Vergessenheit. Es war leidenschaftlich und verlangend, bis Zep von ihm abließ und die Augen wieder öffnete. Er sagte nichts, beugte sich sanft nach vorne und legte seine Lippen an Adams Ohr. „Braver Junge", hauchte er, gab ihm einen flüchtigen Kuss auf den Hals.
Adam hingegen sah schweigend ins Leere. Seine Wangen röteten sich, ihm war heiß. Heiß vor Scham und heiß vor Glück. Einen solchen Kuss hatte er noch nie erlebt. Und trotzdem hasste er es. Er hasste sich selbst.
Doch es war die einzige Möglichkeit, Lawrence zu helfen.
TBC
