Vala M.
Ich hatte es ja schon fast aufgegeben hier ein Review zu bekommen und deshalb ein großes Dankeschön an dich. Streiche wird es noch eine Menge geben, aber nicht nur das... Viel Spaß dabei!
LG heidi
9. Missverständnisse
Auch den Sonntag verbrachten die Marauder mit Jackie und Lily. Die sechs hatten zusammen viel Spaß, obwohl Peter dazu nicht wirklich viel beisteuerte. Sie alle hatten an diesem Tag ein Picknick am Schwarzen See genossen. Jackie und Sirius sausten hin und wieder mit ihren Besen über den See und James suchte mit Lily nach Bildern von Walküren. Sie hatten auch schon einiges gefunden und Lily wollte sich gleich in der nächsten Woche daran machen, für sich und Jackie die Kostüme zu hexen.
Am Nachmittag ließ sich Lily von James zu einem
Spaziergang um den Schwarzen See herum überreden.
Lily stand
nah am See und sah dem Riesenkraken zu, der immer mal wieder einen
seiner gigantischen Fangarme aus dem Wasser ragen ließ. Es sah
aus, als ob er ihnen zuwinken wollte und James, der an einem nahen
Baum lehnte, meinte verschmitzt: "Ich glaube er will ein Date
mit dir, Lils."
Sie drehte sich lachend zu ihm um und sagte
frech: "Ja, ich werde ihn bitten, mich zum Halloweenball zu
begleiten."
"Hm, da gibt es doch bestimmt eine nettere,
interessantere Begleitung für dich als diesen hässlichen
Kraken", meinte James augenzwinkernd und trat nah an sie heran.
Ihre grünen Augen funkelten lustig, neugierig und zugleich
ängstlich.
James konnte den Blick nicht von ihr nehmen und
ohne, dass er es richtig realisierte, kam er ihrem Gesicht immer
näher. Nur noch wenige Zentimeter trennten sie und beider Augen
schlossen sich. Er atmete ihren Duft ein, blumig, betörend und
für ihn unwiderstehlich. Er spürte schon ihren warmen Atem
auf seiner Wange, als es plötzlich ein lautes Platschen gab und
beide mit Wasser voll gespritzt wurden. Erschrocken fuhren sie
auseinander und eine leichte Röte stieg in ihren Gesichtern auf.
Der schöne Moment war dahin und James stammelte verlegen:
"Ähm... ja, vielleicht sollten wir zurückgehen."
Lily seufzte schwer und wusste in diesem Moment nicht, ob sie dem
Riesenkraken dankbar sein sollte oder nicht.
Auf dem Rückweg
sprachen sie über all die Sachen, die ihnen wichtig waren, über
ihre Familien, ihre Freunde und ihre Wünsche. Nur eines wurde
Lily von James verschwiegen - seine Liebe.
Lily hingegen sah
ihn auf einmal mit ganz anderen Augen. Er war nicht so arrogant und
selbstverliebt, wie sie immer dachte. An diesem Tag verkörperte
er all das, was sie sich immer wünschte. Jemanden mit dem man
reden konnte, der einem dennoch zuhörte und sich nicht permanent
in den Vordergrund drängte.
Ein wohliges Gefühl hatte
sich in ihr ausgebreitet und zum ersten Mal gestand sie sich ein,
dass sie sich Hals über Kopf in James Hieronymus Potter verliebt
hatte. Vergessen waren ihre jahrelangen Streitereien und vergessen
waren auch all die Streiche, die Lily sich für die Marauder
ausgedacht hatte.
Der Montag kam viel zu schnell, doch es war
der Tag für Jackies und Lilys Racheaktion an Bellatrix und
Lestrange.
Die beiden schlenderten unauffällig durch die
Eingangshalle. Sie warteten darauf, dass die Slytherins von den
Kerkern hinauf zum Frühstück kamen. Es dauerte auch gar
nicht lange und Bella erschien, gefolgt von Rudolphus und Snape, auf
der Bildfläche.
Jackie atmete tief durch und trat
energischen Schrittes auf die drei zu. Mit einer ungewohnten Kälte
in der Stimme sagte sie: "Lestrange, Potter schickt mich. Wir
sollen uns über die Trainingszeiten unserer Quidditchteams
einigen."
Snape und Bella liefen, leise vor sich hinlachend,
weiter in die Große Halle und Lestrange verdrehte die Augen,
als er zischte: "Wir sind nicht die Mannschaftskapitäne,
sollen die das doch untereinander klären."
Jackie trat
näher an ihn heran und sagte mit zuckersüßer Stimme:
"Ja, Potter ist leider auch noch Schulsprecher und hat andere
Sachen zu erledigen."
Während Jackie sprach, schlich
sich Lily hinter Lestrange und öffnete unbemerkt die zwei
Taschen, die er über seine Schulter geworfen hatte. Sie hingen
hinter seinem Rücken an einem Gurt. Es war eine Angewohnheit von
ihm, seiner Angebeteten Bella immer ihre Schultasche hinterher zu
tragen.
Lestrange maulte: "Was geht mich das an? Ich bin
bloß Jäger im Team."
Die Eingangshalle war wie
ausgestorben, als Lily hastig, jedoch unbemerkt, den Inhalt eines
kleinen Fläschchens in Rudolphus' und Bellas Taschen schüttete.
Noch bevor Jackie dem Slytherin antwortete eilte Lily schon, ohne
auch nur einen Blick auf sich zu ziehen, in die Große Halle.
Schwer atmend setzte sie sich neben Remus an den Gryffindortisch und
ein diabolisches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Ihr
Adrenalinspiegel war wieder steil in die Höhe geschossen und ein
Gefühl des Triumphes machte sich in ihr breit.
Einen
Augenblick später erschien Jackie und ließ sich neben
Sirius fallen, der ihr auch gleich galant ein Glas Kürbissaft
einschenkte.
Lily sah den Tisch rauf und runter, auf der Suche
nach James. Einen Moment hielt sie die Luft an, denn James saß
neben Megan O' Leary, einer Sechstklässlerin aus Gryffindor. Sie
war eine seiner Exfreundinnen und die beiden hatten die Köpfe
zusammengesteckt und unterhielten sich leise. Die brünette
Schönheit hatte das Gesicht einer Puppe und eine makellose
Figur.
Lily seufzte leise, sie war enttäuscht und wütend
auf sich selbst. Sie war wütend darüber, dass sie sich
ärgerte, nur weil er bei einem anderen Mädchen saß.
Sie schluckte schwer und blickte stur auf ihren Teller, darauf
bedacht, dass ihre Haare einen großen Teil ihres Gesichts
verdeckten. Jackie und Sirius waren sowieso mit sich beschäftigt.
Sie lachten und beachteten sie nicht weiter, aber Remus beugte sich
zu ihr vor und fragte leise: "Was ist heut Morgen mit dir los,
Lily? Du bist so schweigsam."
"Nichts", presste
sie hervor und raffte hastig ihre Bücher zusammen.
Mit
gesenktem Kopf verließ sie die Halle und ging schon
schnurstracks hinunter in die Kerker. Ihre erste Stunde war, wie
immer am Montagmorgen, Zaubertränke und Lily wollte in den
einsamen Kerkern einen Moment Ruhe finden, bevor sie die anderen
wieder ansehen musste.
Hastig wischte sie sich ein paar Tränen
aus dem Gesicht, als die ersten Schüler vor dem
Zaubertrankklassenzimmer auftauchten. Sie setzte ein falsches Lächeln
auf, als James zu ihr trat, ihr einen "Guten Morgen"
wünschte und sie argwöhnisch musterte.
Wie immer
zum Beginn der Stunde mussten sie ihre Hausaufgaben auf Slughorns
Lehrerpult legen, die er dann meist, während sie ihren Trank
brauten, kontrollierte.
Lily arbeitete, ebenso wie Jackie, Sirius
und Remus konzentriert an ihrem Zaubertrank. James warf ihr hin und
wieder verstohlene Blicke zu. Ihr Gesichtsausdruck war für ihn
undefinierbar, doch ihre traurigen Augen blieben ihm nicht verborgen.
Ihre Gesichtzüge entspannten sich allerdings etwas, als Slughorn
donnerte: "Miss Black, Mr. Lestrange, sofort zu mir!"
Gespannt beobachteten Jackie und Lily aus den Augenwinkeln
heraus, wie Slughorn den beiden Slytherins wütend ihre
Pergamentrollen in die Hand drückte und ihnen Nachsitzen
aufbrummte. Zusätzlich mussten sie auch noch ihre Aufgaben
wiederholen und würden damit wohl für die nächsten
zwei Nachmittage ausgebucht sein. Doch das war erst der Anfang.
Die
nächsten Stunden waren noch schlimmer für die beiden.
Sämtliche, vorher von ihnen beschriebenen, Pergamente waren
völlig blank. Nicht einer ihrer Aufsätze war mehr
vorhanden. Bella schnaubte vor Wut und Lestrange war schon am
verzweifeln.
McGonagalls Strafe fiel noch weitaus schlimmer aus,
als die ihres Hauslehrers. Von ihr bekamen sie noch zusätzliche
Hausaufgaben aufgebrummt und mussten am Samstag, unter ihrer
Aufsicht, ihren Abstellraum aufräumen. Darin wimmelte es nur so
von kleinen Krabbeltieren und alten Gerätschaften, Büchern
und sonstiger Kleinkram stapelten sich bis fast unter die Decke.
Dieser Raum war dunkel, muffig und unheimlich staubig und sie sollten
ihn auf Muggelart putzen.
Das bedeutete für Bella, dass sie
sich die Hände schmutzig machen musste. In ihren Augen war die
Verrichtung solch einer niederen Arbeit unter ihrer Würde und
sie keifte noch beim Abendessen an ihrem Haustisch herum.
Lily
und Jackie hatten den Tag wahrlich genossen und Lily war schon wieder
viel besser gelaunt. Sie freute sich am Abend, wieder ihren Rundgang
mit James machen zu können und dachte nicht einen Moment mehr an
Megan O' Leary.
Seltsamerweise war James nicht zum Abendessen
aufgetaucht. Auch Sirius und Remus hatten keinen Schimmer wo er war,
von Peter ganz zu schweigen.
Sirius wollte auch wissen, wo sein
Freund steckte und folgte Lily nach dem Abendessen in die
Schulsprecherräume. Der Aufenthaltsraum war leer, doch Lachen
und leises Aufstöhnen kamen aus James' Zimmer.
Sirius' Augen
weiteten sich und Lily schluckte schwer. Den Geräuschen nach zu
urteilen waren sich wohl beide einig, was dort drinnen gerade ablief.
Lily wandte sich hastig ab, als James die Tür aufriss. Er
stand mit freiem Oberkörper und nur einer Hose bekleidet im
Türrahmen und sah Lily und Sirius erschrocken an.
Sirius
warf einen abschätzigen Blick auf seinen Freund und Megan O'
Leary, die gerade aus seinem Zimmer kam und noch ihre Schuhe in der
Hand hatte. Sie drückte James einen Kuss auf die Wange und
säuselte: "Bis Mittwoch, James, dann machen wir da weiter,
wo wir aufgehört haben."
Sirius zog scharf die Luft ein
und Lily verließ fluchtartig die Schulsprecherräume. Sie
hatte sich absolut nicht mehr im Griff und statt in ihrem Zimmer zu
verschwinden, lief sie durch den Gemeinschaftsraum der Gryffindors
hinaus auf den Gang. Mit tränenüberströmten Gesicht
rannte sie durch die Gänge des Schlosses, ohne zu wissen wohin.
Vergessen war der abendliche Rundgang mit James und vergessen
waren die letzten Tage, in denen sie sich so gut verstanden hatten.
Megan verließ ebenso hastig den Schulsprecherraum und
als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, sagte Sirius mit
einem verständnislosen Blick: "Boah, Alter, du hast es
vergeigt. Jetzt wo Lily..., ich kann's nicht glauben. Bist du
vollkommen übergeschnappt, James?"
James stand da wie
ein begossener Pudel und wusste überhaupt nicht, was sein Freund
von ihm wollte. Doch Sirius ließ ihm auch gar keine Zeit für
Erklärungen. Er griff nach der Karte, die auf James Schreibtisch
lag und verschwand ohne ein weiteres Wort.
James ließ sich
auf das Sofa fallen und starrte ins Feuer. Im Moment verstand er
weder seinen Freund, noch Lily, die er an diesem Abend endlich fragen
wollte, ob sie mit ihm auf den Ball ging. Nur deshalb hatte er sich
dazu durchgerungen, mit Megan ein paar Tanzschritte zu üben. Er
wollte Lily damit beeindrucken, doch nun schien der Schuss nach
hinten losgegangen zu sein.
Im Gemeinschaftsraum der
Gryffindors sah Sirius sich suchend um. Der Raum war brechend voll.
Jackie saß mit Remus in einer Ecke, sie waren offensichtlich
dabei, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Einen Moment zögerte er
noch, doch dann durchquerte er mit großen Schritten den Raum.
Erst draußen auf dem Gang, hinter einem Wandteppich, sprach
er die Worte, die der Karte ihr Geheimnis entlockten und suchte
zwischen den vielen Punkten nach einem gewissen Namen. Hoch oben, auf
dem Nordturm, fand er ihn dann endlich und setzte sich in Bewegung.
Einige Schüler waren noch auf den Gängen anzutreffen,
doch er ließ sich weder von kichernden Mädchen, noch von
sonst jemandem aufhalten.
Völlig außer Atem kam er
oben auf dem Nordturm an. Vorsichtig drückte er die Tür auf
und dort stand sie. Ihre langen roten Haare flatterten im Wind und
sie schaute hinauf zu den Sternen. Im Mondlicht glitzerten die Tränen
auf ihrem Gesicht und Sirius atmete tief durch. In dem Moment wurde
ihm klar, dass Lily nahe dran gewesen war, den ersten Schritt auf
James zuzugehen. Doch sein Freund hatte es, seiner Meinung nach,
dieses Mal wirklich vergeigt.
Langsam ging er näher und
stellte sich neben sie. Er bemerkte ihre hastigen Bewegungen, mit
denen sie sich die Tränen aus dem Gesicht wischte, auch ohne,
dass er sie direkt ansah.
"Ich komm gern hier her",
meinte er nach einer kurzen Zeit des Schweigens und sah dabei über
die Brüstung des Turmes.
Lily atmete tief durch und sagte
leise: "Ja, von hier oben hat man einen viel besseren Blick auf
die Sterne."
Diese Aussage klang sehr gequält, doch
ihre grünen Augen waren weiterhin auf den durch die Gestirne
hell erleuchteten Nachthimmel gerichtet. Sie funkelten im Schein des
Mondes und doch wirkten sie traurig.
Sirius stellte sich hinter
sie und flüsterte in ihr Ohr: "Siehst du ihn, den hellen
Stern, auf den die drei Sterne des Oriongürtels zeigen?" Er
hob dabei seinen Arm und zeigte auf den hellsten Stern am
Nachthimmel.
Lily lächelte schwach und murmelte: "Ja,
ich sehe den Stern Sirius."
Sirius grinste und sagte: "Aber
ich wette, du wusstest nicht, dass die Pharaonen im alten Ägypten
glaubten, er kündige Hochwasser an."
Lily schüttelte
den Kopf. "Nein, das wusste ich nicht. Aber woher weißt du
soviel darüber?"
Sirius lehnte sich jetzt mit dem
Rücken an die Brüstung des Turmes, damit er sie ansehen
konnte und grummelte: "Meine Familie fährt auf alles
Astrologische ab und sowas muss ein Black einfach wissen."
Auf
Lilys Gesicht stahl sich ein kleines Lächeln und sie fragte
neugierig: "Das ist aber nicht der Grund, warum du von zu Hause
weg bist?"
Sirius gab ein trockenes Lachen von sich und
schüttelte den Kopf. "Nein, aber wenn du den wahren Grund
wissen willst, dann erzähl ich ihn dir."
Er redete
nicht gern darüber, das wusste auch Lily und sie war sehr
erstaunt über sein Angebot, deshalb sagte sie verschmitzt:
"Erzähl mir alles über dein kleines, dunkles
Geheimnis."
Sirius lachte bei ihren Worten und brauchte
einen Moment, bevor er ihr seine Hand entgegen hielt und sagte: "Na
dann komm, denn hier ist nicht der richtige Ort dafür. Außerdem
habe ich gerade Appetit auf Kürbispasteten."
Lily
schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich weiß gar
nicht, wie du in Form bleibst, bei den Unmengen an Essen, die du in
dich reinschaufelst."
"Das sind die Gene", meinte
Sirius lachend und griff entschlossen nach ihrer Hand.
Er zog sie
mit sich durch die Gänge, darauf bedacht, dass sie niemandem
begegneten.
Lily war dankbar, dass er sie nicht auf James
angesprochen hatte und sie war auch nicht darauf erpicht, ihm noch
einmal an diesem Abend zu begegnen. Sollte er doch allein die
Rundgänge machen, ihr war es im Moment vollkommen egal. Gespannt
sah sie zu, wie Sirius an einem Bild die Hand ausstreckte und eine
Birne in einem Obstkorb kitzelte.
Sofort klappte das Bild zur
Seite und gab den Blick auf eine große Küche frei, in der
eine Menge kleiner Hauselfen zu Gange waren.
Sirius schob sie
energisch hinein und ein kleiner Hauself piepste: "Was darf ich
den jungen Herrschaften bringen?"
Er schien ganz aufgeregt
und hüpfte vor ihnen hin und her.
Sirius beugte sich zu ihm
hinunter und sagte freundlich: "Also wir hätten gern zwei
Tassen Kakao und einige von euren leckeren Kürbispasteten."
Augenblicklich setzte sich der kleine Elf in Bewegung und stellte
das Gewünschte auf einen langen Tisch, mitten im Raum. Lily und
Sirius ließen sich dort nieder, während all die kleinen
Hauselfen wortlos verschwanden.
Gedankenverloren drehte Lily ihre
Kakaotasse in den Händen, als Sirius leise sagte: "Manchmal
sieht es anders aus, als es in Wahrheit ist."
Er hatte die
Augen bei seinen Worten geschlossen, denn er glaubte selbst nicht
daran und Lily, die genau wusste wovon er sprach, ebenso wenig. Sie
focht einen inneren Kampf mit sich aus, doch letztendlich sagte sie
traurig: "Er hatte seine Chance und die hat er verspielt, ein
für alle Mal."
Bei diesen Worten kullerte eine Träne
ihre Wange herab und landete in ihrem Kakao. Hastig stand sie auf und
ließ Sirius, ohne ein weiteres Wort, alleine in der Küche
zurück.
Traurig schlich sie durch die menschenleeren
Gänge des Schlosses. Es war schon längst Sperrstunde und
kein Schüler mehr anzutreffen. Vor dem
Gryffindorgemeinschaftsraum atmete sie tief durch, brachte ihre Haare
noch in Ordnung und wischte sich über das Gesicht, bevor sie
eintrat.
Nur ein paar Sechstklässer, darunter auch Megan O'
Leary und Jackie und Remus waren noch auf. Diese blickten Lily
erstaunt an, doch sie winkte ihnen nur und verschwand hinter der Tür
der Schulsprecherräume.
Erleichtert atmete sie aus, denn ihr
Aufenthaltsraum war leer.
James hetzte durch die Gänge
des Schlosses und blickte in fast jeden Raum, auf der Suche nach
Lily. Er verfluchte seinen Freund, weil er die Karte mitgenommen und
ihm keine Zeit für Erklärungen gelassen hatte. Als er
endlich wieder in die Schulsprecherräume zurückkehrte, war
es schon weit nach Mitternacht. Das Licht war schon gelöscht und
nur ein kleines Glimmen im Kamin erhellte den Raum spärlich. Er
schlich an Lilys Zimmertür und lauschte einen Moment in die
Stille, doch kein Laut drang an sein Ohr, alles war ruhig.
Frustriert warf er sich auf das Sofa und schloss die Augen.
Wieder sah er ihren entsetzen Blick vor sich und ihre enttäuschten,
traurigen Augen. Mit der heutigen Aktion hatte er sich den Weg zu
Lily endgültig verbaut, das war ihm klar. Nichts, was er jetzt
noch tun oder sagen würde, könnte sie von ihm überzeugen.
Mit dieser Erkenntnis fiel er in einen unruhigen Schlaf.
Lily
hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan und als sie am frühen
Morgen aus ihrem Zimmer schlich, sah sie ihn unschuldig und tief
schlafend auf dem Sofa liegen, noch immer seine Brille auf der Nase,
die leicht verrutscht war. Dieser Anblick trieb ihr schon wieder
Tränen in die Augen und mit leisem Schluchzen rannte sie ins
Bad. Die Tür fiel mit einem lauten Knallen hinter ihr ins
Schloss.
James räkelte sich, geweckt von dem Geräusch.
Doch noch bevor er richtig zu sich kam, rauschte Lily schon wieder an
ihm vorbei in ihr Zimmer, ohne ein Wort.
Schwerfällig und
leise seufzend schlurfte James ins Bad, während sich Lily in
Windeseile anzog. Sie wollte so schnell wie möglich in die Große
Halle.
Auf dem Weg dorthin, traf sie einen der Vertrauensschüler
aus Ravenclaw, mit dem sie auch gleich vereinbarte, dass er mit James
zukünftig die Rundgänge durchs Schloss machen würde.
Sie wollte auf keinen Fall mehr Zeit als nötig mit ihm
verbringen.
Es waren noch nicht sehr viele Schüler an
diesem Dienstagmorgen beim Frühstück anzutreffen und sie
suchte sich einen einsamen Platz, ganz am Ende des Tisches, in der
Hoffnung man würde sie in Ruhe lassen.
Doch weit gefehlt,
einen Augenblick später tauchten Sirius, Remus und Jackie auf,
die auch sofort fragte: "Warum hast du nicht auf uns gewartet,
Lily und wo ist James?"
"Bin ich sein Kindermädchen?",
zischte Lily und griff nach einem Toast. Sirius seufzte laut auf,
doch Jackie und Remus sahen sich verständnislos an.
Eisiges
Schweigen herrschte am Tisch, bis James sich ohne ein Wort neben
Remus auf die Bank fallen ließ. Lily hielt weiterhin ihren
Blick gesenkt, doch sowie sie ihr Frühstück beendet hatte,
verschwand sie wortlos.
"Was ist nur mit ihr los?",
fragte Jackie besorgt und sah ihrer Freundin nach.
"Frag
Prongs", grummelte Sirius und warf seinem Freund einen
vernichtenden Blick zu.
James schleuderte sein Besteck auf den
Tisch und rief aufgebracht: "Verdammt noch mal, ich hab mit
Megan nur ein paar Tanzschritte geübt, das ist alles. Da war
nichts!"
Remus und Jackie sahen verständnislos zu
Sirius, der nun trocken meinte: "Ja sicher, so sah das auch aus.
Du nur mit einer Hose und sie mit ihren Schuhen in der Hand. Das
Gestöhne und Gekicher nicht zu vergessen."
James
schnaubte: "Ausgerechnet du hast es nötig, mir hier
Vorhaltungen zu machen."
Der halbe Gryffindortisch war schon
auf ihre lautstarke Auseinandersetzung aufmerksam geworden und Remus
sagte beruhigend: "Nun kriegt euch mal wieder ein. War da
wirklich nichts, James?"
James warf theatralisch die Arme in
die Luft und zischte: "Nein, wie oft denn noch. Megan kann gut
tanzen und ich wollte nicht ganz so blöd vor Lily dastehen,
deshalb hab' ich sie gefragt, ob sie mir hilft. Das ich nur eine Hose
an hatte, lag daran, dass ich geschwitzt hab wie ein Irrer. Wisst ihr
wie schwer es ist, so etwas zu lernen?"
Seine Worte klangen
sehr gequält und Jackie, sowie Remus lachten leise vor sich.
Sirius schüttelte verständnislos den Kopf und sagte
leise: "Eins kann ich dir sagen, Prongs, sie wird dir kein Wort
glauben. Du warst so dicht dran und hast es vermasselt."
Jackie
seufzte und nickte zustimmend. Sie kannte Lily lange genug, um zu
wissen, dass James' Worte sie auf keinen Fall überzeugen würden.
"Was mach ich denn jetzt?", fragte James verzweifelt.
Nur Sirius fielen die glasigen Augen seines Freundes auf, die er
auch hinter seiner Brille nicht verstecken konnte.
Jackie atmete
geräuschvoll aus und sagte schlicht: "Du musst von vorne
anfangen, James."
James setzte seine Brille ab und fuhr sich
mit der Hand über die Augen, bevor er murmelte: "Die Zeit
läuft mir davon. Es ist unser letztes Jahr und wenn..."
Remus fuhr dazwischen: "Wenn du alles richtig machst, dann
werden wir irgendwann auf deiner Hochzeit tanzen."
Diese
Worte brachten auch James zum Schmunzeln, doch er wusste, dass da ein
hartes Stück Arbeit vor ihm lag.
