Kapitel Acht: Die Berichte

Hermine öffnete ihre Augen, unsicher, was sie geweckt hatte. Harry schlief weiter, seinen Kopf auf ihre Brust gebettet, seine Hände umklammerten ihre Hüfte in seinem normalen post-Albtraum-Verlangen, menschlichen Kontakt zu haben und zu wissen, dass er nicht alleine war.

Sie spürte keine Gefahr, fühlte nicht die mentale Verbindung zu Fawkes oder Castina, aber sie war sicher, dass etwas Bestimmtes sie aufgeweckt hatte.

Das Flüstern war direkt neben ihrem Ohr. „Severus."

Die Lautstärke war höher, als sie bei der ersten Äußerung gewesen wäre, also war das Wort schon mindestens einmal wiederholt worden. Da Hermines Ohren besser waren als Harrys, und er derjenige war, der den Schlaftrank getrunken hatte, hatte es sie und nicht ihn geweckt, und sie unterbrach den Zauber, bevor sich das änderte. Jetzt musste sie nur noch aus Harrys Umarmung entkommen, damit sie die Tür öffn - Oh, verdammt.

Es war ihr damals als gute Idee erschienen, wirklich. Severus war der nächste Professor, das nächste Ordensmitglied, und jemand, dem sie inzwischen vollkommen vertraute, egal für wie verrückt Harry und Ron sie deshalb halten mochten. Es hatte bedeutetet, dass Fawkes sie nicht ganz so intensiv überwachen musste.

Sie sandte ein stummes Stoßgebet gen Himmel und drehte den Kopf um, sodass sie die Tür sehen konnte, die sie natürlich offen gelassen hatte, als sie aufgesprungen war um Harry zu helfen. Gegen das heruntergebrannte Feuer war eine große, menschliche Silhouette zu erkennen.

Er hatte ihre Bewegung offenbar gehört oder gesehen und die Situation völlig falsch interpretiert, denn er wirbelte davon.

Ohne darüber nachzudenken, was sie tat, belegte sie Harry mit einem Muskelentspannungs-Zauber und konnte so aus seinem Griff rutschen. Sie eilte durch die Tür, warf einen Stille-Zauber hinter sich und holte Severus ein, gerade als seine Hand sich zum Wasserspeier bewegte.

„Severus!"

Her drehte sich zurück, seine Haltung steif, sein ganzer Körper strahlte Anspannung aus. Seine Kleidung zeigte, dass er hierher gekommen war, bevor er überhaupt in seinen eigenen Räumen gewesen war, auch wenn seine Maske nicht zu sehen war.

Seiner Stimme fehlte jegliche Emotion und seine Worte waren beängstigend formell: „Ich bitte um Entschuldigung; ich hatte nicht die Absicht, euch zu unterbrechen."

„Du hast gar nichts unterbrochen", erklärte sie hastig. „Ich war nur da, weil -"

„Erspare mir die Details", unterbrach er ungeduldig. „Ich hatte den Eindruck, dass es Mr. Potter nicht gut gehen könnte. Offensichtlich lag ich falsch."

„Nein, lagst du nicht", widersprach sie. „Darum war ich -"

„Ich werde euch nicht weiter stören." Er wandte sich zurück zur Tür.

„Lass mich einen gottverdammten Satz zu Ende reden!", blaffte sie. Er drehte sich argwöhnisch zurück. „Ich war da, weil es Harry nicht gut ging."

Severus' Stimme war schneidend. „Du wirst mir verzeihen, wenn ich nicht mit den Problemen eines verzogenen Teenagers mitfühle."

Ihre Stimme war genauso bissig. „Aber wirst du mit denen mitfühlen, die aus erster Hand mit ansehen mussten, was passiert, wenn Voldemort Kinder vergiftet?"

Die wenige Farbe, die sein Gesicht hatte, verschwand. „Ihr habt gesehen -?"

„Ja. Also wirst du mir verzeihen, wenn ich Harry allen Trost gespendet habe, den ich konnte. Also, gibt es einen guten Grund dafür, dass ich Harry wecke, damit er mit dir geht, um Albus zu berichten, oder denkst du, dass du alles Wichtige gesehen hast?"

Seine Stimme klang abgehackt. „Du musst genau wissen, welche Rolle ich in den Ereignissen heute Nacht gespielt habe. Das sollte alles Wichtige abdecken, denkst du nicht?"

Manchmal brachte der Mann sie wirklich auf die Palme. Sie versuchte Unterstützung zu zeigen, und das brachte es ihr dann.

„Wie du meinst", stimmte sie deshalb mit geschäftlichem Ton zu. „Ich werde Harry den Trank ausschlafen lassen, den ich ihm gegeben habe, und er kann, wenn nötig, später mit Albus reden."

„Gut", stimmte Severus knapp zu.

Er wirbelte wieder zur Tür herum, und diesmal versuchte sie nicht, ihn aufzuhalten. Stattdessen ging sie zu Harrys Bett zurück, wo sie den Gryffindor rastlos umherrutschend vorfand. Seufzend kletterte sie zurück ins Bett, wobei sie sich diesmal gegen das Kopfende setzte, da sie wusste, dass sie für den Rest der Nacht keinen Schlaf finden würde. Sie rückte weiter bis in Harrys Hälfte des Betts, und sah mit leicht gepeinigtem Lächeln zu, wie er sofort von ihrer Körperwärme angezogen wurde, und mit seinem Kopf an ihrem Oberschenkel und einem Arm über ihren Beinen fiel er in einen geruhsameren Schlaf.

Sie wünschte sich, dass der idiotische Mann manchmal nicht so schwierig wäre. Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit gehabt, sich zu versichern, dass es ihm gut ging. Sie hatte sich gerade so davon abhalten können, anzubieten, dass sie ihn selbst zu Albus begleiten könnte, aber Severus' Laune hatte klar gemacht, dass sie bei lebendigem Leibe gehäutet würde, sollte sie es auch nur vorschlagen.

Stattdessen war sie hier und spielte Sicherheitsdecke für Harry. Wenn es jemand verdiente, dann er, aber das war nicht wirklich, wie sie den Rest der Nacht verbringen wollte. Wenn sie Severus schon nicht helfen konnte, dann hätte sie wirklich die Ruhe der Einhörner brauchen können, und etwas Licht zu tanken, würde sicherlich einiges von dem Schmutz verbrennen, von dem sie fühlte, dass er in ihre Seele eingedrungen war.

Sie fuhr ihre Finger sanft durch Harrys unordentliche Haare, und wünschte sich, dass sie das stattdessen für Severus tun könnte. Sie bezweifelte zwar, dass Severus' Haar so seidig war wie das von Harry, aber sie würde sich mit allem Öl der Welt abfinden, wenn das eine Möglichkeit wäre. Egal wie sehr er es auch abstreiten mochte, sie war sicher, dass der Slytherin Trost brauchte, den er von niemandem bekam. Die Tatsache, dass er eindeutig nicht daran interessiert war, ihn von ihr zu bekommen, war unglücklich, aber es änderte nichts an ihrem Wunsch, ihn anzubieten.

Es war beinahe jenseits ihres Vorstellungsvermögens, dass er immer wieder zu Voldemort zurückkehren konnte, wenn er wusste, was ihn dort erwartete. Er war ohne jeden Zweifel die tapferste Person, die sie kannte, denn Harry und Albus und die anderen Ordensmitglieder mussten einfach nicht mit dem Horror fertig werden, dem Severus jeden Tag widerstand. Sie und die anderen konnten sich völlig auf Seiten des Lichts stellen, Voldemort stolz trotzen und in regelmäßig ausgeführten Schlachten kämpfen, aber sie konnten sich zurückziehen, abschalten und eine Pause machen.

Es betraf sie jeden Tag, aber sie mussten nicht jeden Augenblick in dem Wissen verbringen, dass ein Fehler ihnen ihr Leben kosten konnte, dass die meisten der Menschen, die sie zu retten versuchten, sie als kaltblütige Mörder ansahen und als nicht besser als das Monster, dem sie vorgaben zu dienen. Severus musste eine wesentliche und verzweifelt wichtige Arbeit leisten, die ihn zwang, bei Ereignissen mitzumachen, wie dem, das sie und Harry gerade mit angesehen hatten, und es brach ihr Herz darüber nachzudenken, dass er wieder und wieder zurück gehen musste.

Sie wünschte sich verzweifelt, dass sie wüssten, wie sie Voldemort töten konnten, dass sie genug Training hätten, um einfach hinausmarschieren und es heute beenden zu können. Sie war es leid, dass Voldemort das Sagen hatte, dass Severus auf jeden seiner Befehle hören musste, und die gedrückten Gesichter ihrer Mitschüler zu sehen, deren Freunde und Verwandte getötet wurden. Sie alle machten so gut weiter, wie sie konnten, aber man konnte nur so viel ertragen, bevor man zerbrach. Severus war die ganze Zeit dort an der Front, und der Gedanke, ihn an diesen Krieg zu verlieren, machte ihr panische Angst.

Es war sogar beinahe genug sie davon zu überzeugen, ihm jetzt von ihren Gefühlen zu berichten; was, wenn einer von ihnen es nicht schaffte? Konnte sie wirklich mit sich selbst leben, sollte er sterben ohne es zu wissen? Oder wenn sie als Erste in das nächste große Abenteuer aufbrach? Wollte sie nicht, dass er die Wahrheit kannte, bevor es unmöglich sein würde, sie ihm mitzuteilen?

Aber alles war so kompliziert geworden, seit sie von Reinen Erwachsenen erfahren hatte. Ihm „nur" von ihren Gefühlen zu berichten war nicht länger möglich. Außerdem hatte sie eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie er sich fühlen würde, wenn eine Schülerin ihre Zuneigung zu ihm gestand, und aus dem Raum gelacht zu werden stand nicht besonders hoch auf der Liste der Dinge, denen sie sich aussetzen wollte. Sie wollte nicht, dass er es wusste, wenn er sie mit dem Wissen nur lächerlich machen würde.

Nein, entschied sie, ihre Gefühle waren ein weiterer Grund für sie, sicherzustellen, dass sie beide in einem Stück durch diesen Krieg kamen. Sie konnte... sie konnte es ihm bei der Siegesfeier erzählen. Sie wären dann beide frei. Da es leider unwahrscheinlich war, dass der Krieg morgen plötzlich vorbei sein würde, hätte sie bis dahin bereits ihren Abschluss, sodass, wenn die Situation sich zum Schlechteren wandelte – und die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass das passieren würde, wenn sie Severus ihre Gefühle gestand – sie ihm nicht jeden Tage gegenüber stehen müsste. Aber sie wäre kein Feigling. Sie hätte ihm die Wahrheit gesagt.

Irgendwie ließ dieser Entschluss, so ungewiss er auch getimt war, sie besser fühlen. Sie schnaubte über sich selbst. Das ungewisse Timing in der Zukunft war wahrscheinlich genau das, was ihre Laune verbesserte. So viel zu Tapferkeit und den Moment ergreifen. Aber Selbsterhaltung war auch wichtig, und sie fand wirklich, dass sie die Chancen, ihr Herz ihm Krieg zerbrochen zu bekommen, nicht maximieren sollte.

Harry wachte vor sechs Uhr auf, ein plötzliches tiefes Einatmen deutete auf volle Wachheit und volle Erinnerungen hin.

„Hey", sagte sie sanft, „Wie fühlst du dich?"

„Gut", antwortete er, und zog sich von ihr weg in eine aufrechte Position. Er korrigierte sich hastig mit einer Grimasse. „Ich meine, schrecklich über das was geschehen ist, aber normalerweise fühlt sich mein Kopf nach diesen Visionen an, als würde er gleich explodieren, und im Moment tut er nur ein bisschen weh."

„Hmm." Ihr Kopf tat überhaupt nicht weh. „Ich habe immer gedacht, dass es eine direkte Folge deiner Verbindung mit Voldemort war, aber vielleicht liegt es eigentlich daran, dass du gezwungen wirst, eine mentale Verbindungen herzustellen, an die du nicht gewöhnt bist, und von der du keine Übung hast, sie willentlich herzustellen."

Er betrachtete sie spekulativ, und seine Worte waren keine wirkliche Frage: „Und heute war ich mit dir zusammen, und du hast solch eine Übung."

Sie nickte und bestätigte: „Ich war in anderen Köpfen, ja."

„Vielleicht wäre jetzt ein guter Zeitpunkt das zu besprechen", schlug er entschieden vor.

Was sagst du, Vogel?

Denkst du er ist alt genug?, fragte Fawkes mit gespieltem Zweifel.

Sie gab ihm ein mentales Grinsen. Ich nehme das als ja. Du bist bereit dich im passenden Moment einzuschalten?

Und der Phönix wird in den Chor verbannt. Seufz.

So theatralisch wie du bist, verstehe ich nicht, dass es dich überrascht.

Er lachte. Wie du wünschst.

Sie richtete ihre Konzentration wieder nach außen und lächelte Harry an. „Jetzt scheint ein ausgezeichneter Zeitpunkt zu sein. Aber vielleicht erst eine Dusche und Klamotten?"

Er stimmte zu, und sie trafen sich zwanzig Minuten später auf dem Sofa, wo sie ihn mit den Details versorgte, die sie bisher über den Sommer nach dem fünften Schuljahr ausgelassen hatte.

„Du hast seit Ende des fünften Schuljahres mit Fawkes geredet", wiederholte Harry.

„GedankenRede, aber ja."

„Und du hast nicht daran gedacht, es zu erwähnen?"

„Hast du daran gedacht, dass es ist nicht nur mein Geheimnis ist? Fawkes hat gewartet, bis ich siebzehn war, und er hat bei dir das gleiche getan."

„Ich bin seit Ende Juli siebzehn."

Als ob sie das nicht wüsste.

„Und es gab keinen dringenden Grund für ihn dazwischen zu funken. Du musstest so schon mit genug fertig werden."

Dazwischen zu funken? Entschuldige mal, nerviges Mädchen, aber ich denke, du solltest damit aufhören, das so schlecht zu erklären.

Der Ausdruck auf Harrys Gesicht sagte ihr, dass das an sie beide gerichtet war, also tat sie es ihm gleich.

Ich musste etwas sagen, das eine Reaktion hervor rufen würde, oder etwa nicht?, fragte sie neckisch.

Und nett zu fragen war keine Möglichkeit?

Sie schüttelte den Kopf, sowohl geistig als auch körperlich. Nicht annähernd so lustig.

„Das ist..." Harry räusperte sich und versuchte erneut: Das ist verrückt.

Das ist GedankenRede, korrigierte Hermine. Magische Intima nutzen diese Art der Kommunikation häufig mit ihren menschlichen Begleitern. Sie können sich dazu entscheiden auch mit anderen Menschen so zu reden, aber diese Menschen können sich nicht wann immer sie wollen mit ihnen unterhalten. Du und ich, andererseits, können Fawkes stören, wie es uns beliebt.

Ich bin entzückt, dass du es so ausgedrückt hast, Girlicorne, steuerte Fawkes mit gespielter Bitternis bei.

Gilicorne?

Fawkes benutzt meist keine richtigen Namen. Du wirst bestimmt bald einen eigenen verzückenden Spitznamen erhalten.

Wenn er nett zu mir ist, dann bekommt er einen guten, anders als gewisse Leute.

Sie lachte, aber fügte ernst hinzu: Aber Spaß beiseite, Fawkes ist hier, wenn wir ihn brauchen, und großartig darin, Hilfe zu leisten.

Sie erklärte Harry, dass der Phönix dafür verantwortlich gewesen war, ihre beiden Gehirne zu verbinden, da Menschen das normalerweise nicht tun konnten.

Es war nicht schwierig bei euch beiden, sagte Fawkes selbstgefällig. Ihr seid sehr... sympathisch zu einander. Kompatibel.

Hermine zog eine Grimasse. Wenn das der Part ist, wo du uns mitteilst, dass wir zusammengehören, dann spreche ich nie wieder mit dir.

So verlockend das auch sein mag, neckte er, wisst ihr beide so gut wie ich, dass ihr in der Hinsicht nicht kompatibel seid. Eure Schicksale liegen anderswo.

Gott sei dank, sagte sie mit einem Lächeln, und Harry grinste zustimmend.

Wenn das möglich wäre, fügte Fawkes hinzu, dann hätte ich es am ersten August vorgeschlagen und dieses Drama vermieden.

Er weiß-, Harry brach ab und veränderte seine Frage. Du weißt davon?

Und hat mir vor dem Ordenstreffen nichts gesagt, also mach dir nichts draus, warf Hermine ein, bevor Fawkes antworten konnte.

Wir nehmen Reine Erwachsene sehr ernst. Hermine erhielt den Eindruck von allen langlebigen magischen Kreaturen, nicht nur Phönixen, als er „wir" sagte. Wir sprechen nicht davon, bevor ihr Erwachsene seid; wir würden das Schicksal nicht herausfordern. In diesem Fall hatte ich das Gefühl, dass du nicht allein sein würdest, Berit, aber es gab nichts zu sagen, bevor er geboren war. Als Reiner Erwachsener geboren, nahm sie an, sonst würde das keinen Sinn ergeben. Das Treffen des Ordens hat gut genug gedient, um euch über das allgemeine Konzept zu informieren. Und ich kenne euch beide gut genug um darauf zu vertrauen, dass ihr nicht plötzlich euren Status dem Rest des Ordens mitgeteilt hättet. Außerdem sind Menschen ziemlich empfindlich, was das Thema von Jungfräulichkeit angeht. Hätte ich es beiläufig in ein Gespräch einwerfen sollen?

Sie und Harry seufzten, und sie gab zu, Ich schätze es gab nicht viel anderes, das wir hätten tun können, selbst wenn wir es gewusst hätten.

Ich schätze ins Ministerium einzubrechen und meine Schriftrolle zu stehlen, bevor sie auf Stebbins Schreibtisch landete und dieses ganze Durcheinander auslöste, war keine Möglichkeit?

Sie lachten.

Also, fragte Harry plötzlich, bedeutet das, dass Hermine und ich so kommunizieren können, wann immer wir wollen?

Fawkes nickte mental.

Harry grinste. Cool. Er schaffte ein geistiges Bild von sich selbst mit den größten Hundeaugen und einem hoffnungsvollen Blick. Heißt dass, ich kann beim nächsten Zaubertränke-Test Fragen stellen?

Sie antwortete süßlich: Natürlich. Er verengte seine Augen argwöhnisch, und sie fuhr fort: Aber du kannst nicht wissen, welche Note du als Ergebnis der Antworten bekommen würdest, die ich dir währenddessen geben würde.

Du würdest mich anlügen? Ich bin schockiert, 'Mine, vollkommen entsetzt.

Sie lächelten einander an, aber auch wenn Harrys Bemerkung als Scherz gemeint war, erinnerte es sie an die Ereignisse, die sie wirklich entsetzt hatten, an das Thema, das momentan nicht weit von ihren Gedanken entfernt sein konnte.

Wie hat Albus die Neuigkeiten aufgenommen?, fragte sie Fawkes.

Sieben Kinder und vier Erwachsene. Hermine konnte Fawkes' Trauer hören. Wir haben einen Namen aus dem Buch verloren.

Ein Muggelstämmiger also, und zehn Muggel. Alle wertlos in Voldemorts Augen, und alle in diesem Fall geopfert, um Rufus Scrimgeour bloß zu stellen.

Es wird heute Morgen in der Zeitung stehen.

Ich hatte eh keine Lust zum Frühstück zu gehen, sagte Hermine. Harry?

Auch nicht, stimmte er schnell zu. Das Letzte, was ich tun möchte, ist darüber zu reden.

Danke für die Warnung. Wir sind hier, falls Albus uns braucht, okay?

Wie du meinst, Berit. Boy-bird, es war mir ein Vergnügen.

Ähm... Harry schien nicht zu wissen, was er von dem Namen halten sollte. Danke.

Hermine nahm an, dass sie sich Harrys Animagusgestalt jetzt gut vorstellen konnte.

Da keiner von beiden bereit war, die Ereignisse von letzter Nacht weiter zu besprechen, einigten sie sich stattdessen darau, zu üben. Die Privatsphäre ihrer Räume schien der perfekte Ort, um die sympathische Magie zu erforschen, die es Harrys Magie erlaubte, durch ihre Schilde zu dringen. Das war auf jeden Fall eine Fähigkeit, die nützlich sein konnte, wenn sie verlässlich war, also mussten sie sicher stellen, dass es keine Ausnahme gewesen war.

Einige Stunden harter Arbeit später dachten sie, dass sie ein ziemlich gutes Verständnis davon hatten. Harrys Zauber konnten einfach durch ihre Schildzauber dringen, als wären diese nicht vorhanden, aber es war ein schlaues Schild: seine Zauber kamen von der anderen Seite aus nicht durch das Schild, sodass niemand Harrys Zauber gegen sie verwenden konnte. Darum hatten sie auch am Anfang der Unterrichtsstunde nichts Außergewöhnliches festgestellt.

Es schien wie der beste Vorteil aller Zeiten, aber Hermine dachte an das Schicksal von Nevilles Eltern, und erkannte, dass, wenn man bedachte, gegen wen sie arbeiteten, die normalen Einschränkungen des Schildes sie noch immer behinderten.

Hedwig hatte ihre Ausgabe des Propheten vorbeigebracht und sie rollten ihn widerwillig auf, da sie wissen mussten, was er sagte. Sie zuckten zusammen. Hermine war nicht sicher, ob es einen Versuch gegeben hatte, die Wahrheit zu unterdrücken, oder ob dies absichtlich durchgesickert war, aber auf der Titelseite war ein großes Foto von Rodolphus Lestranges Werk zu sehen, einschließlich des vernichtenden Satzes. Rita Kimmkorn hatte es sofort mit dem Vergiftungsversuch, für den Scrimgeour Voldemort beschuldigt hatte, in Verbindung gebracht und versprochen, dass sie dem Geheimnis auf die Spur kommen würde, wobei sie bereits Hinweise fallen ließ, dass Scrimgeour sich nicht korrekt verhalten habe.

Hermine und Harry machten sich nicht die Mühe, die Details in dem Artikel mehr als zu überfliegen; sie wussten es besser, als die Zeitung es jemals konnte. Es war in der Tat ein Waisenhaus, das betroffen war. Keiner der Namen der Kinder war veröffentlicht worden, aber sie und Harry schoben das schreckliche Bild beiseite und nahmen sich Zeit, der Leben zu gedenken, die so entsetzlich beendet worden waren.

Es war zu wenig und irgendwie erbärmlich, aber es war alles, was sie für diese Leute tun konnten, die sie nicht einmal kannten. Aber sie mussten alles tun, was sie konnten.

Hermine atmete tief ein. „Die kleine Rothaarige. Mit Zöpfen und mehr Sommersprossen als Ron. Sie hatte Grübchen und sah als, als würde sie viel lächeln."

Harry schluckte. „Der große Junge, der aussah, als war er der Älteste. Der sich an das Ende der Reihe gestellt hat, nach dem die Frau starb, um die anderen so lange wie möglich zu schützen."

„Das Mädchen mit langem, blondem Haar. Sie hat die Augen und Ohren des jüngsten Kindes zugehalten, als Voldemort den Cruciatus benutzt hat."

„Der kleine Junge, der leuchten blaue Augen hatte, die so hätten funkeln sollen wie die von Albus."

„Das Mädchen mit kurzen, schwarzen Haaren, die auf Lucius Malfoys Fuß getreten hat, obwohl es ihn nicht aufhalten würde."

„Das braunhaarige Mädchen, die ihren Mund ohne Beschwerde geöffnet hat, damit er sie nicht anfassen würde."

„Der braunhaarige Junge, der seinen Kiefer so fest zusammengepresst hat, dass Malfoy einen Zauber verwenden musste, um seinen Mund aufzubekommen."

„Und die Frau und drei Männer, die gestorben sind, während sie ihre Schützlinge verteidigt haben."

Keiner von ihnen hatte versucht, sich selbst zu retten.

„Wir werden ihn aufhalten", schwor Harry.

„Ja", stimmte Hermine zu.

Sie mochten nicht wissen wie, aber sie waren entschlossen, es zu tun. Sie schuldeten es jeder Person, die an diesen Krieg verloren worden war. Diese armen Menschen hatten noch nicht einmal gewusst, dass ein Krieg geführt wurde.

Obwohl sie sich wünschten, dass sie in ihren Räumen bleiben und das schmerzliche Thema für immer vermeiden könnten, rissen Hermine und Harry sich zusammen und kamen zum Mittagessen heraus. Sie waren schließlich die Schulsprecher; nachdem sie im Privaten getrauert hatten, mussten sie nun für die restlichen Schüler stark erscheinen. Und für die Gesamtheit der magischen Welt, in Harrys Fall. Gar kein Druck. Sie fragte sich häufig, wie viele Leute einmal inne hielten und wirklich darüber nachdachten, was sie von ihm verlangten.

Die Große Halle war gefüllt von mehr Schülern als üblich für ein Wochenende, wenige hatten sich dazu entschieden, das Essen auszulassen, nachdem die Neuigkeiten bekannt worden waren. Alle Professoren waren anwesend, inklusive Severus, der blass und angespannt aussah, aber Hermine nahm an, dass das normal war für ihn. Sie wünschte sich, dass er mehr Ruhe hätte bekommen können.

Harry und Hermine bestätigten jedem, der fragte, dass sie wussten, was passiert war, und die Tragödie beklagten.

Nach dem Mittagessen schafften sie es gerade so, aufzulösen, was einige riesige Prügelei direkt vor der Großen Halle geworden wäre, als Terry Boot versucht hatte, Theodore Nott anzugreifen, nachdem der laut gesagt hatte, dass er den großen Aufstand nicht kapierte, es waren nur ein paar dumme Muggel und nutzlose Muggel-Kinder, die gestorben waren. Sofort hatte sich eine Traube zorniger Schüler gebildet.

Harry hatte glücklicherweise Terry gegriffen und ihn zurückzuhalten. Die weißen Knöchel, mit denen er Terry Arm gepackt hielt, zeigten, dass das das einzige war, dass Harry davon abhielt, nach seinem Zauberstab zu greifen.

„Zehn Punkte Abzug von Slytherin, für deinen Mangel an Mitgefühl für deine Mitmenschen, und für deine hetzerischen Bemerkungen, Nott", sagte Hermine kühl. „Diese elf Menschen sind nicht einfach gestorben, sie wurden ermordet; sie hatten nichts getan und wurden zu ihrem Tode geführt, ohne sich auch nur im Geringsten verteidigen zu können. Niemand verdient das."

„Außer Du-Weißt-Schon-Wer und die Todesser", murmelte jemand laut in der Anonymität der Masse.

„Nicht die Todesser, und nicht einmal Voldemort", widersprach sie. „Ich werde immer gegen sie kämpfen. Ich werde mich selbst verteidigen und jene um mich herum. Aber wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich die Todesser und Voldemort einsperren und sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen."

„Und dann würden sie ausbrechen und wieder töten! Du glaubst nicht wirklich, dass sie aufhören werden, oder?" Eine weitere anonyme Frage.

„Solange sie es nicht tun, werde ich da sein um gegen sie zu kämpfen."

„Und sie wird nicht alleine sein", fügte Harry hinzu, und ein zustimmendes Gemurmel zog durch die Masse, zusammen mit einigen Äußerungen, von denen Hermine wusste, dass sie keine Zustimmung waren.

Ihre Antwort hatte eine spontane politische Diskussion ausgelöst, und für den Rest des Tages diskutierten Menschen, stimmten zu oder wiesen es ab. Die halbe DA nahm sie und Harry für eine Debattier- bzw. Trainingsstunde in Beschlag. Alle wollten wissen, ob Harry mit Hermines Meinung übereinstimmte, oder ob er Voldemort und all die Todesser, die ihm und seiner Familie persönlich geschadet hatten, einfach umbringen wollte. Viele Leute schienen zufrieden damit, sich für die Antwort zu verbürgen, die sie von ihm erwarteten, ohne seine wirkliche Meinung mit einzubeziehen.

„Ich möchte Frieden", hatte Harry schließlich lautstark erklärt. Die Diskussion hatte sich vor und zurück bewegt, ohne Anzeichen dafür, dass sie bis zum Abendessen abklingen würde. „Wie Hermine gesagt hat, diejenigen, die Verbrechen begangen haben, müssen für sie verantwortlich gemacht werden, aber ich verlange nicht, dass Menschen sterben."

Die Diskussion hatte für einen Moment pausiert, und war dann lauter als vorher weiter gegangen.

Es tut mir so leid, entschuldigte Hermine sich. Ich habe nur versucht einen Kampf zu verhindern und ihnen zu zeigen, dass es eine Weltanschauung ohne eine brutale Rangordnung gibt.

Her schüttelte im Geiste den Kopf, und hatte den Dreh so weit raus, dass die gewohnheitsmäßige körperliche Bewegung nur noch leicht statt fand. Es ist, was sie gerade wollen. Über Theorien zu streiten heißt, dass sie nicht zu sehr über die Leichen am Boden nachdenken müssen.

Sollen wir abhauen?

Gerne, stimmte er sofort zu.

Sie sahen sich nach Ron um und fanden ihn in eine Diskussion mit Michael Corner vertieft, die laute Worte und große Handbewegungen beinhaltete. Keiner von beiden wollte dazwischen treten. Stattdessen fingen sie Ginnys Blick auf, und sie nickte, als sie sich unauffällig zur Tür schlichen, um zu entkommen. Sie stießen beide erleichterte Seufzer aus, als sie die Sicherheit ihres Gemeinschaftsraumes erreichten.

„Ich möchte wahrscheinlich nicht darüber nachdenken, wie stark sie das morgen im Propheten verdrehen werden, oder?", fragte Harry.

Hermine dachte kurz nach. „Du wirst zum Pazifisten erklärt werden."

„Hmm", stimmte Harry zu. „Ich habe England seinem Schicksal überlassen, und das liegt nur an meiner Unruhe stiftenden, insgeheim Voldemort unterstützenden Freundin..."

„Ich habe dein zartes Herz schon wieder gebrochen, oder?"

Harry nickte mit gespielter Ernsthaftigkeit. „Ich fürchte ja, du reueloses Monster."

Sie grinsten sich an. Diese Zeitung war wirklich absurd, und wie Harry wollte Hermine nicht zu sehr darüber nachdenken, was ihre Aussagen mit dem Bericht des Propheten morgen noch zu tun haben mochten.

Wegen der Unterbrechungen am Freitag und Samstag und dem fortwährenden Zwang bei den Essenszeiten Präsenz zu zeigen, war es erst am Sonntagabend, als Harry Hermine aus ihren Schulbüchern und Pergamenten hervorlockte, dass sie merkte, dass sie Severus kaum gesehen und nichts darüber gehört hatten, wann sie ihr unterbrochenes Training weiterführen würden. Aber wenn jemand momentan eine Pause verdiente, dann war es Severus, und ihr Training war eine seiner Pflichten, die er auslassen konnte, ohne sein Leben zu riskieren.

Außerdem würde sie ihn morgen während Zaubertränke für drei Stunden im Auge behalten können, und sie hatte für Montagabend Zeit im Labor eingeplant, was ihr die Möglichkeit geben würde, privat mit ihm zu reden und zu sehen, wie er durchhielt – ohne natürlich ihre Sorgen so auszudrücken, dass sie als solche erkannt würden, weil ihn das nur beleidigen würde.

Am Montagmorgen wurden Harrys pazifistische Neigungen – die, natürlich, ein sehr durchschaubarer Versuch waren, seine Feigheit zu verbergen – vollkommen vergessen gemacht. Jemand hatte tief genug gegraben, und das Geheimnis der Reinen Erwachsenen war entdeckt worden. Es wurde jedoch mit Ungläubigkeit beschrieben, den „klaren Köpfen" des Propheten war es unbegreiflich, dass Scrimgeour seine Karriere für ein Märchen aufs Spiel setzen würde. Die Zeitung, mit Kimmkorn als Anführerin des Rudels, war nur zu gewillt, die elf Tode vom Freitag Scrimgeour in die Schuhe zu schieben, und es gab Forderungen, dass er sofort zurücktreten und offiziell untersucht werden sollte.

Hermine und Harry fühlten sich wie in einem befremdlichen Auge des Sturms; nach dem ersten Augenblick des Schocks und der Erleichterung, dass ihr Geheimnis endlich offen lag, wurde ihnen klar, dass jeder das wesentliche Detail zu übersehen haben schien. Die Menschen waren dem Beispiel des Propheten gefolgt und richteten ihren ganzen Fokus nicht auf das Warum, sondern auf Scrimgeours Taten.

Die beiden blieben der Debatte fern; Harry war sicher, dass jegliche Meinung, die er anbot, sofort als Ausschlag gebender Punkt gesehen würde, Scrimgeour entweder zu unterstützen oder zu verdammen. Von dem, was sie von der Situation wussten, dachten sie insgeheim, dass Scrimgeour zwar eine Mitschuld trug, er aber Voldemort nicht angewiesen hatte, das Waisenhaus anzugreifen, oder ihn auf irgendeine Weise unterstützt hätte, und Voldemort war auch kein aufrechter Bürger, der sich plötzlich einem Verbrecherleben zugewandt hatte, wegen einer dummen Aussage des Leiters der M.S.V.

Zaubertränke am Montag erwies sich als beunruhigend. Severus war anwesend, offensichtlich, aber er ignorierte ihren Teil des Raumes völlig, überprüfte ihren Fortschritt nicht, und machte keine einzige spöttische Bemerkung. Sie konnte noch nicht einmal versuchen seinen Blick zu erhaschen, da er nicht ein einziges Mal in Harry und Hermines Richtung sah.

Normalerweise griff er sie nur noch schlimmer an, wenn er wütend war, weshalb sein Ausweichen schwierig zu interpretieren war. Heute Nacht im Labor zumindest würde es ihm unmöglich sein sie zu ignorieren, sodass sie dann ihre Antworten bekommen würde.

Das, jedenfalls, war ihre entschlossene Absicht. Als sie um acht Uhr abends am Labor ankam, wurden ihre Gedanken sofort von der Tatsache aus der Bahn geworfen, dass ihr Bereich vollkommen abgebaut worden war; es fand sich keine Spur ihrer Geräte, Vorräte oder Zutaten. Selbst der Trank, an dem sie gearbeitet hatte, war verschwunden. Sie hatten eine Vereinbarung gehabt, und er war einfach... einfach ein kompletter Bastard gewesen, wirklich, und sie hatte nicht damit gerechnet, nicht in seinem privaten Labor, wo sie damit rechnen konnte, dass er verlässlich war, wenn auch nicht immer freundlich.

Sie stand dort, fassungslos und wütend, bis er auftauchte. Dass er dafür dreißig Minuten gebraucht hatte, hatte ihre Laune nicht im Mindesten verbessert.

„Wie kannst du es wagen!", schrie sie in der Sekunde, in der sie ihn sah, zu zornig um sich zu überlegen, was sie tat. „Hast du überhaupt eine Ahnung, woran ich gearbeitet habe? Warum würdest du das tun?"

Er richtete sich zu voller Größe auf und wirkte geradezu bedrohlich, sein Gesichtsausdruck voller Verachtung. Nach einem Moment befremdlichen Déjà-Vus erkannte sie es als sein Todesser-Gebaren.

„Falls du dich nicht mehr an die Bedingungen unserer Vereinbarung erinnern, Miss Granger, dann erlaube mir, dich daran zu erinnern: Du arbeitest um meinen Zeitplan herum, und ich habe gemerkt, dass er es nicht länger zulässt."

„Auch wenn ich nicht sehe, dass sich etwas Besonderes an deinem Zeitplan zwischen letzter und dieser Woche geändert hat", presste sie mit gezwungener Höflichkeit heraus, „werde ich dein Recht anerkennen, dein Labor zu verwenden, wie du es möchtest. Da ich aber nicht glaube, dass du auf einmal das gesamte Labor benutzen musstest, seit ich das letzte Mal hier war, finde ich, dass es unnötig war, meine Arbeit zu beseitigen."

„Sie war im Weg", erklärte er ausdruckslos ohne nur einen Zoll nachzugeben.

Sie schluckte ihren sofortigen Drang, ihn der Lüge zu bezichtigen, hinunter; sie war wütend, nicht lebensmüde.

„Wann werde ich meine Arbeit fortsetzen können?", fragte sie so ruhig wie möglich.

„Nicht in der absehbaren Zukunft", erwiderte er prompt.

Sie sagte das Runenalphabet des Älteren Futhark in ihrem Kopf auf, was verhinderte, dass sie für den Rest ihres Aufenthaltes in Hogwarts nachsitzen müssen würde.

„Wo würdest du vorschlagen, dass ich ab jetzt Tränke braue?"

„Ihr scheint ein überflüssiges Schlafzimmer in euren Räumen zu haben; macht das zum Labor."

Alle Gedanken daran, kein Nachsitzen zu erhalten, flogen davon. „Geht es hier darum?", sagte sie ungläubig. „Du lässt mich das Labor nicht benutzen, weil du mich und Harry zusammen im Bett gefunden hast?"

Er spöttelte. „Miss Granger, die sexuellen Eskapaden meiner Schüler sind für mich vollkommen belanglos."

„Ich würde gerne glauben, dass dem so ist", spie sie zurück, noch nicht einmal davon berührt, dass sie nicht ganz die Wahrheit sagte, „aber für jemandem, dem es belanglos ist, machst du ein verdammt großes Ding daraus!"

„Zwanzig Punkte von Gryffindor für deine Wortwahl und den Tonfall, Miss Granger. Ich schlage vor, dass du in deine Räume zurückkehrst, bevor es fünfzig werden."

Er hatte ihr im Privaten noch nie Punkte abgezogen, und jetzt da er es getan hatte, wurde ihr klar, dass sie gedacht hatte, dass er es nie tun würde. Ihre Fähigkeit, frei zu sprechen – oder zumindest sehr viel freier als normal – war ein Zeichen ihrer Ebenbürtigkeit, davon, dass er ihr den Gebrauch seines Vornamens gestatte, dass sie Ordensmitglieder waren, und nicht nur Lehrer und Schüler.

Anstatt sie wütender zu machen, nahm es ihr allen Wind aus den Segeln. Sie hatte ihn angeschrien, und sie nahm nicht an, dass das ihr die Antworten bringen würde, nach denen sie suchte.

„Severus-", begann sie zaghaft.

Er schlug sofort um sich. „Dreißig Punkte Abzug von Gryffindor für unangebrachte Vertraulichkeit, Miss Granger."

Sie schluckte gegen den plötzlichen Kloß in ihrem Hals. Und hier war es. Er hatte seine Einladung zurückgezogen, seinen Vornamen zu benutzen. Es war wie ein schallender Schlag ins Gesicht, und es zeigte ihr deutlich, was er von ihr hielt und was für eine Idiotin sie war, dass sie sich Hoffnungen gemacht hatte. Sie bemühte sich ihre Emotionen von ihrem Gesicht zu wischen, aber bezweifelte, dass sie es schnell genug geschafft hatte, um ihn daran zu hindern, einen kurzen Blick darauf zu erhaschen, wie betroffen sie war.

„Ich entschuldige mich, Sir", sagte sie mit einer Stimme, die, zu ihrer Scham, leicht zitterte. Sie festigte sie mit reiner Gewalt. „Ich werde Sie nicht weiter stören, Professor."

Sie presste ihren Kiefer eng zusammen und sagte sich, dass sie nicht vor ihm weinen würde. Ihn nicht wieder anzusehen half, und da sie scheinbar keine Besitztümer mehr hier hatte, musste sie nur noch ihre Schultern anspannen, ihre Wirbelsäule aufrichten und sich zwingen, mit angemessener Geschwindigkeit aus dem Raum zu gehen.

Sie fing zu rennen an, sobald sie den Korridor erreichte, und blieb nicht stehen, ehe sie im Verbotenen Wald war und sich verwandelt hatte. Castina erschien beinahe augenblicklich.

Berit, was ist passiert? fragte sie alarmiert. Was hat dich so verletzt?

Sie konzentrierte sich auf ihre innere Unruhe und versuchte sich zu beruhigen; ihre Emotionen in einen Wald voller telepathischer Wesen auszustrahlen war ziemlich unhöflich, ganz abgesehen davon, dass dadurch sehr private Dinge öffentlich wurden.

Ich kann gerade nicht Drinnen sein, aber ich würde lieber nicht darüber reden. Darf ich mit dir rennen?

Die Stute sah sie durchdringen an, ihre dunklen Augen schienen die innersten Gebiete von Hermines Verstand zu erblicken, trotz ihrer Okklumentik-Schilde. Hermine machte sich auf das Schlimmste gefasst.

Aber alles was die Stute nach dem abwägenden Moment sagte, war: Natürlich.

Sie rannten. Ein Teil von Hermine wollte eine Richtung auswählen und nicht mehr anhalten. Sie hatte nie ausprobiert, wie lange sie in der pferdeähnlichen Gestalt bleiben konnte, bevor sie den Drang verspürte, wieder menschlich zu werden und etwas Richtiges zu essen. Soweit sie wusste, könnte sie für immer ein Einhorn bleiben, wenn sie es wünschte. Sie war aber immer jemand gewesen, der sich seinen Problemen stellte und nicht vor ihnen davon rannte, und die U.T.Z.s rückten näher. Der Gedanke, sie nicht abzulegen, weil sie als Einhorn herumlief um vor Severus zu entkommen, war so lächerlich, dass er ihr selbst jetzt amüsant erschien.

Langsam aber sicher fand sie ihr Gleichgewicht wieder, bis sie nicht mehr den Drang verspürte, zu heulen und zu schreien und ihren Zauberstab hervorzuziehen, um Severus ans Ende der Welt zu fluchen. Castina begann sie im Bogen durch den Wald zu führen, sodass sie den Rest der Herde treffen konnte, jetzt da sie ruhiger war und sich in der Lage fühlte, mit anderen zu reden.

Sie wünschte sich, dass sie sich im Schloss so zu Hause fühlen könnte wie gerade im Wald. Sie wusste, dass das hauptsächlich von ihrer Enttäuschung heute Abend kam, und dass sie meistens glücklich war in Hogwarts, aber der Gedanke blieb. Sie seufzte. Was sie tun musste war zum Schloss zurückzukehren, und sich an die vielen Dinge erinnern, die sie an ihm liebte. Sie würde nur alles, was mit Severus oder Zaubertränken zu tun hatte, weitläufig vermeiden. Sie würde die Kerker zu der Liste hinzufügen, aber da ihre Räume und Harry dort unten waren, funktionierte das nicht so gut.

Sie dankte Castina und dem Rest der Herde, die sich freuten, dass sie sich wieder besser fühlte, nachdem sie ihre menschliche Frustration hier abgerannt hatte. Einige von ihnen hatten angefangen sich zu fragen, wie normale Menschen es schafften, was Hermine zum Lachen brachte und zu der Antwort, dass sie inzwischen selbst keine Ahnung mehr hatte.

Trotz der späten Stunde Maskierte sie sich selbst. Das letzte, was sie brauchte, war eine erneute Konfrontation mit Severus, der, trotz seiner Unhöflichkeit und seines schrecklichen Verhaltens, in ihrem Kopf „Severus" blieb, und nicht „Professor Snape".

Sie versetzte Harry einen Riesenschock, als sie in ihrem Gemeinschaftsraum wieder auftauchte. Da der Wasserspeier leise war, wenn er verschwand und wieder auftauchte, und da er ihre eigene Ankunft dem Anderen nicht mitteilte, hatte er keinen Hinweis darauf, dass sie mit ihm im Zimmer war, bis er aufsah und sie direkt neben ihm stand.

„Verflucht-verdammte Hölle!", rief er aus, eine Hand auf seiner Brust. „Wo kommst du her?"

Sie lachte. Harry war genau, was sie jetzt brauchte.

„Entschuldige das", sagte sie. „Ich dachte, es wäre einfach hier drin wieder aufzutauchen, falls sich jemand draußen herumtreibt."

„Aber wie bist du einfach so aufgetaucht?", fragte er stirnrunzelnd und versuchte, seine Gefühle zu verstehen. „Normalerweise fühle ich, wenn du im Raum bist. Diesmal war es, als wärst du nicht ins Zimmer reingekommen, du warst einfach plötzlich da."

Sie nickte. „Jene mit überdurchschnittlicher Kraft können leicht spüren, wenn andere Zauberer in der Nähe sind. Es ist ein instinktives Wissen und funktioniert ungefähr so, wie wenn ein Muggel jemanden aus dem Augenwinkel sieht oder ein leises Geräusch aus dem Nebenzimmer hört, und deshalb weiß, dass jemand in der Nähe ist.

Zauberer, die genügend Macht und Sensitivität haben ihre eigenen magischen Zentren zu fühlen, haben die Fähigkeit andere davon abzuhalten es zu sehen. Es macht dich nicht unsichtbar, aber du erscheinst als Muggel. Anderenfalls, selbst wenn ein Zauberer Desillusioniert ist, wissen mächtige Zauberer, dass jemand in der Nähe ist, und wirklich mächtige oder sensible können die genaue Position des Zentrums lokalisieren."

Harry horchte auf. „Darum kann Albus durch Tarnumhänge sehen!"

Sie lächelte. „Genau."

„Und jeden Moment jetzt wirst du diese Fähigkeit mit mir teilen?", regte er hoffnungsvoll an.

„Nö", neckte sie. „Ich habe es erwähnt, damit ich dich mit dem Wissen verhöhnen kann, das ich habe und du nicht."

Er blinzelte und erschien unsicher für einen Augenblick, und dann brach er in ein breites Grinsen aus. „Du hast so ernst geklungen."

„Das hast du dir aber selbst zu verdanken." Sie grinste schief. „Ich habe damals im ersten Jahr versprochen, dass ich meine Kräfte für Gutes und nicht für Böses einsetzen würde, also hast du Glück."

Er rollte mit den Augen, aber hörte genau zu, als sie ihm erklärte, wie er sein Zentrum Maskieren konnte. Er konnte sich noch immer nicht ganz davon abhalten zu staunen, als sie für ihn übte, und er spürte, wie sie immer wieder aus seiner magischen Wahrnehmung verschwand und dann auftauchte.

Er war mächtig genug, dass er nicht lange brauchte um es zu lernen, und er amüsierte sich eine Weile lang, indem er sich Maskiert durch den Raum bewegte und versuchte sie zu erschrecken, wenn er sich plötzlich an überraschenden Orten deMaskierte.

Bald war Mitternacht, und sie wurden beide durch einen kalten Schauer von ihrem Armband daran erinnert, dass sie ihre nächste Dosis Veritaserum nehmen mussten; es war Hermine leicht genug gefallen, das Schmuckstück so zu verzaubern, zusätzlich dazu, dass es sie auf Besucher der Schule hinwies.

Harry kam und setzte sich auf die Couch, und Hermine ging das Veritaserum holen. Heute kam es direkt aus der Flasche, da sie ihre Dosis erhöhten. Die nächsten paar Minuten waren besonders interessant für sie, da diese Anpassung sie von zwei dreiviertel Tropfen auf drei bringen würde. Sie waren kurz davor herauszufinden, ob die Bemühungen der letzten zwei Monate auch den gewünschten Effekt hatten.

Harry öffnete direkt seinen Mund um zu zeigen, dass er es gerne als Erster tat. Einen beunruhigenden Moment lang konnte sie nur die kleinen Kinder sehen, die dies an Halloween getan hatten, und ihre Hand zitterte so stark, dass sie beinahe die ganze Flasche verlor. Harry merkte dankbar schnell, was los war, und lächelte ihr beruhigend zu.

„Wir werden ihn kriegen", erinnerte er sie.

Sie holte tief Luft und ließ sie langsam aus. Richtig. Dies war einer der Wege, mittels denen sie sich in Sicherheit brachten, damit sie dieses Ziel erreichen konnten. Sie nickte und maß die Dosierung ab, ließ sie auf Harrys Zunge tropfen und wiederholte es für sich selbst.

Sie warteten ein paar Minuten um sicher zu gehen, dass es seine ganze Wirkung entfaltet hatte. Da direkten Fragen, die eine Ja- oder Nein-Antwort erforderten, meist am schwersten auszuweichen war, fing sie hier an. Sie fingen heute mit dem fünften Schuljahr an, und sie stellte sicher, etwas so Harmloses wie möglich raus zu suchen.

„Harry, hast du Umbridge gehasst, als sie hier unterrichtet hat?"

„J-" Sein Gesicht verzog sich und er schaffte es, seine Antwort abzubrechen und neu anzufangen. „Nein. Ich habe sie geliebt. Sie war meine Lieblingslehrerin." Er grinste sie deutlich erfreut an. „Hermine, war Verteidigung gegen die dunklen Künste dein Lieblingsfach im fünften Schuljahr?"

Jetzt, da ihr eine Frage gestellt worden war, verstand sie seine Anstrengung. Der Zwang, die Wahrheit zu sagen, war nun viel stärker, und sie musste ihren Kiefer zusammenpressen, damit ihr keine unbedachten Worte entkamen. Aber sie entdeckte befriedigt, dass der Drang, die Wahrheit zu erzählen, nicht unumgänglich war; wenn sie sich darauf konzentrierte, konnte sie genau kontrollieren, was sie sagte. „Natürlich war es das", antwortete sie mit wachsender Sicherheit. „Umbridge war solch eine spektakuläre Lehrerin, wie hätte es das nicht sein können?"

Auch wenn sie lügen konnten, stimmten sie darüber überein, dass sie ein echtes Verhör nicht überstehen würden; es war zu offensichtlich, dass sie gegen das Serum ankämpften. Ihre Toleranz würde ihnen nichts nutzen, bis sie ihnen ermöglichte vorzugeben unter Einfluss des Trankes zu stehen.

Deshalb hatte Hermine geplant, ihre Mühen bis in den Dezember hinein weiterzuführen, und sie nicht aufhören zu lassen, bis sie fünf Tropfen widerstehen konnten, denn bis dahin sollten drei ein Klacks sein. Es bedeutete auch, dass sie gegen jeden geschützt wären, der ein wenig ungenau dosierte und sich nicht um ihre Gesundheit sorgte, also wie so gut wie alle Todesser. Aber solange es Voldemort nicht komplett egal war, ob sie wie nebenbei und plötzlich getötet würden anstatt langsam gefoltert, war es unwahrscheinlich, dass jemand versuchen würde, ihnen zwei Drittel der üblichen Dosis zusätzlich zu geben.

„Alles in Ordnung mit dir?", fragte Harry, als sie endlich dabei waren ins Bett zu gehen.

Sie gab ihm ein sanftes, trauriges Lächeln. „Nein, aber ich werde damit fertig. Eine Nacht Schlaf wird helfen."

„Wenn du drüber reden möchtest", bot er an.

Sie nickte. „Ich behalte es im Kopf. Danke."

Sie zog sich in ihr Schlafzimmer zurück, aber nicht, wie sich herausstellte, in ihr Bett. Jetzt, da sie ihr Zimmer zum ersten Mal an diesem Abend betrat, entdeckte sie, dass an der gegenüber liegenden Wand eine neue Tür war. Das Fenster war etwas kleiner geworden, um ihr Platz zu machen. Neugierig ging sie hinüber um nachzuforschen.

Was sie fand trieb ihr Tränen in die Augen. Ihre Recherchen hatten ihr mitgeteilt, dass Hogwarts kein wirkliches Bewusstsein hatte, aber es war von viel Magie durchzogen, und es hatte sich seit fast einem Jahrtausend um seine Bewohner gekümmert. Es konnte vor allem von seinen Schulleitern beeinflusst werden, und anscheinend auch von deren Intima.

Ein Zaubetränke-Labor befand sich nun hinter ihrem Schlafzimmer. Das erste, was sie tat, war, sitzend auf einem der Stühle und gestützt von der marmornen Arbeitsfläche, ausgiebig zu weinen. Sie war sowohl extrem gerührt als auch schmerzlich an ihre Auseinandersetzung mit dem Zaubertränkemeister erinnert.

Als ihre Tränen versiegten, fühlte sie sich etwas besser und wischte sich entschieden über die Augen, putzte ihre Nase und machte sich daran, ihr neues Reich etwas genauer zu untersuchen. Es schien etwa die gleiche Arbeitsfläche zu haben wie Severus' privates Labor, auch wenn dieser Raum mehr rechteckig als quadratisch war. Nachdem sie einen Moment lang versuchte, die Logistik auszuarbeiten, akzeptierte sie, dass der Raum innen größer sein musste als außen, weil, so weit sie das sah, er sich ansonsten mit einem Teil des Badezimmers überschnitt. Es war ein bisschen schwierig zu begreifen, dass der Raum jetzt hinter der Wand ihres Schlafzimmers existierte, in der die schönen großen Fenster waren, die den Ausblick von Hogwarts zeigten. Sie hatte immer gewusst, dass sie verzaubert waren, aber tatsächlich hinter ihnen zu stehen war ein wenig merkwürdig.

Die Fenster in diesem Raum waren an der langen Südwand – und zeigten noch immer den Verbotenen Wald im Osten – und es gab eine Ansammlung von Schubladen und Schränken unter ihnen, um die Ausrüstung zu verstauen. Sie waren gut gefüllt mit Kesseln, Messbechern, Rührlöffeln und anderen wichtigen Werkzeugen des Handwerks. Die meisten Dinge sahen nicht neu aus, aber waren gut behandelt worden und in vernünftigem Zustand.

Die kurze Wand im Westen hatte einige leere Regale und Schränke, von denen sie annahm, dass sie für fertige Tränke gedacht waren. Der Hauptbereich des Raumes wurde von drei langen Arbeitsflächen gefüllt, die sich von Ost nach West zogen, jeweils eine davon aus Holz, aus rostfreiem Stahl, und aus Marmor. So konnte sich sicher sein, für jeden Trank auf der optimalen Oberfläche zu arbeiten, um Unfälle oder nicht perfekte Ergebnisse zu verhindern. Die Länge der Flächen würde ihr ermöglichen, an mehreren Tränken gleichzeitig zu arbeiten, ohne gegenseitige Kontamination zu fürchten.

Entlang dem Großteil der nördlichen Wand zog sich eine weitere Arbeitsfläche mit drei großen Waschbecken und Bereichen zum Abtrocknen. Auf der rechten Seite der Wand befand sich eine Tür, die, wie sie entdeckte, in ihr eigenes kleines Lager führte. Die Regale standen Wand an Wand und waren gefüllt mit Ampullen, Flaschen, Taschen und Kisten mit ordentlich beschrifteten Zaubertrank-Zutaten. Das bedeutete, dass die Hauselfen ebenfalls an dem Geschenk beteiligt waren, und sie musste für einige Minuten schniefen, um sich wieder unter Kontrolle zu bringen.

Sie fing an, die Zutaten und Ausrüstung zusammen zu suchen, die sie brauchen würde, um die Tränke neu zu brauen, die Severus' Trotzanfall zum Opfer gefallen waren.

Ihr wisst, dass ich euch alle liebe, richtig?

Ich weiß nicht, wovon du sprichst. Der Phönix verwendete einen sehr erhabenen Tonfall, aber er klang ziemlich selbstgefällig, sodass sie wusste, dass er beteiligt gewesen war.

Danke, sagte sie ernst. Ich hatte einen etwas harten Tag.

Berit, jede magische Kreatur mit ein wenig Wahrnehmungsvermögen wusste, dass du einen harten Tag hattest.

Aber ich habe die ganze Zeit Okklumentik angewandt, protestierte sie. Sie hatte gemerkt, als sie Castina gesehen hatte, dass ein paar Emotionen herausgelaufen waren, aber sicherlich war es nicht so schlimm gewesen?

Sie konnte seine Suche nach den richtigen Worten spüren, bevor er begann. Stell es dir wie das Lichtspektrum vor, Girlicorne. Es gibt ganze Wellenlängen ober- und unterhalb des von Menschen erkennbaren Spektrums, so wie Röntgenstrahlen und Infrarot-Licht.

Sie nickte, nachdem sie beschloss, dass es keinen Grund gab zu fragen, warum er über Muggel-Physik Bescheid wusste. Er war eine unsterbliche Kreatur. Warum nicht?

Mit dem Verstand ist es genauso, fuhr Fawkes fort. Die meisten Menschen haben keinen Zugang zu anderer Leute Verstand, ihre Reichweite ist gleich null. Menschen, die Legilimentik vollführen können, 'sehen' innerhalb einer limitierten Wellenlänge; diejenigen, die Okklumentik lernen, können diese Bereiche von der Sicht anderer abschirmen. Magische Kreaturen haben unterschiedlichen Zugriff zu weiteren Wellenlängen. Deshalb ist Krummbein so gut im Einschätzen von Personen; eure Emotionen sind auf einer Welle, die wir sehen können. Deine Fähigkeit, mit mir zu sprechen und mich zu hören, befindet sich in diesem höheren Bereich, weshalb du es noch tun kannst, auch wenn du Okklumentik verwendest. Deine … Reinheit ist auf dieser höheren Wellenlänge.

Sie blieb auf halbem Weg zwischen dem Lagerraum und der Arbeitsfläche stehen, ein Glas Diptam fest umklammert in der Hand.

Was?, fragte sie. Ich habe etwas, das du als Reine Magie erkennst, das für jeden sichtbar ist, und du hast nichts gesagt?

Nicht für jeden sichtbar, protestierte er. iur für magische Kreaturen wie mich. Ich habe dir gesagt, dass ich wusste, dass du eine Reine Erwachsene bist.

Aber du bist dir vollkommen einhundert prozentig sicher, dass kein Mensch jemals herausfinden könnte, wie er das erkennt? Du bist sicher, dass Harry und ich nicht in Gefahr sind?

Er war für einen Augenblick zu lange stumm.

Du wirst mir beibringen es zu Maskieren. Sie formulierte es nicht als Frage.

Er seufzte. Wenn du dein Zentrum Maskierst, dann Maskierst du alles, alles, was ich sehen kann und auch alles, was Menschen sehen können. Ich werde dir helfen es zu verfeinern, sodass dein üblicher Kern noch sichtbar ist, aber der Rest nicht.

Sie verstand, warum er zögerte.

Du wirst mich nicht mehr so einfach sehen können.

Es ist nützlich ein Auge auf dich haben zu können. Aber ich würde keinen von euch in Gefahr bringen wollen. Mach deine Tränke heute Nacht fertig und du und Boy-bird können morgen Abend anfangen mit mir zu üben.

Sie stimmte dem Plan zu und begab sich an ihr Brauen. Es war beinahe vier Uhr morgens, bis sie alles wieder aufgeräumt hatte. Sie schaffte es, einige Stunden zu schlafen, bevor sie und Harry um sechs für ihr morgendliches Ringen aufstanden.

Harry würde den restlichen Tag mit Hausaufgaben verbringen um aufzuholen, sagte er zumindest, nachdem er übers Wochenende nicht so viel gearbeitet hatte wie sie. Wenn Ron ihn in die Finger bekam, dann bezweifelte sie, dass das tatsächlich passieren würde, aber das war seine Entscheidung; sie würde in Alte Runen und Muggelkunde sitzen.

An dem Abend machte Harry den Fehler zu fragen, ob sie etwas über ihr nächstes Training mit Severus gehört hatte, aber nach dem Ausdruck auf ihrem Gesicht hatte er sich sofort zurück gezogen. Der Ausdruck, der daraufhin auf seinem zu sehen war, sagte ihr, dass er einen zumindest in Teilen korrekten Grund erkannt hatte, warum sie gestern so aufgebracht gewesen war.

Es gab keine Möglichkeit, dass sie den Mann über etwas außerschulisches ansprechen würde. Wenn er sie trainieren wollte, dann würde er es ihnen selbst mitteilen müssen.

Sie war erleichtert zu sehen, dass der fünfzig Punkte-Verlust, den sie am Montagabend erlitten hatte, am Dienstag ausgeglichen wurde. Sie wusste nicht, wer welchen Professor erfreut hatte, aber sie war dankbar, dass es nun unwahrscheinlich war, dass jemand herauszufinden versuchen würde, wer am Tag zuvor einen Fehler gemacht hatte. Das war kein Thema, das sie mit Harry besprechen wollte, geschweige denn mit ihrem Haus im Allgemeinen.

Drei Tage völliger Stille von Severus vergingen, was suggerierte, dass ihre neue Taktik, ihn den ersten Schritt machen zu lassen, dazu führen würde, dass sie keine weiteren Trainingsstunden mehr hatten. Sie sagte sich selbst, dass es ihr nichts ausmachte. Sie und Harry führten ihr Training weiter, und Fawkes hatte sein Versprechen gehalten, sodass sie sich von einem mentalen und magischen Standpunkt aus besser verteidigen konnten.

Zur Freitagsausgabe hatte jemand beim Propheten seine Hausaufgaben gemacht oder die richtige Person bestochen. Die Neuigkeiten von Scrimgeours Suspendierung und einer möglichen vollen Untersuchung wurden überschattet. Die Existenz der orange-geprüften Schriftrollen war für die ganze Welt enthüllt worden; der Prophet wurde zum offiziellen Glaubenden, und die Jagd nach den Reinen Erwachsenen würde nun richtig beginnen.


Im nächsten Kapitel werden Harry und Hermine damit fertig werden müssen, dass jedermann versucht, die Identität der Reinen Erwachsenen herauszufinden.