Wir aßen zusammen und unterhielten uns sehr gut. Niemals hätte ich damit gerechnet, mich so gut mit ihm zu verstehen. Es war ganz anders als die Zeit mit Ron. Viel harmonischer.

Ob es richtig war, sich auf jemand neues einzulassen, und dann auch noch auf Severus Snape, während ich immer noch mit Ron zusammen war, wusste ich nicht. Nur wusste ich, dass er mir etwas gab, was Ron nicht konnte. Einen Partner zum Reden. Ron war eher der Typ Mann, der kopflos einfach darauf los ging und machte. Oft einfach ziemlich unsensibel. Severus dachte erst nach, bevor er handelte. Er war mir ähnlicher als die meisten, die ich kennen gelernt hatte.

Wir diskutierten noch stundenlang über verschiedenste Theorien zur Verstärkung von Tränken.

Irgendwann sackte ich müde an seiner Schulter zusammen. Früher wäre mir nicht mal im Traum eingefallen, mich an seine Schulter zu lehnen. Doch ich vertraute ihm irgendwie voll und ganz.

„Willst du hier bleiben? Oder willst du zurück in deinen Turm?", lachte er leise, als ich schon leicht wegdämmerte. „Bei dir", nuschelte ich. Mehr kam nicht von mir. Eine lähmende Müdigkeit legte sich über mich. Keine zehn Zentauren würden mich jetzt mehr diese verdammten Stufen in den Gryffindorturm hoch treiben.

„Dann komm", forderte er und stand schon auf. Ich folgte ihm gähnend und achtete nicht so wirklich darauf, wo ich hinlief. Er hielt mir ein weißes Hemd von sich entgegen. Darin sollte ich also schlafen? Egal. Besser als gar nichts. So zuckte ich nur mit den Achseln und nahm es entgegen.

Er verschwand in einen angrenzenden Raum, der wie ein Badezimmer aussah. Das konnte ich erkennen, da die Tür hinter ihm nicht ganz ins Schloss fiel und einen Spalt breit offen blieb.

Auf einer Art war ich schockiert, dass die Tür nicht ganz zu war, aber auf einer anderen Art auch wieder sehr froh. Denn so hätte ich mir meinen Professor im Leben nicht vorgestellt.

Er entledigte sich seiner Roben und stand nun nur noch in seiner Leinenhose vor dem Waschbecken. Und verdammt. Er sah gut aus. Viel besser, als man unter all den Schichten von Klamotten erkennen konnte. Seine Brust und Arme waren männlich, aber nicht so übertrieben muskulös wie die ganzen Bodybuilder oder Türsteher. Nein. Eher schlicht und dezent, die seine Männlichkeit gut akzentuierten. Die Leinenhose saß recht locker auf seiner Hüfte und durch den Spiegel vor ihm konnte ich erkennen, dass ein kleines bisschen Haare in der Hose verschwanden.

Meine Augen richteten sich als nächstes auf seine Narben an Brust und Rücken, die mich schockierten. Aber am schlimmsten fand ich doch die Narbe an seinem Hals, die von Nagini herrührte und die er vorsichtig mit einer Salbe einrieb.

Als bemerke er meinen taxierenden Blick im Rücken, richteten sich seine Augen direkt auf mich und er konnte mich durch den Spiegel an der Tür stehen sehen. Peinlich berührt, da ich gespannt hatte und aufgeflogen war, huschte ich von der Tür weg, zog mir schnell das Hemd an und legte mich ins Bett.

Severus trat aus dem Badezimmer und hatte die Leinenhose gegen eine schwarze Seidenpyjamahose eingetauscht. Sein Oberkörper wurde derweilen wieder von seinem schwarzen Umhang bedeckt. Darunter vermutete ich seinen Oberkörper nackt, was mich nur noch mehr zu ziemlich verrückten Fantasien anregte, die ich bei Ron nie gehabt hätte.

Er setzte sich neben mir auf die Bettkante und meinte nun zu mir: „Wenn du etwas brauchst, ich bin neben an und schlafe auf dem Sofa." Er erhob sich und wollte gerade den Raum verlassen, als ich einem Impuls folgend fragte: „Severus?" Er drehte sich zu mir und seine schwarzen Augen, die mich fragend ansahen, gaben mir den Mut meine Frage zu stellen.

„Kannst du heute Nacht bei mir bleiben?" Überrascht wegen so einer Forderung erstarrte er schon fast zu einer Salzsäule. Doch dann nickte er schließlich und ging auf die andere Seite des Bettes zu. Seinen Umhang legte er auf einen Stuhl und meine Vermutung wurde bestätigt. Ich konnte seine stählerne Brust mit all den Narben, die ihn nun zeichneten, sehen.

Doch ehe ich meine Bewunderung fortführen konnte, legte er sich ebenfalls unter die Bettdecke und nach kurzem Zögern rückte ich ein wenig zu ihm. Zurückhaltend, so als wolle er nicht zu weit gehen, legte er einen Arm um mich und zog mich noch ein Stück näher.

So komisch es auch klingen mag, ich fühlte mich sicher und geborgen in seinen Armen.

„Schlaf gut, Hermine!", raunte er und ich erwiderte nur schläfrig: „Du auch." Und so schlief ich in seinen Armen ein, die mir den nötigen Halt gaben, den ich gerade brauchte.

Der Morgen kam erschreckend schnell. Ich schlug noch immer leicht müde die Augen auf und sah mich in dem dunklen Zimmer um. Ich lag auf einem großen Doppelbett mit schwarzer Satinbettwäsche. Ich konnte nur schemenhaft etwas erkennen. Aber ich merkte, dass ich alleine war.

Hatte ich wirklich in Severus Armen geschlafen? Oder hatte mir mein umnebeltes Gehirn das vor Müdigkeit nur vorgespielt?

Als ich aber neben mich griff, war die Betthälfte noch leicht warm, so als hätte da vor kurzem noch jemand gelegen.

Ich schlüpfte aus dem riesigen Bett und schlurfte in das Badezimmer. Im Nachhinein stellte es sich als Fehler heraus, dass ich nicht geklopft hatte, denn ein frisch geduschter Snape stand nackt, wie Gott ihn schuf, in seiner vollen Pracht im Bad.

Ich kreischte auf, da ich mich doch erschreckte, dass überhaupt jemand in diesem Raum war. Ich sollte mich jetzt umdrehen, aber sein Anblick fesselte mich. Von seinen nassen Haaren tropfte Wasser auf seine Brust und mein Blick glitt über seine doch sehr männliche Gestalt. Es war ein Anblick, der jede Frau schwach werden lassen würde.

Ich schluckte als mein Blick über seinen Penis glitt, der trotz unerigiertem Zustand schon eine beachtliche Größe hatte.

Unbewusst leckte ich mir über die Unterlippe und ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, wie es sich anfühlen würde, wenn er sich in mir befände.

Ich sah, wie sich unter meinem taxierenden und begehrlichen Blick seine Erregung steigerte und sein Penis sich versteifte. Die Spannung war bis auf's Äußerste geladen. Das erotische Knistern konnten wir beide spüren. Mein Atem ging abgehackt und unkontrolliert.

„Hermine", raunte er tief und sein dunkler Bariton hallte in den Tiefen meiner selbst nach. „Wenn du jetzt nicht gehst, kann ich nur schwer meine Jahre antrainierte Kontrolle beibehalten", meinte er und man sah ihm an, wie verzweifelt er doch versuchte, gegen diese erotische Anspannung, die hier herrschte, anzukämpfen.

Die Worte klatschten mir schon beinahe ins Gesicht und es riss mich aus meiner Trance. Ich drehte mich um und hastete aus dem Raum, zog mir in seinem Schlafzimmer meine Sachen an und rannte davon. Einfach weg. Den Kopf freibekommen.

Und was war da besser, als eine frühmorgendliche Sporteinheit?

Doch selbst das brachte mich nicht mehr runter. Die ganze Zeit wanderten meine Gedanken zu seiner nackten Gestalt und das er sich nur schwerlich zusammenreißen konnte, mir nicht sein Hemd vom Leib zu reißen und mich an Ort und Stelle zu nehmen.

Einfach nur der Gedanke daran, ließ mein Unterleib zusammen zucken. Etwas, was ich nicht kannte. Ein Gefühl, was mir vollkommen fremd war. Ich dachte nicht so und war auch nicht so, aber trotzdem hatte mein Körper nach seinem verlangt.

Nur seine mühsam hervorgepressten Worte, in denen deutlich seine Lust mitschwang, hatten meinen Verstand wieder zum Leben erweckt, sonst hätte ich es jetzt sicher zügellos und wild mit ihm getrieben.

Ich schüttelte mich. Wieso hatte mein Kopf, auf den sonst immer Verlass war, gerade vollkommen ausgesetzt? Schließlich war es doch nicht das erste Mal, dass ich einen nackten Mann sah. Ich hatte doch schon mehr als einmal Ron nackt gesehen. Okay. Ron und Severus zu vergleichen war, als würde man Tag und Nacht oder Gut und Böse vergleichen. Also unmöglich.

Wenn Ron ein Mann war, dann war Severus ein Gott. Ein ganz anderes Kaliber.

'Jetzt hör auf, an ihn zu denken!', schalt ich mich im Gedanken. Doch es war leichter gedacht, als getan.