Als Hermine in das Zimmer trat, hätte sie alles erwartet außer eines kleinen Mädchens, das weinend auf seinen Bett saß und seinen Teddy eng umschlungen hielt.
„Hey, was ist denn los?", fragte sie sanft und setzte sich behutsam auf die Bettkante. Zärtlich legte sie eine Hand auf die Schulter des Mädchens, das von Schluchzern geschüttelt wurde.
„Sev... hat mi... mich a... angeschrieen", schluchzte sie und vergrub ihr Gesicht in dem Stoff des Teddybärs.
Hermine zog wenig überrascht eine Augenbraue in die Höhe. Bei der Laune, die er hatte, war es verwunderlich, dass er sie nicht verhext hatte.
„Warum das denn?", hakte Hermine nach, während sie das weinende Mädchen in ihre Arme zog.
Ein wütendes Schnauben ertönte hinter ihr.
„Weil sie gespielt hat", meinte ein kleines Engelchen, das so aussah, als hätte es am liebsten seinen Heiligenschein genommen und den Tränkemeister damit gepeinigt.
„Der Typ erwartet doch wirklich, dass sie alles versteht, was er ihr sagt", schimpfte nun auch ein Teufelchen, das Zielübungen mit seinem Dreizack betrieb.
„Wer seid ihr?", fragte Hermine, die vorübergehend von der deprimierten Katrin abgelenkt worden war.
„Nila..."
„... und Nuro", stellten die beiden sich vor.
Auf einmal wurde sie wieder des kleinen Mädchens gewahr, dass sich müde in ihre Arme kuschelte.
„Hey, nicht einschlafen", sagte sie und löste sich leicht von ihr.
„Doch... bin müde", murmelte Katrin in ihren Teddy und wollte sich ihr erst neu erworbenes Kissen zurückerobern, doch Hermine wehrte sie sanft ab.
„Komm, zieh dich erst einmal um und wenn du willst, lese ich dir danach noch eine Geschichte vor", schlug Hermine vor und zog Katrin auf die Beine.
„Wenn es unbedingt sein muss...", grummelte sie und ließ sich von Hermine ins Bad ziehen...
...Wenig später saß Hermine mit der schlafenden Katrin in den Armen auf dem Bett und schlug gerade das Märchenbuch zu, aus dem sie ihr vorgelesen hatte.
Wenn sie ehrlich war, konnte sie die Probleme von ihrem Professor nicht verstehen.
Vorsichtig stand sie auf und bettete Katrin unter die Decken. Sie ging leise aus dem Zimmer und trat dann unsicher in das Wohnzimmer, wo sie ihren Zaubertränkeprofessor auf dem Sofa sitzen und ein Glas Wein trinken sah.
„Was machen Sie denn hier?", fauchte er auch schon, kaum dass sie in den Raum getreten war.
Hermine fühlte sich, als wäre sie gegen eine Wand aus Eis gelaufen. „Ich... ähm... Katrin ist eingeschlafen. Sie war ziemlich kaputt..."
„Gut... Sie können gehen."
„Sir, ich..."
„Haben Sie nicht gehört? Ihre Strafarbeit ist beendet. Sie können verschwinden!"
„Wegen Katrin... sie..."
„Verschwinden Sie oder sie bekommen noch eine Strafarbeit!"
„Schön! Wenn Sie mir dann endlich zuhören? Katrin war völlig am Boden zerstört, weil Sie sie angeschrieen haben! Kümmert Sie das überhaupt nicht?"
„Was mich kümmert und was nicht, geht Sie noch weniger an als alles andere, worin sie eh schon ihr Nase hineingesteckt haben! Und nun verschwinden Sie!"
„Sir!"
„RAUS!"
„NEIN!"
Severus sah sie einen Moment lang verblüfft an, dann drang die Wut in ihm durch und er erhob sich langsam und berechnend.
„Miss Granger", sagte er und seine Stimme war eisig. „Ich glaube, nein, bin mir sicher, dass sie momentan etwas neben sich stehen. Deshalb werde ich Ihnen ihren Ausbruch verzeihen, wenn sie sich sofort aus dem Staub machen und so etwas nicht mehr vorkommt. Und nun würde ich sie bitte, doch aus meinen Räumen zu verschwinden."
„Nein, Sir. Ich entschuldige mich für meine Unfreundlichkeit aber so wie Sie mit Katrin umgehen, kann man eine Vierjährige nicht behandeln."
„Und woher wollen Sie wissen, wie man mit einer Vierjährigen umgeht?", schnarrte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ganz einfach, ich habe eine kleine Schwester und musste auf sie aufpassen", erklärte sie und fügte hastig hinzu, „Sir"
„Dann wird es Ihnen auch nichts ausmachen, das ab sofort jeden Abend in der Woche außer Sonntag zu tun. Und nun... RAUS VERDAMMT NOCH MAL!"
Hermine zuckte verschreckt zusammen und floh so schnell sie konnte aus den Räumen. Draußen ließ sie sich erst einmal zu Boden gleiten.
„Das war verdammt knapp", schnaufte sie und legte die Stirn auf den Knien ab.
