Kapitel 8 - Drunken Inhibitions
»Tut mir Leid«, begann er, sein Akzent so dick wie immer und sein Gesicht emotionslos. Die nächsten Worte die seinen Mund verließen, ließen mich fast vor Wut überschäumen.
»Kenn' ich dich?«
»Tut mir Leid«, begann er, sein Akzent so dick wie immer und sein Gesicht emotionslos. Die nächsten Worte die seinen Mund verließen, ließen mich fast vor Wut überschäumen.
»Kenn' ich dich?«
Mein Mund klappte auf und das Atmen würde plötzlich schwieriger. Ich wusste nicht ob ich träumte oder nicht, weil in diesen Augenblick mein Sklavenhalter, mit dem ich zu diesen verdammten Club gekommen war, so tat als ob er nicht wüsste wer ich war.
Ich trat langsam zurück und schaute ihn mit verengten Augen an »Was?«
Er legte seinen Kopf leicht schief und ich sah wie seine Finger träge über den nackten Oberarm der Blondine führen. »Ich glaube du verwechselst mich mit Jemanden.«
Ich presste meine Lippen aufeinander. Ich wollte explodieren. Ich wollte seinen Körper vom Balkon stoßen und zusehen wie er auf die zersplitterte Oberfläche der Bar unter uns fiel, ich wollte…
»Er gibt jetzt keine Autogramme.«
Mein Mund klappte erneut auf.
Hatte sie gerade Autogramme gesagt?
Oh, scheiße nein.
Die Blondine lächelte mich spöttisch an, ihr Kopf lag auf seiner Schulter und ich war kurz davor ihr ihre schönen goldenen Locken auszureißen. Sie grinste Besserwisserisch, Draco tat das überraschenderweise nicht. Sein Kiefer versteifte sich, er schaute schnell von mir weg und nahm einen zittrigen Schluck aus seinem Glas.
In Ordnung.
»Mein Fehler«, schnappte ich verärgert, meine Zähne immer noch in reiner Wut aufeinander gepresst »Tut mir leid für die Störung.«
Ich drehte mich schnell um, meine Atmung, durch die pure Wut die durch mich hindurchströmte, unregelmäßig. Ich konnte die Dreistigkeit des Mädchens nicht glauben mir, Dracos Sklave, zu sagen das er keine Autogramme gibt. Als wäre ich eine Liebeskranke Stalkerin, als würde ich doch tatsächlich irgendwas mit ihm zu tun haben wollen…
Ich musste hier vom ihm weg. Ich durfte ihn nicht länger sehen, seine widerlicher Designerklamotten und seine verdammten Lippen. Er konnte dieses Mädchen meinetwegen vögeln. Wie konnte er es wagen – nach allem was ich für ihn getan hatte! Ich hab seine verfluchten Bettlaken gewaschen, verdammt noch mal, ich hab ihm Essen gebracht, hab ihm Essen gemacht. Ich hab seinen Scheiß Einkauf erledigt – und für was? Für ein nahezu blaues Auge und andauernde gemeine und üble Bemerkungen? Damit er in der Öffentlichkeit so tun konnte als ob ich nicht existierte, als wäre ich eine Art Peinlichkeit für ihn?
Ich hasste ihn.
Ich näherte mich Viktor schnell und er lächelte mich warm an, als ich mich neben ihn an die Bar setzte. Ich zwang mir ein Lächeln ab, trotz des Gefühls von kochender Wut und Enkel das meinen Körper ein nahm.
Atme. Atme. Atme.
»Also, möchtest du dann eine Cola?«
Mein Blick wanderte zu dem Balkon, von dem ich wusste dass Draco und seine Klugscheißer Schlampe saßen. Lächelnd, lachend und mich verspottend. Und vermutlich in diesem Moment die Zunge des jeweils anderen im Hals hatten. Ich schaute dann zurück zu Viktors unglaublich braunen Augen.
»Nein«. antwortete ich schnell »Nein, ich bin nicht in Stimmung für Cola.«
Viktor runzelte die Stirn leicht »Uhm…dann Wasser?«
»Nein«, meine Augen funkelten und meine Hände waren zu Fäusten geballt »Ich nehme ein Wodka, auf Eis.«
Seine Augen weiteten sich und sein Mund öffnete sich leicht »Ich dachte du sagtest…«
»Ich nehme es zurück«, presste ich hervor, meine Fäuste ruhten auf der glatten, strahlenden Oberfläche der Bar. »Ich brauche heute Abend einen Drink.«
Ich verbrachte die nächste Stunde oder so mit einer Unterhaltung mit Viktor, und während die Drinks meine Kehle runter glitten, wurde das Gespräch einfacher und weniger unangenehm. Ich wurde lockerer, meine Hemmungen sanken langsam und meine Fähigkeit zu lachen und die Atmosphäre zu genießen, tauchte mit stetiger Beharrlichkeit auf. Mit Viktor konnte man wunderbar reden und noch besser war, das ich durch ihn den Hass den ich für Draco einen Balkon über uns empfand vergaß. Wir lachten über unseren herablassenden Soziologie Professor und sprachen über unsere schrecklichen Wohnbedingungen und die Schwierigkeiten die das einkaufen einfacher Lebensmittel beinhaltete. Langsam aber sicher wurde das Gespräch soviel leichter, das kleine flirtende Berührungen eingebracht wurden. Er legte seine Hand auf meinen Unterarm, während er über etwas lachte, das ich gesagt hatte oder ich schlug ihn scherzhaft auf dem Arm wegen etwas das er gesagt hatte. Und ich stellte fest, dass ich mich tatsächlich amüsierte.
»Das ist mein ernst, er rannte etwa fünf Blocks weit in seiner Unterwäsche…« sein Lachen verstarb urplötzlich und sein Lächeln verschwand, als er über meine Schulter hinweg hinter mich sah. Ich runzelte die Stirn leicht.
»Was?« begann ich, mein Blick suchte seinen »Was ist los?«
Er leckte sich leicht über die Lippen, ein besorgter Blick legte sich auf seine hübschen Züge. Sein Blick wanderte zu meinen »Möchtest du tanzen?«
Ich Lachte schnaubend und hustete leicht, als ich mich an meinen Getränk verschluckte. Ich fühlte mich leicht angeschwipst, aber ich würde mich nicht so widerlich betrinken, wie ich es vor einigen Monaten auf Harrys 21 Geburtstag getan hatte. Ich leckte mir leicht über die Lippen. »Ich tanze nicht.«
»Komm schon, das wird lustig.«
»Nein, wirklich nicht«, ich lachte leicht und seufzte als ich mein leeres Glas auf die Theke stellte. Ich bemerkte wie sein Blick wieder hinter mich wanderte, und wieder war eine unangenehme Besorgnis in seinen braunen Augen zu erkennen. »Ich bin eine schreckliche Tänzerin.«
Er war einen Moment lang still, seine Lippen leicht aufeinander gepresst. Er stand plötzlich auf und ergriff meinen Arm leicht, er zog leicht daran um mich zum Aufstehen zu bewegen. »Dann lass uns woanders hingehen.«
»Woanders hin?« ich runzelte die Stirn verwirrt, schaute auf mein leeres Glas und dann wieder in seine Augen »Warum?«
Viktor war wieder einen Moment lang still und sein Blick verließ den meinen kurz um hinter mich zu schauen. Diese braunen Augen funkelten vor Sorge und nach einem langen Moment, atmete er einmal schwer aus und sah zurück in meine verwirrten Augen. »Ich will dich nicht beunruhigen«, sagte er vorsichtig, leckte sich leicht über die Unterlippe und schaute wieder über meine Schulter. »Aber da steht ein Typ der dich seit 10 Minuten anstarrt.«
»Da ist was?« ich lachte laut auf und schaute über meine Schulter hinweg zu der Person, die Viktor so intensiv beobachtete. Mein Blick überflog schnell die Menschenmasse auf der Tanzfläche, immer noch mit einem leichten Lachen bei der Aussicht darauf, dass ein anderer Mann mir freiwillig Aufmerksamkeit in einem Nachtclub schenkte. Mein Lachen verschwand jedoch abrupt, als mein Blick das vertraute Grau traf, das finster in meine Augen starrte. Viktor zupfte leicht an meinen Arm, als mein Lächeln erlosch, meine Augen weiteten sich leicht und ich war nicht in der lange mich von dem intensiven Blick meines Gegenübers zu lösen.
»Siehst du?« murmelte Viktor leise »Der Typ mit den weißblonden Haaren – du siehst ihn, oder?«
Ich nickte bloß. Ich war nicht in der Lage verbal zu antworten, aber wie konnte ich Draco in seiner dunklen Kleidung nicht da stehen sehen? Er tanzte zu Zeit mit demselben blonden Mädchen von der Couch oben, ihr Körper bewegte sich sinnlich gegen seinen und ihre Arme waren um seinen Nacken geschlungen. Seine eigenen langen Arme ruhten auf dem unteren Teil ihres Rückens, seine Finger strichen gefährlich nahe über ihren Hintern. Während er mit ihr auf dieselbe sexuelle und primitive weise tanzte, wie sie mit ihm und beide sich sinnlich zu dem tiefen Rhythmus der Ohrenbetäubten Musik aneinander rieben. Sein Blick war nicht auf sie gerichtet, wohingegen ihr Kopf im Nacken lag um ihn anzustarren. Sein Blick lag stattdessen fast furchteinflößend auf meinen, und er schaute nicht mal für eine Sekunde weg.
Ich schluckte schwer und schaute weg, ich blinzelte wie verrückt und mein Herz hämmerte wie wild gegen meine Rippen. »Du hast recht«, murmelte ich Viktor zu und drehte mich wieder zu ihm um, um ihn ins Gesicht zu schauen »Wir sollten woanders hingehen…« ich unterbrach mich und zog an seinen Arm, um ihn dazu zu bewegen mit mir in die andere Richtung zu gehen. »Komm schon.«
Er bewegte sich nicht und blieb stattdessen auf seinen Platz. Sein Blick flitze einen Moment lang zurück zu Draco und sein Ausdruck verhärtete sich »Ich werde zu ihm gehen«, teilte er mir langsam mit, sein Kiefer angespannt »Ich sollte etwas sagen.«
Panik überflutete meinen gesamten Körper und meine Augen weiteten sich.
Nein nein nein nein –
»Vergiss ihn«, gab ich schnell zurück und hoffte das meine Stimme nicht allzu verzweifelt klang. Ich zog härter an seinen Arm und flehte ihn innerlich an mir einfach zu folgen und es einfach sein zu lassen. »Lass uns gehen, komm schon, das ist keine große Sache…«
»Es ist eine große Sache«, unterbrach er mich scharf, seine Augenbrauen zu einem finstern Ausdruck zusammen gezogen »Wer zur Hölle glaubt der Typ, wer er ist, dich so anzustarren?«
»Er sieht vermutlich nicht mal mich an.« Die Lüge war völlig unglaubwürdig, aber ich musste Viktor aus Dracos Nähe bekommen oder es würde unglaubliche Probleme geben. »E-er schaut vermutlich zu der Rothaarigen hinter dir…«
»Nein«, schnaubte er als Antwort und schüttelte den Kopf leicht. Sein Blick wanderte wieder zu Draco »Tut er nicht. Er sieht dich an, Hermine, und das kotzt mich an. Er sollte respektieren das du mit jemand anderen hier bist«, er ging von mir weg und ballte seine Hand zur Faust. »Bleib hier, das dauert nur eine Sekunde.«
Ich keuchte auf als er sich in Richtung Draco bewegte »Nein.«
Ich trat dann einen Schritt vor, und die Bewegung schien so beispiellos, so untypisch für ein Mädchen wie mich, aber ich musste verhindern dass er eine Szene machte und mein Leben in eine noch tiefere Hölle als es bereits war sendete. Ich ergriff mit einer Hand seinen Kopf fest und innerhalb von Sekunden waren meine Lippen gegen seine gepresst, meine Augen waren fest geschlossen.
Ich küsste Viktor.
Ich war dabei Viktor zu küssen.
Es war relativ schnell und ich fühlte ihn gegen meinen Mund lächeln, aber als ich spürte wie sich seine Lippen teilten, bei dem Versuch den Kuss zu vertiefen, leitete ich verzweifelte Maßnahmen ein und zog schnell zurück. Viktors Augen blieben geschlossen, sein Mund war mit einem zufriedenen Lächeln überzogen. Seine Augen öffneten sich langsam und zum Vorschein kam ein wunderschönes braun und etwas das wie Glückseligkeit aussah. Er begann langsam zu grinsen.
Ich presste meine Lippen leicht zusammen und schloss meine Augen »Es…es tut mir leid. Ich weiß auch nicht…«
Ich spürte seine Hand auf meiner Wange und meine Augen öffneten sich langsam und trafen auf seinen eigenen freundlichen Blick. »Hey«, flüsterte er mit einem warmen Lächeln »Entschuldige dich nicht, Hermine…« er unterbrach sich, sein Daumen strich über meine Unterlippe und ich ein Schauer lief unwillkürlich über meinen Körper. »Es war schön.«
Ich schluckte schwer, und gab die Schuld für den Kuss, dem Alkohol der durch meinen Körper floss. Ich wusste jedoch, dass ich ihn als letzte Rettung geküsst hatte, um ihn in meiner Umgebung zu behalten. Ich atmete zittern ein und lächelte Viktor steif an, der immer noch denselben verträumten Blick in den Augen hatte. Sicher, der Kuss war nicht magisch oder so gewesen, aber seine Lippen waren weich und sein Mund schmeckte nach Minze und Rum, und er war nicht total unangenehm gewesen.
Ich erlaubte meinen Blick von ihm zur Tanzfläche wandern zu lassen.
Mein Herz blieb fast stehen.
Da war Draco, der in einen merklich langsamen Rhythmus mit Barbie tanzte, sein Blick auf meinen gerichtet. Aber dieses Mal lag in ein wilder Sturm in seinen Augen, seine Zähne fest zusammen gepresst und eine absolut schreckliche Wut ging von ihm aus.
Draco hatte den Kuss gesehen.
Ich trat einen Schritt von Viktor weg, schüttelte meinen Kopf und bemühte mich Luft zu bekommen – Ich konnte nicht atmen, ich konnte verdammt noch mal nicht atmen.
»Ich muss mal zur Toilette«, murmelte ich entschuldigend zu Viktor und ich glaube ich habe so was wie Auf Wiedersehen oder Ich bin gleich zurück oder derartiges gesagt. Aber als meine Beine mich schnell in die Richtung der Toiletten trugen, konnte ich mein Herz nicht daran hindern wie wahnsinnig gegen meinen Brustkorb zu hämmern und konnte nicht verhindern das mein Gesicht fast verbrannte. Ich lehnte mich gegen die Wand, meine Augen fest geschlossen und Scham durchflutete mich bei dem Gedanken was ich für eine leichtsinnige Sache getan hatte.
Ich machte solche Sachen nicht – Ich küsste nicht einfach Leute…
Und Dracos Blick war so…so mörderisch. Aber warum? Er hasste mich.
Ich atmete langsam tief ein und aus, lehnte meinen Kopf gegen die Wand und versuchte an etwas zu denken das mich von Dracos tiefschwarzen Blick ablenkte. Aber als ich meine Augen wieder öffnete, war sein dunkler, gefährlicher Blick nicht länger ein Bild in meinen Gedanken, sondern eher ein Bild der Realität.
Ich spürte meinen Hals komplett austrocknen, als ich direkt in den boshaften Blick von Draco Malfoy starrte.
Er starrte mich einen langen Moment lang an, seine Atmung schwerer als sonst und seine Augen zu diesen kleinen, bitter bösen Schlitzen zusammen gezogen und starrten mit unglaublicher Intensität finster in meine. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, seine Unterlippe löste sich von der oberen, aber seine Lippen pressten sich letzten Endes fest aufeinander, und verhinderten das irgendwelche Worte seinen Mund entkamen. Ich verdrehte die Augen und presste die Zähne wütend aufeinander, während ich die Bewegung machte an ihn vorbei zu gehen, weg von ihm.
Er hatte jedoch andere Pläne und bewegte sich schnell synchron mit meinen Körper und blockierte mir so meinen Ausweg. Ich atmete langsam durch meine Nase aus und giftete ihn an. Er verschränkte die Arme locker vor seiner Brust, sein Kinn bis auf's äußerste angespannt.
»Wie heißt er?«
Ich schnaubte als ich seine tiefe, schwer akzentuierte Stimme durch den ruhigen Bereich hallen hörte. Seine Bewegung nachahmend verschränkte ich meine Arme lässig vor meiner Brust verschränkte und eine Augenbraue hochzog »Wie bitte?« fauchte ich ihn an, ich zog meine Augen zusammen und forderte seinen harten Blick heraus »Sprichst du mit mir?« ich unterbrach mich und schaute dann sarkastisch erst über meine linke und dann über meine rechte Schulter »Ich wusste nicht das du mich kennst.«
»Halt die Klappe«, schnauzte er, seine Zähne dezent gefletscht, »Beantworte die verdammte Frage.«
»Sein Name geht dich nichts an«, zischte ich böse, und startete einen neuen Versuch an ihm vorbei zu gehen. Sein Körper bewegte sich wieder schnell mit meinen, versperrte mir den Weg und war vor mir wie ein dunkler, gefährlicher Jäger aufgebaut. »Geh mir aus dem Weg.« schnappte ich gereizt.
»Keine Chance«, zischte er, sein finsterer Blick verdunkelte sich noch mehr »Erst wenn du mir verdammt noch mal geantwortet hast.«
»Das hab ich bereits«, erwiderte ich scharf »Ich hab dir gesagt dass sein Name dich verdammt noch mal nichts angeht...« ich unterbrach mich, ein hämisches Grinsen breitete sich auf meinen Gesicht aus »Obwohl ich sehr glücklich darüber bin, das mein privat Leben so wichtig für dich ist. Ich hätte nie gedacht das Spionieren dein Ding ist, Draco.«
Er warf seinen Kopf leicht nach hinten und ein schroffes Lachen verließ seinen Mund »Spionieren?« er lachte erneut und schüttelte seinen Kopf langsam »Das hättest du wohl gerne. Es war schwer deine kleine Romanze da draußen zu übersehen, mit deiner Scheiß Zunge in seinem Hals…«
»In seinem Hals?« ich lachte scharf auf »Du hast Wahnvorstellungen, wenn du denkst dass meine Zunge in seinem Hals war.«
Seine Augen glänzten sogar noch dunkler als zuvor und reflektierten eine Wut und eine Wildheit die leichten Terror in mir auslösten. Er trat näher an mich ran, seine warmen Atemstöße strichen sanft über meine Wange. Sein Atem sendete einen unleugbaren Geruch von schweren Alkohol und Zimt-Kaugummi aus, und ich konnte meinen Blick nicht davon abhalten zu seiner Unterlippe zu wandern. Diese verdammt volle Unterlippe, rötlich und passte zu dem zarten Rotton auf seinen Wangen…
»Ich dachte du wärst anders«, murmelte er schließlich, seine Stimme viel ruhiger und tiefer als noch vor einigen Momenten. Er trat zurück und atmete langsam und tief durch seine Nase. Ich riss meinen Blick von seinen weichen Lippen und runzelte die Stirn verwirrt.
»Was?«
»Predigst über meine Gewohnheiten mit Mädchen – sagst mir das ich sie besser behandeln soll…« er hielt kurz inne, knurrte mich an und zeigte mit einem vorwurfsvollen Finger auf mich »…Du bist kein bisschen besser als sie.«
»Als deine Mädchen?« versicherte ich mich, bevor ich bitter auf lachte »Oh, bitte, Malfoy.«
Er nickte leicht, sein Blick wendete sich nicht mal kurz von meinen ab »Genau wie der Rest von ihnen«, murmelte er leise, seine kalten Augen so intensiv auf meine gerichtet »Nur eine Hure.«
Meine Augen weiteten sich einen Augenblick lang und Empörung erschütterte meinen Körper. Hatte er gerade gesagt, was ich dachte das er gesagt hatte? Nein, nein, nein…
»Was hast du gerade gesagt?« zischte ich wütend und trat einen Schritt näher zu ihm. Er rührte sich nicht, stand einfach mit demselben stoischen Ausdruck in seinen Augen da »Was fällt dir ein. Wie kannst du es wagen mich verdammt noch mal so zu nennen?«
»Wie ich mich wagen kann dich eine Hure zu nennen?« explodierte er und wirbelte mit seinen Armen in der Luft herum »Hast du dich da drin mal selbst gesehen, mit diesem zufälligen Arschloch, du verdammte…«
»Ich kenne ihn«, unterbrach ich ihn schnell »Ich kenne ihn, Malfoy. Es war nur ein Kuss, mein Gott.«
»Du bist mit mir hier.«
Sein Gebrüll hallte für einige Sekunden nachdem es seinen Mund verlassen hat nach und dieses Unbehagen stieg wieder in meiner Brust auf – diese Enge, die dieses schmerzhafte Gefühl verursachte, das nicht verschwinden würde. Wir waren beide still, das einzige Geräusch kam von Dracos schwerer Atmung. Seine Augen, die Augenblicke zuvor noch so berechnet und gefühllos waren, starrten nun geschockt in meine und weiteten sich nach der Erkenntnis was gerade seinen Mund verlassen hatte.
»U..uns.« verbesserte er sich schnell selbst, mit dahin gestotterten Worten, er räusperte sich leise und schaute zu Boden. »Du bist mit uns hier…mit…mit Blaise und mir.«
Ich schluckte schwer und leckte mir leicht über meine Unterlippe »Soweit es mich betrifft, bin ich mit Blaise hier«, sagte ich leise »Weil du mich nicht mal kennst.«
Er atmete langsam aus, sein Blick immer noch auf den Boden gerichtet. Seine Hände zeigten nicht mehr länger zu mir, sondern steckten in den Taschen seiner dunklen Jeans. Er behielt die steife, starre Haltung aufrecht und ich wusste dass er sich unwohl fühlte.
»Genau«, nickte ich langsam, nachdem er nicht geantwortet hatte »So ist es, du kennst mich nicht«, ich lachte leise auf, stieß einen zarten Seufzer aus und machte mich bereit zu gehen»Ich gehe zurück um noch was zu trinken. Viel Spaß noch.«
Ich ging um ihn herum, er stand immer noch wie festgefroren da. Als ich mich in Richtung der Clubhalle aufmachte, hörte ich hinter mir Bewegung. Ich drehte mich leicht um und sah wie er seine gebräunte Hand ausstreckte und meinen Unterarm ergriff, seine langen Finger wickelten sich um mein Handgelenk. Ich runzelte die Stirn leicht und schaute zu ihm auf, seine Augen starrten in meine und sein Blick war viel sanfter als zuvor.
»Hermine…« flüsterte er und ich hätte es fast nicht gehört. Er zog seine Augenbrauen zusammen, sein Kiefer spannte sich an und sein Blick huschte von meinen, neben mich und wieder zurück »…Warte…warte kurz…«
Ich schluckte schwer. Schmerz breitete sich in meiner Brust und meinen Magen aus, und ein trockener Kloß formte sich im meiner Kehle. Ich atmete sanft aus und schüttelte langsam meinen Kopf »Tut mir leid«, begann ich leise und seine Augen weiteten sich für eine Millisekunde. Ich schluckte erneut schwer, leckte mir über meine trockene Unterlippe und schaute zu Boden. Eine Woge des Muts überkam mich und ich schaute wieder zu ihm auf. Mein Blick eiskalt auf seinen gerichtet »Kenn ich dich?«
Sein Mund öffnete sich um zu antworten, das Weiß seiner Zähne hinter der vollen Weichheit seiner Lippen sichtbar. Sie schlossen sich jedoch, anstatt irgendeine Art Antwort zu erlauben und seine Augen weiteten sich erneut, dieses Mal allerdings viel länger. Nach einem langen Moment lösten seine Finger ihren Halt um mein Handgelenk und sein Arm viel schlaff an seine Seite. Seine Lippen leicht geöffnet. Ich blinzelte zum Boden, rieb mein Handgelenk, drehte mich um und ließ einen erstaunten Draco Malfoy allein hinter mir zurück.
Viktor saß immer noch an der Bar und nahm gemächlich tiefe Schlücke von seinem Glas Scotch, seine Augen leuchteten auf als er mich sah. Ich zwang ein lächeln auf meine Lippen, als ich mich neben ihn setzte, aber trotz das ich neben einen Mann saß der mich Richtig behandelte, konnte ich nicht die Traurigkeit abschütteln die mich überkam.
»Alles in Ordnung?« fragte er sanft und drückte eine Hand tröstend gegen meinen Arm. Es war solch eine Veränderung mit Viktor – die Dynamik war so anders als Dracos, er war sanft, einfühlsam, süß…
Draco war…
Herrje, ich hasste ihn.
»Mir geht's gut«, atmete ich zittrig und nickte. Aber ich log. Mir ging es nicht gut. Mir ging es nicht mal annähernd gut – ich konnte kaum das schreckliche Zittern, das in meinem Körper ausbrach, Kontrollieren. Ich fühlte mich schlecht. Ich wollte mich übergeben, ich wollte verdammt noch Mal raus aus diesen Club und einfach unter meine Decke kriechen und so tun als würde Draco nicht existieren – als hätte ich ihn nie getroffen…als würde ich nichts für ihn empfinden. Aber das tat ich, und ich war so ein Feigling, dass ich es mir nicht mal selbst eingestehen konnte. Nein…
Ich wagte es nicht hinter mich zu schauen. Ich durfte ihn jetzt nicht sehen. Ich konnte…ich konnte ihn jetzt nicht in die Augen schauen. Ich konnte…
»Ich hab mit meinem Kumpel gesprochen.« Viktors Stimme unterbrach meine Gedanken, ich schaute auf und sah seine schönen, braunen Augen. »Dem Türsteher«, erklärte er schnell und nahm einen Schluck aus seinem Glas »Ich hab versucht ihn dazu zu bringen diesen Arsch rauszuschmeißen. Den Typen mit den Weißblonden Haaren oder wie man…«
»Du hast was?«
Ich war mir sicher dass es wie ein Keuchen und nicht wie ein begeisterter Ausruf heraus kam. Viktor blinzelte und runzelte die Stirn, denn ich war mir sicher dass mein Keuchen Fassungslos, beunruhigt und irgendwie enttäuscht klang.
»Ja…« begann er langsam »Ich, uh…Ich hab mir sorgen um dich gemacht…« er rieb sich unbeholfen seinen Nacken und zuckte leicht mit den Schultern.
»Oh«, gab ich nach einen Moment von mir und nickte »Also, uhm…« ich hustete leicht und klopfte mit meinen Fingern auf der Theke herum »…hat er, uh…hat er…«
»Nein«, antwortete er, bevor ich die Frage zu ende stellen konnte. Er nahm noch einen Schluck von seinem Drink und stellte das Glas sanft ab »Das ist das merkwürdige daran…Ich zeigte meinen Freund den Kerl und er sagte mir das er ihn nicht rausschmeißen könnte.«
Ich runzelte die Stirn leicht und schaute ihn an »Was meinst du damit?«
»Er wollte nicht ins Detail gehen,« antwortete er Schulter zuckend »Er hat mir nur gesagt dass er jeden - außer diesen Typen - rausschmeißen könnte.«
»Was?« die Frage verließ meinen Mund und war mehr in die Luft, als an Viktor gerichtet. Totale Verwirrung überkam mich. Was zur Hölle…
»Ich weiß es nicht«, erwiderte er schwer seufzend »Ich stellte sicher dass wir beide die gleiche Person meinen…« er unterbrach sich und lachte leicht auf »Aber ich meine, wie kann man einen weißen Typen mit Weißblonden Haaren mit irgendjemanden verwechseln?«
Ich wusste nicht was ich denken sollte. Wodurch Draco exklusiv Rechte für diesen Club haben konnte, war mir unbegreiflich. Fleur hatte mir Horrorgeschichten aus einer Vielzahl von Clubs in denen sie gewesen war erzählt, von unheimlichen Männern die rausgeschmissen worden waren, weil sie sie nur falsch angeschaut hatten, dennoch war hier Draco, der mich in einer leeren Ecke beleidigte…
Viktor räusperte sich »Sei's drum.« Er lächelte mich sanft an. Es war beruhigend und eine nette Abwechslung von dem üblichen kalten und finsteren Gesichtsausdruck mit dem ich jeden Tag von seiner Majestät konfrontiert wurde. »Möchtest du, uh, noch was trinken?«
Ein leichtes Lächeln legte sich auf meine Lippen, trotz des gewaltigen Gefühls der Verwirrung und der Unruhe. »Das ist so lieb von dir, Viktor…« ich seufzte, schwang meine Beine auf die andere Seite des Barhockers und ergriff meine Handtasche fest zwischen meinen Fingern. Ich schaute zu ihm und lächelte ihn Schuldbewusst an »Ich sollte jedoch vermutlich meine Freunde suchen.«
Er zog enttäuscht seine Mundwinkel nach unten «Oh.« er nickte, seine Lippen teilten sich ähnlich wie die von Draco zuvor. Viktor lächelte mich traurig an und seufzte »Okay…das ist in Ordnung, schätze ich.«
»Hey«, sagte ich leise und berührte seinen Arm sanft »Wir reden bald wieder, okay?«
Viktor grinste dann »Das hoffe ich doch.«
Ich lächelte einen Moment lang, bevor ich mich an das erinnerte was ich vorhin getan hatte und mein Lächeln verschwand. Viktor bemerkte das, runzelte die Stirn und suchte in meinem Gesicht nach einer Antwort. Sorge schimmerte in seinen braunen Augen »Was ist los?«
Ich schüttelte den Kopf »Nichts…« ich schaute zu Boden und mied seinen Blick. Ich wüsste das meine Wangen wegen den Gedanken die in meinen Kopf herum schwirrten gerötet waren »…es ist nur…ich will nicht das du was Falsches von mir denkst, wegen dem was ich vorhin getan…«
»Was Falsches von dir denken?« er lachte leicht und drückte beruhigend gegen meinen Arm »Hermine, bitte. Es war fast gar nichts. Ein netter Kuss, ja, aber nichts um sich in etwas hineinzusteigern.«
Der neckende Ton in seiner Stimme entspannte mich und ich lächelte ihn wieder an. »Hier…« sagte ich nach einem erneuten kurzen Lacher und zog einen Stift aus einem Glas das auf der Theke stand. Ich beugte mich vor und kritzelte meine Handynummer auf die billige Serviette die neben Viktors fast leerem Glas lag. Ich konnte nicht glauben dass ich das tat, ich war nicht der Typ der Jungs einfach so seine Nummer gab – aber Viktor machte mich glücklich, ich fühlte mich bei ihm wohl und er sorgte dafür, dass ich mich…hübsch…fühlte.
Er grinste, ergriff die Serviette, faltete sie ordentlich und schob sie dann in die Vordertasche seiner Jeans. Ich mied seinen Blick wieder und errötete verlegen, als ich aber seine warme Hand unter meinem Kinn spürte, hatte ich keine andere Wahl als aufzusehen. Er lächelte mich sanft an, sein Blick so warm, einladend und verstehend und als sich sein Gesicht den meinen näherte, spürte ich wie sich mein Herzschlag beschleunigte. Seine Lippen waren einen Augenblick lang sanft gegen meine gepresst und die zarte wärme die von seinen Lippen auf meine überging war wirklich erstaunlich. Er zog sich zurück und seufzte wirklich sehr leise.
Ich stand etwas schwankend auf, meine Beine fühlten sich leicht Taub an. Ich drehte mich um und ging. Mein Herz schlug wie wild weiter in meiner Brust, das leichte kribbeln in meinen Bauch so angenehm und einladend…
»Hermine!«
Ich keuchte auf als sich eine Hand um meinen Oberarm schloss, mein Herz schlug nun vor Angst gegen meine Brust und ich drehte mich um und sah Blaise' panisches Gesicht vor mir.
»Da bist du ja. Oh Gott. Ich hab dich gesucht.«
»Blaise?« ich blinzelte und runzelt die Stirn »Alles in Ordnung?«
Er atmete scharf aus, seine Brust hob und senkte sich in unregelmäßigen Atemzügen. Er sah sich um, seine Augen glänzten vor Angst, auf seinem Gesicht lag ein Qualvoller Ausdruck. »Gott, er ist so dumm, ich bin so froh dass ich dich gefunden hab, oh Gott…«
»Blaise…« ich trat einen Schritt vor und schüttelte seinen Arm leicht. Ich bemühte mich ihn in die Augen zu sehen »Blaise, was ist denn? Was ist los?«
»Es ist Draco«, brachte er hervor, er schaute mich, mit Entsetzen in den Augen, an. Ich spürte wie mein bei der Erwähnung von Dracos Namen von Blaise' Lippen Augenblicklich in meine Hose rutsche und trat noch einen Schritt vor, meine Augen weiteten sich ebenfalls »Er…er…oh, Herrje, o Gott…«
»Er was?« forderte ich bestimmend »Er was, Blaise?« er antwortete nicht direkt, sondern atmete weiter schwer und ich schüttelte seinen Arm erneut, diesmal fest. »Blaise«, drängte ich »Blaise, was ist mit deinem Bruder? Was ist passiert?«
»Die ganze verdammte Flasche, Hermine«, schrie er und wirbelte wie ein verrückter mit seinen Armen herum. Sein wilder Blick traf meinen »Er hat die ganze verdammte Flasche getrunken.«
»Flasche von was?« ich konnte kaum wegen des überdimensionalen Kloß in meinen Hals Atmen. Ich atmete zitternd ein, mein Blick streng auf die schlanke Figur vor mir gerichtet »Flasche von was, Blaise?«
Blaise schaute runter, seine Lippen aufeinander gepresst »Ich weiß es nicht, Scotch oder so was…« er stöhnte leise »Ich weiß es verdammt noch mal nicht…ich weiß nicht wieso er soviel trinken würde…warum…«
»Er hat eine ganze Flasche Scotch getrunken?« ich blinzelte und schaute schnell um mich herum, um Draco aufzufinden »Ist er irgendwo Ohnmächtig?« forderte ich scharf, mein Herz raste immer schneller. Oh Gott, er könnte eine Alkoholvergiftung haben, er könnte….« Blaise, wir müssen einen Krankenwagen rufen. Er könnte sterben.«
»Ich wusste es verdammt noch mal nicht.« schrie er, ein Quälender Ausdruck überzog immer noch seine weichen Züge »Ich konnte ihn nicht mal aufhalten, verdammt noch mal. Ich soll auf ihn aufpassen. Ich soll…Oh Gott…«
»Blaise, Blaise…« ich rüttelte erneut fest an seinen Arm und schluckte schwer gegen das schmerzhafte Gefühl in meinem Hals »Wir müssen ihn finden. Wo ist er?«
Blaise' Augen schlossen sich langsam, und öffneten sich nur für einen Moment in dem ich seinen Blick aufnehmen konnte. Seine Augen waren mit warmen Tränen gefüllt. »Er ist nicht hier.«
Mein Mund klappte leicht auf »Was meinst du mit, er ist nicht hier?« ich leckte nervös über meine Unterlippe »Wo zum Teufel steckt er?«
Ein dicker Tropfen, der sich in seinen Augenwinkel angesammelt hatte, rollte seine Wange hinunter. Er atmete zitternd ein und schluckte schwer, als neue, heiße Tränen sich über seine Schokoladenähnlichen Wangen ergossen.
»Er ist nach Hause gefahren.«
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