Titel: Schmerzliche Erinnerungen
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der Songtext stammt von den Beatles und nennt sich „With a little help from my friends".
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Kleine Anmerkungen: *smile* Ich bin richtig glücklich, vielen Dank für die wundervollen Reviews!
Pain of Memory, Teil 6/ Bruderliebe
****************************************
Oh, I get by with a little help from my friends
Mm, I get high with a little help from my friends
Mm, gonna try with a little help from my friends
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Wochen vergingen, Monate und Jahre. Legolas erholte sich mit der Zeit, auch wenn seine Narben nie ganz verschwanden. Er fing an, sich wieder an einem Ort zu Hause zu fühlen, geborgen und geschützt. Und er genoss die Freundschaft mit Gimli, die gemeinsamen Stunden mit Aragorn, auch wenn der König von Gondor nur selten in seiner Heimat verweilen konnte, und die Ausflüge mit seinem Vater. Auch unternahm er viel mit den anderen Bewohnern der Stadt, vor Allem Bergil und Daisy, die ihm viel aus dem Auenland erzählen konnte, denn sie hatte selbst lange Zeit dort gelebt, auch wenn sie eine Elbin war.
Doch auch nach acht Jahren fiel es ihm schwer, unter andere Elben zu kommen. Er fürchtete die Blicke, seien sie nun mitleidig oder voller Missgunst. Lange war es her, dass er das letzte mal den Grünwald besucht hatte, und seine Brüder Calenorn und Celebgond hatte er schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen. Dasselbe galt für die Elben von Bruchtal und Lorien, von denen abgesehen, die als Boten oder als Gäste die Weiße Stadt besuchten.
Doch zumindest seine Brüder sollte er bald wiedersehen. Celebgond und Calenorn sollten innerhalb der nächsten Tage in Minas Tirith ankommen. Eine willkommene Abwechslung, wie Legolas fand, denn sowohl Aragorn als auch Gimli waren unterwegs. Der eine bei seinen Verwandten am Erebor, der andere bei Lord Elrond in Bruchtal. Er vermisste sie, doch war er sich sicher, dass seine Laune sich mit der Ankunft seiner Brüder schon bald bessern würde.
Als er das Getrappel von Hufen hörte stand er von seinem Stuhl auf, legte sein Buch zur Seite und lehnte sich aus dem Fenster heraus. Erfreut war er, als auf dem Foyer unter dem Balkon zu seinem und Aragorns Zimmer die Pferde von Celebgond und Calenorn erschienen. Legolas beeilte sich, seine Brüder begrüßen zu können. Er lief aus seinem Studierzimmer hinaus, die Treppe herunter und stürmte auf die beiden Elben zu.
Sofort begrüßte Calenorn seinen jüngsten Bruder in einer freudigen Umarmung, während Celebgond noch auf seinem Pferd verweilte. „Legolas, kleiner Bruder, wie geht es dir? Lang ist es her, dass wir und das letzte Mal gesehen haben. Ich wünschte, ich hätte früher hierher kommen können, doch meine Aufgaben ließen es nicht zu." Calenorn schloss den etwas kleineren Elb erneut in seine Arme und drückte ihn an sich. Er wollte ihn nicht noch ein weiteres Mal für zwölf Jahre verlieren.
„Ich freu mich auch, dass ihr zwei herkommen konntet. Ihr seid sicher hungrig, oder? Und Celebgond, worauf wartest du, du kannst ruhig von deinem Pferd herunterkommen. Ich werde nach einem der Diener schicken, damit er es zu den Ställen bringen kann." Celebgond zeigte ein schmales Lächeln und sprang dann von seinem Pferd hinab. „Vielleicht möchtest du die Pferde ja auch gerne mit mir zum Stall bringen, kleiner Bruder, während sich Calenorn schon mal einen Sitzplatz im Speisesaal suchen möchte."
Legolas wunderte sich etwas über dieses Angebot, doch keinen bösen Hintergedanken ahnend stimmte er zu. Calenorn, der ein ungutes Gefühl bei der Sache hatte, ließ sich schließlich doch von einem der Wachen zum Speisesaal führen ‚Hoffentlich passiert nichts schlimmes zwischen den beiden' dachte er, als er sich auf einem der Stühle um den reichlich bedeckten Tisch herum niederließ. Auch wenn seine Gedanken im Moment bei seinen beiden jüngeren Brüdern waren, lächelte er den anderen Anwesenden, einer Elbin und einem älteren Mann freundlich zu. Er hatte Thranduil schon von ihnen sprechen gehört. Es mussten Bergil und Daisy sein.
Legolas führte seinen Bruder zu den Ställen, band die Pferde fest und lief schließlich wieder mit ihm zurück zum Schloss. Als Legolas einen kleinen Stein in seine Schuhe bekam blieb er stehen und leerte den Schuh aus. Währenddessen lief Celebgond an ihm vorbei und stand bereits an der Treppe, die in das Schloss hinein führte, als er sich wieder zu Legolas drehte, der etwas überrascht war, da Celebgond ihn noch immer nicht angemessen begrüßt oder auch nur eines Blickes gewürdigt hatte.
„Worauf wartest du, kleiner Bruder? Oder kannst du etwa nicht mehr schnell genug laufen? Vielleicht wäre es ja besser gewesen, wenn sie dich in den Bergen behalten hätten. Dort hätten wir wenigstens nicht deinen Anblick ertragen müssen." Den letzten Satz sprach er so leise, dass selbst Legolas ihn kaum hörte. Doch der scharfe Ton in dem Gesagten war ohne Probleme zu verstehen. Celebgond dreht sich um und lief zum Speisesaal, während Legolas auf dem Foyer zurückblieb.
Die Worte seines Bruders hatten den Elb mehr verletzt als all die grauenvollen Dinge, die die Orks und die Haradrim ihm zuzurufen pflegten. Gekränkt, mit gesenktem Blick, trat er in den Speisesaal ein und nahm neben Calenorn platz. Sowohl er als auch Daisy, die zwischen Bergil und Legolas saß, nahmen die Veränderung im Verhalten ihres Freundes sofort war. „Warum hältst du deinen Kopf so niedrig, Legolas? Du hast es nicht nötig, deinen Blick zu senken." Sprach Calenorn und schaute Legolas dabei aufmunternd an
„Es ist nur-„ Legolas sprach nicht weiter, denn er konnte spüren, wie Celebgond einen warnenden Blick zu ihm warf. „Nichts, es ist nichts. Ich bin nur etwas betrübt über die Abwesenheit unseres Vaters. Schade, dass er nicht mitkommen konnte. Doch wer ein Königreich zu regieren hat kann nun mal nicht überall sein, nicht wahr?" Legolas brachte ein schmales Lächeln über seine Lippen, überzeugend genug für alle Anwesenden, so dass sie sich nicht weiter um ihn sorgten.
Später, nachdem die Sonne bereits untergegangen war, saß Legolas auf der obersten Mauer der Weißen Stadt und beobachtete die Sterne. Viel hatte er heute mit Calenorn gesprochen, während sein anderer Bruder scheinbar nur verächtliche Blick und Ignoranz für ihn übrig hatte. So hatte er sich ihr Wiedertreffen nicht vorgestellt. Er sehnte sich zurück nach Aragorn und Gimli, dachte Voller Wehmut an die Zeit zurück, in der er mit ihnen durch die Lande geritten war, in denen sie gemeinsam Abenteuer erlebt hatten.
Doch sie waren nicht hier. Legolas fühlte sich allein, unnütz, als wäre er nichts weiter als eine Last für seine Freunde und den, den er so sehr liebte. Vielleicht hatte Celebgond ja recht, vielleicht hätte er nie zurückkommen sollen? Noch immer hasste er den Blick in den Spiegel, mochte sein entstelltes Gesicht kaum anblicken. Mit einem Seufzer stand er auf und machte sich auf den Weg zurück in das Zimmer, dass er in diesem Moment so viel lieber mit Aragorn geteilt hätte.
Celebgond war zufrieden. Sein Vater und Legolas Freunde waren weg, und Calenorn sollte kein großes Hindernis für ihn werden. Er schaute aus seinem Fenster im oberen Teil des Schlosses hinaus und musterte seinen kleinen Bruder genau. Er saß auf der Mauer, seine Beine hingen von ihr herab, und er blickte irgendwo in die Landschaft hinaus. Wenigstens musste er auf diese Weise nicht das Gesicht von Legolas sehen.
Celebgond empfand ihn als eine Schande für sein Volk und seine Familie. Warum hatte sein kleiner Bruder es nicht gleich nach seiner Gefangenschaft beendet? Warum hatte er warten müssen bis es zu spät war? Jetzt war er nicht nur entstellt, sondern offensichtlich auch noch langsam im Denken und Handeln. Celebgond schüttelte seinen Kopf und ging zu seinem Tisch. Er war sich sicher, er würde dafür sorgen, dass auf Mittelerde bald keiner mehr von Legolas Anblick gestört wurde. Zufrieden nahm er einen Schluck Wein, um sich dann an die Arbeit zu machen.
Aragorn saß in der großen Bücherei in Minas Tirith. Er hatte die vergangenen Stunden damit verbracht, Karten zu studieren. Er hatte keinerlei Freude daran, und sicher konnte er sich vorstellen, andere, angenehmere Dinge zu machen. Zu gerne wäre er jetzt in Gondor, bei Legolas. Aber seine Pflichten hielten ihn in Bruchtal fest. Gerade wollte er Elladan grüßen, der die Bücherei auf der Suche nach einem Buch mit Informationen zu elbischen Heilkünsten betreten hatte, als er einen stechenden Schmerz in seinem rechten Arm fühlte.
Beinahe wäre er zu Boden gesunken, doch Elladan war in wenigen Sekunden bei ihm und hielt ihn fest. „Was ist mir dir, Aragorn? Kann ich dir irgendwie helfen?" Besorgnis war in den Augen des dunkelhaarigen Elben zu sehen. Aragorn kannte diesen Blick, denn oft hatte er gesehen, wie Legolas mit solchen Augen angeschaut wurde. Legolas...Plötzlich machte sich in ihm das Gefühl breit, dass seine Schmerzen etwas mit dem Elben zu tun haben mussten.
„Elladan, etwas stimmt mit Legolas nicht. Wahrlich, du könntest mir helfen, wenn es dir nicht allzu viel ausmacht. Reite mit mir nach Minas Tirith. Ich weiß, eigentlich sollte ich hier meinen Pflichten nachgehen, doch zu sehr bin ich in Sorge um Legolas." Elladan zögerte nicht lange und sagte zu. „Beeilen werde ich mich und die Pferde holen lassen. Mach dir keine Sorgen um ihn, in zwei Tagen um diese Zeit werden wir bei ihm sein. Bis gleich." Elladan wechselte noch schnell seine Sachen, ließ sich die Pferd bringen und ritt schließlich in Begleitung von Aragorn mit höchster Geschwindigkeit davon.
Drei Wochen war es her, dass Celebgond und Calenorn in der weißen Stadt angekommen waren. Während Legolas mit letzterem in den ersten Tagen bogen schießen geübt hatte, hielt sich Celebgond von ihm distanziert. Er schien nichts mit seinem jüngeren Bruder zu tun haben zu wollen. Nur selten sprach er mit ihm, und dann waren seine Worte verletzend und erniedrigend. Und Legolas war es kaum möglich, sie für das zu nehmen, was sie waren: böswillige Beleidigungen, die er sich nicht wirklich hätte gefallen lassen müssen.
Doch außer Calenorn war niemand da, der ihn hätte unterstützen wollen. Und Calenorn stand selbst unter dem Einfluss seines Bruders. Celebgond war zwar der jüngere, doch verstand er es besser, mit Worten umzugehen. Und mit ihnen Schaden zu verursachen.
Legolas stand auf dem Übungsfeld für die Bogeschützen. Es war leer heute, außer ihm war nur noch eine Wache zu sehen. Den einzigen anderen Anwesenden bemerkte er erst, als er schon neben ihm war. Celebgond, der nun rechts an Legolas Seite stand, lehnte sich zu Legolas Ohr und sprach leise mit ihm. „Wie läuft es denn so, kleiner Bruder? Schon etwas getroffen an diesem Morgen? Wohl eher nicht, wie ich sehe." Dabei zeigte er auf die leere Holzscheibe, an der noch kein einziger Pfeil hing. Dass Legolas auch noch keinen Pfeil abgeschossen hatte ignorierte er dabei völlig.
„Ich kann die Scheibe nicht treffen solange ich noch nicht geschossen habe, Celebgond. Wenn du mich nun entschuldigen würdest." Der Elb versuchte, ein Stückchen weiter nach vorne zu gehen, doch Celebgond, wesentlich stärker als sein jüngerer und noch immer geschwächter Bruder, hielt ihn an seinem rechten Arm fest und stieß ihn zu Boden. „Sprich nie wieder in diesem Ton mit mir, Legolas. Du kannst dir das nicht leisten. Und schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede. Und sollte ich das nicht tun, hast du deinen Blick zu senken, verstanden?"
Legolas zuckte zusammen von den Schmerzen, die ihm sein rechter Arm bereitete. Aber noch mehr verletzten ihn die Worte seines Bruders. Voller Scham für seine Schwäche, für seine Unfähigkeit sich zu wehren blickte er auf den Boden und wagte seinen Blick erst wieder zu heben, als er sah, wie Celebgond den Platz verließ. Dann brachen die Tränen aus ihm heraus. Wo war Aragorn jetzt? Und Gimli? Sein Vater? In diesem Moment wünschte er sich nichts mehr, als bei ihnen zu sein.
Erschöpft lief er in sein Zimmer. Er legte sich auf das große, mit weißen Laken bezogene Bett und ließ sein Gesicht tief in eines der Kissen sinken. Wenn er schon seine Tränen nicht zurückhalten konnte, so musste es doch nicht jeder sehen und hören. So abgelenkt war er mit seinen Gedanken, dass er nicht merkte, wie Celebgond sein Zimmer betrat. Wieder einmal hatte es der Elb geschafft, seinen kleinen Bruder auszutricksen. Er genoss das Gefühl des Triumphes, als er sich am nächsten Morgen neben Legolas setzte und ihn mit einem missmutigen Gesicht musterte.
„Das wird dir nicht helfen, Legolas. Du weißt, dass du es damit nicht besser machen kannst. Deine Freunde, Vater und Calenorn können dich nicht hören, wahrscheinlich wollen sie auch gar nicht. Denkst du wirklich, dass es aus Zufall geschehen ist, dass sie so oft verreist sind? Selbst Aragorn ist nicht lange geblieben. Überhaupt, Aragorn. Ich verstehe dich nicht, kleiner Bruder. Wie konntest du dich nur mit ihm einlassen? Schlimm genug, dass er männlich ist, es musste auch noch einer aus dem Volk der Menschen sein. Als ob du nicht schon genug Schande über uns, deine Freunde und deine Familie, gebracht hättest."
Legolas konnte kaum glauben, was er soeben gehört hatte. Die Zweifel wurden immer stärker. Er wollte Celebgond anschreien, ihn dafür bestrafen, dass er es wagte, so schlecht über Aragorn zu sprechen. Doch er brachte keinen Ton heraus. Denn gleichzeitig sickerten die Lügen in seinen Gedanken hinein, die falschen Worte und Provozierungen seines älteren Bruders. Plötzlich war sich Legolas weder der Liebe seiner Freunde, seiner Familie noch Aragorns sicher.
Celebgond verließ das Zimmer seines Bruders wieder, denn er war sich sicher, dass er für heute genug getan hatte. Wenn er seinen Plan nicht sogar gerade hatte beenden können. Er wusste es nicht sicher, denn Legolas war für ihn rätselhaft. Gerade wollte er in den Speisesaal, als er von dem Platz vor dem Schloss Hufgetrappel hörte. Es waren zwei Reiter, die soeben angekommen war. Es dauerte nicht lange, da erkannte Celebgond das Gesicht von einem der Zwillingssöhne von Elrond. Und auch den König konnte er sehen. Besorgt wendete er seinen Blick wieder zu dem Zimmer seines kleinen Bruders. Er konnte nur hoffen, dass sein Plan rechtzeitig funktioniert hatte.
Legolas stand wieder aus seinem Bett auf. Die Verzweiflung hatte überhand genommen, er wusste kaum mehr, was er denken sollte. Er ging zu der anderen Seite des Zimmers, dort, wo der Spiegel und die anderen Sachen waren.
Er blickte in den großen Spiegel an der Wand seines Zimmers.
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der Songtext stammt von den Beatles und nennt sich „With a little help from my friends".
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Kleine Anmerkungen: *smile* Ich bin richtig glücklich, vielen Dank für die wundervollen Reviews!
Pain of Memory, Teil 6/ Bruderliebe
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Oh, I get by with a little help from my friends
Mm, I get high with a little help from my friends
Mm, gonna try with a little help from my friends
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Wochen vergingen, Monate und Jahre. Legolas erholte sich mit der Zeit, auch wenn seine Narben nie ganz verschwanden. Er fing an, sich wieder an einem Ort zu Hause zu fühlen, geborgen und geschützt. Und er genoss die Freundschaft mit Gimli, die gemeinsamen Stunden mit Aragorn, auch wenn der König von Gondor nur selten in seiner Heimat verweilen konnte, und die Ausflüge mit seinem Vater. Auch unternahm er viel mit den anderen Bewohnern der Stadt, vor Allem Bergil und Daisy, die ihm viel aus dem Auenland erzählen konnte, denn sie hatte selbst lange Zeit dort gelebt, auch wenn sie eine Elbin war.
Doch auch nach acht Jahren fiel es ihm schwer, unter andere Elben zu kommen. Er fürchtete die Blicke, seien sie nun mitleidig oder voller Missgunst. Lange war es her, dass er das letzte mal den Grünwald besucht hatte, und seine Brüder Calenorn und Celebgond hatte er schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen. Dasselbe galt für die Elben von Bruchtal und Lorien, von denen abgesehen, die als Boten oder als Gäste die Weiße Stadt besuchten.
Doch zumindest seine Brüder sollte er bald wiedersehen. Celebgond und Calenorn sollten innerhalb der nächsten Tage in Minas Tirith ankommen. Eine willkommene Abwechslung, wie Legolas fand, denn sowohl Aragorn als auch Gimli waren unterwegs. Der eine bei seinen Verwandten am Erebor, der andere bei Lord Elrond in Bruchtal. Er vermisste sie, doch war er sich sicher, dass seine Laune sich mit der Ankunft seiner Brüder schon bald bessern würde.
Als er das Getrappel von Hufen hörte stand er von seinem Stuhl auf, legte sein Buch zur Seite und lehnte sich aus dem Fenster heraus. Erfreut war er, als auf dem Foyer unter dem Balkon zu seinem und Aragorns Zimmer die Pferde von Celebgond und Calenorn erschienen. Legolas beeilte sich, seine Brüder begrüßen zu können. Er lief aus seinem Studierzimmer hinaus, die Treppe herunter und stürmte auf die beiden Elben zu.
Sofort begrüßte Calenorn seinen jüngsten Bruder in einer freudigen Umarmung, während Celebgond noch auf seinem Pferd verweilte. „Legolas, kleiner Bruder, wie geht es dir? Lang ist es her, dass wir und das letzte Mal gesehen haben. Ich wünschte, ich hätte früher hierher kommen können, doch meine Aufgaben ließen es nicht zu." Calenorn schloss den etwas kleineren Elb erneut in seine Arme und drückte ihn an sich. Er wollte ihn nicht noch ein weiteres Mal für zwölf Jahre verlieren.
„Ich freu mich auch, dass ihr zwei herkommen konntet. Ihr seid sicher hungrig, oder? Und Celebgond, worauf wartest du, du kannst ruhig von deinem Pferd herunterkommen. Ich werde nach einem der Diener schicken, damit er es zu den Ställen bringen kann." Celebgond zeigte ein schmales Lächeln und sprang dann von seinem Pferd hinab. „Vielleicht möchtest du die Pferde ja auch gerne mit mir zum Stall bringen, kleiner Bruder, während sich Calenorn schon mal einen Sitzplatz im Speisesaal suchen möchte."
Legolas wunderte sich etwas über dieses Angebot, doch keinen bösen Hintergedanken ahnend stimmte er zu. Calenorn, der ein ungutes Gefühl bei der Sache hatte, ließ sich schließlich doch von einem der Wachen zum Speisesaal führen ‚Hoffentlich passiert nichts schlimmes zwischen den beiden' dachte er, als er sich auf einem der Stühle um den reichlich bedeckten Tisch herum niederließ. Auch wenn seine Gedanken im Moment bei seinen beiden jüngeren Brüdern waren, lächelte er den anderen Anwesenden, einer Elbin und einem älteren Mann freundlich zu. Er hatte Thranduil schon von ihnen sprechen gehört. Es mussten Bergil und Daisy sein.
Legolas führte seinen Bruder zu den Ställen, band die Pferde fest und lief schließlich wieder mit ihm zurück zum Schloss. Als Legolas einen kleinen Stein in seine Schuhe bekam blieb er stehen und leerte den Schuh aus. Währenddessen lief Celebgond an ihm vorbei und stand bereits an der Treppe, die in das Schloss hinein führte, als er sich wieder zu Legolas drehte, der etwas überrascht war, da Celebgond ihn noch immer nicht angemessen begrüßt oder auch nur eines Blickes gewürdigt hatte.
„Worauf wartest du, kleiner Bruder? Oder kannst du etwa nicht mehr schnell genug laufen? Vielleicht wäre es ja besser gewesen, wenn sie dich in den Bergen behalten hätten. Dort hätten wir wenigstens nicht deinen Anblick ertragen müssen." Den letzten Satz sprach er so leise, dass selbst Legolas ihn kaum hörte. Doch der scharfe Ton in dem Gesagten war ohne Probleme zu verstehen. Celebgond dreht sich um und lief zum Speisesaal, während Legolas auf dem Foyer zurückblieb.
Die Worte seines Bruders hatten den Elb mehr verletzt als all die grauenvollen Dinge, die die Orks und die Haradrim ihm zuzurufen pflegten. Gekränkt, mit gesenktem Blick, trat er in den Speisesaal ein und nahm neben Calenorn platz. Sowohl er als auch Daisy, die zwischen Bergil und Legolas saß, nahmen die Veränderung im Verhalten ihres Freundes sofort war. „Warum hältst du deinen Kopf so niedrig, Legolas? Du hast es nicht nötig, deinen Blick zu senken." Sprach Calenorn und schaute Legolas dabei aufmunternd an
„Es ist nur-„ Legolas sprach nicht weiter, denn er konnte spüren, wie Celebgond einen warnenden Blick zu ihm warf. „Nichts, es ist nichts. Ich bin nur etwas betrübt über die Abwesenheit unseres Vaters. Schade, dass er nicht mitkommen konnte. Doch wer ein Königreich zu regieren hat kann nun mal nicht überall sein, nicht wahr?" Legolas brachte ein schmales Lächeln über seine Lippen, überzeugend genug für alle Anwesenden, so dass sie sich nicht weiter um ihn sorgten.
Später, nachdem die Sonne bereits untergegangen war, saß Legolas auf der obersten Mauer der Weißen Stadt und beobachtete die Sterne. Viel hatte er heute mit Calenorn gesprochen, während sein anderer Bruder scheinbar nur verächtliche Blick und Ignoranz für ihn übrig hatte. So hatte er sich ihr Wiedertreffen nicht vorgestellt. Er sehnte sich zurück nach Aragorn und Gimli, dachte Voller Wehmut an die Zeit zurück, in der er mit ihnen durch die Lande geritten war, in denen sie gemeinsam Abenteuer erlebt hatten.
Doch sie waren nicht hier. Legolas fühlte sich allein, unnütz, als wäre er nichts weiter als eine Last für seine Freunde und den, den er so sehr liebte. Vielleicht hatte Celebgond ja recht, vielleicht hätte er nie zurückkommen sollen? Noch immer hasste er den Blick in den Spiegel, mochte sein entstelltes Gesicht kaum anblicken. Mit einem Seufzer stand er auf und machte sich auf den Weg zurück in das Zimmer, dass er in diesem Moment so viel lieber mit Aragorn geteilt hätte.
Celebgond war zufrieden. Sein Vater und Legolas Freunde waren weg, und Calenorn sollte kein großes Hindernis für ihn werden. Er schaute aus seinem Fenster im oberen Teil des Schlosses hinaus und musterte seinen kleinen Bruder genau. Er saß auf der Mauer, seine Beine hingen von ihr herab, und er blickte irgendwo in die Landschaft hinaus. Wenigstens musste er auf diese Weise nicht das Gesicht von Legolas sehen.
Celebgond empfand ihn als eine Schande für sein Volk und seine Familie. Warum hatte sein kleiner Bruder es nicht gleich nach seiner Gefangenschaft beendet? Warum hatte er warten müssen bis es zu spät war? Jetzt war er nicht nur entstellt, sondern offensichtlich auch noch langsam im Denken und Handeln. Celebgond schüttelte seinen Kopf und ging zu seinem Tisch. Er war sich sicher, er würde dafür sorgen, dass auf Mittelerde bald keiner mehr von Legolas Anblick gestört wurde. Zufrieden nahm er einen Schluck Wein, um sich dann an die Arbeit zu machen.
Aragorn saß in der großen Bücherei in Minas Tirith. Er hatte die vergangenen Stunden damit verbracht, Karten zu studieren. Er hatte keinerlei Freude daran, und sicher konnte er sich vorstellen, andere, angenehmere Dinge zu machen. Zu gerne wäre er jetzt in Gondor, bei Legolas. Aber seine Pflichten hielten ihn in Bruchtal fest. Gerade wollte er Elladan grüßen, der die Bücherei auf der Suche nach einem Buch mit Informationen zu elbischen Heilkünsten betreten hatte, als er einen stechenden Schmerz in seinem rechten Arm fühlte.
Beinahe wäre er zu Boden gesunken, doch Elladan war in wenigen Sekunden bei ihm und hielt ihn fest. „Was ist mir dir, Aragorn? Kann ich dir irgendwie helfen?" Besorgnis war in den Augen des dunkelhaarigen Elben zu sehen. Aragorn kannte diesen Blick, denn oft hatte er gesehen, wie Legolas mit solchen Augen angeschaut wurde. Legolas...Plötzlich machte sich in ihm das Gefühl breit, dass seine Schmerzen etwas mit dem Elben zu tun haben mussten.
„Elladan, etwas stimmt mit Legolas nicht. Wahrlich, du könntest mir helfen, wenn es dir nicht allzu viel ausmacht. Reite mit mir nach Minas Tirith. Ich weiß, eigentlich sollte ich hier meinen Pflichten nachgehen, doch zu sehr bin ich in Sorge um Legolas." Elladan zögerte nicht lange und sagte zu. „Beeilen werde ich mich und die Pferde holen lassen. Mach dir keine Sorgen um ihn, in zwei Tagen um diese Zeit werden wir bei ihm sein. Bis gleich." Elladan wechselte noch schnell seine Sachen, ließ sich die Pferd bringen und ritt schließlich in Begleitung von Aragorn mit höchster Geschwindigkeit davon.
Drei Wochen war es her, dass Celebgond und Calenorn in der weißen Stadt angekommen waren. Während Legolas mit letzterem in den ersten Tagen bogen schießen geübt hatte, hielt sich Celebgond von ihm distanziert. Er schien nichts mit seinem jüngeren Bruder zu tun haben zu wollen. Nur selten sprach er mit ihm, und dann waren seine Worte verletzend und erniedrigend. Und Legolas war es kaum möglich, sie für das zu nehmen, was sie waren: böswillige Beleidigungen, die er sich nicht wirklich hätte gefallen lassen müssen.
Doch außer Calenorn war niemand da, der ihn hätte unterstützen wollen. Und Calenorn stand selbst unter dem Einfluss seines Bruders. Celebgond war zwar der jüngere, doch verstand er es besser, mit Worten umzugehen. Und mit ihnen Schaden zu verursachen.
Legolas stand auf dem Übungsfeld für die Bogeschützen. Es war leer heute, außer ihm war nur noch eine Wache zu sehen. Den einzigen anderen Anwesenden bemerkte er erst, als er schon neben ihm war. Celebgond, der nun rechts an Legolas Seite stand, lehnte sich zu Legolas Ohr und sprach leise mit ihm. „Wie läuft es denn so, kleiner Bruder? Schon etwas getroffen an diesem Morgen? Wohl eher nicht, wie ich sehe." Dabei zeigte er auf die leere Holzscheibe, an der noch kein einziger Pfeil hing. Dass Legolas auch noch keinen Pfeil abgeschossen hatte ignorierte er dabei völlig.
„Ich kann die Scheibe nicht treffen solange ich noch nicht geschossen habe, Celebgond. Wenn du mich nun entschuldigen würdest." Der Elb versuchte, ein Stückchen weiter nach vorne zu gehen, doch Celebgond, wesentlich stärker als sein jüngerer und noch immer geschwächter Bruder, hielt ihn an seinem rechten Arm fest und stieß ihn zu Boden. „Sprich nie wieder in diesem Ton mit mir, Legolas. Du kannst dir das nicht leisten. Und schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede. Und sollte ich das nicht tun, hast du deinen Blick zu senken, verstanden?"
Legolas zuckte zusammen von den Schmerzen, die ihm sein rechter Arm bereitete. Aber noch mehr verletzten ihn die Worte seines Bruders. Voller Scham für seine Schwäche, für seine Unfähigkeit sich zu wehren blickte er auf den Boden und wagte seinen Blick erst wieder zu heben, als er sah, wie Celebgond den Platz verließ. Dann brachen die Tränen aus ihm heraus. Wo war Aragorn jetzt? Und Gimli? Sein Vater? In diesem Moment wünschte er sich nichts mehr, als bei ihnen zu sein.
Erschöpft lief er in sein Zimmer. Er legte sich auf das große, mit weißen Laken bezogene Bett und ließ sein Gesicht tief in eines der Kissen sinken. Wenn er schon seine Tränen nicht zurückhalten konnte, so musste es doch nicht jeder sehen und hören. So abgelenkt war er mit seinen Gedanken, dass er nicht merkte, wie Celebgond sein Zimmer betrat. Wieder einmal hatte es der Elb geschafft, seinen kleinen Bruder auszutricksen. Er genoss das Gefühl des Triumphes, als er sich am nächsten Morgen neben Legolas setzte und ihn mit einem missmutigen Gesicht musterte.
„Das wird dir nicht helfen, Legolas. Du weißt, dass du es damit nicht besser machen kannst. Deine Freunde, Vater und Calenorn können dich nicht hören, wahrscheinlich wollen sie auch gar nicht. Denkst du wirklich, dass es aus Zufall geschehen ist, dass sie so oft verreist sind? Selbst Aragorn ist nicht lange geblieben. Überhaupt, Aragorn. Ich verstehe dich nicht, kleiner Bruder. Wie konntest du dich nur mit ihm einlassen? Schlimm genug, dass er männlich ist, es musste auch noch einer aus dem Volk der Menschen sein. Als ob du nicht schon genug Schande über uns, deine Freunde und deine Familie, gebracht hättest."
Legolas konnte kaum glauben, was er soeben gehört hatte. Die Zweifel wurden immer stärker. Er wollte Celebgond anschreien, ihn dafür bestrafen, dass er es wagte, so schlecht über Aragorn zu sprechen. Doch er brachte keinen Ton heraus. Denn gleichzeitig sickerten die Lügen in seinen Gedanken hinein, die falschen Worte und Provozierungen seines älteren Bruders. Plötzlich war sich Legolas weder der Liebe seiner Freunde, seiner Familie noch Aragorns sicher.
Celebgond verließ das Zimmer seines Bruders wieder, denn er war sich sicher, dass er für heute genug getan hatte. Wenn er seinen Plan nicht sogar gerade hatte beenden können. Er wusste es nicht sicher, denn Legolas war für ihn rätselhaft. Gerade wollte er in den Speisesaal, als er von dem Platz vor dem Schloss Hufgetrappel hörte. Es waren zwei Reiter, die soeben angekommen war. Es dauerte nicht lange, da erkannte Celebgond das Gesicht von einem der Zwillingssöhne von Elrond. Und auch den König konnte er sehen. Besorgt wendete er seinen Blick wieder zu dem Zimmer seines kleinen Bruders. Er konnte nur hoffen, dass sein Plan rechtzeitig funktioniert hatte.
Legolas stand wieder aus seinem Bett auf. Die Verzweiflung hatte überhand genommen, er wusste kaum mehr, was er denken sollte. Er ging zu der anderen Seite des Zimmers, dort, wo der Spiegel und die anderen Sachen waren.
Er blickte in den großen Spiegel an der Wand seines Zimmers.
